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Ritt nach Dakota

Klappentext:

Roman:

CALLAHAN

 

Band 18

 

Ritt nach Dakota

 

Ein Western von Wolf G. Rahn

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover 2018: Tony Masero

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappentext:

Ich war nach Lewistown gekommen, weil ich einen Job suchte. Irgendwie schien ich Glück zu haben, denn ich musste gar nicht lange warten, bis ich einen Job bekam. Gleich zwei Leute wollten, dass sie sie nach Dakota begleitete. Der eine war ein kauziger Oldtimer namens Rip Foggers, und auch die schöne Carol wollte das gleiche.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, wie viel Ärger ich mir einhandeln sollte, wäre ich nie im Leben mit Carol und dem alten Mann losgezogen. Denn unterwegs stießen wir auf drei hartnäckige Cheyenne-Krieger, die uns jede Menge Schwierigkeiten machten. Und zuletzt gab es nur noch eine Chance: kämpfen oder sterben!

 

 

 

Roman:

Der Ärger fing genau in dem Ort an, der rein äußerlich ein Vorort des Himmels zu sein schien.

Ich hockte ich hier in Lewistown und schaute mich nach einem Job um. Das war gar nicht so einfach, denn einerseits waren kräftige Burschen, die auch zupacken konnten, zwar gern gesehen, andererseits aber misstraute man hier jedem Fremden, der hoffnungslos verdreckt und mit einem übermüdeten Gaul in die Stadt einritt. Vermutlich lag das an einschlägigen Erfahrungen.

Dass die Leute mich trotzdem nicht nach Einzelheiten fragten, rechnete ich ihnen hoch an. Und den Sheriff, der vergaß, in seiner Schublade nach eventuellen Steckbriefen zu kramen, schloss ich direkt in mein Herz.

Aber das waren auch schon die einzigen Erfolge, die ich während der ersten drei Tage zu verzeichnen hatte. Arbeit bekam ich keine.

Natürlich hätte ich einfach nur weiter zureiten brauchen. Doch es gefiel mir nun mal in Lewistown. Die Mainstreet, die sogar am Abend, wenn das Lärmen aus den Saloons drang, friedlich blieb, hatte etwas Anheimelndes. Ich konnte mir gut vorstellen, hier in fünfzig Jahren meinen Lebensabend zu verbringen, wenn man mich bis dahin in Ruhe ließ.

Eigentlich bin ich kein Thekensteher. Aber wenn man in einer fremden Stadt nicht noch mehr auffallen will, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als am Abend ein paar Bier zu schlucken. Das hat außerdem noch den Vorteil, dass man ein paar Bekanntschaften schließt und dadurch möglicherweise eher zu einem Job gelangt.

Und tatsächlich schien ich diesmal Glück zu haben.

Mir war der Alte schon vor einer Weile aufgefallen, weil er mich so ungeniert anstarrte, als schuldete ich ihm noch zehn Dollar.

Zuerst beobachtete ich ihn aus den Augenwinkeln. Dann starrte ich einfach zurück und erreichte damit, dass er sich an seinem Bier verschluckte.

Der Bursche trug einen Urwald im Gesicht, wodurch ich dessen Ausdruck unmöglich erkennen konnte. Lediglich die Lippen waren frei und zwei kleine mausgraue Augen, die mich unternehmungslustig anblitzten.

Dieses Blitzen schrieb ich allerdings hauptsächlich dem Bier zu, denn der Alte hatte bereits das sechste Glas, seit ich an der Theke stand, und er war schon vor mir im Saloon gewesen.

Ich hielt es für gesünder, meinen Standort zu wechseln. Ich nahm also mein Glas und schob mich damit an den Alten heran. Jetzt stand ich so, dass ich die Schwingtür im Rücken hatte, und das gefiel mir schon wesentlich besser.

Ich stellte mein Glas auf den kleinen, runden Tisch, an dem der Mann saß, und bevor ich etwas sagen konnte, lud er mich bereits mit einer Handbewegung ein, bei ihm Platz zu nehmen.

Üblicherweise bittet man einen Mann nicht an seinen Tisch, wenn man beabsichtigt, ihn über den Haufen zu schießen. Aber so genau kannte ich die Gebräuche in Lewistown noch nicht.

Er nahm einen kräftigen Schluck, wischte sich mit dem Ärmel über den Bart und knallte den Krug auf die Tischplatte zurück.

„Du suchst einen Job, Junge?“, begann er. Seine Stimme hörte sich so kratzig an, dass ich sicher war, einen Mann vor mir zu haben, der lieber Whisky und Brandy trank als Bier. Dafür sprach auch seine knollige Nase, die zumindest in der Farbe jeder Rothaut zur Ehre gereicht hätte.

Seine Worte waren Musik in meinen Ohren. Er war mir sofort unheimlich sympathisch, denn dass er von mir nicht verlangen würde, eine Rinderherde zu stehlen oder einen Bankdirektor zu erschießen, war ihm anzusehen.

Ich versuchte, ihn einzustufen. Vormann auf einer Ranch war er kaum. Dafür soff er zuviel.

„Meinen Glückwunsch zu Ihrer guten Beobachtungsgabe“, sagte ich. „Haben Sie was anzubieten, Mister?“

„Du kannst Foggers zu mir sagen. So heiße ich nämlich. Rip Foggers. Ich hoffe, dass wir ins Geschäft kommen.“ Er trank sein Glas leer und brüllte nach einem neuen.

Ich nannte meinen Namen nicht unnötig laut.

Er reagierte in einer Weise, als hätte ich Brown oder Curtis geheißen, nämlich gar nicht.

„Ich werde gern für Sie arbeiten, Mr. Foggers“, sagte ich, „wenn Sie nichts Ungebührliches von mir verlangen.“

Der Alte kicherte in seinen Urwald hinein. „Ungebührliches? Der Halunke mit dem Pferdefuß soll dich schmoren und zur Suppe kochen, wenn dir so etwas einfällt. Nein, beim alten Foggers wird ehrbar gearbeitet. Hast du ein Pferd?“

Ich nickte. „Und ich kann sogar darauf reiten.“

„Das wirst du auch müssen, denn zu Fuß ist es ein bisschen weit.“

„Wie weit?“

„Irgendwo nach Dakota. Östlich vom Missouri.“

Jetzt nahm auch ich einen Schluck. „Was soll ich dort?“

„Mich begleiten, Callahan.“

Ich glotzte ihn an. Dann ließ ich die Mundwinkel hängen. „Mist!“, knurrte ich enttäuscht. „Ich hatte schon geglaubt, ich hätte einen Job.“

„Du hast einen. Was gefällt dir nicht daran?“

„Die Gegend. Ich habe nichts gegen Indianer. Aber woher weiß ich, dass sie auch nichts gegen mich haben?“

„Ich wusste nicht, dass du ein Feigling bist, Callahan.“

Jeder andere hätte auf diese Beleidigung die richtige Antwort von mir erhalten, aber ich konnte mich unmöglich mit einem Greis anlegen, der in seinem Suff nicht mehr wusste, was er sagte.

„Ich reite die Strecke dreimal hin und wieder zurück“, prahlte ich. „Aber allein. Nicht mit einem Anhang, den ich auf dem Sattel festbinden muss, damit er nicht herunterfällt.“

Rip Foggers war nicht beleidigt. Er lachte gut gelaunt, aber meine Stimmung besserte sich dadurch nicht.

„Sonst noch etwas?“, fragte ich uninteressiert.

„Möchtest du nicht wissen, was ich zahle?“

Ich hob die Schultern. „Auf jeden Fall Ihren Skalp. Beidseits vom Yellowstone River wimmelt es jetzt von Rothäuten. Sioux und auch Cheyenne. Nach Little Bighorn sind sie jetzt in der richtigen Stimmung. Die fragen nicht lange, ob wir einen blauen Rock tragen oder nicht.“

„Zweihundert Dollar.“

„Zweihundert Dollar dafür, dass ich Sie nach Dakota bringe?“

„Lebendig natürlich.“

„Das ist der Haken, Mr. Foggers. Was halten Sie von Oregon oder Idaho? Ich kenne die Gegend. Sie ist sehr hübsch.“

Der Alte schien gar nicht zugehört zu haben. „Wohnst du im Silver Hotel?“, erkundigte er sich.

„Ist mir zu teuer. Für mich tut’s auch das Vivian Hotel.“

Das Urwaldgesicht rümpfte die rote Knollennase. „Geschmacksache! Komm’ lieber ins Silver Hotel. Da kannst du sogar ein Bad kriegen.“

Ich wehrte ab. „Das gibt’s bei Vivian auch.“

Rip Foggers ging auf. „Dann leiste dir, verdammt nochmal, gefälligst so einen Bottich mit heißem Wasser und wasche dir deine Ohren! Ich sagte Dakota und nicht Idaho oder Oregon. Wenn du Appetit auf ein saftiges Steak hast, und einer bietet dir trockene Bohnen an, was würdest du dann sagen?“

„Ein hübscher Vergleich, Mister. Offenbar haben Sie Appetit auf ein Steak in Ihrem eigenen Saft. Wie schon gesagt. Wenn Sie mich mit einer Botschaft hinüberschicken wollen, bin ich Ihr Mann, aber als Reisegefährte durch dieses Gebiet passen Sie mir nicht.“

„Auch nicht für zweihundert Dollar?“

„Nicht für zweitausend.“

„So viel könnte ich auch nicht anlegen. Aber ich bin sicher, dass du dir die Sache noch überlegst.“ Er grinste geheimnisvoll. „Ich bin ganz sicher.“

 

*

 

Der Verrückte kostete mich die halbe Nacht. Ich grübelte stundenlang, was den Alten ausgerechnet nach Dakota trieb, aber ich kam nicht drauf. So schlief ich erst nach Stunden ein, und als ich am Morgen aufwachte, war meine Laune entsprechend.

Als ich in die Halle hinunterkam, hellte sich mein Gesicht schlagartig auf. Ich sah durch die offenstehende Tür, die in das angrenzende kleine Speisehaus führte, das zum Hotel gehörte, eine Frau sitzen, die meinen Blutdruck beträchtlich in die Höhe trieb.

Ich hatte sie hier noch nie gesehen, was allerdings nicht viel bedeutete, denn ich hatte meine Zeit damit totschlagen müssen, um Arbeit zu betteln. Dabei waren mir auf den Ranches zwar auch zum Teil recht ansehnliche Girls begegnet, aber diese Fee stellte doch alles in den Schatten, was sich in meiner Erinnerung an die letzten Wochen herumtrieb.

Sie trug eine einfache Reithose und eine Baumwollbluse, die vielleicht ihrer jüngeren Schwester gepasst hätte, falls eine solche vorhanden war. Ihr saß sie jedenfalls mächtig knapp auf der Haut und konnte allenfalls dazu dienen, ihr die lästigen Fliegen vom Leib zu halten. Sie verdeckte keine der ansehnlichen Rundungen, sondern betonte sie eher.

Mein Mund wurde trocken. Ich brauchte dringend meinen Morgenkaffee, damit ich nicht gänzlich die Sprache verlor.

Sie hob nur flüchtig den Kopf, als ich den Raum betrat, und wandte sich dann wieder ihrem Maiskuchen zu.

Himmel, hatte dieses Mädchen Rasse! Das Gesicht war noch fast mädchenhaft. Allerdings las ich darin jene Art Neugier, die mir gefiel.

Sie besaß lange, schwarze Haare, die sie zu einer kunstvollen Frisur zusammengesteckt hatte. Ihr Nacken blieb dadurch frei. Seine verführerische Linie raubte mir den Atem. Ich konnte nur hoffen, dass er mir den Verstand ließ.

Ich hatte einen kurzen Blick aus dunklen Augen eingefangen und war mir nicht sicher, ob ich nur Desinteresse oder gar Spott darin gelesen hatte.

Wenn diese Frau mir den richtigen Job anbot, würde ich sogar auf die Bezahlung verzichten. Aber daran dachte sie leider nicht.

Sie mochte Mitte Zwanzig sein. In diesem Alter und mit dem Aussehen lief sie bestimmt nicht mehr allein durch die Straßen von Lewistown. Von ihrem Begleiter war allerdings nichts zu sehen.

Mich ritt der Teufel. Wenn ich mal alt war und an mein verkorkstes Leben zurückdachte, wollte ich mir nicht den Vorwurf machen müssen, es nicht wenigstens versucht zu haben.

Ich trat also an ihren Tisch, grüßte betont freundlich und fragte, ob an ihrem Tisch noch ein Platz frei sei.

Wieder hob sie den Kopf. Sie tat das mit einer provozierenden Langsamkeit, die die Abfuhr schon von vornherein ahnen ließ.

Ihre dunklen Augen bohrten sich wie zwei brennende Zigaretten in meine.

Ich war durchaus in der Lage, einem solchen Blick standzuhalten, aber meine Gedanken blieben dabei nicht sauber. Ein kräftiges Frühstück und danach alle Kraft mit dieser Frau zum Teufel schicken, das war genau das, was mir jetzt gefallen würde.

Zum Glück erriet sie meine Gedanken nicht, denn sie zeigte mit einer ausholenden Geste auf den menschenleeren, Speisesaal und sagte: „Alle Stühle, die Sie hier sehen, sind frei. Natürlich auch dieser, wenn Ihnen der besonders zusagt.“

Ich ließ mich fallen und strahlte sie an. „Es ist weniger der Stuhl, wenn ich ehrlich sein soll.“

„Ich schätze ehrliche Männer“, behauptete sie und wandte sich wieder unbekümmert ihrem Frühstück zu.

Wie weit würde sie meine Ehrlichkeit vertragen? Vielleicht war es besser, wenn ich meinen Angriff nicht mit leerem Magen startete. Ein Tiefschlag war in diesem Zustand besonders schwer zu verdauen.

Der krummbeinige Harry brachte die dampfende Kanne und zwinkerte mir anerkennend zu. Die fremde Schöne hatte es zum Glück nicht gesehen. Sie kaute unverdrossen ihren Kuchen und kümmerte sich herzlich wenig um mich.

„Wohnen Sie hier im Hotel?“ Ich versuchte, eine Unterhaltung in Gang zu bringen.

Leider verneinte sie. „Ich nehme hier nur manchmal mein Frühstück ein.“

„Die Zimmer sind recht ordentlich“, behauptete ich. „Ich könnte Ihnen eins zeigen.“

Das war plump. So ungeschickt bin ich eigentlich nur, wenn ich verwirrt bin. Diese Frau verwirrte mich, und das war ärgerlich. Ein Mann sollte in jeder Situation seinen klaren Kopf bewahren. Auch in einer derartigen. Ich würde es schon noch lernen. Ich musste eben nur tüchtig üben.

Sie ersparte sich eine Antwort darauf. Dafür nannte sie mir ihren Namen. Meinen kannte sie schon. Sie hieß Carol.

Vielleicht hätte sie einen Job für mich gewusst, doch ich war zu stolz, sie ausgerechnet danach zu fragen. Im Moment lag mir eine ganz andere Frage am Herzen.

„Können Sie mit einer Waffe umgehen, Callahan?“, fragte sie unvermittelt.

Donner, das hörte sich verheißungsvoll an!

„Ich schieße Ihnen den Sirup aus zehn Schritten Entfernung von Ihrem Kuchen, wenn Sie es wünschen“, behauptete ich.

„Ich glaube nicht, dass er dann besser schmeckt. Ich meine, trauen Sie sich zu, ein bewegliches Ziel zu treffen, falls es nötig ist?“

„Auch das, Carol. Soll ich Ihnen einen Kerl vom Hals schaffen?“

Nichts wäre mir im Augenblick lieber gewesen. Es musste ja nicht unbedingt mit dem Schießeisen sein.

Eine Hand mit fünf kräftigen Fingern dran tat es meistens auch schon.

„An Ihrer Fantasie ist etwas nicht in Ordnung“, meinte Carol hintergründig lächelnd.

Na, wenigstens lächelte sie schon. Das war ja immerhin ein verheißungsvoller Anfang.

„Helfen Sie mir, sie in Ordnung zu bringen“, schlug ich vor.

„An mir soll es nicht liegen. Passen Sie auf, Callahan! Ich muss dringend nach Shelby. Das liegt im Nordwesten. Würden Sie mit mir reiten? Natürlich nicht umsonst.“

„Über den Preis werden wir uns schon einig, Carol“, sagte ich hastig. Ich hatte da so meine bestimmten Vorstellungen. Ich musste sie nur noch davon überzeugen, dass sie sich mit den ihren deckten. Außer, dass wir durch die Berge mussten, sah ich keine Gefahr bei der Tour. Carol war zwar nicht gerade eine Bärennatur, aber wiederum auch nicht so schwächlich, dass sie der erste Wind aus dem Sattel hob. Ich kannte eine Passage, die ich ihr ohne weiteres zumuten konnte, wenn wir dabei auch einen kleinen Umweg machen mussten. Aber das brauchte ich ihr ja nicht auf ihre hübsche Nase zu binden.

Unterwegs würden sich genügend Gelegenheiten bieten, um uns die Zeit zu vertreiben. Schließlich wollten wir gut gelaunt in Shelby ankommen.

„Ich weiß nicht, wann Sie von hier fortkönnen?“, sagte sie besorgt. „Wie schon erwähnt, ich möchte möglichst bald aufbrechen.“

„Sobald ich runtergekaut und mein Pferd geholt habe, bin ich bereit“, erklärte ich. „Mich hält hier nichts mehr. Ist Ihnen das recht?“

„Sehr sogar. Treffen wir uns in einer Stunde vor der Stadt?“

„Okay! In einer Stunde. Sie werden staunen, wie pünktlich ich sein kann.“

Anscheinend war es ihr peinlich, mit mir zusammen in der Stadt gesehen zu werden. Die Leute konnten gleich wer weiß was denken. Sollten sie nur denken. So weit daneben lagen sie mit ihren schmutzigen Vermutungen gar nicht. Carol wusste nur noch nichts davon.

 

*

 

Ich beendete mein Frühstück überstürzt und ging in mein Zimmer zurück. Dort packte ich meine Habseligkeiten in die Satteltaschen und warf mir diese über die Schultern.

Der verschlafene Clerk sah mich überrascht an, als ich pfeifend die Treppe hinunterging. Eine halbe Stunde vorher hatte ich ihn noch mürrisch angeknurrt.

„Sie wollen schon fort, Mr. Callahan?“, fragte er, als ich die Rechnung beglich.

„Ein Mann ist wie ein Nähgarn“, philosophierte ich. „Gewalt bringt ihn nicht in das Nadelöhr. Dazu braucht es die zarte Hand einer Frau.“

Der Bursche sah mir kopfschüttelnd nach. Natürlich hatte der Banause kein Wort meiner selbsterfundenen Weisheit kapiert.

Aber das störte mich nicht. Mich störte an diesem Morgen überhaupt nichts. Nicht das Fuhrwerk, das in wahnwitzigem Tempo an mir vorbeiratterte und mir so viel Dreck ins Gesicht beförderte, dass ich nach Luft schnappte, nicht die faulen Säufer, die vor den Saloons auf den Sidewalks lagen, nicht mal der rotborstige Kerl, der mich so ungeniert anglotzte, dass es regelrecht in meiner Faust juckte.

Ich befand mich in Hochstimmung. Die ließ ich mir von keinem verderben.

Ich stiefelte zum Mietstall, begrüßte meinen Braunen und sah zufrieden, dass er bereits versorgt war. Auch er war voller Ungeduld. Er konnte es kaum erwarten, aus dem miefigen Stall herauszukommen. So sehr ich ihn in der letzten Zeit hatte schinden müssen, das tagelange Nichtstun behagte ihm offensichtlich noch weniger.

„Wenn du Glück hast, mein Alter“, sagte ich, während ich ihm den schweren Sattel auflegte, „triffst du eine nette Pferdedame, der du nicht gleichgültig bist. Du sollst auch deinen Spaß haben. Nichts ist schlimmer, als wenn du neidisch unter meiner Decke schnüffelst.“