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Lieblingsplätze

zum Entdecken

Das Beste südlich von München

Schetar / Köthe / Ulrich / Bovers / Bräu / Schoenwald

Inhalt

Impressum

Oberland

1  Ansicht und Aussicht

Bismarckturm in Berg-Assenhausen

2  Gemischte Gefühle

Gaststätte Fischmeister in Ambach

3  Münchens liebste Badewanne

Erholungsgebiet Münsing am Starnberger See

4  Spaziergang durch die Geschichte des Isartals

Burg Grünwald

5  Kunst, Kunsthandwerk und ein sächsischer Querschädel

Buchheim Museum der Phantasie in Bernried

6  Wo die ›liab woanatn Frau‹ an den See getragen wird

Bernried

7  Wo sich ›Möwe‹ und ›Adler‹ Gedichte schrieben

Roseninsel bei Feldafing

8  Regionale Genüsse im Naturschutzgebiet

Maisinger Seehof in Maising

9  Auf Kufen durch die Moorlandschaft

Maisinger See im Winter

10  Moorseen, Nackerte und Spareribs

Fohnsee – Osterseen

11  Wallfahrt mit Bier

Kloster Andechs

12  Königlicher Breitopf

Kupfermuseum in Fischen

13  Ich hab’ dein Knie geseh’n

Strandbad Utting

14  Schiefer Markt und Linksverkehr

Altstadt von Landsberg am Lech

15  Flößergeschichten und Tapas

Am Lech in Landsberg am Lech

16  Mississippi-Feelin’

Raddampfer am Ammersee

17  Ein Schloss, ein Enthusiast und viele Orgeln

Kultur- und Orgelzentrum in Valley

18  Outlaws im Oberland

Jennerwein-Grab in Schliersee

19  Vom Skistar zum Traditionsbewahrer

Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Schliersee

20  Steile Berge, müde Ritter

Burgruine Hohenwaldeck über dem Schliersee

21  Der schönste Sundowner am Tegernsee

Sassa Bar im Leeberghof am Tegernsee

22  Der Überführer, die Wallberghex’ und der Kini

Ruderbootfähre Halbinsel Point am Tegernsee

23  Wilder Strand am Nordseerand

Strandbad Kaltenbrunn am Tegernsee

24  Winteridyll mit Kurpotenzial

Wildbad Kreuth

25  And the winner is …

Gmunder Papierwelt

26  Dunkles Moorwasser vor lichter Bergkulisse

Kirchsee in Sachsenkam

27Heilkräuter und Hexenkunst

Kräuter-Erlebnis-Park in Bad Heilbrunn

28  Dirndl im Archiv

Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern

29  Tarzan und Jane im Oberland

Moorerlebnispfad bei Benediktbeuern

Pfaffenwinkel

30  Sagenumwobener Aussichtsberg mit reicher Geschichte

Bernbeuren – Auerberg

31  Am Wasser entlang, der Geschichte auf der Spur

Schwabsoien – Mühlendorf

32  Ein Moment der Stille im UNESCO-Weltkulturerbe

Steingaden – Wieskirche

33  Liebling, ich geh’ jetzt zum Bierbrauen!

Altenstadt – Maxbrauerei

34  Dämonen und Heilige

Bad Bayersoien – Johannifeuer

35  Von den Vorzügen des schwarzen Schlamms

Bad Bayersoien – Moor

36  Ein hoch gelegener Grenzort mitten im Pfaffenwinkel

Hoher Peißenberg

37  Entspannung ist reiner Eibennutz

Paterzell – Naturschutzgebiet Eibenwald

38  Glück mit der Pechkohle

Peißenberg – Bergbaumuseum

39  Der wahrscheinlich schönste Schutthügel der Republik

Peißenberg – Neue Bergehalde

40  Tor zu einer anderen, ruhigeren Welt

Kloster Wessobrunn

41  Spaziergang durch das Künstlerdorf am See

Dießen am Ammersee – der alte Ort

42  Kirchweihmontägliches Anbandeln, ganz im Sinne der Tradition

Raisting – Betteltanz

43  Auch im Hochsommer kühlen Kopf bewahren

Oberhausener Badeweiher

44  Leidenschaften, Kunst und bayerische Tradition

Klosterhof Polling

45  Auf des Dichters Spuren um Polling herum

Polling – Doktor-Faustus-Weg

46  Zwischen Stadtpark und naturbelassenem Auwald

Weilheim – Au

47  Weilheims Wohnzimmer für Musiker und Fans

Weilheim – Greither 9

48  Die Wanne der Weilheimer

Weilheim – Dietlhofer See

49  Bayerischer Blues, Jazz und viel Nostalgie

Huglfing – Waldstraße 4

50  Ein Platz für andächtige Momente oder ein Ort zum Gruseln?

Haunshofen – Hardtkapelle

51  Ein runder See und ein legendenumranktes Schloss

Haarsee und Schloss Hirschberg

52  Wilde Wasser, abenteuerliche Ansichten und ein Wasserhaus

Pähler Schlucht

53  Zeitreise ins Südbayern vor über 100 Jahren

Freilichtmuseum Glentleiten bei Großweil

54  Das Schloss, die Bierprinzessin und weiße Hirsche

Schloss und Schlosspark Höhenried

55  Einmalig in Bayern: Das etwas andere Speed-Dating

Antdorf – Mailauf

56  Badefreuden mitten im Naturschutzgebiet

Osterseen bei Iffeldorf

57  Ein Kern der Arbeiterstadt

Penzberg – Islamisches Forum und Stadtmitte

58  Nichts gegen Schuhe, aber …

Penzberg – Barfußpfad bei Gut Hub

Chiemgau

59  Großer Wurf auf engem Raum

Herreninsel – Altes Schloss

60  Nur stehen bleiben und schauen

Fraueninsel – Pollfischer

61  Der Hindu im Nonnenkloster

Ayurveda Kochschule Nicky Sabnis

62  Sie nannten ihn den Farbenfürsten

Übersee – Exterhaus

63  Heiliger Lack ohne Kaufzwang

Bernau – Classiccars

64  Der Scherben-Kare und sein Bedaium

Seebruck – Römermuseum

65  Wenn die Segler vom Wasser gehen, kommen wir

Übersee – Kitesurfer

66  An Michaeli ist Grassau Marktführer

Chiemgaumarkt Grassau

67  Das große Votivbild und die kleine Maus

Raiten – Wallfahrtskirche

68  Ein Tag am Chiemgauer Yukon

Tiroler Ache

69  Chiemgau-Mythos Müllner-Peter

Sachrang

70  Nahui, in Gott’s Nam’!

Rosenheim – Innmuseum

71  Das Chiemgauer Hoftheater

Riedering – Himmegugga

72  Zweimal Sperrsitz bitte!

Bad Endorf – Marias Kino

73  Altbayerische Heimatpflege ganz privat

Pittenhart – Hilgerhof

74  Mit den Klöstern fing alles an

Kloster Seeon

75  Wer bei der Schwaigerin einkehrt, hat Zeit

Alzfähre beim Roiter

76  Heinz von Stein und sein langes Leben

Schloss Stein an der Traun

77  »Für fünf Mark können Sie es haben«

Schloss Pertenstein

78  Knall und Fall aus heiterem Himmel?

Tüttensee

79  Wer lebte zur Steinzeit im Chiemgau?

Siegsdorf – Mammut-Museum

80  Kuhglocken heißen eigentlich Schellen

Ruhpolding – Glockenschmiede

81  Das Heilige Grab auf dem Dachboden

Reit im Winkl – Sakrales Museum

82  Die Wagners und ihr Zimmermann

Wagneralm (1.018 Meter)

83  Mein ganz persönlicher Hausberg

Hochplatte (1.587 Meter)

84  Ganz ohne Spektakel

Schreckalm (1.403 Meter)

85  Musikantentreffen unterm Gipfel

Bründlingalm (1.161 Meter)

86  Das blaue Auge des Chiemgaus

Taubensee (1.138 Meter)

Werdenfelser Land

87  Durch sanfte Eiszeithügel streifen

Krün – Buckelwiesen

88  Wo die Murmeltiere baden

Soiernhaus und Soiernsee

89  Alter Kitsch und neue Kunst

Krün – Atelier Bernhard Rieger

90  Musikalisch wässriger Bummel

Mittenwald – Obermarkt und Gries

91  Auf der richtigen Saite

Mittenwald – Geigenbaumuseum

92  Durchs Moos in die Berge

B 2 zwischen Murnau und Eschenlohe

93  Sagenhafte Mauern

Burgruine Werdenfels

94  Erhabene Ruhe

Friedhof Grainau

95  Auf der Suche nach der bronzenen Unterwasserschönheit

Baderseenixe

96  Im Bummelmodus Richtung Gipfel

Fahrt mit der Zugspitzbahn

97  Top of the Rocks und Schindelhütte

Münchner Haus Zugspitze

98  Sakrales Kleinod aus Burgenstein

Alte Kirche Garmisch

99  Baumrund mit Sicht auf die feine Welt

Kastanie am Mohrenplatz

100  Handgerahmte Popart im Bavarian Style

Art Galerie

101  Kultur im Grünen ohne Ende

Michael-Ende-Kurpark

102  Jeden Abend eine Bühne

Kleines Theater

103  Das höchste Bankerl

Königsstand

104  Olympische Geschichte und edles Plumpsklo

Bobschuppen am Riessersee

105  Früher Ski übt sich

Sonnenaufgang an den Bernadein

106  Da stehen, wo andere fliegen

Schanzentisch der Skisprungschanze

107  Ratschkattlzentrum in Altpartenkirchen

Rund um den Floriansbrunnen

108  Fresken für die Großen, Spieluhr für die Kleinen

Sebastianskircherl

109  Geschichte vom Keller bis zum Speicher

Werdenfels Museum

110  Der sportliche, galaktische Prominententisch

Fraundorfer

111  Die Noten der Alpen

Richard-Strauss-Institut

112  Liebe zum und im kühlen Nass

Kainzenbad

113  Einkehren am reißenden Fluss

Pitzner Hütte – Partnachklamm

114  Mexiko im Ammergau

Oberammergau – Bar und Restaurant El Puente

115  Zur Geisterstunde dem Kini begegnen

Linderhof bei Nacht

Karte

Bildnachweis

Oberland

Daniela Schetar und Friedrich Köthe

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1  Ansicht und Aussicht

Bismarckturm in Berg-Assenhausen

Da sage noch einmal jemand, Bayern sei Preußen gegenüber voreingenommen. Reichskanzler Bismarck zumindest haben die Münchner mit einem Bauwerk am Starnberger See geehrt. Na gut – es war nicht der einzige Bismarckturm, der zwischen 1869 und 1934 errichtet wurde, doch sicherlich eines der monumentalsten und schönsten unter den 240 auf der ganzen Welt verteilten Denkmälern. Am Geburtstag des Reichsgründers und -kanzlers sowie an jedem 2. September (an dem 1871 die französischen Truppen kapitulierten), loderten auf den Türmen des Nachts riesige Feuer, und mit den Flammen stiegen patriotische Lieder aus Studentenkehlen feierlich-getragen in den Himmel.

Wenn man heute an einem sonnigen Tag auf die Rottmannshöhe kommt, ist von nationaler Beseeltheit wenig zu spüren. Holzbänke stehen am Rande der weiten Lichtung mit Blick auf den See. Bienen summen über die Wiesen, Starnberger führen ihre Hunde Gassi, und ab und an radeln Ausflügler zufällig vorbei, gucken verdutzt, steigen ab und erklimmen eine der Treppen hoch zur Wandelhalle.

Dort unter den Gewölben ist man der Geschichte ganz nah. Inschriften und Wappen, nackter, grauer Stein – Vaterland: ›Nord und Sued auf ewig eins / Ausgeloescht die Grenz’ des Mains‹. Kein Geringerer als der Münchner Malerfürst Franz von Lenbach hatte die Idee für den Turm. 190.000 Mark Spendengelder waren verbaut, als am 1. Juli 1899 die Eröffnungsfeier stattfand, der zweitteuerste Bismarckturm überhaupt. Und die Feuerschale oben? Nebbich! Da haut ein kupferner Adler ganz programmatisch seine Krallen in die Welten­kugel. Man hatte sich bewusst gegen eine Feuereinrichtung entschieden, und auf eine Aussichtsplattform, wie sie es bei vielen anderen Türmen gab, wurde ebenso verzichtet. Bismarck hat von den Münchnern einen reinen Ehrentempel erhalten.

Tipp: Nach 200 Meter Fußweg Richtung Südosten erreicht man die idyllisch im Wald versteckte Bismarck-Quelle – ein Trinkwasserbrunnen der Stadt München von 1899.

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Bismarckturm /// Rottmannshöhe ///
82335 Berg-Assenhausen ///

2  Gemischte Gefühle

Gaststätte Fischmeister in Ambach

Ruhig und gemütlich ist es im Biergarten des Fischmeisters. Die Zahl der Gäste überschaubar, der Verkehr auf der Anliegern vorbehaltenen Ortsdurchfahrt erträglich und die frisch gezapfte Radlerhalbe süffig. Nichts erinnert an die hippe Zeit Ambachs und des Fischmeisters, jene literarisch kreativen 1980er-Jahre, in denen Michael Krüger (Autor und Hanser-Verleger), Tilman Spengler (Autor und Sinologe), Tankred Dorst (Autor) und Patrick Süskind (Autor) neben anderen rund um und in der Gemeinde Ambach lebten und regelmäßig im Fischmeister einkehrten, wo der müde Geist bei Weißbier und bayerischer Kost wieder zu Kräften fand. Damals pilgerte ganz München zum Fischmeister, um das geballte Aufgebot an Intellektuellen zu bestaunen. Einen Platz in dem schönen Biergarten zu ergattern, war wie ein Dreier im Lotto.

Der Paparazzi-Effekt ist verblasst; die meisten Promis wohnen inzwischen woanders. Wen man hier gelegentlich noch antreffen kann, ist der Sepp Bierbichler, Schauspieler-Gigant und Spross der Bierbichler-Familie, der in Ambach seit Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur der Fischmeister, sondern auch Landwirtschaft gehört. In den bewegten Zeiten, die Herbert Achternbusch als ›Ambacher Exil‹ beschrieb, waren Bierbichler und Achternbusch der Drehpunkt der Ambacher Künstlerkolonie.

Wir können uns nicht recht vorstellen, wie viel explosive Kreativität hinter den heute so spießigen Ambacher Hecken und Gartenzäunen brodelte. Wir verstehen außerdem nicht, warum diese Zusammenballung ausgerechnet Ambach getroffen hat. Doch eigentlich wollen wir gar nicht weiter darüber nachdenken, im Garten vom Fischmeister, mit Radler und unverstelltem Blick auf den See, an dem es übrigens einen eigenen Badeplatz für die Gäste der Gaststätte gibt. So ein wundervoll friedlicher Platz, trotz der aufregenden Geschichte!

Tipp: Wenige Schritte vom Fischmeister, hinter einem ungarisch anmutenden, bunt bemalten Tor, lebte von 1918 – 1952 Waldemar Bonsels, der Erfinder der Biene Maja.

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Der Landesteg der Seenschifffahrt führt weit auf den
Starnberger See hinaus.

 

Fischmeister /// Seeuferstraße 31 /// 82541 Ambach ///
0 81 77 / 5 33 /// www.zumfischmeister.com ///

3  Münchens liebste Badewanne

Erholungsgebiet Münsing am Starnberger See

Starnbergern oder anderen Anrainern des Sees wird man im Erholungsgebiet Münsing (oder Ambach, wie es ebenfalls heißt) mit ziemlicher Sicherheit nicht begegnen. Dafür treffen wir regelmäßig Münchner Nachbarn, ehemalige Studienkollegen, die mittlerweile eine Familie gegründet haben, oder aber den Lateinlehrer aus Gymnasiumszeiten. Kurz und gut: Das 37 Hektar große Areal am Südostufer des Starnberger Sees ist vor allem bei Münchnern beliebt, insbesondere bei Familien, denn das Ufer fällt hier so sanft ab, dass man Kleinkinder unbesorgt planschen lassen kann.

Wir kommen ein-, zweimal im Jahr nach Münsing, und das aus nostalgischen Gründen. Zwei Generationen lang haben wir hier den Sommer verbracht: zuerst mit unseren Eltern, die sich wie gesagt um die planschenden Kinder nicht sorgen wollten, und dann, 20 Jahre später mit unserer Tochter, die man ebenfalls kaum beaufsichtigen musste. Die einzige Gefahr bestand und besteht darin, dass man seinen Sprössling aus den Augen verliert, denn das Gebiet ist riesig und die Besuchermassen unüberschaubar. Besonders an den Wochenenden ziehen nicht enden wollende Karawanen von Sonnenhungrigen mit Sack und Pack, Kind und Kegel, Luftmatratze und Gummiboot vom 2.600 Fahrzeuge fassenden Parkplatz an den See.

Warum man sich als Münchner Eltern dieser Karawane anschließt? Das Erholungsgebiet ist immer noch leerer als die Münchner Freibäder. Und es gibt keine Stechattacken durch Mücken oder Bremsen, die in großer Zahl die Ufer der kleinen Moorseen bevölkern. Außerdem ist der Blick über den See auf die Zwiebelkappe der Klosterkirche von Bernried gegenüber einfach schön. Und zur Belohnung für An- und Abfahrt, Stehen im Stau und Ringen um einen Platz dürfen wir nach dem Baden bei Fischer Sebald (s. S. 25) vorbeischauen und eine ungemein leckere Saiblingssemmel verzehren.

Tipp: Ein behindertengerechter Zugang ins Wasser findet sich im nördlichen Teil des Erholungsgebiets. Unter der Woche ist es deutlich leerer und sehr angenehm!

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Anfahrt zum Erholungsgebiet ab München mit der S 7

bis Wolfratshausen und Bus 373 oder auf der A 95

bis Ausfahrt Seeshaupt.

4  Spaziergang durch
die Geschichte des Isartals

Burg Grünwald

Ja so warn’s, ja so warn’s, ja so warn’s die alten Rittersleut … von der Burg Grünwald erfuhren wir erstmals aus dem Radio, in dem Karl Valentins Lied von den Grünwalder Rittern in den 1960er-Jahren tagein, tagaus gespielt wurde. Als Kinder fanden wir es sehr lustig, obwohl wir den Großteil der derben Witze und Sprüche nicht verstanden, aber den Refrain, den konnte man so wunderbar mitsingen. Als wir die Burg dann erstmals sahen, war die Enttäuschung groß. Keine Ritter weit und breit, keine Spur von Turnieren oder Gelagen, dafür schlichte Mauern und archäologische Exponate, die uns nichts sagten.

Bis heute ist die Burg Grünwald eine eher unbekannte Attraktion im Isartal. Sie ist das Symbol für die Besiedelung des südlichen Münchner Raums, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Bereits um 1000 v. Chr. haben Menschen am östlichen Hochufer der Isar gelebt, und das spätkaiserliche Rom unterhielt nur zwei Kilometer flussaufwärts eine Wachstation, die den Isarüber­gang der Straße von Salzburg nach Augsburg sicherte. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte die Grünwalder Burg den Wittelsbachern, die ihren Festungscharakter wahrten, sie aber zugleich als Jagdschloss nutzten. Im 17. Jahrhundert begann ihr Niedergang: Sie wurde als Pulvermagazin und Gefängnis zweckentfremdet. 1977 verhinderte eine Bürgerinitiative den Umbau zu Eigentumswohnungen. Heute dient sie als Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung. Die sehenswerte und völlig neu konzipierte Ausstellung dokumentiert vorrangig die Geschichte der Burg.

Mittelalterliche Architektur und Atmosphäre hat die Burg sich bewahrt, und wenn wir ihren Großen Turm besteigen, breitet sich vor unseren Augen, wie früher vor denen der alten Rittersleut, ein grandioser Blick ins Isartal aus. Nur schade, dass Burg und Turm in den Wintermonaten wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sind.

 

Tipp: Der Burg gegenüber auf der anderen Seite der Isar empfehlen wir Ihnen die Einkehr beim ›Brückenwirt‹ mit über hundertjähriger gastronomischer Tradition.

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Burg Grünwald /// Zeillerstraße 3 ///

82031 Grünwald /// 0 89 / 6 41 32 18 ///

www.archaeologie-bayern.de ///

 

Nach Besichtigung der Burg, empfiehlt sich ein Besuch beim

Brückenwirt /// An der Grünwalder Brücke 1 ///

82049 Pullach /// 0 89 / 7 93 01 67 /// www.brueckenwirt.de ///

5  Kunst, Kunsthandwerk
und ein sächsischer Querschädel

Buchheim Museum der Phantasie in Bernried

Wie ein gestrandeter Dampfer liegt das Museum am Seeufer bei Bernried: warmes Holz, kühle Glasfronten, buddhistische Gebetsfahnen in den Bäumen, zwei Holzgiraffen, ein Autowrack im Gras – Autowrack? Kann der gemeinsame Nenner von Gebetsfahnen, Holzgiraffen und dem Autowrack Kunst sein? Auf jeden Fall Phantasie! Die besaß Lothar-Günther Buchheim in ähnlichem Übermaß wie Dickköpfigkeit. Viele Jahre kämpfte er mit sich selbst, der Gemeinde Feld­afing, dem bayerischen Staat und der Kunstszene um sein Projekt, bis sich 2001 endlich die Tore zu einem der ungewöhnlichsten und spektakulärsten Museen Deutschlands, dem Museum der Phantasie, öffneten.

Buchheim, 1918 in Weimar geboren und 2007 am Starnberger See gestorben, fing beizeiten an, expressionistische Kunst zu sammeln. Berühmter wurde er allerdings als Schriftsteller: In dem 1973 erschienenen, autobiografisch gefärbten Roman ›Das Boot‹ verarbeitete er seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter auf einem U-Boot im Zweiten Weltkrieg. Im Laufe seines langen Lebens betätigte sich der vielseitig interessierte Buchheim erfolgreich als Verleger, Fotograf, Maler und immer wieder als Sammler. Zu den expressionistischen Werken kamen Volkskunst, Ethnografica, Blechspielzeug und Glaskunst, um nur einige Beispiele zu nennen. Schließlich wollte er seine umfangreichen Bestände irgendwo präsentiert sehen. Nicht nach Genres geordnet, sondern als Einheit.

Jeden Besuch empfinden wir auch als eine Art Rundgang durch einen vielseitigen, wahrscheinlich ebenso genialen wie cholerischen Kopf, der nicht zu Unrecht als ›Querschädel‹ tituliert wurde. Übrigens wie so oft im Bairischen eine eher achtungs- und liebevoll gemeinte Beschimpfung!

Tipp: Das Museum ist von Starnberg aus auch mit dem Museumsschiff ›Phantasie‹ erreichbar – eine sehr empfehlenswerte und wundervoll poetische Annäherung!

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Siegrifed Ulmer verwandelte Lothar-Günther Buchheims
alten BMW in ein Kunstobjekt.

 

Buchheim Museum der Phantasie /// Am Hirschgarten 1 ///
82347 Bernried /// 0 81 58 / 99 70 20 /// www.buchheimmuseum.de ///

6  Wo die ›liab woanatn Frau‹
an den See getragen wird

Bernried

Das ganze Dorf ist in das Licht flackernder Kerzen getaucht, wenn die Prozession an Mariä Himmelfahrt nach feierlichem Gottesdienst die Pfarrkirche verlässt und hinunter zum See zieht. Ihr Ziel ist ein weißes Kapellchen in der Klostermauer, die Kapelle ›Zur liab woanatn Frau‹. In ihr befindet sich eine Pietà, der Sage nach in einer Sturmnacht angeschwemmt. Ein Wunder für die Bernrieder, die das alte Gnadenbild der Kirche durch dieses neue ersetzten. Die alte Madonna sollte Platz in der extra dafür errichteten Seekapelle finden. Doch am nächsten Morgen war die alte zurück in der Kirche, die neue am See. Die Gemeinde versuchte es mehrmals, bis die neue Maria zu weinen begann, und beließ die ›lieb weinende Frau‹ schließlich am See.

Wenn es ein Paradebeispiel für ein intaktes Ortsbild gibt am Starnberger See, ist das Bernried. Die 2.300-Seelen-Gemeinde hat 2007 sogar den Wettbewerb als schönstes Dorf Bayerns gewonnen. Vor allem entlang des Hopfgartens, des Kirchwegs und der Dorfstraße stehen wunderbare Bauernhäuser, teils aus dem 17. Jahrhundert! Von den Holzbalkonen ergießen sich Geranien- und Petunienkaskaden, und in den Vorgärten blühen Sommerblumen. Erstaunlich, dass die Gentrifizierung des Starnberger Sees, die mit Villenbauten Ende des 19. Jahrhunderts weiter nördlich in Tutzing ihren Anfang nahm, Bernried zumindest architektonisch kaum berührte. Vielleicht ist das auch dem Gnadenbild zu danken, dessen Verehrung die Menschen in Glauben und Traditionalismus eint.

Von Bernried spazieren wir gern unter hundertjährigen Eichen nach Süden durch den Bernrieder Park, den Münchens Obergärtner Carl von Effner Mitte des 19. Jahrhunderts anlegte. Die zweite Besitzerin übereignete den Park einer Stiftung und der Öffentlichkeit. Da hatte das Gnadenbild sicherlich ebenfalls seine Finger im Spiel!

Tipp: Werfen Sie einen Blick in die ländliche Hofmarkskirche Mariä Himmelfahrt. Den Altar der Gruftkapelle schmückt eine wunderbare gotische Pietà.

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Besuchen Sie die Pfarrkirche St. Martin in Bernried mit ihrem
sehenswerten gotischen Flügelaltar.

7  Wo sich ›Möwe‹ und ›Adler‹
Gedichte schrieben

Roseninsel bei Feldafing

Fährmann Norbert Pohlus hat seine historische Plätte gegen ein Boot mit Elektromotor getauscht. Das ist verständlich, denn die Roseninsel, zu der er vom Westufer übersetzt, hat sich im Lauf der letzten zehn Jahre zu einem der meistbesuchten Ziele am Starnberger See entwickelt, und das Staken im Akkord zwischen Ufer und Insel wäre kaum zu bewältigen. Seit den 1990er-Jahren hat ein Förderkreis die einst heruntergekommene Insel zusammen mit der Bayerischen Schlösserverwaltung wieder hergerichtet: Verwilderte Wiesen wichen einem im Oval gepflanzten Rosengarten; am ›Casino‹ genannten königlichen Sommerhaus traten pompejanisch anmutende Fresken zutage; und in einem Kästchen im Wohnraum entdeckten Restauratoren eine Schublade, zu der nur zwei Personen einen Schlüssel besessen haben sollen: Märchen-Kini Ludwig II. und seine Cousine Sisi, die Kaiserin von Österreich.

Maximilian II. hatte das Eiland um 1850 mit Sommerhaus und Rosenrondell schmücken lassen. Für seinen Sohn Ludwig II., der häufig in Schloss Berg am Ostufer weilte, war die Insel ein Rückzugsort. Und auch Sisi, die vom wenige Kilometer entfernten Schloss Possenhofen stammte, kam gerne auf die Insel. Wenn sich die beiden nicht persönlich treffen konnten, schrieben sie sich Briefe und Gedichte und hinterlegten sie in jenem Kästchen. Sisi erfand das Inkognito ›Möwe‹ für sich, die unstet durch Europa Reisende, und ›Adler‹ für Ludwig, der sich am liebsten in die Einsamkeit seiner Bergschlösser zurückzog. Dass über die heimlichen Stelldicheins getratscht wurde, versteht sich von selbst.

Die Insel ist ein wahres Kleinod, vor allem zurzeit der Rosenblüte zwischen Juni und September. Wir besuchen sie aber nicht allein wegen ihrer Schönheit, sondern auch, weil man hier schon mal ins Wasser springen darf. Haben Ludwig und Sisi das vielleicht ebenfalls gemacht? Wer weiß?

Tipp: Seit 2012 gehören die bei niedrigem Wasserstand gut erkennbaren Überreste bronzezeitlicher Pfahlbauten rund um die Roseninsel zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Roseninsel /// Wittelsbacher Park 1 /// 82340 Feldafing ///
www.schloesser.bayern.de ///

 

Weitere Informationen zur ganzjährig zugänglichen Roseninsel
erhalten Sie bei der Bayerischen Schlösserverwaltung /
Außenstelle /// Starnberger See, Nepomukweg 4 ///
82319 Starnberg /// 0 81 51 / 5 50 73 00 ///

8  Regionale Genüsse im Naturschutzgebiet

Maisinger Seehof in Maising

Wenn eine Gastwirtschaft so nahe an einem See (und dessen einzigem Badeplatz) liegt, kann sie eigentlich nur gewinnen. Wenige Schritte sind es vom Strand zum Gasthaus, das bodenständige Küche wie Wurstsalat, Schweinsbratwürstel und Reiberdatschi auf der Speisekarte führt. Biertische und Bänke des Maisinger Seehofs sind immer gut besetzt. An warmen Sommertagen ist es oft schwer, einen Platz zu ergattern.

See und Haus gehen auf eine Initiative des Dießener Klosters Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges hungerten die Menschen; die Mönche ließen deshalb einen Weiher aufstauen und setzten Karpfen sowie Schleien ein, die regelmäßig abgefischt als Proteinlieferanten für die umliegenden Dörfer dienten. Noch bis vor wenigen Jahren wurde der See – mittlerweile durch Verlandung viel kleiner geworden und zudem unter Naturschutz gestellt – einmal im Jahr abgelassen, um einen Teil der Fische zu entnehmen. Inzwischen passiert das nur noch selten, wenngleich Maisinger Karpfen als Delikatesse gelten.

Den aus dem ehemaligen Weiherhaus entstandenen Maisinger Seehof gibt es seit 1950. Die Wirtsfamilie legt großen Wert auf authentische Küche aus regionalen Produkten; Fertiggerichte aus industrieller Produktion, die leider bei vielen Ausflugsgaststätten die eigene kulinarische Kreativität ersetzen, werden den Gästen hier nicht vorgesetzt. Auch beim Bier und bei nicht alkoholischen Getränken bevorzugt der Wirt regionale Anbieter. So ist zwar nicht alles öko, dafür aber nachhaltig.

Wir kommen gern am späten Nachmittag hierher, machen einen eineinhalbstündigen Spaziergang um den See und spähen im moorigen Uferbereich nach seltenen Wasservögeln. Danach bestellen wir auf der Seehof-Terrasse die berühmte Seehof-Currywurst, trinken dazu ein Andechser Spezial und genießen den Sonnenuntergang.

Tipp: Schattige Wanderung durch die Maisinger Schlucht: vom Bahnhof Starnberg in Richtung Söcking und Maisinger Schluchtweg zum See (zwölf Kilometer).

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Maisinger Seehof /// Seestrasse 14 /// 82343 Maising ///
0 81 51 / 74 42 42 /// www.maisingerseehof.de ///

9  Auf Kufen durch die Moorlandschaft

Maisinger See im Winter

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