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1. Auflage 2018
© 2018 cbj, Kinder- und Jugenbuchverlag
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Alle Rechte vorbehalten
Umschlag und Innenillustrationen: Thomas Dähne
Serienlogo: semper smile, München
Lektorat: Hjördis Fremgen
hf · Herstellung: AJ
Satz: dtp im Haus
Reproduktion: ReproLine Mediateam, München
ISBN 978-3-641-22116-4
V001

www.cbj-verlag.de

Inhalt

Quälgeister an Bord

Die Schwarze Hose

Die Erbeutung der Schatzkarte

Die Reise zum Diamantenberg

Unsinkbarer Rätselspaß

Alarm auf der „Sturmhölle“

Mann über Bord

Kapitän, ärgere dich nicht!

Die Schneeballschlacht

Die Diamantenberge

Jonas und der Wal

Der Löffel in der Hosentasche

Diamantenzwerge

Dampferkunde

Gräte und der Wal

Eine fast perfekte Kaperung

Die Kanone im Klo

Wunderlampen

Rückkehr zum „Killerzahnfelsen“

Ein Braten mit Holzbein

Epilog

Ein Problem löst sich, in dem man es löst.

(R. R. Flitschauge)

Quälgeister an Bord

Für jenen Tag stehen im Logbuch der Sturmhölle nur drei Worte, kaum lesbar und mit zitteriger Hand geschrieben: Die Schwarze Hose. Sonst nichts. Die Eintragungen für die nächsten Tage fehlen ganz. Dabei war es eigentlich der Tag gewesen, an dem wir endlich heimatliches Seegebiet ansteuern und Kurs auf unsere Insel und den Killerzahnfelsen nehmen wollten. „Wir“, das sind: Gräte, der zweite Pirat und Koch der Sturmhölle; Bumskopp, mein gelernter dritter Pirat, und ich – Piratenkapitän Flitschauge.

Wir hatten in den vergangenen Wochen allerlei erlebt. Halsbrecherische Kaperungen bei meterhohen Wellen, hundsgemeine Freibeuter, die wie der Teufel hinter unseren Schätzen her waren, und dann diese windlosen Tage, an denen man, oft auch noch bei brütender Hitze, auf einer Stelle dümpelt. Flauten, die einem die Nerven rauben, weil sie selbst Sekunden endlos lang erscheinen lassen.

Bei allem hatten wir allerdings auch jede Menge Spaß gehabt und unglaubliche Abenteuer erlebt. Abenteuer, die uns eng zusammengeschweißt und uns nebenbei den Ruf eingebracht hatten, die besten Piraten der Welt zu sein. Was sicher auch damit zu tun hatte, dass uns das Kaperglück, seitdem wir als Die Unsinkbaren Drei über die Weltmeere segelten, stets treu geblieben war. Das hieß: Unsere Schatzkisten waren bis an den Rand gefüllt, und wir hatten eine Stimmung an Bord, wie sie besser kaum sein konnte …

Nur eine Sache trübte meine Laune zunehmend. Wir hatten eine ausgewachsene Mückenplage auf dem Schiff! Mücken auf hoher See?, werdet ihr fragen. Das gibt es doch gar nicht …

Eigentlich nicht, aber Bumskopp und Gräte arbeiteten ja schon länger an einem total geheimen Kaperplan. Sie wollten die Flugfähigkeit von Mücken so steigern, dass sie zu kleinen, raketenartigen Geschossen wurden, mit denen man einen Dampfer angreifen konnte. Da Gräte glaubte, dass Mücken mit einer Art Pupsantrieb flögen, hieß es für ihn, man musste nur das richtige Futter finden, und schon konnte der Dampfer kommen.

Zwiebel-, Knoblauch-, Erbsen- und Bohnensuppe hatten die Mücken bisher abgelehnt. Aber ein Gräte gibt nicht so schnell auf. Er versuchte es unermüdlich weiter.

Natürlich ist so ein Plan total verrückt, aber ich hatte die beiden einfach machen lassen, weil Experimentieren ja nie schadet. Man kann eine Menge lernen, und in der Zeit, in der meine zwei Superpiraten etwas ausprobierten, konnten sie keinen anderen Unsinn anstellen, dachte ich.

Doch dann stand auf einmal das halbe Deck mit Wasserfässern voll, in denen Mücken sich fröhlich vermehrten, schlüpften und … uns stachen. Und das fand ich dann nicht mehr so gut. Als ich zufällig auch noch entdeckte, mit was Gräte und Bumskopp die Mücken als Nächstes füttern wollten, heulten bei mir schlagartig die Alarmsirenen.

Leider zu spät, denn während ich noch überlegte, was zu tun sei, knallte es auch schon. Und als ich Sekunden später die Kombüsentür aufriss, saß mein zweiter Pirat rußgeschwärzt und ratlos da und maulte: „Schwarzpulver fressen die Mistviecher auch nicht.“

„Würd ich auch nicht tun“, meinte Bumskopp.

„Du? Du Rundwurst was nicht essen? Da explodiert doch eher ein Warzenschwein.“

„Rundwurst? Du Klappergestell nennst mich Rundwurst!“

Bumskopp war direkt auf 180. Aber bevor sich das zur Rauferei hochschaukelte, ging ich dazwischen: „Ganz langsam, ihr Mückenforscher. Eure Bemühungen sind ja nicht hoch genug zu loben, aber: Mücken saugen Blut und süße Säfte! Doch niemals Schwarzpulver!“

„Aber wenn sie Pulver fressen würden, könnten sie noch viel schneller fliegen“, sagte Gräte. „Weil, wenn das Schwarzpulver in denen zündet und die dann raketenschnell auf den Dampfer träfen … Hah! Voll das Sieb, der Dampfer.“

„Nicht der Dampfer wäre hin, sondern die Mücken. Und zwar total“, widersprach ich ihm. „Mücken sind doch viel zu weich für die harte Dampferaußenwand.“

„Mückenmatsch“, murmelte Bumskopp.

„Ja, den gäbe es dann“, nickte ich. „Was auch sein Gutes hätte, weil sie dann ja nicht mehr … Au!“

Genau in dem Moment stachen mich fast gleichzeitig eine Mücke in mein linkes Ohr, eine zweite in mein rechtes. Eine weitere stach mir in den Nacken, eine ins Bein – durch meine Hose durch! Jetzt reichte es!

„Raus aus der Kombüse!“, brüllte ich. „Und wenn morgen auch nur eine einzige Mücke noch hier an Bord zu sehen ist, dann … Au!“

Hatte mir so ein Biest doch glatt in meinen Po gestochen. Und das schon wieder durch die Hose! Ich war stinksauer und hätte die Mückenfässer am liebsten geradewegs über Bord gekippt. Aber dann erklärte mir der tierliebe Bumskopp, dass Mücken auch Lebewesen seien und ja nichts dafür könnten, dass sie Blut saugen müssten und so weiter und so fort … Ich wollte das alles gar nicht hören, denn die Stiche juckten, und ich hatte die Nase voll bis obenhin. Also sagte ich, dass er sich kümmern solle. Weiter kam ich nicht …

Die Schwarze Hose

Wo immer sie hergekommen war, auf einmal war sie da: Die Schwarze Hose, dieser gefürchtete Monstersturm, der jedem Seemann das Blut vor Angst gefrieren lässt.

Wir kannten diesen Sturm nur aus Erzählungen, wussten aber gleich, dass er es war. Mit seinen in sich drehenden Hosenbeinen, die vom Himmel bis zur Wasseroberfläche reichten, stand er vor uns. Die kohlrabenschwarze Wolkenhose hatte den Tag von einem auf den nächsten Augenblick verfinstert.

Bevor ich etwas sagen konnte, hing Gräte in der Takelage, um die Segel einzuholen. Bumskopp band fest, was zu vertäuen war, während ich versuchte, die Sturmhölle in den Wind zu drehen.

Doch als hätte die Schwarze Hose nur darauf gewartet, geriet die Wolkenwand, genau als wir uns rührten, ebenfalls in Bewegung. Die Trichter drehten sich, wirbelten immer schneller. Die Wolke wand sich, nahm Fahrt auf, schien dabei ständig zu wachsen und raste schließlich, Gischt und Riesenwellen vor sich treibend, mit dumpfem Grollen auf uns zu.

Nur wenig später war sie mit Blitz und Donner über uns. Hob unser Schiff mit furchterregendem Gebrüll hoch, ließ uns eine Weile einfach schweben, um uns dann aber mit ohrenbetäubendem Geheul in die wild schäumenden Wogen zurückzuwerfen.

Der Aufprall war so heftig, dass Gräte wie eine reife Pflaume aus der Takelage neben mir aufs Deck fiel, gegen den Kompass knallte, von da in Richtung Rettungsboot rutschte und darunter verschwand. Bumskopp hangelte sich derweil an der Reling Stück für Stück nach vorne Richtung Bug. Das war das Letzte, was ich von ihm sah, denn dann erwischte mich ein Brecher und ich landete mitsamt Tür zwischen Pfannen, Töpfen, Tellern und Besteck in der Kombüse. Von da an kam ich mir vor wie in der Geisterbahn.

Alles, Kochgeschirr und Vorräte, verließ auf einmal seinen angestammten Platz, flog durch die Gegend, knallte irgendwo dagegen, zerbrach oder fiel polternd runter und verschwand in irgendwelchen Ecken.

Dann wurde ich überspült. Aber nicht von einer Welle, sondern von Regen! Es schüttete, es kübelte, es stürzte eine solche Flut auf uns herab, dass ich dachte, ich wäre in einen Wasserfall geraten. Auf jeden Fall schien die Wolke ihren Inhalt auf einen Schlag auf uns zu kippen und jagte unser Schiff gleichzeitig die Wellenberge rauf und runter. Das Meer schäumte, toste, kochte, war wie entfesselt und unser Schiff drehte sich wie ein Kreisel auf einer wild gewordenen Oberfläche.

Wie lange das so ging? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass irgendwann etwas ganz hässlich knirschte und es kurz drauf still wurde auf der Sturmhölle. Das Heulen war zwar immer noch hoch oben in der Luft, aber der Sturm schien nicht mehr an uns ranzukommen. Was war geschehen?

Als Erstes bemerkte ich, dass Wasser knietief in der Kombüse stand. Dann einen leicht sauren Geruch und etwas Klebriges auf Mund und Nase. Das war, wie ich herausfand, ein aufgeplatztes Säckchen Mehl vermischt mit Brombeermarmelade und dem Inhalt einer umgekippten Flasche Essig. Der gleiche Schmier hing mir im Nacken, während Hose, Hemd und Jacke mit einer fein durchmischten Pampe aus Fischbrei, Senf und Ketchup bunt bekleistert waren. Um mich herum lagen zersplitterte Regale und zerbrochenes Geschirr. Und inmitten dieser Drunterdrüberkleistertrümmerhalde saß ich …

Dann erinnere ich mich an Schritte. Das war Bumskopp, der
erschöpft, aber zufrieden grinsend angeschlurft kam und mir berichtete, wie er, von einem der höchsten Wellenberge aus, einen schmalen Einschnitt in der Steilküste entdeckt hatte. Und genau in diesen Einschnitt hatte er die Sturmhölle nur mit dem Focksegel hineinmanövriert. Leider hatte die Schwarze Hose die Sturmhölle mit einem letzten schweren Brecher noch erwischt, sie seitlich gegen die Felswand gedrückt und sie steuerbord auf ganzer Länge aufgeschlitzt. Aber dann waren wir in Sicherheit. In einer zwar kleinen, aber von allen Seiten gut geschützten Bucht. Einem echten Schlupfloch. So weit Bumskopp.

Doch wo war Gräte? Nach kurzem Suchen fanden wir ihn schlafend unter dem umgestürzten Rettungsboot mit einer dicken, blauen Beule auf der Stirn. Sonst war er, wie es schien, völlig in Ordnung. Also legten wir ihm ein Tuch zur Kühlung auf die Beule und hauten uns ebenfalls total kaputt aufs Ohr. Und schliefen, schliefen, schliefen …