Erik Weihenmayer

mit Buddy Levy

BLINDES

VERTRAUEN

Mit dem Kajak durch den Grand Canyon –

Wie ich die größte Herausforderung meines Lebens meisterte

Aus dem Englischen von Martin Bayer, Franka Reinhart und Ursula Held

1. Auflage 2017

© 2017 by Erik Weihenmayer & Buddy Levy

© Vorwort: 2017 by Bob Woodruff

© 2017 für die deutsche Ausgabe: DuMont Reiseverlag, Ostfildern

Alle Rechte vorbehalten

Die englische Originalausgabe ist 2017 unter dem Titel »No Barriers« bei Thomas Dunne Books, New York, erschienen. Für die deutsche Ausgabe wurde der Originaltext in Abstimmung mit dem Autor gekürzt und aktualisiert.

Übersetzung: Martin Bayer, Franka Reinhart, Ursula Held

Gestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Umschlagfoto: James Q Martin (vorne), Rob Raker (hinten)

Autorenfoto: Skyler Williams

ISBN 978-3-616-49100-4

www.dumontreise.de

INHALT

Vorwort von Bob Woodruff

Prolog

Kapitel 1      Sehkraft

Kapitel 2      Alchemie

Kapitel 3      Versuchskaninchen

Kapitel 4      Ein Körnchen Sand

Kapitel 5      Abenteuervielfraß

Kapitel 6      Arjuns Spielplatz

Kapitel 7      »Nicht mein Yak!«

Kapitel 8      Die Gates of Lodore

Kapitel 9      Handtücher und Packband

Kapitel 10    Whirlpool und Wildwasser

Kapitel 11    18 Löcher

Kapitel 12    Der andere Blinde

Kapitel 13    Der blindeste Mensch der Welt

Kapitel 14    Ruhiges Fahrwasser

Kapitel 15    Smile

Kapitel 16    Das Gewicht des Wassers

Kapitel 17    Flow

Kapitel 18    Lava

Epilog

Bilderstrecke

Über den Autor

Leseprobe: Die acht Lektionen der Wüste

Wintersonnenwende

Der Mann schaute meinem Freund tief in die Augen und sagte,

»Du hast viel durchgemacht«

Mein Freund begann zu weinen ...

Wer hat nicht »viel durchgemacht«?

Erst wenn wir das im anderen wahrnehmen, wissen wir, was Liebe ist.

Wir vereinen unsere Kräfte,

Wenn unsere Seelen sich umarmen und unsere Geschichten sich verflechten

Wir neigen uns einander zu, um das Erlebnis miteinander zu teilen,

Wir neigen uns einander zu, um einander zu berühren,

Und wissen, dass wir einander gleichen.

Patrick Foss

VORWORT

Bob Woodruff, ABC News

Fast jeder wird irgendwann im Leben geprüft. Die Möglichkeiten sind endlos und lesen sich wie eine lange Reihe von »Was wäre, wenn ...« Deshalb ist das Packendste an einer Geschichte oft nicht, welchen Hindernissen ein Mensch sich gegenübersieht, sondern wie er sich ihnen stellt.

Es ist mir eine Ehre, dass ich um das Vorwort für Blindes Vertrauen gebeten wurde, denn die vorliegende Geschichte wie auch ihr Autor verkörpern, was es bedeutet, wenn man gegen ein Schicksal ankämpft und sich nicht von dem prägen lässt, was man nicht kann. Kurz gesagt und in den Worten meiner Frau geht es darum, entweder »bitter or better« zu werden, also entweder zu verbittern oder an der Herausforderung zu wachsen und ein besserer Mensch zu werden.

Meine eigene Herausforderung traf mich am 29. Januar 2006. Ich war als Korrespondent für ABC News im Irakkrieg vor Bagdad eingesetzt. Als ich mit meinem Kameramann in einer offenen Panzerluke stand, den Oberkörper im Freien, explodierte am Straßenrand eine 125-mm-Bombe. Ich trug ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon, und mein Leben veränderte sich für immer.

Die Wucht der Explosion brachte mir mehrere Schädelbrüche und eine zerschmetterte Kniescheibe ein und trieb Kiesel und Trümmerstücke in meinen Körper. Aber das würde heilen. Mein größtes Problem war das Hirntrauma, die typische Wunde dieser Art Krieg. Es sollte Jahre dauern, bis sich meine kognitiven Fähigkeiten völlig regeneriert hatten und ich wieder in meinem Beruf als Journalist arbeiten konnte – härter als je zuvor in meinem Leben.

Unmittelbar nach dem Bombenanschlag wurden mein Kameramann Doug Vogt und ich aus dem Irak in ein Militärkrankenhaus nach Deutschland evakuiert und von dort ins Bethesda Naval Medical Center nach Maryland geflogen, wo ich 36 Tage lang im Koma lag. Als ich wieder zu mir kam und langsam begriff, was ich alles verloren hatte, waren es meine Angehörigen und Freunde, die mir beistanden, wie es auch bei den anderen Opfern des Anschlags der Fall war, und die gemeinsam mit mir erlebten, was es heißt, mit einem Krieg und seinen Folgen unmittelbar und persönlich konfrontiert zu werden.

Ich bin Journalist, und obwohl ich mir als Reporter in Krisengebieten immer bewusst war, dass meine Arbeit lebensgefährlich werden konnte, hatte ich nie viel darüber nachgedacht, was es heißen würde, zwar zu überleben – aber schwer verletzt. Die Bombenexplosion warf mich in eine Welt, mit der ich mich noch nie ernsthaft auseinandergesetzt hatte. Und aus dieser Tragödie ist schließlich viel Positives erwachsen. Ich bin stolz darauf, dass ich mit meiner Geschichte anderen Menschen helfen kann, die ähnliche Erlebnisse bewältigen müssen.

Ich will mich nicht als Held aufspielen. Hunderttausende unserer Soldaten, die sich freiwillig zum Einsatz im Irak und in Afghanistan meldeten, als ihr Land sie rief, sind mit körperlichen und seelischen Verletzungen zurückgekommen. Ich hatte den Vorteil, für einen großen Nachrichtensender zu arbeiten, der für meine Behandlung und Rehabilitation und für die Versorgung meiner Familie unbegrenzte Mittel zur Verfügung stellen konnte, während für viele Soldatenfamilien der Zugang zu medizinischer Betreuung nicht immer ganz so selbstverständlich ist. Auch haben nicht alle Kriegsverletzten Freunde und Familie, die sich so sehr wie meine engagieren, die mich jedes Mal wieder aufbauten, wenn es mir seelisch nicht gut ging.

Erik Weihenmayer ist, schlicht gesagt, einer der außergewöhnlichsten Menschen, die ich kenne. Seit der neunten Klasse kann er nicht mehr sehen. Für viele von uns würde eine Erblindung das Leben in vielfacher Hinsicht einschränken, aber ihm gelang es, »Schmerz in Entschlossenheit und Dunkelheit in Licht« zu verwandeln.

Ich habe von Erik zuerst über meinen Bruder Woody gehört, der zu einer weit gereisten Elite von Bergsteigern und Extremsportlern gehört. 2013 lud mich Erik dann ein, auf dem Gipfel seiner No-Barriers-Initiative in Telluride, Colorado, zu sprechen. Ich war Teil einer illustren Liste von Ehrengästen und Gastrednern, darunter auch andere Kriegsversehrte. Als ich Erik reden hörte, wusste ich, er ist ein Naturtalent.

In seinem Vortrag ging es, wie im vorliegenden Buch, um Eriks Entschluss, sich durch nichts von seinen Zielen abbringen zu lassen. Er weigerte sich, seine Blindheit als Behinderung zu sehen, und meinte, er sei eben einfach anders begabt. Und hier wird Eriks Geschichte ebenso aufregend wie inspirierend.

Erik ist der erste Blinde, der den Mount Everest bestiegen hat, und in diesem Buch beschreibt er seine Durchquerung des Grand Canyon im Kajak. Aber damit hatte er noch längst nicht alles erreicht, was er sich vorgenommen hat. Wie er selbst sagt, wird er immer weitermachen, weil er »lieber Schläge einsteckt und zu Boden geht, als sich mit einem Leben stiller Resignation abzufinden«.

Einen echten Helden erkennt man daran, dass er sich selbst nie so nennen würde. Das ist auch bei Erik so. Seine Leistungen haben ihn berühmt gemacht, aber das ist ihm nicht wichtig. »Du rahmst dir die Gipfelfotos ein und hängst sie auf«, zitiert er im Buch einen Bergkameraden. »Du stellst deine Trophäen aus, und sie werden zu Museumsstücken. Schlimmer, sie werden zu Grabbeigaben.«

Erik besteigt keine Gipfel und bricht keine Rekorde, weil er Medaillen und Ehrungen einheimsen möchte. Vielmehr will er sich selbst beweisen, was er alles erreichen kann, und damit anderen Betroffenen Mut machen.

2004 beteiligte er sich an der Gründung der gemeinnützigen Organisation No Barriers. Sein Ziel dabei war, Menschen zu unterstützen, die sich nach seelischen oder körperlichen Verletzungen in ihrem Leben mit Barrieren konfrontiert sehen. Solche Barrieren gibt es reichlich, aber es gibt auch eine Landkarte, auf der man sie umgehen und sogar auslöschen kann.

Der Gipfel von No Barriers USA ist inzwischen ein vier bis fünf Tage langer Event, auf dem neueste technische Entwicklungen der Behindertenhilfe vorgestellt und verschiedene Extrem- und Fitnesssportarten ausprobiert werden können. In der No Barriers University sprechen Menschen von einschneidenden Erfahrungen, die ihr Leben verändert haben, um zu ermutigen. No Barriers Warriors ermöglicht es Kriegsversehrten, sich in extremen Umgebungen Herausforderungen zu stellen, die helfen, den Alltag besser zu bewältigen. No Barriers Youth fordert junge Leute heraus, mittels unvergesslicher Erfahrungen, Schulprojekten und Inspiration in der realen Welt ihr absolut Bestes zu geben.

Alle diese Veranstaltungen bieten Menschen, die sich durch Veränderungen in ihrem Leben eingeschränkt fühlen, neue Wege und Möglichkeiten, ihre Leistungsfähigkeit ohne Grenzen auszuleben, in einer Gemeinschaft von Unterstützern, die ihre Erlebnisse, Visionen und Träume teilen.

Eine der unglaublichen Eigenschaften des Menschen ist Widerstandsfähigkeit, die als »Resilienz« in der Psychologie eine wichtige Rolle spielt, und wenn Sie dieses Buch lesen, werden Sie sehen, wie entscheidend sie im Leben ist, nicht nur zum Überleben – vor allem, um sich selbst zu verwirklichen, wie Erik es uns zeigt.

Zwar würden die meisten, die ein traumatisches Erlebnis durchgemacht haben oder ihrer Familie zumuten mussten, das nur zu gern ungeschehen machen. Wer darüber hinwegkommen will, muss aber auch die positiven Aspekte erkennen, die aus Tragödien und unerwarteten Ereignissen erwachsen.

Menschen wie Erik, denen ich begegnen und die ich kennenlernen durfte, haben mir mit ihrem Handeln, ihrem Beispiel und ihrer Demut gezeigt, was es wirklich heißt, Opfer zu bringen.

Wenn Sie das Buch am Ende wieder zuklappen, werden Sie sich – ich garantiere es Ihnen – ein wenig leichter fühlen. Und Sie werden wissen, dass man alles erreichen kann, wenn man sich nur wirklich dahinterklemmt.

Blindes Vertrauen hat mich dazu bewegt, auf ganz neue Art über mich selbst nachzudenken. Und nicht zuletzt ist es eine tolle Geschichte und eine fesselnde Lektüre, für jede Leserin und jeden Leser, aber auch eine Herausforderung für das eigene Leben und die eigenen Talente.

Eriks unglaubliche Geschichte und seine Entschlossenheit, anderen als Vorbild zu dienen, zeigen, dass ein Einzelner sehr wohl das Leben anderer entscheidend beeinflussen kann. Für Erik bleiben noch viele Gipfel zu erklimmen, Seite an Seite mit denjenigen unter uns, die ihn nicht nur bewundern, sondern seine Freunde geworden sind.

PROLOG

Der Colorado River ist auf dem Abschnitt durch den Grand Canyon berühmt für seine Stromschnellen und sein Wildwasser. Der größte Katarakt sind die sogenannten Lava Falls, ein Ausbruch roher Kraft, die sich brodelnd, schäumend und gischtend ihren Weg hin zum Golf von Kalifornien bahnt. Dort stand ich jetzt. Ich konnte die Lava Falls nicht sehen, aber ich horchte auf ihr gewaltiges Donnern, während Harlan, mein Führer, mir die Strecke erklärte. In den sechs Jahren, die ich jetzt schon Kajakfahren übte und oft genug gegen Felsen geschleudert worden war, Blut gelassen hatte und mein Kajak aufgeben musste, hatte ich allmählich gelernt, dass man, wenn man dem Fluss aufmerksam zuhört, das Chaos entziffern und eine verborgene Route hindurch finden kann. Wildwasserfahrer nennen das »the line«, die Fahrlinie – den ungefährlichsten und leichtesten Weg für die Durchfahrt.

Harlan nahm meinen Finger und zog damit die Fahrlinie durch die Lava Falls nach, wobei er immer wieder anhielt, um mich auf Hindernisse aufmerksam zu machen, die ich umfahren musste.

Bei der Einfahrt in die Stromschnellen achtest du auf den richtigen Winkel – du kommst von rechts, aber nicht zu weit rechts, weil sich dort wilde Wasserkaskaden gegen die Felsen werfen, unter dem Boot zurück in die Flussmitte strömen und dich gnadenlos mitreißen. Du paddelst wie verrückt, nur wenige Zentimeter links der strudelnden Grenze, die das in der Mitte gerade dahinschießende Wasser des Colorado von den pulsierenden Verwirbelungen rechts davon trennt. Du kämpfst, um das Boot auf Kurs zu halten, denn wenn du ins Trudeln kommst, lauert links schon das berüchtigte Ledge Hole, ein Felsblock dicht unter der Wasseroberfläche, der das Flussbett fast zur Hälfte blockiert. Das Wasser schießt über seine Kante, wird scharf nach unten gerissen und in einen Mahlstrom aus Wildwasser gesogen, der wie eine riesige Waschmaschinentrommel rotiert. Das ist die gefürchtetste Schwierigkeit auf den gesamten 350 Kilometern der Grand-Canyon-Durchfahrt, denn wen diese Waschtrommel einsaugt, den gibt sie so schnell nicht mehr frei. Du quetscht dich am Ledge Hole vorbei und stürzt dann über den Rand der Welt in die Eingangswellen, zwei Wasserwände, deren rechte, die größere, sich in Form eines riesigen Hahnenschwanzes auf dich stürzt. Dann machst du dich für die V-Welle bereit, zwei massive Seitenwogen, die sich in der Mitte treffen. Du musst das V ein bisschen links von der Mitte angehen und dich mit aller Kraft vorwärtsschieben; ansonsten wirst du gen Himmel geschleudert und überschlägst dich rückwärts. Wenn du es durch die Welle schaffst, musst du dich sofort nach links ins Flussbett hinausstoßen. Nur so kannst du den Cheese Grater Rock umfahren, eine bösartige Halbinsel aus schwarzem gezackten Basalt, der dich schreddert, wenn du ihn streifst. Hast du dich daran vorbeikatapultiert, warten die Big-Kahuna-Wellen, eine donnernde Folge weißgischtiger Brecher von über drei Metern Höhe, die sich über dich ergießen und dich unter mehreren Hundert Kilo Wasser ersticken wollen. Danach darfst du bis zum Ausgang der Stromschnellen die Leewellen, Wirbel und Kolke der Lava Falls wie eine Achterbahnfahrt genießen.

Auf der Fahrlinie zu bleiben ist keine Garantie dafür, dass du es schaffst, aber dann hast du wenigstens eine Chance, richtig herum und unverletzt auf der anderen Seite herauszukommen. Kommst du von der Linie ab, vermindert sich deine Chance dramatisch, und wenn du sie erst einmal verloren hast, gerätst du in immer schlimmere Wildwasserwirbel. Du kannst dich nicht einmal auf die Hauptströmung verlassen, weil dich die breite, glatte Wasserbahn in der Mitte manchmal direkt auf ein Hindernis lenkt, einen scharfen Felsen oder einen Strudel, der dich nicht mehr loslässt. Wenn du dieses Wildwasser durchquerst, dich manchmal mitreißen lässt, manchmal dagegen ankämpfst, musst du dir bewusst sein, dass unter der Oberfläche mächtige Kräfte wirken, von denen du nur die Auswirkungen zu spüren bekommst. Was dich oben so herumschleudert, sind nur die Ausläufer vieler tausend Tonnen Wasser, die im Flussbett auf Felsblöcke und Geröll aller Größen prallen und sich ihren Weg hindurch suchen: Steilabbrüche, Unterspülungen und schmale Rinnen zwischen unsichtbaren Hindernissen.

Flüsse, die durch das ungezähmte Brodeln ihrer Oberfläche unbefahrbar schienen, faszinierten mich; genauso faszinierte mich aber die Landschaft darunter, die verborgenen Formen und Umrisse, die die Karte formten, der ich folgen musste. Als Blinder, das wusste ich, konnte ich diese Kraft nie wirklich verstehen, es sei denn, ich erlebte sie im direkten Kontakt, ich würde das Wesen des Flusses spüren und hören, ich böte dem kakophonischen Zusammenspiel der Kräfte die Stirn und probierte aus, ob ich die Linie fand und mir einen Weg durch die Stromschnellen bahnen könnte.

Nach zwei Wochen Kajakfahrt hatten wir die Lava Falls jetzt endlich erreicht: An Meile 179 stand ich direkt am Tor meiner Nemesis. Die Lava Falls haben in der Einstufung des Grand Canyon den Schwierigkeitsgrad zehn – von zehn. Hier mündet von Süden der Prospect Canyon in den Grand Canyon, und sein Schwemmkegel besteht aus Gesteinsbrocken bis zur Größe eines Autos, die er in den Hauptstrom drückt und dessen Bett bis auf die Hälfte einengt. Vor etwa einer Dreiviertelmillion Jahren haben sich an dieser Stelle außerdem magmatische Intrusionen ergossen, die heute freiliegen; diese zerklüftete Basaltschwelle hat den Lava Falls ihren Namen gegeben und die Gefahren der Stromschnellen nochmals erhöht.

Wir standen schon zu lange da und inspizierten die Fälle. Die Sonnenhitze, gespeichert im Vulkangestein, brannte sich durch die dünnen Sohlen meiner Paddlerfüßlinge. Trockener, stark erhitzter Canyonwind blies zwischen den Felswänden stromauf, gerbte mein Gesicht zu Leder und saugte mir die Feuchtigkeit aus dem Mund. Meine Arme fühlten sich bleiern an, schwer vor Erschöpfung nach 14 Tagen paddeln. Ich grübelte über diese Stromschnelle nach, seit wir in Lees Ferry am Oberlauf des Colorado abgelegt hatten, über dieses Ungeheuer, das immer wieder voll besetzte, sechs Meter lange Schlauchboote schluckte und die Insassen ins Wasser schleuderte, wo sie um ihr Leben schwimmen mussten. Eigentlich dachte ich schon seit acht Jahren über die Lava Falls nach, seit ich mir in den Kopf gesetzt hatte, den Grand Canyon solo im Kajak zu bezwingen.

»Bist du bereit?«, fragte Harlan.

»Doch, ich glaube schon.« Mehr brachte ich nicht heraus.

Wir kletterten stromauf zurück zu unseren Booten, die am Ablegeplatz warteten. Ich quetschte mich in mein Kajak und rückte den Sitz zurecht, damit der Abstand zur Fußstütze im Bug genau stimmte. Als nächsten Schritt in meinem Vorbereitungsritual zog ich die Neopren-Spritzdecke wasserdicht über den Cockpitrand und tastete nach dem Griffriemen, um sie im Notfall abwerfen und aus dem Boot springen zu können. Ich schüttelte den Sand aus meinem Schutzhelm, zog ihn mir über den Kopf und justierte Kopfhörermuscheln und Mikrofon. Wir testeten den Funk ein letztes Mal; er funktionierte. Ich schob mich vom Ufer ins ruhige Wasser oberhalb der Stromschnellen. Harlan platzierte sich mit seinem Kajak hinter meinem.

Seine Stimme klang beruhigend. »Wir sind hier, genau jetzt, in diesem Moment; nichts sonst zählt. Bleib klar im Kopf, ruhig und besonnen.« Aber mir fehlte die Selbstsicherheit, ich war unentschlossen. Ich war nicht bereit.

»Wir überqueren jetzt die Kehrwasserlinie in Richtung der Mittelzunge«, fuhr er fort, »und dann bleiben wir dicht an ihr dran. Sie spielt uns sicher nicht allzu übel mit. Wenn wir uns dem eigentlichen Wildwasser nähern, treffen wir auf Gischtlinien, und die fühlen sich an, als wollten sie uns wild herumwirbeln, und während wir drüberfahren, sage ich Bescheid, wenn wir nach links abdrehen müssen, das ist dann unser Eintrittswinkel. Dann kommen die zwei Eingangswellen, die V-Welle, die sich in die Kahuna-Wellen fortsetzt, dann die Leewellen, und du bist durch.«

»Mehr nicht?«, fragte ich. Das war eine ganze Menge. Die Strömung packte das Boot und riss mich vorwärts, hin zum rumpelnden »Erdbeben«, so hörte sich der vibrierende Widerhall des tobenden Wassers an den Schluchtwänden an. Es war der bedrohlichste Klang, den ich je beim Paddeln gehört hatte. Auf allen Flüssen, die ich bisher befahren hatte – auf dem Usumacinta in Mexiko, dem Apurímac in Peru und dem Ottawa – war dieser Moment irgendwann gekommen. Die Luft war plötzlich kalt, die Sonne hinter den Canyonwänden verschwunden. Mein Oberkörper war durch das Warten steif und träge geworden. Ich schüttelte die Arme aus. Ich wusste, dass sich Angstgefühle als körperliche Verspannung äußern, und die führt zu ungenauen Paddelschlägen und zu Fehlern. Ich flüsterte mir Harlans vertrautes Mantra vor: »Entspannen. Durchatmen. Im Einklang mit dem Fluss.«

»Wir sind knapp 100 Meter davor. Bisschen nach links, jetzt die Linie halten, weiter halten ... Wir kommen jetzt an die erste Gischtfontäne, ruhige Schläge, gut überlegte Schläge, nicht ins Trudeln kommen, nicht wegtrudeln ...« Harlan klang ernst; ich wusste, jetzt war nicht die richtige Zeit für einen Fehler.

Die Gischt traf mein Boot von rechts, die Hauptströmung des Flusses von links; ich kämpfte dagegen an, herumgewirbelt zu werden. Aber mein Oberkörper war angespannt, meine Schläge waren steif. Ich spürte, dass ich mich in die falsche Richtung beugte, und schon war ich gekentert, den Oberkörper kopfüber unter Wasser, am Eingang der gefährlichsten Stromschnelle des Grand Canyon. Meine Gedanken überschlugen sich in der gleichen Weise wie das Wasser um mich herum. Das darf nicht wahr sein. Das bilde ich mir nur ein. Ich grub das Paddel ins Wasser, ruckte mit den Hüften und vollführte eine Kenterrolle zurück an die Oberfläche. »Scharf links!«, rief Harlan, und unmittelbar danach: »Scharf rechts!« Ich wusste, jetzt kam die V-Welle. Die unter dem Boot und zu beiden Seiten aufeinanderprallenden Wassermassen betäubten und verwirrten mich, trotzdem bemühte ich mich nach Kräften, die Kommandos auszuführen. Ich glitt in einen tiefen Trog und geriet in die Fänge zweier riesiger hämmernder Wellen, die sich wie Kiefer um mich schlossen. Ich kam zu schräg rein, und bevor ich mich versah, war ich schon wieder gekentert, und das Boot schleuderte über mir auf der Oberfläche hin und her. Jahrelanges Training hatte mir die Reflexe für solche Situationen vermittelt; ich rollte durch und kam wieder an die Oberfläche. Jetzt hatte ich allerdings die Richtung verloren. Wohin zeigt der Bug?, fragte ich mich verzweifelt, aber Harlans Stimme in meinem Ohr kam laut und klar durch.

»Weiter, weiter, nach links!«, schrie er. »Du liegst richtig so! Drauf!«

Aber die Strömung zog mich nach achtern; das musste heißen, dass der Bug stromauf zeigte.

»Scharf rechts!«, rief Harlan jetzt. Ein enormer Schwall traf mich am Rücken und seitlich am Kopf, das Wasser zerrte an meinem Helm, und schon war ich ein weiteres Mal gekentert. Mitten in der röhrenden Gischt kam ich wieder hoch. Von Harlan hörte ich nichts mehr. Unentwegt brachen Wellen, diesmal von links, über mich herein. Ich spürte, dass mein Boot abermals umschlagen wollte, und kämpfte dagegen an. Ich versuchte, tief einzuatmen, schluckte aber hauptsächlich Gischt und Wasser, als ich zum vierten Mal kenterte. Das Donnern und Brodeln wurde zum Gurgeln, große Luftblasen explodierten im Wasser um mich herum. Die Kraft der gegeneinander kämpfenden Strömungen schlug das Paddel gegen das Boot und wollte es mir aus den Händen reißen.

Krachende Wellen hämmerten auf das Kajak und drückten es weiter hinunter; ich hatte keine Ahnung mehr, in welche Richtung der Bug zeigte. Meine Versuche, mich wieder aufzurichten, fielen immer schwächer aus, und dann ging mir die Luft aus. Im tobenden Wildwasser ohne Boot zu schwimmen ist schwierig genug, wenn man sehen kann, aber als Blinder wollte ich das wirklich nicht ausprobieren. Mir blieb allerdings nichts anderes mehr übrig – akute Luftnot packte mich, meine Arme wurden schwer. Und so zog ich, getrieben von Angst und instinktivem Drang nach oben, die Schlaufe und öffnete die Spritzdecke. Ich löste mich vom Kajak, robbte mich nach oben, in Richtung Sicherheit und Atemluft, wobei mein Körper den Wellen ausgesetzt war und durchgerüttelt und herumgewirbelt wurde. Ich tastete nach der Oberfläche, ohne zu wissen, ob sie über oder unter mir lag.

Dann durchstieß ich mit dem Kopf den Wasserspiegel, schnappte nach Luft und gab mir Mühe, mich in den Leewellen über Wasser zu halten. Neben mir fühlte ich ein Boot und griff danach, aber ich konnte mich nicht daran festhalten; es war zu glatt und abgerundet. Schließlich wurde mir klar, dass es die Unterseite von Harlans Boot war! Auch mein Führer war gekentert, und ich hinderte ihn daran, sich wieder hochzurollen. Ich ließ sein Boot los und drückte mich weg. Ein anderer Sicherheitsbegleiter lenkte sein Kajak an meine Seite und rief mir zu, ich solle mich festhalten.

Er paddelte wie rasend auf einen Strudel zu, ich klammerte mich ans Heck seines Kajaks. Plötzlich Harlans Stimme ganz in der Nähe. Er keuchte. »Verdammt, die Riesenwelle hat mich genau getroffen! Mein Paddel ist durchgebrochen. Versuch mal, dich mit einem halben Paddel aufzurichten, wenn du gekentert bist.« Ich hörte, wie er die beiden Bruchstücke illustrierend zusammenklackte.

Dann, endlich, ruhiges Wasser. Ich krabbelte über einen Haufen glitschiger Felsbrocken ans Ufer. Zuerst war ich erleichtert, dass ich der donnernden Knochenmühle entkommen war, aber die Erleichterung wich nur zu schnell Schock und Schrecken. Es war ein so einschüchterndes Erlebnis, dass ich mich immer noch unter dem Gewicht der Kahuna-Wellen dahinwirbeln sah. Ich hockte auf einer Klippe, umgeben von riesigen vulkanischen Felsen. Meine Begleiter, immer noch in ihren Booten, kreisten im Strudel. Mein Helm war zur Seite verdreht, mein Funkohrhörer bis auf den Hinterkopf verbogen. Mir zitterten die Hände, als ich den Kinnriemen lösen wollte. Schließlich riss ich mir den Helm vom Kopf, schlammiges Wasser lief mir übers Gesicht. Ich fühlte mich wie zerschlagen und hatte Mühe, meine hektische Atmung unter Kontrolle zu bringen. Ich drückte das Gesicht in die Hände und beugte mich vor. Ich war am Ende. Das Gefühl der scharfen Felsenkanten, der Hall von Canyonwänden unter offenem Himmel, der trockene Dunst von Sand und Wüste – all das verblasste, bis nichts mehr da war – außer dem unermüdlichen Donnern des Flusses, der unaufhaltsam weiterströmte und sich auf seinem Weg alles unterwarf. Und mit dem betäubenden Donnern sprach er zu mir, das wusste ich. Ich gab mir alle Mühe, ihm zuzuhören, verstand ihn aber nicht.

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SEHKRAFT

Ich bin nicht von jeher blind. Ich konnte zwar schon als Kleinkind nicht besonders gut sehen, aber immerhin reichte es, um Basketball zu spielen, Rad zu fahren und im Wald hinter unserem Haus von Felsen zu springen. Als ich drei war, kam die Diagnose: angeborene Retinoschisis. Das ist eine sehr seltene Erbkrankheit; man bekommt sie mit etwa derselben Wahrscheinlichkeit wie einen Haupttreffer im Lotto. »Retinoschisis« bedeutet »Aufspaltung der Netzhaut«, also der lichtempfindlichen Schicht des Augapfels, und heißt, dass die Netzhaut sich in zwei löchrige Schichten spaltet. Und genau wie meine Netzhäute spaltete sich auch mein Leben von allem ab, was ich für normal hielt, nur eine Woche, bevor ich auf die Highschool kam.

Am meinem ersten Tag dort führte mich eine Hilfslehrerin ins Gebäude – nicht unbedingt die beste Art, das »freshman year«, den untersten Jahrgang, in einer Highschool für Sehende zu beginnen. Meine Führerin brachte mich von einer Unterrichtsstunde zur nächsten und sogar auf die Toilette. In der Mittagspause lotste sie mich in die Schulcafeteria, wo ich allein an einem Tisch saß und darüber nachgrübelte, was ich alles verloren hatte. Ich hatte Angst davor, blind zu werden, nur noch Dunkelheit zu sehen, und noch mehr Angst davor, wie viel ich verpassen würde. Um mich herum hörte ich die anderen Schüler, ihr Gelächter, ihre Sprüche, ihr ausgelassenes Herumtoben. Eine Essensschlacht brach los, und so weit ich es mitbekam – jede Menge Johlen und Geschrei –, warfen sich alle Anwesenden begeistert ins Gefecht. Alle außer mir. Die Dunkelheit war nicht einmal so schlimm. Dass ich nie mehr an einer Essensschlacht teilnehmen würde, das war schlimm. Ich hatte den Anschluss verloren und saß im Dunkeln. Allein. Die Blindheit stürzte mit solcher Macht auf mich ein, dass ich glaubte, sie werde mich verschlucken.

Ich höre oft, man solle sich nicht von seiner Angst motivieren lassen. Sogar Yoda sagt das in einem der Star-Wars-Filme, meinen Lieblingsfilmen, zu Luke Skywalker: »Die Furcht der Pfad zur Dunklen Seite ist.«

Aber an jenem Tag in der Cafeteria erlebte ich zum ersten Mal den bitteren Geschmack der Angst. Sie sammelte sich in meiner Kehle wie Galle, wand sich in meinen Eingeweiden und schlang sich um jede Handlung und jede Entscheidung. Wie sehr ich auch dagegen ankämpfte, die Angst war immer da. Ich sah mich in einem Tauziehen: Die Angst davor, mich im Dunkeln vorwärtszuwagen, auf Hindernisse zu, die ich nicht mehr sehen konnte, kämpfte gegen die Angst davor, dass ich irgendwann nur noch still im Dunkeln sitzen und jede Gefahr meiden würde.

An einem Abend in den Sommerferien hatte ich mir mit einem letzten Rest Sehkraft im Fernsehen eine Sendung angeschaut. Mit dem rechten Auge, das noch ein wenig peripheres Sehen bewahrt hatte, konnte ich das Geschehen auf dem Bildschirm gerade eben verfolgen, wenn ich das Gesicht so dicht an die Mattscheibe brachte, dass ich an der Nasenspitze die statischen Entladungen knistern fühlte. Die Sendung, die ich meine, war eine Folge meiner Lieblingsserie That‘s Incredible! Es ging um einen jungen Kanadier namens Terry Fox. Mit 19 Jahren wurde bei ihm Krebs festgestellt, ein Tumor im rechten Bein. Er musste sofort operiert werden; das Bein wurde in der Mitte des Oberschenkels abgenommen. Während er sich im Krankenhaus von der Operation erholte, sah er mit an, wie Kinder, jünger als er selbst, dem Krebs zum Opfer fielen, und ihr Tod war für ihn brennender Schmerz, schlimmer als die Knochensäge, die sein Bein durchtrennt hatte. Sein Mitgefühl für die todkranken Kinder war nur natürlich, aber was er daraufhin tat, war für mich die größte Überraschung, die ich je erlebt habe. Nach anderthalb Jahren Chemotherapie und nachdem er so viel Leid und Tod mitangesehen hatte, hätte er eigentlich verzagt sein müssen. Er hätte seine eigene Sterblichkeit fürchten, sich in sich selbst zurückziehen und das beschützen müssen, was ihm vom Leben geblieben war. Wer hätte es ihm verdenken können? Terry aber tat das genaue Gegenteil. Er fasste den erstaunlichen Entschluss, Läufer zu werden und so auf das Schicksal der krebskranken Kinder aufmerksam zu machen. Er wollte nicht nur einen Tag oder eine Woche lang laufen, sondern von einer Küste zur anderen, durch alle kanadischen Provinzen, vom Atlantik zum Pazifik. Das hieß jeden Tag einen Marathonlauf absolvieren, über mehrere tausend Kilometer Gesamtdistanz.

Gebannt presste ich mein Gesicht gegen die Mattscheibe und sah Terry bei seinem »Marathon of Hope« zu, wie er Meile um Meile dahinhumpelte. Es gab ja noch keine Hightechprothesen für beinamputierte Laufsportler – »Flex Feet« und »smarte«, computergesteuerte Prothesen sind spätere Entwicklungen. Terry trug eine plumpe, altmodische Beinprothese aus Stahl und Fiberglas, die ihn zu einem ruckelnden, hopsenden Gang zwang; jeder Hüpfer auf seinem verbliebenen linken Bein wurde von einem Zurück- und Vorschwingen der Prothese begleitet, das erinnerte an ein Kind, das fröhlich dahinhüpft. Terry schaute dabei ebenso erschöpft wie entschlossen drein. Ich spürte in seinem Ausdruck etwas, das ich nur als ein Leuchten beschreiben kann und das seinen hageren Zügen Intensität und Kraft verlieh. Zuerst bekam die Öffentlichkeit kaum mit, wie Terry sich von Ort zu Ort durch das Land vorarbeitete, aber bald verbreitete sich die Nachricht von seinem täglichen Marathon, und er zog Zuschauer an, die sich an der Strecke aufreihten und ihn anfeuerten. Auf halber Strecke hatte er ein begeistertes Publikum aus Tausenden Anhängern.

Später in der Sendung berichtete der Moderator, dass Terry am 143. Tag, nachdem er über vier Monate lang täglich im Durchschnitt 41 Kilometer – also die Marathonstrecke – zurückgelegt und dabei bereits 5.340 Kilometer durch sechs kanadische Provinzen bewältigt hatte, seinen Lauf hatte abbrechen müssen. Der Krebs hatte in seinen Lungen Metastasen gebildet, die ihm die Luft nahmen und Hustenanfälle verursachten. Weinend erzählte Terry den Reportern, dass er die Strecke nicht zu Ende laufen könne, aber er schwor unter Tränen: »Ich kämpfe weiter. Ich verspreche, dass ich nicht aufgebe.«

Sieben Monate später starb Terry Fox. Das war ungerecht. Er hatte nur 22 Jahre auf der Erde verbringen dürfen. Aber in diesem kurzen Zeitraum hatte er sich entschlossen zu laufen, und sein Entschluss hatte eine ganze Nation bewegt. Anstatt sich zu verkriechen, war Terry gewachsen. Er hatte mehr gelebt, als er gestorben war. Sein Wohltätigkeitsfonds »Marathon of Hope« nahm 24 Millionen kanadische Dollar Spenden ein – vier Dollar von jedem Kanadier, sozusagen.

Ich wusste, dass ich blind werden würde. Das war eine unabwendbare Tatsache, und ich musste mich damit abfinden. Als die Sendung über Terry zu Ende ging, kniete ich mit tränenüberströmtem Gesicht vor dem Fernseher. Ich sehnte mich danach, selbst so mutig zu sein, und ich forderte mich heraus, Terrys Licht auch in mir zu finden.

Mithilfe meines Vaters Ed und meiner Familie gelang es mir, meiner Dunkelheit zu entkommen. Ich schloss mich einer Ringermannschaft an, erzielte im ersten Jahr einen Punkterekord, wurde im letzten Highschooljahr Teamleiter und vertrat meinen Heimatstaat Connecticut bei den National Junior Freestyle Wrestling Championships, der US-Jugendmeisterschaft im Freistilringen, in Iowa. Mit 16 entdeckte ich im Sommerferienlager dann meine Leidenschaft fürs Bergsteigen. Ich lernte, die Felswand mit meinen Händen und Füßen zu »sehen«, um Punkte zum Festhalten und eine Kletterroute zu finden. Durch Versuch und Irrtum, indem ich um mich schlug, herumtastete und mir blutige Finger und Knöchel holte, lernte ich, dass die Schönheit des Bergsteigens darin besteht, die Haltepunkte im Fels zu entdecken, die Vorsprünge, Simse, Buckel und Höhlungen, an die ich mich hängen und an denen ich mich in der senkrechten Wand halten konnte. Nach einem gelungenen schwierigen Aufstieg überwältigte mich das wunderbare Gefühl, in den Bergen zu sein: der Wind in meinem Rücken, die leuchtenden Felsstrukturen, die abwechselnd kühlen und warmen Flecken unter meinen Händen. Meine Sinne erwachten. Jedes Geräusch, jeder Geruch, jede Berührung war so lebhaft, so strahlend, dass es fast schmerzte. 30 Meter über der Baumgrenze, mit der Sonne im Gesicht und dem Wind und den Elementen um mich herum, spürte ich eine rauschhafte Freiheit und die Ahnung, dass das Abenteuer in meinem Leben gerade erst anfing.

Während meiner Zeit an der Highschool traf mich eine zweite Tragödie. Zwei Jahre, nachdem ich meine Sehkraft verloren hatte, verlor ich durch einen Autounfall meine Mutter. Ich war erst im »sophomore year«, dem zweiten Jahr der Highschool, und meine Mutter hatte mich seit Jahren beschützt, mich zu den Augenarztterminen gefahren und mir die innere Stärke gegeben, die ich brauchte, um mich mit dem Blindsein auseinanderzusetzen. Jetzt war sie nicht mehr da. Wie kann ich diesen Schmerz deutlich machen? Tausend Mal blind zu werden wäre leicht zu ertragen gewesen im Vergleich zum Verlust meiner Mutter.

Nach ihrem Tod wollte mein Vater mit meinen beiden Brüdern und mir zusammen eine Reise unternehmen, um uns einander näherzubringen. In der Schule hatte ich gerade ein Audiobuch über spanische Konquistadoren und die Verlorene Stadt der Inkas angehört, und so schlug ich Peru vor. Dad war einverstanden, und wir machten uns daran, den Inca Trail zu erwandern. Diese Bergwanderung, die uns bis auf über 4.000 Meter Höhe führte, war der Beginn einer Tradition – seitdem brechen wir einmal jährlich mit der Familie in entlegene Weltgegenden auf – und bestätigte mich in meiner Leidenschaft für das Bergsteigen. Als ich mit meinem älteren Bruder Mark am Sonnentor von Machu Picchu saß, beschrieb er mir die Ruinen der alten Inkastadt, deren riesige Mauern und gemeißelten Felsstrukturen sich weit den Berg hinunter erstreckten. Ich konnte die Verlorene Stadt unter uns hören, verborgen in einer Spalte zwischen den hohen Bergen, und fühlte mich wie ein Entdecker, vor dem sich neue Länder ausbreiten.

Nach dem Highschoolabschluss besuchte ich das Boston College und studierte Englisch und Kommunikationswissenschaft. Danach wurde ich Mittelschullehrer an der Phoenix Country Day School in Arizona, wo ich Englisch unterrichtete und die Ringer coachte. Dort traf ich Ellie Reeve und verliebte mich in sie. In meiner Leidenschaft für die Berge und für Abenteuer unterstützte sie mich von Anfang an, und so blieb ich beim Bergsteigen. Mein beim Klettern gewonnenes Selbstvertrauen führte mich zu anderen Abenteuerportarten – Skydiving, Paragliding, Skifahren, Eisklettern.

Aber es waren die wirklich hohen Gipfel, die mich anzogen. Von 1995 bis 2000 trainierte ich fleißig, stellte leistungsfähige Teams zusammen und wagte mich an schwierige Besteigungen, alles zusammen mit meinem Kletterpartner Sam aus Phoenix. Der Erste war der Denali (früher Mt. McKinley), mit 6.200 Metern der höchste Berg in Nordamerika. Wochenlang kämpften wir uns über Minenfelder verborgener Gletscherspalten durch eine Gegend bergan, die aufgrund der Lage des Bergs nahe am Polarkreis von orkanartigen Stürmen mit starkem Schneefall, hoher Windgeschwindigkeit und beißender Kälte bestimmt ist. Damals bestieg ich auch den höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua (6.958 Meter), und das antarktische Vinsonmassiv, 5.140 Meter hoch und einer der abgelegensten Gipfel der Welt. Es war auch der kälteste, den ich je erlebt habe; die Sommertemperaturen können hier auf minus 20 Grad fallen. Als ich auf dem Gipfel pinkeln musste, gefror der Urin in der Luft und klingelte als gelbes Eis auf den Boden.

Einige Jahre später wurden Ellie und ich getraut – in 4.000 Meter Höhe auf dem Shira-Plateau des Kilimandscharo. Ellie hatte kein Hochzeitskleid dabei, also wickelte sie sich in ein tansanisches Tuch, das wir zuvor als Tischdecke benutzt hatten! Unsere Freunde bauten einen Altar aus Steinen und sammelten schöne Bergblumen für Ellie als Brautstrauß. Am Ende der Zeremonie schritten wir Neuvermählten zwischen zwei Reihen tansanischer Träger hindurch, die uns mit Reis bewarfen. Der einzige Schönheitsfehler bei der alten Tradition war, dass sie den Reis gekocht hatten, sodass er überall an uns festklebte. Das gletschergekrönte Massiv des Kilimandscharo ragt isoliert aus einer Ebene; es ist ein sogenannter Strato- oder Schichtvulkan, der aus den Magma- und Aschenablagerungen seiner Eruptionen entstanden ist. Nur hier, dicht am Äquator, kann man so schnell durch fünf Hauptklimazonen der Erde aufsteigen: Ackerland an den unteren Hängen, darüber Wald, Heide und Moor, gefolgt von alpiner Wüste und schließlich arktischem Klima. Am Gipfel wird man von Schwefelgestank aus dem Krater begrüßt. Einige Tage nach unserer idyllischen Hochzeit brachen wir dorthin auf. Ich erklärte Ellie, das sei unsere Hochzeitsreise, aber sie widersprach. Unsere 21-stündige Klettertour zum Gipfel geriet für sie zum »endlosen Albtraum«.

Diese Aufstiege waren für mich eine ausreichende Vorbereitung – so glaubte ich jedenfalls -, um eine noch größere Herausforderung anzugehen: den Mount Everest.

Um vier Uhr morgens am 25. Mai 2001 erreichte ich die Höhenmarke von 8.500 Meter, immer noch mehr als 300 Meter unterhalb des Gipfels des höchsten Bergs der Welt. Ich spürte die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont der Himalajakette leuchten; kaum zu glauben, aber trotz der frühen Morgenstunde und der enormen Höhe spürte ich sie warm auf Gesicht, Brust und Schultern. Hier oben warf kein anderes Bergmassiv mehr einen Schatten und verdeckte die Sonne. Das gute Wetter war ein kleines Wunder; die ganze vorangegangene Nacht hatten wir uns durch heftige Windböen nach oben gemüht, die in waagerechten Schauern Schnee vor sich her peitschten, der sich als Eisschicht auf unseren Daunenoveralls ablagerte. Während wir uns auf den Balcony durchkämpften, einen kleinen abgeflachten Sims in 8.300 Metern Höhe, tobte direkt neben uns ein Gewitter wie eine höllische Version des Feuerwerks zum Unabhängigkeitstag. Wir hatten anhalten müssen und uns gegen das immer schlimmer werdende Unwetter zusammengekauert. Sollten wir weiter aufsteigen oder das Unternehmen lieber abbrechen? Zweifel und Angst wirbelten in meinem Kopf wie der Schneesturm um mich herum. Über 170 Bergsteiger haben ihren Traum vom Gipfel des Mount Everest schon mit dem Leben bezahlt; erst kurz zuvor war ich an der steif gefrorenen Mumie eines Mannes vorbeigekommen, der es nicht geschafft hatte. Die Leiche lag direkt an der Kletterroute, und beim Vorbeisteigen vermied ich, mir die qualvollen letzten Augenblicke des Unglücklichen allzu konkret vorzustellen – sicher hatte er sich gewünscht, er wäre rechtzeitig umgekehrt.

Wir saßen fast eine Stunde wegen des Wettersturzes fest. Ich fror so sehr, dass ich auf und ab hüpfte, mit den Armen wirbelte und mit den Beinen schlenkerte, damit meine Körpertemperatur stieg und den Kreislauf wieder in Gang brachte. Meine Hände und Füße waren bereits völlig taub. Ich hatte mich mein halbes Leben lang auf diesen Aufstieg vorbereitet; seit zwei Jahren trainierte ich intensiv, und seit anderthalb Monaten stieg ich im Everest-Massiv auf und ab, um mich zu akklimatisieren. Jetzt sollte wegen eines Unwetters alles scheitern? Ich wollte den Gipfel unbedingt erreichen, aber ich war nicht verbohrt genug, deswegen mein Leben wegzuwerfen. Ich dachte an meine Frau Ellie und unsere einjährige Tochter Emma, die zu Hause auf mich warteten; vielleicht kuschelten sich die beiden gerade unter einer warmen Decke zusammen, und Ellie las Emma eine Geschichte vor. Ich begann mich innerlich damit abzufinden, dass ich den Versuch abbrechen musste. Da knackte und rauschte das Funkgerät, und jemand aus unserem Team im Basislager gab durch: »Hier unten lässt der Sturm schon nach. Ihr seid noch voll drin da oben, aber es wird nicht mehr lange dauern, schätze ich.«

Einer aus meinem Team warf einen Blick in den Nachthimmel und sah, wie die ersten Sterne durch die Wolken blinkten. Das war die Bestätigung, die wir brauchten, um weiterzumachen. Später beschrieb er die Morgendämmerung, die Cirruswolken, die oben im Jetstream dahinzogen, und das spektakuläre Neo-Blau des Morgenhimmels.

Um acht Uhr hatten wir mühevoll den Südgipfel erreicht, 8.749 Meter über dem Meeresspiegel. Ich kniete im Schnee; mein Gehirn war ebenso betäubt wie meine Hände. Ein schweres Gewicht lastete auf mir, eine Erschöpfung, die jeden einzelnen Muskel lähmte. Ich rückte mir die Sauerstoffmaske über Mund und Nase zurecht und prüfte, ob das Ventil der Flasche auf meinem Rücken so eingestellt war, wie wir es eingeübt hatten: Zwölf Klicks bedeuteten zwei Liter Sauerstoff pro Minute. Ich hatte mir diesen Ort tausendmal vorgestellt, und jetzt war ich hier. Wenn ich umkehren und lieber absteigen wollte, dann jetzt. Wenn ich den Hauptgipfel erreichen wollte, den höchsten Punkt der Erde, dann lagen vor mir noch, wie ich einmal auf einer Reliefkarte ertastet hatte, 800 schwierige Meter. Zuerst abseilen an der Rückwand des Südgipfels, dann 150 gefährliche Meter auf dem messerscharfen Grat und schließlich der voll den Elementen ausgesetzte 15 Meter hohe Sporn des Hillary Step. Ging ich jetzt weiter, musste ich meiner selbst völlig sicher sein. Ich sammelte mich, stand auf und marschierte weiter, im Gleichschritt mit den knirschenden Stiefeln der Männer vor mir. Wir seilten uns sieben Meter tief die senkrechte Schneewand ab auf den schmalen Grat, der etwa so breit wie ein Picknicktisch und unter Schneewächten begraben ist. Links ging es 2.500 Meter nach Nepal hinunter, rechts 3.000 Meter nach Tibet.

Äußerst bedachtsam ertastete ich mit meinem Eispickel das Gelände vor mir, bis ich die gefrorenen Stiefelabdrücke fand, die auf der linken Seite des Grats entlangführten: tasten, Schritt vorwärts, tasten, Schritt vorwärts. Trotz des Sauerstoffmangels und der Erschöpfung konzentrierte ich mich so gut wie möglich, um, wie die buddhistischen Sherpas zu sagen pflegen, meinen Geist »still wie Wasser« zu halten. Jeder Fehler hier wäre mein letzter gewesen.

Dann hatten wir endlich den senkrechten Hillary Step erreicht. Als ich den Fels unter meinen Handschuhen spürte, war ich plötzlich wieder in meinem Element. Ich rammte das rechte Steigeisen in einen schmalen Felsriss, das linke in eine Schneeverkrustung, schob die Seilsicherung so hoch nach oben wie möglich, stand rasch auf und tastete nach dem nächsten Felsvorsprung, der mir Halt geben würde. Oben angekommen, warf ich mich bäuchlings auf ein flaches Sims, ruhte aus und atmete durch. Langsam kam ich wieder auf die Beine und machte mich an die letzte Steigung.

Jeder Schritt fühlte sich an, als watete ich durch halb erstarrten Zement. Sechs tiefe gleichmäßige Atemzüge, ein weiterer entschlossener Schritt. »Immer in Bewegung bleiben«, ermahnte ich mich. Die nächsten sechs Atemzüge, der nächste Schritt. Die Zeit verlor ihre Bedeutung; eingepackt in mehrere Mützen und Kapuzen, hörte ich nur meinen eigenen Herzschlag und das tiefe Keuchen meines Atems in der Maske.

Dann spürte ich, wie der Teamkamerad vor mir stehen blieb. Dünne, drahtige Arme unter einem weichen Daunenanzug schlangen sich um meinen Hals. »Erik«, krächzte eine Stimme, hohl und außer Atem, heiser von den Kommandos, die sie mir die ganze Nacht über und durch den Sturm zugerufen hatte. Er beugte sich vor, bis sein Gesicht direkt an meinem Ohr lag. »Big E«, er kämpfte mit den Tränen, es dauerte ein bisschen, bis er weitersprechen konnte, »gleich bist du auf dem Dach der Welt.«

Noch ein paar Schritte, und dann war es so weit. Die Steigung hörte auf; höher hinauf ging es nicht mehr. Ich umarmte meine Teamkameraden. Sie hatten fest an mich geglaubt, auch als ich selbst schon aufgeben wollte. »Ich danke euch«, sagte ich, die Tränen gefroren mir auf der Gesichtshaut. Ein Funkgerät wurde mir in die Hand gedrückt.

»Hier ist Erik«, rief ich ins Mikrofon. »Wir sind oben. Unglaublich, aber wir sind oben. Sagt Ellie, dass ich sie liebe. Wir sind bald zu Hause.«

Kami Sherpas Antwort war klar zu hören. »Glückwunsch, aber ›Gipfel‹ heißt nicht ›geschafft‹«, mahnte er ernst. »Gipfel erst halbe Strecke. Wetter schlägt um. Kommt runter. Sofort.«

Ich wusste, dass der Abstieg die gefährlichste Etappe war. Wenn der Körper erschöpft ist, die Knie zittern und die Bergsteiger schneller als das übliche Nachmittagsunwetter sein wollen – dann passieren die Unfälle. Die Wolkendecke sank ab, es wurde rasch kälter. Jeff Evans neben mir rief: »Hier kommst du nie wieder rauf. Schau dich um!«

Die Ironie der Worte entging mir nicht. Ich kniete mich hin und grub die Hand – im Handschuh allerdings – in den Schnee, horchte auf das Knattern der Gebetsfahnen, die die Sherpas hinterlassen hatten, im Wind und auf das leere, endlose Schweigen des Himmels, der mich umgab. Inmitten dieser überwältigenden, eisigen, zerklüfteten Berglandschaft kam ich mir zerbrechlich und verletzlich vor. Ein Gipfel, sagte ich mir, ist ein besonderer und heiliger Ort, aber man darf dort nicht lange verweilen. Es war Zeit für den Abstieg.

Als wir uns auf den Rückweg machten, zunächst den Hillary Step hinunter und dann den Grat entlang zurück, nahm der Schneefall zu. Um 15 Uhr 30 schließlich, nach 18 Stunden am Berg, erreichten wir endlich wieder unsere Zelte. Es folgten weitere anstrengende Tage, als wir aus dem Everestmassiv hinaus abstiegen: Wir überwanden den ambossförmigen Felsen namens Geneva Spur, querten das gefährliche Gelbe Band und mühten uns langsam die steile Lhotse-Flanke hinunter, deren Eispanzer in der Sonne schmolz und über die ständig Steinschlag hinabrauschte.

Als ich mich Zentimeter um Zentimeter abwärtstastete, wurde mir langsam klar, was wir eigentlich geschafft hatten. Meine Teamkameraden und ich bildeten seit Monaten eine unauflösliche Einheit; wir arbeiteten perfekt zusammen. Ich hatte meine eigenen körperlichen Grenzen überwunden und viel darüber gelernt, was mein Körper aushalten und mein Geist erreichen konnte. Gewiefte Bergsteiger hatten unsere Qualifikationen und meine Fähigkeiten bezweifelt. Aber am 25. Mai 2001 hatten es 19 Angehörige unseres Teams bis auf den Gipfel geschafft, die größte Anzahl aus einer Klettergruppe, die je an einem Tag das Dach der Welt erreicht hatte, und ich hatte ebenfalls ein bisschen Geschichte geschrieben. Es gab viel zu feiern – aber noch nicht jetzt. Erst mussten wir den tödlichen Khumbu-Eisfall überwinden, ein drei Kilometer langes Labyrinth aus eingestürzten Séracs und explosiven nachmittäglichen Lawinenabgängen. Mit weichen Knien und geschwächt von 15 Kilo Gewichtsverlust ging es abermals auf wenig vertrauenerweckenden dünnen Aluminiumleitern über die breiten Gletscherspalten, die bis zu 60 Meter tief reichen. Es war meine zehnte und letzte Durchquerung dieses eisigen Irrgartens.

Nach der letzten Gletscherspalte stiegen wir weiter ab über das Eis des Khumbugletschers, in das jetzt muntere Bäche ihr Bett wuschen. Dann lösten ausgedehnte Schneehänge das Eis ab, und die Gefahr lag hinter uns. Ich würde überleben.

Da trat, ich hörte bereits die Jubelrufe unseres Teams von unten, unser Expeditionsleiter Pasquale, genannt »PV«, auf mich zu. Er packte mich an der Schulter und ließ mich innehalten. Ich spürte, wie er mir lange ins Gesicht sah.

»Dein Leben verändert sich gerade«, erklärte er und klopfte mir auf den Rücken. Er lachte, aber was er sagte, war ernst gemeint. »Lass den Everest nicht zum größten Erfolg deines Lebens werden«, mahnte er.

»Lass den Everest nicht zum größten Erfolg deines Lebens werden.«