Über das Buch

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und sehnt sich verzweifelt danach, »gesehen« zu werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den Girls. Junge Frauen, die nicht von dieser Welt scheinen. Ihr lautes, freies Lachen. Das Haar lang und ungekämmt, die ausgefransten Kleider. Evie gerät in den Bann der älteren Suzanne und folgt ihr auf die Ranch tief in den Hügeln, fernab von ihrer eigenen Welt, in den Kreis um Russell – ein Typ wie Charles Manson. Weihrauch und Gitarrenklänge. Gerüchte von Sex und wilden Partys, einzelne, die von zu Hause ausgerissen sind. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben für immer zerstören könnte

EMMA CLINE

The Girls

Roman

Aus dem Englischen
von Nikolaus Stingl

Carl Hanser Verlag

Die englische Originalausgabe erschien 2016
unter dem Titel The Girls bei Random House in New York.

ISBN 978-3-446-25404-6

© Emma Cline 2016

Alle Rechte der deutschen Ausgabe

© Carl Hanser Verlag München 2016

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München

Foto: © Lothar Schmid/Madame Figaro/laif

Motiv: IMG/Inga Eiriksdottir

Satz: Satz für Satz, Wangen im Allgäu

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Dass ich aufsah, lag an dem Gelächter, dass ich weiter hinsah, an den Mädchen.

Als Erstes fielen mir ihre Haare auf, die lang und ungekämmt waren. Dann ihr Schmuck, in dem sich das Sonnenlicht fing. Die drei waren so weit weg, dass ich nur die Konturen ihrer Gesichter erkennen konnte, aber das spielte keine Rolle – ich wusste, dass sie anders waren als alle anderen im Park. Familien, die in ungleichmäßiger Schlange vor der geöffneten Imbissbude anstanden und auf Würstchen und Burger warteten. Frauen in karierter Bluse, die sich an den Freund schmiegten, Kinder, die mit Eukalyptussamen nach den wild aussehenden Hühnern warfen, die auf dem Rasenstreifen wimmelten. Diese langhaarigen Mädchen schienen über allem zu schweben, was um sie herum geschah, tragisch und abgehoben. Wie Fürstinnen im Exil.

Ich musterte die Mädchen mit schamlosem, unverhohlenem Glotzen: dass sie hersahen und mich bemerkten, schien unmöglich. Der Hamburger auf meinem Schoß war vergessen, vom Fluss wehte ein leicht stinkender Hauch herüber. Ich war in einem Alter, in dem ich andere Mädchen sofort taxierte und ständig Buch darüber führte, woran es mir fehlte, und ich sah auf Anhieb, dass die Schwarzhaarige die Hübscheste war. Damit hatte ich gerechnet, noch bevor ich ihre Gesichter hatte erkennen können. Etwas von einer anderen Welt umgab sie, ein schmutziges Kittelkleid bedeckte kaum ihren Hintern. Flankiert wurde sie von einem mageren Rotschopf und einem älteren Mädchen, die beide mit der gleichen schäbigen Beiläufigkeit gekleidet waren. Wie aus einem See gezogen. Alle ihre billigen Ringe wie zusätzliche Fingerknöchel. Sie bewegten sich in einem unbehaglichen Grenzbereich zwischen Schönheit und Hässlichkeit, und ein Schauer gesteigerter Aufmerksamkeit folgte ihnen durch den Park. Mütter schauten sich nach ihren Kindern um, bewogen von einem Gefühl, das sie nicht benennen konnten. Frauen griffen nach der Hand ihres Freundes. Die Sonne stach durch die Bäume wie immer – verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende, heiße Wind –, aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.

ERSTER
TEIL

Der Anfang: Der Ford rollt die schmale Auffahrt entlang in der vom süßen Summen des Geißblatts verdichteten Augustluft. Die Mädchen auf dem Rücksitz halten Händchen, die Wagenfenster sind heruntergekurbelt, um den Nachtduft hereinzulassen. Das Radio läuft, bis der Fahrer, plötzlich nervös geworden, es ausschaltet.

Sie überklettern das Tor, das noch die Lichtergirlanden von Weihnachten trägt. Treffen als Erstes auf die dumpfe Stille des Hausmeister-Cottage; der Hausmeister hält auf dem Sofa ein Abendnickerchen, die bloßen Füße wie Brotlaibe nebeneinandergestellt. Im Bad seine Freundin, die sich die blässlichen Halbmonde des Lidschattens abwischt.

Dann das Haupthaus, wo sie die Frau erschrecken, die im Gästezimmer liest. Das auf dem Nachttisch zitternde Glas Wasser, die klamme Baumwolle ihrer Unterhose. Neben ihr der fünfjährige Sohn, der, Unsinn murmelnd, gegen den Schlaf ankämpft.

Sie scheuchen alle ins Wohnzimmer. Der Augenblick, in dem die verängstigten Menschen die schöne Alltäglichkeit ihres Lebens begreifen – den morgendlichen Schluck Orangensaft, sich auf dem Fahrrad in die Kurve legen –, ist schon vorbei. Ihre Gesichter verändern sich, als öffnete sich eine Blende; das Entsperren hinter den Augen.

Ich hatte mir diese Nacht so oft vorgestellt. Die dunkle Bergstraße, das sonnenlose Meer. Eine auf dem nächtlichen Rasen hingestreckte Frau. Und obwohl die Einzelheiten im Lauf der Jahre verblasst waren, eine zweite und dritte Haut bekommen hatten, war es mein erster Gedanke, als ich gegen Mitternacht das Schloss aufschnappen hörte.

Der Fremde an der Tür.

Ich wartete darauf, dass das Geräusch seinen Ursprung preisgab. Ein Jugendlicher aus der Nachbarschaft, der eine Mülltonne auf den Bürgersteig schmettert. Ein Reh, das durchs Unterholz bricht. Mehr konnte es nicht sein, sagte ich mir, dieses ferne Klappern am anderen Ende des Hauses, und ich versuchte mir auszumalen, wie harmlos der Bereich bei Tag wieder anmuten würde, wie ruhig und außerhalb jeder Gefahr.

Aber der Lärm ging weiter und drängte sich schroff ins wirkliche Leben. Nun war im anderen Zimmer Gelächter zu hören. Stimmen. Das Zischen der Kühlschranktür. Ich fischte nach Erklärungen, blieb aber immer wieder am schlimmsten Gedanken hängen. So also würde es nach allem enden. Gefangen in einem Haus, das nicht mir gehörte. Unter den Gegebenheiten und Gewohnheiten eines anderen Lebens. Meine nackten, mit Krampfadern bekritzelten Beine – wie schwach ich wirken würde, wenn sie mich holen kämen, eine Frau mittleren Alters, die sich zu verkriechen versuchte.

Ich lag im Bett und atmete flach, während ich auf die geschlossene Tür starrte. Beim Warten auf die Eindringlinge nahmen die Schrecken, die ich mir vorstellte, menschliche Gestalt an und bevölkerten das Zimmer – Heldentaten würde es keine geben, so viel begriff ich. Bloß das dumpfe Grauen, die körperlichen Schmerzen, die durchlitten werden mussten. Ich würde nicht versuchen davonzulaufen.

Ich stand erst aus dem Bett auf, als ich das Mädchen hörte. Ihre Stimme war hoch und arglos. Obwohl das eigentlich nicht hätte beruhigend wirken dürfen – Suzanne und die anderen waren auch Mädchen gewesen, und geholfen hatte das niemandem.

Ich wohnte in einem geliehenen Haus. Vor dem Fenster die dunkle, kompakte kalifornische Zypresse, das Zwicken der Salzluft. Ich aß auf die gleiche einfallslose Weise wie schon als Kind – ein Klumpen Spaghetti, mit Käse bestreut. Das nichtssagende Prickeln von Mineralwasser in der Kehle. Einmal die Woche goss ich Dans Pflanzen, indem ich jede in die Badewanne beförderte und Wasser aus dem Hahn in den Topf laufen ließ, bis die Erde vor Nässe blubberte. Mehr als einmal hatte ich mit einem Häuflein toter Blätter in der Wanne geduscht.

Was vom Erbe übriggeblieben war, das meine Großmutter mit ihren Filmen verdient hatte – den auf Zelluloid gebannten Stunden, in denen sie ihr falkenartiges Lächeln zeigte, ihren sorgfältig frisierten Lockenkopf –, hatte ich vor zehn Jahren aufgebraucht. Ich hielt mich gerne in den Zwischenräumen im Dasein anderer Menschen, in deren Haus ich als Hilfe wohnte. Kultivierte eine vornehme Unsichtbarkeit in geschlechtslosen Kleidern, mein Gesicht verschleiert vom anmutigen, vieldeutigen Ausdruck einer Gartendekoration. Das Anmutige war wichtig, der Zaubertrick der Unsichtbarkeit nur möglich, wenn sie der korrekten Ordnung der Dinge zu entsprechen schien. Als wäre sie etwas, was auch ich wollte. Meine Schützlinge waren unterschiedlich. Ein Kind mit besonderen Bedürfnissen, das sich vor Steckdosen und Verkehrsampeln fürchtete. Eine ältere Frau, die sich Talkshows ansah, während ich eine Untertasse voll Tabletten abzählte, die blassrosa Kapseln wie feine Süßigkeiten.

Als mein letzter Job endete und sich kein anderer ergab, bot mir Dan sein Ferienhaus an – die besorgte Geste eines alten Freundes –, als täte ich ihm damit einen Gefallen. Das Oberlicht erfüllte die Zimmer mit der diffusen Trübheit eines Aquariums, das Balkenwerk quoll auf in der Feuchtigkeit. Als ob das Haus atmete.

Der Strand war nicht beliebt. Zu kalt, keine Austern. Die einspurige Straße durch das Städtchen war von Wohnwagen gesäumt, deren Stellplätze sich wuchernd ausbreiteten – knatternde Windrädchen, Veranden, übersät mit gebleichten Bojen und Rettungsringen, der Dekoration bescheidener Menschen. Manchmal rauchte ich ein wenig von dem pelzigen, kräftigen Marihuana meines früheren Vermieters und ging dann zum Laden im Städtchen. Eine Aufgabe, die ich bewältigen konnte, so klar umrissen wie das Geschirr zu spülen. Es war entweder schmutzig oder sauber, und ich begrüßte solche binären Verhältnisse, die Art, wie sie einem Tag Halt gaben.

Draußen sah ich kaum jemanden. Die einzigen Teenager im Städtchen schienen sich auf grausig provinzielle Arten selbst umzubringen. Ich hörte von Unfällen mit ihren Pick-ups um zwei Uhr morgens, von dem Übernachtungsgast im Wohnmobil in der Garage, der eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitt, von dem toten Quarterback. Ich wusste nicht, ob das ein Problem war, das sich aus dem Landleben ergab, aus dem Übermaß an Zeit und Langeweile und Campingfahrzeugen, oder ob es an etwas spezifisch Kalifornischem lag, an einer Körnung des Lichts, die zu Risiken und dummen, kinohaften Stunts anstachelte.

Im Ozean war ich überhaupt noch nicht gewesen. Eine Kellnerin im Café sagte mir, das sei eine Brutstätte weißer Haie.

Im hellen Schein der Küchenlampen blickten sie auf wie Waschbären, die man im Abfall ertappt. Das Mädchen kreischte. Der Junge richtete sich zu seiner vollen, schlaksigen Größe auf. Sie waren nur zu zweit. Mein Herz hämmerte heftig, aber sie waren so jung – Einheimische vermutlich, die in Ferienhäuser einbrachen. Ich würde nicht sterben.

»Ich glaub, ich spinne.« Der Junge stellte seine Bierflasche ab, das Mädchen klammerte sich an ihn. Der Junge sah aus wie zwanzig oder so und trug Cargoshorts. Strahlend weiße Socken, rosige Akne unter einem Anflug von Bart. Das Mädchen dagegen war bloß ein junges Ding. Fünfzehn, sechzehn, die blassen Beine bläulich angelaufen.

Den Saum meines T-Shirts über meine Oberschenkel zerrend, versuchte ich, so viel Autorität wie möglich aufzubringen. Als ich sagte, ich würde die Cops rufen, schnaubte der Junge.

»Nur zu.« Er zog das Mädchen enger an sich. »Rufen Sie die Cops. Wissen Sie was?« Er zückte sein Handy. »Scheiß drauf, ich ruf sie selber an.«

Der Klumpen aus Angst in meiner Brust löste sich plötzlich auf.

»Julian?«

Mir war nach Lachen zumute – als ich ihn zuletzt gesehen hatte, war er dreizehn gewesen, mager und unfertig. Dans und Allisons einziger Sohn. Hysterisch umsorgt, zu Cellowettbewerben überall im Westen der Vereinigten Staaten gekarrt. Ein Chinesischlehrer jeden Dienstag, Vollkornbrot und Vitamingummis, elterliche Schutzwälle gegen das Versagen. Das alles war verpufft, und er war an der California State University in Long Beach oder Irvine gelandet. Dort hatte es irgendwelche Probleme gegeben, soweit ich mich erinnerte. Relegation oder eine mildere Version davon, die Empfehlung, ein Jahr auf dem Junior College zu verbringen. Julian war ein schüchterner, empfindlicher Junge gewesen, der vor Autoradios und ungewohntem Essen zurückschreckte. Jetzt hatte er harte Kanten, unter seinem Hemd krochen Tätowierungen hervor. Er erinnerte sich nicht an mich, und warum sollte er auch? Als Frau befand ich mich außerhalb des Radius seiner erotischen Interessen.

»Ich wohne hier für ein paar Wochen«, sagte ich, war mir dabei meiner entblößten Beine bewusst und schämte mich für das Melodrama, die Erwähnung der Polizei. »Ich bin mit deinem Dad befreundet.«

Ich konnte sehen, dass er sich Mühe gab, mich unterzubringen, mit Bedeutung zu unterlegen.

»Evie«, sagte ich.

Noch immer nichts.

»Ich habe in der Wohnung in Berkeley gewohnt – beim Haus deines Cellolehrers?« Manchmal waren Dan und Julian nach seinem Unterricht zu mir gekommen. Julian hatte gierig Milch getrunken und mit roboterhaften Tritten meine Tischbeine zerschrammt.

»Ach du Scheiße«, sagt Julian. »Ja.« Ich konnte nicht sagen, ob er sich tatsächlich an mich erinnerte oder ob ich bloß genügend beruhigende Details heraufbeschworen hatte.

Das Mädchen wandte sich Julian zu, ihr Gesicht so blank wie ein Löffel.

»Alles in Ordnung, Baby«, sagte er und küsste sie auf die Stirn – seine Sanftheit kam unerwartet.

Julian lächelte mich an, und mir ging auf, dass er betrunken war, vielleicht auch bloß stoned. Sein Gesicht war verschmiert, seine Haut hatte etwas ungesund Feuchtes, aber seine großbürgerliche Erziehung schaltete sich ein wie eine Muttersprache.

»Das ist Sasha«, sagte er und stupste das Mädchen an.

»Hi«, piepste sie, unbehaglich. Ich hatte diesen dümmlichen Wesenszug von Mädchen im Teenageralter vergessen: Der Wunsch nach Liebe war ihrem Gesicht so unmittelbar anzumerken, dass es mir peinlich war.

»Und Sasha«, sagte Julian, »das ist –«

Julians Augen hatten Mühe, sich auf mich zu fokussieren.

»Evie«, erinnerte ich ihn.

»Genau«, sagt er, »Evie. Mann.«

Er trank von seinem Bier, das grelle Licht fing sich in der bernsteinfarbenen Flasche. Er starrte an mir vorbei. Besah sich die Möbel und den Inhalt der Bücherregale, als wäre das mein Haus und er der Außenstehende. »Gott, Sie müssen gedacht haben, wir brechen irgendwie ein oder so.«

»Ich habe gedacht, ihr seid von hier.«

»Hier ist mal eingebrochen worden«, sagt Julian. »Als ich noch ein Kind war. Wir waren nicht da. Sie haben bloß unsere Neoprenanzüge und einen Haufen Abalone aus dem Gefrierschrank geklaut.« Er nahm noch einen Schluck.

Sasha hielt den Blick auf Julian gerichtet. Sie trug abgeschnittene Jeans, die für das kalte Küstenklima völlig ungeeignet waren, und ein übergroßes Sweatshirt, das wohl ihm gehörte. Die Ärmel wie angenagt und feucht. Ihr Make-up sah schrecklich aus, war aber wohl eher symbolisch. Ich merkte, dass mein Blick sie nervös machte. Ich verstand ihre Sorge. Ich selbst war in diesem Alter unsicher, wie ich mich bewegen sollte, ob ich zu schnell ging, ob andere mir das Unbehagen und die Steifheit ansehen konnten. Als ob alle ständig meine Leistung beurteilten und sie mangelhaft fänden. Mir kam der Gedanke, dass Sasha sehr jung war. Zu jung, um mit Julian hier zu sein. Sie schien zu wissen, was ich dachte, und starrte mich mit überraschendem Trotz an.

»Tut mir leid, dass dein Dad dir nicht erzählt hat, dass ich hier bin«, sagte ich. »Ich kann im anderen Zimmer schlafen, wenn ihr das größere Bett wollt. Oder wenn ihr allein sein wollt, dann finde ich eine –«

»Nee«, sagte Julian. »Sasha und ich können überall schlafen, stimmt’s, Baby? Und wir sind sowieso nur auf der Durchreise. Auf dem Weg nach Norden. Eine Grasfuhre«, sagte er. »Ich mache die Fahrt von L.A. nach Humboldt mindestens einmal im Monat.«

Mir kam der Gedanke, dass Julian dachte, das würde mich beeindrucken.

»Ich verkauf es nicht oder so«, ruderte er gleich wieder zurück. »Ich transportiere es bloß. Man braucht bloß ein paar Watershed-Taschen und einen Polizei-Scanner.«

Sasha machte ein besorgtes Gesicht. Würde ich ihnen Schwierigkeiten machen?

»Woher kennen Sie nochmal meinen Dad?«, fragte Julian. Trank seine Flasche leer und machte noch eine auf. Sie hatten ein paar Sixpacks mitgebracht. Die anderen Vorräte, soweit sichtbar: Studentenfutter. Eine ungeöffnete Packung Fruchtgummis, das schale Geknitter einer Fastfood-Tüte.

»Wir haben uns in L.A. kennengelernt«, sagte ich. »Wir haben eine Zeitlang zusammengelebt.«

Dan und ich hatten uns Ende der Siebziger eine Wohnung in Venice Beach geteilt, Venice mit seinen Dritte-Welt-Gassen und Palmen, die im warmen Nachtwind gegen die Fenster schlugen. Ich lebte vom Filmgeld meiner Großmutter, während ich auf meine Pflegezulassung hinarbeitete. Dan versuchte, Schauspieler zu werden. Es wurde nie etwas für ihn, das mit der Schauspielerei. Stattdessen hatte er eine Frau mit etwas Familienvermögen geheiratet und eine Firma für vegetarische Tiefkühlkost gegründet. Jetzt besaß er in Pacific Heights ein Haus aus der Zeit vor dem Erdbeben.

»Ach, Moment mal, seine Freundin aus Venice?« Julian wirkte plötzlich entgegenkommender. »Wie heißen Sie gleich nochmal?«

»Evie Boyd«, sagte ich, und der Ausdruck, der plötzlich in sein Gesicht trat, überraschte mich: zum Teil Wiedererkennen, aber auch echtes Interesse.

»Moment mal«, sagte er. Er nahm den Arm von den Schultern des Mädchens, und sie wirkte, als fühlte sie sich von ihm verlassen. »Die sind Sie?«

Vielleicht hatte Dan ihm erzählt, wie schlecht es für mich gelaufen war. Der Gedanke war mir peinlich, und ich fasste mir unwillkürlich ins Gesicht. Eine alte, beschämende Gewohnheit aus meiner Jugend, die Art, wie ich einen Pickel zu verdecken pflegte. Eine beiläufige Hand am Kinn, ein Herumnesteln am Mund. Als ob das nicht erst recht die Aufmerksamkeit darauf lenkte und es noch schlimmer machte.

Jetzt war Julian ganz aus dem Häuschen. »Sie war bei dieser Sekte«, sagte er zu dem Mädchen. »Das stimmt doch?«, sagte er, an mich gewandt.

Eine Höhle von Angst öffnete sich in meinem Bauch. Julian sah mich weiter an, sein Blick scharf vor Erwartung. Sein Atem säuerlich und abgerissen.

Ich war in jenem Sommer vierzehn gewesen. Suzanne neunzehn. Es gab ein bestimmtes Räucherwerk, das die Gruppe manchmal verbrannte und das uns benommen und nachgiebig machte. Suzanne, die laut aus einer alten Ausgabe des Playboy vorlas. Die obszönen, leuchtenden Polaroids, die wir beiseiteschafften und wie Baseballkarten tauschten.

Ich wusste, wie leicht es passieren konnte, dass die Vergangenheit sich einstellte wie die unwillkürliche kognitive Fehlleistung bei einer optischen Illusion. Die Stimmung eines Tages in Verbindung mit einem ganz bestimmten Gegenstand: das Chiffontuch meiner Mutter, die Feuchtigkeit eines angeschnittenen Kürbisses. Bestimmte Schattenmuster. Sogar ein Lichtreflex auf der Motorhaube eines weißen Wagens konnte einen flüchtigen Schauer in mir auslösen, der einen schmalen Raum der Rückkehr ermöglichte. Ich hatte mitbekommen, dass sich alte Yardley-Lippenstifte – die Schminke bloß noch ein wächsernes Gekrümel – im Internet für fast hundert Dollar verkauften. Damit erwachsene Frauen ihn wieder riechen konnten, diesen chemischen, blumigen Mief. So dringend wollten die Leute das – wissen, dass ihr Leben tatsächlich passiert war, dass der Mensch, der sie einmal gewesen waren, noch immer in ihnen existierte.

Es gab so vieles, was mich wieder zurückversetzte. Der intensive Geschmack von Soja, verqualmte Haare, die grasigen Hügel, die im Juni erblondeten. Eine bestimmte Anordnung von Eichen und Felsblöcken konnte, aus dem Augenwinkel gesehen, etwas in meiner Brust aufknacken, sodass meine Handflächen vor Adrenalin plötzlich feucht wurden.

Ich rechnete bei Julian mit Abscheu, vielleicht sogar Angst. Das war die logische Reaktion. Doch mich verwirrte die Art, wie er mich ansah. Mit so etwas wie Ehrfurcht.

Sein Vater musste ihm davon erzählt haben. Von dem Sommer in dem verfallenden Haus, den sonnenverbrannten Kleinkindern. Als ich es Dan zum ersten Mal zu erzählen versucht hatte, in der Nacht eines partiellen Stromausfalls in Venice, der eine von Kerzen erleuchtete, apokalyptische Intimität heraufbeschwor, war er in Gelächter ausgebrochen. Hatte das Senken meiner Stimme fälschlich für einen komischen Effekt gehalten. Selbst nachdem ich ihn überzeugt hatte, dass ich die Wahrheit sagte, sprach er im gleichen parodistischen Blödelton von der Ranch. Wie von einem Horrorfilm mit missglückten Spezialeffekten, bei dem das Galgenmikrofon ins Bild rutscht und die Schlächterei zur Komödie gerät. Und es war eine Erleichterung, meine Distanz zu übertreiben, meine Beteiligung in das ordentliche Paket des Anekdotischen zu sortieren.

Es half, dass ich in den meisten Büchern nicht vorkam. Nicht in den Paperbacks mit bluttriefendem Titel und den Hochglanzseiten mit Tatortfotos. Nicht in dem weniger populären, aber faktentreueren Wälzer, den der leitende Staatsanwalt verfasst hatte und dessen widerwärtige Detailversessenheit bis zu den unverdauten Spaghetti reichte, die man im Magen des kleinen Jungen gefunden hatte. Die paar Zeilen, die mich dann doch erwähnten, waren im vergriffenen Buch eines ehemaligen Dichters versteckt, und er hatte meinen Namen falsch verstanden und keinerlei Verbindung zu meiner Großmutter hergestellt. Derselbe Dichter behauptete außerdem, die CIA produziere Pornofilme mit einer unter Drogen stehenden Marilyn Monroe in der Hauptrolle und diese würden an Politiker und ausländische Staatsoberhäupter verkauft.

»Das ist schon lange her«, sagte ich zu Sasha, aber ihr Gesicht war ausdruckslos.

»Trotzdem«, sagte Julian, fröhlicher werdend. »Ich fand es immer schön. Krank, aber schön«, sagte er. »Ein richtig kaputter Ausdruck, aber trotzdem ein Ausdruck, versteht ihr? Ein künstlerischer Impuls. Um zu schaffen, muss man zerstören, dieser ganze Hindu-Scheiß.«

Ich sah ihm an, dass er meine Bestürzung als Zustimmung deutete.

»Gott, ich kann mir das nicht mal vorstellen«, sagte Julian. »Bei sowas tatsächlich dabei zu sein.«

Er wartete auf meine Reaktion. Ich war ganz benommen von der aggressiven Küchenbeleuchtung: Merkten sie denn nicht, dass es viel zu hell war? Ich fragte mich, ob das Mädchen überhaupt schön war. Ihre Zähne hatten einen Stich ins Gelbliche.

Julian stupste sie mit dem Ellbogen an. »Sasha weiß noch nicht mal, wovon wir reden.«

Fast jeder kannte mindestens eine der grausigen Einzelheiten. Manchmal verkleideten sich Collegestudenten an Halloween als Russell, die Hände mit Ketchup verschmiert, den sie aus der Mensa geklaut hatten. Eine Black-Metal-Band hatte das Herz auf einem Plattencover verwendet, das gleiche ungelenke Herz, das Suzanne an Mitchs Wand gemalt hatte. Mit dem Blut der Frau. Aber Sasha schien noch so jung – warum sollte sie je davon gehört haben? Warum sollte sie sich dafür interessieren? Sie war in jenem tiefen, sicheren Gefühl befangen, dass es jenseits ihrer eigenen Erfahrung nichts gab. Als könnte sich alles nur in eine Richtung entwickeln und die Jahre führten durch einen Korridor zu dem Zimmer, in dem das unvermeidliche Selbst wartete – noch unentwickelt, bereit, offenbart zu werden. Wie traurig es war, sich klarzumachen, dass man manchmal nie dorthinkam. Das man manchmal sein ganzes Leben lang nur über die Oberfläche schlitterte, während die Jahre verstrichen, unerfüllt.

Julian strich Sasha über die Haare. »Das war ein Riesending damals. Hippies haben draußen in Marin diese Leute gekillt.«

Die Hitze in seinem Gesicht war vertraut. Der gleiche Furor wie bei den Leuten, die die Onlineforen bevölkerten, ein Furor, der niemals zu erlahmen oder zu erlöschen schien. Sie rangelten um Eigentümerschaft, machten sich den gleichen wissenden Ton zu eigen, eine Tünche von Wissenschaftlichkeit, die das im Grunde Voyeuristische ihres Interesses bemäntelte. Wonach suchten sie unter all den Banalitäten? Als ob das Wetter an jenem Tag eine Rolle spielte. Jedes Fitzelchen schien wichtig zu sein, wenn man lange genug darüber nachdachte: der Sender, auf den das Radio in Mitchs Küche eingestellt war, Anzahl und Tiefe der Stichwunden. Wie die Schatten an diesem ganz bestimmten Tag während der Fahrt auf dieser ganz bestimmten Straße geflackert haben könnten.

»Ich habe nur ein paar Monate lang mit ihnen rumgehangen«, sagte ich. »Mehr war da nicht.«

Julian wirkte enttäuscht. Ich stellte mir die Frau vor, die er sah, wenn er mich ansah: ihre ungepflegten Haare, die bekümmerten Kommata um ihre Augen.

»Aber es stimmt«, sagte ich, »ich war oft dort.«

Mit dieser Antwort rückte ich geradewegs wieder in sein Interesse.

Und so ließ ich den Augenblick verstreichen.

Ich sagte ihm nicht, dass ich wünschte, ich hätte Suzanne nie kennengelernt. Dass ich wünschte, ich wäre wohlbehalten in meinem Zimmer in den trockenen Hügeln bei Petaluma geblieben, wo sich die Goldfolienrücken meiner Lieblingskinderbücher auf den Regalen drängten. Und das wünschte ich ja auch wirklich. Aber manchmal konnte ich nachts nicht schlafen und schälte an der Spüle langsam einen Apfel, ließ den Kringel unter dem Schimmer des Messers länger werden. Das Haus um mich herum dunkel. Manchmal fühlte es sich nicht wie Bedauern an. Sondern wie Vermissen.

Julian scheuchte Sasha wie ein friedlicher junger Ziegenhirte in das andere Schlafzimmer. Fragte, ob ich noch irgendetwas bräuchte, ehe er gute Nacht sagte. Ich war verblüfft – er erinnerte mich an die Jungs in der Schule, die auf Drogen höflicher wurden und bestens funktionierten. Nach dem Familienessen pflichtschuldig das Geschirr abwuschen, während sie auf Trip waren, gebannt vom psychedelischen Zauber des Spülmittels.

»Schlafen Sie gut«, sagte Julian mit einer kleinen Geisha-Verbeugung, bevor er die Tür schloss.

Die Laken auf meinem Bett waren zerwühlt, im Zimmer hing noch der Anflug von Angst. Wie albern ich mich angestellt hatte. Doch sogar das unerwartete Auftauchen harmloser anderer Menschen im Haus verstörte mich. Ich wollte nicht, dass meine innere Fäulnis zutage trat, auch nicht durch Zufall. In dieser Hinsicht war das Alleinleben beängstigend. Es gab niemanden, der diese Selbstpreisgabe im Zaum hielt, die Art, wie man seine primitiven Begierden offenbarte. Als umgäbe einen ein Kokon aus den eigenen nackten Neigungen, der sich nie zu den Mustern eines wirklichen menschlichen Lebens ordnete.

Ich war noch immer hellwach, und es kostete Mühe, mich zu entspannen, meinen Atem zu beruhigen. Im Haus war ich sicher, sagte ich mir, es ging mir gut. Plötzlich erschien mir die unbeholfene Begegnung lächerlich. Durch die dünne Wand hindurch konnte ich die Geräusche hören, mit denen Sasha und Julian sich im anderen Zimmer einrichteten. Das Knarren des Bodens, das Öffnen der Schranktüren. Wahrscheinlich bezogen sie die nackte Matratze. Schüttelten jahrelang angesammelten Staub ab. Ich stellte mir vor, wie Sasha die Familienfotos im Regal betrachtete, Julian als Kleinkind mit einem riesigen roten Telefon in den Händen. Julian mit elf oder zwölf auf einem Whale-Watching-Boot, das Gesicht salzgepeitscht und wundervoll. Wahrscheinlich projizierte sie all diese Unschuld und Lieblichkeit auf den fast erwachsenen Mann, der seine Shorts abstreifte und auf das Bett klopfte, damit sie sich neben ihn legte. Auf seinen Armen das Gekräusel der verblassten Überreste amateurhafter Tätowierungen.

Ich hörte das Ächzen der Matratze.

Dass sie vögelten, wunderte mich nicht. Aber dann war da Sashas Stimme, die wie in einem Porno wimmerte. Hoch und schrill. Wussten sie nicht, dass ich gleich nebenan war? Ich drehte mich mit dem Rücken zur Wand und machte die Augen zu.

Julian knurrte.

»Bist du eine Fotze?«, sagte er. Das Kopfteil rumste gegen die Wand.

»Bist du eine?«

Später dachte ich, Julian muss gewusst haben, dass ich alles hören konnte.

1969

1

Es war das Ende der Sechziger oder der Sommer vor dem Ende, und so kam es einem auch vor, wie ein endloser, formloser Sommer. Haight Ashbury bevölkert mit weißgewandeten Mitgliedern der Process Church, die ihre hafergelben Pamphlete verteilten, der an den Straßenrändern blühende Jasmin in jenem Jahr besonders duftend und voll. Jedermann war gesund, braungebrannt und schwer mit Schmuck behängt, und wenn nicht, dann war das auch schon was – man konnte irgendein Mondwesen mit Chiffon über den Lampenschirmen sein, bei einer Kitchari-Entgiftung, von der sämtliches Geschirr gelbe Kurkumaflecken bekam.

Aber das alles passierte woanders, nicht in Petaluma mit seinen flachen Walmdach-Ranchhäusern und dem für alle Zeiten vor dem Hi-Ho Restaurant geparkten Planwagen. Den von der Sonne ausgebleichten Zebrastreifen. Ich war vierzehn, sah aber viel jünger aus. Das sagten die Leute gerne zu mir. Connie schwor, ich könnte für sechzehn durchgehen, aber wir erzählten einander viele Lügen. Wir waren seit der Junior High befreundet, Connie wartete geduldig wie eine Kuh vor den Klassenzimmern auf mich, und all unsere Energie floss in die Theatralik der Freundschaft. Sie war pummelig, zog sich aber nicht entsprechend an, sondern trug bauchfreie Baumwollshirts mit mexikanischer Stickerei und zu enge Röcke, die böse Striemen auf ihren Oberschenkeln hinterließen. Ich hatte sie immer auf eine Weise gemocht, über die ich so wenig nachdenken musste wie über das Vorhandensein meiner eigenen Hände.

Im September würde ich auf dasselbe Internat geschickt werden, auf dem schon meine Mutter gewesen war. Man hatte um einen alten Konvent in Monterey einen gepflegten Campus erbaut, mit weichen, sanft abfallenden Rasenflächen. Morgens Nebelfetzen, leichte Prisen vom nahegelegenen Salzwasser. Es war eine reine Mädchenschule, und ich würde eine Uniform tragen müssen – Schuhe mit flachen Absätzen und kein Make-up, Matrosenbluse mit dunkelblauer Krawatte. Eigentlich war es ein Aufbewahrungsort, umschlossen von einer Steinmauer und bevölkert von ausdruckslosen, mondgesichtigen Töchtern. Camp Fire Girls und künftige Lehrerinnen, dorthin verfrachtet, damit sie 160 Wörter pro Minute in Kurzschrift lernten. Damit sie sich verträumte, überhitzte Versprechen gaben, einander bei Hochzeiten im Royal Hawaiian Hotel als Brautjungfer zur Verfügung zu stehen.

Mein bevorstehender Weggang zwang meiner Freundschaft mit Connie eine neue, kritische Distanz auf. Mit einem Mal fielen mir fast gegen meinen Willen gewisse Dinge auf. Wie Connie sagte: »Am besten kommt man dadurch über jemanden hinweg, dass man unter jemand anderen kommt«, als wären wir Ladenmädchen in London anstatt unerfahrene Jugendliche im Agrargürtel von Sonoma County. Wir leckten an Batterien, um einen metallischen Schlag in der Zunge zu spüren, der angeblich ein Achtzehntel so stark war wie ein Orgasmus. Mich quälte die Vorstellung, wie unser Duo auf andere wirken musste, dass wir als die Sorte Mädchen abgestempelt wurden, die zueinander gehörten. Jene geschlechtslosen Paarbildungen an der Highschool.

Jeden Tag nach der Schule schalteten wir nahtlos in den gewohnten Gang der Nachmittage um. Vergeudeten die Stunden mit irgendeiner geschäftigen Aufgabe: Folgten Vidal Sassoons Vorschlägen für Smoothies aus rohen Eiern zur Kräftigung der Haare oder stocherten mit der Spitze einer sterilisierten Nähnadel an Mitessern herum. Das permanente Projekt unseres Mädchenselbst schien sonderbare und präzise Aufmerksamkeit zu verlangen.

Als Erwachsene wundere ich mich über die schiere Menge an Zeit, die ich damals vergeudet habe. Was man uns an Genüssen und Entbehrungen von der Welt zu erwarten lehrte, die Countdowns in Zeitschriften, die uns drängten, uns dreißig Tage im Voraus auf den ersten Schultag vorzubereiten.

28. Tag: Lege eine Gesichtsmaske aus Avocado und Honig auf.

14. Tag: Überprüfe, wie dein Make-up bei unterschiedlichem Licht (natürlich, künstlich, Dämmerung) wirkt.

Damals war ich ganz darauf gepolt, Aufmerksamkeit zu erregen, zupfte meinen Ausschnitt tiefer und legte mir jedes Mal, wenn ich in die Öffentlichkeit ging, einen sehnsuchtsvollen Gesichtsausdruck zurecht, der viele tiefgründige, verheißungsvolle Gedanken nahelegte, falls zufällig irgendwer hersah. Als Kind hatte ich einmal an einer Hundeausstellung zu wohltätigen Zwecken teilgenommen und an einer Leine einen hübschen Collie herumgeführt, der ein seidenes Tuch um den Hals trug. Wie mich die sanktionierte Darbietung begeistert hatte: Wie ich vor Fremde hintrat und sie den Hund bewundern ließ, mein Lächeln so nachsichtig und beharrlich wie das einer Verkäuferin, und wie leer ich mich gefühlt hatte, als es vorbei war und mich niemand mehr anzusehen brauchte.

Ich wartete darauf, dass jemand mir sagte, was gut an mir war. Später fragte ich mich, ob das der Grund dafür war, dass es auf der Ranch viel mehr Frauen als Männer gab. All die Zeit, die ich darauf verwendet hatte, mich vorzubereiten, die Artikel, die mich gelehrt hatten, dass das Leben eigentlich nur ein Wartezimmer war, bis einen jemand bemerkte – diese Zeit hatten die Jungs damit verbracht, sie selbst zu werden.

An jenem Tag im Park sah ich Suzanne und die anderen zum ersten Mal. Ich war mit dem Fahrrad hingefahren, hielt auf den Rauch zu, der vom Grill aufstieg. Außer dem Mann, der die Burger mit gelangweiltem, feuchtem Zischeln auf den Rost drückte, sprach niemand mit mir. Die Schatten der Eichen strichen über meine nackten Arme, mein Fahrrad lag umgekippt im Gras. Als ein älterer Junge mit Cowboyhut in mich hineinrannte, machte ich absichtlich langsamer, damit er noch einmal gegen mich stieß. Die Art von Anbändelei, wie Connie sie praktizieren könnte, routiniert wie eine militärische Übung.

»Was ist los mit dir?«, murmelte er. Ich setzte zu einer Entschuldigung an, aber der Junge entfernte sich bereits. Als wüsste er, dass er nicht hören musste, was auch immer ich sagen würde.

Vor mir klaffte der Sommer – das Einerlei der Tage, der Marsch der Stunden, meine Mutter, die wie eine Fremde im Haus herumtrödelte. Ich hatte ein paar Mal mit meinem Vater telefoniert. Für ihn schien es auch qualvoll gewesen zu sein. Er hatte mir merkwürdig förmliche Fragen gestellt, wie ein entfernter Onkel, der mich nur als eine Reihe von Fakten aus zweiter Hand kannte: Evie ist vierzehn, Evie ist klein. Das immer wieder auftretende Schweigen zwischen uns wäre besser gewesen, wenn es mit Traurigkeit oder Bedauern gefärbt gewesen wäre, aber es war noch schlimmer – ich konnte hören, wie froh er darüber war, fort zu sein.

Servietten über meine Knie gebreitet, saß ich allein auf einer Bank und aß meinen Hamburger.

Es war das erste Fleisch, das ich seit langer Zeit hatte. Jean, meine Mutter, hatte in den vier Monaten seit der Scheidung aufgehört, Fleisch zu essen. Sie hatte mit vielem aufgehört. Dahin war die Mutter, die dafür gesorgt hatte, dass ich mir regelmäßig neue Unterwäsche kaufte, die Mutter, die meine weißen Söckchen so liebevoll zusammengerollt hatte. Die für meine Puppen Pyjamas genäht hatte, die bis hin zu den Perlmuttknöpfen genau meinen eigenen entsprachen. Sie war bereit, sich ihrem eigenen Leben mit dem Eifer einer Schülerin zu widmen, die ein schwieriges Matheproblem zu lösen hat. In jeder freien Minute machte sie Dehnübungen. Hob sich auf die Zehen, um ihre Waden zu trainieren. Sie brannte Räucherwerk ab, das in Alufolie eingewickelt kam und von dem mir die Augen tränten. Sie begann einen neuen Tee zu trinken, der aus irgendeiner aromatischen Rinde bestand, und während sie daran nippte, schlurfte sie durchs Haus und fasste sich geistesabwesend an den Hals, als erholte sie sich von einer langen Krankheit.

Das Leiden war vage, das Heilverfahren jedoch konkret. Ihre neuen Freunde empfahlen Massagen. Sie empfahlen das Salzwasser in Floating-Tanks. Sie empfahlen E-Meter, Gestalttherapie, den ausschließlichen Verzehr von mineralreichen Nahrungsmitteln, die bei Vollmond angebaut worden waren. Ich konnte nicht fassen, dass meine Mutter ihren Rat befolgte, aber sie hörte auf jeden Einzelnen. Versessen auf ein Ziel, einen Plan, war sie der Überzeugung, dass die Antwort jederzeit aus jeder Richtung kommen konnte, wenn sie sich nur genügend anstrengte.

Sie suchte, bis nur noch das Suchen übrig war. Da war der Astrologe in Alameda, der sie damit zum Weinen brachte, dass er über den unheilvollen Schatten sprach, den ihr aufsteigendes Zeichen warf. Die Therapien, bei denen sie sich in einem gepolsterten Raum voller Fremder herumwerfen und -wirbeln musste, bis sie gegen etwas prallte. Sie kam mit diffusen Flecken auf der Haut nach Hause, Prellungen, die sich zu lebhafter Farbe vertieften. Ich sah, wie sie die Prellungen beinahe zärtlich berührte. Als sie aufblickte und sah, dass ich sie beobachtete, wurde sie rot. Ihr Haar war frisch gebleicht und stank nach Chemikalien und künstlichem Rosenduft.

»Gefällt es dir?«, sagte sie und strich mit den Fingern über die abgeschnittenen Spitzen.

Ich nickte, obwohl die Farbe ihre Haut wirken ließ, als wäre sie von Gelbsucht befallen.

Sie veränderte sich unentwegt, Tag für Tag. Kleinigkeiten. Sie kaufte von Frauen aus ihrer Selbsterfahrungsgruppe handgefertigte Ohrringe, und als sie zurückkam, baumelten primitive Holzklötzchen an ihren Ohren, und an ihren Handgelenken klingelten Emaillereifen in der Farbe von Pfefferminzkonfekt. Sie fing an, sich die Augen mit einem Eyeliner-Stift zu umranden, den sie über eine Feuerzeugflamme hielt. Drehte die Spitze hin und her, bis diese weich war und sie sich breite Lidstriche ziehen konnte, die sie schläfrig und ägyptisch aussehen ließen.

Bevor sie abends ausging, blieb sie in meiner Tür stehen, gekleidet in eine tomatenrote Bluse, die ihre Schultern frei ließ. Sie zog immerzu die Ärmel herunter. Ihre Schultern waren mit Glitzer gepudert.

»Soll ich dir auch die Augen machen, Liebes?«

Aber ich musste nirgendwo hin. Wen würde es schon interessieren, ob meine Augen größer oder blauer aussahen?

»Es könnte heute spät werden. Also schlaf gut.« Meine Mutter beugte sich vor, um mich auf den Scheitel zu küssen. »Wir haben es gut, stimmt’s? Wir beide?«

Sie tätschelte mich und lächelte, sodass ihr Gesicht Sprünge zu bekommen und den ganzen Ansturm ihrer Bedürftigkeit zu offenbaren schien. Einem Teil von mir ging es gut, oder ich verwechselte Vertrautheit mit Glück. Denn die gab es, selbst wenn es keine Liebe gab – das Netz der Familie, die Klarheit des Gewohnten, des Heims. Man verbrachte so unfassbar viel Zeit zu Hause, und das war vielleicht das Beste, was man kriegen konnte – dieses Gefühl von etwas hermetisch Geschlossenem, wie wenn man nach dem Anfang des Klebebandes knibbelt, ohne ihn je zu finden. Es gab keine Nähte, keine Unterbrechungen – bloß die Wahrzeichen des eigenen Lebens, die man so sehr verinnerlicht hatte, dass man sie nicht einmal mehr bemerkte. Der angestoßene Essteller mit dem Weidenmuster, den ich aus vergessenen Gründen favorisierte. Die Tapete im Flur, die ich so gut kannte, dass es einem anderen Menschen gar nicht mitzuteilen war – jedes verblassende Grüppchen pastellfarbener Palmen, der spezielle Charakter, den ich jedem blühenden Hibiskus zuschrieb.

Meine Mutter hörte auf, regelmäßige Mahlzeiten durchzusetzen, und stellte stattdessen ein Sieb mit Trauben in die Spüle oder brachte in Einweckgläsern mit Dill gewürzte Misosuppe aus ihrem makrobiotischen Kochkurs mit. Seetangsalate, die von Übelkeit erregendem, bernsteingelbem Öl troffen. »Iss das jeden Tag zum Frühstück«, sagte sie, »und du bekommst nie mehr einen Pickel.«

Ich zuckte zusammen und nahm die Finger von dem Pickel auf meiner Stirn.

Es hatten viele spätabendliche Planungssitzungen zwischen meiner Mutter und Sal stattgefunden, der Frau, die sie in der Gruppe kennengelernt hatte. Sal stand meiner Mutter unbegrenzt zur Verfügung und kam, nach Drama lechzend, zu den merkwürdigsten Zeiten zu uns. Trug Tuniken mit Mandarinkragen, ihr graues Haar so kurz geschnitten, dass man ihre Ohren sah, was sie wie einen ältlichen Jungen aussehen ließ. Meine Mutter sprach mit Sal über Bürstenmassage, über die Bewegung von Energien rings um Meridianpunkte. Über die Tabellen.

»Ich will mir einfach Zeit damit lassen«, sagte meine Mutter, »mich selbst wiederzufinden. Die verlangen so viel von einem, findest du nicht?«

Sal verlagerte ihr schweres Hinterteil und nickte. Pflichtbewusst wie ein aufgezäumtes Pony.

Meine Mutter und Sal tranken ihren holzigen Tee aus Schalen, eine neue Affektiertheit, die meine Mutter sich angeeignet hatte. »Das ist europäisch«, hatte sie sich verteidigt, dabei hatte ich gar nichts gesagt. Als ich durch die Küche ging, verstummten die beiden, aber meine Mutter legte den Kopf schräg. »Meine Kleine«, sagte sie und winkte mich näher. Sie kniff die Augen zusammen. »Teile deinen Pony von links. Das steht dir besser.«

Ich hatte mein Haar so gelegt, um den Pickel zu verdecken, der vom Herumdrücken entzündet war. Ich hatte ihn mit Vitamin-E-Öl bestrichen, konnte aber nicht aufhören, daran herumzumachen, und drückte Fitzel von Toilettenpapier darauf, um das Blut aufzusaugen.

Sal pflichtete bei. »Runde Gesichtsform«, sagte sie voller Autorität. »Vielleicht ist ein Pony überhaupt keine gute Idee für sie.«

Ich stellte mir vor, wie es sich anfühlen würde, Sal mitsamt ihrem Stuhl umzukippen, wie ihre Körpermasse sie geradewegs zu Boden werfen würde. Der Rindentee sich auf das Linoleum ergießen würde.

Sie verloren rasch das Interesse an mir. Wie der fassungslose Überlebende eines Autounfalls ließ meine Mutter abermals ihre vertraute Geschichte aufleben. Rollte die Schultern, wie um sich noch tiefer in ihrem Elend einzurichten.

»Und das Tollste daran«, fuhr meine Mutter fort, »was mich wirklich auf die Palme bringt?« Sie lächelte ihre eigenen Hände an. »Carl macht richtig Geld«, sagte sie. »Mit dieser Währungsmasche.« Sie lachte erneut. »Endlich. Es hat tatsächlich geklappt. Aber ihr Gehalt ist von meinem Geld bezahlt worden«, sagte sie. »Vom Filmgeld meiner Mutter. Ausgegeben für dieses Mädchen.«

Meine Mutter sprach von Tamar, der Assistentin, die mein Vater für seine jüngsten Geschäfte eingestellt hatte. Es hatte irgendwas mit Währungsumtausch zu tun. Damit, ausländisches Geld zu kaufen und es hin und her zu tauschen, es so oft zu wechseln, dass einem, wie mein Vater beharrlich behauptete, zwangsläufig ein Reingewinn blieb, ein Taschenspielertrick in großem Maßstab. Dafür waren die französischen Sprachlernkassetten in seinem Wagen gewesen: Er hatte versucht, einen Handel mit Francs und Lire voranzutreiben.

Jetzt lebte er mit Tamar in Palo Alto zusammen. Ich war ihr nur ein paar Mal begegnet: Einmal hatte sie mich, noch vor der Scheidung, von der Schule abgeholt. Von ihrem Plymouth Fury aus träge gewinkt. Mitte zwanzig, schlank und fröhlich, spielte Tamar ständig auf irgendwelche Wochenendpläne an, ihren Wunsch nach einer größeren Wohnung, und ihr Leben war auf eine Weise strukturiert, die ich mir nicht vorstellen konnte. Ihre Haare waren so blond, dass sie fast grau waren, und sie trug sie lose fallend, im Gegensatz zu den sanften Locken meiner Mutter. In diesem Alter betrachtete ich Frauen mit brutalem und emotionslos urteilendem Blick. Schätzte die Neigung ihrer Brüste ab, stellte mir vor, wie sie in verschiedenen ungünstigen Haltungen aussehen würden, schaute gierig über ihre nackten Schultern. Tamar war sehr hübsch. Sie steckte sich die Haare mit einem Plastikkamm auf, ließ ihren Hals knacken und lächelte mich während der Fahrt an.

»Willst du Kaugummi?«

Ich wickelte zwei trübe Streifen aus der silbernen Verpackung. Spürte etwas an Liebe Grenzendes neben Tamar, mit auf dem Vinylsitz klebenden Oberschenkeln. Mädchen sind die Einzigen, die einander wirklich Aufmerksamkeit schenken können, die Art, die wir mit dem Geliebtwerden gleichsetzen. Sie registrieren, was wir registriert haben wollen. Und genau das tat ich für Tamar – ich sprach auf ihre Symbole an, den Stil ihrer Frisur und ihrer Kleider und auf den Duft ihres L’Air-du-Temps-Parfüms, als wären das Fakten, auf die es ankäme, Zeichen, die etwas von ihrem inneren Selbst widerspiegelten. Ich nahm ihre Schönheit persönlich.

Als wir mit auf dem Kies knirschenden Reifen zu Hause ankamen, bat sie darum, auf die Toilette gehen zu dürfen.

»Natürlich«, sagte ich, auf unbestimmte Weise begeistert darüber, sie bei mir zu Hause zu haben, wie eine Würdenträgerin, die zu Besuch kommt. Ich zeigte ihr das hübsche Badezimmer neben dem Zimmer meiner Eltern. Tamar warf einen kurzen Blick auf das Bett und rümpfte die Nase. »Hässliches Deckbett«, murmelte sie vor sich hin.

Bis dahin war es einfach das Deckbett meiner Eltern gewesen, doch mit einem Mal schämte ich mich stellvertretend für meine Mutter, für das geschmacklose Deckbett, das sie sich ausgesucht und über das sie sich dämlicherweise auch noch gefreut hatte.

Ich saß am Esstisch und lauschte dem gedämpften Pinkelgeräusch von Tamar, dem aufgedrehten Wasserhahn. Sie blieb lange im Bad. Als sie schließlich erschien, war etwas anders. Ich brauchte einen Augenblick, bis ich begriff, dass sie den Lippenstift meiner Mutter trug, und als sie merkte, dass ich es merkte, war es, als hätte ich einen Film unterbrochen, den sie gerade schaute. Ihr Gesicht verzückt vom Vorgefühl eines anderen Lebens.

Meine Lieblingsfantasie war die Schlafkur, von der ich in Das Tal der Puppen gelesen hatte. Der Arzt führt einen langfristigen Schlaf in einem Krankenhauszimmer herbei, die einzige Lösung für die arme, schrille Nelly, die vom Demerol ganz wirr geworden ist. Es klang perfekt – mein Körper von friedlichen, verlässlichen Maschinen am Leben gehalten, mein Gehirn im wässrigen Raum ruhend, so sorglos wie ein Goldfisch im Glas. Ich würde erst Wochen später aufwachen. Und obwohl sich das Leben wieder an seinen enttäuschenden Platz schieben würde, gäbe es trotzdem diese frisch gestärkte Zeitspanne von Nichts.

Das Internat war als Korrektiv gedacht, als Anstoß, den ich brauchte. Auch in ihren getrennten, sie jeweils ganz und gar in Anspruch nehmenden Welten waren meine Eltern enttäuscht von mir, bekümmert über meine mittelmäßigen Noten. Ich war ein durchschnittliches Mädchen, und das war die allergrößte Enttäuschung – auf mir lag keinerlei Schimmer von Größe. Ich war nicht hübsch genug für die Noten, die ich bekam, die Waagschale neigte sich nicht kräftig genug in Richtung Aussehen oder Klugheit. Manchmal überkam mich der fromme Drang, mich zu bessern, mir mehr Mühe zu geben, aber natürlich änderte sich nichts. Andere, mysteriöse Kräfte schienen im Spiel zu sein. Das Fenster neben meinem Pult stand offen, sodass ich den Matheunterricht damit vergeudete, das Zittern des Laubs zu betrachten. Mein Füller leckte, sodass ich nicht mitschreiben konnte. Die Dinge, in denen ich gut war, waren nicht wirklich für etwas zu gebrauchen: Umschläge in Bubble-Schrift zu adressieren, mit lächelnden Geschöpfen auf der Klappe. Schlammigen Kaffee zu kochen, den ich mit feierlicher Affektiertheit trank. Einen bestimmten gewünschten Song im Radio zu finden wie ein Medium, das nach Nachrichten von den Toten sucht.

Meine Mutter sagte, ich sähe aus wie meine Großmutter, aber das kam mir verdächtig vor, wie eine von Wunschdenken geprägte Lüge, die falsche Hoffnungen wecken sollte. Ich kannte die Geschichte meiner Großmutter, die mechanisch wie ein Gebet wiederholt wurde. Harriet, die Tochter des Dattelfarmers, aus dem sonnenverbrannten Nichts von Indio gepflückt und nach Los Angeles verpflanzt. Ihr weiches Kinn und ihre feuchten Augen. Kleine Zähne, gerade und leicht spitz, wie eine seltsame, schöne Katze. Vom Studiosystem verhätschelt, mit Schlagsahne und Eiern oder gegrillter Leber und fünf Möhren gefüttert, die gleiche Mahlzeit, die meine Großmutter während meiner Kindheit jeden Abend zu sich nahm. Die Familie, die sich auf der weitläufigen Ranch in Petaluma verkroch, nachdem Großmutter sich zur Ruhe gesetzt hatte, um aus Luther-Burbank-Ablegern Rosen für Ausstellungen zu züchten und Pferde zu halten.