Über dieses Buch

Die Journalistin Irene Bazinger und der Kunstanwalt Peter Raue haben prominente Berliner eingeladen, über deren Berliner Lieblinge aus anderen Epochen zu schreiben. Die Wahlverwandtschaften vereinen auf inspirierende Weise Tradition und Moderne und lassen die nicht enden wollende Symphonie der Großstadt neu, überraschend und vielstimmigunterhaltsam erklingen.

Porträtiert werden unter anderem Willy Brandt, Marlene Dietrich, Albert Einstein, Inge Meysel, Erich Kästner, Nofretete oder der Eisbär Knut. Zu den Autoren zählen zum Beispiel Maren Kroymann, Katharina Thalbach, Wolf Biermann, Gregor Gysi, Ulrich Matthes, Ilja Richter, Wolfgang Thierse und Udo Walz.

Ein biografischer Reigen kluger, prominenter, besonderer Berliner Köpfe aus Politik, Wissenschaft und Kultur – ein Buch für alle Berliner und solche, die es werden wollen.

Über die Autoren

Irene Bazinger, geboren in Salzburg, kam 1983 zum Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft nach Berlin, wo sie noch immer – inzwischen als freie Autorin und Kulturjournalistin – lebt. Für die FAZ schreibt sie seit Jahren über das Berliner Theaterleben. Sie veröffentlichte Bücher über die Regisseurinnen Andrea Breth und Ruth Berghaus.

Peter Raue, geboren in München, Rechtsanwalt, Kunstfreund und Kunstförderer. Ab 1961 studierte er Rechts- und Theaterwissenschaft sowie Philosophie an der Freien Universität Berlin, wo er seit 2005 als Honorarprofessor für Urheberrecht lehrt. Seit 1971 ist er Rechtsanwalt und heute in vielen Gerichts- wie Theater- oder Konzertsälen eines der bekanntesten Gesichter der Hauptstadt.

Irene Bazinger & Peter Raue (Hg.)

Wir Berliner!

PROMINENTE über PROMINENTE

33×Bewunderung,
Staunen, heimliche Liebe

BASTEI ENTERTAINMENT

INHALT

  1. Vorwort
  2. UDO WALZ über MARLENE DIETRICH
    Des Blauen Engels Haar
  3. PETER VON BECKER über ALBERT EINSTEIN
    Ohne Humor sind wir unerträglich
  4. ADRIANA ALTARAS über MASCHA KALÉKO
    Unsentimental, unpathetisch und schnell
  5. CHRISTOPH STÖLZL über HEINRICH ZILLE
    Das unzensierte Leben
  6. PETER RAUE über JAMES SIMON
    Die Lust, Gutes zu tun
  7. ELISABETH TRISSENAAR über TILLA DURIEUX
    Ein Pakt mit der Unsterblichkeit
  8. GREGOR GYSI über ROSA LUXEMBURG
    Eine große Portion Risikobereitschaft
  9. IRENE BAZINGER über KNUT
    Kinder und Tiere retten jede Vorstellung
  10. KLAUS HOFFMANN über ULRICH PLENZDORF
    Zu klug, um siegen zu wollen
  11. MARIA OSSOWSKI über KURT TUCHOLSKY
    Das zärtliche Nachstreicheln
  12. ILJA RICHTER über CURT BOIS
    Alles mit links gemacht
  13. CHRISTINA WEISS über OSKAR PASTIOR
    Seine Lust, seine List, seine Waffe war die Sprache
  14. ROMY HAAG über HILDEGARD KNEF
    Für sie soll’s immer rote Rosen regnen
  15. JÜRGEN FLIMM über MAX REINHARDT
    Genug ist nicht genug
  16. ANDREAS NACHAMA über ESTRONGO NACHAMA
    Es tönt von der Erde zum Himmel empor
  17. MAREN KROYMANN über INGE MEYSEL
    Vorhang auf oder Die apodiktische Frau
  18. VOLKER LUDWIG über ERICH KÄSTNER
    Mein Pate vom Nikolsburger Platz
  19. HORTENSIA VÖLCKERS über DORE HOYER
    Affectos Humanos
  20. HANS WALL über ERNST LITFASS
    Das Eckige muss aufs Runde
  21. VOLKER KÜHN über WOLFGANG NEUSS
    Stänkern für die gute Sache
  22. WOLF BIERMANN über ROBERT HAVEMANN und JÜRGEN FUCHS
    Nach Nirgendwo gegangen
  23. KATHARINA THALBACH über HELENE WEIGEL
    Die Stimme des Berliner Ensembles
  24. KLAUS STAECK über JOHN HEARTFIELD
    Zwei fotorealistische Westemigranten
  25. DIETER HOFFMANN-AXTHELM über HEINRICH FRIEDRICH KARL REICHSFREIHERR VOM UND ZUM STEIN
    Zwischen den Zeiten stehend
  26. SHERMIN LANGHOFF über DIE SING-AKADEMIE
    Gleich einem Blumengarten
  27. GEREON SIEVERNICH über MERET OPPENHEIM
    Woher die Einfälle einfallen
  28. WOLFGANG THIERSE über WILLY BRANDT
    Etwas für die Menschen tun
  29. HANS NEUENFELS über HEINRICH VON KLEIST
    Der Dichter als perfekter Mörder
  30. ULRICH MATTHES über MARTIN HELD
    Was steht denn da genau?
  31. HEINZ DÜRR über EMIL RATHENAU
    Entscheidend ist immer der Chef
  32. PETER SCHNEIDER über AXEL CAESAR SPRINGER
    Unser Zorn war durchaus authentisch
  33. MARIA SOMMER über RAHEL VARNHAGEN VON ENSE
    Nicht lügen können
  34. KLAUS-DIETER LEHMANN über NOFRETETE
    Die Schöne ist geblieben
  35. Anhang

VORWORT

Wie verrückt muss man eigentlich sein, um sich noch ein Buch über Berlin auszudenken? Nun ja, ein bisschen schon, aber nicht sehr, weil diese Stadt für vieles gut ist – und für viele, wie wir zeigen möchten. In der sprichwörtlichen »Berliner Luft, Luft, Luft …« gedeihen nämlich das Komische wie das Erhabene, das Hohe wie das Kesse, das Alte wie das Neue und begeisternde wie auch erschreckende Visionen von der Zukunft sowieso. In Berlin scheint der Humus für Kreativität und Innovation mehr als in anderen Städten so beständig wie fruchtbar zu sein. Also kann es gar nicht genug Bücher über Berlin und die Berlinerinnen und Berliner geben, schließlich macht die Stadt auch immer weiter, in alle möglichen und gern unmöglichen Richtungen des öffentlichen Lebens.

Nicht alle, die wir eingeladen hatten, mochten an diesem Projekt mitwirken, doch diejenigen, die sich dafür entschieden haben, erfüllen uns mit Freude und Glück. Und Stolz: auf ihre Teilnahme, auf ihre Beiträge und auf Berlin.

Denn Berlin war und ist eine Stadt mit vielen klugen, bekannten, bemerkenswerten Köpfen. Insofern ist es uns eine besondere Genugtuung, wie viele Größen von heute sich an Größen aus anderen Zeiten, wie viele Prominente sich an Prominente erinnern wollten – so biografisch wie nötig, so persönlich wie möglich. Und wie sie damit in beseelten, oft weit gespannten Geschichten von der Vitalität der Stadt und ihrer bedeutenden politischen, wissenschaftlichen, sozialen, künstlerischen Tradition erzählen, die sie zum Teil fortsetzen, zum Teil neu interpretieren, zum Teil in bewährter Weise frisch aufblühen lassen.

Der eine Autor wurde in Osnabrück geboren, die andere porträtierte Berlinerin starb in Zürich. Die eine klingt ziemlich wienerisch, der andere eher bairisch. Willy Brandt etwa wurde in Lübeck geboren, und Marlene Dietrich starb in Paris – Berlinerinnen und Berliner sind sie trotzdem, und wie! Sei es, weil die Schreibenden oder Beschriebenen länger in der Stadt an der Spree gelebt oder weil sie wichtige Stationen ihres privaten Weges wie ihrer beruflichen Laufbahn hier verbracht haben. In diesem Sinne ist der Titel unseres Buches, Wir Berliner!, mit dem ortsüblichen Augenzwinkern durchaus ernst gemeint.

Es ist nicht übertrieben und seit 1989 wieder zweifelsfrei festzustellen, dass Berlin der deutsche Schmelztiegel für in- und ausländische Zuzügler ist. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 allerdings wurde die Vielfalt des Biotops Berlin in brutaler Weise zerstört. An manche der damals ausgelöschten Leben und beschädigten Karrieren erinnern nun einige Beiträge in diesem Band.

Als kleine Randbemerkung sei erwähnt, dass drei der in diesem Buch vertretenen Herren in Breslau geboren wurden, nämlich Klaus-Dieter Lehmann, Wolfgang Neuss, Wolfgang Thierse. Drei Damen wurden in Wien geboren: Tilla Durieux, Elisabeth Trissenaar, Helene Weigel. Und Max Reinhardt kam in Baden bei Wien zur Welt.

Stellvertretend für alle, die es von noch weiter her nach Berlin gezogen hat, dient uns die berühmteste Migrantin und, wie nicht wenige meinen, schönste Frau der Hauptstadt – Nofretete –, deren Büste vor über hundert Jahren glücklicherweise im ägyptischen Sand entdeckt wurde.

Es war der fränkische Schriftsteller Jean Paul, der erklärte: »Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt.« Entsprechend dem lokaltypischen fröhlich-turbulenten Durcheinander ist auch diese dialogisch strukturierte Hommage gestaltet. Weiblich und männlich, Ost und West, Unternehmer und Künstler, sogar Mensch und Tier – all diese Gegensätze und Korrespondenzen lassen sich hier in kein System pressen, sie lassen sich nur bestaunen, bewundern, genießen und folgen weder einer Chronologie noch Genres, sondern dem leidenschaftlichen Chaosprinzip der pulsierenden Stadt.

Wir danken allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben, namentlich und herzlich Daniela Reinhold als unserer inspirierenden und geduldigen Unterstützerin.

Mancherlei lässt sich über Berlin sagen, aber kaum jemand hat es so kurz und trocken wie 1980 die – natürlich Berliner – Neue-Deutsche-Welle-Band Ideal getan: »Ich fühl mich gut / ich steh’ auf Berlin!«

Irene Bazinger und Peter Raue

DER FRISEUR UND DIE DIVA

UDO WALZ über MARLENE DIETRICH
Des Blauen Engels Haar

Dass ich nicht mehr zu den allerjüngsten Bewohnern dieser Erde gehöre, kann ich nicht verbergen, wenn ich aufzähle, wessen Kopf, welches Haar ich schon mit meiner Schere bearbeitet, vielleicht verschönert habe: Maria Callas! Hildegard Knef! Romy Schneider! Und natürlich den Star aller Stars, die unvergleichliche Marlene Dietrich. Ja, heute sage ich »unvergleichlich«, aber damals habe ich, so komisch das klingt, gar nicht gewusst, wer sie war.

So ist das mit dem Ruhm, gerade im Showbusiness: Die nächste, erst recht die übernächste Generation kennt die Helden ihrer Eltern oder Großeltern meist kaum noch. Ich war da nicht anders.

Nachdem ich meine Gesellenprüfung abgelegt hatte, ging ich mit nicht einmal 20 Jahren aus Stuttgart weg, nach St. Moritz, um dort als Saisonfriseur zu arbeiten. Einst wie jetzt war und ist das, zumal im Winter, ein Treffpunkt der internationalen Prominenz. Ich war begabt, hatte geschickte Hände, sah wahrscheinlich halbwegs passabel aus und hatte ein zurückhaltendes Benehmen. Das sprach sich herum. Es war vermutlich eine Empfehlung von Maria Riva, der Tochter Marlene Dietrichs, die mich in die Suite der Diva im Hotel Palace brachte. Vorher rief ich noch meine Mutter an und fragte sie, ob sie Marlene Dietrich kenne, und sie schrie auf: »Was, Marlene! Mensch Udo, die ist ein Star auf der ganzen Welt, die kennt doch jeder!« Bis zu mir jedenfalls hatte sich das nicht herumgesprochen, aber meine Mutter war schwer beeindruckt, mit wem ich da zusammentraf.

UDO WALZ

Wurde 1944 in Waiblingen geboren und ist seit Jahren BERLINs bekanntester Friseur. In die sensiblen Hände des Spezialisten für Hochsteckfrisuren legten bald eine Viertelmillion Menschen ihre Köpfe, darunter viele Stars aus Politik und Kultur. Er lebt in der Nähe des Kurfürstendamms in BERLIN.

Marlene sollte am Abend auftreten und wurde im Lauf des Nachmittags dafür hergerichtet, unter anderem eben von mir. Auf einem Bügel hing ihr berühmtes Strassperlenkleid, in das sie vor Konzertbeginn eingenäht werden würde, was ich allerdings nicht zu sehen bekam. Nervös war ich nicht, obwohl etliche Leute um sie herumwuselten. Marlene saß da, elegant, vornehm, entspannt, rundherum wunderbar. Sie rauchte, sprach mit dem einen oder anderen, und dann war ich dran.

Ich hatte meinen Koffer mit allen möglichen Friseurutensilien mitgebracht. So einen habe ich auch heutzutage noch, immer frisch gepackt und griffbereit, falls jemand anruft und meine Hilfe benötigt. Ich ging also an die Arbeit. Marlene wechselte ein paar Worte mit mir, und zwar auf Deutsch – woher ich käme, was ich von St. Moritz hielte, welche Pläne ich hätte –, nichts Besonderes, nur alltägliche Dinge, wie man sie normalerweise beim Friseur beplaudert, wenn man einander nicht kennt. Marlene wollte die Haare bei ihrem Auftritt offen tragen. Ich habe sie gebürstet, frisiert, in Form gebracht. Am Hinterkopf war ein kleines Haarteil, wie das viele Künstler seinerzeit trugen, um ihre Kopfform zu modellieren. Solche Details erzähle ich normalerweise nicht herum, aber nun ist sie doch schon eine Weile tot, und man weiß im Grunde alles über sie. Es ist ja auch nicht ehrenrührig, denn ihre Haare waren gut und schön und tadellos in Form. (Übrigens ergänzen viele Menschen, vor allem, wenn sie in der Öffentlichkeit stehen, ihr natürliches Haar, nur werden dafür inzwischen eher Hair Extensions zur Verlängerung und zum Auffüllen verwendet.) Die Prozedur dauerte stolze eineinhalb Stunden.

Marlene war mit meiner Arbeit offenbar zufrieden und lud mich deshalb auf die Aftershow-Party im Hotel Palace ein. Das freute mich überaus, und ich bin tatsächlich hingegangen, ordentlich angezogen und gekämmt. Da sah ich sie dann an einem Tisch sitzen, als Mittelpunkt einer mondänen, aufgekratzten, illustren Gesellschaft. Sie lachte und strahlte und ließ sich feiern und umschwärmen. An ihre Kleidung erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen: Sie trug ein Schottenmützchen, ein Schottenröckchen, einen Rollkragenpulli und Leggins, in denen ihre Beine natürlich ganz toll zur Geltung kamen. Ich kleiner Junge vom Land stand in der Tür, schaute mir das alles an – und ging still und heimlich wieder weg. Ich war zu schüchtern, um mich ihr und ihrer Entourage zu nähern. Das war mir einfach ein paar Nummern zu groß. Mittlerweile freilich wäre das etwas anders … Nun denn, damals zog ich mich bescheiden zurück und bin wahrscheinlich schlafen gegangen, es war stets viel zu tun und ich entsprechend hundemüde.

Auch das Konzert hatte ich nicht besucht, das war uns Mitarbeitern des Hauses nicht gestattet. Aber was soll’s, ich hatte Marlene Dietrich frisiert! Darauf bin ich bis heute stolz.

Zu einer weiteren Begegnung ist es leider nicht gekommen. In Berlin, wo ich mich 1963 nach meiner Zeit in St. Moritz niedergelassen hatte, sah ich sie nur von ferne. Ihre Tochter freilich kennt mich immer noch, das empfinde ich als sehr erfreulich.

MARLENE DIETRICH

Sie hat bis heute nicht nur einen Koffer in BERLIN, sondern ihren ganzen Nachlass. Geboren 1901 in BERLIN-Schöneberg, wurde sie 1930 mit dem Film Der blaue Engel bekannt und eroberte später als Schauspielerin und Sängerin die Welt. Während des Zweiten Weltkriegs betreute sie Truppen der US-Armee. 1978 zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Sie starb 1992 in ihrer Wahlheimat Paris und wollte in BERLIN begraben werden. Ihr Ehrengrab schmücken Verehrer stets mit frischen Blumen.

Marlene ist später nach Paris gezogen und hat irgendwann, anders als die Garbo – genauso ein Mythos –, ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Wer hat ihr da wohl die Haare gemacht? Oder war ihr völlig egal geworden, wie sie aussah? Nein, das kann, das will ich mir nicht vorstellen. Der Maler Gottfried Helnwein, der Marlene Dietrich kannte, hat erzählt, dass sie sich unablässig quasi auf der Flucht befand, um ihr Gesicht zu verteidigen. »Ich bin zu Tode fotografiert worden«, hat sie bekanntlich gesagt und machte plötzlich Schluss mit all dem Angeglotztwerden und Star-Sein und wollte nicht länger die Projektionsfläche für die Träume der Menschen von Schönheit und Glanz sein. Mit ihrem totalen Rückzug aus der Öffentlichkeit tat sie alles, um im Gedächtnis der Welt weiterhin als die unnahbare, grandiose Göttin und als eine alterslose, ewig glamouröse Ikone zu erscheinen, die sie so lange gewesen war. Wie es ihr wirklich ging und wie sie sich im Lauf der Jahre veränderte, sollte niemand mitkriegen. Deshalb ging sie nicht mehr vor die Tür, deshalb waren in ihrer Wohnung im 8. Arrondissement die Vorhänge dauernd zugezogen, und es war ihr wegen der Paparazzi kaum möglich, die Fenster zu öffnen und frische Luft hereinzulassen. Einige von ihnen verfielen irgendwann sogar auf die Idee, im Hinterhof des Hauses eine Hebebühne aufzubauen, um von da aus in die Wohnung in der vierten Etage hinein zu fotografieren. Das muss man sich einmal vorstellen …

Ihre Autobiografie trägt den Titel Ich bin, Gott sein Dank, Berlinerin – und Berlin hatte, Gott sei Dank, Marlene Dietrich.

DER PUBLIZIST UND DER PHYSIKER

PETER VON BECKER über ALBERT EINSTEIN
Ohne Humor sind wir unerträglich

I

Immer wieder möchte man die stummen Dinge zum Reden bringen. Hier den Schreibtisch, an dem der gerade 26-jährige »Technische Experte III. Klasse« im Eidgenössischen Patentamt zu Bern in seinem Wunderjahr 1905 gesessen haben soll. Dort Albert Einsteins Lieblingssessel oder die Standuhr mit den Eisengewichten, die im Wohnzimmer in Berlin und später in Princeton dem Einstein-Clan die Stunde geschlagen hat. Wir fahren mit der Hand über das Holz, pochen an die Wurmlöcher und imaginieren uns à la Proust eine Madeleine der verlorenen, der wiedergefundenen Zeit.

Natürlich lebt Albert Einstein zuallererst fort in seinen Theorien, Aufsätzen, Reden, Briefen. Aufgehoben ist das Denken und Fühlen des Jahrhundertgenies zudem in den Konvoluten von Manuskript-Mappen, Aktenordnern und Kartons, die heute als Einsteins Erbe in der Hebräischen Universität Jerusalem verwahrt werden.

Eine Schar schwer bewaffneter israelischer Soldaten hatte das Archiv aus dem Institute for Advanced Study, Einsteins Arbeitsstätte in seinen letzten 22 Jahren, während einer Dezembernacht 1981 auf einen Lkw verladen und Stunden später nach Tel Aviv geflogen. Das war Israels vermutlich einziger offizieller Truppeneinsatz auf amerikanischem Boden – um 26 Jahre nach Einsteins Tod ein wenig verspätet seinen letzten Willen zu erfüllen. Sechs Wochen später starb Helen Dukas, Einsteins Privatsekretärin seit Berliner Zeiten, die bis dahin sein Archiv in Princeton verwaltet hatte.

Was jedoch ist jenseits der Gedankenwelt noch geblieben an originalen Spuren, an authentischen Orten?

Es gibt ein paar verstreute Erinnerungsstätten, aber kein wirkliches Albert-Einstein-Museum. Das entspricht Einsteins Wunsch. Der jahrzehntelang von Verehrern, Bittstellern und Wichtigtuern aus der ganzen Welt genervte Mann wollte nicht auch noch posthum zur Wallfahrt dienen; ihm grauste vor einem Einstein-Schrein.

Sein halbes Leben lang war er nach eigenen Worten ohnehin ein »Zigeuner« gewesen – mit festen Adressen zwar, aber, seine Bücher und Papiere ausgenommen, fast ohne bürgerlichen Besitz. In 76 Jahren hatte er 26 zumeist möblierte Wohnungen und spät erst zwei Häuser. Allein in Bern, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Spezielle Relativitätstheorie entstand, ist er zwischen 1902 und 1906 sechsmal umgezogen. Nur an zwei Orten überhaupt hat Albert Einstein länger gelebt: in Berlin, von 1914 bis 1933, und danach, bis zu seinem Tod 1955, in Princeton, der kleinen, feinen Universitätsstadt, eine Zugstunde südlich von New York.

II

Alles begann naturgemäß – mit dem Geburtshaus. Doch von der Adresse Bahnhofstraße 135 B im Jahr 1879 in Ulm ist kein Stein mehr geblieben. Schon im nächsten Jahr zog die Familie nach München, dann nach Italien, und Sohn Albert ging in München und später im Schweizer Aarau zur Schule, studierte am Polytechnikum Zürich, scheiterte zunächst mit einer Dissertation, schlug sich als Hauslehrer durch und heiratete 1903, inzwischen beim Berner Patentamt angestellt, seine erste Frau Mileva. 1904 wurde Hans Albert, der erste von zwei Einstein-Söhnen, geboren.

Über 100 Jahre später freilich kommt man Einstein inmitten der Berner Altstadt noch unverhofft nah.

Kramgasse 49. Unweit des Uhrenturms, des Berner Wahrzeichens, an der Hauptstraße der spätmittelalterlichen Innenstadt steht in der trutzigen Häuserzeile die Nummer 49: vier Geschosse, aber nur je ein Zimmer breit. Solche schmalen Häuser finden sich sonst eher an Kanälen und Grachten. Hier im Einstein-Haus wird an den berühmten Bewohner schon seit 1979, dem Jahr seines 100. Geburtstags, erinnert. Aber von 2005 an, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, sollte alles noch schöner und originaler werden.

Also hat die Berner Einstein-Gesellschaft das gut 500-jährige Haus vollkommen saniert. Auf die schönen alten Deckenbohlen im Treppenaufgang hat man als kosmisches Entree eine Hinterglas-Illumination der Galaxie montiert. Eigentlich schade, so viel moderner Schick. Aber im kleinen Schauraum im ersten Stock freut man sich an den wenigen Originalen – Einsteins Schreibtisch aus dem Patentamt, ein von ihm für Kinder gebastelter Drachen und sein Schweizer Pass. Ein Mini-Museum des großen Geistes.

Wirklich berührend ist indes Albert und Mileva Einsteins Wohnung im zweiten Stock. Eine Wendeltreppe führt hinauf, dann betreten wir, durch die Haustür und über die Dielen seiner Zeit, eine Drei-, nein, eigentlich nur eine Zweieinhalbzimmerwohnung. Links zum Hinterhof das kleine Schlafzimmer mit einem Kachelofen. Der ist die einzige Heizung. Ein fensterloser Durchgang, erwärmt durch die Rückseite des Ofens, war das Kinderzimmer von Hans Albert; von dort oder vom Flur aus geht es ins hübsche, doch unbeheizte und im Winter schneidend kalte Wohn- und Arbeitszimmer Einsteins. Zwei Fenster zur Kramgasse, kein Kamin, aber ein bisschen barocker Stuck, und die Pflanzentapete ist nach alten Fotos originalgetreu nachgepinselt worden. Von Leihgebern hat man einige Biedermeier-Möbel erhalten, die den Eindruck der bürgerlichen Bescheidenheit von einst ganz stimmungsvoll vermitteln. Einsteins Küche und Klo nach hinten raus, über den Gang, geteilt mit den Bewohnern der Hofwohnung (bei meinem Besuch logierte da ein Haute-Couture-Atelier). Im Jahr 2012 hat ein größerer Wasserschaden Haus und Andenken beschädigt, aber nach einjähriger Renovierung und abermaliger Restaurierung ist das Berner Einstein-Haus seit Februar 2013 wieder neu im alten Stil geöffnet.

Man spürt: Hier lebte der berühmteste Kopf des 20. Jahrhunderts in einer historischen Weltsekunde – als Genie vor seiner Entdeckung. In der krähwinkelhaft kleinbürgerlichen Enge entwickelte er im Jahr 1905, bei Kindergeschrei und noch in Kälte und Halbdunkel, jene Gedankenblitze, die die Welt und das wissenschaftliche Universum bald erleuchten und erweitern sollten wie nichts zuvor.

Die letzte der vier Studien jenes annus mirabilis, seine Gedanken zur Äquivalenz von Masse und Energie (mit der berühmten Formel E = mc²), hatte der noch immer unpromovierte Feierabendphysiker freilich schon wieder aus einer anderen Wohnung geschickt. Wir fahren in den außerhalb der Altstadt gelegenen früheren Besenscheuerweg, der heute Tscharnerstrasse heißt. Dort hält mich der Taxifahrer für leicht meschugge, als ich andächtig auf eine heruntergekommene Neubausiedlung gegenüber einem Busdepot starre. Nichts ist geblieben, es gibt nicht einmal ein Hinweisschild. Und die unschweizerisch ärmliche Tscharnerstrasse heißt schon ein paar Häuser weiter: Konsumstrasse.

PETER VON BECKER

Er wurde 1947 in Mannheim geboren, ist promovierter Jurist, jedoch bekannt geworden als Kulturjournalist, Kritiker und Schriftsteller. Bis 1997 war er Mitherausgeber der Zeitschrift Theater heute in BERLIN. Zwischen 1997 und 2005 leitete er die Kulturredaktion des BERLINer Tagesspiegel, dessen Kulturautor er weiter ist. Seit 2003 lehrt er als Honorarprofessor an der Universität der Künste BERLIN.

Zurück also in die Mitte Berns. Zum ehemaligen Patentamt. Das massige Gründerzeitgebäude in der Speichergasse 6, Ecke Genfergasse, ragt als steinernes Tortenstück vor und sieht fast noch so aus wie auf den Fotos um 1905, nur der Dachgiebel und eine Turmhaube wurden abgenommen. Zwischenzeitlich war es die Hauptverwaltung des Telekommunikationsunternehmens Swisscom, seit dem Sommer 2008 ist es das Haus der Kantone, eine von Finanz- und Justizdirektionen bestückte Zentrale der Schweizer Konföderation. Gleich im Foyer findet sich eine Tafel, auf der steht, dass Albert Einstein in diesem Haus »von 1902 bis 1905« gearbeitet hat. Allen rot marmorierten Säulen und vergoldeten Kapitellen in den Treppenhäusern zum Trotz sind die Büros von ernüchternder Heutigkeit. Einsteins Zimmer 86 im rechten Seitenflügel, vierte Tür im dritten Stock, trägt inzwischen eine neue Beschriftung, und in dem vier mal sechseinhalb Meter messenden Raum dürften die jüngeren Staatsangestellten kaum noch wissen, wer hier einst, wenn es die Aktenlage zuließ, über die Grundlagen des Universums nachsann. Der Blick über die Dächer geht freilich wie zu Zeiten des jungen Einstein hinüber auf einen Hügel mit dem Physikalischen Institut der Universität Bern. So hatte der an 48 Wochenstunden mit Patentanträgen beschäftigte künftige Starphysiker seine Zukunft schon vor Augen …

III

Der Sprung nach Berlin. In den Weltruhm. Einsteins Berliner Jahre markieren vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges bis zum Anbruch der Naziherrschaft eine ganze Epoche. In dieser Zeit wird der Wissenschaftler als Pazifist auch zur politischen Figur.

Privat zerbricht die Ehe mit Mileva. Einstein, während des Krieges erkrankt, zieht, nach anfänglichen Quartieren im (damals noch vorörtlich abgelegenen) Dahlem und in der Wittelsbacherstraße in Wilmersdorf, der Pflege und Triebe wegen 1917 zu seiner Cousine Elsa. Die beiden Geschiedenen heiraten, nachdem der eher eheskeptische Einstein zunächst zögert, zwei Jahre später.

Ab Oktober 1917 ist der inzwischen international umworbene Professor ohne Lehrverpflichtung auch Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Doch weil das Institut kein eigenes Haus hat, residiert es faktisch in Einsteins Arbeitszimmer, seinem »Turm«, einer Mansarde oberhalb jener nun erstmals großbürgerlichen Achtzimmerwohnung in der Haberlandstraße 5 in Schöneberg.

Das Haus gehörte Elsas Familie. Doch hier im Turmzimmer darf Einstein ungestört von der neuen Gattin seine Pfeife qualmen und dabei, wie zeitlebens Tag für Tag, jedes greifbare Stück Papier mit mathematisch-physikalischen Formeln füllen, mit Fachkollegen diskutieren oder seiner Sekretärin Helen Dukas die Briefe an Wissenschaftler, Künstler, Politiker und Fans diktieren.

Bis zur Emigration, 16 Jahre lang, leben die Einsteins in der im Stil der Zeit eher dunklen, von behäbigen Möbeln zumeist aus Elsas Familienbesitz beherrschten Wohnung in Schöneberg, mit Perserteppichen und einem Porträt Friedrichs des Großen an der Wand. Konspirativ, unter falschem Namen, wird das Inventar des »Feindjuden Einstein« nach 1933 immerhin gerettet und gen Princeton verschifft. Aber das Haus, in dem bei den Einsteins von Max Liebermann bis Charlie Chaplin viel Prominenz jener Jahre verkehrt hatte, ist im Krieg völlig zerstört worden. Zur Prominenz allerdings muss man anmerken: Der spätestens seit dem Nobelpreis 1922 (verliehen für das Jahr 1921) weltberühmte Genius, den Briefe aus fernen Erdteilen allein mit seinem Namen und der Angabe »Deutschland« oder später »Amerika« erreichten, war selber nie auf gesellschaftliches Bohei erpicht. Der schnauzbärtige Strubbelkopf ging am liebsten ohne Strümpfe und mochte keine Krawatten. Auch das Haus in der Haberlandstraße »führte« insoweit die stolze Gattin.

Einstein wehrte nur völlig ungeliebte Gäste ab. So wurde Heinrich Mann, nicht jedoch der illustre Bruder Thomas eingeladen. Einstein kam später als Emigrant dem Emigranten Thomas Mann in den USA zwar etwas näher, aber er hielt den Großschriftsteller für einen prätentiösen Besserwisser und fürchtete, Thomas Mann würde ihm womöglich noch die Relativitätstheorie erklären wollen. Auch Bertolt Brecht, der seinerseits Einstein wie kaum einen anderen verehrte, kam ihm nicht ins Haus, zumal der physikalische Weltrevolutionär mit politischen oder gar künstlerischen Revolutionen wenig anzufangen wusste. Dass Picassos Kubismus, dass die abstrakte Malerei, die moderne Musik oder überhaupt die neuere Kunst auch etwas mit der von ihm bekräftigten Auflösung absoluter Vorstellungen von Zeit und Raum zu tun haben könnten, wollte Einstein nie in den Kopf.

1923/24 gab es vermutlich den Besucher Franz Kafka in der Haberlandstraße, zumal Kafka während Einsteins Prager Jahren 1911/12 ebenso wie der deutsche Physiker im Salon von Bertha Fanta verkehrt hatte, einer Frau, bei der sich damals die jüdisch-deutschsprachige Avantgarde der Moldau-Metropole traf. Doch für Texte von Kafka, dessen posthumer Ruhm spätestens nach 1945 auch Einstein erreichte, hatte er sich wohl nie interessiert. Das Absurde schätzte Einstein nur zum Scherz, nie im Ernst.

ALBERT EINSTEIN

Er bekam 1922 den Nobelpreise für Physik, machte die Formel »E = mc2« zur berühmtesten der Welt, spielte gern Geige und zeigte den Paparazzi schon mal die Zunge: Albert Einstein, geboren 1879 in Ulm, starb 1955 in Princeton (USA), wohin er 1933 aus BERLIN ins Exil ging. 1914 hatte Max Planck das unbequeme Genie als Mitglied für die Preußische Akademie der Wissenschaften in BERLIN gewinnen können. Vom Sommersemester 1915 bis zum Wintersemester 1928/29 hielt Einstein Vorlesungen an der BERLINer Universität. Die Nationalsozialisten verbrannten seine Schriften.

Wo heute nun die Hausnummer 5 auf dem Wegschild steht, gähnt zwischen den Neubauten der Schöneberger Haberlandstraße – ein Parkplatz. Einzig im Vorgarten gegenüber erinnert eine Steintafel an den hier nicht mehr recht vorstellbaren historischen Ort.

IV

Wer indes etwas von der Aufbruchsstimmung des physikalisch-technischen Zeitalters in und um Berlin erfahren will, der bekommt einen vorzüglichen Eindruck im Wissenschaftspark Albert Einstein auf dem Potsdamer Telegraphenberg. Die Astro- und Geophysik, die Meteorologie und die frühe Klimaforschung haben in den lichten Wäldern von Potsdam-Babelsberg Ende des 19. Jahrhunderts in schmucken Backsteinbauten ihre von Kuppeln gekrönten Laboratorien aufgebaut. Hier wurden Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie 1919 empirisch bestätigt und 1917 bis 1921 für ein Spiegelteleskop der Einsteinturm gebaut. Das 20 Meter hohe, in seinem weißen Beton als Mischung aus U-Boot und Ufo erscheinende Gebilde des jungen Architekten Erich Mendelsohn ist in die Baugeschichte der Neuzeit eingegangen. Und die restaurierte, bis heute genutzte Forschungsstätte kann nach Voranmeldung bei der Potsdamer Urania besichtigt werden. Gleich im Foyer grüßt dort Einsteins Kopf mit ungewohntem, wie vorahnend wehmütigem Ausdruck: die letzte Porträt-Skulptur vor der Vertreibung durch die Nazis.

Näher noch kommt man ihm und seiner Berliner Zeit ein paar Kilometer südlich von Potsdam im legendären Sommerhaus von Caputh. Einstein, nicht reich, aber in der Lage, sein Nobelpreisgeld vorab seiner ersten Frau zu versprechen (um von ihr geschieden zu werden), ließ sich das zweistöckige, rotbraune Holzhaus am Waldrand oberhalb des Schwielowsees 1929 von dem jungen Architekten Konrad Wachsmann entwerfen. Es ist das einzige authentische Zeugnis, wie der in den Naturwissenschaften so umstürzende und im persönlichen Habitus durchaus unbürgerliche Denker wirklich leben wollte.

Einstein, zu dessen Lieblingsbüchern in seiner umfänglichen Bibliothek eine Sammlung jüdischer Witze gehörte, war in ästhetischen Fragen bestürzend konservativ. In der Musik ging ihm, dem passionierten Hausgeiger, nichts über Mozart. Die Moderne, gar Schönbergs Zwölftonkompositionen oder auch Kurt Weill, war ihm zuwider. Die von ihm in der Physik ergründete Relativität von Zeit und Raum blieb ihm in der Literatur und der bildenden Kunst, wie erwähnt, völlig fremd. Aber in der gemäßigten Bauhaus-Architektur von Caputh weht plötzlich Einsteins frischer Wind: ein in Material und Schnitt so schlichtes wie elegantes Domizil mit großzügigen Terrassen, Fenstern und Ausgängen in den zum See abfallenden Garten. Ein Haus, das zur socken- und schlipslosen Legerheit des leidenschaftlichen Seglers passte, der noch unbehelligt von den heute am Fuß des Grundstücks angesiedelten Häusern zum Ankerplatz seines »Tümmler« genannten Segelboots gelangen konnte.

Das Haus von Caputh, in dem Einstein, bewusst ohne Telefon, vier glückliche Sommer verbrachte, gerne allein, aber auch mit Familie, Freunden und wechselnden Geliebten, in dem Heinrich Mann und Rabindranath Tagore, Erich Kleiber und Max Planck, der spätere erste Präsident Israels Chaim Weizmann und auch Anna Seghers verkehrten, wurde inzwischen mit größter Sorgfalt und bis auf ein paar neue Heizkörper originalgetreu restauriert. Seit dem Frühjahr 2005 ist es für Besucher und Veranstaltungen des Potsdamer Einstein Forums wieder zugänglich. Aus Einsteins Arbeits- und Schlafzimmer am Ende des unteren Flurs sind zwar keine Einrichtungsstücke mehr erhalten. Aber es gibt noch die wunderbare gusseiserne Badewanne mit vier Löwenfüßen. In ihr hat der – ähnlich wie Brecht vor allem für die Nasen von Damen mitunter etwas streng riechende – Hausherr mit Lust gebadet.

V

Das zweite und letzte Haus seines Lebens kaufte sich der Emigrant Albert Einstein im Sommer 1935 in Princeton: als Fellow des auf dem Campus der Universität Princeton für Spitzenwissenschaftler aus aller Welt gegründeten Institute for Advanced Study. Einsteins Haus ist die berühmte Adresse 112 Mercer Street, vor der sich heute noch Touristen aus aller Welt fotografieren lassen. Auch dieser zur Straßenseite schmale, über 150-jährige Holzrahmenbau passte zu Einstein. Das Haus hat, von einer Veranda im typischen Kolonialstil gesäumt, Anmut und bescheidene Eleganz. Ganz anders als Thomas Manns nahe gelegener erster amerikanischer Exil-Sitz, ein pompöses Backstein-Palais.

Bis zu ihrem Tod Mitte der 1980er-Jahre wohnte hier in der Mercer Street noch Einsteins Stieftochter Margot, die wie Helen Dukas von Anfang an als Mitbewohnerin den Haushalt führte. Entsprechend Einsteins Vermächtnis erbte dann das Institute for Advanced Study das Haus – mit der Auflage, es keinesfalls zu einem Museum zu machen und weiterhin Wissenschaftlern des Instituts zur Verfügung zu stellen. Jetzt lebt hier der Ökonom Eric S. Maskin, der 2007 zusammen mit zwei Kollegen für seine Forschungen zur Entscheidungs- und Spieltheorie mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde. Von ihm erfahren wir, dass er und seine Familie erst die zweiten Bewohner des Hauses seit den Einsteins sind. 1987 wurde das Anwesen – mit der Auflage des späteren Rückverkaufs – an den Physiker Frank Wilczek veräußert. Der im Jahr 2004 gleichfalls mit dem Nobelpreis bedachte Wissenschaftler logierte hier mit allen Originalmöbeln Einsteins bis zum Jahr 2000. Als Maskin dann die berühmte Immobilie angeboten wurde, wollte er sie nur leer und mit der Möglichkeit behutsamer Veränderungen erwerben.

Seitdem werden die Einstein-Möbel in einem Depot der Historical Society of Princeton verwahrt und von Restauratoren aufgearbeitet. Im backsteinroten Bainbridge House aus dem Jahr 1766, in dem die Historische Gesellschaft gegenüber dem Universitätscampus an der Nassau Street residiert und ein winziges Museum (unter anderem mit Einsteins Pfeife) unterhält, zeigt man nun in wechselnden Präsentationen (Einstein at Home) die einschlägigen Memorabilia. Also sehe und befühle ich mit relativer Andacht ein paar auratische Stücke, so den leicht verkratzten bäuerlichen Tisch ohne Schubladen, an dem Einstein am liebsten rechnete und plauderte. Er war als Leihgabe für kurze Zeit auch noch einmal nach Berlin zurückgekehrt – für die Einstein-Jubiläumsausstellung im Kronprinzenpalais im Jahr 2005.

Zurück zu Einsteins letztem Haus. Professor Maskin und seine Familie haben an ihrem Vorgartentor eigens ein Schildchen »Private Residence« angebracht, um sich vor Neugierigen zu schützen. Man möchte im Inneren weder Fernsehteams noch überhaupt fremde Gäste. Doch nach einem Treffen im Institute werde ich von Maskin (»Meine Frau hat ausnahmsweise zugestimmt«) zu einer privaten Führung eingeladen: In den unteren Wohnräumen haben sie ein paar Durchgänge vergrößert, das Haus mit mehr Licht erfüllt. In Einsteins geliebtem Musikzimmer steht jetzt wieder ein Flügel, den der Hausherr spielt. Und im Obergeschoss ist der Nachfolgeraum des Berliner Turmzimmers noch immer, angrenzend an Einsteins früheren Schlafraum, die Arbeitsklause eines Wissenschaftlers. Durch das wandbreite Picture window, das sich Einstein 1935 eigens einbauen ließ, schweift vom Schreibtisch wie damals der Blick über den Garten und die Baumwipfel hinüber zu den neogotischen Türmen der Universität. An dieser Stelle hatte der säkulare, kosmopolitische Jude und Pazifist, der ausgebürgerte Deutsche und seit 1940 US-Bürger wohl auch entschieden, trotz seiner Sympathien für Israel das Angebot auszuschlagen, nach dem Tod des israelischen Staatspräsidenten Chaim Weizmann 1952 dessen Nachfolger zu werden. Und an diesem bevorzugten Platz (wie auch an fast jedem Ort, der ihm Papier und Stift bot) füllte Einstein unaufhörlich Blätter und Zettel mit Formeln und Zahlen und immer neuen Anläufen zu einer »Einheitlichen Feldtheorie«, die alle Widersprüche und Rätsel der modernen Physik in einer »Weltformel« aufheben sollte.

20 Minuten zu Fuß ging der Meister von hier bis kurz vor seinem Tod im April 1955 in sein Büro im Erdgeschoss des Institutes. Dort, in »Professor Einsteins Raum«, hat der Starmathematiker Robert Langlands als »Bewohner seit vier Jahrzehnten«, wie er sagt, äußerlich kaum etwas verändert: die Holztäfelung, die alten Regale, vier tiefe Sprossenfenster und überall Papiere, Bücher und Formeln auf der in die Wand eingelassenen Schiefertafel. Als könnte der Ingenieur des Universums jederzeit wieder zur Tür hereinkommen und den Nachfolger mit seinem nie ganz flüssigen und immer süddeutsch gefärbten Englisch freundlich knapp begrüßen.

Kein öffentlicher Raum. Der freilich ist gegenüber dem Rathaus von Princeton entstanden. Ein bescheidenes Rasenstück mit wenigen eingelegten Steinplatten, darauf eine Büste und Infotafel, als Ort benannt mit einem Wortwitz. Square bedeutet »Platz«, »Quadrat« und mathematisch »hoch zwei« – anspielend auf Einsteins legendäre Formel zu Energie, Masse und Lichtgeschwindigkeit –, und so heißt das Plätzchen seit einigen Jahren »EMC Square«. Dies hätte auch dem unfeierlichen Albert Einstein gefallen.

Seine letzte Freundin und Vertraute bis in den Tod war die aus Prag stammende jüdische Emigrantin Johanna Fantova – verwitwete Schwiegertochter der früheren Salon-Gastgeberin Bertha Fanta –, der er zur Einreise in die USA und zu einer Stelle in der Universitätsbibliothek von Princeton verholfen hatte. Für Johanna hat Albert Einstein im Oktober 1948 als Maxime notiert: »Das persönliche Dasein wird sinnvoll durch die Überzeugung vom objektiven Wert des eigenen Strebens und Wirkens.« Solche Worte klingen erst einmal ganz uneinsteinisch und sonntagsrednerisch. Bis zur folgenden, alle Dogmatik und alles Akademische konterkarierenden Wendung: »Ist die Überzeugung aber nicht durch Humor gemildert, so ist man unerträglich.«

DIE BÜHNENKÜNSTLERIN UND DIE VERSAKROBATIN

ADRIANA ALTARAS über MASCHA KALÉKO
Unsentimental, unpathetisch und schnell

Lange Zeit konnte ich Mascha Kaléko nicht leiden. Nicht, dass ich sie gelesen hätte. Nein, einfach so. Sie war, als ich in den frühen 1980er-Jahren nach Berlin kam, derartig »in«, dass es zum Fürchten war. Alle lasen sie. In jedem Café wurde sie als Matinee zum Besten gegeben. Es gab Lesungen am Nachmittag und mitten in der Nacht. Das war mir suspekt. Das Hofieren lebender Juden ist mir unangenehm, das Hofieren von toten Juden löst bei mir einen bitteren Geschmack aus.

Was wusste ich von ihr? Sie wurde 1907 als Golda Malka Aufen in Galizien geboren, kam mit sieben Jahren nach Deutschland, mit elf nach Berlin.

Na und? Ist das etwas Besonderes? Viele Juden haben, bevor sie die Grundschule verlassen, bereits drei Fremdsprachen gelernt, meist lernen müssen. Heimat, ein überbewerteter Begriff …

Mascha hatte einen Bruder und zwei Schwestern, der einen schreibt sie:

Weißt du noch, es war so still im Zimmer.

Schularbeiten waren längst gemacht.

Überm Frost lag sanft Lamettaschimmer.

Beckers unten übten »… Stille Nacht!«

(So um Dezember )

Sie leben also nicht im Ghetto, sondern unter Nichtjuden. Verrückt, was für einen großen Eindruck das Weihnachtsfest auf Juden macht – vor allem wahrscheinlich, weil sie nicht mitfeiern dürfen. Damals wie heute.

Ich möchte mich so gerne wieder sehnen,

Wie man es nur mit fünfzehn Jahren kann.

Ganz gleich wonach, sei es ein Stern, ein Mann,

Der erste Kuß, die allerersten Szenen.

(Ich möchte wieder)

Wie sie mit fünfzehn gewesen ist: »Na wie man da zu sein pflegt, innen schüchtern außen frech.«, schreibt sie. Das hätte ich nicht besser benennen können.

Mascha muss die Schule mit sechzehn Jahren verlassen. Der Vater, ein streng orthodoxer Mann, ist der Meinung, Mädchen bräuchten nicht zu studieren. Bitter für ein Mädchen, das sich für Literatur interessiert und in einer Stadt lebt, die vor jüdischen Künstlern strotzt. Wie gerne hätte auch ich in einer Zeit mit Max Liebermann, Kurt Tucholsky, Alfred Kerr gelebt!

Sie macht ab 1925 eine Bürolehre im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands in der Auguststraße 17. Was für ein Albtraum! Monotone Büroarbeit in der Jüdischen Gemeinde, während um sie herum eine Stadt kulturell und wirtschaftlich explodiert.

Kein Wunder, dass sie mit 21 heiratet, einen zehn Jahre älteren Mann, den Journalisten Saul Aron Kaléko. Sie zieht von Spandau nach Charlottenburg in die Bleibtreustraße.

Charlottenburg, Charlottenburg … Natürlich, Else Ury, Kantstraße 30, Ecke Schlüterstraße. Eine Gedenktafel ziert das Haus, in dem sie von 1905 bis 1933 wohnte und in dem sich heute ein China-Restaurant befindet. Else Ury, Zeitgenossin, geboren 1877 in Berlin, assimilierte Jüdin, völlig anderes Kaliber, schreibt die Nesthäkchen-Romane, ein Muss für alle braven Bürgerstöchter. Biederes Zeug, würde man heute sagen, verkaufte sich aber enorm, zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren es sieben Millionen Exemplare!

Na, das hätte ich doch gern mal gesehen: Ein Treffen zwischen der Starautorin der Wilhelminischen Zeit und dem Fräulein Kaléko, der lyrischen Stimme für die Nöte des kleines Mannes, vielmehr: der kleinen Frau.

Sie beginnt mich ernsthaft zu interessieren.

Ich sitz in meinem Stammcafé

Es ist schon spät. Ich gähne …

Ich habe Sehnsucht nach René

Und außerdem Migräne.

(Angebrochener Abend)

Ich lese diese Zeilen und kann sie sofort auswendig. Spricht sie von mir? Woher kennt sie René? Ich summe die Verse den ganzen Tag vor mich hin. Sie hat mich erwischt, die Kaléko, jetzt gibt es kein Entrinnen mehr.

Der große Blonde an der Bar

Schickt einen Brief. – Beim Lesen

Denk ich: Zu spät. Vor einem Jahr

Wär der mein Typ gewesen.

(Angebrochener Abend)

Wenn es etwas gibt, das ich verehre, so ist es: wichtige Dinge möglichst knapp äußern, kein großes Aufhebens machen. Unsentimental, unpathetisch und schnell, geistreich, wie – ja, wie Heinrich Heine, oder wie das Leben eben.

Mascha Kaléko, ich werde alle deine Gedichte lesen. Sie sind Chronik und Zeitgefühl, ohne je aufdringlich zu sein.

Sonne klebt wie festgekittet.

Bäume tun, als ob sie blühn.

Und der blaue Himmel schüttet

Eine Handvoll Wolken hin.

(Frühling über Berlin)

War Berlin schon immer so? Wie heute früh, als ich rausgeschaut habe?

Berlin kann einem Zugehörigkeit gewähren, ob man hier geboren wurde oder nicht.

Ich finde ein Foto der Dame: Mascha Kaléko hat meine Frisur, nämlich gar keine. Wilde Locken, ich beginne, an Übertragung zu leiden …

Beneide sie um das Romanische Café, in dem sie ein und aus geht, alle trifft, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Egon Erwin Kisch, wo sie, ohne Luft zu holen, plappert, berlinert, wo nach und nach die Vertreter der Neuen Sachlichkeit die Surrealisten ablösen: Witzig, sozialkritisch wird die Wirklichkeit abgebildet.

Wie sie mir fehlen, diese Kollegen mit der schnellen Zunge und der spitzen Feder, was gäbe ich darum, in ihrem Kreis zu sitzen, diesen verdammten Krieg, dieses ganze Tausendjährige Reich ungeschehen machen zu können …

Was wäre, wenn …, wenn?

Aufhören! Vorbei!, sage ich mir, so wird das nichts, und lese weiter: »Wenn Sie also hören wollen, wie damals so eine Dichterlaufbahn begann, nun denn: Bei mir fing es gleich mit dem Anfang an. Das tut es ja meistens, aber oft hört’s auch gleich mit dem Anfang auf. […] Ich aber hatte mehr Glück als Verstand.«

Ich blättere weiter in ihrer Vita, neugierig inzwischen. Sie ist 22, 23 Jahre alt, als sich die Berliner Zeitungen um sie reißen. Ein altkluges, witziges Mädchen, empfindsam, frech. Im Detail genau. Sie trifft den Ton der Zeit. Der mir absolut gefällt.

Man lernt sich irgendwo ganz flüchtig kennen

Und gibt sich irgendwann ein Rendezvous.

Ein Irgendwas, – ’s ist nicht genau zu nennen –

Verführt dazu, sich gar nicht mehr zu trennen.

Beim zweiten Himbeereis sagt man sich »du«.

(Großstadtliebe)

Wirtschaftlich geht es ihr und ihrem Mann zunehmend besser. Ihre Geschichten sprechen jeden an, weil sie sehr direkt vom Leben erzählen. Danke, würde ich brüllen, wenn sie neben mir säße. Was ist spannender als das Leben. Was?

1931 soll sie sogar Erich Kästner in der Zeitung Die Welt am Montag ablösen und wöchentlich ein Gedicht liefern. Oha! Auftragsarbeit, Kreativität mit Termindruck …

Erst hat sie Angst, dann sagt sie – »Gott sei Dank!« – zu. So entstehen die meisten ihrer Gedichte. Sie gehört nun zur literarischen Szene in Berlin. Sogar Claire Waldoff singt ihre Chansons.

Wenn einer stirbt, dann weinen die Verwandten;

Der Chef schickt einen Ehrenkranz ins Haus,

Und voller Lob sind die, die ihn verkannten.

… Wenn einer tot ist macht er sich nichts draus.

(Ein kleiner Mann stirbt)

Ich hab’s gewusst, schon immer gewusst: Die 1920er- und 1930er-Jahre wären meine Zeit gewesen. Diese Schnoddrigkeit! Dieser Witz! Und zwischen den Zeilen ist Mascha doch sentimental, ich bin es übrigens auch.

Mal ehrlich, wo bitte findet man heutzutage solche Verse? Verse, die von einfachen Leuten handeln, aber Horizont und Humor haben und im Vorbeigehen auch noch politisch sind. Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Robert Gernhardt: Ja, die liebe ich genauso. Alles Männer. Wie hat sich Mascha Kaléko dort hineingemogelt?

Ihr erster Gedichtband, Das lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag, erscheint im Januar 1933 im Rowohlt Verlag Berlin, wird ein sensationeller Erfolg und erreicht vier Auflagen. Später wird sie sagen, in Berlin waren »die paar leuchtenden Jahre vor der großen Verdunkelung«. Noch steht ihr Name nicht auf der schwarzen Liste, aber allmählich gehen die Kollegen ins Exil.

Ab Anfang 1933 wird kein Gedicht von Mascha Kaléko mehr in den Zeitungen gedruckt. Ihr Kleines Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes erscheint noch im Dezember 1935 im Rowohlt Verlag Berlin, verkauft sich gut, aber Maschas Ton ist vorsichtig, unverbindlich, ungewohnt unkritisch.

Wenn einer fortgeht, gibt man sich die Hände,

Am Bahnhof lächelt man so gut es geht.

Wie oft sind unsrer Sehnsucht Außenstände

Mit einem D-Zug schon davongeweht …

(Wenn einer fortgeht )

Ab 1935 erhält sie Schreibverbot. Jetzt fällt mir wieder Else Ury ein. Auch sie wird 1935 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Dabei spielen ihre Bücher ausschließlich im christlichen Milieu, jüdisches Kulturgut taucht gar nicht auf. Ihre Heldin, die brave Arzttochter Annemarie Braun, macht doch alles richtig, ganz im Sinne der neuen Machthaber … Else Ury ist dreißig Jahre älter als Mascha Kaléko. Ihr Werk, das »Nesthäkchens« Leben erzählt, ist auf zehn Bände angewachsen. »Nesthäkchen« ist die Identifikationsfigur deutscher Mädchengenerationen. Für die urdeutsche Else Ury, die der heilen urdeutschen Familie ein Denkmal gesetzt hat, ist es völlig unbegreiflich, dass ihre Bücher verboten werden. Es kommt ihr wie ein Missverständnis, ein Irrtum vor. Sie ist so erfolgreich, wohnt inzwischen im Grunewald und versteht die Welt nicht mehr. Ihr Bruder begeht 1935 Selbstmord. Sie kann aber auch mit diesem Zeichen nichts anfangen und geht nicht weg aus ihrem geliebten Berlin.