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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Buch
Öffentliche Auftritte des Schauspielers und Scientologen Tom Cruise, Nachhilfeinstitute, hinter denen die Organisation steckt – Scientology ist aktiv wie nie zuvor. Und umstritten wie lange nicht mehr. Allenthalben wird diskutiert, ob es sich um eine Religionsgemeinschaft oder eine totalitäre Psychoorganisation handelt und ob sie verboten werden sollte – bislang ohne Ergebnis. Ursula Caberta, Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats und seit mehr als 20 Jahren eine kritische Beobachterin der Sekte, will auf den Ausgang der Debatte nicht warten und mit dem »Schwarzbuch Scientology« die Fakten über Scientology für alle zugänglich machen. Sie informiert umfassend über Entstehungsgeschichte, Menschenbild, Rekrutierungsmethoden, Kontrollund Strafsysteme und Ausbildung der Mitglieder der Organisation. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt sie, was falsche Propheten anrichten können. Vor allem auf die Gefahren für Kinder und Jugendliche macht die Scientology-Expertin aufmerksam, mit zahlreichen Praxis-Tipps für Eltern und Pädagogen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu erarbeiten.
Mit diesem Buch trifft Ursula Caberta mitten ins Herz der umstrittenen Organisation. Scientology hatte versucht, mit Hilfe verschiedener Unterlassungsaufforderungen an den Verlag und die Autorin die Auslieferung des Schwarzbuchs zu stoppen – ohne Erfolg.

Autorin
Ursula Caberta, geboren 1950, Diplom-Volkswirtin, leitet die Arbeitsgruppe Scientology bei der Behörde für Inneres in Hamburg, die als oberste Landesjugendbehörde für Kinder und Jugendliche aus neureligiösen und ideologischen Gemeinschaften und Psychogruppen fungiert.

Vorwort
 
 
 
 
Die Scientology-Organisation ist keine Religionsgemeinschaft. Ihre Lehre ist auch keine Wissenschaft, auch wenn der Begriff »science« im Namen verbrämt durchscheinen möchte. Sie ist vielmehr eine auf einem bisweilen wahnhaften Gedankenkonstrukt eines amerikanischen Science-Fiction Autors zurückgehende menschenverachtete Psycho-Ideologie, die eine totalitäre Gesellschaft aus gefügigen Anhängern fordert. Ihr Ziel ist die völlige Unterordnung des Einzelnen. Menschen und Grundrechte sind diesem Denken fremd, was der Scientology-Gründer Hubbard in schonungsloser Offenheit bereits 1957 in seinem – diesen Titel aber zu Unrecht tragenden – »Handbuch des Rechts« lobte. Das Ziel hat sich seitdem nicht geändert, nur die Methoden, wie man sich der Öffentlichkeit präsentiert. Die Organisation will den Eindruck einer harmlosen Religionsgemeinschaft erwecken, die sich um das Beste des Einzelnen bemüht. Verstärkt bietet man vermeintliche Lebenshilfe an, von schulischer Nachhilfe bis hin zu Management-Seminaren. Und dies unter den offensichtlich wohlwollenden Blicken einzelner Hollywood-Stars – (Film-)»Helden«, die man sich doch besser nicht zum Vorbild nehmen sollte.
Die Scientology-Organisation wird zu Recht vom Verfassungsschutz beobachtet, da sie verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt und damit gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet ist. Sie ist aber nicht nur eine Gefahr für unser ganzes Gesellschaftssystem, sondern auch für jeden Einzelnen, der in ihre Fänge zu geraten droht. Er soll durch die von der Scientology-Organisation eingesetzten Psycho-Methoden zu einem anderen Menschen werden. Aussteiger und Verwandte von Scientologen bestätigen, dass die Methoden wirken und sich die Persönlichkeit massiv ändert.
Wer auf die Gefahren, die von der Scientology-Organisation ausgehen, hinweist oder sich gar von ihr löst, gerät unweigerlich in das Visier dieser Organisation. Kritiker werden diffamiert, öffentlich bloßgestellt, angezeigt und verklagt, bisweilen bedroht, belästigt und zur Zermürbung auch psychisch gequält, so die Erkenntnisse des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz im Verfassungsschutzbericht 2006. Ausdruck der Wertschätzung für eine offene, die Rechte des Einzelnen wahrende Gesellschaft ist das nicht – auch nicht für einen toleranten Umgang mit Andersdenkenden.
Es gibt also gute Gründe, wachsam zu sein und über die Scientology-Organisation aufzuklären. Die Autorin, die die Scientology-Organisation aus ihrer Tätigkeit als Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology in der Behörde für Inneres der Freien und Hansestadt Hamburg seit Jahren bestens kennt, ist hierzu geradezu prädestiniert. Ihr Bericht leistet einen wichtigen Beitrag zur Information der Öffentlichkeit. Ich wünsche ihm größtmöglichen Erfolg – und aufmerksame, nachdenkliche Leser.
 
Im April 2007
Dr. Günther Beckstein
Bayerischer Staatsminister des Innern, a. D.

Einleitung
 
 
 
 
Scientology – ein Begriff, der seit über 50 Jahren weltweit mal mehr, mal weniger diskutiert wird. Ob in den USA, Kanada, Australien oder Europa, Scientology hat jedes Land schon einmal beschäftigt. Medien, Parlamente, Behörden und Regierungen, die Auseinandersetzungen waren und sind vielfältig. Das System Scientology hat bisher alle kritischen Auseinandersetzungen überlebt, und das hat Gründe.
Darstellungen von ehemaligen Mitgliedern der Organisation weltweit, die häufig den subjektiven Blickwinkel beleuchten und das Wirken der Organisation intern und extern beschreiben, haben je nach Intensität des Erlebten immer wieder Anstöße gegeben, sich mit dem »Innenleben« dieser Organisation zu beschäftigen. Von den Auswirkungen in Familien, Arbeitswelt und Gesellschaft und damit in die Politik sind die Berichte der Ehemaligen in das von außen nicht leicht erkennbare Gesamtgeflecht der Organisation einzuordnen.
Die öffentliche Diskussion ist sehr häufig durch Schlagworte geprägt. Von so genannter »Sekte«, destruktivem Kult, Mafiaorganisation oder menschenverachtendem System ist die Rede. Über all diese Begriffe kann man trefflich diskutieren, aber die Interpretation bleibt der Phantasie des/der Lesenden überlassen. Dieses macht es den Strategen der Scientology-Organisation leicht, Kritik abzuwehren, die Schlagworte vermeintlich zu entkräften. Scientology hat einen langen Atem, und in den internen Anweisungen ist nicht vorgesehen, jemals aufzugeben. Die Organisation hat seit ihrem Bestehen stets auf Kritik reagiert. Eine der erfolgreichsten Gegenstrategien ist die immer wiederkehrende Behauptung, es handele sich um eine Religionsgemeinschaft und – häufig im gleichen Atemzug -, um eine Organisation, die sich um das Wohlergehen der Menschheit kümmert.
Nur der genaue Blick in die einzelnen Einheiten von Scientology, die verschiedenen Aufträge und Funktionen dieser Abteilungen und der in ihnen wirkenden Mitglieder machen die Gefahr deutlich: für Mensch und Gesellschaft.
Eine Beschreibung des Systems allein genügt allerdings nicht. Eine der immer wiederkehrenden Fragen seit Existenz von Scientology ist: Warum sind Menschen Scientologen, und warum bleiben sie es über Jahre und Jahrzehnte, und viele, wenn nicht sogar die meisten, ein ganzes Leben lang? Nur das Zusammenführen der Methoden, denen die Scientologen ausgesetzt sind, und die Gesamtstrategie können erklären, warum das System Scientology mal besser, mal schlechter funktioniert. Aber es funktioniert – nach wie vor.
Scientology begegnet man in den verschiedensten Gewändern. Zu unterscheiden ist allerdings, dass ein aktiver Scientologe die Organisation anders erlebt als die Außenwelt und diese den aktiven Scientologen häufig wie nicht aus dieser Welt stammend – manchmal als »spinnert« einordnet. Von außen betrachtet stuft man dann aber das Agieren für das System Scientology und damit das System selbst bei näherer Kenntnis relativ schnell als bedrohlich und kalt ein. Allerdings nur dann, wenn die Werbe- und Verharmlosungsstrategien durchschaut werden. Denn Scientology ist ein in sich geschlossenes System, eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzen.

Begegnungen mit dem System Scientology

Eine der häufigsten Erklärungen, warum Menschen, die mit Scientology in Berührung kommen und dort bleiben, lautet: Labile oder sich in einer Krisensituation befindliche Menschen sind besonders anfällig für die Anwerbung durch Scientology. Diese Erklärung greift zu kurz. Denn dieses allein kann nicht eine häufig jahre- oder sogar jahrzehntelange Mitgliedschaft begründen und schon gar nicht erklären, warum es nur einer Minderheit gelingt, sich von Scientology irgendwann zu lösen. Grundlage der Erkenntnis der persönlichen und gesellschaftlichen Gefahr durch Scientology ist: Scientology kann jeden treffen, es kommt darauf an, wann und wie man ihr begegnet, und auch nicht unbedeutend – durch wen.
Die nach außen sichtbarste Variante ist das Auftreten der Scientology in Form der Missionen oder Kirchen. Interessant dabei ist bereits, dass innerhalb der Organisation diese Einheiten – also die Kirchen – als »Orgs«, der Abkürzung für Organisation, bezeichnet werden. Der Kirchenbegriff steht allerdings an den Gebäuden in großen Lettern. Die Einheiten haben einen klar umschriebenen Auftrag: das »Raw Meat« von der Straße zu holen. »Raw Meat« – rohes Fleisch, so werden intern diejenigen bezeichnet, die angeworben werden sollen. Auf der Straße, im Kollegenkreis, in der Familie, in Vereinen oder anderen Institutionen. Insbesondere für die Straßenwerbung sind die »Orgs« oder Missionen zuständig. Ziel ist, durch Ansprache von Passanten die Menschen in die Gebäude zu locken. »Jegliche Idee, dass eine Org aus irgendeinem anderen Grund existiert als dem, Materialien und Dienstleistungen an die Öffentlichkeit zu verkaufen und zu liefern, muss verworfen werden«, so eine der verbindlichen Anweisungen des Gründers L. Ron Hubbard an diese Abteilungen der Organisation.
Die Präsentation im öffentlichen Raum, auf Straßen, Wegen und Plätzen ist zwar unterschiedlich, der Sinn und Zweck aber immer gleich: durch Ansprache neugierig machen auf eine Idee, auf sich selbst oder auf die Möglichkeit der Lösung gesellschaftlicher Probleme. Alle, die sich darauf einlassen, berichten von den gleichen Erfahrungen. Es bleibt nicht bei einem Gespräch. Um mehr zu erfahren, ist ein weiteres Einlassen notwendig. Das kann das Ansehen eines Filmes im Gebäude sein, die Demonstration von Techniken zur Bewältigung von Problemen oder meistens, bei besonders eiligen Menschen, die Übergabe oder der Verkauf einer kleinen Broschüre; nicht selten wird dieses mit der Einladung zu einem »zwanglosen« Brunch in den Gebäuden der Organisation verbunden.
Bei den »Besuchen« in den Gebäuden kommt dann häufig sozusagen einer der Klassiker der Anwerbung zum Einsatz, der Persönlichkeitstest. Bekannt geworden als Werbemethode für die Organisation ist dieser Test vor allem auch durch geschaltete Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. »Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potentials«, verkündeten die Annoncen, darüber ein Bild von Einstein. In den letzten Jahren sind diese Anzeigen eher selten geworden, den Test aber gibt es natürlich noch immer, und er wird angewandt. Die Überschrift ist schon, vorsichtig ausgedrückt, eine Ungenauigkeit: Oxford Capacity Analyse. Die meisten Menschen bringen bei dieser Überschrift wahrscheinlich die renommierte Universität in Oxford mit diesem Test in Verbindung. Es soll einen vermeintlich wissenschaftlichen Hintergrund vermitteln und darüber hinaus Seriosität. Es ist aber nichts anderes als ein Werbemittel. Die Auswertung des Tests erfolgt meistens mündlich, kurz und knapp, und endet in der Regel damit, dass festgestellt wird, dass die getestete Person ein Problem hat, vielleicht auch mehrere. Auf jeden Fall gibt es – so die vermittelte Botschaft – eine Lösung: das Kurssystem und – wie praktisch -, man befindet sich schon im Gebäude, in dem dieses Wunder vollbracht werden kann.
Hängt das »rohe Fleisch« sozusagen am Fleischerhaken, hat also durch Sprache und Gesten, meistens auch durch Hinterlassen von Namen, Anschrift und Telefonnummer oder sogar durch Besuch im Gebäude und Absolvieren des Persönlichkeitstestes schon einmal Spuren hinterlassen, bedarf es schon einer gehörigen Portion Klarheit und Konsequenz, um die nun folgenden weiteren Umwerbungsmethoden abzuwehren. Nicht selten werden bereits bei der ersten Kontaktaufnahme dieser Art Kurse gebucht und meistens auch im Voraus bezahlt. Da mag es dann auch schon einmal vorgekommen sein, dass der scientologische Mitarbeiter den Neuzugang zum Geldautomaten begleitet, wahrscheinlich um zu verhindern, dass sich derjenige auf diesem Weg das Ganze noch einmal überlegt und womöglich wieder abspringt. Spätestens dann hängt man fest. Schließlich möchte man für sein Geld auch etwas haben, und vielleicht lockt ja viele die Aussicht auf der angebotenen und so genannten Brücke zur völligen Freiheit, endlich im Beruf Karriere zu machen, ihre Eheprobleme zu lösen oder auch gesundheitliche Einschränkungen beheben zu können.
Nicht gleich bei der Straßenwerbung zu erkennen sind die Vereinigungen »I HELP« oder »The Way to Happiness«. Immerhin ist bei den verteilten kleinen Broschüren oder Heftchen, insbesondere bei dem Weg zum Glücklichsein, vermerkt, dass es sich um eine Veröffentlichung der Scientology Organisation handelt.
»I HELP« kommt mit den so genannten »Ehrenamtlichen Geistlichen« daher. Bei den an die Außenwelt gerichteten Veröffentlichungen nennt sich diese Vereinigung »Hubbard Internationale Kirchenvereinigung von Pastoren«.
In der Organisation sind diese »Geistlichen« die »Auditoren«, also diejenigen, die neben der Brücke für die persönliche geistige Befreiung die Ausbildung zur Anwendung und Verbreitung der scientologischen Techniken genossen haben.
Wenn möglich, kündigen große gelbe Zelte die Werbeaktionen von »I HELP« in den Städten an. Von der internationalen Ebene aus Los Angeles werden diese Werbekampagnen geplant und gesteuert. »I HELP« betreut die so bezeichneten »Feldauditoren«. Also Personen, die nicht zwingend Mitarbeiter der örtlichen Missionen oder Orgs sind. Als Feldmitarbeiter wird man natürlich geschult, was die Anwerbung von Personen und die Verbreitung der Scientology erheblich erleichtern dürfte. In der Veröffentlichung der Organisation mit dem Titel »Was ist Scientology« liest es sich so:
Die kontinentalen Büros von I HELP wiederum halten lokale Veranstaltungen, Tagungen und Seminare ab, bei denen Mitglieder von I HELP spezielle Workshops zur Verbesserung ihrer Fähigkeiten besuchen können.
Der Auftrag an die bei »I HELP« tätigen Scientologen ist sehr klar formuliert:
I HELP gibt jedem, der außerhalb der Kirchen und Missionen Dianetik und Scientology praktiziert, Rat und Beistand, damit er in seiner Gemeinde wirksam und erfolgreich sein kann.
Wirksam und erfolgreich in eine ausschließliche Richtung: für die Expansion der Scientology-Organisation.
Auf den Straßen werden auch andere Institutionen der Organisation beworben. Meistens im Zusammenhang mit Anti-Drogen-Kampagnen wird eine scientologische Drogenrehabilitation angepriesen: NARCONON. Die Organisation rühmt sich damit, dass die Sprecherin auf internationaler Ebene für NARCONON die US-amerikanische Filmschauspielerin Kirstie Alley ist. Prominente im Einsatz für eine gute Sache – Kirstie Alley ist bekennendes Mitglied der Organisation und erfüllt mit der Sprecherrolle ihre Aufgabe. Das sollte man wissen, wenn man ihr Engagement gegen Drogen zur Kenntnis nehmen muss.
Das NARCONON-Programm für Süchtige unterscheidet sich in keinem wesentlichen Punkt von dem Weg zur völligen Freiheit in einer Scientology-»Kirche«. Ebenso wie das angeworbene »Raw Meat« auf der Straße kommen Kommunikationstraining, der Kurs zur persönlichen Integrität und Ethik, der Kurs über das Auf und Ab im Leben sowie der von der Scientology so benannte Moralkode »Der Weg zum Glücklichsein« auf den im Haus von NARCONON lebenden suchtkranken Menschen zu. Selbstverständlich steht im Mittelpunkt das Reinigungsprogramm, also wie in der »Kirche«: Laufen, hohe Dosen von Vitaminen und Sauna, Sauna, Sauna. Statt Heroin Scientology, das ist das Drogenrehabilitationsprogramm.
In der Kritik stand und steht NARCONON immer mal wieder in den unterschiedlichsten Ländern. Schon 1978 fasste der damalige Drogenbeauftragte des Landes Berlin in einer Publikation zu NARCONON Folgendes zusammen:
In erster Linie müssen Bedenken gegen die beim Narconon e.V. angewandten Methoden erhoben werden. Durch die Anwendung des »Hubbard-Elektrometers« kann einerseits die bei Drogenabhängigen ohnehin vorhandene Tendenz zur Flucht in eine unrealistische Vorstellungs- und Erlebniswelt gefördert werden, andererseits eine massive Abhängigkeit der Drogenabhängigen von der Einrichtung auf Dauer entstehen. Durch das Kurssystem wird eine Ausblendung von Emotionen ohne wirkliche Aufarbeitung der dahinterliegenden Konflikte erreicht, zugleich besteht die Gefahr einer irrationalen Anpassung an die hausinterne Hierarchie sowie eines ebenso irrationalen Überlegenheitsgefühls gegenüber den Menschen außerhalb des Narconon e.V. Das systematische Training einer Binnensprache verstärkt die Abhängigkeit von der Gruppe erheblich und behindert eine gesellschaftliche Reintegration.
(Freie und Hansestadt Hamburg [Hrsg.]: »Mitteilung des Senates an die Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg«. Drucksache 15/4059, 26.9.1995)
Ein werbewirksamer Slogan findet sich auch bei der Werbung von Mensch zu Mensch: Die Schaffung einer Welt ohne Kriminalität. Auch hier eine Institution der Organisation, die Hilfe schafft: CRIMINON. Der Ansatz zur Vermarktung und Anwerbung für diese Institution ist vergleichbar mit der NARCONON-Darstellung. Auch hier ist einer der zentralen Begriffe der Kampf gegen Drogen. Denn laut eigenen Bekundungen von Scientology hat sich dieses so genannte Rehabilitationsprogramm für Strafgefangene aus dem Angebot von NARCONON heraus entwickelt. Drogen im scientologischen Sinne, also Medikamente aller Art, befördern die Kriminalität. Bekämpft man Drogen, verringert sich die Kriminalität. So schlicht kann der Blick auf die Welt sein.
Es spielt aber noch ein anderer Ansatz bei den Beschreibungen der Zielrichtung von CRIMINON eine Rolle, und dieser ist für das Gesamtsystem eine der zentralen Definitionen: das Angebot scientologischer Betreuung für Straffällige statt einer Behandlung mit Psychopharmaka. Wobei wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass überall Strafgefangene mit Psychopharmaka behandelt werden.
Bei der Beschreibung der scientologischen Hilfsangebote im CRIMINON-Programm taucht dann wieder dieselbe Palette vom Kommunikationskurs bis zur Verbesserung des Lernens auf. Aber auch der Kurs, wie man mit »Unterdrückung« umgeht. Und dieses hat in der Scientology eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.
Den so genannten PTS/SP-Kurs (PTS = Potential-Trouble Source, potentielle Schwierigkeitsquelle; SP = Suppressive Person, unterdrückerische Person) macht meistens relativ früh jeder Mensch, der sich in der Organisation bewegt. Und das dort Gelernte und Verinnerlichte vermittelt die Basis für das Erkennen von Gegnern und Feinden. Dem Einzelnen wird vermittelt, er müsse für sich erkennen, wer ihn eventuell daran hindert, seinen Weg zur persönlichen Freiheit in Scientology zügig voranzugehen. Vermittelt wird aber darüber hinaus auch, dass alle, die sich kritisch mit Scientology oder dem Wirken von Scientologen auseinandersetzen, unterdrückerisch tätig sind. Unterdrückerisch als Begriff für Hindernisse der Expansion der Organisation. Damit ist für den Einzelnen eventuell die Trennung von seiner Familie nötig, die mit dem Weg in der Organisation nicht einverstanden ist, aber im Kursmaterial wird auch deutlich gemacht, wer scientologische Verfolgung und Strafe zu erwarten hat. Unterdrückerische Behandlung ist gleichgesetzt mit scientologischen Straftaten. Und darunter fallen laut Kursmaterial zum Beispiel öffentliche Äußerungen gegen Scientology, vor staatlichen oder öffentlichen Untersuchungen der Scientology feindlich Zeugnis abzulegen, um die Scientology zu unterdrücken, im Dienst einer Anti-Scientology-Gruppe zu stehen und schlussendlich:
Es ist ein Schwerverbrechen, sich öffentlich von Scientology abzukehren.
(Hubbard, L. Ron: »PTS/SP-Kurs«. Kopenhagen, 1989, S. 173ff.)
Auf dieser ideologischen Grundlage hat Hubbard in seinem »Handbuch des Rechts« deutlich formuliert, was für eine Definition von Recht in Scientology gilt und damit die Scientologen zu verinnerlichen haben. Es geht einzig und allein darum, Menschen zu erkennen, die der Verbreitung der Organisation im Wege stehen, und dafür zu sorgen, dass sie ihre Aktivitäten einstellen.
Das »Handbuch des Rechts« von Hubbard fasst den Generalanspruch zusammen:
Niemand unter uns richtet oder bestraft gerne.Trotzdem sind wir vielleicht die einzigen Leute auf der Erde mit einem Recht zu bestrafen.
In Kenntnis der Definition von Straftaten der Organisation ist wohl kaum davon auszugehen, dass Scientology auch nur vom Ansatz her in irgendeiner Form Rehabilitation von Gefängnisinsassen leisten kann. Für die nichtscientologische Welt allerdings klingt es nach Engagement im Strafvollzug, und damit ist die nächste der Propaganda dienliche Nebelkerze in der Welt gezündet.
Mit Ausstellungen und Info-Tischen wird der angebliche Kampf wegen Verstößen gegen die Menschenrechte, insbesondere durch die Psychiatrie, angeprangert und damit gleichzeitig das »Rettungsangebot« der Organisation offeriert. Die Institution, die auftritt, ist die Kommission für Verstöße der Menschenrechte in der Psychiatrie (KVPM).
Ziel nach eigenen Angaben ist die »Demaskierung der Psychiatrie«. So sehen sich alle im Psychiatriebereich tätigen Menschen den verbalen Angriffen dieses Teiles von Scientology ausgesetzt. Nicht nur die Menschen, sondern selbstverständlich auch die zugelassenen Medikamente, die im psychiatrischen Bereich angewandt werden, sind Zielscheibe. Unter dem Stichwort »Psychiatrische Drogen« werden die Hersteller von Psychopharmaka quasi als Drogenhändler diffamiert. Bei der Vermittlung der psychiatrischen »Verbrechen« aus Sicht der Organisation wird tief in die »demagogische, verleumderische Kiste« gegriffen.
Zusammenfassend kann es so beschrieben werden: Hinter dem Bösen der Welt stecken immer die Psychiatrie und ihre Gefolgsleute.
Die Erklärung für diesen massiven Kampf gegen Psychiatrie und allem, was damit zu tun hat, liegt – wie kann es anders sein – in der von Hubbard entwickelten Ideologie. Danach sind alle Menschen, die sich gegen die Scientology stellen, psychisch krank. So schreibt er auch in einem der Standardwerke »Die Ethik der Scientology«, dass nach seinen »Forschungen« fast alle Menschen zu Scientology gebracht werden können. Der restliche Anteil ist so psychisch krank, dass er unter Quarantäne zu stellen ist und nach Durchsetzung scientologischer Gesellschaftsformen in Lager zu bringen ist.
Nach außen wirken die Aktionen dieser Einheit häufig – ähnlich wie NARCONON oder CRIMINON – wie eine Institution, die sich um Menschen in psychiatrischer Behandlung sorgt. Auch viele Menschen mit prinzipiell vorhandener Skepsis gegenüber Psychopharmaka können so angesprochen werden, um ihnen vermeintliches kritisches Engagement vor zu vielen Medikamenten vorzutäuschen.
Auch der KVPM erfüllt beide Seiten der scientologischen Strategie:
- nach außen: Wir wollen nur das Beste für die Menschen
- nach innen: Wir erkennen die wirklichen Übeltäter, die der Expansion der Organisation und den persönlichen Weg zu einem vollendeten Menschen verhindern.
Nicht nur die Werbung im öffentlichen Raum dient dem Expansionsdrang. Ob über den Einfluss im Wirtschaftsleben, über Prominente oder Lobbyisten oder auch über die vermeintlichen Bildungsangebote der Organisation: die Expansionsstrategie lässt so gut wie keinen Bereich der Gesellschaft aus. Gibt es bei den Anwerbungen auf der Straße zumindest noch eine Chance, relativ schnell zu erkennen, wer sich da um einen bemüht, wird es bei den anderen Angeboten schon schwieriger.

Wie alles begann
 
 
 
 
Lafayette Ron Hubbard, der Gründer der Scientology Organisation. Alles, wirklich alles, was er formuliert hat, was er an Anweisungen gegeben hat, ist nach wie vor die alleinige Denk- und Handlungsvorlage für die Mitglieder der Organisation. Hubbard oder seine entwickelte Technologie für alle Lebenslagen zu kritisieren ist verboten. Hubbard ist seit 1986 tot. Seine Organisation existiert weiter.
Die scientologischen Geschichtsschreiber verklären ihn als Gelehrten, Forscher, Arzt, Bestsellerautor, eine Art omnipotenten Wissenschaftler. Vom Religionsführer ist dagegen in den euphorischen Schriften eher wenig zu lesen. Aber von einem sind alle überzeugt, er hat die Probleme der Menschheit erkannt und etwas entwickelt, das die Menschheit, die Erde und last but not least das Universum vor Verfall, Verderbtheit – kurz vor dem Untergang retten kann. Einzige Bedingung dafür ist, dass alle, die sich in seiner Organisation bewegen, sich strikt an die Vorgaben halten. Bei Abweichungen gibt es Probleme, für den Einzelnen und damit für die Organisation. One way zur Unsterblichkeit. Bei Scientology heißt das Motto: Überlebe!
Lafayette Ron Hubbard, geb. 13. März 1911 in Tilden, Nebraska/USA, gestorben am 14. Januar 1986 in Creston, Kalifornien/USA. Über die Todesursache sind immer wieder Gerüchte und Spekulationen aufgetaucht. Von Schlaganfall bis Mord ist alles vertreten. Die Spekulationen mögen vor allem daran liegen, dass nach Hubbards Tod seine Familie sehr schnell die Einäscherung der Leiche veranlasste. Weitere bis heute zum Teil bestehende Verunsicherungen mögen daran liegen, dass zur Klärung der Todesursache eine Autopsie durchgeführt werden sollte, aber die Rechtsanwälte der Familie Hubbard dieses verhinderten, indem sie ein Dokument vorlegten, dass Hubbard jegliche Art von anatomischen Sektionen aus religiösen Gründen ablehne und die Rechtsanwälte auf entsprechende US-amerikanische Gesetzeslagen hinwiesen. Immerhin ist wohl gesichert festgestellt worden, dass es sich bei der eingeäscherten Leiche wirklich um die des L. Ron Hubbard handelte. Aber bis heute kommen in zeitlichen Abständen immer mal wieder Diskussionen auf, die den Todeszeitpunkt und die Todesursache bezweifeln.
Ein genaues Datum zu bestimmen, wann Hubbard Scientology gegründet hat, ist etwas schwierig. Anlehnen kann man sich an das Jahr 1950, in dem das Buch Dianetik auf dem US-amerikanischen Büchermarkt erschien. In der Scientology genießt dieses Werk als »Buch Eins« uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Das Jahr 1950 bietet sich auch aus anderen Gründen an, mit diesem Jahr beginnt sozusagen die scientologische Zeitrechnung. 1950 ist quasi das Geburtsjahr. Wie ernst dies gemeint ist, wird in Anweisungen von Hubbard deutlich. Als Datumsangabe kann einem zum Beispiel die Abkürzung 10. Januar a. D. begegnen. Die Abkürzung a. D. steht für »after Dianetik«, das Erscheinungsjahr des »Buches Eins«. Übersetzt aus der scientologischen Zeitrechnung bedeutet das Datum also 10.2.1960.
Für das Jahr 1950 spricht auch, dass Hubbard als Gründer und Präsident einer Hubbard-Dianetikforschungsstiftung (Hubbard Dianetics Research Foundation – HDRF) auftritt. Diese Stiftung wurde im April 1950 in New Jersey eingetragen. Ende 1950 erscheint am 5. Dezember in einer Zeitschrift namens »Look« ein Artikel mit der Überschrift »Dianetik – Wissenschaft oder Schwindel?« In diesem Artikel geht es dann auch bereits kritisch los. L. Ron Hubbard wird bis zum Erscheinen seines Buches Dianetik als unbekannter Schriftsteller mit pseudowissenschaftlicher, verschwommener Ausdrucksweise dargestellt. In Hubbards Buch Dianetik, so der Schreiber dieses Artikels, würde behauptet, dass die Schaffung der Dianetik ein Meilenstein für den Menschen sei, die sich mit der Entdeckung des Feuers vergleichen ließe, und wichtiger sei als die Erfindung des Rades und des Bogens. In dem Artikel heißt es weiter, dass Hubbards Buch »eine Vielzahl von Psychiatern, Biochemikern, Psychologen, Ärzten und ganz normalen Wissenschaftlern …, die die verblüffenden Behauptungen und den wachsenden finanziellen Erfolg dieses seltsamen neuen Phänomens mit Furcht und Angst betrachten«, beeinflusst hat. Es wird geschlussfolgert, dass die Anziehung von Hubbard darin besteht, dass seine Ersatzpsychiatrie allen zur Verfügung steht.
Nicht nur eine erste kritische Presse begleitet die Gründungsphase der Dianetik. 1951 wird in New Jersey gegen die Hubbard Stiftung HDRF von einem Vertrauensarztausschuss ein Verfahren angestrengt, weil die Organisation ohne Lizenz eine Schule betreibt und einen Teilbereich der Medizin lehrt. Über den Ausgang dieser Untersuchung ist nichts Aussagekräftiges bekannt.
Die HDRF errichtet 1951 ihren Hauptsitz in Wichita, Kansas, und übernimmt eine Art Schirmherrschaft über die »Allied Scientists of the World« (Vereinigte Wissenschaftler der Welt). Der Zweck dieser Organisation wird folgendermaßen erklärt:
Der Bau und die Einrichtung einer Bibliothek … in einem atomsicheren Gebiet, in der Kultur und Technik derVereinigten Staaten in einem für die Wissenschaft nutzbaren Zustand eingelagert und im Falle eines Angriffes gerettet werden soll.
Im Jahr 1951, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zündung der ersten Atombombe in Japan eine nicht ungeschickte Herangehensweise für Propagandazwecke. Die Angst vor der Atombombe war allgegenwärtig. Sicherlich haben sich einige dort engagiert, denn welcher Amerikaner möchte nicht die Errungenschaften der Vereinigten Staaten atomsicher aufbewahrt wissen.
Hubbard war inzwischen schon so bekannt, dass auch sein Privatleben für die Medien von Interesse war. So berichtet die »Times Herald« in Washington D. C. am 24. April 1951 über das Scheidungsverfahren des Ehepaares Hubbard. Die Ehefrau hätte in dieses Verfahren eingebracht, dass qualifizierte ärztliche Berater empfohlen haben, ihren Ehemann L. Ron Hubbard zur psychiatrischen Beobachtung und Behandlung einer Geisteskrankheit mit der Bezeichnung »paranoide Schizophrenie« in ein privates Sanatorium einzuweisen. Frau Sara Hubbard gab an, er sei »hoffnungslos geisteskrank«. Die Begründung dieser Aussage mag an den weiteren Details der Schilderungen liegen. Sie gab an, von ihrem Ehemann systematisch gefoltert, geschlagen, stranguliert worden zu sein. Außerdem habe er mit ihr experimentiert. Reine Schlammschlacht während eines Scheidungsverfahrens? Wie auch immer, nachdem eine Scheidungsvereinbarung geschlossen ist, geht die Sache reibungslos über die Bühne. Allerdings hatte Sara monatliche Zahlungen und das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn erreicht. Während des Verfahrens hatte sie ihre Vorwürfe gegen den Ehemann zurückgenommen.
Fraglich ist, ob die Einlassungen der Ehefrau völlig unbegründet waren, existiert doch Korrespondenz zwischen L. Ron Hubbard und der Veteranenverwaltung in Los Angeles. Diese Behörde war zuständig für die Fürsorge von Kriegsteilnehmern nach dem Zweiten Weltkrieg. In einem Brief vom 15. Oktober 1947 an eben diese Behörde, der von Scientology Deutschland als Fälschung bezeichnet wird, schreibt Hubbard:
… Dies ist ein Antrag auf Behandlung … Nachdem ich zwei Jahre lang vergeblich versucht habe, mein Gleichgewicht im Zivilleben wiederzuerlangen, bin ich völlig unfähig, für mich persönlich ein Auskommen zu erzielen. Mein letzter Arzt informierte mich, dass es hilfreich sein könnte, wenn ich mich untersuchen ließe und vielleicht psychiatrisch oder sogar durch einen Psychoanalytiker behandelt würde. Gegen Ende meiner Dienstzeit umging ich aus Stolz jegliche Überprüfung meines Geisteszustandes. Dies geschah in der Hoffnung, dass die Zeit meinen Geist ins Gleichgewicht zurückführen würde, von dem ich klare Anzeichen hatte, dass er ernsthaft beeinträchtigt war. Ich kann mir die langen Perioden der Verdrießlichkeit und Neigungen zum Selbstmord nicht erklären und mich auch nicht darüber erheben.
Die weitere Entwicklung der Organisationsgründungen wird Anfang der 50er Jahre etwas unübersichtlich. Einigermaßen gesichert scheint zu sein, dass Hubbard 1952 die »Hubbard Association of Scientologists«, sozusagen den Hubbard Scientologenverband in Arizona/USA gründete und in der Folge in New Jersey ein weiteres Büro eröffnete. In dieser Zeit soll bereits der Sprung über den großen Teich nach Europa gelungen sein. Auch in London soll bereits damals der Hubbard’sche Scientologenverband präsent gewesen sein.
Das Netz des Hubbard-Imperiums beginnt, sich zu entwickeln. Auch die Aktivitäten und die Darstellungen für die Öffentlichkeit steigerten sich.
Festzuhalten ist, dass in der Gründungszeit von Wissenschaft und Therapie die Rede ist, von Religion oder Kirchengründung keine Spur. Über die formelle Gründung seiner ersten Scientology-Church gibt es die widersprüchlichsten Angaben. Die Organisation selbst gibt für die Gründung der »Church of Scientology of California« das Jahr 1954 an. Ob diese Angabe nun stimmt oder nicht, ist eigentlich unbedeutend. Das »Warum Kirche?« ist schon interessanter.
Dieses Warum erschließt sich allerdings nicht durch die offizielle Darstellung der Organisation. Dafür muss man sich in die Niederungen der Hubbard’schen Anweisungen begeben. Die bereits 1951 sich andeutenden Probleme mit der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde setzen sich fort. Zum Beispiel wurde noch im Jahr 1963 von der US-AMERIKANISCHEN Nahrungs- und Medikamentenbehörde, der Food and Drugs Administration, eine Razzia in der Scientology-Akademie in Washington D.C. durchgeführt. Dabei wurden Geräte beschlagnahmt, die die Akademie bei der Ausübung von Scientology eingesetzt hatte. Es wurde vorgebracht, diese Geräte mit der Bezeichnung »Hubbard-Elektrometer« seien in Anzeigen fälschlich als wirksam bei der Behandlung verschiedener Krankheiten bezeichnet worden.
Die Reaktion von staatlichen Institutionen verwundert einen nicht. So musste die Öffentlichkeit in der Darstellung der Scientology einiges zur Kenntnis nehmen.
Zum Beispiel erscheint im Mai 1960 eine Zeitschrift mit Namen »Reality«, also »Wirklichkeit«. Das Blättchen nimmt für sich in Anspruch, die offizielle Publikation von Dianetik und Scientology in Kalifornien und dem Westen der USA zu sein. Die Seite drei dieser Veröffentlichung dokumentiert die Ansprüche der Organisation:
In den Händen der Intelligenz hat Scientology durch Änderung der menschlichen Energie alle Wunderheilungen früherer Zeiten wiederholt. Es ist jedoch mehr als eine Wissenschaft vom Heilen. Durch Scientology und nur durch Scientology könnte die Qualität derer bestimmt werden, die die Menschheit regieren. Durch Scientology kann ein Mensch seine Mitmenschen erkennen und ihr Handeln vorhersagen. Er kann heilen und die Zukunft seiner Kinder sicherstellen. Er kann das Morgen beurteilen und lernen, im Heute zu herrschen … In einigen Stunden kann Scientology die Lahmen gehend und die Blinden sehend machen.
1963 – zur Zeit der Durchsuchung, existierten bereits Anweisungen innerhalb der Organisation, die die US-amerikanische Gesundheitsbehörde zum Feind erklärt. Aus den 50er/60er Jahren stammen auch die Formulierungen, die entlarven, warum Hubbard plötzlich vom angeblichen Wissenschaftler und Heiler zum Religionsstifter mutierte.