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Einer trage des anderen Last


Einer trage des anderen Last

Roman nach dem Film
1. Auflage

von: Wolfgang Held

7,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 22.02.2013
ISBN/EAN: 9783863949525
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 195

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Dieses Buch erzählt von der ungewöhnlichen Begegnung zweier junger Menschen in der gerade ein Jahr alten DDR, zu unbedeutend für die historischen Annalen und doch eng verflochten mit dem Geschehen jener bewegten Jahre. Die bittere Einsicht von Schuld, der Mangel am Notwendigsten in dem zerschundenen Land, das alles löschte damals den Willen zum Leben nicht aus.
Ein Volkspolizist und ein evangelischer Vikar müssen, todkrank und mit völlig verschiedener Weltanschauung, über mehrere Monate ein Zimmer in einem Tbc-Heim teilen. Humorvoll und mit großer Dramatik schildert Wolfgang Held, wie beide schließlich zu gegenseitiger Achtung und Toleranz finden.
Als der später auf der Berlinale ausgezeichnete Film „Einer trage des anderen Last" Anfang 1988 in die Kinos kam, fand er in der DDR ein Millionenpublikum. Er wurde in Ost und West als ein „Plädoyer für Toleranz" verstanden.
Nach seinem Drehbuch hat Wolfgang Held 1995 den gleichnamigen Roman geschrieben.
Dieses Buch erzählt von der ungewöhnlichen Begegnung zweier junger Menschen in der gerade ein Jahr alten DDR, zu unbedeutend für die historischen Annalen und doch eng verflochten mit dem Geschehen jener bewegten Jahre. Die bittere Einsicht von Schuld, der Mangel am Notwendigsten in dem zerschundenen Land, das alles löschte damals den Willen zum ...
Geboren 1930 in Weimar, aufgewachsen und erzogen in einem konsequent sozialdemokratischen Elternhaus, stark geprägt vom Erlebnis KZ Buchenwald im April 1945 auf der Suche nach einem von der Gestapo verhafteten Onkel.
Volksschule und Handelsaufbauschule in Weimar, 1948/49 als Volkspolizist freiwilliger Aufbauhelfer (Enttrümmerung, Wasserleitung Maxhütte, u.a.).
Erkrankung an Tuiberkulose. Im Sanatorium für den weiteren Lebensweg entscheidende Begegnung und monatelanges, gemeinsames Zusammenleben in einem Zimmer mit gleichaltrigem Vikar.
Journalistische Ausbildung. Tätigkeit als Redaktionsassistent. Erste Buchveröffentlichung 1959.
Ab 1964 freischaffender Schriftsteller. Im literarischen Schaffen beeinflusst von Louis Fürnberg, Hans-Joachim Malberg, Bruno Apitz und Walter Janka. Zahlreiche Romane, Kinder- und Jugendbücher (u.a. Autor des Weimarer Knabe-Verlages), Drehbücher für Film und Fernsehen.
Literarische Auszeichnungen: Literatur-und Kunstpreis der Stadt Weimar, Nationalpreis der DDR, Preis der Filmkritiker, u.a. als erster deutscher Drehbuchautor für den Europäischen Filmpreis Felix nominiert, Goldene Ehrennadel der Stadt Weimar 2005.
„Ich bin Hubertus ... Hubertus Koschenz. Dein ... hier nennt man das wohl ,Schlief' ..."
„Heiliger ..." Das Stutzen des Neuen berührt den noch ein wenig Schlaftrunkenen nicht. „So heiß' ich ... Josef Heiliger ..."
„Tatsächlich?" Hubertus Koschenz lacht.
„Ich hab' mir den Namen nicht ausgesucht. Nenn' mich Jupp, das ist mir lieber."
„Mach' dir nichts draus, Jupp. Hubertus würde ich meinen Sohn auch nicht nennen ..." Der junge Mann öffnet seinen Koffer. Er will mit dem Auspacken beginnen, da fällt sein Blick auf das Stalinbild über dem Nachttisch des Zimmergenossen. Er zögert einen Moment, dann holt er aus der Tiefe der Reisetasche ebenfalls ein gerahmtes Bild, geht damit zu seiner Schlafseite und befestigt es dort an gleicher Stelle. Es zeigt einen geneigten Christuskopf mit Dornenkranz.
Josef Heiliger richtet sich steil auf. Entgeistert wandert sein Blick zwischen dem Christusbild und Hubertus Koschenz hin und her. Er ist jetzt hellwach und traut seinen Augen nicht. „Das ... das ist doch nicht dein Ernst?!"
Der junge Mann, der seinen Lodenmantel noch nicht abgelegt hat, gibt sich verwundert.
„Wieso Ernst? ... Es ist unser Heiland!"
„Nimm das weg, Hubertus! Mach' doch hier keinen Scheiß!"
Der Zimmergenosse bleibt freundlich, aber in den leisen Worten ist entschiedene Klarstellung. Er deutet dabei auf das Stalinbild.
„Du hast deinen ... Chef, ich hab' den meinen. Ich bin evangelischer Vikar ... Wusstest du das nicht?"
Stille - fast eine Minute lang.
Josef Heiliger betrachtet den jungen Kirchenmann, als sei er ein Wesen aus einer anderen Welt. Endlich schwingt er die nackten Füße aus dem Bett, will wohl aufstehen, verharrt aber noch auf der Bettkante.
„Ein Pfaffe? ... Du ... Du bist Pfarrer? Das geht doch nicht gut!" Er angelt mit den Zehen nach seinen Hausschuhen. „Das gibt doch Mord und Totschlag ... Die müssen uns auseinander legen!" Er hat endlich die Hausschuhe gefunden, steht auf und ist schon unterwegs zur Tür, als ihn der Vikar zurückhält.
„Warte doch! Wollen wir es nicht erst mal miteinander versuchen? Du, der andere, der vorhin mit mir gekommen ist, der ist über siebzig ...!"
Das Argument sticht. Josef Heiliger zögert. Die Vorstellung, das Zimmer mit einem schnarchenden, womöglich blasenschwachen und dauernd altväterlichen Rat erteilenden Opa teilen zu müssen, erscheint ihm wenig verlockend.
„Du meinst ...?!"
„Einer von uns beiden würde den Alten kriegen, ganz sicher!"
„Hmmm ..." Langsam geht Josef Heiliger zu seinem Bett zurück, bleibt davor stehen. Er wendet dem Vikar den Rücken zu. Nachdenklich betrachtet er den Bücherstapel auf dem Nachttisch.
„Also, Jupp: Waffenstillstand?" Hubertus Koschenz räumt ohne Hast die Reisetasche leer. Er tritt mit einem kleinen Wäscheberg zum Kleiderschrank, öffnet und stutzt. Betroffen presst er die Lippen zusammen. Einen Augenblick lang spürt er dumpfes, beklemmendes Würgen im Hals. Vor ihm hängt Josef Heiligers Uniform mit den Rangabzeichen eines Volkspolizeikommissars! Mein Gott, weshalb durfte ich das nicht vor zehn Minuten sehen, schießt es ihm durch den Sinn. Auf was habe ich mich da eingelassen?!
„Du, hör' mal, Jupp". Er wendet sich zu ihm um, zwingt sich zu besonnener Ruhe. „Damit wir uns gleich richtig verstehen: Mein Vater ist Anfang sechsundvierzig zur sowjetischen Kommandantur bestellt worden und nie mehr zurückgekommen. Denunziert von einem aus deiner Partei, der scharf auf unsere Wohnung war, obwohl es ihm nichts gebracht hat. Meine Mutter kriegt neunzig Mark Rente ..."



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