Cover

Table of Contents

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Copyright

Meine eigene Familie hat mich für verrückt erklärt

Ich wurde von dem geliebten Mann menschlich schwer enttäuscht

Ein schlimmer Verdacht hätte fast meine Zukunft zerstört

Viel zu lange merkte ich nicht, was mit meiner Tochter geschah

Was habe ich bei Thorstens Erziehung nur falsch gemacht?

Ich war auf den Erfolg meiner Frau eifersüchtig

Ich habe panische Angst vor dem Alter

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Nur wegen des Babys habe ich die ungeliebte Frau geheiratet

Mit eisernem Willen besiegte ich meine süße Lust

Ich hoffte, meinen Neffen durch Liebe zu ändern

Um mein Kind lieben zu lernen, musste ich durch die Hölle gehen

Ich wollte doch nur, dass meine Tochter glücklich wird

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Dr. Staffner packt aus

Der Psychotherapeut und 13 wahre Fallakten

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 90 Taschenbuchseiten.

 

- Als Rosalie im Lotto gewinnt, erhoffen ihre Verwandten größere Zuwendungen von ihr, die sie nicht erfüllen kann und auch nicht will. Daraufhin versuchen ihre Angehörigen alles, um sie für unzurechnungsfähig zu erklären.

- Obwohl sie aus Erfahrung von den Männern nicht viel hält, lernt Maren während einer Reha mit Helmut die Liebe ihres Lebens kennen. Doch sie muss erfahren, dass auch er sich nicht von allen anderen unterscheidet.

- Barbara wird zu Unrecht eines Diebstahls bezichtigt und verliert dadurch nicht nur ihren Arbeitsplatz. Auch viele Bekannte wenden sich von ihr und ihrem ebenfalls verdächtigtem Freund ab. Als sie schon nicht mehr damit rechnet, wird der wahre Sachverhalt geklärt…

Und 10 weitere Schicksalsgeschichten aus dem Leben...

 

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut kamen viele Menschen zu mir, die ein Ereignis oder ihr eigenes Verhalten aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen hatte. Indem ich versuchte, ihnen zu helfen, erfuhr ich zum Teil erschütternde Lebensbeichten. Die Namen wurden selbstverständlich von mir geändert.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Meine eigene Familie hat mich für verrückt erklärt

Oft stehe ich am Fenster und blicke in die Ferne. Bei klarem Wetter kann ich über den Baumwipfeln die Spitzen der Berge erkennen, jener Berge, die ich in jüngeren Jahren gemeinsam mit meinem Mann erwandert habe. Nun ist Gustav schon seit sieben Jahren tot, und ich fühle mich entsetzlich allein.

Damit, dass ich meine geliebten Berge nur noch von weitem sehen kann, habe ich mich abgefunden. Schlimmer sind die Gitterstäbe vor dem Fenster. Doch ich will die Hoffnung nicht aufgeben, eines Tages hier wieder herauszukommen. Diese Hoffnung ist alles, was mir geblieben ist.

Dabei könnte es mir gut gehen, ja, ich könnte sogar glücklich sein. Doch dieses Eingesperrtsein kann ich nicht ertragen. Sie nennen es Klinik, aber ich weiß, dass es sich um eine Nervenheilanstalt handelt. Ein Irrenhaus!

Besuch bekomme ich sehr selten. Meine Verwandten sind sauer auf mich, weil ich mich nicht so verhielt, wie sie das gern gesehen hätten. Nur gut, dass Gustav nicht mehr erleben muss, wie Gerlinde, Herbert und Katrin ihre Tante behandeln.

Gleich nach seinem Tod haben sie sich nicht viel um mich gekümmert. Damals war ich 61 und hoffte, bei einem von ihnen wohnen zu können. Ich hätte mich gern nützlich gemacht und natürlich auch angemessen von meiner Rente zum Lebensunterhalt beigesteuert.

Doch leider machte mir das Herz zu schaffen. Eine kränkelnde Frau wollte sich niemand aufbürden. Mit der hatte man nur Ungelegenheiten. Außerdem war meine Rente nicht so hoch, dass sie einen Anreiz dargestellt hätte. Große Sprünge konnte ich mir nicht erlauben.

So war ich oft auf die Hilfe fremder Leute angewiesen, wenn ich zu einem Arzt gefahren werden musste oder irgend etwas Dringendes zu besorgen war. Meine Verwandten fanden nur selten Zeit.

Ich wurde manchmal das Gefühl nicht los, dass ich für sie eine Last bedeutete, die sie am liebsten losgeworden wären.

Doch das änderte sich eines Tages. Ich landete nämlich im Lotto einen Treffer. Als Gustav noch lebte, hatten wir immer davon geträumt. Wir hätten uns ein wenig von der Welt angesehen und mit dem Rest die Familie meines Bruders unterstützt, der damals noch lebte.

Jetzt dachte ich nicht mehr ans Reisen. Dafür kam mir der Geldsegen, es handelte sich um 143.000 Euro, als Aufbesserung meiner Altersversorgung gerade recht. Freudestrahlend erzählte ich meinem Neffen und den beiden Nichten von meinem Glück und erkundigte mich nach ihren Wünschen, denn natürlich wollte ich jedem von ihnen eine kleine Freude bereiten.

Gerlinde erwartete, dass ich die Hypothek auf ihrem Haus ablöste. Herbert wollte sich ein Wohnmobil mit allen Schikanen kaufen, und sein Sohn wünschte sich brennend ein schweres Motorrad. Katrin schließlich fand, dass sie sich nun endlich selbständig machen könnte. Mit 120.000 Euro wäre ihr schon geholfen.

Aber nicht nur sie schockten mich mit ihren kostspieligen Wunschvorstellungen. Die Nachricht von meinem Lottogewinn sprach sich in Windeseile bei der Verwandtschaft herum, und plötzlich tauchte sogar meine Halbschwester wieder auf, die schon seit Jahren aus nichtigem Anlass kein Wort mehr mit mir redete. Ein Cousin meldete seinen Besuch an, und alle zeigten mir überschwänglich, wie gern sie mich doch hätten.

Um alle Wünsche zu erfüllen, hätte ich mindestens eine Million zur Verfügung haben müssen. Das versuchte ich, ihnen klarzumachen. Ich erinnerte daran, dass ich wahrscheinlich eines Tages gezwungen sein würde, in ein Altersheim zu gehen. Dafür musste ich eine Geldreserve zurücklegen. Wer sonst hätte wohl die hohen Kosten übernehmen sollen?

Das wollten sie nicht einsehen. Über das Altersheim brauchte ich mir doch jetzt noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Da würde sich schon eine Lösung finden. Aber jetzt müsste ich ihnen helfen. Sie seien doch meine einzigen Verwandten. Rund 50.000 Euro stünden jedem von ihnen zu, rechnete mir mein Neffe vor, indem er den Betrag großzügig aufrundete.

Meine Halbschwester und mein Cousin merkten schnell, dass für sie wohl nichts abfallen würde. Ihre Freundlichkeit schwand. Kurz darauf waren beide wieder abgereist.

Aber Gerlinde, Herbert und Katrin pochten auf ihr Recht, wie sie sich ausdrückten. Sie hätten schon beim Tod ihrer Eltern so gut wie nichts geerbt und wollten nicht warten, bis das schöne Geld eines Tages dem Finanzamt in die Hände fiel.

Ich war bestürzt über ihre Geldgier. Nein, ich ließ mich doch nicht unter Druck setzen. Sie befanden sich ja nicht in Not, und das Geld gehörte schließlich mir. Wenn sie mit wenigem nicht zufrieden waren, bekamen sie eben gar nichts. Ich kannte genug alte Leute, denen kaum das Existenzminimum zur Verfügung stand. Sie hatten ein paar Hunderter nötiger.

Es machte mir Spaß, hier und dort Glücksfee spielen zu können. Nebenbei überlegte ich mir jedoch, wie ich meinen Gewinn möglichst sicher anlegen sollte.

Meine Verwandten zeigten offen ihr Unverständnis. Hinter meinem Rücken erklärten sie anderen Leuten gegenüber, Tante Elisabeth sei offenbar nicht mehr ganz richtig im Kopf. Bei mir müsse man damit rechnen, dass ich Papierschiffchen aus den Banknoten herstelle und sie den Bach hinunterschwimmen ließe.

Zugegeben, der unerwartete Geldsegen ließ mich nicht kalt. Viel mehr aber verwirrte mich die Herzlosigkeit jener Menschen, zu denen ich mich am stärksten hingezogen fühlen müsste. Manchmal glaubte ich wirklich, dass alles nur ein böser Traum sei.

Ich erfuhr, dass sie nach einer Möglichkeit suchten, mich entmündigen zu lassen und sich dadurch mein Geld zu sichern. Bestürzt sprach ich mit meinem Arzt darüber, der mich aber beruhigte. So einfach sei eine Entmündigung nicht. Da müssten schon handfeste Gründe vorliegen.

Dann fing das mit den Anrufen an. Manchmal läutete das Telefon mitten in der Nacht. Eine mir unbekannte Stimme fragte mich, ob ich schon tot sei. Ein andermal behauptete jemand, die Milch, die ich am Vortag gekauft hatte, sei vergiftet. Es war furchtbar.

An einem späten Abend erhielt ich eine telefonische Schreckensnachricht. Anita, das einzige Kind meiner Nichte Katrin, sei von einem Auto angefahren worden. Ich solle schnellstens zur Jakobi-Brücke kommen.

Aufgeregt nahm ich mir ein Taxi, doch an der bezeichneten Stelle hatte es überhaupt keinen Unfall gegeben, und als ich Katrin anrief, rief sie verständnislos ihre quicklebendige Tochter an den Apparat. Ob ich langsam Gespenster sähe, wurde ich gefragt. Diese mysteriösen Anrufe, von denen ich in letzter Zeit erzählte, bildete ich mir doch zweifellos nur ein.

Manchmal glaubte ich es selbst. Wieso passierten nur mir diese verrückten Dinge? An jenem Freitag zum Beispiel. Es hatte den ganzen Tag geschneit. Ich saß beim Abendbrot und ließ nebenbei den Fernseher laufen. Da klingelte das Telefon. Mit tränenerstickter Stimme, die ich kaum verstehen konnte, berichtete meine Nachbarin, ihre Katze sei über den Kirschbaum im Garten auf mein Hausdach geklettert und traue sich nun nicht wieder herunter. Es sei doch so bitterkalt und ob ich sie nicht einfangen könne. Sie selbst läge leider mit einer schweren Erkältung im Bett.

Ich mochte die freundliche und stets hilfsbereite Frau Bülicke gern und ihre Katze Muschi ebenfalls. Also zog ich mir rasch eine warme Jacke über und ging zum Speicher, um das Dachfenster zu öffnen. Viel konnte ich bei der Dunkelheit nicht erkennen, doch am Kamin entdeckte ich etwas Schwarzweißes. Das musste Muschi sein.

Auf mein Locken reagierte sie nicht. Also musste ich wohl oder übel aufs Dach klettern. Sicherheitshalber band ich mir eine Wäscheleine um den Bauch, denn auf den Dachziegeln war es glatt.

Als ich die Hand nach der Katze ausstreckte, fuhr unten das Auto meines Neffen vor. Was, um alles in der Welt, ich bei dieser Temperatur auf dem Dach verloren hätte, fragte er erschrocken. Da die Katze, oder was auch immer es gewesen war, plötzlich verschwunden war, kletterte ich wieder ins Haus und öffnete Herbert die Tür. Als ich ihm den Grund für meinen luftigen Ausflug erklärte, schüttelte er nur den Kopf. Langsam mache er sich Sorgen um mich. Das sei doch nicht mehr normal.

Tatsächlich wusste Frau Bülicke nichts von einem Anruf. Sie war auch nicht krank, und Muschi schnurrte neben der Heizung. Sollte ich mir alles nur eingebildet haben? Ich nahm mir vor, mit meinem Arzt darüber zu reden.

Das erübrigte sich aber, denn ich lernte Carl Petrich kennen. Er kaufte im gleichen Supermarkt ein wie ich und wohnte in der Nachbarschaft, wie ich erfuhr. Er trug meine Tasche bis vors Haus, und unterwegs bekannte er, dass ich in der Gegend ein häufiges Gesprächsthema sei. Spontan schlug er sich auf meine Seite und gab mir recht, dass sich meine Verwandten schämen sollten. Er äußerte sogar den Verdacht, sie könnten hinter den geheimnisvollen Anrufen stecken, und er hatte auch gleich eine Erklärung dafür.

Ich wollte es nicht glauben. War es denn denkbar, dass ihnen jedes Mittel recht war, um meine angebliche Unzurechnungsfähigkeit zu beweisen? Oder wollten sie mich wirklich um den Verstand bringen.

Ich wünschte mir, dieses Geld, das sie unbedingt haben wollten, nie gewonnen zu haben. Andererseits zeigte mir ihr Verhalten in erschreckender Deutlichkeit, dass ich auf ihre Hilfe nicht zu hoffen brauchte, wenn ich eines Tages pflegebedürftig war. Ich musste selbst finanziell vorsorgen.

Carl Petrich machte ein nachdenkliches Gesicht. Ich solle nur auf der Hut sein. Falls ich wirklich entmündigt würde, kämen meine Verwandten auch an mein Bankkonto heran. Ob ich nicht ein sicheres Versteck wüsste. Da brächte das Geld zwar keine Zinsen, aber es könnte mir auch nicht abgegaunert werden.

Ich dachte nach. Im Haus würden sie es früher oder später finden. Carl Petrichs Vorschlag, es irgendwo zu vergraben, hörte sich da schon besser an. Eine geeignete Stelle wollte er mir allerdings nicht nennen. Das müsse ich schon allein entscheiden, sonst sei es ja kein sicheres Versteck mehr.

Da hatte er recht, und er zeigte mir dadurch gleichzeitig, dass er mich nicht etwa betrügen wollte. Dabei hätte er eine Finanzspritze recht gut brauchen können. Sein Sohn hatte sich mit einem Kredithai eingelassen, und nun drohte der Gerichtsvollzieher.

Geld wollte er von mir nicht nehmen. Nicht einmal geliehen. Wie schön, dass ich diesen uneigennützigen Menschen kennengelernt hatte.

Später vergrub ich ein in Wachstuch eingewickeltes Päckchen unter den Rhododendronbüschen im Garten. Vom Küchenfenster aus konnte ich die Stelle tagsüber im Auge behalten. Das beruhigte mich.

Tage darauf erhielt ich erneut eine jener gemeinen Morddrohungen. Sobald ich aus dem Haus käme, würde es mich erwischen, prophezeite eine heisere Stimme. Mein Herz schlug bis zum Hals. Ich brauchte dringend meine Tropfen.

Doch da sah ich Carl Petrich durchs Fenster auf der Straße. Ich klopfte heftig gegen die Scheibe und öffnete das Fenster, während der Anrufer weiter seine Drohungen ausstieß. Auf mein Zeichen lauschte nun auch Carl Petrich in den Telefonhörer, aber es war wie verhext, plötzlich erzählte der Unbekannte völlig harmlose Dinge.