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Table of Contents

HK Greiff und das Messer in der Brust

Copyright

Diskretion Ehrensache

Ehrlich währt doch am längsten

Tod vor der Hochzeitsnacht

Tote Frauen baden nicht

Das Messer in der Brust

Aus reiner Notwehr

Kleine Brötchen für den dicken Fisch

Der Versager

Ein Köder für den Gangster

Schöne Frauen sterben einsam

Lohn für acht Jahre Knast

Zeugen sterben einsam

Immer nur lächeln

HK Greiff und das Messer in der Brust

Kriminalerzählungen von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

 

- Ludwig Gartner hatte sie einmal geliebt, aber inzwischen war Ramona fett und vor allem eifersüchtig. Wenn sie die Sache mit Yvonne erfuhr, würde sie ihm das Leben zur Hölle machen. Also musste er sie genau dorthin schicken. Ganz diskret selbstverständlich.

- Erst ärgert sich die Bankangestellte Gundi über ihren Chef, und dann wird auch noch ihre Filiale überfallen. Da sie aber glaubt, den Räuber erkannt zu haben, ist sie entschlossen, ihm die Beute abzujagen …

- Alle glauben, dass die junge Jessica den doppelt so alten Harald Korder nur des Geldes wegen heiraten will. Doch der Millionär wird noch vor der Trauung ermordet. Jessica wird also nichts erben. Wer aber hatte daran ein Interesse?

Und 10 weitere spannende Kurzkrimis.

 

Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Diskretion Ehrensache

Zwei sinnliche Lippen liebkosten Ludwig Gartners Oberkörper. Träge hob er ein Augenlid und blinzelte in den Morgen hinein. Vor ihm wölbten sich 75 liebeshungrige, lockend parfümierte Kilogramm, und eine sehnsuchtsvolle Stimme schmachtete: „Bist du endlich wach, Liebster? Wir wollen doch nicht die wenigen Stunden, die nur uns gehören, verschlafen.“

Direktor Gartner unterdrückte einen Seufzer, zeigte dabei aber ein erfreutes Lächeln. Er zog seine Geliebte zu sich herab und küsste ihren fetten Hals, um den er viel lieber seine Hände gelegt hätte.

Elf Monate war er nun schon der Liebessklave der Diva. Mit ihrem Geld hatte er sich die Fürsprecher im Aufsichtsrat gekauft, die ihm den leitenden Posten in der Firma verschafften. Er musste die Frau bei Laune halten, wollte er nicht einen anderen vor die Nase gesetzt bekommen. Es gab genügend Neider, die wie ausgehungerte Schakale auf seinen Job lauerten.

Nur gut, dass niemand etwas von seinem Verhältnis mit der Pianistin ahnte. Das durfte keinesfalls geschehen, sonst war er, ein verheirateter Mann, Vater zweier Kinder und engagierter Kommunalpolitiker, in der Öffentlichkeit erledigt.

Ein Glück, dass sich auch Ramona Vessely keinen Skandal leisten konnte. Ihr Publikum reagierte sensibel auf eine Künstlerin, die einerseits Wohltätigkeitskonzerte für die Benachteiligten dieser Welt gab, aber andererseits ihren an den Rollstuhl gefesselten Mann, der zur Zeit in der Obhut Schweizer Ärzte auf Besserung seines Leidens hoffte, schamlos betrog.

Aus diesem Grund war er absolut sicher, dass Ramona Verschwiegenheit bewahren würde, falls – ja, falls er ihr keinen Anlass gab, ihre eigenen Interessen hintenan zu stellen. Eine gekränkte, zurückgewiesene Liebende konnte zur Furie werden, und Ramona brachte genügend Leidenschaft mit, ihn in ihrem Schmerz für alle Zeiten zu ruinieren.

Wenn sie doch wenigstens noch halb so anziehend wäre wie zum Zeitpunkt ihres zufälligen Kennenlernens bei ihrer Autopanne auf einsamer Landstraße! Doch das Glück heimlicher Liebe ließ ihre Pfunde beängstigend wuchern. Attraktiv war die 45-jährige beim besten Willen nicht mehr zu nennen.

Schlimmer aber noch empfand Ludwig Gartner, wie ihre unersättliche Begierde ihn von Woche zu Woche stärker einengte. Dass er bis zum heutigen Tage seine Gespielin vor Christa und den Kindern geheim halten konnte, verdankte er nur dem stressigen Terminplan seines Managerjobs. Was er außerhalb des Firmengebäudes trieb, ließ sich beim besten Willen nicht kontrollieren.

„Ich fürchte, ich muss jetzt gehen“, murmelte Ludwig Gartner nach einer Weile und bemühte sich, der besitzergreifenden Umarmung zu entkommen. „Eine wichtige Konferenz …“

Ramona Vesselys Blick umwölkte sich schmollend. „Konferenz?“, fiel sie ihm ins Wort. „Du betrügst mich doch nicht etwa?“

Sekundenlang hielt er für möglich, dass sie etwas von Yvonne wusste. Die Kleine war jung und sexy und vor allem herrlich unkompliziert. Sie würde nie zu einem Problem wie Ramona werden.

„Welch ein Einfall!“, protestierte er. „Glaubst du, ich will dich verlieren? Niemals!“

„Das möchte ich dir auch nicht raten, mein Lieber.“ Ihre Stimme klang plötzlich überhaupt nicht mehr schmeichelnd, sondern so drohend wie ein Stilett. „Ich würde dich fertigmachen. Schlimm genug, dass ich dich mit deiner Frau teilen muss. Ich liebe dich, hörst du? Ich bin verrückt nach deinen Zärtlichkeiten.“

„Ich gehöre dir“, versicherte der 52-jährige matt. „Ganz und gar, und so wird es immer bleiben. Aber ich muss berufliche Verpflichtungen erfüllen. Das verstehst du sicher.“

Ihr Lächeln wurde diabolisch, als sie betonte: „Gut, dass dir so viel an deinem Job liegt. Vergiss nie, dass du ihn mir zu verdanken hast. Du würdest es sonst bereuen.“

Während er sich hastig ankleidete, krochen Angst und Hass gleichermaßen in ihm hoch. Ja, dieses Weibsbild hatte ihn in der Hand. Er war ihre Marionette. Wie lange konnte das ein Mann ertragen?

Ich wollte, du wärst tot, dachte er wütend. Dann wäre ich endlich wieder frei. Frei für das Leben. Frei für Yvonne und andere süße Girls.

Warum eigentlich nicht?, überlegte er atemlos. Schon mehrfach war bei Ramona eingebrochen worden. Sie besaß wertvollen Schmuck und kostbare Gemälde. Nicht diese üppigen Ölschinken, die sie selbst zur Entspannung produzierte und von denen einer auf der Staffelei am Fenster auf seine Fertigstellung wartete, sondern wirkliche Kunst, für die Sammler Unsummen zahlten. So ein Knacki konnte durchaus einmal Gewalt anwenden, wenn er gestört wurde.

Nur nicht lange darüber nachdenken. Jetzt oder nie. Es musste einfach sein, und er ging ja dabei keinerlei Risiko ein. Es existierte nicht der geringste Hinweis darauf, dass Ramona und er sich kannten.

Als Ramona ihn zum Abschied umarmen wollte, trat er blitzschnell einen Schritt zurück. Seine Faust packte die Lehne des antiken Eichenstuhls. Ein massives, schweres Möbelstück. Er brauchte nur einen einzigen Hieb …

Obwohl er es für überflüssig hielt, wischte Ludwig Gartner in der ganzen Villa alles gewissenhaft ab, womit er in letzter Zeit in Berührung gekommen war. Zwar hätte er sich mit Leichtigkeit zahlreicher Wertgegenstände bemächtigen können, doch sie wieder loszuwerden, brächte Probleme mit sich. Es genügte, durch gezieltes Chaos einen Einbruch vorzutäuschen. Man würde glauben, der Täter sei nach dem Mord in Panik ohne Beute geflohen.

Der Mörder zwang sich zu einem letzten Blick auf sein Opfer. Jetzt sah es noch abscheulicher aus als vor Kurzem. Und so etwas hatte er einmal geliebt.

Ohne Eile verließ er den Schauplatz seiner schrecklichen Tat. Hier auf der Anhöhe gab es keine Nachbarn, die sich seiner erinnern könnten. Die abgelegene Villa war ein diskretes Liebesnest und natürlich auch ein verlockendes Ziel für alle möglichen Galgenvögel. Den bestens beleumundeten Direktor einer Fabrik für sakrale Gerätschaften würde keiner verdächtigen.

Ludwig Gartner war nicht mit dem eigenen Wagen hier. Ramona pflegte ihn stets an irgendeinem Treffpunkt zu erwarten und in ihrer Limousine mitzunehmen. Jetzt benutzte er sie erneut für die Rückfahrt in die Stadt und beseitigte auch hier sämtliche Fingerabdrücke, bevor er sie in einem Parkhaus zurückließ und in sein Fahrzeug umstieg.

Erst jetzt fiel langsam die Beklemmung von ihm ab. Es gelang ihm, sich über seine neue Freiheit zu freuen, auch wenn er künftig auf Ramonas finanzielle Wohltätigkeit verzichten musste.

Er suchte einige Geschäftspartner auf, speiste mit dem Kulturreferenten der Stadt zu Mittag und rief zwischendurch seine Frau an, dass es heute wieder ziemlich spät werden dürfte. Alles war wie immer.

Die Zeitungen berichteten erst drei Tage später von dem gewaltsamen Tod der begnadeten Klaviervirtuosin Ramona Vessely. Die Leiche war von der Zugehfrau gefunden worden.

Ludwig Gartner triumphierte, denn nun würde sich der genaue Todeszeitpunkt kaum noch ermitteln lassen. Prima für sein Alibi.

Als seine Sekretärin ihm einen Kriminalhauptkommissar Wegener meldete, der ihn dringend zu sprechen wünschte, bekam er allerdings doch einen gehörigen Schreck. Rasch kippte er einen Kognak und brachte sich in Erinnerung, dass ihn wirklich nichts belasten konnte. Sowohl Ramona als auch er hatten ihr amouröses Geheimnis ängstlich gehütet.

Der Polizei kam ohne Umschweife auf den Grund seines Besuches zu sprechen.

Ludwig Gartner hatte sich wieder völlig in der Gewalt. „Ramona Vessely? Nie gehört.“

Wegener klatschte eine Zeitung auf den protzigen Schreibtisch und tippte auf die fette Schlagzeile.

„Ach, eine Pianistin!“, meinte der Mörder breit. „Tut mir leid, aber für Konzertbesuche habe ich einfach zu wenig Zeit.“

„Sie haben die Dame zu Lebzeiten also nie gesehen?“

„Das könnte ich beschwören.“

„Merkwürdig. Wie lässt sich dann Ihr doch recht delikates Bild erklären, das wir im Wandsafe der Ermordeten fanden?“

Ludwig Gartner zuckte nicht mit der Wimper. Am liebsten hätte er über den plumpen Bluff gelacht. Ramona hatte nie ein Foto von ihm besessen. Weder von ihm allein noch gar mit ihr zusammen.

„Hören Sie, Herr Kommissar, meine Zeit ist äußerst knapp bemessen. Ich begreife wirklich nicht …“

„Da kann ich Sie trösten, Herr Gartner“, entgegnete Wegener trocken. „Sie werden bald eine Menge Zeit haben. Im Gefängnis.“ Er entnahm seiner Aktentasche ein zusammengerolltes Ölgemälde, das eindeutig Ludwig Gartner darstellte. Textilfrei. „Oder besitzen Sie einen Zwillingsbruder, der der Hobbymalerin Modell gelegen haben könnte?“, fuhr der Polizist süffisant fort. „Dafür, dass Sie die Frau überhaupt nicht kannten, hat sie Sie erstaunlich gut getroffen.“