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Thomas Reich

Vieh





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vieh

 

 

 

Vieh

 

 

 

 

 

Thomas Reich

 

Text 2016 © von Thomas Reich

Coverphoto © https://pixabay.com/de/ziege-gesicht-person-h%C3%B6rner-1148038/ mit Änderungen

 

Impressum: Thomas Reich

Bachenstr. 14

78054 Villingen-Schwenningen

 

Über das Buch:

 

EKELFAKTOR: BRAUNER SPLATTER AUF DEM BAUERNHOF!

 

Martin Knöpfle gestaltet die Natur nach seinen Regeln. Zwischen Stall und Weide verlierst du dein Menschsein. Er melkt dich, wenn er es für richtig hält. Füllt deinen Trog mit Futter. Wenn die Nacht über den Hof hereinbricht, gehörst du ihm mit Haut und Fell. Auch die fäkalen Bedürfnisse kommen dabei nicht zu kurz.

 

Dein Blut für meinen Acker, dein Fleisch für mein Vieh!“

Die neue Kuh

Im Stall roch es nach frischem Heu von der Weide, das er heute morgen geschnitten, und mit dem Traktor eingeholt hatte. Darunter gärte das Aroma alten Strohs, vermischt mit von den Rindern ausgeschiedenen Fäkalien. Martin Knöpfles Hand zögerte über dem Lichtschalter. Am Ende entschied er sich für eine gedämpfte Atmosphäre. Auch Duftkerzen gegen die penetrante Ammoniaknote stellte er auf. Er wollte eine Kuh künstlich befruchten, so zärtlich und liebevoll wie möglich. Im Vorfeld hatte es mehrfach Versuche gegeben, doch der Bulle wollte nur seine Artgenossen bespringen. Und keine Menschen, die der Bauer kurzerhand zum Vieh erklärte. Knöpfle erinnerte sich: Als einfache Touristin hatte Lisa den Weg auf seinen Hof gefunden. Zwei Wochen Erholungsurlaub auf dem Land hatte sie gebucht. Seine Frau hatte ihr ein Zimmer in der Pension ZUM FLECKIGEN VIEH gerichtet, mit karierter Bettwäsche und Schokoladentäfelchen auf dem Kopfkissen. Alles hatte so einladend ausgesehen wie im Prospekt. Sein Hof arbeitete eng mit dem Büro für Tourismus und Fremdenverkehr zusammen. Dort wurde die Vorauswahl getroffen. Scheu war Lisa gewesen wie ein junges Kalb. Die eigentliche Intimität kam später. Da war sie schon angekettet und bestens vertraut mit den lokalen Bräuchen und Traditionen. Martin konnte nicht fürs ganze Tal sprechen, aber auf dem Knöpflehof herrschten strenge Sitten.

„Wir sind nicht sehr gesprächig, was?“

Anfangs hatte sie ihm den halben Hof zusammengeschrien. Als er sich das erste Mal an Lisa verging. Der Herr Pfarrer predigte, dass ein Mann nicht seinem Vieh beiwohnen soll. Die Wut hatte ihn gepackt, und er schnitt ihr die Zunge aus. Die schwere Wunde versiegelte er mit dem Brandeisen. Dabei hatte sie sich unter seinem festen Zugriff gewunden wie eine geölte Sau zum Pfingstfest. Am Ende keilte er Lisa zwischen seine Knie, und führte ihr das heiße Schüreisen zwischen die Lippen. Ein paar Zähne waren ausgebrochen, weil sie sich so sehr dagegen sträubte. Aber am Ende hatte sie das Maul gehalten. Danach war sie ihm tagelang ausgewichen, aber die unsinnige Schreierei hatte ein Ende gefunden.

„Bist mir immer noch böse wegen deiner Zunge?“

Die Wunde war angeschwollen, und hatte ihr die Kehle zugeschnürt. Tagelang lag Lisa auf dem Stroh, und hechelte wie ein Hund in der Sonne. Dabei war es die Brandblase in ihrem Mund. Fast hätte er den Tierarzt gerufen. Mit einer spitzen Nadel piekste Martin sie auf. Warum war er nicht gleich darauf gekommen? Die Humankuh trank das Wundwasser aus, und schon verschwanden ihre Fieberpusteln. Danach galt sie als geheilt.

„Nicht einmal der Bulle wollte dich haben. Du bist ein dreckiges Stück Vieh. Auf die Weide kann ich dich nicht schicken, weil der Nachbar mich anzeigt. Und zu den anderen Kühen passt du nicht.“

Nur kläglich hatte sie die Transformation abgeschlossen. Nicht akzeptiert, dass ihre Tage als Mensch ein Ende fanden. Nicht einmal der Verlust ihrer Stimme konnte sie dazu bewegen. Oder dass der Bauer sie ankettete.

„Ich werde dich künstlich befruchten.“

Wohlweislich hatte Martin sie an allen vier Hufen festgebunden. Die schweren Eisenringe scheuerten ihre Knöchel blutig. Und doch war er kein Unmensch. Als Tierfreund hatte er eine antiseptische Salbe aufgetragen. Sie linderte nicht die Schmerzen, aber die Gefahr einer Infektion. Knöpfle zog die langen Gummihandschuhe an. Aufgebockt auf einen Leiterwagen lag ihre gespreizte Scham vor ihm. Da konnte ein Bauer schon auf schmutzige Gedanken kommen.

„Vergib mir Vater, denn ich werde sündigen.“

Martin knöpfte die Latzhose auf, und fickte seine Latexfaust. Das kaltes Material nahm die Körperwärme schnell auf. Es war ein gutes Gefühl, als würde ein fremder Arm ihn abwichsen. Etwa die neue Magd aus der Bukowina mit den strammen Zöpfen und dem losen Brustwerk. Später würde er die Schlüssellöcher der Mägdekammern polieren. Man wusste nie, was man zu sehen bekam. Gestern war eine Brust dabei. Knöpfle hoffte auf einen Po. Besonders jetzt, wo er das ausgestreckte Hinterteil der Kuh vor der Nase hatte, und den Dreschflegel schüttelte, bis das Korn in alle Richtungen spritzte.

„Gleich wirst besamt. Und meine Frau wollte den Tierarzt holen. So ein Blödsinn. Das kann ich doch selbst.“

Stand er auf das glatte Material? Bauer Knöpfle gab ungern eine neue Perversion zu. Er hatte einfach so viele davon, dass er im Beichtstuhl damit hausieren ging. Und der Herr Pfarrer jedes Mal mit einem bleichen Gesicht wieder herauskam.

„Kruzifix, da kommt die Sauce.“

In seinem Handschuh glibberte es wie Fischlaich. Behutsam sammelte er den Nektar in der hohlen Fläche, und weitete das rosige Loch mit der anderen Hand. Martin führte sein Bullensperma tief in die Plazenta ein. Dann gab er der Kuh einen Klaps aufs Hinterteil.

„Für ein Vieh bist du verdammt geil.“

Unter der schweren Last des Samens brach sie zusammen. Aus dem aufrechten Zweihufer war ein kriechender Vierhufer geworden. Knöpfle befreite sie von der Last der schweren Ketten, und legte sie an die lange Leine für die Nacht. Schonender zur Haut, die unter Stroh und Gülle arg strapaziert wurde. Sie würde sich an den Stall anpassen, dessen war Martin sicher. Er kannte das Vieh und seine Marotten. Im Hinausgehen ließ Knöpfle das Schlummerlicht an. Davon schliefen die Kühe schneller ein. Es machte sie sanftmütig wie kleine Engel.


*


Zwei Figuren schälten sich aus den Schatten, die mit der Nasenspitze bis zum Gatter der Kojen reichten. Der Junge mochte vielleicht acht Jahre sein, mit wuscheligen Haaren und gefühlskalten Äuglein im teigigen Gesicht. Paul war seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie hatten gesehen, wie Bauer Knöpfle an sich rumspielte. Wie sein Ding ganz hart gegen das Stalllicht stand. Scham und Ekel tosten in ihrem schlichten Gemüt, das für solche Bilder nicht ausgelegt sein sollte. Dann hatte er seinen Arm in die Kuh gesteckt. Ganz hinten rein. Da, wo die Aa rauskam.

„Lass uns nach ihr schauen.“

In einigem Abstand folgte ihm seine jüngere Schwester hintendrein. Sie trug ein einfaches Baumwollkleid aus dem Webstuhl der Mutter, mit grünen und braunen Streifen. Ins lockige Haar hatte Samira eine Feldblume geflochten. Ihr Stofftier schleifte am Boden im Dreck.

„Ich habe Angst. Wenn uns nun der Vater erwischt?“

„Der sieht nach den Mägden, bevor er zur Mutter geht. Das kann dauern.“

„Wenn er zurückkommt, versohlt er uns wieder mit dem Holz.“

„Nun sei keine Zimperliese. Guck, er hat die Tür angelehnt. Um es uns leichter zu machen.“

Auf Zehenspitzen schlichen die Kinder durch den Stall. Das Vieh gehörte ihnen allen auf dem Hof zu gleichen Teilen. Das hatte ihnen der Vater früh beigebracht. Wenn Gäste abreisten, und in den Stall einzogen. Kannte ihr Spiel keine Regeln. Regeln waren etwas für Stadtmenschen. Sie wollten keine Stiefmutter. Schon gar keine Kuh aus dem Stall.

„Oh, Pfui Deibel!“

Zuerst einmal stank das Vieh unerträglich. Im Moment der erzwungenen Befruchtung hatte es sich vor Angst eingestuhlt. Frisches Stroh gab es erst am Morgen wieder. Bis dahin lag die Kuh in ihrem eigenen Dung. Auch jetzt war sie noch erstaunlich schreckhaft.

„Schh, wir sind es nur. Des Bauern Kinder.“

Schnaubend zerrte sie an ihrer Kette. Paul strich ihr über die Nase, wo sie besonders kitzlig war. Fuhr die fettigen Haare am Kopf nach. Langsam beruhigte sich das Tier.

„Sieh nur, wie hässlich sie ist.“

Irritiert von der Anatomie einer erwachsenen Frau, tastete Samira den Körper der Kuh ab. Auch die haarige Stelle zwischen den Beinen, wo der Vater seinen Arm eingesteckt hatte.

„Alle unsere Kühe haben ein Euter. Die ist voll behindert.“

„Zwei Euter können nicht gesund sein.“

„Papa hat uns nie gefragt, ob wir eine Stiefmutter wollen.“

„Wir könnten machen, dass es ihr auf dem Hof nicht gefällt. Dass sie abhaut aus ihrer Box.“

„Wie willst du das anstellen?“

„Wir könnten sie zwicken.“

„Und wenn sie sich wehrt?“

„Dann gib ihr die Rute.“

Kleine Finger suchten nach Hautfalten, und drehten sie gegen den Uhrzeigersinn. Der Schmerz war bestimmt gemein, aber auszuhalten. Das geplagte Vieh stöhnte mit stimmlosem Maul.

„Die verträgt noch mehr.“

„Geh ihr ans Euter, da sind sie sensibel.“

Man musste bei den Kühen aufpassen, wenn man die Stutzen der Zapfanlage ansetzte. Entzündete Euter waren ein häufiges Problem auf dem Hof. Ihre Igelschnauzen wurden von braunen Warzenvorhöfen eingerahmt. Paul zwickte sie zuerst in die fleischigen Stellen. Stoisch ertrug das Vieh seine Demütigung.

„Du musst ihre Nippel langziehen!“

Bei Mutter hätte er sich das nie getraut. Aber seine neue Stiefmutter war nur Stallvieh. Wie eine Pinzette packten seine Finger mit den scharfkantigen Nägeln die sensiblen Zitzen, und zogen sie in die Länge. Zwischen Daumen und Zeigefinger rieb er sie wund. Nun blutete die Kuh wie ein frisch geborenes Kalb. Sein kleiner Pimmel wurde hart dabei. Paul ähnelte dem Vater in jeder schlechten Eigenschaft seines Charakters.

„Hnnn!“

„Lass gut sein, wir kommen morgen wieder.“

„Hast gehört, du Kuh? Wir sind mit dir noch nicht fertig!“

Paul spie ihr einen schleimigen Batzen ins Gesicht, wo er unter der Hitze der Heizstrahler trocknete. Man konnte gegen den Bauern sagen was man wollte, er war gut zu seinem Vieh. Kein Schwein und keine Kuh mussten im Stall frieren.


*


Hätten sie gewusst, dass im Bauch der Kuh ein neues Geschwisterlein reift, wären sie nicht so zimperlich mit ihr umgesprungen. Aber sie konnten jederzeit in den Stall zurückkehren, wenn ihnen nach Grausamkeit war. Einen Fernseher kannten die Knöpfle-Kinder nicht. Nur den Wald, das Feld und den Stall. Irgendwann hat man jede Figur geschnitzt, jeden Kiesel geworfen, und jedes Versteck erkundet. Die Langeweile sollte sie oft in den Stall treiben.