SPACE 2018

Eugen Reichl
Das aktuelle Raumfahrtjahr mit Chronik 2017

Impressum

Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde unseres Raumfahrtjahrbuches,

der Beginn industrieller Prozesse im Weltraum geht zurück bis zu den Raumstationen Saljut 6 und Skylab in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sowjetische Kosmonauten unternahmen experimentelle Schweißversuche und bearbeiteten Aluminium, Titan und Stahl. US-Astronauten versuchten sich in Elektronenstrahlschweißen und führten Experimente mit geschmolzenem Metall durch, dem Wachstum von Kristallen und mit der Bildung von Legierungen, die unter Erdschwerkraft nicht herstellbar sind. Heute gilt es als sicher, dass nahezu jegliche Form industrieller Prozesse im Weltraum möglich ist. Alles was dafür an Rohmaterial notwendig ist, gibt es außerhalb unseres Heimatplaneten in unvorstellbaren Mengen.

Im inneren Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befinden sich etwa 1,5 Millionen Himmelskörper mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer, die zu einem Drittel aus „baufähigen“ Metallen zusammengesetzt sind. Der Asteroid Psyche beispielsweise besteht zum größten Teil aus Nickel und Eisen. Bei einem Durchmesser von 250 Kilometern könnte er ganz allein den irdischen Bedarf an diesen beiden Metallen für jede denkbare Zukunft decken. Hier wird der nächste „Gold Rush“ stattfinden. Immer mehr Unternehmen gründen sich, um bei diesem lukrativen Geschäft der Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein, allen voran derzeit „Planetary Resources“ und „Deep Space Industries“. Einzelne Länder wie die USA und Luxemburg (ja, Sie haben richtig gelesen, Luxemburg) bereiten schon jetzt die Regularien vor, um einen fliegenden Start zu haben, wenn der „Run“ auf die Ressourcen des Alls einsetzt.

Konsequenterweise hat unser diesjähriger Leitartikel den zukünftigen „Industriestandort Weltraum“ zum Thema. Der Titel der Story: „Made in Space – Das Label der Zukunft“. Auch der darauf folgende Beitrag befasst sich mit einem „außerirdischen“ Geschäftsfeld der näheren Zukunft: Die Müllentsorgung im Erdorbit. Lesen Sie dazu „Die orbitale Müllkippe“.

Dass es für die Industrie im Weltraum eine geeignete Transportinfrastruktur geben muss, versteht sich von selbst. Eine Reihe von Unternehmen entwickelt und baut bereits die Raketen, mit denen diese Zukunft möglich ist. Die bekanntesten Namen dieser Szene sind derzeit Elon Musk, Jeff Bezos und Peter Beck. Unser Artikel „Mit Amazon zum Mond“ beschäftigt sich damit.

Auch in diesem Jahr sind wir der Raumfahrtgeschichte verpflichtet, und haben ein kleines Gedankenspielchen unternommen: Was wäre das große Thema von SPACE 1959 gewesen, hätte es unser Jahrbuch schon damals gegeben. Diese hypothetische Ausgabe wäre im November 1958 erschienen, und wir hätten darin über den Zeitraum vom September 1957 bis zum August 1958 berichtet. Lesen Sie dazu den Artikel „Die ersten Sieben“. Ebenfalls Raumfahrtgeschichte aber auch gleichzeitig einen Ausblick auf die Zukunft finden Sie in der Story „Launch Complex 39 – Das revitalisierte Kulturerbe“.

Mit der aktuellen Raumfahrt beschäftigen sich die Beiträge „Gebremste Ambitionen“, der Chinas Raumfahrt unter die Lupe nimmt, sowie die Stories unserer beiden Gastautoren Ute Gerhard und Frank Haberland. Letzteren können wir eigentlich schon als „Stammautor“ bezeichnen, denn er schreibt jetzt schon zum dritten Mal für SPACE. Ute Gerhard greift ein kontroverses Thema auf, das in diesem Berichtsjahr durch die Medien ging und schreibt über „Die Astronautin“. Frank Haberland räsoniert in seinem Beitrag „Ohne Ende Welten“ über die Möglichkeit, unser Sonnensystem zu verlassen und die Nachbarsterne zu besuchen.

Im Editorial des Vorjahres haben wir Ihnen versprochen, über die Mars-Sonde Schiaparelli zu berichten, Elon Musks Marspläne unter die Lupe zu nehmen und den Fortgang des Google Lunar XPrize zu untersuchen. Am Ende wurden es nur zwei von den dreien. Wie Sie wahrscheinlich wissen, scheiterte am 19. Oktober 2016 auch der zweite Versuch Europas, eine Raumsonde auf dem Mars zu landen. Auf diesem Gebiet sind nach wie vor ausschließlich die Amerikaner erfolgreich und spielen seit Jahrzehnten unerreicht in einer eigenen Liga. Wir werden aber in der Ausgabe des nächsten Jahres eine Vorschau auf das Jahr 2020 unternehmen, denn dann sollen gleich drei Rover auf der Oberfläche des Planeten Mars abgesetzt werden. Einer aus China, einer aus Europa und einer aus den USA.

Auch Elon Musks Pläne zur Besiedelung des Planeten Mars finden Sie in dieser Ausgabe, den Versprechungen vom letzten Jahr zum Trotz, nur am Rande erwähnt. Das liegt daran, dass Musk eben diese Pläne, die er Ende September 2016 verkündete, noch einmal vollständig überarbeitet hat, und seine neuesten Erkenntnisse auch in diesem Jahr erneut erst einige Wochen nach unserem Redaktionsschluss kund tun will. Dennoch haben wir uns intensiv bei SpaceX umgesehen, um Ihnen auch in diesem Jahr das Neueste vom derzeit interessantesten Unternehmen der New Space-Szene zu berichten. Unser Beitrag dazu trägt den Titel: „Make America great again – Elon Musks neue Ziele“. Schließlich möchte ich Ihnen noch einen ebenso liebenswerten wie leistungsstarken Raumfahrtverein ans Herz legen, die Deutsche Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V. Unser Beitrag dazu lautet: „Morgenröthe-Rautenkranz – Ein ganz besonderer Ort“.

Damit leiten wir über zu unserem Science-Fiction-Teil: Unser Thema lautete dieses Mal „Erstkontakt“. Die Qualität der Einsendungen war außerordentlich hoch, was es der Jury nicht leicht machte, zu einem Ergebnis zu kommen. So endete die Sache damit, dass punktgleich zwei Geschichten auf dem ersten Platz landeten. Damit haben wir in dieser Ausgabe ausnahmsweise vier Stories „an Bord“. Die beiden Erstplatzierten und die Plätze zwei und drei. Alle vier Geschichten sind wirklich ungemein spannend.

Für die Science-Fiction-Freunde haben wir eine erfreuliche Nachricht: Der Science-Fiction Wettbewerb ist uns so ans Herz gewachsen, dass der VFR-Verlag ein separates ScienceFiction eBook „Neue Welten“ mit den besten Stories aus 10 Jahren herausbringen wird. Wir bewerben dieses Buch auf der Rückseite des Lesezeichens, das in Ihrer Ausgabe beiliegt.

Über die Science Fiction kommen wir jetzt gleich zur Filmbesprechung des Jahres: Es gab in diesem Jahr eine ganze Reihe sehenswerter SF-Filme, wie zum Beispiel „Alien: Convenant“, „Life“, „Arrival“ oder „Passengers“. Wir haben uns aber für unsere traditionelle SPACE-Filmkritik für das neueste Werk von Jean Luc Besson entschieden: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“. Der Streifen kam zeitlich nah am Erscheinungsdatum von SPACE 2018 in die Kinos, hat das Zeug ein Klassiker zu werden, und ist vielleicht der Erste einer Serie von „Valerian“-Filmen.

Neben den Artikeln widmen wir einen wesentlichen Teil des Buches wie immer einer ausführlichen Schilderung aller Raumfahrtstarts in der SPACE-typischen Berichtsperiode, die von September 2016 bis August 2017 läuft. Wir haben damit in den bislang erschienenen 15 Bänden jede einzelne Mission, die seit dem 5. Januar 2003 in den Orbit oder darüber hinausging, ausführlich beschrieben. Für die Zahlenfreaks unter unseren Lesern, und davon gibt es eine ganze Reihe, wie wir wissen, haben wir wie jedes Jahr einen Block von gut 20 Seiten zur Statistik des Jahres erarbeitet. Damit es nicht zu trocken wird, gibt es gleich im Anschluss an den Statistik-Teil das Gegengewicht: Die besten Raumfahrtbilder der Berichtsperiode.

An dieser Stelle ist wie immer auch der Platz, dem gesamten SPACE-Team zu danken. Allen voran den beiden Hauptprotagonisten Peter Schramm, dem „General Manager“ des Projektes und unserem Grafiker, Layouter und Ideengeber Stefan Schiessl, der dafür sorgt, dass dieses Werk von optisch herausragender Qualität ist, und der obendrein immer eine Druckerei findet, die das Buch schnell und günstig produziert. Reinhold Glasl und Lothar Karl organisierten wie in den Jahren zuvor routiniert den Science-Fiction Wettbewerb und ein ganz besonders herzlicher Dank geht nach Berlin an unsere Lektorin Margit Drexler. Ein großes Dankeschön richten wir wie immer auch an unsere Sponsoren. Sie tragen jedes Jahr einen erheblichen Teil der Erstellungskosten, die mit den Verkäufen alleine nicht zu decken wären.

Zu guter Letzt: Schauen Sie in unsere Kontakt-Ecke, wo Sie unter www.vfr.de mit der Mail-Adresse space@vfr.de direkt mit uns in Verbindung treten können oder sehen sie sich unser Internet-Portal www.space-jahrbuch.de an, wo sie neben interessanten Dingen um das Thema Raumfahrt auch viele Informationen zu unserem Jahrbuch und sein Entstehen erhalten. Das ist auch der Ort, an dem sie die Bände vergangener Jahre nachbestellen können, die im Buchhandel möglicherweise schon vergriffen sind.

Wenn Sie Kritik haben oder Lob, Tipps oder Meinungen, ein Problem oder eine Frage zu den Inhalten, wenn Sie sich schon mal die Ausgabe für das nächste Jahr reservieren wollen oder gerne der Tochter oder dem Sohn eins der Bücher schenken wollen, gerne auch signiert: Schreiben Sie uns einfach eine Mail. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Und jetzt hinein ins Raumfahrtgeschehen. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre von SPACE 2018. Bleiben Sie uns treu und gewogen.

Im Namen des SPACE-Teams, Ihr Eugen Reichl

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