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Über dieses Buch:

Berlin, 1947: Die Welt um sie herum liegt in Schutt und Asche – und nicht nur deswegen hat Greta das Gefühl, am grauen Alltag zu ersticken. Als sie den Polizisten Rabow kennenlernt, spürt sie zum ersten Mal, was es heißt, sich frei zu fühlen: Zügellos gibt sie sich den sinnlichsten Abenteuern hin. Doch das Spiel zwischen ihnen droht außer Kontrolle zu geraten, als Greta einwilligt, für Rabows Ermittlungen als Lockvogel zu dienen: Sie soll einem berüchtigten Frauenmörder eine Falle stellen. Aber der ist ihr bereits einen Schritt voraus – und Greta nun seine Beute …

Über die Autorin:

Nora Schwarz wurde 1982 in Heilbronn geboren, studierte Germanistik und Kunstgeschichte – und verdiente sich in dieser Zeit ihren Lebensunterhalt als Domina. Über die Erfahrungen im Sado-Maso-Studio schrieb sie den Bestseller Lessons in Lack, dem erotische Erzählungen und Romane, aber auch ein harter Krimi folgten.

Der Sammelband Dark Temptation – Gefährliches Spiel umfasst folgende Einzelbände:

NYLONS. Band 1: Gewagtes Spiel

NYLONS. Band 2: Verbotenes Spiel

NYLONS. Band 3: Gefährliches Spiel

Bei dotbooks veröffentlichte Nora Schwarz bereits den Kriminalroman Todestrieb sowie die Romane der erotischen NYLONS-Serie

NYLONS. Band 1: Gewagtes Spiel

NYLONS. Band 2: Verbotenes Spiel

NYLONS. Band 3: Gefährliches Spiel

NYLONS. Band 4: Harte Zeiten

NYLONS. Band 5: Mademoiselle hat ein Geheimnis

NYLONS. Band 6: Erziehung eines Diebes

NYLONS. Band 7: Der Schwan

NYLONS. Band 8: Das französische Mädchen

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Sammelband-Originalausgabe November 2017

Copyright © der Einzelausgaben 2013 und 2015 dotbooks GmbH, München

Copyright © der Sammelband-Originalausgabe 2017 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Redaktion: Sabine Thiele

Titelbildabbildung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/L. Kramer (Muster), Yummyphotos (Etikett)

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (rb)

ISBN 978-3-96148-127-9

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Nora Schwarz

Dark Temptation – Gefährliches Spiel

Roman

dotbooks.

Gewagtes Spiel

Kapitel 1

Berlin 1947

Greta begriff viel zu spät, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Sie kannte die Risiken, wenn man sich auch nur in die Nähe des Schwarzmarktes am Brandenburger Tor bewegte. Es war egal, ob man den Platz vielleicht nur überquerte – wenn eine Razzia stattfand, kassierten die Schupos alles und jeden ein. Auch Passanten. Die konnten sich zwar später beim Verhör herausreden, aber für alle, die Geschäfte tätigten, wurde es schwierig. Wer etwas bei sich trug, und war es nur ein Knäuel Garn, bekam Probleme.

Als der schrille Pfiff ertönte und einer der Bengel, die Schmiere standen, „Razzia!“ brüllte, war es bereits zu spät. Für einen Moment war Greta wie betäubt. Zuerst glaubte sie, dass es mit der nahenden Ausgangssperre zu tun hatte, die seit letzter Woche noch viel strenger überwacht wurde als ohnehin schon. Seit Ende Oktober waren vier junge Frauen verschwunden, eine davon hatte man gestern aus der Spree gefischt, erdrosselt. Natürlich hatte auch Greta jetzt Angst. Wenn es sich vermeiden ließ, ging sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. Aber ihr heutiges Vorhaben ließ ihr keine Wahl. Sie zuckte zusammen und riss den Kopf hoch.

Um sie herum schien eine Massenszene im Theater urplötzlich zum Leben zu erwachen. Eben noch herrschten überall sparsame Bewegungen, verstohlenes Kopfdrehen, langsame Handzeichen vor – und schlagartig stob alles auseinander. Frauen, Männer, Halbwüchsige, das Pflaster vibrierte von hastigen Schritten. Als hätte ein unsichtbarer Mechanismus alle Hände auf einmal geöffnet, fielen um sie herum Dinge zu Boden. Bündelweise Reichsmarkscheine, Schuhcremedosen mit Butter, Taschen und Koffer, Flaschen mit Selbstgebranntem, Zigaretten, Schuhe, Armbanduhren, Schokoladentafeln … Plötzlich herrschte ein ohrenbetäubender Lärm, Scheppern und Klirren, das Stampfen der Füße, und über allem lag das Schreien der Schupos, die Trillerpfeifen, die Rufe der Leute. Ihr Geschäftspartner, eben noch direkt vor ihr, tauchte in der Menge unter. Greta wusste, dass sie ihren Einkauf fallen lassen sollte, so konnte man ihr nichts nachweisen. Aber etwas ließ sie zögern. Sie brachte es nicht übers Herz, in die Innentasche ihres Mantels zu fassen, um das eben erworbene Päckchen aufs Pflaster zu werfen. Es war ohnehin zu spät. Eine grobe Hand packte sie von hinten und riss sie herum.

„Fräulein, das ist eine Razzia, Sie sind festgenommen!“, brüllte sie ein Polizist an.

Greta riss sich los. Eigentlich hatte sie das gar nicht vorgehabt, denn je unauffälliger und unverdächtiger man sich auf dem Schwarzmarkt gab, desto besser. Doch jetzt rannte sie durch die Menge, den linken Arm fest auf ihren Mantel gepresst, damit ihr kostbares Gut nicht herausfallen konnte. Um sie herum brandeten Schreie hoch, Frauen wehrten sich panisch gegen den Zugriff der Schupos, Jungen versuchten, zwischen den Beinen der Leute durchzuschlüpfen.

Sie wusste nicht, ob sie eine Chance hatte, noch aus dem brodelnden Kessel herauszukommen. Ohne zu wissen, wohin, rannte sie einfach los. Was auf dem zerfetzten Pflaster mit den vielen Schlaglöchern gar nicht einfach war und erst recht nicht in den billigen Damenschuhen mit der dünnen Sohle. Ihr graute jetzt schon davor, mit diesen Schuhen den kommenden Winter zu überstehen. Da, das Palais des Fürsten Blücher, schwer beschädigt von Bombentreffern! Sie sah, wie eine kleine Gruppe Jungen ebenfalls hineinhastete. Das einst ehrwürdige Gebäude hatte seinen Haupteingang zum Pariser Platz, und von dort aus konnte man gewiss entkommen. Sie beschleunigte ihre Schritte. Irgendjemand warf eine Dose Büchsenfleisch, die scheppernd über das Pflaster rollte. Die Jungen waren schon durch eine Maueröffnung verschwunden.

Ich muss es riskieren, dachte Greta und stieg ebenfalls hindurch.

Im Innern hallten noch die Schritte der Flüchtenden. Es war stockdunkel und stank erbärmlich nach Müll, Urin und verbranntem Holz. Wohin jetzt? Die Bengel kannten sich in der Ruine natürlich aus, sie war in der Dunkelheit hilflos.

Greta wagte ein paar vorsichtige Schritte in die Richtung, aus der das Echo der Schritte kam. Ich hätte mich dichter hinter ihnen halten sollen.

Als sie hinter sich ein Geräusch vernahm, wirbelte Greta herum. Zwei schwere Hände legten sich auf ihre Schultern und stießen sie ein Stück zurück. Sie taumelte und blinzelte erschrocken in die Dunkelheit, erkannte aber nur einen sich bewegenden Schatten.

Der ursprüngliche Instinkt, der sie vor dem Polizisten hatte weglaufen lassen, kam kein zweites Mal auf. Sie wurde gegen eine feuchte Wand gedrückt. Atemlos presste sie die Augen zusammen, gelähmt wie ein Lamm in der Gewissheit des Todes. Doch die kräftigen, groben Hände taten ihr nicht weh. In der nächsten Sekunde flammte ein Sturmfeuerzeug auf. Sie blinzelte.

Vor ihr beleuchtete eine kleine Flamme das Gesicht eines Mannes, das in der Dunkelheit zu tanzen schien. Ein breites, etwas zerfurchtes Gesicht mit hellen blauen Augen.

„Sieh an, wer treibt sich denn hier in der Finsternis herum?“, fragte der Mann. Er hatte eine wissende, lauernde Stimme, und in der nächsten Sekunde war sich Greta sicher, dass er sie in die Tiefen der Ruine verschleppen würde. Von draußen erklangen immer noch die dumpfen Schreie der Razzia. Ein schrecklicher Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Was, wenn der geheimnisvolle Mörder, den die Berliner Polizei jagte, gerade hier auf sein nächstes Opfer gewartet hatte, in dem Wissen, dass bei den Flüchtenden vom Schwarzmarkt sicherlich auch eine junge Frau den Weg durch das dunkle Palais nehmen würde? Greta zitterte immer unkontrollierter. Und doch war die Stimme des Mannes so eigenartig höflich und ein wenig … gelangweilt. Klang so ein Frauenmörder? Und sein Gesicht? Dazu waren seine Augen irgendwie zu wach, zu hell.

„Der Platz ist eingekesselt, und dieser Umweg ist nicht gerade der sicherste“, meinte der Mann und musterte sie prüfend. „Da fragt man sich doch, was für eine Art junges Fräulein so etwas macht?“ Er schüttelte missbilligend den Kopf.

„Bitte …“, wisperte Greta, „tun Sie mir nichts.“

Wieder das missbilligende, knappe Kopfschütteln. „Na ja, dafür kann ich nicht garantieren. Denn etwas muss ich schon mit Ihnen tun. Wenn auch nicht gerade das, was Sie da befürchten. Oder erhoffen Sie es?“ Der Mann grinste und bewegte das Feuerzeug vor und zurück. Greta erstarrte. Da fiel ihr die Kleidung des Mannes auf. Keine abgerissenen Lumpen. Er stank auch nicht, wie man es von jemandem, der in einer Ruine haust, erwarten würde. Er trug einen etwas abgetragenen Anzug, Hut und Halstuch. Seitlich der Hutkrempe stand etwas struppiges Haar hervor, kurze Bartstoppeln im Gesicht. Er betrachtete sie auf eine so seltsam intensive Art, dass Greta sich fragte, ob er vielleicht jemanden in der Finsternis erwartet hatte.

„Was trägst du bei dir, Mädchen?“, flüsterte er. Er näherte sein Gesicht dem ihren und schien ihren Geruch aufzusaugen. Seine Augen wirkten im tanzenden Flammenlicht wie leuchtende Glasmurmeln. Und dennoch war der Ausdruck darin nicht gierig, lüstern. Sondern eher überrascht, erstaunt und ein klein wenig freudig.

Er wird mich anfassen, dachte Greta angstvoll. Er wird mich durchsuchen und mir alles wegnehmen. Sie schwieg und schüttelte den Kopf.

„Na, zum Spaß bist du hier nicht reingeklettert, das ist mal klar. Also Schwarzmarkt.“

Wieder schüttelte sie den Kopf. Der Mann berührte mit der Rechten ihre Hüfte, aber nur kurz. Sie hätte an ihm vorbeischlüpfen und fortrennen können. Er hielt sie nicht fest. Doch seine breite Gestalt schüchterte sie derart ein, dass sie glaubte, die Knie würden unter ihr nachgeben. 

Da ergriff er ihre Schulter und zog sie von der Mauer weg.

„So leid es mir tut, aber der Weg ist hier zu Ende.“

Er bugsierte sie zu der Maueröffnung und stieß sie ins Licht zurück. Auf dem Platz herrschte immer noch Chaos. Ein Schupo stand nur fünf Meter entfernt. Der Mann winkte ihn heran.

„Mitnehmen“, lautete sein knapper Befehl.

Greta sah sich hektisch nach dem Mann um. Der stieg ohne einen Blick zurück in die Maueröffnung der Ruine.

„Was …?“, fragte sie fassungslos, doch der Schupo führte sie ohne weitere Erklärung ab. Mittlerweile war der Platz vollständig eingekesselt, und die Schwarzmarktleute wurden zu Dutzenden verhaftet.

Greta fühlte sich mit einem Mal müde und schmutzig. Die Ereignisse in der Ruine hatten sie verstört und erschöpft. Der Mann war Polizist gewesen. Sie dagegen hatte schon den Frauenmörder vor sich gesehen. Sie kam sich albern vor und fühlte keine Erleichterung.

Kapitel 2

Greta musste mit anderen Verhafteten auf einen Lastwagen steigen, der sie ins Präsidium in der Friesenstraße im amerikanischen Sektor brachte. Sie wusste, was jetzt kam. Einer der Jungen, die sonst Schmiere standen, hatte ihr das Prozedere einmal erzählt. Sie seufzte leise. Die Vorstellung, dass sie ihr ihre Errungenschaft wegnehmen würden, machte sie traurig und wütend. Und wenn sie deswegen im Gefängnis landete? Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Ja, der Schwarzmarkthandel verstieß gegen das Versorgungsgesetz. Aber … aber das, was sie gekauft hatte, war für viele Berliner absolut uninteressant. Es war weder Penicillin aus Armeebeständen noch etwas anderes Heikles.

Um sie herum hörte sie das Murren und Schimpfen der anderen. Ein paar überraschend fein gekleidete junge Frauen waren ebenfalls unter den Verhafteten. Eine von ihnen trug eine kompliziert aufgesteckte Abendfrisur, die die Festnahme seltsamerweise unbeschadet überstanden hatte. Greta selbst verbarg ihr schulterlanges Haar unter einer Wollmütze. Sie sah glatte, gepflegte Wollstrümpfe bei den anderen, Lederhandschuhe, sogar Lippenstift und fühlte sich mit ihrem umgefärbten Wehrmachtsmantel sehr schäbig. Blass wie sie selbst waren in diesen Tagen alle in Berlin. Aber ihre Mithäftlinge hatten mit Zichorien-Papier nachgeholfen, so dass es aussah, als wären sie mit Rouge geschminkt. Sie selbst glich durch den ganzen Schrecken und die Aufregung wahrscheinlich einem Geist.

„Ich hatte diese weiße Seidenbluse an der Angel!“, beschwerte sich eine junge, schlanke Frau. „Und jetzt? So ein Volltrottel von Schupo hat sie einfach zertrampelt!“

„Was willst du denn mit ’ner Seidenbluse, Kindchen?“, schimpfte eine ältere Dame, die doch tatsächlich einen Pelzkragen trug. „Was wir brauchen, ist Essen. Mein schönes Dosenfleisch …“

Greta beteiligte sich nicht an den hektischen Gesprächen um sie herum. Sie wollte das Kommende nur möglichst schnell hinter sich bringen.

Und wenn die Schupos, die die Befragung durchführten, nun gewalttätig wurden?

Eine halbe Stunde später saß Greta in einer geräumigen Zelle im Keller des Polizeipräsidiums und wartete, bis sie zur Befragung abgeholt wurde. Stunden vergingen. Wie viele, das wusste sie nicht. Ihre Hand wanderte immer wieder wie von selbst ins Innenfutter ihres Mantels. Wie lange würde es noch dauern, bis sie es ihr wegnehmen würden? Ihre Finger glitten durch das weiche Gewebe, gruben sich hinein, und plötzlich senkte sich eine eigenartige Ruhe über sie. Sie schloss die Augen. Sie würde ihren Schatz zwar niemals zum Einsatz bringen, niemals voll und ganz genießen, aber die Momente, in denen sie ihn einfach anfassen konnte, bargen eine ganz eigene Schönheit. Das weiche, schmeichelnde Gefühl an ihren Fingern verschaffte ihr einen gewissen Trost, auf den sie sich nun voll und ganz konzentrierte, um sich nicht von der grellen Beleuchtung der Zelle einschüchtern zu lassen.

Jemand stieß ihre Schulter an. Greta schreckte hoch. Sie musste eingeschlafen gewesen sein.

„Na, für ein Nickerchen ist das hier der falsche Platz, Fräulein!“, rief ein junger Wachmann. Ruckartig stand sie auf, man führte sie aus der Zelle. Benommen durch den Schlaf, spürte sie nun zum ersten Mal an diesem Tag eine durchdringende Kälte. Es war November, und allmählich machte sich der Winter in Berlin breit.

Es ging eine Treppe hinauf, einen langen Flur voller verschlossener Türen entlang. Am Ende klopfte der Mann an eine graulackierte Tür, wartete auf einen Befehl, den Greta nicht hören konnte, drückte die Klinke und schob sie in einen überraschend hellen Raum.

Greta brauchte eine Weile, um sich zu orientieren. Die Helligkeit kam nicht von draußen, das sah sie durch die Fenster. Wie lange habe ich geschlafen, fragte sie sich irritiert.

Unter der leicht schwankenden, grellen Lampe saß eine Gestalt am Tisch, deutete auf einen Drehhocker und schob einen Stapel Papiere zur Seite. Greta ließ sich langsam auf die schmale Sitzfläche sinken. Im nächsten Moment zuckte sie zurück.

Der Polizeibeamte war der Mann aus der Ruine.

Neben ihm standen eine Teekanne und eine dampfende Tasse. Gretas Magen zog sich zusammen. Was hätte sie jetzt für ein paar Schlucke Tee gegeben …

Der Mann betrachtete sie gleichgültig und etwas gelangweilt. Nichts deutete darauf hin, dass sie ihm auch nur ein bisschen bekannt vorkam.

Erinnert er sich gar nicht an mich?, schoss es ihr durch den Kopf.

„Also, Personalien?“, fragte er ungeduldig und nahm einen Stift zur Hand. Zögernd griff Greta in die rechte Manteltasche und holte ihre Briefbörse heraus, zog den Ausweis hervor und legte ihn in die Mitte des Tisches. Ohne sie anzusehen, notierte der Mann ihren Namen, die Adresse und fragte schließlich, die Nase schon halb in seiner Teetasse:

„Was machen Sie?“

„Wie bitte …?“

„Beruflich. Nehme nicht an, dass Sie professionelle Schwarzmarkthändlerin sind. Obwohl … so manche schöne, junge Frau wie Sie ist heutzutage abgebrühter, als es uns recht sein kann.“

Er trank genüsslich und langsam, und Greta fühlte auf einmal Wut wegen dieser unnötigen Provokation in sich aufsteigen.

„Ich bin Sekretärin bei Lüdke und Partner“, sagte sie schließlich, nicht ohne Stolz.

„Ah, Anwälte.“ Jetzt hob der Mann den Kopf und sah ihr offen ins Gesicht. Trotz der grellen Glühbirne wirkte er immer noch etwas geheimnisvoll. Nicht wie ein typischer Polizist. Ein müder, etwas spöttischer Zug lag um seinen Mund. Er ist erschöpft, dachte Greta hoffnungsvoll. Er wird es kurz machen und mich schnell gehen lassen.

Doch sie irrte sich. Denn plötzlich, als hätte jemand im Kopf des Mannes einen Schalter umgelegt, wurde sein Blick lauernd, sein Mund spannte sich an. „So, dann verdienen Sie etwa 200 Reichsmark im Monat. Ist das korrekt?“

„240“, verbesserte sie flüsternd.

„Gut, 240. Anständiges Gehalt, würde ich sagen. Aber in diesen Zeiten … Und deswegen frage ich mich auch, wie Sie sich das kleine Geschäft auf dem Schwarzmarkt leisten können.“

„Welches … welches Geschäft?“, fragte sie spitz. „Ich habe nichts gekauft. Und auch nichts verkauft!“ Sie strich sich die losen Haarsträhnen unter die Mütze, die sie immer noch trug. „Ich war zufällig dort, ich wollte …“

Der Mann lehnte sich zurück, schnalzte missbilligend mit der Zunge und betrachtete ihren Ausweis. „Es sind schwere Zeiten, Fräulein Kirke. Aber lügen, als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei? Und noch dazu so schlecht?“

„Sehen Sie irgendwelche Waren an mir?“, zischte sie.

„Noch nicht“, meinte der Mann. „Aber Sie werden sie mir zeigen, da bin ich sicher.“

Ein Schauder kroch über Gretas Rücken. Es wurde wohl doch nichts mit dem schnellen Verhör. Ich sollte einfach gestehen. Was soll schon passieren. Ich werde verwarnt, und das war’s dann. Man würde sie doch nicht einsperren, wenn man ihr gar nichts nachweisen konnte.

Oder etwa doch?

„Eine Dose Butter“, sagte sie rasch. „Ich habe sie fallen lassen.“

„Eine Dose Butter“, wiederholte der Polizist und hob den Blick. „Und eingetauscht gegen was? Großmamas Perlohrringe?“ Jetzt lachte er.

Er erhob sich und kam um den Tisch herum. Greta verkrampfte die Hände im Schoß. Die Lampe über dem Tisch schwankte leicht. Die Schritte des Mannes waren schwer auf dem Linoleumboden. Er trat hinter ihren Stuhl und verharrte. Greta versteifte sich und zog unwillkürlich den Kopf ein. Dann lagen die Hände des Mannes plötzlich auf ihren Schultern. Greta hielt den Atem an.

„Fräulein Kirke, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Ich dachte, das erübrigt sich irgendwie, weil ich mich heute schätzungsweise halb Berlin vorgestellt habe.“ Er lachte wieder, leise und spöttisch. „Mein Name ist Bruno Rabow. Kriminalinspektor. Sagt Ihnen das irgendetwas?“

Greta wusste sofort, wen sie vor sich hatte. In der Presse war überall davon zu hören, und sein Name war mehrmals aufgetaucht. „Sie … Sie bearbeiten den Fall mit den verschwundenen Frauen“, flüsterte sie.

Statt einer Antwort drückte Rabow kurz ihre Schultern. Plötzlich wurde Greta bewusst, wie verspannt und verkrampft sie war und wie eigenartig gut sich dieser Druck anfühlte.

„Also, Sie sehen, ich bin ein vielbeschäftigter Mann. Diese Razzia heute … Nun ja, Sie können sich sicher denken, dass es uns dabei nicht nur darum ging, ein paar Uhrenverkäufer und eine Handvoll verzweifelter Hausfrauen festzunehmen.“

Sie schüttelte den Kopf. Warum konnte Rabow ihr das nicht sagen, wenn sie vor ihm saß? Warum hatte sie das Gefühl, dass seine Hände auf ihren Schultern auf irgendetwas warteten? Sie räusperte sich.

„Waren Sie deswegen in der Ruine?“, fragte sie leise.

„Sie erwarten hoffentlich nicht, dass ich etwas dazu sage, oder?“

„Nein, Entschuldigung.“

Wieder drückte er ihre Schultern. „Wir haben diese Razzia veranstaltet, weil es um etwas Bestimmtes geht, was gewisse verdächtige Kreise auf dem Schwarzmarkt anbieten. Deswegen muss ich wissen, was Sie gekauft haben und von wem.“

Warum spricht er so höflich mit mir? Warum so geduldig? Wenn er doch halb Berlin in seinem Verhörzimmer hatte? Gretas Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Aber sie wagte ihre kleine Lüge erneut.

„Ich habe es fallen lassen.“

„Soso“, bemerkte Rabow, hob die Hände und ließ sie wieder auf ihre Schultern fallen, als wäre er erschöpft und enttäuscht über ihre Aussage. Er glaubt mir nicht, dachte sie mit einem Anflug von Angst. Der Mann hinter ihr schwieg, doch dann wanderten seine Hände nach unten. Greta zuckte zusammen. Ihr Hals wurde eng. Was, wenn er es jetzt einfach ausnutzte, dass sie ihm ausgeliefert war? So wie es noch vor wenigen Jahren üblich war in ganz ähnlichen Verhörzellen?

Aber Rabow strich erstaunlich leicht über die Oberfläche ihres Mantels, ganz zart über die sanfte Wölbung ihrer Brüste. Er beugte sich weiter vor, sie spürte seinen Kopf neben sich und roch den Tee, den er getrunken hatte; dahinter lag das schwache Aroma von Tabak.

Seine Hände fuhren langsam und ohne zuzugreifen über ihren Oberkörper, als wagte er nicht, sie wirklich zu durchsuchen. Seine Stimme war ganz nah an ihrem Ohr und raunte: „Sie haben also eine Dose Butter fallen lassen und bewahren nichts unter Ihrem Mantel auf.“

Greta schüttelte den Kopf. Ihr Atem ging flach.

„Sie denken wirklich, dass ich Sie laufenlasse, nicht wahr?“, flüsterte er. „Sie denken, ich habe genug damit zu tun, die verschwundenen Mädchen zu suchen. Dass ich mich nicht um ein paar Schwarzmarktgeschäfte kümmern kann, wo doch jeder Berliner welchen nachgeht.“

Greta nickte benommen. Die Hände des Inspektors wanderten zu ihren Schultern zurück. Wie sie dort lagen, so schwer und seltsam unentschlossen – es fühlte sich gut an. Greta schloss die Augen. Was hatte er vor?

„Sie glauben gar nicht, wie anstrengend und unschön es ist, dieser Geschichte nachzugehen“, seufzte Rabow. „Aber es wird mich nicht daran hindern, meine Arbeit zu tun. Es ist nur so, dass ich dringend“, er holte tief Luft, „dringend eine kleine Aufmunterung brauche. Etwas Schönes, in diesem grauen, hässlichen Winter.“

Greta wollte etwas sagen, doch die Linke des Inspektors legte sich leicht auf ihren Mund. „Schsch, Fräulein Kirke. Sagen Sie nichts. Sie werden mir zuhören. Sie sind Sekretärin in einem Anwaltsbüro, und Sie werden arbeitslos sein, wenn herauskommt, dass Sie Schwarzmarktgeschäfte machen, von der Polizei festgehalten werden, lügen, der ganze Schlamassel eben. Lohnt sich das wirklich dafür?

Greta erstarrte. Also wusste er bereits, was sie unter ihrem Mantel trug. Aber wie hatte er es herausgefunden? Hatte er sie bei ihrem kleinen Geschäft mit dem amerikanischen Besatzungssoldaten beobachtet?

„Sie sehen, Sie müssen mir nichts vormachen.“ Rabows Stimme klang geduldig und gleichzeitig unendlich müde. Als wäre er es gründlich leid, von den Schwarzmarktleuten angelogen zu werden.

„Das normale Prozedere wäre, dass ich Ihnen Ihre Schätze jetzt abnehme und Sie – in Anbetracht der Tatsache, dass sie auf dem Schwarzmarkt ja gewissermaßen eine zweite Währung sind – also, dass ich Sie inhaftiere. Für eine Woche. Das reicht als Verwarnung, und es reicht, damit Dr. Lüdke sich nach einer neuen Sekretärin umschaut.“

Greta schnappte nach Luft und wollte den Kopf drehen, doch Rabow hielt ihn fest nach vorn gerichtet. Nicht grob oder schmerzhaft. Aber dennoch sehr bestimmt.

„Es ist nicht so, dass ich Sie nicht verstehe, Fräulein Kirke. Aber verstehen Sie mich auch.“ Er strich wie beiläufig über ihre Wange. „Ich werde Sie jetzt laufenlassen. Aber Sie haben morgen Abend um neun eine Verabredung mit mir. In meiner Wohnung in der Tieckstraße 46. 3. Stock. Kommen Sie alleine, und bringen Sie das mit, was Sie unter dem Mantel tragen. Wenn Sie nicht kommen, wird die Verhaftung nachgeholt, mit den bekannten Konsequenzen.“

Dann ließ er sie schlagartig los, ging zur Tür und öffnete diese. Greta erhob sich mit weichen Knien. Fast wäre sie getaumelt. Sie blinzelte und versuchte, einen Blick auf den Inspektor zu erhaschen. Aber die immer noch sacht pendelnde Lampe überzog das Verhörzimmer mit flackernden Schatten und grellem Licht, und sie konnte sein Gesicht nicht sehen. Was hatte er gesagt? Und hatte er es ernst gemeint?

Als Greta schließlich auf der Straße stand, war sie ganz benommen. Als wäre sie soeben aus einem Traum aufgewacht, fragte sie sich, ob das Gespräch mit dem Inspektor tatsächlich stattgefunden hatte.

Doch die Adresse, die er genannt hatte, war fest eingebrannt in ihrem Gedächtnis.

Auf dem beschwerlichen Heimweg durch die zerbombte Stadt war es Greta, als bewegte sie sich durch einen zähen Nebel. Sie dachte überhaupt nicht daran, dass ein Mörder sein Unwesen trieb, so sehr war sie in Gedanken mit der seltsamen Szene im Verhörzimmer beschäftigt. War das ein anstößiges Angebot gewesen? Ganz eindeutig, denn wenn er – wie auch immer er das herausgefunden hatte – auf den Schatz in ihrem Mantel anspielte, konnte es sich nur um etwas Lüsternes handeln, das er im Sinn hatte. Greta kniff die Lippen zusammen. Rabow erpresst mich! Das hätte er aber auch tun können, wenn sie tatsächlich ein halbes Pfund Butter auf dem Schwarzmarkt gekauft hätte. Doch die Natur dessen, was sie bei sich trug, sagte ihr, dass diese geheimnisvolle Verabredung mit dem Inspektor in eine Richtung gehen könnte, die ihr überhaupt nicht geheuer war.

Und wenn ich nun nicht hingehe? Wird er die Verhaftung tatsächlich nachholen?

Greta wollte es nicht darauf ankommen lassen. Der Inspektor war nicht unsympathisch gewesen. Im Gegenteil. Seine undurchschaubare Ruhe hatte sie fasziniert.

Trotzdem: Eine anständige Frau würde sich doch niemals auf so etwas einlassen.

Bin ich eine anständige Frau? Es kam ihr unendlich absurd vor, in diesen Zeiten in den alten Kategorien von Anstand und Schicklichkeit zu denken. Hatten sie nicht alle bewiesen, wie leer diese Werte eigentlich waren?

Die Gewissheit, diese Verabredung einzuhalten, erfüllte sie nicht mit Angst oder Abscheu. Eher mit einer seltsamen Neugierde. Und sie war sich absolut sicher, dass er es ihr nicht gestatten würde, dieses Treffen zu versäumen.

Kapitel 3

Die Tieckstraße 46 war ein wilhelminisches Eckhaus, dessen eine Seite komplett in Schutt und Asche lag, während die andere Seite auf geradezu obszöne Art und Weise unbeschädigt aussah. Greta wusste, dass Klingeln zwecklos war. Jeder sparte Strom, die Klingeldrähte waren blockiert. Sie stieg langsam in den 3. Stock hinauf. Ihr Herz schien mit jeder Stufe härter zu hämmern. Ein handgekritzelter Zettel mit seinem Namen hing an einer hohen Holztür, deren Milchglasscheibe von innen mit Stoff verhangen war. Kein Lichtschimmer drang hindurch. Zaghaft klopfte sie. Es bestand immer noch die Hoffnung, dass er nicht öffnete. In der nächsten Sekunde erklangen jedoch schon schwere Schritte von drinnen.

Greta zuckte zusammen. Doch Inspektor Rabow begrüßte sie wie einen freudig erwarteten Gast. Wortlos, aber mit einem entsprechenden Blick. Ihre Furcht legte sich ein wenig. Als sie im Flur stand, strich er ihr kurz über die Wange.

„Ihnen ist kalt“, stellte er fest.

Sie nickte. Hier drinnen war es nicht wesentlich wärmer als auf der Straße. Da erst sah sie, dass die vom Flur abgehenden zwei Zimmer keine Türen hatten. Die hatte er wohl verfeuert.

Rabow führte sie in einen angrenzenden Raum, in dem die Zeit stehengeblieben war. Während die andere Seite des Hauses im Chaos versunken war, hatte sich hier das Leben vor dem Krieg bewahrt. Ein langgestrecktes Sofa, zwei Sessel, eine schwere Anrichte mit Röhrenradio. An der Wand ein kleiner Kanonenofen, in dem ein Feuer prasselte. Hier drin war es schon ein wenig wärmer, aber Greta schaffte es nicht, sich zu entspannen. Was in dieser Wohnung höchstwahrscheinlich passieren würde, erfüllte sie mit nagender Unruhe. Dann sah sie den Tisch. Rabow hatte für zwei gedeckt. Zwischen zwei tiefen Tellern und zwei Weingläsern stand eine Suppenterrine. Gretas Hals wurde eng. Sie hatte an diesem Tag nur einen sauren Hering gegessen und etwas Brot. Die Vorstellung, dass Rabow vielleicht etwas Nahrhafteres hatte, verscheuchte für ein paar Sekunden ihre Angst. Lass dir nicht anmerken, wie bitter nötig du was zwischen die Zähne brauchst. Du hättest dir auf dem Schwarzmarkt ja auch Lebensmittelmarken holen können. Plötzlich glaubte sie, der Inspektor wolle sie über ihren Hunger auf eine ganz subtile Art quälen.

Bruno Rabow lud sie nicht ein, Platz zu nehmen. Er selbst setzte sich auf das langgestreckte Sofa, stützte die Hände auf den Knien ab und starrte sie an.

Sein Blick glitt von ihrer Mütze bis zu den Wollstrümpfen unter dem umgefärbten Wehrmachtsmantel, den sie trug. Blieb an ihren durchgelaufenen Schuhen hängen und wanderte wieder hinauf zu ihren Händen, die sie tief in den Taschen vergraben hatte. Plötzlich fühlte sie sich hässlich.

„Haben Sie Ihre Errungenschaft von gestern denn gar nicht dabei?“, fragte er leise.

Greta umklammerte das kleine Bündel in der linken Tasche. „Doch“, wisperte sie. „Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was Sie von mir wollen.“

Bruno Rabow machte ein nachdenkliches Gesicht. „Wirklich nicht? Ich dachte, Sie hätten etwas mehr Phantasie.“

„Oh, ich habe Phantasie“, beharrte sie. Es hörte sich trotziger an als beabsichtigt. „Aber alles, was ich mir vorstelle, passt so gar nicht zum Verhalten eines Polizeiinspektors.“

„Ach nein? Sie meinen, es ist nicht die feine Art, eine Dame zu erpressen und sie zu sich in die Wohnung kommen zu lassen?“

„Nein, ganz und gar nicht!“

„Tja, und trotzdem sind Sie gekommen“, stellte er fest. „Ich frage mich, was mir das über Sie sagt, Fräulein Kirke. Sagt mir das, dass Sie Angst haben, Ihre Stelle zu verlieren? Oder dass Sie ahnen, was den Grund dieser Verabredung betrifft? Ich meine, schließlich haben Sie ja wirklich keine Dose Butter in Ihrem Mantel.“

Greta schluckte. „Woher wissen Sie das?“

Rabow hob die Schultern. Dann stand er auf und bat sie, ihren Mantel auszuziehen. Mit zitternden Fingern streifte sie die Wollmütze ab und öffnete die Knöpfe, während der Mann direkt vor ihr stand und sie beobachtete.

„Der Schwarzmarkt hat seine eigenen Gesetze. Und ich habe sie genau studiert. Wenn ich eine junge Dame sehe, die sich mit Ami-Soldaten trifft, dann kombiniere ich einfach nur.“

Er neigte sich plötzlich vor, ergriff ihr Gesicht mit beiden Händen und näherte seinen Mund dem ihren. Greta schnappte nach Luft. Langsam ließ er sie wieder los und sagte. „Sie riechen außerdem nicht nach Tabak, deswegen nehme ich an, dass es keine Zigaretten waren.“

Ihr Mantel klaffte auf, und Greta steckte schnell wieder die Hände in die Taschen.

„Holen Sie sie ruhig hervor“, forderte er sie auf.

Greta seufzte innerlich und holte den winzigen Stoffsack aus der Manteltasche. Schlagartig fühlte sie sich noch verletzlicher als zuvor.

Rabow trat hinter sie und nahm ihr wie ein formvollendeter Gentleman den Mantel ab. Er warf ihn auf einen Sessel und setzte sich wieder.

„Es sind schwere Zeiten, Fräulein Kirke. Wir schauen alle, dass wir überleben. Und glauben Sie mir – manchmal hasse ich mich, dass ich es als Bulle den Leuten so schwermache. Wir alle genießen es, Dinge zu kaufen, die es eigentlich nicht zu kaufen gibt. Aber ich frage mich – was bringt eine junge Dame wie Sie dazu, sich ausgerechnet so etwas zu kaufen? Haben Sie einen Freund?“

Greta schüttelte den Kopf.

„Was wollen Sie?“, presste sie hervor.

Rabow betrachtete sie mit einer fast katzenhaften Intensität.

„Schönheit“, sagte er. „Ein wenig Schönheit in diesem grauen Alptraum.“ Er lachte, kurz und freudlos. „Darin unterscheide ich mich nicht von Ihnen, Fräulein Kirke. Sie sind auch auf der Suche nach ein wenig Schönheit. Ich habe Sie deswegen nicht eingesperrt, weil ich Ihnen vorschlagen wollte, sie mit mir zu teilen.“