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Inhaltsverzeichnis













































Haftungsausschluss

Dieses Buch soll Ihnen ausschließlich zur Information dienen. Es ist kein Ersatz für professionellen medizinischen Rat. Autor und Verlag übernehmen ausdrücklich keinerlei Haftung, die direkt oder indirekt durch die Anwendung von Informationen aus dem Buch entstehen könnte. Zur Einschätzung Ihrer gesundheitlichen Verfassung wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Weder Autor noch Verlag übernehmen eine Garantie für Produkte, die im Buch genannt sind.

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Ändern Sie Ihr Stressverhalten: Reagieren Sie angemessen auf die sechs häufigsten Stressfaktoren

Die Huichol-Indianer wissen zwar nichts über Cortisol und DHEA, aber sie wissen ganz genau, wie wichtig es ist, immer die Hilfsmittel zu nutzen, mit denen man Stress auf natürliche Weise abbauen kann. Ein typischer Gradmesser für die erfolgreiche Stressbewältigung der Huichol-Indianer ist die Gedächtnisleistung ihrer Stammesältesten. Sie leiden so gut wie nie unter der Alzheimer-Krankheit, die bei der älteren Bevölkerung in der westlichen Welt so stark ausgeprägt ist. Sie können sich an Geschichten und Details aus ihrem gesamten Leben erinnern. Die Schamanen singen zum Beispiel Tausende von Liedversen, die von der Kosmologie ihrer Schöpfungsgeschichte erzählen.

Wir wollen diese sechs Stressfaktoren, mit denen wir am häufigsten konfrontiert werden, einmal genauer betrachten und überlegen, wie wir ihnen begegnen können. Die Grenzen zwischen den einzelnen Stressfaktoren können sich zwar mitunter überschneiden, doch auch für diesen Fall gibt es Methoden, wie Sie den jeweiligen Stressfaktoren ganz gezielt zu Leibe rücken und selbst mitten in der schwierigsten Trainingseinheit oder in einer extremen Lebenssituation Ihren Körper und Ihre Seele dennoch mit Freude erfüllen können. Unabhängig von allen Zwängen des täglichen Lebens ist es Ihnen möglich, sich konsequent auf Ihre Fit Soul – Fit Body-Ziele für ein ganzheitliches Wohlbefinden zu konzentrieren. Keine Situation ist hoffnungslos. Man sollte nie aufgeben. Jeder Mensch hat eine andere Lebenssituation und andere Herausforderungen zu meistern, die gelegentlich auch eine Korrektur oder eine Neuorientierung nötig machen. Sie werden vielleicht auf Hindernisse stoßen, die Ihnen unüberwindlich erscheinen. Aber das scheint nur so.

Wir beginnen mit der häufigsten Form der Stressbelastung – emotionalem Stress – und erläutern anschließend eine Technik, mit der Sie Schritt für Schritt lernen, Ihre Gedanken abzuschalten.

EMOTIONALER STRESS

Wenn wir das Wort „Stress“ benutzen, meinen wir damit im Allgemeinen emotionalen Stress. Nur wenige von uns sind immun gegen diese Form von Stress. Genau genommen erleben einer Studie zufolge 75 Prozent aller Erwachsenen in den Vereinigten Staaten jede Woche beträchtlichen emotionalen Stress. Darüber hinaus tragen auch die anderen fünf Stressfaktoren, die wir noch erörtern werden, zusätzlich zur emotionalen Stressbelastung eines Menschen bei. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen entsteht durch den erhöhten Cortisol-Wert und den niedrigen DHEA-Wert im Blut ein hormonelles Ungleichgewicht und zum anderen beschleicht die Betroffenen das beklemmende Gefühl, das irgendetwas mit ihrem Körper nicht stimmt. Je länger ein Mensch emotionalem Stress ausgesetzt ist, desto mehr Stresshormone werden ausgeschüttet und desto schwieriger wird es für ihn, mit dieser Stressbelastung umzugehen. Da der Körper unter extremer Stressbelastung die Produktion von Hormonen einstellt, die für den Stressabbau und die Erholung verantwortlich sind, werden folglich auch keine Glückshormone freigesetzt. Ausgelöst durch eine relativ harmlose Situation entsteht auf diese Weise ein Teufelskreis, der anscheinend nicht zu durchbrechen ist. Das Leben erscheint wie ein einziger belastender Albtraum und nicht wie ein Paradies von erstaunlicher Schönheit. Ganzheitliches Wohlbefinden von Körper und Geist fühlt sich anders an.

Auf der körperlichen Ebene führt emotionaler Stress zu einer Verengung der Blutgefäße, wodurch die Muskeln nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Außerdem wird der Fettstoffwechsel heruntergefahren, was sicher nicht von Vorteil ist, wenn man abnehmen will. Emotionaler Stress hemmt die Ausschüttung des menschlichen Wachstumshormons (Human Growth Hormone oder HGH), das die Aufgabe hat, nachts die Regenerations- und Reparationsprozesse im Körper zu steuern. Außerdem kann er dazu führen, dass man sich ausgebrannt und leer fühlt und daher nicht die Motivation für ein tägliches Sportprogramm aufbringt.

Ein geeignetes Mittel, um emotionalen Stress abzubauen, ist Sport. Sportliche Betätigung bedeutet zwar einen wichtigen Schritt nach vorn bei der Stressbewältigung, doch wenn die Stressursache nicht beseitigt wird, kann dies genauso wieder einen Schritt zurück bedeuten. Denn wenn man im Sport das Allheilmittel gegen emotionalen Stress sucht, sorgt diese unrealistische Erwartungshaltung noch für zusätzlichen Stress, insbesondere wenn man es beim abendlichen Joggen oder Walken nicht schafft, seinen Gedanken an Fristen, schlechte Arbeitsbedingungen oder an ein problematisches familiäres Umfeld davonzulaufen. Im Gegenzug können unrealistische sportliche Ziele (wenn man zu schnell Erfolge sehen will oder Erfolge erwartet, für die man nicht die genetischen Voraussetzungen mitbringt) Hand in Hand gehen mit einem Erfolgsdruck, der nicht an sportliche Ergebnisse geknüpft ist, wodurch es immer schwieriger wird, steigende Erwartungshaltungen auf ein realistisches Maß herunterzuschrauben.

Problemlösung: Vier Methoden zur Bekämpfung von emotionalem Stress

Problemlösungen zur Stressbewältigung gibt es viele. Am schnellsten kommt man ans Ziel, wenn man den Stressauslöser beseitigen kann. Da dies nicht immer möglich ist, kommen wir zur zweiten Alternative: Wir müssen systematisch lernen unser Stressverhalten zu ändern, denn schließlich gehören Stresssituationen zu unserem Leben dazu. Damit Sie lernen, besser mit Stress auslösenden Situationen umzugehen, die sich nicht vermeiden lassen, haben wir hier vier Leitsätze zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen sollen:

  • Reagieren Sie mit Gelassenheit.
  • Lachen Sie, um Ihren Kopf frei zu bekommen.
  • Gewinnen Sie Klarheit durch die spirituelle Kraft des Hirsches.
  • Schalten Sie die Gedanken ab.

Jeder dieser altüberlieferten Leitsätze wirkt sich positiv auf die emotionale Verfassung aus, weil er sich direkt an den Bedürfnissen der menschlichen Seele orientiert, wenn sie laut um Hilfe ruft. Wenn wir einen Huichol-Indianer dabei beobachten könnten, wie er mit einer sehr belastenden Situation umgeht, würden wir feststellen, dass er auf einen dieser vier Leitsätze zurückgreift, um die negativen Auswirkungen dieser Situation zu entschärfen.


Reagieren Sie mit Gelassenheit. Stress am Arbeitsplatz zählt heute zu den häufigsten Ursachen für eine permanent hohe Stressbelastung: Großer Zeit- und Leistungsdruck, die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, steigende Arbeitsanforderungen und Mehrbelastung sowie zunehmende Veränderungen im Arbeitsumfeld. Doch auch fernab vom Arbeitsumfeld sind wir häufig mit Situationen konfrontiert, von denen eine dauerhafte Stressbelastung ausgeht, wie zum Beispiel Bewegungsmangel, übermäßig viele familiäre Pflichten und zahlreiche anderweitige Verpflichtungen, wodurch uns immer weniger Zeit für Entspannung und regenerative Übungen für die Seele bleibt.

Doch zum Glück gibt es Mittel und Wege, mit denen wir diese Stressauslöser in den Griff bekommen können, um die negativen Auswirkungen auf unser Leben so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel erhöht Zeitdruck bei fast jedem Menschen den Stresspegel enorm – egal, ob er sich für einen Wettkampf in Form bringen, für ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis ein paar Kilo abnehmen oder ein Projekt termingerecht fertigstellen will. Selbst die Huichol-Indianer stehen unter Zeitdruck, denn sie müssen mit der Aussaat beginnen, bevor die Regenzeit einsetzt und sie müssen die Ernte rechtzeitig vor dem Winter einbringen. Allerdings gibt es in unserer Gesellschaft eine Vielzahl von Terminen und Fristen, die uns enorm unter Zeitdruck setzen und Stress auslösen, wenn wir nicht gegensteuern.

Eine der effektivsten Methoden, mit deren Hilfe Sie lernen, anders auf solche Stresssituationen zu reagieren, heißt Gelassenheit. Die Huichol-Indianer wissen, dass sie jedes Jahr bei der Aussaat unter einem gewissen Zeitdruck stehen, weil sie fertig sein müssen, bevor die Regenzeit einsetzt. Sie akzeptieren einfach, dass diese Stresssituation jedes Jahr entsteht und reagieren darauf, indem sie jeden Aspekt dieser Situation mit Gelassenheit angehen – sie bereiten den Boden vor und drücken ein Maiskorn nach dem anderen in den Boden, bis die gesamte Ackerfläche am Berghang eingesät ist.

Dieser Leitsatz, mit Gelassenheit zu reagieren, funktioniert auch in unserer modernen Welt sehr gut. Auf unser Beispiel Zeitdruck angewendet, heißt das: Wir können unsere Stressbelastung verringern, indem wir akzeptieren, dass eine scheinbar überwältigende Aufgabe in aller Regel nicht in einem Augenblick zu erledigen ist. Die Huichol-Indianer werfen ja auch nicht von Panik getrieben einen Scheffel Maiskörner auf den Acker in der Hoffnung, dass die Saat schon aufgehen wird – ganz im Gegenteil. Große Projekte lassen sich eben nur nach und nach und Schritt für Schritt verwirklichen – angefangen bei beruflichen Ambitionen und Fitnesszielen bis hin zum Bestreben, alte Verhaltenmuster zu ändern. Mit jedem einzelnen Korn, das ausgesät ist, kommen wir unserem Ziel einen Schritt näher. Denn meistens geraten wir nur dann unter Zeit- und Termindruck, wenn wir diese simple Tatsache ignorieren und nach Lösungen suchen, die einfach unrealistisch sind. Wenn wir uns jedoch darauf konzentrieren, die vor uns liegende Aufgabe so gut zu erledigen, wie es uns möglich ist – einen Schritt nach dem anderen – kann kein Stress aufkommen. Mit Gelassenheit kommen wir ans Ziel.

Nicht jeder Mensch verfügt über dieselbe Kraft und Ausdauer, wenn es um die Bewältigung bestimmter Aufgaben wie Laufen oder Walken geht. Indem Sie aber mit Gelassenheit und Hoffnung Tag für Tag einfach immer Ihr Bestes geben, sind Sie in der Lage den Stress, eine gute Leistung abliefern zu müssen, in den Hintergrund zu drängen und können stattdessen Ihre ganze Aufmerksamkeit und Ihre Energie auf den Wunsch konzentrieren, die Aufgabe zu Ende zu bringen. Es gibt eine gute Methode, wie Sie Ihren Blickwinkel verändern können, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit einfach auf einen neuen Aspekt lenken: Suchen Sie sich eine beliebige Sportübung aus und konzentrieren sich ganz bewusst auf die Mechanik Ihres Bewegungsablaufs. Beim Laufen zum Beispiel müssen Sie auf Ihre Schrittfrequenz, Schrittlänge und die Haltung von Schultern und Armen achten, wobei Sie immer versuchen sollten, Ihr Lauftempo und Ihren Laufrhythmus so aufeinander abzustimmen, dass Sie sich ruhig und entspannt fühlen. Denn dadurch ist Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr darauf gerichtet, wie lange Ihr Lauftraining noch dauert und wie schweißtreibend und anstrengend es noch werden wird.

Aber auch eine gesunde Seele kann uns Möglichkeiten aufzeigen, wie wir durch eine Veränderung des Blickwinkels ein ganz ähnliches Gefühl innerer Gelassenheit erreichen, damit wir eine Aufgabe – wie zum Beispiel ein Lauftraining zu absolvieren – ganz ohne Leistungsdruck zu Ende bringen können. Eine Methode, auf die wir später noch genauer eingehen werden, besteht darin, dass wir lernen, unsere Aufmerksamkeit auf unsere Umgebung zu richten, insbesondere dann, wenn wir uns an idyllischen Orten mitten in der Natur befinden. Achten Sie einmal ganz bewusst darauf, wie hell das Licht der Sonne an diesem Tag strahlt. Fühlen Sie einmal ganz bewusst die Luft, die Sie umgibt und die Erde unter Ihren Füßen. Wenn Sie auf der Erde laufen, gehen oder auf ihr sitzen, bedanken Sie sich doch einmal bei dem Land, dem Berg, dem See, dem Feld oder dem Gewässer – einfach bei allem, was in Ihrem Blickfeld erscheint. Denn wenn Sie lernen, diese Wunder der Natur bewusst wahrzunehmen, wird sich Ihr Blickwinkel verändern und Zeit- oder Leistungsdruck treten in den Hintergrund. Der gesamte Druck, der auf Ihnen lastet, verfliegt und viele positive Gefühle treten an seine Stelle.


Lachen Sie, um Ihren Kopf frei zu bekommen. Lachen spielt im Leben und in der Tradition der Huichol-Indianer eine wichtige Rolle. Sie sagen, dass das Lachen Grundbestandteil des Heilens, des Lebens und eines ganzheitlichen Ichs ist. Für sie gibt es keine Lebenssituation, in der Humor keinen Platz hat. Sie lachen gern, ziehen sich gegenseitig auf und scherzen. Für die Huichol-Indianer ist Lachen die beste Medizin: Medizin für die Seele und Medizin für den Körper. Lachen hilft uns auf ganz einfache Weise dabei, unseren Blick auf die positiven Dinge im Leben zu richten und gute Gedanken zu entwickeln. Wenn wir lachen, fühlen wir uns gleich viel besser. Das kennt jeder von uns, der schon einmal jemanden im Krankenhaus besucht hat: Wenn wir Fröhlichkeit und gute Laune verbreiten, fühlt sich der Kranke – auch wenn er wirklich sehr krank ist – nicht nur emotional, sondern auch körperlich gleich viel besser.

Brants erste Erfahrung mit dem Humor der Huichol-Indianer: Bei meinem ersten Ausflug in die Huichol-Sierra wollte ich zusammen mit einer Gruppe von Stammesmitgliedern in die Stadt laufen. Sie war etwa einen Tages-marsch von unserem Dorf entfernt. Aus irgendeinem Grund hatte ich meinen riesigen Rucksack mitgenommen, den ich bis zum Rand mit einer Menge Zeugs vollgestopft hatte, das mit Sicherheit absolut überflüssig war und locker geschätzte 35 Kilo an Gewicht ausmachte. Als Amerikaner war ich weder daran gewöhnt schwer zu tragen noch daran gewöhnt, so große Entfernungen zu Fuß zurückzulegen. Für die Huichol-Indianer war ein Tages-marsch gar nichts, für mich aber eine Riesenanstrengung.

Am frühen Vormittag legten wir an einem idyllischen Fleckchen eine kurze Rast ein. Ich war bereits total erschöpft. Ein Großteil des Tages lag noch vor uns, doch mein großer schwerer Rucksack und ich waren kurz davor, aufzugeben. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diesen Marsch bis zu Ende durchstehen sollte. Schweißgebadet und ziemlich niedergeschlagen riss ich mir den Rucksack herunter. Ganz in mein Elend versunken saß ich da, keuchend wie eine Lokomotive und rang nach Luft. Plötzlich kam eine gut 60 Jahre alte Huichol-Indianerin auf mich zu und sagte: „Sag mal, kann ich Dir vielleicht helfen? Du siehst erschöpft aus!“ Ohne meine Antwort abzuwarten, schnappte sie sich meinen Riesenrucksack, warfihn auf ihren Rücken und marschierte los. In diesem Augenblick schoss mir das Adrenalin in die Adern, aber hauptsächlich deshalb, weil ich mir gar nicht so sicher war, ob ich mit ihr mithalten konnte – obwohl sie diejenige war, die den Rucksack schleppte – und auch weil ich wusste, dass diese Szene mit Sicherheit als Schauspieleinlage zur allgemeinen Belustigung am Lagerfeuer viele, viele Male vorgeführt werden würde.

Ich sprang auf und rannte ihr hinterher. Es dauerte schon ein Weilchen, bis ich sie endlich eingeholt hatte und ihr meinen Rucksack wieder abnehmen konnte – was blieb, war allerdings das beschämende Gefühl, dass eine sechzigjährige Frau offensichtlich stärker war ein zwanzigjähriger Mann. Jedes Mal, wenn wir heute auf unserem Weg an der besagten Stelle vorbeikommen, zieht mich noch irgendeiner damit auf und fragt: „Kann ich Dir vielleicht beim Tragen helfen?“

Als ich Don José das erste Mal in die Vereinigten Staaten mitnahm, fielen ihm sehr viele kulturelle Unterschiede auf. Ein Unterschied, den er sofort ansprach, war, dass es hier sehr wenige Menschen gibt, die zu Fuß gehen. Er fragte mich: „Wo sind denn all die Menschen? Gehen die denn nicht zu Fuß?“ Denn dort, wo Don José herkam, mussten die Menschen zu Fuß gehen, weil es die einzige Möglichkeit für sie war, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Aber für ihn war das Zufußgehen auch eine einfache Möglichkeit, das Leben zu genießen. Deshalb war Don José auch so überrascht, dass es Menschen gibt, die – auch wenn sie Autos hatten – einfach nicht das Bedürfnis verspürten, zu Fuß zu gehen und sich in der Natur aufzuhalten.

Auf einer späteren Reise, als er bereits im hohen Alter war, wollte Don José öffentlich bekannt geben, dass ich den Platz als sein Nachfolger einnehmen sollte, um die schamanische Tradition der Huichol-Indianer fortzuführen. Wir haben gemeinsam viele Orte in den USA und in Europa bereist und waren auch an verschiedenen Universitäten zu Gast. Kurz bevor wir nach Mexiko zurückkehrten, haben wir dann in San Francisco Station gemacht, wo ich auf einer Bank Dollar in Pesos tauschen wollte.

Don José hatte eine Abneigung gegen große Gebäude. Daher beschlossen wir, dass er mich nicht begleiten, sondern draußen im Auto auf mich warten würde. Ich fuhr direkt vor den Eingang und parkte dort. Ich sagte zu ihm: „Mach’ unter gar keinen Umständen die Tür auf, ganz egal, was passiert oder wer auch immer vorbeikommt. San Francisco ist ein raues Pflaster.“ Ich war etwas nervös, doch als ich wieder herauskam, saß er zum Glück noch immer im Auto und alles sah ganz genauso aus wie vorher. Ich öffnete ihm die Tür, damit er aussteigen konnte. Wir wollten einen kleinen Spaziergang machen. Als ich die Autotür öffnete, sagte er zu mir: „He, da ist so ein netter Polizist vorbeigekommen. Er hat mir zugelächelt und ich habe zurückgelächelt. Aber ich glaube, dass er Dich vielleicht gekannt hat; vielleicht war er ja ein Freund von Dir. Er kam dreimal vorbei und jedes Mal hat er einen Brief geschrieben und ihn unter den Scheibenwischer geklemmt.“ Ein Blick auf die Frontscheibe und es wurde offensichtlich, dass die drei netten „Briefe“, die er für mich hinterlassen hatte, sich als … Strafzettel entpuppten!

Diese Geschichte vergesse ich nie, denn sie demonstriert die Arglosigkeit der Huichol-Indianer und ganz besonders die von Don José. Er hatte in seinem ganzen Leben noch nie einen Strafzettel bekommen; er war auch noch nie selbst Auto gefahren. Humor hat für die Huichol-Indianer einen sehr hohen Stellenwert in ihrem alltäglichen Leben und sogar bei ihren heiligen Zeremonien. Sie sind immer zu Scherzen aufgelegt. Viele ihrer heiligen Hirschtanz-Zeremonien dauern die ganze Nacht und werden begleitet von heiligen Liedern und traditionellen Gesängen. In den Pausen dazwischen werden Geschichten und Witze erzählt und es wird viel gelacht. Stress existiert hier einfach nicht.

Lachen: Marks Mittel gegen Perfektionismus

Lachen Sie Ihre Probleme einfach weg: In unseren modernen Ohren könnte dieser extrem simple Rat mitunter zynisch klingen. Doch mir persönlich hat das Lachen sehr dabei geholfen, meine unrealistische Vorstellung zu korrigieren, dass beim Training immer alles perfekt laufen müsste. Brant hat eine Reihe unterschiedlicher Verletzungen geheilt, die ich mir im Laufe meiner Karriere als Triathlet zugezogen hatte. Und ohne seine heilenden Kräfte hätte ich an den letzten drei Ironman-Weltmeisterschaften nicht teilnehmen können. Doch damit ich den Weltmeistertitel holen konnte, war die Heilung meiner Seele genauso wichtig wie die Heilung meines Körpers. Meine Seele wurde durch das Lachen und Scherzen geheilt, das Brant durch seine Lebenseinstellung vermittelt. Es half mir dabei, die extrem harten Phasen in meinem Training durchzustehen, die alles andere als reibungslos liefen. Ich wollte unbedingt, dass einfach alles absolut perfekt ist, doch das war es natürlich nicht. Durch sein Lachen hat er mich gelehrt, diese Augenblicke nicht so ernst zu nehmen.

Und genau diese Fröhlichkeit ist für mich und meine Trainingspartner unverzichtbar geworden. Wenn wir uns alle gut fühlten, haben wir darüber gelacht. Wenn sich einer von uns nicht gut fühlte, die anderen aber gut, haben wir noch mehr gelacht. Und wenn wir uns allesamt miserabel gefühlt haben, haben wir uns krumm und buckelig gelacht. Selbstverständlich wollen wir uns beim Training immer tausendprozentig fit fühlen, aber die Realität sieht eben anders aus. Deshalb durften wir uns auch nicht länger auf etwas konzentrieren, was mit Sicherheit zu noch mehr Stress geführt hätte; wir mussten unseren Blick stattdessen einfach auf etwas Schönes und Erfreuliches richten – auf Lachen zum Beispiel.

Haben Sie schon jemals bemerkt, dass ein Mensch, wenn er glücklich ist und lacht, förmlich durch seine Seele von innen hell erstrahlt. Das ist die natürliche Schönheitsbehandlung für Körper und Seele. Lachen vertreibt Stress und befreit den Geist. Die Huichol-Indianer nutzen das Lachen in ihrem täglichen Leben immer wieder, um sich von Gefühlen wie Angst und Niedergeschlagenheit zu befreien; sie wenden ihren Blick ab von Dingen, die Stress auslösen und konzentrieren sich stattdessen auf Dinge, die Hoffnung geben. Selbst in unserer modernen Gesellschaft wird Lachen als medizinische Therapie anerkannt. Sie kennen das doch aus eigener Erfahrung: Wenn Sie jemanden besuchen, der traurig ist und sie können ihn zum Lachen bringen, dann geht es ihm gleich viel besser. Lachen ist also eine einfache, aber sehr wirkungsvolle natürliche Methode zur Bewältigung von emotionalem Stress.


Gewinnen Sie Klarheit durch die spirituelle Kraft des Hirsches. Eine andere Methode, wie Sie emotionalen Stress bekämpfen können, besteht darin, dass Sie mit jenem Teil Ihres Ichs in Verbindung treten, in dem die Liebe wohnt – mit Ihrem Herzen. Bei den Huichol-Indianern ist die spirituelle Kraft des Hirsches das Sinnbild für Sanftmut, Reinheit und Klarheit. Nach ihrer Überzeugung ist der Hirsch ein Teil unseres höheren Selbst, das heißt, von jenem Teil in Ihnen, der bereits alles weiß und von Natur aus nicht nur intuitiv mit jeder Zelle Ihres Körpers verbunden ist, sondern letzten Endes auch mit dem gesamten Universum und allem Leben auf dieser Erde. Der Hirsch hilft Ihnen dabei, Ausgeglichenheit, Heilung und Wohlbefinden zu erlangen. Der Hirsch ist die höhere spirituelle Kraft Ihres Ichs. Die starke aber sanftmütige spirituelle Kraft des Hirsches bildet Ihre innere Mitte und kann Ihnen Lösungswege aufzeigen, wie Sie emotionalen Stress bewältigen können.

ÜBUNG Bitten Sie die spirituelle Kraft des Hirsches um Hilfe

Suchen Sie sich zuerst einen angenehmen Platz zum Sitzen oder Stehen, damit Sie mit dieser Übung beginnen können. Stellen Sie sich nun einen Hirsch vor, der von einem Kreis umgeben ist und lassen Sie dieses Bild in Ihr Bewusstsein dringen. Während dieser Übung sollten Sie versuchen, einen inneren Frieden zu spüren, denn es ist Ihr höchstes Streben, sich mit Ihrer Welt oder mit Ihrer Umgebung in Frieden und Harmonie zu befinden. Diese Vorgehensweise ist ganz ähnlich wie bei der Meditation, bei der man mithilfe der Vorstellungskraft sein eigenes Bild von Frieden entwickelt. Wenn Sie mit Ihrem eigenen Geist die Rätsel des Lebens nicht zu lösen vermögen, bitten Sie den Hirsch, Ihr Ratgeber zu sein. Denn die Huichol-Indianer bitten die spirituelle Kraft des Hirsches immer um Hilfe, wenn sie schwierige Situationen in ihrem Leben meistern müssen. Rufen Sie laut: „Hilf mir, Du spirituelle Kraft des Hirsches, Du Wesen des Hirsches, Du mein höheres Selbst! Hilf mir, an meiner Vision von Ausgeglichenheit und Harmonie festzuhalten. Hilf mir, an meiner Vision von einem gesunden Körper und einer gesunden Seele festzuhalten. Lass mich nicht scheitern. Gib mir die Kraft, stark zu sein wie ein Baum, der hoch in den Himmel wächst.“ Sie können dieses Gebet entweder laut sprechen oder es still in Gedanken nachsprechen. Auch die Huichol-Indianer sind mitunter schüchtern und tun manche Dinge gern im Stillen. Fühlen Sie sich als Brücke zwischen den Welten von Himmel und Erde, als Brücke zwischen Ihrer inneren Welt und Ihrer äußeren Umgebung. Konzentrieren Sie sich auf diese Realität und denken Sie daran, dass Ihr Leben etwas Heiliges ist. Sie sind Teil von etwas Wunderbarem. Lassen Sie den Stress los und füllen Sie Ihr Herz mit Schönheit, Kraft und Freude. Denken Sie an ein wunderschönes Naturschauspiel und stellen Sie sich vor, wie es Ihren Körper durchströmt, ihn nährt und stärkt. Spüren Sie die starke spirituelle Kraft, die von dieser Veränderung ausgeht und spüren Sie auch die Freude, die sich in Ihnen ausbreitet und auf diese Weise Ihre aufrichtigen und von Herzen kommenden Bemühungen belohnt.