Rose – Lady des Strichs: Redlight Street #34

G. S. Friebel

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Rose – Lady des Strichs

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Rose – Lady des Strichs

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REDLIGHT STREET #34

von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

Nach einem schweren Schicksalsschlag fällt die einst lebenslustige Rose in ein tiefes Loch und droht in der Gosse zu landen: auf dem Hafenstrich. Gibt es noch einen Menschen, der ihr Halt gibt und sie auffängt?

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Copyright

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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SIE WAR EINE LUSTIGE Betriebsnudel! Man konnte Pferde mit ihr stehlen. Wohin sie kam, war was los; da wurde gelacht und Spaß gemacht. Alle mochten das Mädchen gern. Sie war einfach erfrischend.

Auch ihre beiden Freundinnen fühlten sich wohl in ihrer Nähe. Sie verstanden sich wirklich gut und erzählten sich auch vieles. In den Pausen und auch nach Feierabend waren sie viel zusammen.

Aber dann, eines Tages, war alles anders!

Rose hatte einen Freund gehabt, den sie heiß und innig liebte! Sie ging völlig in dieser Freundschaft auf, die einfach alles für sie bedeutete.

Doch dann zerbrach sie!

Fassungslos stand sie vor diesem Scherbenhaufen und wusste eigentlich nicht, wie es dazu gekommen war. Er hatte nicht mit ihr gespielt, nein, das nicht; aber der Mann hatte eingesehen, dass er sie nicht an sich binden konnte. Dann musste er auch für lange Zeit nach Amerika. Er hatte von Anfang an mit offenen Karten gespielt, aber Rose hatte es in ihrer Verliebtheit einfach vergessen. Sie hatte die Augenblicke inbrünstig geliebt. Und jetzt war alles aus.

Sie war am Ende.

Zutiefst fühlte sie sich verletzt. Sie hatte ihn angefleht: »Verlass mich nicht, ich will auch alles tun, was du sagst, aber verlass mich nicht!«

»Hör zu, das geht nicht gut. Bitte, du musst das verstehen. Du würdest nur unglücklich werden, meine Liebe! Du bist noch zu jung, das Leben liegt vor dir!«

Er war zwanzig Jahre älter als sie.

Aber so war sie nun einmal, die Rose; sie liebte die älteren Männer, weil ihr Vater aus dem Kriege nicht heimgekommen war. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an die Freundinnen. Maria sagte: »Du musst ihn eifersüchtig machen, du musst dir schnell einen Freund suchen und ihn das wissen lassen, das wird ihn treffen.«

Ellen aber warf ein: »Nein, das ist nicht schön. Du solltest mal über alles nachdenken, was er dir gesagt hat.«

Rose hörte auf Maria. Sie wollte ihn zurückhaben, die stille Ellen lag ihr im Augenblick nicht. Sie ahnte nicht, dass Maria gar nicht in der Lage war, wirklich zu lieben.

Sie hatte einen Kurzurlaub angetreten und kam fünf Tage später zurück.

»Ich habe einen neuen!«, sagte sie strahlend.

Ellen sah sie an.

Sie spürte instinktiv: Etwas stimmte bei Rose nicht. Sie wusste zwar nicht was, aber die Freundin kam ihr verändert vor.

Maria lachte: »Na also! Dann hast du ja jetzt alles, um ihn wild zu machen.«

»Ja«, sagte Rose.

Sie war wie aufgedreht, man kannte sie nicht wieder. Aber es war eine hektische Fröhlichkeit. Sie überschlug sich selbst.

Dann lernten die Freundinnen den besagten Mann kennen. Er war zehn Jahre älter als Rose und hieß Hugo. Maria war oberflächlich und dachte nicht viel darüber nach. Doch Ellen fand, Rose war nicht wirklich glücklich bei diesem Mann.

Ein paar Wochen später kam sie geknickt zu Ellen. Sie war den Tränen nahe.

»Was ist denn geschehen?«

»Ich habe ihn wiedergetroffen«, sagte sie leise.

»Du meinst Fred?«

»Ja.«

»Und!«

»Hugo war bei mir. Wenig später trafen wir uns allein.«

»Und hat es geklappt, wie Maria sagte?«

»Nein«, antwortete sie spröde, »das ist es ja. Mein Gott, Ellen, ich bin ein Trottel, ein Esel, einfach alles.« Dann konnte sie die Tränen nicht länger zurückhalten.

»Was ist denn los?«

»Er ist zurückgekommen. Er hatte sich alles gründlich überlegt und sich gesagt: Wenn Rose mich wirklich so liebt, wie sie gesagt hat, dann will ich es mit ihr versuchen. Er war bereit, Ellen, und jetzt ...«

»Das ist doch wunderbar«, sagte Ellen. »Dann bist du also jetzt glücklich.«

»Nein!« Sie schrie es fast. »Er war geschockt, betroffen. Er hat mir gesagt, ich hätte ihn gar nicht wirklich geliebt, wenn ich mich so schnell trösten könnte. Das hat er mir mitten ins Gesicht gesagt.«

»Mein Gott«, sagte Ellen leise.

»Ich habe versucht, ihm zu sagen, wie es sich in Wahrheit verhält; aber du kannst dir ja denken, dass man mir das nicht glaubt. Er ist der Meinung, das wäre jetzt nur eine Ausrede von mir. Und dann ist er gegangen, endgültig.«

»O Rose, das tut mir entsetzlich leid.«

Ihr Gesicht wirkte spröde.

»Nun denn, dann muss ich halt in den Apfel beißen, den ich selbst aufgehoben habe.«

»Was willst du damit sagen?«

»Du kennst die Ansichten meiner Mutter nicht!«, sagt sie auflachend. Aber es war ein unschönes Lachen. Aller Kummer lag darin.

»Wieso?«

»Ich war doch mit ihm verreist, Ellen; ich wollte doch alles vergessen, du weißt doch. All die herrlichen Stunden wollte ich überdecken. Es ist mir zwar nicht gelungen, aber ich war doch mit ihm fort. Meine Mutter sagt, mit wem man geschlafen hat, den muss man auch heiraten.«

»Aber das sind doch antiquierte Ansichten, Rose.«

»Das sagst du, aber es ist meine Familie. Sie macht mir die Hölle heiß.«

»Liebst du Hugo?«

Rose sagte: »Ich muss runter, bestimmt wird man schon auf mich sauer sein. Wir treffen uns am Mittag in der Kantine?«

»Ja, wie immer.«

Sie hatte also keine Antwort auf diese Frage gegeben.

An diesem Tag trafen sie sich dann doch nicht. Oben war wieder einmal hektischer Betrieb gewesen.

Erst zwei Tage später sah sie Rose wieder, in der Kantine, mit Hugo. Er arbeitete in der Nähe und nahm mittags das Essen hier ein.

Rose war hektisch und aufgedreht.

Ellen war verblüfft.

Sie war wie eine fremde Person. Die alte liebe Rose hatte sie in einer Schublade verstraut, und dort sollte sie für lange, lange Zeit liegenbleiben.

Ellen versuchte sie ein paarmal aufzurütteln, aber sie hörte nicht mehr auf sie. Wenn Rose etwas in Angriff nahm, dann tat sie es gründlich. Innerlich hatte sie sich von dem ersten Mann getrennt; jetzt hatte sie Hugo. Also wollte sie auch glücklich werden mit Hugo. Auf Biegen und Brechen.

Sie veränderte damit aber auch ihre Persönlichkeit.

Hugo machte alles mit, was Rose sagte oder verlangte.

Er hatte einige unschöne Angewohnheiten, aber Rose meinte, ihm die abgewöhnen zu können. Darin sollte sie sich aber gründlich irren.

Wenn sie von der Zukunft oder der Ehe sprach, dann nur von Kindern. Sechs wollte sie haben. Jedem sagte sie das. Dann heirateten sie, Ellen übrigens in dieser Zeit auch. Maria war zu flatterhaft, sie wollte nie heiraten.

Ellen und Rose blieben in Verbindung, zumal sie auch beide zur gleichen Zeit schwanger wurden. Rose war hektischer denn je, wie ein aufgezogenes Jo-Jo. Man kam einfach nicht mehr an sie heran.

Hugo sagte nichts, Hugo tat alles, er ließ sie gewähren, er sagte auch nichts dazu, als sie oft und öfter sagte: »Es wäre doch schön, wenn wir es wie die Bären machen würden. Sobald man schwanger ist, verlässt der Bär das Weibchen, und kommt erst wieder, um sie abermals zu decken.«

Hugo grinste und sagte nichts.

Ellen war entsetzt. Immer wieder fragte sie sich: Wie wird das enden? Sie ist nicht mehr die alte Rose. Wann wird sie aufwachen?

Dann wurde Heiner geboren. Das arme Kind. Die Mutter überschüttete es mit ihrer Liebe. Sie war nur um das Kind herum. Alles andere kümmerte sie überhaupt nicht. Der Mann war ihr vollkommen gleichgültig. Sie betete das Kind an, suchte darin den Ersatz ihrer Liebe.

Hugo schwieg noch immer, grinste nur und ließ sie gewähren. Viele sagten: Das ist doch wirklich die Höhe! Er muss doch endlich begreifen, dass man auf diese Art keine normale Ehe führen kann.

Die Mutter, die Geschwister, alle waren der gleichen Ansicht. Rose ging mit einem Trotz ihren Weg, der ohnegleichen war.

Viel Schuld trug auch die Mutter daran, da sie dem Mädchen solche verschrobenen Ansichten eingepaukt hatte.

Rose war nur sie selbst, wenn sie sich bei ihrer Freundin aufhielt und der Mann weit weg war. Dann kam sie für Augenblicke wieder zu sich. Es war, als ob sie aus einer Haut schlüpfte. Dann konnte man hinter ihre Maske blicken.

Sie führte ein sehr einsames Leben.

Dann wurde sie abermals schwanger.

Das erste Kind wurde schon größer. Sie brauchte wieder etwas, um sich abzuschirmen. Das schaffte sie auch vollkommen. Mit dem Baby schloss sie sich ein, sie wollte niemanden dabeihaben. Die Mutter-Kind-Beziehung durfte nicht gestört werden. Sie kostete jede Sekunde mit dem Baby aus. Es war ihre kleine Welt. Alles andere versank dagegen, wurde völlig unwichtig.

Dann kamen finanzielle Schwierigkeiten auf. Sie bewährte sich wundervoll, stand zu ihrem Mann und half, wo sie nur konnte. Darin war sie wirklich perfekt, ließ sich vieles von seinen Geschwistern gefallen. Alles schluckte sie; und Hugo stand dabei und grinste.

Sie wurde älter und reifer. Die Kinder wurden größer, wollten nicht mehr so von der Mutter gegängelt werden. Zwar versuchte sie es immer wieder, aber Kinder reagieren manchmal fast brutal. Und mehr als zwei Kinder hatten sie sich bei der Geldknappheit nicht leisten können.

Die Beziehung zu ihrer Freundin Ellen war mal eng, dann auch wieder ganz locker.

Anfangs lud man sich noch ein, aber Ellen mochte Hugo und dessen Fehler nicht, die ihr auf die Nerven gingen. Was sie einfach nicht übersehen konnte, war sein Schmarotzer- und Angebertum. Sie litt mit Rose, wenn sie das Ehepaar gemeinsam einlud. Hugo störte sich kein bisschen daran; Hauptsache war, dass sein Magen mit allen Köstlichkeiten bis zum Rande gefüllt wurde. Und wenn er dazu die Schüssel einem anderen vor der Nase fortnahm. Er bemerkte wohl auch nicht, dass jedes Mal alle erstarrten und nur aus Barmherzigkeit Rose gegenüber das überspielten. Aber dieser sein größter Fehler nahm mit den Jahren immer schlimmere Ausmaße an. Man konnte es einfach nicht mehr ertragen.

Ellen hatte Mitleid mit Rose, und so ging sie zu ihr, wenn sie wusste, dass der Mann nicht im Hause war.

»Warum gehst du nicht wieder arbeiten?«, fragte sie die Freundin, um sie zu aktivieren, sie auf andere Gedanken zu bringen. »Das Geld könntet ihr doch auch nötig gebrauchen.«

»Die Kinder brauchen mich noch.« Das war jedes Mal die Antwort.

»Aber sie sind jetzt schon größer und selbständiger.«

»Nein, jetzt brauchen sie mich erst recht, viel mehr noch.«

Wieder legte sie sich Scheuklappen an. Sie hatte einfach Angst, die Kinder könnten tatsächlich selbständig werden; damit wäre ihr Leben sinnlos und leer geworden.

All die Jahre hatte sie geschauspielert, hatte ihr Bestes gegeben, hatte eine perfekte Ehe geführt, hatte sich für die Familie aufgeopfert. Doch allmählich kam sie der Erschöpfung nahe. Sie konnte einfach nicht mehr.

Einmal hatte sie mit der Freundin ein langes Gespräch.

»Weißt du, mein größter Fehler war wohl, dass ich immer geglaubt habe, Hugo liebe mich. Aber ich habe Perfektion verwechselt mit Liebe.«

»Wie meinst du das?«

»Oh, er ist ein perfekter Liebhaber, wirklich, das muss man ihm bescheinigen, aber sonst nichts, gar nichts.«

»Wie bitte?«

»Es geht nicht unter die Haut, wenn du verstehst, was ich damit sagen will. Er kann, glaube ich, nicht mit dem Herzen lieben, er ist wie ein Roboter.«

»Willst du damit sagen, dass ihr ohne Liebe gelebt habt?«

»Ich habe mich bemüht, Ellen, das musst du mir glauben. Ich habe mir damals gesagt, gut, ich hab die Sache verpatzt, meine eigene Schuld, also mach ich jetzt das Beste draus. Ich hab es getan, mein Gott, ich hab so viele Kämpfe ausgestanden! Aber ich bin am Ende.«

»Du hast ihn also nie geliebt?«

»Weißt du«, sagte sie müde, »du kanntest doch meinen Fimmel. Ich fand es einfach schick, dass sich ein älterer Mann für mich interessierte. Ich war richtig weg, wirklich, habe es mit Liebe verwechselt. Und dann kam auch Trotz hinzu. Die Mutter hat mir so sehr in den Ohren gelegen. Zuerst hat sie pausenlos gesagt, ich müsste ihn heiraten, weil ich schon mit ihm intim gewesen war. Als sie ihn dann näher kennen lernte, wollte sie mich dann doch davon abhalten.«

»Das wollte deine Mutter wirklich?«

Sie nickte.

»Mein Gott, und ich hab die ganze Zeit geglaubt, deine Mutter wäre keine Menschenkennerin.«

Rose lächelte müde.

»Du meinst, wegen seiner Fehler?«

»Ach, weißt du, die gehen mich nichts an; aber sag mal, Rose, haben die dich denn nie gestört?«

»Und wie! Von Anfang an. Aber ich habe halt gedacht, das könnte ich ihm abgewöhnen.«

Ellen musste unwillkürlich auflachen.

»So naiv warst du wirklich? Aber hast du denn nie gehört, dass man das nicht kann?«

»Schon, aber ich hielt mich für klüger. Ich hab gedacht, das krieg ich schon hin.«

»Du tust mir wirklich leid.«

»Ich habe ja meine Kinder«, sagte sie müde.

»Verschließ doch nicht schon wieder deine Augen, Rose. Die Kinder hast du zwar noch, aber sie gehen ihre eigenen Wege; und sie werden immer stärker fortgezogen. Ein paar Jährchen noch, und sie verlassen das Haus.«

Rose schloss die Augen.

»Was soll dann werden?«

»Ich habe dir schon so oft gesagt, nimm doch wieder eine Arbeit an, das hilft über vieles hinweg, meine Liebe. Du weißt wohl noch gar nicht, dass Arbeit auch sehr wichtig sein kann, dass man darin so etwas wie Erfüllung finden kann?«

»Meinst du?«

»Aber sicher, glaube mir nur dieses eine Mal.«

»Na schön, ich werde mich mal umhören. Vielleicht hast du wirklich recht. Wenn ich bedenke, wenn ich damals auf dich und nicht auf Maria gehört hätte, wäre mein Leben jetzt ganz anders verlaufen.«

»Du darfst nicht mehr zurückdenken, Rose, nur vorwärts!«

»Du machst mir Mut.«

Sie erhob sich.

»Ich muss jetzt gehen.«

»Sehen wir uns nächste Woche.«

»Ich weiß es noch nicht, ich werde dich anrufen.«

Sie trennten sich.

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ZEHN TAGE SPÄTER.

Das Telefon klingelte. Ellen nahm den Hörer ab und meldete sich.

»Ellen?«

»Ja.«

»Ich bin es, Rose. Du, ich hab eine Arbeit gefunden!«

»Ehrlich?«

»Ja, ich sag dir, das ist ein toller Job!«

Das war wieder die alte Rose, die dort am Telefon sprach.

»Das freut mich aber für dich, Rose. Was machst du dann?«

Die andere lachte glucksend.

»Das wirst du nie erraten, deshalb werde ich es dir erzählen. Also, halte dich fest, ich werde Abtasterin; na, was sagst du jetzt?«

Ihre Stimme klang richtig ausgelassen, richtig fröhlich.

»Wie bitte?«, lachte Ellen zurück.

»Ja, da staunst du, was? Hier am Flughafen! Die brauchen Frauen, die die weiblichen Fluggäste auf Schusswaffen abtasten, verstanden?«

»Das ist ja wunderbar! Der richtige Job für dich! Da kommst du mit vielen Menschen zusammen und hast deinen Spaß.«

»Ja«, sagte sie ehrlichen Herzens, »da hast du vollkommen recht. Du weißt gar nicht, wie lustig es hier sein kann. Vom Geld mal ganz abgesehen.«

Dann kam wieder die Entschuldigung.

»Es ist nur stundenweise, so kann ich mich noch immer um meine Familie kümmern.«

Sie wollte sich selbst wieder recht geben.

»Hör mal, für die wird es auch gut sein, wenn du mal auf andere Gedanken kommst.«

»Ich ruf dich wieder an!«

Dann hörte Ellen einige Wochen nichts mehr von Rose. Sie ging in die Wohnung der Freundin und stellte erfreut fest, dass Rose bald wieder die alte war.

»Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sich jetzt mein Leben langsam verändert.«

»Doch, denn du bist aufgewacht, Rose, das ist alles.«

Aber da gab es noch immer ein paar Wälle, die sie übersteigen musste. Ein Anfang war immerhin gemacht worden. Jetzt band sie sich auch nicht mehr so sehr an ihre Kinder.

Hugo sagte wie üblich nichts.

Rose meinte: »Er ist froh, dass ich jetzt etwas hinzuverdiene, so brauchen wir nicht mehr so schrecklich zu sparen.«

Ellen hatte es oft auf der Zunge gelegen, zu fragen: »Was machst du eigentlich, wenn du mit deinem Mann allein bist?« Aber sie tat es nicht.

Wieder vergingen einige Wochen.