Bount Reiniger und der Todesengel: N.Y.D. - New York Detectives

Franc Helgath

Published by Casssiopeia-XXX-press, 2017.

Inhaltsverzeichnis

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Bount Reiniger und der Todesengel: N.Y.D. - New York Detectives

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Die Hauptpersonen:

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Bount Reiniger und der Todesengel: N.Y.D. - New York Detectives

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Krimi von Franc Helgath

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

G. G. Shrump, der ein erfolgreiches Frachtunternehmen besitzt, bittet seinen alten Bekannten Bount Reiniger um Hilfe. Shrump ist in seine hübsche Truckerin Nadine Heat verliebt, traut ihr aber nicht über den Weg, denn es gab einige ungeklärte Diebstähle. Der bekannte New Yorker Privatdetektiv soll herausfinden, ob sie etwas damit zu tun hat. Als Shotgun soll Reiniger Shrumps Angebetete bei dem Transport einer angeblich sehr wertvollen Ladung nach Sacramento begleiten - fünf Tage und Nächte quer durchs Land. Schon bald wird Bount Reiniger klar, dass nicht nur „Angel“ falschspielt, sondern auch ihr eigentlicher Beifahrer, Edmond Delgado, der offensichtlich die Fäden zieht und äußerst brutal vorgeht, um ungestört Beute zu machen ...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen:

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Nadine Heat - steuert den schweren Truck geradewegs auf Höllenkurs, dabei lässt sie sich nur Angel nennen.

Edmond Delgado - setzt mit Vorliebe auf Vierbeiner und beschafft sich die Mittel dafür im eigenen Stall.

Huppy und Hatty - jonglieren mit Betonklötzen wie andere Leute mit hart gekochten Eiern.

Archibald Drexler - hat als Sheriff keine Ahnung, doch davon reichlich.

G. G. Shrump - vergafft sich ausgerechnet in eine Nymphomanin.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

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»Ich fahr den Freightliner Conventional, der vor dem Truck-Stop parkt«, lächelte Nadine Heat.

»Du und ein Zwanzigtonner?«, murmelte Fred Hardin verdutzt.

»Ich rede nicht nur von der Gleichberechtigung, ich praktiziere sie auch.« Nadine zwinkerte mit den rehbraunen Augen. »Und ich beginne auch schon mal ’nen Flirt, wenn einer wie du nicht gleich kapiert, was Sache ist. - Du kannst mich übrigens Angel nennen. Das tun alle ...«

Die strohblonden Zöpfchen wippten, als Angel Nadine über so viel Begriffsstutzigkeit den Kopf schüttelte und Fred gleichzeitig in die Rippen knuffte. Fred Hardin fasste sich nur mit Mühe. Eine kaliforniensüchtige Anhalterin aufzulesen war das eine, von einer bildhübschen Truckerin aufgerissen zu werden eine ganz andere Sache.

Wo lag da der Haken?

Angel hätte ihm das sagen können. Doch sie hütete sich natürlich. Wie ein Engel sah sie bloß aus.

Sie trug die Jeans so knapp, dass sie jede Einzelheit betonten. Ihr Bauch war trügerisch flach wie bei einer Jungfrau und darüber wölbte sich ein ungestümes Brüstepaar, von keinerlei Halt gebändigt, es sei denn der, zu dem die straffe Muskulatur verhilft. Da wabbelte nichts, da schwabbelte nichts, da war alles Natur pur.

Bloß ein Engel war sie nicht.

Fred Hardin schien sich einigermaßen gefasst zu haben. Er fiel wie die meisten seiner Artgenossen einer äußert dummen Eigenheit zum Opfer, nämlich der männlichen Eitelkeit. Flugs fühlte er sich als der Adonis, der er absolut nicht war. Ein kurzer Blick noch in den blindesten Spiegel hätte ihn davon überzeugen müssen.

Er war eher fett als kernig, mehr klein als groß, aus seinem Gebiss lugte übel die Karies. Doch sein einfältiges Grinsen passte äußerst perfekt zu ihm.

»Hast du denn keinen Beifahrer?«, fragte er und meinte damit, ob eine sturmfreie Kabine zur Verfügung stünde.

Angel winkte ab. »Bereite dir um den keine Sorgen. Ständig jammert er mir etwas von seinen kaputten Bandscheiben vor. Deshalb baut er bei jeder Übernachtung hinten im Aufleger eine Liege auf. Stell dir nur vor: Sogar Bettzeug schleppt er mit!«

Sie kicherte wieder, und Fred Hardin fiel pflichtschuldig ein:

»So ein blöder Trottel«, sagte er und musste sich zusammenreißen, um nicht unfein die schwieligen Hände zu reiben. Denn war der Engel nicht eine Lady, wie er noch nie mit einer die Koje geteilt hatte?

»Und wie steht es bei dir?«, fragte Nadine Heat in sein Nachdenken hinein.

»Es wird gerade«, verriet Hardin strahlend und in völliger Verkennung von Angels tatsächlichem Begehr. Ebenholzfarben leuchteten zwei kaputte Zähne.

Nadine quälte sich ein loses Grinsen ab. »Du Schlimmer«, sagte sie und drohte schelmisch mit dem Zeigefinger. »Eigentlich wollte ich wissen, wie’s mit deinem Partner steht. Oder bist du etwa allein auf Achse?«

Hardins Züge nahmen etwas dackelhaft Trauriges an. »Leider«, erwiderte er. »Jim ließ sich beim letzten Stopp auf eine Schlägerei ein. Er musste zu einem Arzt, doch er kommt so schnell wie möglich nach. Wir haben nämlich eine dringende Fracht. Äußerst wertvoll.«

Als ob Nadine das nicht schon längst gewusst hätte. Schließlich pirschte sie sich ja nicht zum Vergnügen an diesen Kerl an.

Trotzdem mimte sie reges Interesse. »Erzähl doch mal.«

Hardin begann, höchst langweilig und umständlich daherzureden. Angel nutzte die Gelegenheit, sich unauffällig umzusehen.

Das Interieur war so gemütlich wie ein Bahnhofswartesaal dritter Klasse. Dennoch drängte sich eine Unzahl von Leuten. Gleich nach dem »Colorado End« fing die Nationalstraße an, sich in die Rockys zu schlängeln. Viele ergriffen die Gelegenheit für einen letzten Halt, bevor sie sich auf die schwierige Strecke mit ihren endlosen Steigungen und Gefällen begaben. Außerdem war die Küche berühmt für ihre Güte und Reichhaltigkeit. Wer Ham und Egg bestellte, beispielsweise, kriegte ein Pfund geschnetzelten Schinken und ein halbes Dutzend Eier auf die Platte. Wer wollte, erhielt noch einen Nachschlag.

Das passierte nur selten.

Endlich sah Nadine, wonach sie spähte.

Edmond Delgado saß in einer entfernten Ecke, hatte ein Glas Grog vor sich und las in einer Sportzeitung. Wie schon sein Name war auch er von einem südländischen, ja beinahe zigeunerhaften Typus. Zweifellos gehörte er jenen Männern an, die heute den Valentino-Ersatz stellen mussten. Jedes Lieschen Müller schnappte bei seinem Anblick schier über vor Entzücken, was Burschen wie er denn auch mit einem tödlich gelangweilten Niederschlagen der Augen quittierten.

Delgado allerdings schlug nicht nur die Augen nieder.

Im Moment jedenfalls erregten ihn die Pferdchen und ihre Quoten weitaus mehr. Beide erwiderten seine hingebungsvolle Liebe ebenso wenig, wie Delgado die Zuneigung der Frauen erwiderte. Letztere hatten für ihn eher den Stellenwert eines Gebrauchsartikels. Nur Geld war ständig knapp.

Der schöne Edmond hatte schon Unsummen verloren. Deshalb ja auch diese Nebenbeschäftigung, der er seit kurzer Zeit nachging, wobei Nadine freilich die Hauptlast zu tragen hatte. Mit einer derartigen Flasche ins Bett zu steigen, war selbst für einen sexbesessenen Engel wie sie kein Honigschlecken.

Fred Hardin beendete allmählich seinen Bericht. »Und deshalb bin ich heute Nacht allein, mein Zuckerpüppchen«, quasselte er selig. Nadine hatte gar nicht bemerkt, dass inzwischen brettharte Truckerhände an ihrem Busen quetschten. Einen Schmerzenslaut unterdrückte sie nur mit Mühe.

»Du machst ja einen einzigen Bluterguss aus meinen Dingern«, sagte sie mit verzogenem Gesicht. »Du wirst doch noch ein bisschen warten können!«

Hardin nahm brav die Finger wieder an sich. Sein einfältiges Grinsen behielt er tapfer bei.

»Ich kann’s kaum mehr erwarten«, sagte er. »Wohin gehen wir denn? In meine Kabine oder in deine?«

Das war sie, die Frage, auf die Nadine schon gewartet hatte.

Sie rückte plötzlich ab von ihm, staunte ihn mit ungläubigen Kulleraugen an und krallte dem armen Kerl ihre Fingernägel so kräftig in den Unterarm, dass Hardin steif wurde auf seinem Stuhl. Er sog so viel Bratfettduft und Bierdunst ein, dass es klang, als wolle er den Michigan See mit einem einzigen Schluck ausschlürfen.

Nadine ließ wieder los. Doch nur, um jetzt die Hände zu ballen und laut damit auf den Tisch zu knallen.

»Ich hör wohl nicht richtig!«, fauchte sie zornig. »Ich soll mit dir in einer schäbigen Koje bumsen? Du hast sie wohl nicht alle!«

Es war laut im »Colorado End«, doch der Engel war zweifelsfrei noch eine Spur geräuschvoller. Die an den Nebentischen sitzenden Gäste drehten sich bereits ihnen zu - der Anlass für Angel, mit der Doppelstrategie einzusetzen.

Sie nahm eine ihrer Fäuste vom Tisch, streckte die Finger und ging mit ihnen zum Großangriff auf Hardins Oberschenkel über. Sie fand die Stelle recht geschickt, und ihre Berührung wurde auch sofort von einem teilweisen Erfolg belohnt. Ihre Lautstärke schraubte sie jedoch keineswegs herunter.

»Wie ein billiges Flittchen willst du mich behandeln? In einer Kabine willst du’s mit mir treiben? Nicht einmal deine Alte würde da mitspielen! Willst du nicht, oder kannst du nicht? «

Fred Hardin sank schneller in sich zusammen, als er hochgefahren war.

»Um Himmels willen!«, flüsterte er heiser. »Nicht so laut!«

»Na und?« Nadine Heat sorgte geschickt dafür, dass ihr Draht zu Hardins anatomischer Unterwelt nicht abriss. »Ein anständiges Zimmer sollte ich dir doch wert sein.«

Inzwischen prasselten von allen Seiten Ersatzangebote auf die vollbusige Blonde mit den knackig prallen Jeans und den unschuldigen Kleinmädchenzöpfen ein. Sie waren samt und sonders in der derben Sprache der »Ritter der Landstraße« gehalten, oder der »Highway Cowboys«, wie sie sich auch gern nannten, um sich selbst über die Härte ihres Jobs hinwegzuschwindeln. Jede einzelne dieser Offerten spottete einer normalen Übersetzung in den normalen Wortschatz.

Für Nadine war nicht ein einziger neuer Ausdruck darunter. Doch das war natürlich nicht der Grund, warum sie auch weiterhin ausschließlich um ihr Opfer kümmerte.

»Nun schau doch nicht gleich so verdrossen«, wechselte sie in die zärtliche Tonlage über, intensivierte noch ihr Streicheln, während der Trucker nun dasaß, als habe er seinen Kopf in einen Eimer voller Ketchup gesteckt.

Irgendwo hatte sie ja recht die Lady. Selbst seine Clara hätte er nie in seine Koje geschafft. Nicht einmal damals, als seine Alte noch jung gewesen war. Vor einigen hundert Jahren oder so. Kein Vergleich. So eine Gelegenheit kehrte niemals wieder. Doch noch ein letztes Mal bäumten sich ein paar Bedenken kummervoll auf.

»Aber, Baby. Meine Fracht. Ich kann sie doch nicht allein lassen!«

»Wer ist dir denn nun wichtiger: dein Scheiß-Freightliner oder eine Nacht mit mir? Wie du meinst. Ich kann ja auf den Tisch steigen und all deinen Kollegen zuschreien, was für ein Schlappschwanz du bist.«

»Himmel! Bitte nicht. Es geht mir auch gar nicht ums Geld fürs Zimmer. Aber ...«

»Aber?«, forschte Angel mit gerunzelter Stirn und gekräuseltem Näschen.

Da stieß Fred Hardin endlich seinen befreienden Fluch aus. Wenig später verließen sie händchenhaltend den Saal.

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Edmond Delgado folgte ihrem Beispiel wenig später. Allerdings schlug er nicht den Weg zum Moteltrakt ein, sondern wandte sich dem Parkplatz zu.

Der erste Schnee des Jahres fiel in dichten Flocken. Die Trucker hatten sich noch nicht auf diesen jähen Witterungsumschwung eingestellt. Deshalb standen in dieser Nacht auch noch mehr Lastzüge auf dem riesigen Parkplatz des »Colorado End«, als es sonst schon der Fall war.

Für den schönen Edmond war das ein weiterer glücklicher Wink des Schicksals. Laut Wetterbericht war morgen früh wieder alles weggetaut, etwaige Spuren gab es dann nicht mehr.

Doch in dieser Nacht raffte er den Pelzmantel ganz eng an sich. Er hasste die Kälte. Wie angenehm war doch dagegen so ein schnuckeliger Ort wie Acapulco. Es durfte auch eine Insel in der Karibik sein, auf der er bald seine Jahre zu verbringen gedachte.

Selbstverständlich ohne Nadine. In der letzten Zeit erschien sie ihm doch schon etwas ausgelutscht und abgewrackt. Er verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, dass das ein wenig seine Schuld sein könnte.

Tatsächlich war er ja ihr »Shotgun«, wie die Beifahrer im Slang der Trucker heißen. Nur drückte er sich, wo es irgend ging, vor der Arbeit. Nadine Heat saß ohnehin lieber hinterm Steuer als er. Sie bevorzugte es, ihn für die Pausen zu schonen. Von einem Bandscheibenschaden konnte selbstverständlich nicht die Rede sein. Er achtete sehr auf seine körperliche Fitness.

Delgado zog den Kopf zwischen die Schultern und schimpfte lautlos über diese verfluchten Hehler, die ihren Kragen nie voll genug kriegen konnten. Geldgierige Bestien waren sie alle. Ausnahmslos. Und dennoch: Wenn sie sich noch ein paar lohnende Fuhren unter den Nagel rissen und er nicht so hemmungslos auf die Pferdchen setzte, war allmählich Land in Sicht. Einige große Coups noch vor Weihnachten, und die Staaten konnten im ein für alle mal gestohlen bleiben.

Dann ruckte er hoch aus seinen Zukunftsträumen. Fast wäre er gegen den Conventional FLG 12 064 geprallt. Und damit auch gegen zwei Männer, die zwischen Zugmaschine und Aufleger herumhantierten.

»Endlich«, knurrte der eine. »Wurde auch Zeit, dass du eintrudelst.«

»Halt die Schnauze, Huppy«, erklärte der schöne Edmond in aller Ruhe. »Ihr erledigt die Arbeit und ich trage die Verantwortung. So ist das nun mal im Leben.«

Nun richtete sich auch der andere auf. Beide Männer trugen dicke Jacken, doch deswegen schwitzten sie nicht.

»Ich glaube, ich zerknautsch ihm jetzt die Fresse«, verlautbarte Hatty Moss. Er war der Jüngere des fast identischen Brüderpaars. Beide schleppten sie riesige Muskelpakete mit sich herum. Nicht wenige davon zwischen den Ohren. Sie deshalb jedoch als völlig dumm zu bezeichnen, wäre verfehlt gewesen. Denn sie hatten durchaus ihre Talente.

Ging es zum Beispiel darum, ein Vorhängeschloss zu knacken, und es stand kein geeignetes Werkzeug zur Verfügung, so hatten sie Verstand genug, den Bügel aufzubeißen. Mit Betonblöcken jonglierten sie, wie andere Leute höchstens mit Medizinbällen, und jeder Einzelne von ihnen stemmte mit Leichtigkeit gleich ein halbes Dutzend Intellektueller auf einmal in die Luft.

»Lass ihn doch«, versuchte ihn Huppy zu beruhigen. »Du kennst ihn ja. Der hat sie doch nicht alle und stört uns nur. Hauptsache, er fährt den FLG.«

»Willst du diesen lahmen Arsch auch noch verteidigen?«, brauste Hatty im Ungestüm der Jugend auf. »Und ich sag dir, der braucht mal eine gescheuert, dass ihm die Plomben aus den Zähnen fliegen.«

»Aber nicht doch, Hatty.«

Mittlerweile sah es ganz danach aus, als hätten die beiden während ihres Zwiegesprächs den schönen Edmond bereits vergessen. Sie setzten es auch wie begonnen fort, ohne ihm faktisch Neues hinzuzufügen.

Eines stimmte allerdings: etwas vergesslich waren sie. Diesem Umstand verdankten sie es nicht zuletzt, dass jeder von ihnen die erste Grundschulklasse viermal besuchte, bevor sie hinaus ins feindliche Leben traten, das sie jedoch bislang unbeschadet überstanden hatten. Denn wer wollte es schon mit ihnen aufnehmen? Wer wagte es, die Hand gegen sie zu erheben? Die einzigen Blessuren, die sie je erleiden mussten, hatten sie sich in brüderlicher Gegenseitigkeit selbst zugefügt.

Delgado schaute auf seine zierliche, mit Diamantsplittern besetzte Uhr, wobei er seine feinen Nappalederhandschuhe anmutig nach vorn rollte. Es war noch etwas Zeit, stellte er fest.

»Wollt ihr nicht aufhören, mir den Nerv zu töten?«, fragte er sanft. »Ich muss Hatty recht geben. So geht es nicht weiter. Ich mag nur glückliche Menschen um mich haben. Und wenn es Hatty glücklich stimmt, meinen Plomben das Fliegen beizubringen, dann soll er’s doch mal versuchen. Ich habe sein ständiges saublödes Gequatsche satt bis zum Scheitel.«

Die beiden fuhren auseinander. Hatty schlug sich mit dem Handballen gegen die Schläfe.

»Ich hör wohl nicht richtig, eh?«

Edmond Delgado war absolut nicht scharf auf Schlägereien. Andererseits war er in seiner Jugend ebenfalls gezwungen gewesen, selbst an die Front zu treten, wenn sich mal kein Dümmerer fand, der jene ungeliebten Auseinandersetzungen für ihn übernahm.

Es war gar nicht so schwer gewesen, sich einige dieser asiatischen Mordtechniken anzueignen, denn hätte das größere Schwierigkeiten bereitet, wäre der schöne Edmond ihnen rasant ausgewichen. Tatsache blieb, dass seine Kampferfahrung weder aus der Gosse noch von irgendwelchen Hinterhöfen stammen. Allerdings bedeutete das nicht, dass Delgado sich einem echten Karateka oder Kung-Fu-Fighter gestellt hätte. Er neigte nicht zum Suizid.

Für solche Fälle bevorzugte er dann die sogenannten Abstandswaffen wie Revolver und Pistolen. Noch lieber war ihm jedoch ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr, wobei es keine Rolle spielte, ob ihm sein jeweiliger Gegner nun die Stirn oder den Hinterkopf darbot.