Cover

Wolf G. Rahn

Ich stehe tief in deiner Schuld

Ich stehe tief in deiner Schuld

Heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn


Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.


- Beim Klassentreffen gibt Ingrid nicht zu, dass sie offenbar als Einzige keine Karriere oder wenigstens eine glänzende Partie gemacht hat. Alle anderen sind erfolgreich. Auch Arno, in den sie damals heimlich verliebt war. Aber auch er sagt nicht die ganze Wahrheit…

- Zur unpassendsten Zeit gibt Marinas Tiefkühlschrank den Geist auf. Leider kann ihr auch Nachbar Manfred nicht aushelfen. Da erscheint Kollegin Heidrun mit ihrer Kinderparty als rettender Engel, denn da sind Eis und Grillhähnchen sehr willkommen. Und für Manfred findet sich ganz gegen seinen Willen – auch noch eine Verwendung…

- Als Rosalie erfährt, dass ihr als Fünfjährige von einem Jungen das Leben gerettet wurde, will sie sich nach so langer Zeit bei ihm bedanken. Tatsächlich spürt sie den mutigen Burschen auf, der zur Zeit nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht. Rosalie ist entschlossen, ihm zu helfen…

- Alexander ist leicht entflammt, aber diesmal hat er die Frau fürs Leben entdeckt. Allerdings soll sie nur ihren Beruf im Kopf und an einem Flirt kein Interesse haben. Oder stimmt das gar nicht?

- Hermine ist Weihnachten allein, denn in ihre einzige Tochter ist in Amerika verheiratet. Ihre beiden Enkel hat sie noch nie gesehen. Zwar sorgen junge Leute bei ihr für allerlei Trubel. Aber ihre Traurigkeit können sie ihr nicht nehmen. Das schafft nur eine junge Frau, die noch trauriger ist als sie…

- Nur weil der Vertreter so nett ist, erklärt sich Angelika bereit, seine von ihm entwickelte Küchenmaschine zu testen. Aber das Gerät ist völlig unbrauchbar. Trotzdem ist Angelika ganz begeistert…

Neue heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Nach Motiven von Pixabay, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred


Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!



Das kleine und das große Glück

Seit zwei Monaten hatte sich Ingrid Sienholz vor diesem Augenblick gefürchtet. Nun war alles genau wie in ihren schlimmsten Ahnungen. Wäre sie doch nur nicht gekommen!

"Na, endlich!", wurde sie stürmisch von allen Seiten begrüßt. Hände streckten sich ihr entgegen. Die anwesenden Frauen fielen ihr jubelnd um den Hals, bevor sie von einer Männerbrust zur nächsten gereicht wurde.

"Du hast dich überhaupt nicht verändert", beteuerte ein Weizenblonder, der schon vor fünfzehn Jahren zu Übertreibungen geneigt hatte. "Nur noch hübscher bist du natürlich geworden. Du kennst mich doch hoffentlich noch. Ulf Gehrmann. Dr. Gehrmann, um genau zu sein."

"Selbstverständlich habe ich dich sofort wiedererkannt", meinte Ingrid mit verkrampftem Lächeln. "Ich finde mich überhaupt bei allen Gesichtern gut zurecht. Nur bei der Rothaarigen dort am Fenster habe ich Schwierigkeiten."

Ulf lachte. "Das ist doch die Hilde, die neben dir gesessen hat."

"Hilde Krämer?", vergewisserte sich Ingrid ungläubig. "Unser Mauerblümchen?"

"Da staunst du, nicht wahr? Sie heißt jetzt von Graifen. Hat eine Bombenpartie gemacht. Ihr Mann ist ganz groß im Immobiliengeschäft."

Während der folgenden halben Stunde erfuhr Ingrid in Kurzfassung die Lebensgeschichten fast sämtlicher ehemaliger Mitschüler, die sich in dem Gasthaus zum ersten Klassentreffen seit fünfzehn Jahren eingefunden hatten.

Beinahe alle waren der Einladung gefolgt. Sogar aus Finnland war eine gekommen. Sie schwärmte gerade von den phantastischen Möglichkeiten, die sich ihr dort als Architektin böten.

Allen düsteren Prophezeiungen der geplagten Lehrer zum Trotz hatte offensichtlich die ganze 13a ihren Weg gemacht. Es gab zwei Ärzte, einen Rechtsanwalt, eine Direktrice und Leute, die im Bankgewerbe, im Modebereich oder im Baugeschäft das Sagen hatten. Von den glänzenden Partien, die sie gemacht hatten und mit denen sie sich um die Wette brüsteten, ganz zu schweigen.

"Wir waren ja schon alle so gespannt auf dich", wurde Ingrid aufgefordert, nun endlich auch ihren Lebenslauf zum besten zu geben. "Du warst doch bis zum Schluss unsere Klassenbeste. Wolltest du nicht Lehrerin werden?"

Ingrid spürte einen schmerzlichen Stich in der Brust, als sie an ihren sehnlichsten Wunschtraum erinnert wurde. Es fiel ihr unsagbar schwer zuzugeben, dass sich keine einzige ihrer hochgesteckten Hoffnungen erfüllt hatte. Sie, die stets mit ausgezeichneten Zensuren geglänzt hatte, schien als einzige von allen im Leben versagt zu haben.

Zum Glück lenkte ein Nachzügler vorübergehend das allgemeine Interesse von ihr ab. "Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe", entschuldigte sich Arno Lange und begrüßte einen nach dem anderen. "Ich komme direkt vom Flughafen. Die Fluglotsen in New York befinden sich im Bummelstreik. Sie wollten einfach nicht einsehen, dass ich in Hamburg dringend erwartet werde."

Während er die Runde machte, berichtete er von seiner Tätigkeit in einer Elektronikfirma, für die er in aller Welt Verkaufsgespräche führte. Auch er kletterte also unermüdlich auf der Karriereleiter nach oben.

"Ich fürchte, ich kann nicht lange bleiben", fuhr er fort, während er sich Ingrids Platz näherte. "Gegen neun Uhr erwarte ich einen wichtigen Anruf in meinem Büro."

Er strahlte Ingrid an. "Unsere Ingrid Paurson", erkannte er spontan. "Beste in Deutsch, Mathe, Fremdsprachen und den meisten Nebenfächern. Wohnst du noch in Hamburg?"

"Nürnberg. Und inzwischen heiße ich Sienholz."

"Dass du nicht lange allein durch die Weltgeschichte laufen würdest, war mir immer klar", zeigte sich Arno nicht überrascht. "Du wusstest schon damals ganz genau, was du wolltest."

"Tatsächlich?", hörte sich Ingrid sagen. Sie erinnerte sich an den dunkelhaarigen Jungen mit dem fröhlichen, ansteckenden Lachen, für den sie heimlich, aber dafür umso heftiger geschwärmt hatte. Arno aber hatte nur Augen für die hübsche Katja aus der Parallelklasse gehabt. Noch heute ahnte er nicht, wieviele Taschentücher seinetwegen von ihr vollgeweint worden waren.

"Sie ist natürlich unter die Pauker gegangen", ließ sich ihre Platznachbarin hören. Eine gewisse Hochachtung schwang mit.

"Gratuliere", sagte Arno bewundernd und zog sich einen Stuhl heran. "Unterrichtest du an einer größeren Schule?"

Ingrid zögerte. War es wirklich nötig, den Irrtum aufzuklären? In ein paar Stunden trennten sie sich alle wieder. Jeder nahm ein paar Erinnerungen mit, die frühestens in fünf oder zehn Jahren aufgefrischt werden würden. Warum also sollte sie zugeben, dass sie auf der ganzen Linie gescheitert war?

Als ihre Eltern kurz hintereinander starben, hatte sie das Studium aufgeben müssen, um selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. In einem Großraumbüro musste sie all jene Tätigkeiten ausführen, für die sich die Gelernten zu schade waren.

Als dann Bruno in ihr Leben trat, glaubte sie an eine Wende zum Guten. Er sprach von Liebe, und als das Baby unterwegs war, heiratete er sie tatsächlich.

Doch diese Ehe hielt nicht viel länger als ein halbes Jahr. Inzwischen war ihre Tochter acht Jahre alt. Wie hätte sie sich nebenbei fortbilden oder gar einen ordentlichen Beruf erlernen sollen? Sie empfand es als schlimm genug, dass sie zu wenig Zeit für Elfie besaß.

"Es ist eine mittlere Schule", behauptete sie zurückhaltend. "Die Arbeit mit den Kindern macht mir riesigen Spaß, und mit den Kollegen verstehe ich mich großartig."

"Und dein Mann?", wollte Arno wissen. "Ist er auch Pädagoge?"

"Studienrat", log Ingrid und griff hastig nach ihrem Glas. "Und du?", lenkte sie von sich ab. "Hat dich auch eine genommen?"

Arno schmunzelte genießerisch, wurde aber gleich darauf ernst. "Ach, weißt du, für eine Ehe habe ich viel zu wenig Zeit. Welche Frau möchte denn einen Mann, der ständig unterwegs ist?"