Kapitel 1

„Hier hinein ... Jasimo, geh beiseite.“

„Allmächtiger - Ronan! Lebt der Junge? Lebt er?“

„Geh beiseite, Jasimo!“

Heißer Wind strich über Ronans Gesicht. Der Himmel war so gleißend hell, dass seine Augen schmerzten. Sonnenlicht fächerte durch Staub, aufgewirbelt von Pferdehufen und Abertausend Stiefeln. In der gelben Wolke blitzten Klingen und Kettenharnische. Ronans Kopf fiel gegen Zhodans Brust, rauer Zeltstoff streifte sein Gesicht. Im Zeltinneren stand die Hitze. Der Wind drückte machtvoll gegen die Seitenwände. Schatten krochen darüber, unförmige Schatten von vorbeijagenden Pferden und Männern, deren Lanzen in den Himmel reichten.

Brüllende Schatten.

„Vorsichtig.“

Ronans Hinterkopf berührte raues Leinen. Es roch nach heißer Haut, nach Pferd und nach Blut - nach seinem Blut.

Er konnte sie immer noch über sich sehen, die dunkle Pfeilwolke, die schwirrend vom Himmel herabgestürzt kam. Urplötzlich war die Luft erfüllt gewesen von Schreien und dem Stampfen von Hufen. Um ihn herum bäumten sich Pferde auf, stürzten und begruben ihre Reiter unter sich. Dann schlug ein Pfeil in seine Seite. Das Nächste, was er wusste, war, dass Zhodan an seine Seite galoppierte und das Pferd, auf dessen Hals er hing, zum Stehen brachte.

„Halt still, Ronan. Halt still!“

Zhodans Hände drehten ihn auf die Seite, um die Brigantine zu öffnen, die in seinem Rücken verschnallt war. Ronan biss sich auf die Lippen, als Jasimo die Befestigungsriemen der mit vernieteten Metallplättchen besetzten Jacke löste. Seine Hände krallten sich um den Pfeilschaft, der sich bei jeder Bewegung in ihn bohrte. Das Zelt verschwamm.

„Holt den Feldscher“, hörte er Zhodans Stimme. „Und bringt Wasser.“

Schritte entfernten sich. Das Zelt duckte sich unter den heulenden Windstößen. Ein Zweig kratzte an der Seitenwand entlang und flog über das Dach davon. Weit entfernt erklangen Trommelschläge, dazwischen Rufe und Schreie. Jeder Atemzug tat weh. Dabei würde das, was jetzt kam, viel schlimmer sein. Ein heiseres Schluchzen kam aus seiner Kehle: ein kleiner, verzweifelter Laut.

Zhodans Hand berührte seine Schulter. „Sieh mich an.“

Zwischen seinen Wimpern hindurch spähte Ronan in Zhodans eisgraue Augen. Der Mann über ihm hatte ihn gelehrt zu reiten, zu kämpfen und eine Schlacht zu schlagen. Nicht einmal den ersten Angriff hatte er überstanden.

„Du weißt, was du tun musst“, sagte Zhodan.

Ronan presste die Finger um den Pfeilschaft und kniff die Augen zusammen, damit Zhodan nicht hineinsehen konnte. Er zwang sich langsam ein und aus zu atmen, wie Zhodan es ihn gelehrt hatte, aber er schaffte es nicht. In seinem Hals stieg ein Brennen auf. Er versuchte es hinunter zu schlucken, doch das Schnalzen in seiner Kehle klang so laut, dass er erschrocken die Luft anhielt.

Eine raue Hand streichelte seine Wange. Einen verwunderten Augenblick lang glaubte er, die Hand gehöre seinem Lehrmeister, doch dann hörte er dessen Stimme von der anderen Seite des Zeltes.

„Lass ihn!“, sagte Zhodan scharf.

„Er ist noch ein Kind“, grollte Jasimo.

„Lass ihn zur Ruhe kommen.“

„Ein Pfeil hat ihn getroffen, Zhodan! Und du stehst da, als wäre er irgendein dahergelaufener Bengel, den du nicht einmal mit Namen kennst!“

„Ronan kommt zurecht.“

Die warme, beruhigende Hand verschwand von Ronans Wange. Er blinzelte nach oben. Über ihm zeigte Jasimos ausgestreckter Arm auf Zhodan.

„Er ist gerade mal vierzehn Jahre alt!“, fuhr der ältere Mann auf. „Deine Aufgabe ist es, ihn zu beschützen! Du hättest auf ihn achtgeben müssen, anstatt ihn in diesem Pulk reiten zu lassen!“

Zhodans Gesicht wurde hart. „Meine Aufgabe ist es, Ronan auf sein späteres Leben vorzubereiten. Er ist ein Königssohn. Sein Leben wird auch später nicht einfach sein.“

„Er ist ein halbes Kind!“

„Ronan ist kein Kind mehr.“

„Nicht einmal als er fünf Jahre alt war, hast du ihn wie ein Kind behandelt!“, schnaubte Jasimo. „Alles, was du je im Kopf hattest, ist seine Ausbildung! Das verfluchte Schwert ...“

Die Zeltwand wurde zurückgeschlagen. Ein fremder Mann trat ein. Er war nicht in einen Kettenharnisch gekleidet, sondern trug eine graue Tunika, deren Vorderseite dunkelfeucht glänzte. Die Augen des Mannes durchmaßen kurz den Raum, dann blieb sein Blick an Ronan hängen.

„Azels Sohn?“, fragte der Feldscher.

Ronan sah Zhodan nicken.

Der Fremde setzte einen Sack auf dem Boden ab. Es klimperte leise und unheilvoll darin: Instrumente, die darauf warteten, sich in sein Fleisch zu bohren. Der Mann schob einen Arm in den Sack und hob eiserne Haken, Zangen und Lanzetten heraus. Ronan wollte wegsehen, aber er konnte es nicht.

Zhodan trat zwischen ihn und den Fremden, seine Miene undurchdringlich. Sein Blick flackerte zu Jasimo herüber, dann, ohne ein Wort, streckte Zhodan den Arm aus und legte eine Hand auf Ronans Bauch.

Es war eine Geste aus Kindertagen, eine liebevoll bewahrte Erinnerung: Zhodan, der ihn lehrte zu atmen. Nicht so schnell, wie er es jetzt tat, sondern tief und ruhig, bis sein Körper eins wurde mit der warmen Handfläche und nichts in ihm war außer schwebender Stille und der Dunkelheit hinter seinen geschlossenen Augenlidern. In der Schwärze schimmerte das Licht einer Kerzenflamme. Da waren das dunklere Leuchten ganz am Ende des Dochtes und das rauchzarte Gespinst aus durchscheinendem Blau. Da waren winzige Rußteilchen, die durch das Wachs krochen, als würde eine unsichtbare Kraft sie zur Mitte ziehen ...

Ein greller Schmerz durchzuckte Ronan. Sein Leib bog sich im Griff des Fremden und der Pfeil brannte, als würde ein glühender Draht in seine Seite gedrückt.

Zhodans Hand war fort.

„Widerhaken“, sagte der Fremde gleichgültig.

Heiße Furcht flutete Ronans Körper. Er biss sich auf die Zunge, um kein Geräusch von sich zu geben. Pfeile mit Widerhaken konnten nicht einfach herausgezogen werden. Man schlug sie an der anderen Seite heraus, oder aber es wurde ein Hohleisen über den Pfeil gedrückt, bis dessen Widerhaken im Inneren lagen. Danach wurde beides zusammen herausgezogen.

„Holt Männer, um ihn zu halten“, befahl der Fremde. „Zwei weitere sollten genügen. Zhodan, Jasimo! Nehmt seine Arme und haltet ihn ruhig.“

Ein Schluchzen stieg in Ronans Kehle. Er umklammerte Zhodans Hand und schmiegte die Wange an den Ärmelstoff, aber sein Lehrmeister schlüpfte mit Leichtigkeit aus seinem Griff. Er und Jasimo hielten seine Arme, auf seinen Beinen hockte das Gewicht von zwei weiteren Männern. Der Feldscher beugte sich über ihn. Das mattglänzende Hohleisen quetschte die Gänsefedern zusammen, glitt tiefer und schabte über den blutbefleckten Schaft. Ronan versuchte Zhodans Blick zu erhaschen, aber sein Lehrmeister sah ihn nicht an.

„Du bist ein tapferer Junge“, flüsterte Jasimo in sein Ohr. „Es wird schnell gehen.“

Ronan presste so fest die Lippen aufeinander, dass er Blut schmeckte. Er spürte einen furchtbaren Ruck und dann zerbarst sein Körper mit einem Schmerz, der so entsetzlich war, dass er den Kopf in den Nacken warf und schrie, schrie, schrie ...

Kapitel 9

Erst als der wilde Ritt ganz von selbst in einem schnellen Schritt mündete, merkte Ronan, wie sehr er außer Atem war. Die Erinnerung an den verpatzten Sprung auf Gismos Rücken ließ ihn das Gesicht verziehen. Ein halbes Jahr lang hatte er auf keinem Pferd gesessen, geschweige denn ein Schwert in der Hand gehalten. Wenn ihm jetzt jemand in die Quere kam, konnte er nur hoffen, dass der Schwarze besser lief, als sein Reiter kämpfte.

Mit der Stute hatte er einen halben Tag bis zum Bicker Hof gebraucht. Auf Gismo hätte er die Strecke zur Jagdhütte in einem Bruchteil der Zeit zurücklegen können, aber sie beide würden noch lange genug auf einem Schiff eingesperrt sein, und so näherte er sich dem Keusenhof auf verschlungenen Pfaden. Die Dörfer, die seinen Weg kreuzten, umritt er, aber bald kam er an eine Ansiedlung in einem Tal, der er nicht leicht ausweichen konnte. Dummerweise war seine ohnehin klägliche Tarnung mit einfachem Umhang und Kapuze, jetzt, wo er Gismo ritt, vollends zum Teufel.

Ronans Blick glitt von den steinernen Befestigungsmauern beidseits des Weges hinauf zu den steilen Hängen und wieder hinunter zum Dorf. Ausgerechnet jetzt waren alle Bewohner auf dem Dorfplatz zusammengekommen. Der Grund dafür waren zwei Männer mit Langschwertern. Beide trugen die bunt zusammengewürfelte Kluft, mit der Schaufechter vor ihr Publikum traten: Die Kleidung sollte auffällig sein, aber gleichzeitig lädiert aussehen, damit die Zuschauer glaubten, die Spuren rührten von kühnen Kämpfen. Dabei hatten die beiden Witzfiguren dort vorn in ihrem ganzen Leben keinen echten Kampf bestritten: Mit viel Geklirre und weit ausholenden Bewegungen droschen sie aufeinander ein, schlugen zur Waffe anstatt auf den Mann und warteten nach einem geglückten Wurf, bis ihr Gegner wieder aufstand, anstatt ihn zu überwältigen.

Natürlich schallte dennoch Beifall herüber. Ronan schüttelte verächtlich den Kopf. Zumindest würden die Bauern nicht auf ihn achten, solange die beiden Möchtegern-Fechter sie unterhielten. Er zog die Kapuze tiefer, trieb Gismo in einen ruhigen Trab und ritt auf vertrauten Pfaden in Richtung Keusenhof.

Noch bevor er das Gutshaus erreichte, brach die Dämmerung herein. Ronan fror und der Hengst war müde, aber die Jagdhütte war nicht mehr weit. Mit den Fingern durchkämmte Ronan Gismos Mähne. Vielleicht fand er bereits morgen ein Schiff, das ihn und den Hengst nach Norden brachte. In drei, vier Wochen konnte er auf Lannoch sein. Dann war beinahe Mittsommer und die Tage so lang, dass die Nacht nicht mehr war als eine kurze Dämmerung. Wenn er bloß Kiara überreden könnte, mit ihm zu kommen. Nur wie ...

Gismo riss den Kopf hoch und schnaufte. Jetzt nahm Ronan es auch wahr: ein Schauben. Es kam vom Waldrand. Nicht lange, und er hörte gedämpften Hufschlag sowie flüsternde Stimmen. Reiter! Ronan drängte Gismo hinter einen dicht belaubten Haselstrauch und zog sein Schwert. In der Dämmerung war sein pechschwarzer Hengst nicht leicht auszumachen, aber wenn die Männer dem Waldrand folgten, würden sie ihn unweigerlich entdecken.

Gismo drehte den Kopf in Richtung der anderen Pferde. Die Trense klimperte. Ronan beugte sich vor und umfasste mit der Rechten die Zügel nahe dem Mundstück.

„Still“, hauchte er.

Mit klopfendem Herzen spähte er zwischen Blättern und Zweigen hervor. Was tat eine derart große Gruppe von Reitern bei Anbruch der Nacht am Keusenhof? Waren es Diebe? Besänftigend streichelte Ronan Gismos Hals. Er wagte nicht davonzureiten, aus Furcht, sie könnten ihn hören. Die Gruppe jedoch kam ebenfalls zum Halten. Durch die Haselblätter konnte er die Bewegungen eines Falben ausmachen. Ein gedämpftes Lachen erklang, gefolgt von einem geflüsterten Wort und erneutem Gelächter.

„Zuhören!“, befahl eine tiefe Stimme.

Ronan zuckte zusammen und mit ihm Gismo. Er kannte die Stimme, aber er konnte sie nicht einordnen. Ronan fuhr fort den Pferdehals zu streicheln, aber seine Hand erstarrte in der Bewegung, als der Sprecher fortfuhr:

„Die Jagdhütte ist verlassen. Wir durchsuchen als Nächstes den Keusenhof. Denkt daran, wir brauchen Ronan lebend! Tötet die, die sich euch in den Weg stellen, aber lasst Ronan am Leben, wenn euch eures lieb ist!“

Ronan hielt die Luft an. Sie waren wegen ihm hier, wegen ihm! Und noch eine Erkenntnis traf ihn wie ein Peitschenhieb: Die Stimme gehörte Dipar! Dipar war einer von Azels engsten Ratgebern, ein alter Freund, mit dem er ein halbes Jahr zuvor an der Schwarzach gegen Bellingor in die Schlacht gezogen war. Es waren Broghans Männer!

„Vorwärts!“, befahl Dipar halblaut.

Eine Masse aus hellen und dunklen Pferdeleibern löste sich vom Waldrand. Auf einmal war das Tal erfüllt vom Klang galoppierender Hufe. Ein Überraschungsangriff! Sie wollten denen im Keusenhof keine Zeit lassen, ihre Beute zu verstecken. Vielleicht würden sie Joran und Rika abnehmen, dass sie Broghans verhassten Halbbruder nicht zu Gesicht bekommen hatten, aber Kiara war dort! Wenn Dipar das Haus durchsuchte und sie fand ...

„Hier!“, schrie Ronan so laut er konnte. Die Kapuze wehte ihm vom Kopf, als Gismo durch Zweige und Blätter brach und in Galopp fiel. „Hier bin ich!“

Er ließ einen Warnruf hören, den ihm einst Zhodan beigebracht hatte und von dem er hoffte, dass Kiara ihn hörte. Gismo schloss zu dem hintersten Pferd auf. Dem Reiter blieb gerade Zeit für einen verdutzten Blick über seine Schulter, bevor ihn Ronans Klinge traf. Zwei weitere Männer holte Ronan vom Pferd, dann war Gismo unter ihnen. Der Hengst galoppierte schräg zur Laufrichtung der anderen Tiere, rempelte einen Fuchs an und zwang einen Rappen zur Seite. Mehrere Pferde brachen aus und gerieten denen in den Weg, die nach ihnen kamen.

„Ronan! - Es ist Ronan! – Ronan ist hier!“

Der Ruf flog von hinten nach vorn. An der Spitze der Reiter schwang Dipars Falbe herum. Mit kalter Genugtuung stellte Ronan sich die Überraschung auf dem Gesicht des Reiters vor: Seine Beute war dabei, seine Männer aufzumischen.

Dipars Bestürzung hielt nicht lange. „Fangt ihn!“, schrie er aus vollen Lungen. „Fangt ihn lebend!“

Die Türen des Gutshauses flogen auf und Männer quollen heraus. Im gleichen Moment drangen Dipars Reiter auf ihn ein. Jeder wollte den Triumph, ihn zu ergreifen. Ein Knie stieß gegen seines, eine Hand streckte sich nach ihm, eine weitere packte seinen Umhang. Ein Hieb mit dem Schwertknauf, ein Stich, dem ein Schrei folgte, und er war aus dem Pulk heraus. Vorgebeugt angelte Ronan nach den Zügeln, aber Gismo brauchte sie nicht. Im vollen Galopp hielt der Hengst auf den Waldrand zu. Mit der Dämmerung in den Wald zu reiten war ein waghalsiges Unterfangen, aber seine Verfolger hatten mehr Hälse zu brechen, und ein jeder, der zögerte, würde die anderen aufhalten.

Ronan hielt den Blick auf dem Waldboden, der unter Gismos Hufen vorbeiflog. Der Hengst hatte ihn den halben Tag getragen, aber er rannte immer noch wie der Teufel, auch wenn sein Atem schwer ging und von seinem Maul weißer Schaum flog. Wenn er die Männer weit genug vom Keusenhof fortgelockt hatte, würden er den Hengst anhalten und mit der Dunkelheit verschmelzen. Bis dahin konnte er nur beten, dass sie nicht stürzten.

Zweige peitschten in Ronans Gesicht, ein Ast verfing sich in seinem Steigbügel und schleifte neben dem Pferd, bis er ihn abschütteln konnte. Immer wieder warf er einen Blick über die Schulter. Seine Verfolger fielen zurück. Erst waren es acht, die ihm nachjagten, dann sechs, schließlich vier. Doch diese vier holten auf. Dipars Falbe war unter ihnen.

Ronan streichelte Gismos feucht geschwitzten Hals. „Nur noch ein Stück, mein Freund ... nur ein Stück ...“ Er wünschte sich, er könnte sich im Sattel leichter machen, aber das Einzige, was er für sie beide tun konnte, war, den Weg im Auge zu behalten.

Buschwerk flog vorbei, Zweige schlugen vor seine Brust. Gismos Atem war nur mehr ein Keuchen. Erst waren es fünf Pferdelängen, die sie von den nachfolgenden Pferden trennten, dann drei. Um das zu wissen, musste Ronan nicht hinter sich schauen, denn jetzt konnte er die nachfolgenden Pferde in seinem Rücken schnaufen hören.

Sein Blick flog über die dunklen Stämme. Bei Sonnenschein kannte er hier jeden Baum, aber das Zwielicht ließ den Wald fremd aussehen. Endlich fand er die gesuchte Stelle. Er lenkte Gismo nach rechts, hieb mit dem Schwert nach der Nase des Pferdes, das ihm am dichtesten folgte, und hielt den Arm vors Gesicht.

Gismo krachte durchs Unterholz. Zweige splitterten, Blätter regneten auf ihn herab, ein Ast stach in seine Seite. Durch einen Vorhang aus Weidenästen sah er ein dunkles Band, zwanzig Fuß breit.

Jetzt zählte nur noch Gismo.

Ronan nahm die Zügel kurz und legte eine Hand an den schwarzen Hals, um dem Hengst die Sicherheit zu geben, dass er wusste, was er tat. Ein auffordernder Ruf, ein fester Schenkeldruck. Für einen Atemzug stockte Gismo am Uferrand und reckte den Hals. Ein tastender Schritt hinab, dann sprang der Hengst - und fiel.

Schwarzes Wasser zerplatzte unter dem Pferdeleib, bevor es eiskalt über Ronan zusammenstürzte. Die Kälte flutete seine Kleidung, seinen Mund und seine Nase. Das Pferd sank unter ihm weg und Ronan glitt aus dem Sattel. Er war heilfroh, die Stelle, wo sich der Fluss zu einem tiefen Becken staute, richtig in Erinnerung behalten zu haben, denn sonst wären sie beide auf den Grund geschlagen.

Kopf an Kopf durchschwammen sie das aufgewühlte Wasser und kämpften sich an der gegenüberliegenden Uferböschung hinauf. Ronan kletterte in den Sattel seines triefenden Pferdes und warf einen atemlosen Blick zurück. Seine Verfolger standen auf der anderen Seite des Flusses und gestikulierten in seine Richtung. Während er noch hinsah, teilte sich die Gruppe, um nach einer Furt zu suchen.

Ronan lächelte grimmig. So bald würden sie keine finden und der Versuch würde sie Zeit kosten. Er wischte faules Laub aus seinem Nacken und Flussschlamm aus seinem Haar. Dann klopfte er Gismos nassen Hals und setzte seinen müden Vierbeiner in Trab, um ihnen beiden ein Versteck für die Nacht zu suchen.

*

Als er endlich die Ruine erreichte, die einst Kiaras Gutshof gewesen war, zitterte er am ganzen Körper. Dort, wo im letzten Jahr Haupthaus, Stall und Küchenhaus niedergebrannt waren, standen nur noch schwarze Mauern. Die Bewohner des nahen Dorfes hatten sich geholt, was zu holen war. Nun hielt das Gebäude nichts weiter als die dunklen Erinnerungen an die Brandnacht. Rika hatte den Gutshof erwähnt und er hoffte, dass er Kiara ebenfalls in Erinnerung war, denn eines war sicher: Auch wenn sie im Streit auseinandergegangen waren, würde Kiara Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn zu finden.

Ach, Schwesterchen …

Er wünschte sich, er hätte sie nicht angeschrien, dort im Keusenhof. Jetzt wollte er nichts mehr, als sie in die Arme schließen.

Er glitt aus dem Sattel und führte den Hengst ins Küchenhaus, das als einziges Gebäude ein halbwegs intaktes Dach trug. Dort wrang er seinen Umhang aus und rieb den Hengst damit trocken. Seine nasse Kleidung schlug er gegen einen Baumstamm, bis sie nur noch feucht war, dann schlüpfte er in die Hose und hängte alles andere zum Trocknen auf.

Er war durchgefroren, müde und hungrig, aber in dieser Nacht würde er weder essen noch schlafen. Der Hengst hatte ihm das Leben gerettet und nun war es an ihm, Wache zu halten. Wenn ihm kalt wurde, musste er sich eben bewegen.

Die Nacht nahm kein Ende.

Zum hundertsten Mal lief Ronan um den Hof, die Finger klamm, die Beine schwer. Zu der bleiernen Müdigkeit gesellte sich die Sorge um seine Schwester, um Joran, Rika und deren Kinder. Waren Dipars Männer zum Keusenhof zurückgekehrt, um sie zu befragen? Wahrscheinlicher war jedoch, dass sie ihn immer noch suchten. Er musste so schnell wie möglich eine große Entfernung zwischen sich und Fehdorn Ghan bringen. Der Hafen dort war unerreichbar geworden. Er würde einen anderen Weg finden müssen, um das Land zu verlassen.

*

Endlich wurde der Himmel dunkelblau, dann orange. Ein neuer, klarer Morgen brach an. Bald war es nicht mehr die Kälte, sondern die Unruhe, die ihn wieder und wieder nach draußen trieb.

Immer noch kein Anzeichen von Kiara. Was sollte er tun, wenn sie nicht kam? Vielleicht war Kiara ihm gefolgt und Dipar hatte sie vom Pferd gerissen. Vielleicht waren sie längst wahr geworden, die albtraumhaften Vorstellungen, die ihn hergetrieben hatten: seine Schwester in Broghans Kerker, der Körper zerschunden, ihr Selbst zerbrochen. Er hielt den Blick auf den Horizont gerichtet. Wenn die Sonne eine Handbreit über dem Tal stand, würde er in den Sattel steigen und im Schutz des Waldes zurück zum Keusenhof reiten. Alles war besser als diese Ungewissheit.

Die Sonne stand lediglich zwei Finger über dem östlichen Horizont, als er den feuchten Sattel auf Gismos Rücken hob. Er drückte gerade die Äste beiseite, um das Pferd in den Wald zu führen, als der Hengst abrupt den Kopf drehte und die Ohren spitzte.

Ronans Hand fuhr zum Schwert. Er schickte Gismo in den Wald hinein und duckte sich hinter einen Mauerrest. Das Klappern von Hufen wurde lauter, dann schob sich eine braune Pferdenase um die Brombeerhecke.

Es war der Dunkelfuchs, den er am Keusenhof festgehalten hatte. Auf seinem Rücken, die Hand am Schwert, saß seine Schwester.

Ronan erhob sich, damit sie ihn sehen konnte.

„O Ronan!“, rief Kiara. „Du lebst!“ Sie sprang vom Pferd, flog in seine Arme und drückte ihn so fest, dass ihm die Luft wegblieb. „Du lebst, du lebst!“, murmelte sie immer wieder. Ihre Hände fuhren durch sein Haar und umfassten seinen Nacken. „Wir hatten solche Angst um dich! Gott sei Dank, du lebst!“

Da war Blut an ihrem Hals.

„Bist du verletzt?“, fragte er besorgt.

„Ich? Nein. Was ist mit dir? Wie bist du hierher ...“

„Natürlich bist du verletzt! Lass mich das sehen. Halt still! Jetzt halt still, Kiara!“

Mit der Linken hielt er ihre Schulter, mit der Rechten schob er die kurzen Locken beiseite. Blut klebte in ihrem Haar und an ihrem Ohr.

„Zwei Knechte haben mich auf Jorans Geheiß in den Vorratsraum gesperrt“, grollte sie. „Du solltest erst mal sehen, wie die jetzt aussehen. Lass mich los, Ronan!“

„Das muss gereinigt werden. Kiara, lass dich nicht so ziehen!“

Er zerrte sie zum Brunnen und wusch das getrocknete Blut herunter. Zum Vorschein kam aufgerissene Haut, über die Kiara gleichgültig ihre Locken schüttelte.

„Was ist mit den anderen?“, wollte Ronan wissen.

„Alle sind wohlauf.“ Kiara hielt den Kopf schief, damit das Wasser aus ihrem Ohr lief. „Dipar hat Joran und Rika verhört. Sie sind noch einmal davongekommen. Natürlich haben sie gesagt, sie hätten dich nicht gesehen, aber Dipar weiß, wie nahe uns die beiden stehen. Er ahnt, dass du dort gewesen bist, aber auch, dass niemand im Keusenhof weiß, wo du jetzt steckst. Du darfst auf keinen Fall noch einmal dorthin gehen!“

Er sah zu, wie Kiara die Hände zu einer Schale formte und Brunnenwasser schöpfte. „Woher hat Broghan gewusst, dass ich in Raukland bin?“, stellte er die Frage, die ihm die Nacht über im Kopf herumgegangen war. „Niemand wusste davon außer Joran, Rika, Zhodan und dir.“

„Ja“, sagte Kiara nachdenklich. „Das habe ich mich auch schon gefragt. Es ging viel zu schnell.“

„Oder nicht schnell genug.“

Sie hob fragend die Augenbrauen.

„Ich bin durch Fehdorn Ghan geritten! Wenn mich jemand erkannt hat, hätte er nur rufen brauchen, und ich wäre am nächstbesten Galgen gelandet.“

„Die meisten hätten dich mit Freuden in ihren Häusern verborgen.“

Ronan lachte bitter. „Damit Broghan sie neben mir aufknüpft?“

„Sie hassen Broghan!“, sagte Kiara scharf. „Viele von ihnen haben nichts zu verlieren.“

„Außer ihrem Leben.“

„Unzählige haben es bereits verloren. Deshalb kämpfen wir gegen Broghan!“

Er sah das Lodern in ihren Augen und stöhnte innerlich. „Wer ist wir, Kiara?“, fragte er. „Wie viele seid ihr?“

Ihre Antwort war ein Murmeln. „So fünfzig.“

Ronan lachte auf. „Fünfzig? Mit dieser Handvoll Bauern willst du gegen Rauklands König antreten? Broghan hat ein stehendes Heer, Kiara! Waffen, Pferde, Ausrüstung! Obendrein hat er jemanden, der all das einzusetzen weiß: Dipar.“

„Irgendwo muss es beginnen!“, fuhr Kiara auf.

„Grundgütiger!“, stöhnte Ronan. „Komm zu dir! Rauklands König vergibt Lehen an seine Grafen im Gegenzug für einen Treueeid. Das heißt, dass jeder Graf im Kriegsfall eine bestimmte Zahl von Männern stellen muss. Darauf wird Broghan zurückgreifen.“

„Du weißt genau, dass es mit der Treue zu Rauklands König nicht weit her ist! Nicht wenige Grafen werden auf deiner Seite stehen, wenn sie wissen, dass du bereit bist, gegen Broghan zu kämpfen. Stell dir vor, du würdest in diesem Land leben: Würdest du Broghan auf dem Thron haben wollen oder dich? He?“

Ronan verschränkte die Arme im Nacken und starrte in den Himmel hinauf. Er hätte niemals herkommen dürfen. Niemals.

„Schau es dir an“, wisperte Kiara. „Wenn du dann immer noch nach Lannoch willst, reite ich mit dir nach Naumark. Dort liegt mein Schiff. Aber vorher: Schau es dir an!“

Naumark, das lag in Angent, zwei Tagesritte vom Keusenhof entfernt. Eine Passage auf Kiaras Schiff war Gold wert, und wenn sie erst einmal auf Lannoch waren, würde es vielleicht eine Möglichkeit geben, Kiara im hohen Norden zu halten. Weit fort von Raukland und Broghan.

„Schau es dir an“, bat seine Schwester erneut.

Ronan ließ den Blick hinüber zum Waldrand gleiten. Die Zweige dort wippten auf und ab, weil ein verborgenes Pferd Blätter rupfte.

„Lass uns reiten“, seufzte er.

Ein Lächeln breitete sich auf Kiaras Zügen aus. „Du wirst es nicht bereuen. Aber nun erzähl - wie bist du entkommen?“

Er sagte es ihr. Seine Schwester lachte sich kaputt über die Vorstellung, dass Broghans Männer hilflos zusahen, wie sich ihre Beute auf der anderen Flussseite davon machte.

„Wo ist der schwarze Teufelskerl?“, wollte sie wissen.

Ronan zeigte auf die schwankenden Zweige. Kiara schob das Laub beiseite, packte Gismos Maul und drückte dem verdutzten Hengst einen Kuss auf die Nüstern.

„Hier“, sagte sie dann und streckte Ronan eine Geldkatze entgegen. „Falls wir getrennt werden.“

Er warf einen Blick hinein. Als Königssohn hatte es nie Mangel an Geld gegeben, nicht einmal den Bedarf danach, aber jetzt würde er für alles, was er brauchte, bezahlen müssen. Er selbst besaß nur die kleine Summe, die er aus Lannoch mitgebracht hatte und das meiste davon, hatte der Kauf der Stute verschlungen. Das hier war sehr viel mehr Geld.

„Woher hast du das?“

„Zhodan“, sagte Kiara und mied seinen Blick.

Ronan runzelte die Stirn. „Zhodan?“

„Das Geld stammt aus der Kiste, die Zhodan dir bei unserer Abreise aus Raukland gegeben hat. Du wolltest sie nicht!“

Er hob die Augenbrauen. Die Kiste enthielt das, was Zhodan von Azel bekommen hatte: den Lohn für seine jahrelangen Dienste als Beschützer und Lehrmeister seines vermeintlichen Sohnes. Eine ungeheure Summe.

Kiara folgte seinen Gedanken. „Unser Essen schmeckt nicht schlechter, wenn Zhodans Geld es bezahlt“, sagte sie streng. „Und außerdem - du solltest dich mit ihm vertragen.“

Ronan riss die Augen auf. „Hast du ihm etwa verziehen?“

„Herrje, Ronan! Willst du lieber Azel zum Vater?“

„Darum geht es nicht!“

„Azel hat dich auspeitschen lassen!“, sagte Kiara laut. „Er hat dir das Zeichen Rauklands in den Rücken gebrannt, das weißt du wohl noch? Zeit seines Lebens hat Zhodan dich von Azel ferngehalten, um dich vor seinen Wutausbrüchen zu beschützen! Mich hat er unter Jasimos Obhut gestellt und, sobald es ging, auf ein Schiff gebracht – aus dem gleichen Grund! Sei froh, dass Zhodan sich so gut verstellen kann, denn wenn du oder sonst jemand gemerkt hätte, dass er mehr für dich empfindet, als er sollte, dann wären wir alle umgekommen!“

„Froh?“, keuchte Ronan. „Soll ich ihm am Ende dankbar sein für das, was er getan hat?“

„Genau das solltest du!“, rief Kiara.

Mit hochrotem Kopf schnappte sie Gismos Zügel und führte das Pferd aus dem Wald.

Kapitel 10

Am späten Vormittag passierten Kiara und er in sicherer Entfernung den Keusenhof und ritten weiter gen Osten. Bald waren die Hügel und Täler nicht länger vertraut. Ronan versuchte sich an Plätze zu erinnern, an denen er einst mit Zhodan das Nachtlager aufgeschlagen hatte, aber ihm wollte nichts bekannt vorkommen.

„Wo verbringen wir die Nacht?“, fragte er.

„Du wirst sehen“, entgegnete Kiara ausweichend.

Er warf ihr einen Seitenblick zu, aber sie sah beharrlich zwischen den Pferdeohren hindurch. Angents Grenze war nun nicht mehr fern. Die Bewohner dort würden ihn kaum willkommen heißen: Auf dem Schlachtfeld hatte er Hannah als seine zukünftige Braut und Königin ins raukländische Lager geführt, im festen Glauben, Azel würde ihn zu seinem Nachfolger ernennen. Aber dann war Broghan gekommen und hatte sie alle wissen lassen, dass sein jüngerer Bruder mitnichten ein Prinz war, sondern der Sohn eines Fechtmeisters. Hannah sowie ihr Vater waren zu Gefangenen geworden.

Eine halbe Meile ritten sie schweigend, bevor Ronan die Frage formulierte, die seit seiner Ankunft in ihm bohrte.

„Was weißt du von Hannah?“

Seine Stimme verfing sich an ihrem Namen.

Kiaras Blick huschte zu ihm herüber. „Hannah? Sie ist Broghans Frau.“ Sie wartete darauf, dass er etwas sagte. Als er schwieg, fuhr sie fort: „Drei Monate hat sie mit ihrem Vater im Kerker ausgehalten, bevor sie der Heirat zustimmte.“

Ein Schauder lief über Ronans Rücken. Zwölf endlose Wochen. Die Qualen, die Vater und Tochter erlitten haben mussten, eingepfercht in einem feuchten Loch ohne Licht und Wärme, ihr einziger Fluchtweg eine Heirat mit Broghan, waren unermesslich. Dazu kam die Sorge um Angent, das ohne König war.

„Ich hab ihre Hochzeit gesehen“, fuhr Kiara fort. „Hannah stand auf einem der Wehrgänge mit ihrem roten Haar und dem festlichen Kleid. Gefasst sah sie aus. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich geglaubt, sie stünde freiwillig an Broghans Seite. Ich habe schon Hochzeiten mit besseren Männern erlebt, bei denen die Braut nicht aufhörte zu heulen.“

Ronan betrachtete ihr Profil. „Und ihr Vater?“

„Man munkelt, Angents König sitze noch immer im Kerker von Fehdorn Ghan. Manche sagen, er sei tot.“

Wie musste sich ein Vater fühlen, der tagein und tagaus von der Gewissheit gepeinigt wurde, dass die geliebte Tochter einem solchen Mann zu Willen sein musste? Ronan öffnete den Mund, um genau das zu sagen, als hinter ihnen Hufschlag erklang.

Sie wandten sich im Sattel um.

„Hey! He ...!“

Ronan kniff die Augen zusammen. Im schnellen Trab folgten ihnen drei Pferdchen, eines schwarz mit einem weißen Stern auf der Stirn, eines schmutzig weiß, ein drittes mausgrau. Auf den beiden vorderen Pferden saßen Reiter, das dritte lief als Packpferd hinterdrein. In den Mähnen der Vierbeiner hingen farbige Bänder, die Reiter trugen viel zu große Hüte und auch ihre Kleidung war bunt.

„Die Schaufechter!“, stöhnte Ronan. „Ich hab sie bei einer ihrer dämlichen Darbietungen in der Nähe des Bicker Hofes gesehen.“

„Hey! He, ihr zwei!“

„Was wollen die?“, fragte Kiara verdutzt.

Was auch immer es war, die Schaufechter konnten es nicht abwarten, sich mitzuteilen. Im schnellen Trab kamen sie näher. Ihre Gestalten waren schlaksig und ihre Beine zu lang für die kleinen Pferdchen. Bald legte Gismo die Ohren zurück, weil eine weiße Pferdenase allzu dicht zu seinem Hinterteil aufschloss.

„Hey, wartet doch! Nur keine Angst!“

Kiara ließ ein erbostes Schnauben hören.

„Nun wartet! He! Wir wissen, wer ihr seid!“

Ronan stöhnte auf. Das fehlte noch!

„Nun hört doch mal zu! Hört zu!“ Der Sprecher gestikulierte mit den Zügeln in ihre Richtung. Die Stute schien das nicht zu stören. „Wir sollten zusammen reiten! Wirklich, das sollten wir! Ihr könnt Broghan schließlich nicht zu zweit besiegen!“

„Kiara“, grollte Ronan, „die beiden wollen zu dir!“

Seine Schwester schoss ihm einen bösen Blick zu. „Ich hab die nie gesehen!“

„Schön!“ Ronan wandte sich zu dem weißen Pferdchen um. „Verschwindet! Jetzt!“

„Nicht so schnell, nicht so schnell. Denkt nach! Ihr braucht fähige Männer. Männer, die für euch kämpfen! Männer, die ...“

Gismo schwang sein Hinterteil herum und knallte der weißen Stute die Hufe gegen die Brust. Das weiße Pferdchen quietschte und verschwand samt Reiter in den Büschen. Der bunte Hut rollte über den Weg und blieb im Staub liegen. Ronan setzte Gismo in Trab und Kiara folgte. Bald waren die Schaufechter hinter der Wegbiegung verschwunden.

Ronan klopfte Gismos Hals. „Gut gemacht, Schwarzer.“

„Es ist nicht mehr weit“, ließ ihn Kiara wissen.

„Nicht mehr weit bis wohin, kleine Schwester?“

„Ich bin nicht deine kleine Schwester!“, fauchte sein Zwilling und blieb ihm abermals die Antwort schuldig.

Sie waren noch nicht lange geritten, als ...

„He! Hey!“

„Grundgütiger!“, stöhnte Ronan.

„Hatten wir uns vorgestellt? Mein Name ist Darrin und das ist mein Lieblingsbruder Doran.“ Mit einer weit ausholenden Geste zogen beide Männer den Hut. Darunter kamen runde, bartlose Gesichter zum Vorschein. „Wir sind bekannt als die besten Fechter zwischen Raukland und der Hölle. Muskeln aus Stahl, Eier aus Stahl ...“

„Geh mir aus den Augen, wenn du deine Eier behalten willst“, knurrte Kiara, die Hand am Schwert.

„Sie sind es nicht wert“, murmelte Ronan.

„Halt! So wartet doch!“ Darrin trieb sein Pferd näher. „Wir können euch beschützen! Eure Essen vorkosten! Eure Schlafdecke wärmen! Jetzt wartet, ihr braucht vor uns keine Angst zu haben!“

Kiaras Augen wurden schmal. Rasch streckte Ronan die Hand nach den Zügeln des Dunkelfuchses aus, aber zu spät. Seine Zwillingsschwester warf ihr Pferd herum, richtete sich im Sattel auf und zeigte auf den Sprecher.

„Hör zu, Darrin mit den stählernen Nasenhaaren, ich sag dir jetzt, wie es läuft: Ronan ficht gegen dich. Wenn er verliert, dürft ihr mit uns reiten. Wenn er aber gewinnt, dann wendet ihr eure Gäule in die entgegengesetzte Richtung und macht euch aus dem Staub. Kapiert?“

Ronan riss erbost die Augen auf, aber Kiara raunte: „Das geht am schnellsten“, und fügte lauter hinzu: „Los doch, Bruder! Zeig ihnen, was wir von Schaufechtern halten!“

„Oh! Großartig! Grandios! Welche Ehre!“

Darrin neigte den Kopf so weit, dass der Schlapphut auf den Pferdehals fiel. Rasch langte er hinauf und schob die Kopfbedeckung gänzlich über die Pferdeohren. Die Stute nahm es stoisch hin.

„Wählt die Waffen, edler Herr! Doran, du erlaubst? Ich weiß, du bist mir ebenbürtig, aber da die Aufforderung an mich erging ...“

„Das lange Schwert!“, unterbrach Ronan laut. Er war aus dem Sattel, ehe Darrin den Mund zuklappte. „Drei Treffer zum Sieg. Kein Dolch. Runter von deinem Gaul, sonst helfe ich nach.“

Darrin grinste breit. Er schwang ein Bein über den Hals der Stute und rutschte aus dem Sattel. „Kein Dolch.“

Ronan zog sein Schwert. Es war sein erster Kampf seit Monaten, aber es fühlte sich gut an, es in Händen zu halten. Mit dieser Gestalt wäre er allerdings auch dann fertig geworden, wenn er zehn Jahre nicht gefochten hätte.

Der Schaufechter ließ die Fingerknöchel knacken, platzierte umständlich die Hände am Schwertgriff und begann, die Klinge in einer weiten Acht um seinen Körper zu schwingen. Seine langen Arme ließen die Bewegung noch unbeholfener aussehen.

Kiara verdrehte die Augen. „Lass den Unfug!“

„Unfug? Werte Dame, die Leute hören es gern, wenn die Klinge durch die Luft zischt, und außerdem ...“

Ehe Ronan Zeit hatte den Angriff zu parieren, drückte sein Gegenüber seine Klinge zur Seite, legte einen Arm um seinen Hals und warf ihn über die Hüfte nach hinten.

„... ist es gut für den ersten Punkt!“

Hart schlug Ronan auf den Rücken. Vor seinen Augen schwebte Darrins Schwertspitze, dahinter sah er das ungläubige Gesicht seiner Schwester. Der Schaufechter trat zurück, um ihn aufstehen zu lassen. Ein wissendes Grinsen umspielte seine Mundwinkel. Im Hintergrund nickte sein Bruder anerkennend, die langen Arme vor der Brust verschränkt.

Ronans Gesicht glühte. Er kam auf die Füße, fest entschlossen, die Klinge in Darrins Rippen zu bohren. Doch sein Gegenüber wusste, dass die Zeit des Redens vorbei war. Mit einem Mal verschwand alles Linkische aus seiner Haltung, und er begann ihn zu umkreisen. Ein schneller Schritt, und ihre Schwerter trafen einander mittig im Band. Ronan langte mit der Linken an seiner Klinge hinauf und griff beide Schwerter an ihrem Berührungspunkt. Gleichzeitig hakte er seinen Knauf über das rechte Handgelenk seines Gegners, riss die Arme nach oben - und hielt beide Klingen.

Darrin nickte anerkennend.

Ronan reichte ihm sein Schwert zurück, aber kaum waren sie auseinandergetreten, kam Darrins Hieb. Ronan sprang so weit zurück, dass die Klinge ihn hätte passieren müssen, aber Darrin tat etwas Unerwartetes: Er nahm die Rechte vom Griff, sodass das Schwert ein kleines Stück weiter reichte als bei einem beidhändigen Hieb, und berührte mit der Breitseite Ronans Knie.

Diesmal war es Ronan, der nickte.

Abermals umstrichen sie einander, wechselten die Huten und suchten nach Blößen. Es dauerte, aber dann hatte Ronan seinen Gegner, wo er ihn haben wollte: mit dem Rücken in den Zweigen eines Haselstrauches. Ein metallenes Schleifen, ein Ächzen, und sie beide krachten ins Unterholz. Ronan ließ sein Schwert fallen, entwand Darrin das seinige und drückte ihm die Klinge an den Hals. Jetzt stand es zwei zu zwei.

Ronan kroch aus den Büschen. Der Kampf bereitete ihm weitaus mehr Vergnügen, als er zugeben wollte. Auch Darrins Augen funkelten, wenngleich die Zweige sein Gesicht zerkratzt hatten und Blätter aus seinen Haaren fielen. Der nächste Treffer würde der entscheidende sein. Es war besser, er kam schnell: Ronan schlug einen Oberhau, Darrin strich von unten dagegen. Ein rascher Hieb von links oben an Darrins Blöße – aber Darrin tat das Gleiche: Beide Klingen trafen ihr Ziel.

Schwer atmend lösten sie sich voneinander, die Schwerter gegeneinander erhoben.

„Was jetzt?“, keuchte Darrin.

Der letzte Punkt galt für beide oder keinen. Aber es war eine ganz andere Frage, die in Ronan brannte. „Wieso, um alles in der Welt, arbeitet ihr als Schaufechter?“

Darrin hob die Schultern. „Gutes Geld. Und man kriegt Frauen ins Bett.“

„Ihr könntet weit mehr verdienen, wenn Ihr euer Können nutzt, anstatt mit diesem Rumgefuchtel aufzutreten.“

„Ein echter Kampf ist in zwei Atemzügen vorbei. Dafür zahlt kein Zuschauer. Was jetzt?“

„Warum wollt ihr mit uns reiten?“

„Weil ... aber können wir das nicht ohne Schwert klären?“

Ronan senkte ein Stück weit die Klinge „Aber du redest nur, wenn du gefragt wirst, klar?“

Darrin grinste breit. „Klar.“

*

„Wir haben schon alles gemacht“, berichtete Darrin, als sie sich im Schatten einer mächtigen Buche niedergelassen hatten. „Fasane gezüchtet, als Soldaten gekämpft, als Bader gearbeitet, Geleitschutz gegeben, Liebestränke gebraut.“ Er verteilte großzügige Stücke von einem mit Nüssen und Rosinen gespickten Kuchen. „Schaukampf war das Einträglichste.“

Sein Bruder nickte zustimmend. Er schob sich ein beerengroßes Kuchenstück in den Mund, auf dem er lange kaute, bis er das Kinn hob und schluckte.

„Neuerdings sind wir jedoch der Meinung, dass jeder Tag, an dem Broghan auf dem Thron sitzt, einer zu viel ist“, sprach Darrin weiter.

Ronan spuckte ein Stück Nussschale in seine Handfläche. „Und wieso auf einmal?“

Darrin blieb lange still, sodass Ronan glaubte, er würde die Antwort schuldig bleiben. Dann stieß der Schaufechter mit einem Seufzen die Luft aus.

„Zeig´s ihm, Doran.“

Doran schob seine langen Beine unter sich, hob sein Hemd und entblößte seinen Rücken. Ronan hielt den Atem an, als Rot vernarbte Haut zum Vorschein kam.

„Bei mir sieht´s ähnlich aus“, sagte Darrin gleichmütig. „Sie schaufeln dir so lange glühende Kohlen auf den Rücken, bis du ihnen beipflichtest, dass Broghan der Gockel mit dem größten Kamm ist.“

„Was habt ihr zuvor behauptet?“, fragte Kiara.

Darrin grinste breit. „Nun, wir hatten eine ganz besondere Darbietung einstudiert. Ich habe Doran weiß angemalt und ihm Fragen gestellt. Wie viel ein Brot kostet. Wie viel ein Sack Roggen kostet. Wie viel eine Familie braucht, um zu überleben. Die Ahnungslosigkeit seines Ebenbildes hat dem Publikum gefallen, Broghan jedoch weniger. Am Ende boten wir selbst die beste Vorstellung. Eins dieser glühenden Kohlestücke ist mir in die Poritze gerollt!“

„Broghan hat euch freigelassen?“, staunte Ronan.

„Großzügig, nicht wahr? Sobald ich ihm sagte, er sei der schönste und weiseste König, den das Nordmeer je gesehen hat, ließ er mich gehen. Er hat uns natürlich untersagt weiter aufzutreten, aber die Nummer läuft auch fernab von Fehdorn Ghan gut.“

Doran nickte zustimmend.

„Sprichst du nie?“, wandte sich Kiara an ihn.

Doran hob die Schultern und es war erneut Darrin, der Antwort gab. „Als sie mich fragten, ob Broghan der Hirsch mit dem größten Geweih ist, sagte ich schleunigst Ja. Mein Bruder jedoch war schon immer ein sturer Bock. Zeig´s ihnen.“

Doran sperrte den Mund auf.

Ronan schnappte nach Luft. Die winzigen Bissen, die Doran nahm, die Anstrengung beim Schlucken ... jetzt sah er den Grund dafür. Dort, wo eine Zunge sein sollte, war nur ein roter Stumpf, der zappelte wie ein gestrandeter Fisch. Ein heißes Brennen schoss in Ronans Magen. Wie ähnlich Broghan seinem Vater war. Als hätte er nicht nur dessen weiße Haut geerbt, sondern auch seine ungezügelte Grausamkeit.

„Sie haben ihn dann gehen lassen“, fuhr Darrin fort. „Wäre fast verblutet, der Gute. Ein befreundeter Bader hat ihn zusammengeflickt. Das Schlucken fällt ihm schwer, aber er kommt klar.“

Eine Weile saßen sie schweigend. Ronan musterte die Brüder. Wo Darrins Haar sandblond und gewellt in dessen Nacken fiel, war Dorans dunkel und glatt. Ein Blick in ihre Gesichter genügte jedoch, um zu wissen, dass sie Brüder waren. Ronan hätte wetten mögen, dass Doran der Ältere war.

„Hast du sie geheiratet?“, riss ihn Darrin aus seinen Gedanken.

„Geheiratet?“, echote Ronan.

„Die nordische Prinzessin. Eila hieß sie, nicht wahr?“

Kiaras Kopf fuhr herum, aber Ronan sah weiter geradeaus.

„Nein“, sagte er knapp.

Darrin musterte ihn. „Bevor Broghan auf den Thron kam, hättest du Hannah von Angent heiraten sollen, richtig?“

Ronan sah an ihm vorbei. In seinem Kopf klangen Darrins Worte nach. Heiraten sollen. Es wäre eine Heirat gewesen, die die jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen Raukland und Angent ein für alle Mal beendet hätte. Angeordnet von Azel, befürwortet von Zhodan. Aber Hannah war mehr als irgendeine Prinzessin, die ihm den Weg auf den Thron geebnet hätte. Auf einmal war es wichtig, das klarzustellen.

„Ich hätte sie heiraten wollen“, sagte er.

Darrin hob die Augenbrauen, Doran lugte zu ihm herüber. Niemand sagte etwas. Nicht einmal Kiara.

Kapitel 11

Die Bäume warfen lange Schatten, und noch immer war kein Nachtlager in Sicht. Müde setzten die Pferde einen Huf vor den anderen. Ronan hätte längst angehalten, aber Kiara führte sie stoisch gen Norden. Die Schaufechter und er folgten ihr.

Nach einem langen Ritt durch dichten Nadelwald traten die Bäume auseinander und gaben den Blick auf gerodete Flächen frei, die sich zu einem Flickenteppich aus frisch bestellten Feldern zusammenfügten. Hier und dort ragten Mauerstücke aus dem Waldboden, die immer enger zusammenrückten, bis sie an einen Fluss gelangten, den Kiara schweigend durchritt.

Am anderen Ufer führte der Weg ins Herz einer Ruine. Halb verfallene Türme umrahmten einen Innenhof, in dem Birken und Eschen ans Licht wuchsen und Efeu aus Mauerritzen quoll. Gegen den Abendhimmel sah das Gemäuer aus wie ein Kreis abgebrochener Zähne.

„Lasst die Pferde trinken“, wies Kiara sie an und rutschte aus dem Sattel. „Ich bin gleich zurück.“

Sie folgte dem Fluss, bis dieser unterhalb einer Felsmauer verschwand. Dort angekommen trat sie ins Wasser, duckte sich unter einem Vorhang aus Efeuranken hindurch und war fort. Ronan führte Gismo und Kiaras Fuchs ans Wasser. Hinter ihm stiegen die Schaufechter von ihren Tieren. Sie hatten die Pferde kaum getränkt, als Kiara zurückkehrte. Ihr folgten zwei junge Männer. Einer von ihnen trug einen Leinensack.

„Meron und Gerrin werden die Pferde bewachen“, erklärte Kiara.

Sie versuchte, die Zügel an sich zu nehmen, aber Ronan hielt fest.

„Wer ist das?“

„Die Pferde sind hier sicher, Ronan. Gib schon her!“

Sie rang ihm die Zügel aus der Hand und reichte sie an einen der Männer weiter. Ronan musterte die Fremden misstrauisch, aber Gismo hatte nichts dagegen, mit ihnen zu gehen. Seine Nase klebte am Leinensack, der zweifellos Hafer enthielt. Der zweite Mann führte die Pferde der Schaufechter fort.

Ronan folgte Kiara zu der Stelle, wo der Fluss unterhalb der Mauer verschwand. Seine Schwester trat abermals ins Bachbett, aber jetzt konnte Ronan Trittsteine erkennen, die nur einen Fingerbreit überspült wurden. Er setzte die Füße auf die beiden ersten, schob die Arme durch die Efeuranken und duckte sich unter den Mauervorsprung.

Die Ranken fielen hinter ihm zusammen und sperrten das Tageslicht aus. Dumpfe Kühle umfing ihn. Erst zwanzig Fuß weiter brannte ein Talglicht in der Finsternis.

„Tritt dorthin, wo ich hintrete“, hörte er Kiara.

Ronan folgte ihr. Manche der Trittsteine kippelten, wenn er darauf trat, andere lagen breit und schwer im Wasser und boten sicheren Halt. Nicht lange, und der unterirdische Flusslauf führte sie in ein hohes Gewölbe, wo Kiara ans Ufer sprang. Der trockene Sand war übersät mit Fußspuren.

Seine Schwester hob das Talglicht aus dem Eisenring und schritt ihnen voraus in einen schmalen Gang, von dem eine Wendeltreppe nach unten führte. Dort öffnete sich das Schneckenhaus des Treppenabgangs zu einem riesigen, unterirdischen Gewölbe.

Zwei, drei – nein, vier Dutzend Männer und Frauen sprangen auf die Füße, kaum dass sie eingetreten waren.

„Ronan! - Es ist Ronan! – Er ist zurück! – Ronan! – Seht her, es ist Ronan!“

Sie umringten ihn, drückten seine Hände und klopften seinen Rücken. Die meisten waren Bauern, deren Kleidung aus einer einfachen Tunika bestand, die um ihre Mitte von einem Strick gehalten wurde. Viele Männer waren unter ihnen, aber auch Frauen. Eine war so alt, dass sie nur mithilfe eines Stockes stehen konnte, ihr Gesicht jedoch strahlte. Alle strahlten. Sie hörten nicht auf, einander zuzurufen und die Hände nach ihm auszustrecken. Über ihre Köpfe hinweg suchte Ronan Kiara. Seine Schwester strahlte ebenfalls - zumindest so lange, bis sie seinen Blick auffing.

Das Stimmengewirr verstummte. Die Männer und Frauen traten zurück, bis er, Kiara und die beiden Schaufechter inmitten eines Halbkreises standen.

„Das“, sagte Kiara, ihre Stimme tief vor Stolz, „sind die, die sich zusammengefunden haben, um Rauklands König zu stürzen.“

Ronan blickte in die ihm zugewandten Gesichter. Nicht wenige waren vertraut. Da war Regin, der Schmied aus dem Dorf, das an Kiaras Gutshaus grenzte. Dort stand ein Mann, der im letzten Jahr als Knecht auf dem Keusenhof gearbeitet hatte. Ein rotbärtiger Küfer aus Fehdorn Ghan nickte ihm zu, in seinem Arm ein Mädchen, das das gleiche rote Haar hatte und ein Messer um den Hals trug. Noch mehr Bauern aus dem Dorf bei Kiaras Gutshaus. Sie alle musterten ihn erwartungsvoll.

„Hey!“ Darrins Stimme ließ Ronan zusammenfahren. „Und ich dachte schon, wir vier müssten es allein mit Broghan aufnehmen!“

Niemand erwiderte etwas.