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Titelseite

Kapitel 1

Rosie Dell war gekommen, um die Sache zu beenden. Diesmal endgültig. Wie immer nahm sie den Hintereingang. Ging vom Clifton Beach hinauf zu seiner Erdgeschosswohnung, als die Sonne im Atlantik erlosch wie eine Zigarette in einem Rinnstein. Bemerkte aus den Augenwinkeln heraus flüchtig ihr Spiegelbild – ein verschwommener Fleck aus brauner Haut und schwarzen Locken –, als sie das stählerne Ziehharmonikagitter vor den Glastüren des Schlafzimmers entriegelte und zur Seite schob. So lebten sie in Kapstadt, diese reichen weißen Typen. Hinter Gittern.

Er wartete auf sie. Lag auf dem Bett, in Anzughose und Schuhen, das Seidenhemd am Kragen aufgeknöpft. Das Gesicht konturlos im Halbdunkel. Rosie warf seine Schlüssel auf das Laken neben ihn.

»Ich kann das nicht, Baker«, sagte sie. »Nicht mehr.« Wenn sie allein waren, war er immer nur Baker. Niemals Ben.

Er sagte nichts, stand auf und trat zu ihr. Drückte sie mit seinem massigen Körper gegen die Wand, saugte mit dem Kuss ihre protestierenden Worte und ihre Entschlossenheit ab. Bakers Hände waren unter ihrem Rock, hoben den Stoff über ihre Taille, schoben das Höschen hinunter. Er streifte sein Hemd ab, und sie spürte das heiße Gewicht seines Fleisches. Sie dachte an ein mit Bier gemästetes Kobe-Rind.

Als sie fertig waren, war es Nacht. Rosie setzte sich aufs Bett, immer noch bekleidet. Baker stand über ihr und zeichnete sich als Silhouette vor dem Hintergrund des aus dem Flur hereinfallenden Lichts ab. Sie hörte, wie die Zähne seines Reißverschlusses ineinandergriffen.

»Nimm die Schlüssel«, sagte er. Sie spürte das kalte Messing unter ihren Fingern. »Steck sie in deine Tasche.«

Machte, was er sagte. Ihr Ehering stieß gegen das Metall. Sie meinte, im Dunkeln sein Lächeln aufblitzen zu sehen.

Rosie beobachtete, wie er den Flur entlang in das hell erleuchtete Wohnzimmer ging, ohne Hemd, rote Striemen von ihren Fingernägeln auf der bleichen Haut seines Rückens. Sein nackter Torso war straff vor Fett, wie bei einem Seehund. Ist nicht mal mein verfluchter Typ, dachte sie wie immer. Was immer das bedeutete. Es war nicht sein Geld. Das hätte sie verstanden. Das Schlimmste war, sie wusste genau, sie würden es wieder tun.

Baker stand neben der Picasso-Zeichnung eines Stiers und schenkte sich aus einer Karaffe Scotch ein, als die beiden Männer aus Richtung der Wohnungstür hereinkamen. Schwarze Männer in blauen Overalls. Es war nichts zu hören gewesen, also mussten sie einen Schlüssel gehabt haben. Der eine war groß, jung und wirkte nervös. Der andere war klein und älter. Beide hielten Schusswaffen in der Hand.

Baker stellte die Karaffe auf die polierte Oberfläche der Biedermeier-Barkommode und hob die Hände auf Schulterhöhe. Sprach mit diesem selbstbewussten Ton, den sie bei ihm schon viele Male an Konferenztischen gehört hatte. »Okay. Wir bleiben jetzt alle ganz ruhig. Egal, was ihr wollt. Kein Problem.«

Der kleine Mann schoss Baker in die Brust, die Kanone hustete durch einen Schalldämpfer. Baker ließ die Hände fallen und sank auf ein Knie. Er drehte sich gerade zu ihr um, als die nächste Kugel in sein rechtes Auge eindrang und einen Teil seines Schädels auf die Wand hinter ihm krachen ließ. Der Mann schoss ein weiteres Mal auf Baker, als er bereits auf dem Teppich lag, und sein Körper zuckte.

Das alles dauerte vielleicht fünf Sekunden. Rosie saß im Dunkeln. Dann blickte der ältere Mann ins Schlafzimmer und sah sie. Sie drückte sich vom Bett hoch, schlug die Tür zu und drehte den Schlüssel im Schloss. Hörte ein Plopp!, und neben ihrer Hand zersplitterte das Holz, als eine Kugel sich hindurch bohrte und dann in die Matratze eindrang.

Sie schlug auf den Panikschalter an der Wand. In der Wohnung selbst war nichts zu hören, aber in irgendeiner Leitstelle würde jetzt ein Alarm losgehen und bewaffnete Männer in Marsch setzen. Und Sanitäter. Zu spät für Baker. Sie rannte hinaus auf die Terrasse, in die Nacht. Die Sicherheitstüren im Wohnzimmer waren jetzt verriegelt und hielten die Männer gefangen.

Sie hörte, wie sie die Schlafzimmertür eintraten, als sie die Terrassenfliesen überquerte. Hörte das dünne Holz bersten. Sprang über ein Blumenbeet und erreichte laufend den Weg hinunter zum Strand. Da sie ihre Sandalen zurückgelassen hatte, spürte sie beim Laufen deutlich den rauhen Bodenbelag unter ihren nackten Füßen. Sie tastete nach den Schlüsseln in ihrer Jacke.

Hörte dieses Geräusch wie ein Husten, und direkt neben ihrem Fuß spritzte es auf. Der Weg machte einen Bogen um einige Sträucher, und sie erreichte das Tor. Eine hohe Mauer. Das Summen eines Elektrozauns. Ein Bewegungsmelder schaltete einen Scheinwerfer ein, der sie in grelles Licht tauchte. Fieberhaft versuchte sie, den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Ihre Finger zitterten wie eine Schnapsdrossel am Freitagabend. Hörte trommelnde Schritte.

Fok, fok, fok. Ihre Zunge fand das Afrikaans ihrer Kindheit. Finger fanden das Schlüsselloch.

Öffnete das Tor, und sie war durch. Ließ es wieder ins Schloss fallen, als die Männer in Sicht kamen. Der Ältere hob seine Pistole, und eine Kugel zischte surrend an ihrem Kopf vorbei. Sie jagte ihrem Schatten in die Dunkelheit des Strandes hinterher, spürte den Sand ihre Füße packen. Kämpfte sich weiter vor bis zum Wasser, wo sie freier laufen konnte, und atmete schwer, lauter als die Brandung. Rannte vom Second Beach zum First.

Rosie sah eine Gruppe Teenager in Baggy Pants und Kapuzenpullis mit Bodyboards unter den Armen auf dem Weg hinauf zur Victoria Road. Sie schloss sich ihnen an, als sie die Treppe hinaufstiegen, im Zickzack zwischen den Strandbungalows, die für Millionen von Dollars und Euros verkauft wurden. Die Jungs rauchten einen Joint, ein Glühwürmchen tanzte von einem Gesicht zum anderen. Sie war fünfzehn Jahre älter als sie, aber sie sahen sie durchaus interessiert an.

Einer von ihnen sagte: »Hey.«

Sie antwortete mit »Hey«, und er bot ihr den Joint an.

Rosie nahm ihn, saugte daran und spürte sofort die vertraute Hitze in der Lunge. Sie stieß den Rauch langsam wieder aus und reichte den Joint weiter. Sie waren jetzt oben an der Straße, und sie suchte die Gegend ab. Leute, die ihre Hunde ausführten, und Jogger. Keine bewaffneten Männer.

Sie verließ die Kids bei einem rostigen Kleintransporter und ging zu dem silbernen Volvo hinüber, der unter einer Straßenlaterne parkte. Ein Parkwächter mit Mütze und neongrüner Latzhose winkte ihr zu. Er war Ingenieur, Flüchtling aus irgendeinem afrikanischen Land. Sie gab ihm immer ein Trinkgeld. Nicht heute Abend.

Rosie setzte sich hinters Steuer des Autos. Keine Schuhe. Kein Höschen. Spürte das Klebrige zwischen ihren Beinen, als sie den Motor anließ und nach Hause zu ihrem Mann und ihren Kindern fuhr.

Kapitel 2

»Ich hab Nelson Mandelas schwarzen Arsch eingebuchtet. Du stehst hier vor dem Grund, warum er ins Gefängnis gewandert ist. Ich habe den Verlauf der Geschichte geändert, und das ist gottverdammt nicht gelogen.«

Robert Dell, benebelt vom Wein zum Mittagessen, saß zusammengesunken auf dem Beifahrersitz des Volvo. Er schlief nicht, war aber auch nicht richtig wach, wurde heimgesucht von der Erinnerung an die Stimme seines Vaters aus den Tiefen seiner Kindheit: laut, herrisch, mariniert in Jack mit Coke und Zigaretten ohne Filter. Ein trotziger Texaner, wie Tommy Lee Jones in einer Nebenrolle. Er hatte seinen Vater fünfundzwanzig Jahre nicht mehr gesehen, aber seine Stimme war hier bei ihm im Wagen, und unerwünschte Bruchstücke von Dells Vergangenheit umkreisten ihn wie Fledermäuse.

Er richtete sich auf. Sah kurz zu seiner Frau hinüber, die sich auf die Straße konzentrierte, während sie in eine scharfe Kurve fuhr, und hörte von hinten das Lachen seiner Kinder. Dell blickte hinaus in die Sonne. Ließ das helle Licht die ganze üble Scheiße wegbrennen.

Sie fuhren über einen schmalen Gebirgspass, eine Serpentinenstraße hinunter in ein fernes Tal. Links von Dell ging es steil bergab, und die kleine Stadt, in der sie zu Mittag gegessen hatten, lag irgendwo weit hinter ihnen. Das eine Autostunde von Kapstadt entfernte Franschhoek erinnerte Dell immer an ein Filmset: von einer schützenden Gebirgskette eingefasste Weingüter, weiß Gott wann von hugenottischen Siedlern erbaute weiße Giebelhäuser, Andenkenläden und prätentiöse Restaurants mit französischen Namen. Im Verlauf des Essens hatte Dell eine Flasche Rotwein geknackt in dem Versuch, den Kanten der ausgesprochen beschissenen letzten zwei Tage etwas an Schärfe zu nehmen. Nach den Neuigkeiten vom Vortag war es auch kein Wunder, dass sein Vater zu ihm gesprochen hatte.

»Mit dir alles okay?«, fragte Rosie, die Augen fest auf der Straße.

»Ja. Zu viel Vino.«

»Mein Gott, du hast dir die Flasche aber auch so richtig reingezogen.« Warf ihm ein Lächeln zu. Vornehme Schulen und das College hatten den kehligen Akzent von Rosies Kindheit zwar geglättet, aber er konnte ihn immer noch an dem rollenden »r« heraushören – der fast Spanisch klingende Dialekt der Cape Flats. Rrrrichtig. Rrrreingezogen.

»Tut mir leid«, sagte er.

»Muss nicht. Du hast Geburtstag. Entspann dich.«

Sein Geburtstag. Himmel, wie hatte er es nur geschafft, achtundvierzig zu werden? Dell strich sich mit den Fingern durch das lange, von grauen Strähnen durchzogene strohblonde Haar. Sein Zwei-Wochen-Bart juckte. Fast ganz silbern. Höchste Zeit, ihn auszudünnen. Seine Frau fand die Stoppeln sexy. Zumindest hatte sie das früher gesagt.

Dell drehte sich zu den Zwillingen um, die nebeneinander auf Kindersitzen angeschnallt waren. Mary und Thomas, fünf Jahre alt, nuckelten durch gebogene Strohhalme Obstsaft. Tommy sagte, Ben 10 wäre viel cooler als Pokemon. Mary sah das anders. Tommy blieb stur.

Mary sagte: »Tommy, du bist ein absoluter Vollidiot.« Hörte sich an wie jemand mittleren Alters.

Die Sonne zauberte einen Heiligenschein in ihr wildes Haar, das in dunklen Korkenzieherlocken bis auf ihren Rücken fiel. Die Haare ihrer Mutter. Sie hatten auch ihre Haut. Exakt die Farbe von Karamell.

Dell legte eine Hand auf das Bein seiner Frau, spürte ihre Wärme durch den Jeansstoff. »Und du, meine kleine Rosenknospe? Wie geht’s dir?«

Rosie arbeitete an einem weiteren Lächeln, doch es funktionierte nicht. Sie gab sich die größte Mühe, ihm an seinem Geburtstag etwas Gutes zu tun, aber sie war nicht mit dem Herzen dabei. Seit er sie zwei Tage zuvor auf dem Sofa kauernd angetroffen hatte, die Arme um die Knie geschlungen und die Frühnachrichten im Fernseher verfolgend, hatte sie sich an einen dunklen, inneren Ort zurückgezogen.

»Ben Baker ist tot«, sagte sie, während Dell Bilder von Cops in einer Luxuswohnung am Clifton Beach sah und den Nachrichtensprecher verkünden hörte, Baker sei am Vorabend im Verlauf eines Einbruchs in seiner Wohnung ermordet worden. Ein Raubüberfall, der in die Hose gegangen war. Nur zu alltäglich in Kapstadt. In die Nachrichten hatte es die Meldung nur geschafft, weil Ben Baker einer der reichsten Männer des Landes gewesen war. Seine Kohle hatte die Kunststiftung finanziert, die Rosie leitete. Er war der Grund, warum sie jetzt diesen glänzenden neuen Volvo fuhren.

»Ich hab mich gerade dabei ertappt, wie ich in der Tasche nach einer Kippe suche«, sagte Rosie. Sie hatte zu rauchen aufgehört, als sie mit den Zwillingen schwanger wurde. »Was hat das zu bedeuten?«

»Es bedeutet, du stehst unter Stress.«

Ben Bakers Tod bedeutete, dass sie schon bald keinen Job mehr haben würde. Womit sie dann beide arbeitslos wären. »Alles wird gut«, sagte er. Seine Worte klangen hohl.

Er berührte ihre Hand auf dem Lenkrad. Elegante, schöne Finger, die in langen, sorgfältig manikürten Nägeln endeten. Als er sie kennengelernt hatte, waren die Nägel kurz gehalten worden und ihre Finger fleckig von den Pigmenten der Ölfarben, die sie für ihre riesigen abstrakten Gemälde benutzte. Die Malerei hatte sie allerdings aufgegeben, als sie ihren Job antrat. Er vermisste diesen Geruch im Haus. Terpentin und Leinöl.

Dell wendete den Blick von seiner schönen Frau ab. Heute empfand er den Altersunterschied deutlicher als je zuvor. Er beobachtete die Straße. Die Kulturlandschaft war verschwunden. Fort waren die Obstplantagen und die Weingüter. Vergangene Woche hatte ein Feuer die Berge attackiert, den Saum des ortstypischen Buschlands in Brand gesetzt und eine post-apokalyptische Landschaft aus Fels und grauer Asche zurückgelassen, wo hier und da immer noch Rauch aufstieg. Dell starrte über den Rand nach unten, wo ein ausgetrocknetes Flussbett in einem engen Tal verlief. Ein heftiges Schwindelgefühl überkam ihn, und er schloss die Augen. Zu viel Wein.

Dell öffnete die Augen und redete, bevor er sich bremsen konnte. »Er ist draußen, Rosie.«

»Wer?«

»Mein Vater. Er ist entlassen worden.«

Die Hände seiner Frau verkrampften sich um das Lenkrad. Er konnte die Bestürzung in diesen großen dunklen Augen sehen. »Du nimmst mich auf den Arm, oder?«

Er schüttelte den Kopf. »Gestern rief mich ein Radiosender in Jo’burg an. Die haben mich richtiggehend überrumpelt. Sie wollten einen Kommentar.«

»Warum hast du mir nichts davon erzählt?«

»Mein Gott, Rosie. Du hattest doch die Sache mit Ben Baker um die Ohren.«

Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, sah dann wieder auf die Straße. »Wann haben sie ihn denn entlassen?«

»Anscheinend schon vor ein paar Wochen. Man hat ihn durch die Hintertür rausgelassen, weswegen wir nichts davon erfahren haben.«

»Ich dachte, lebenslänglich bedeutet lebenslänglich?«

Er zuckte die Achseln. »In diesem Fall bedeutete es sechzehn Jahre.«

»Glaubst du, er wird sich mit dir in Verbindung setzen?«

»Nie im Leben, Rosie. Keine Sorge.«

»Er ist ihr Großvater.« Sie sah kurz in den Rückspiegel auf die Zwillinge, die immer noch mit ihrer Fernsehdiskussion beschäftigt waren.

»Er wird nicht so dumm sein, in meine Nähe zu kommen. Und selbst wenn, glaubst du vielleicht, ich würde ihn auch nur auf eine verschissene Meile an sie heran lassen?«

Was Marys Radarohren aufgeschnappt hatten. »Daddy hat ein böses Wort gesagt.«

Dell drehte sich um. »Ja, Daddy hat ein sehr böses Wort gesagt. Und das tut Daddy sehr leid. Okay?«

»Wo ist er?« Rosie klang gereizt.

»Keine Ahnung. Ich denke, seine rechtsradikalen Kumpane werden ihn wohl aufgenommen haben.«

»Mein Gott, Rob …«

»Ja, ich weiß, ich weiß. Es war schon hart, sein Sohn zu sein, als er getan hat, was er getan hat. Und jetzt geht alles wieder von vorne los, stimmt’s?«

»Du bist nicht dein Vater, Rob.« Rosies Augen waren auf die Straße gerichtet, doch sie streckte eine Hand aus und berührte sein Gesicht.

»Nein. Das bin ich nicht.«

Er hatte den Mädchennamen seiner Mutter angenommen. Sprach mit ihrem südafrikanischen Akzent. Stand politisch eher links, was ihn zum Feind seines Vaters gemacht hatte. Zeugte gemischtrassige Kinder. Doch manchmal, wenn ein Spiegel ihn überrumpelte, sah er für einen kurzen Augenblick den älteren Mann, der ihn anstarrte.

Auf dem Rücksitz herrschte helle Aufregung. Tommy versuchte, an Marys Getränk heranzukommen, und kippte dabei den Saft über sie. Mary brüllte, und Tommy brüllte zurück.

Dell drehte sich um und fuhr die Kinder scharf an. »Um Himmels willen, könnt ihr zwei euch gottverdammt noch mal nicht benehmen!«

Sein Ausbruch hinterließ ein Vakuum, das schnell durch Marys Geheule gefüllt wurde.

»Okay okay okay. Immer locker bleiben«, beschwichtigte Dell und kramte im Handschuhfach nach einem Päckchen Taschentücher. Er öffnete seinen Sicherheitsgurt und drehte sich zu seiner Tochter um, kniete sich auf den Beifahrersitz und griff nach hinten, um ihr feuchtes T-Shirt abzutupfen. »Beruhige dich wieder, Mary, ist doch nur Saft.«

»Daddy hat gebrüllt.«

»Tut mir leid, Kleines. Ich hab’s nicht so gemeint.«

Das Mädchen klammerte sich an Dell, und er vergrub seine Nase in ihren Haaren. Sie duftete nach Kokosnuss-Shampoo. Er spürte ihre Rippen unter seinen Händen, kleine Knochen, die bei jedem Schluchzer bebten. Das Herz klopfte. Äußerlich hatten die Zwillinge wenig von Dell, aber er war überzeugt, dass Mary seinen Charakter geerbt hatte. Sie war nachdenklich. Manchmal traurig. Tom war impulsiver, wie seine Mutter.

Der Junge schniefte jetzt auch, also löste Dell seine linke Hand und nahm seinen Sohn ebenfalls in den Arm. Hielt sie beide. Damals, als er arbeitete, wenn er von seiner Familie getrennt war, allein in einem Hotelzimmer lag oder in der abgedunkelten Röhre eines Passagierflugzeugs saß, hatte Dell sich dabei ertappt, wie er in einem stummen Mantra die Namen seiner Frau und Kinder wiederholte. Als würde sie das zu einer untrennbaren Einheit zusammenschweißen. Rosie, Mary, Tommy.

Tom zappelte, und Dell ließ ihn los. Aber Mary hielt sich fest. »Ich liebe dich, Daddy.«

»Und ich liebe dich auch, mein Engel.«

Schließlich ließen die kleinen Finger seiner Tochter ihn los, und Dell, der immer noch kniete, hob sein Gesicht aus ihren Haaren und sah hinter ihnen den schwarzen Pick-up näher kommen, ein Allradler mit dunkel getönten Scheiben und wuchtigen Frontschutzbügeln. Er holte schnell zu ihnen auf. Dell beobachtete, wie der Wagen in der Heckscheibe größer wurde, und wartete darauf, dass er ausscherte und sie überholte. Was er nicht tat.

Die Frontschutzbügel krachten gegen den Kofferraum des Volvo. Der Wagen kam von der Spur ab, und Rosie hatte alle Hände voll zu tun, ihn auf der Straße zu halten. Die Kinder schrieen, und Dell brüllte den Truck an, als ob ihn das aufhalten könnte.

Der schwarze Kotflügel und ein fetter Stollenreifen tauchten bedrohlich neben Rosie auf, die auf Afrikaans fluchte und mit dem Lenkrad kämpfte. Sie verlor die Kontrolle über den Wagen, als der Truck sie seitlich rammte und den Volvo an die schmale silberne Leitplanke drängte. Der Truck stieß sie erneut an. Der Wagen prallte gegen die Leitplanke und riss die kurzen Holzpfosten heraus, die sie am Rand des Abgrunds befestigten.

Dell war nicht angeschnallt. Die Wucht des Aufpralls schleuderte ihn durch die Windschutzscheibe. Durch das Glas schoss er rückwärts nach draußen, als wäre er hinauskatapultiert worden. Hing für einen Moment, der ihm wie Stunden vorkam, im leeren Raum, bevor er auf die Erde aufschlug, auf der Seite landete, auf dem schmalen Streifen harten Grases, das zwischen dem aufgerissenen und verbogenen Stahl und dem endlosen Abgrund wuchs.

Das Letzte, was er sah, bevor die Welt schwarz wurde, war der Volvo, der sich mit allem darin, was er liebte, in der Luft drehte und immer wieder überschlug, während er den zerklüfteten Felsen weit unten entgegen stürzte.

Kapitel 3

Inja Mazibuko war hungrig. Er hatte nichts mehr gegessen, seit er den fetten weißen Mann erschossen hatte. Sein Fasten war ein Versuch, dieses dunkle Etwas auszuhungern, das seine Kraft verzehrte, und eine Buße, um die Ahnen zu besänftigen, eine Bitte an sie, ihn zu der Frau zu führen, die entkommen war. Diejenige, die sein Gesicht gesehen hatte. Der Mischling. Als er jetzt zusah, wie der Wagen auf den Felsen aufschlug und in einem schmutzig orangefarbenen Feuerball explodierte, spürte er, wie sein Appetit sich regte.

Der Xhosa-Idiot an seiner Seite lachte und zeigte zu dem Auto hinunter. »Yo-yo-yoh!« Ein wiehernder Esel, der niemals sein Maul hielt.

Inja setzte den Toyota-Truck in Bewegung und machte sich auf den Weg den Pass hinunter in Richtung des fernen Kapstadt. Von Geburt war er ein Zulu, und bis nach Hause waren es fast zweitausend Meilen, die Ostküste hinauf, noch hinter Durban, wo er ein induna war, ein Stammesführer im Dienste seines Häuptlings. Er war eingeflogen, um den reichen weißen Mann zu töten, und nun brannte er darauf, so schnell wie möglich abzureisen, nachdem er den Pfusch in Ordnung gebracht hatte. Es gefiel ihm hier nicht, diese Welt voller Mischlinge und Xhosa-Trottel. Wie der Junge neben ihm, der permanent quasselte.

Inja hatte den Jugendlichen in Kapstadt angeheuert, eines der frei herumlaufenden Tiere aus den Hüttensiedlungen, die wie eiternde Geschwüre den Flughafen umwucherten. Er kannte die Stadt nicht und brauchte einen Einheimischen, der ihn begleitete. Er hatte den Jungen drei Tage nicht aus den Augen gelassen, und allmählich war er sein strohdummes Gelaber satt. Inja blendete ihn aus und dachte an Essen. Er lechzte nach einem Schafskopf, wie er in den Townships zubereitet wurde. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

Am Fuß des Passes wurde die verlassene Straße eben und lief direkt auf einen Damm zu, der wie ein Spiegel auf dem geschwärzten Veld lag. Inja bremste ab, verließ den Asphalt und fuhr ein kurzes Stück den Schotterweg hinauf, der zur Staumauer führte.

»Warum halten wir, baba?« Der Idiot nannte ihn Vater aus Respekt vor seinem höheren Alter. Seinen Stammesnamen hatte er dem Jungen nie gesagt. Und ganz sicher nicht den Spitznamen, der ihn seit seiner Kindheit in Zululand verfolgte. Inja. Hund.

»Ich muss mal pinkeln.« Er öffnete die Tür und stieg aus. »Hol mir schon mal eine Coke von hinten.« Inja, dürr und schwarz wie eine Lakritzstange, entfernte sich einige Schritte von dem Fahrzeug und blieb neben einem Baumstamm stehen, der angesengt und verdreht in der Asche lag.

Während er pinkelte, sah Inja den Jungen die Klappe des Camper-Aufsatzes öffnen, auf Händen und Knien in den Toyota klettern und in der Kühlbox wühlen. Inja schüttelte den letzten Tropfen ab und zog den Reißverschluss hoch. Öffnete sein kariertes Sakko und zog die Pistole aus dem Holster an seiner Hüfte. Nicht die Waffe, mit der er den Weißen getötet hatte. Das hier war die Kanone, die er dem Jungen gegeben hatte. Immer noch kein Schuss abgefeuert. Er fand den Schalldämpfer in seiner Tasche und schraubte ihn auf, während er zurück zum Truck schlenderte. Meilenweit keine Menschenseele, aber Vorsicht hatte noch nie geschadet.

Die fetten Arschbacken des Xhosa wölbten sich vor ihm. »Wir haben keine Coke, baba. Nur Pepsi.«

Inja beugte sich in den Wagen und legte den Lauf der Waffe ins Genick des Jungen, auf die Hautfalte, die an das Hinterteil eines Stiers erinnerte. Drückte zweimal ab. Der Trottel sackte nach vorn, sein Hintern immer noch in der Luft. Inja hob einen grauen Halbschuh hinein und schob den Hintern solange, bis der Junge flach auf dem Bauch lag. Schnappte sich die auf der Metallfläche des Trucks liegende Plane und zog sie über den Jungen. Er schlug die Heckklappe zu und schloss den Camper-Aufsatz ab.

Dann zog er das intime Bekleidungsstück aus seiner Jackentasche, hielt es zwischen Daumen und Zeigefinger hoch. Betrachtete es. Der Schlüpfer, den er im Schlafzimmer des weißen Mannes gefunden hatte. Winzig, unanständig. Die Unterwäsche einer Hure. Wenn er seine Frauen dabei erwischte, wie sie so etwas trugen, würde er sie die Peitsche schmecken lassen.

Manche würden sagen, er hätte die farbige Schlampe über die E-Mail-Korrespondenz – sexuellen Inhalts – aufgespürt, die er auf dem BlackBerry fand, den er aus der Wohnung des fetten Mannes mitgenommen hatte. Aber Inja wusste es besser. Dieser Schlüpfer, getränkt mit den Säften des Mischlings, hatte es den Ahnen ermöglicht, ihn so zielsicher zu ihr zu führen, als trüge sie ein Leuchtfeuer. Zu dem Haus in den Vororten von Kapstadt, in das er hatte einbrechen und sie erledigen wollen, bevor sie mit ihrer Familie in dem silbernen Auto fortfuhr und ihm so eine sauberere Alternative bot.

Inja ließ den Schlüpfer auf den Boden fallen und scharrte mit seinem Schuh Asche darüber. Er mochte sie nicht, diese Farbigen. Unreine Menschen. Weder weiß noch schwarz. Aber die untreue Frau hatte bekommen, was sie verdiente. Er glitt hinter das Steuer des Toyotas und holperte wieder auf das Asphaltband zurück.

***

Dell schlug die Augen auf. Grelles Licht brannte sich in sein Hirn, sein Kopf schmerzte. Erinnerungsblitze explodierten in seinem Schädel wie Handgranaten. Der schwarze Truck. Der durch die silberne Leitplanke krachende Volvo. Die Schreie seiner Frau und Kinder, als der Wagen sich überschlug.

Jesus.

Er blickte nach rechts und sah den Abhang in die Ewigkeit. Sah öligen schwarzen Rauch von dem winzigen, zerschmetterten Volvo aufwallen, der auf dem Dach lag und auf den Felsen und der Asche brannte.

Dell kniff die Augen zu. Versuchte, zurückzuspulen und den Alptraum zu löschen. Rosie, Mary, Tommy. Das Flattern von Flügeln. Er öffnete die Augen, als ein Vogel sich niederließ. Ein Kapgeier, dessen unbefiederter Kopf mit dem hakenförmigen Schnabel auf einem mageren rosa Hals wackelte, die staubigen Schwingen wie der Mantel eines Leichenbestatters. Auf faltigen grauen Klauen schlurfte er durch die Asche auf Dell zu.

Dell setzte sich auf, brüllte und wedelte mit dem Arm. Seine Haut war blutverschmiert, und ein Ärmel seines Hemds war an der Schulter abgerissen. Der Vogel gab Laute von sich wie ein hustender alter Mann und hob ab, mit einem Mal elegant und anmutig, als er sich in die Leere stürzte und die Flügel ausbreitete.

Als Dell brüllte, lösten sich Blutbläschen aus seinem Mund, und Scherben zersplitterten Glases glitzerten wie Diamanten, als er in den Sand zwischen seinen Füßen spuckte. Er sah, dass er seine Schuhe verloren hatte. Und eine Socke.

Dell stand auf, und die Welt begann sich zu drehen, schleuderte ihn um ein Haar über den Rand in den Abgrund. Er hörte ein Auto, das sich in einem niedrigen Gang die Steigung hinaufkämpfte. Er torkelte auf die Straße hinaus, winkte mit einem blutigen Arm. Ein kleines, grünes, japanisches Auto hielt genau auf ihn zu. Als es bremste, sah Dell den Mann, dessen mit Sommersprossen übersäte Hände auf dem Steuer von der Sonne erfasst wurden. Neben dem Fahrer saß eine Frau, die ihn voller Entsetzen anstarrte.

Dann beschleunigte der Wagen, wich Dell aus und raste vorbei. Zwei blonde Kinder starrten ihn durch die Heckscheibe an, während der Wagen hinter einer schroffen Felskuppe verschwand. Es überraschte ihn nicht wirklich. Das hier war Südafrika, wo guten Samaritern an fingierten Unfallstellen Waffen unter die Nase gehalten wurden.

Dell fand sein Mobiltelefon in einer Tasche seiner Jeans. Das Glas des Displays war zersplittert, und als er versuchte, eine Notrufnummer zu wählen, blieb das Telefon stumm. Er steckte das nutzlose Gerät wieder ein und machte sich zu Fuß auf den Weg die Straße entlang, die sich hinunter zu dem ausgetrockneten Fluss schlängelte. Hinunter zu seiner Familie. Weit kam er nicht. Der Asphalt hob sich ihm entgegen und schlug ihm vor den Kopf.

***

Inja fuhr eine Stunde Richtung Kapstadt. Er rauchte einen fetten selbstgedrehten Spliff mit dem starken Gras seiner Heimat. Durban Poison. Weltberühmt für seine fast halluzinogene Wucht. In seiner Kultur keine Droge. Ein Heilkraut. Das Gras, mit dem Zulu-Krieger gegen Buren und Briten in die Schlacht gezogen waren, die Augen blutrünstig rot.

Durban Poison wuchs üppig grün auf den felsigen roten Hügeln seiner Heimat, und über die Jahre hatte Inja ein Vermögen damit gemacht. Nutzte Einheimische für Anbau und Ernte seiner illegalen Nutzpflanze. Verschickte es runter nach Durban für den Export. Es war sein erster Joint an diesem Tag, und er spürte dieses vertraute Gefühl der eigenen Stärke. Der eigenen Macht und Unbesiegbarkeit. Ein Gefühl, das er verloren zu haben meinte.

Inja befand sich auf der Schnellstraße nach Kapstadt, der Berg mit dem abgeflachten Gipfel ragte bereits in der Ferne auf, als er eine Ausfahrt sah, die zu einer Tankstelle und einem Restaurant führte. Sein knurrender Magen verlangte nach einer Pause. Es würde zwar nur der Fraß für Weiße sein, geschmacklos und ohne jeden Nährwert, aber es würde helfen, die Zeit zu überbrücken, bis er später einen Schafskopf bekommen konnte.

Inja pfiff, als er die Autobahn verließ und den Toyota vor dem Restaurant parkte. Er ging hinein und setzte sich in eine Nische am Fenster, von wo aus er den Parkplatz und die Tankstelle im Blick hatte. Bestellte einen doppelten Cheeseburger mit Fritten und dazu Spiegeleier.

Seine Bestellung wurde serviert, und er machte sich sofort darüber her. Ignorierte die Blicke der weißen und Mischlingsfamilien, während er sich das Essen in den Mund schaufelte. Er wartete darauf, dass sein Magen rebellierte, sein Appetit versiegte wie ein Wasserhahn, er schwitzend und mit Übelkeit kämpfend da saß und die Flüche der Ahnen von seinen Schädelknochen abprallten. Doch das Essen blieb in seinem Bauch, und der Teller war fast leer, ehe er sich allmählich gesättigt fühlte. Schaltete einen Gang zurück. Rülpste. Sein Magen wölbte sich zufrieden und prall unter dem Gürtel. Die Wärme breitete sich in seinem Bauch bis hinunter in die Hoden aus.

Er griff in die Tasche, zog die Brieftasche heraus und klappte sie zu dem darin liegenden Schnappschuss auf. Eine wunderschöne Jungfrau aus den Zululand-Bergen mit nackten Brüsten wie Knospen. Sechzehn Jahre alt. Genau in einer Woche würde Inja sie zur Frau nehmen. Seine vierte Frau. Kauend starrte er das Foto an.

Irgendwo bellte ein Hund, und Inja blickte hinaus auf den Parkplatz. Neben seinem Truck hatte ein Polizeiwagen gehalten, und zwei Uniformierte, ein Weißer und ein Mischling, stiegen gerade aus. Der weiße Bulle ließ einen Polizeihund – ein mächtiges Tier mit Würgehalsband – aus dem Heck springen. Der Hund zog den Mann zu einem Flecken Gras, wo er einen strammen Strahl gegen einen abgestorbenen Baum pinkelte. Der Mischling legte die Ellbogen aufs Dach des Autos, steckte sich eine Zigarette an und beobachtete eine Frau, die sich abmühte, in ihrer hautengen Jeans in ein Kabriolett zu steigen.

Der weiße Bulle kam zurück, als der Hund sein Geschäft erledigt hatte. An der Heckklappe von Injas Mietwagen blieb er stehen und hob schnuppernd seine lange Schnauze. Der Uniformierte zerrte am Halsband, doch der Hund ließ sich nicht wegziehen. Der weiße Polizist strich mit einer Hand über die Heckklappe, betrachtete seine Finger und sagte etwas zu dem Mischling, der daraufhin seine Zigarette auf den Asphalt schnipste und zu seinem Partner trat. Die beiden Männer sahen auf die Ladefläche. Versuchten, den Camper-Aufsatz zu öffnen, und stellten fest, dass abgeschlossen war.

Die Bullen sprachen mit einem Tankstellengehilfen, der dann dorthin zeigte, wo Inja in der Fensternische saß. Sie sperrten den Hund in den Wagen, betraten mit gezogenen Waffen das Restaurant und jagten damit den anderen Gästen Angst ein, die sofort unter den Tischen Deckung suchten.

Inja tunkte eine seiner Fritten in Ketchup, kaute darauf und beobachtete das Vorrücken der Cops, die ihre Z88-Dienstpistolen auf ihn richteten. »Ist das da draußen Ihr Truck?«, fragte der Mischling. Inja nickte.

»Lassen Sie die Hände da, wo wir sie sehen können!«, befahl der weiße Bulle.

Inja betrachtete sie, kaute ungerührt weiter. Griff nach seiner Brieftasche, die geöffnet auf dem Tisch lag, wobei ihre Kanonen seiner Bewegung folgten. Er hob die Brieftasche hoch, damit sie seinen Ausweis hinter der Plastikfolie des Einsteckfachs neben dem Foto seiner Verlobten sehen konnten.

»Agent Moses Mazibuko«, sagte er. »Special Investigation Unit.«

Kapitel 4

Zwei barbusige Zulu-Mädchen, Kalebassen auf dem Kopf balancierend, tauchten durch die Hühnerhirse auf. Nackt bis auf bunte Perlenschnüre um Taillen und Waden stiegen sie über die Felsen zum Fluss, wobei sie ihre Köpfe absolut still auf den sich geschmeidig schlängelnden Körpern hielten.

Das jüngere – und hübschere – der beiden Mädchen hob die Kalebasse von ihrem Kopf und kniete sich ans Wasser, um sie zu füllen. Die Sonne verfing sich in ihrem geflochtenen Haar, und sie erfasste auch die weißen Kopfhörer, die aus ihren Ohren hingen und dann in dem glänzenden iPod verschwanden, der unter den Saum ihres aus rosa und gelben Perlensträngen bestehenden Röckchens geschoben war.

Kameras klickten und surrten. Ein schwitzender niederländischer Tourist in Shorts und T-Shirt ging mit hochrotem Kopf in die Hocke, während er sein Zoomobjektiv auf diese vorwitzigen jungen Brüste richtete. Seine Frau, mit ihrem krebsroten Sonnenbrand, wandte angewidert den Blick ab und fächelte sich mit einem Reiseführer frische Luft zu.

Ein kräftiger Zulu-Mann in Lendenschurz und Leopardenfell trug stolz seinen Bierbauch vor sich her und sprach zu der kleinen Gruppe europäischer Touristen, die offenkundig unter der afrikanischen Sonne litten. An dem Latz aus Leopardenfell klemmte ein Namensschildchen mit der Aufschrift Richard. »Ladies und Gentlemen, siyabonga. Ich danke Ihnen. Damit sind wir am Ende unseres Rundgangs durch ein traditionelles Zulu-Dorf angelangt. Wenn jetzt bitte alle zum Andenkenbereich in der Nähe des Busses zurückkehren würden.«

Der Holländer mit seinen Sandalen und Socken knipste rückwärts gehend immer noch die beiden Mädchen, die nun ihre Kalebassen aufhoben und zu den runden Schilfrohrhütten zurückkehrten, die über dem Gras sichtbar waren.

»Mädchen! Komm her!«, brüllte Richard auf Zulu.

Die Hübsche, Sunday, drehte sich um und kehrte zu der Stelle zurück, wo der Fremdenführer jetzt allein am Flussufer stand, die Hände in seine fetten Hüften gestemmt. Sein Geburtsname lautete Xolani, den fremde Zungen einfach nicht richtig aussprechen konnten. Also war er für die Touristen Richard geworden, und der Name war haftengeblieben.

Sunday behielt den Blick gesenkt, wie es sich für ein junges Mädchen gehörte, das mit einem Mann seines Alters sprach. Als sie ihn erreichte, kniete sie sich auf den Sand, sah ihn dabei immer noch nicht an.

Er riss ihr die Ohrhörer vom Kopf, die daraufhin in den Staub flogen. »Woher hast du das?«

»Habe ich gefunden, baba«, sagte sie.

Er streckte eine fleischige Hand aus. Dieselbe Hand, die wie ein wühlendes Warzenschwein über die Körper der ihm anvertrauten jungen Mädchen wanderte. »Her damit.«

Sie zog den iPod von ihrer Taille und gab ihn ihm. Er blinzelte das Gerät an, die Stirn in tiefen Falten unter seiner Federkrone. Der iPod lag flach auf seiner Handfläche. Er schloss die Hand zur Faust, und das Gerät verschwand. »Geh jetzt. Wir sprechen uns noch.«

Sie nickte und wartete, bis er den Touristen folgte, bevor sie aufstand und davoneilte. Das Ding war ja sowieso kaputt, hatte nur ein paar Tage funktioniert, nachdem sie es nach Abfahrt eines Reisebusses im Staub gefunden hatte. Sie hatte nicht gewusst, was es war, dieses flache, kleine blaue Rechteck ohne Knöpfe und Schalter, als sie es unter ihrer Kleidung versteckt in die Hütte ihrer Tante mitgenommen hatte. Es hatte so sauber und hübsch ausgesehen. Wie ein Gegenstand aus einer fernen und besseren Welt.

Sie hatte es versteckt, bis der ernste junge AIDS-Berater aus Durban ins Tal gekommen war. Sipho mit seinem ICH BIN POSITIV-T-Shirt war nur ein paar Jahre älter als Sunday, aber er kam aus der Stadt und hätte genauso gut von einem anderen Planeten kommen können. Er sagte, man nannte es iPod. Er hatte ihr gezeigt, wie man ihn benutzt. Lachte, als sie die Kopfhörer in die Ohren steckte und lärmende Musik des weißen Mannes heraus pulsierte.

Sipho hatte ihr gesagt, dass die Batterie des Geräts sich leeren würde, sofern man sie nicht an einem Computer auflud. Wo sollte sie denn einen Computer finden? Es gab in ihrem Dorf keine Elektrizität, von einem Computer ganz zu schweigen. Sie benutzte ein Kurbelradio und hörte knisternde Zulu-Chormusik, die aus Durban gesendet wurde. An einem guten Tag, wenn das Wetter mitspielte, hörte sie vielleicht sogar afrikanische Popmusik.

Sipho ging wieder und ließ ihr Safer Sex-Broschüren auf Englisch da, die sie nicht lesen konnte, sowie in Silberfolie verpackte Kondome. Ihre Tante fand die Kondome und schlug Sunday, auch wenn das Mädchen gar nicht wirklich verstanden hatte, wozu die eigentlich da waren.

Der blaue Musikspieler ging kaputt, genau wie Sipho gesagt hatte. Aber sie hatte ihn trotzdem anbehalten, als eine Art Amulett. Tat so, als könne sie aus den weißen Kopfhörern Musik hören. Eine Erinnerung an ein besseres Leben.

Sunday ging zu dem Ring der aus Schilf erbauten Rundhütten im traditionellen Stil der Zulu. Hier lebte niemand. Diese Hütten waren Teil eines Museums-Dorfs. Kleine Reisebusse brachten jeden Tag aus Durban Busladungen bleichgesichtiger Touristen, die Richards Version der Zulu-Geschichte lauschten. Sunday und die anderen Mitarbeiter kamen aus den einige Meilen entfernt liegenden Baracken, die sich an den steinigen Berghängen in dem ländlichen Ghetto erhoben.

Sunday verschwand in der Hütte, in der sie ihre Kleidung gelassen hatte. Spürte, wie es sich in ihr zusammenzog, als sie ihre Tante auf dem gestampften Boden sitzen sah, wo sie eine Tüte Chips aß und mit ihrer knochigen Hand Fliegen verjagte. Sunday hatte gebetet, sie würde nicht kommen. Aber hier war sie.

»Du bist spät dran, Sonto.« Nannte sie bei ihrem Zulu-Namen, der Name auf ihrer Geburtsurkunde. Ihre Mutter hatte immer das englische Wort Sunday benutzt, und sie hatte daran festgehalten. Es war alles, was Sunday von ihrer seit über zehn Jahren toten Mutter geblieben war.

»Tut mir leid, Ma Beauty.« Wie immer strengte Sunday sich an, eine Ähnlichkeit zu finden zwischen dieser Frau, vertrocknet wie eine Baumwurzel, und ihrer Schwester, der engelgleichen Mutter ihrer Erinnerung.

Sunday streifte den Rock aus Perlenschnüren ab. Zog ein weißes T-Shirt über und griff nach ihrer No-name-Jeans an einem billigen Drahtkleiderbügel, der in einem Loch in der Wand der Hütte steckte. Ihre Tante kramte in einer Tüte und zog den kurzen grauen Faltenrock heraus, den Sunday früher zur Schule getragen hatte. Bevor das abblätternde Asbestgebäude mit seinen zerbrochenen Scheiben und dem undichten Dach einem Buschfeuer im Weg gestanden hatte und von den Flammen verzehrt worden war.

»Zieh das hier an«, sagte ihre Tante. »Das macht es für den Inspektor einfacher.«

Sunday gehorchte, zog den Rock über ihre schmalen Hüften hoch und roch den Rauch eines anderen Feuers, vor langer Zeit. Als sie an der hässlichen Frau vorbeistarrte, war ihr Kopf voller Erinnerungen.

»Hey, Mädchen, hör auf zu träumen! Beweg dich.« Die Stimme ihrer Tante holte sie zurück. »Was ist los mit dir?«

»Nichts, Ma.«

Die magere Frau sah sie mürrisch von unten an. »Bist du beschädigt, du?«

»Nein, Ma. Ich schwöre, ich bin nicht beschädigt.«

»Du! Falls der Inspektor feststellt, dass du beschädigt bist, bringe ich dich um, das schwöre ich!«

Sunday schüttelte den Kopf, schob die Füße in weiße Tennisschuhe ohne Schnürsenkel. Neben der Tür blieb sie stehen und wartete darauf, dass ihre Tante aufstand.

»Wo sind die Verlobungsperlen?«

Sunday unterdrückte weigernde Worte und fand den Perlenhalsschmuck unter ihren Kleidern: Rauten auf dunklem Grund. Das Zeichen, dass sie einem Mann gehörte. Sie hasste es, hasste den hässlichen alten Hund, der es ihr gegeben hatte. Kaufte sie mit Vieh. Sie wollte es am liebsten kaputt machen und zusehen, wie die Perlen auf den Dungboden rieselten wie ein blau-roter Regen. Aber sie tat es nicht. Hing es sich um den Hals und fühlte sich wie ein Tier, das jemandem gehörte.

Ihre Tante stand auf, das eine Bein verkümmert von einem alten Fluch. Über Schmerzen im Rücken klagend bückte sie sich schnaufend durch die niedrige Tür. Keuchend wie eine Hyäne stand sie draußen in der hellen Sonne.

Sunday faltete die Jeans und ihr Arbeitskostüm in eine Plastiktüte und verließ die Hütte. Sie folgte ihrer hinkenden Tante den Fußweg entlang, eine Abkürzung zur Straße, wo Ma Beauty dann ein Minibus-Taxi anhalten würde, das sie zur Inspektion in die Stadt brachte.

Kapitel 5

Der weiße Bulle verströmte einen süßlichen Gestank. Irgendein Parfum vermischt mit seinem Schweiß und abgestandenem Zigarettenqualm. Der Bure trug Hemdsärmel, hatte die Krawatte am Hals gelockert. Er beugte sich über seinen Schreibtisch und bot Inja ein Päckchen Camel an. »Kippe?«

Inja schüttelte den Kopf. Er konnte mit Tabak nichts anfangen. Der weiße Mann steckte sich eine Zigarette an, inhalierte tief, atmete aus und ließ Inja dabei keine Sekunde aus den Augen.

Er hatte Inja auf den Rücken geklopft, als sie sich trafen. »Captain Hans Theron. Wie Charlize, nur dass ich bessere Titten hab.« Er lachte, zeigte dabei viel Zahn. Sprach Englisch mit diesem typischen Akzent, als wäre ihm ein Knochen im Hals stecken geblieben.

Inja kannte diese weißen Männer. Er hatte mehr als genug von denen getötet, damals während der Apartheid, oben im Buschkrieg. Hatte seine Zeit in dunklen Zellen verbracht, war von ihnen verhört worden. Sie lächelten und machten Witze, während sie dich folterten. Inja knöpfte sein Sakko zu. Schob die Hände in die Taschen. Im Büro war es kalt wie in einem Kühlraum.

Theron beobachtete ihn. »So, mein Freund, dann erzähl mir doch mal, wie du dieses Stück Scheiße gefunden hast, das Ben Baker ermordet hat.«

Inja dachte, Ich bin nicht dein Freund, du weißes Schwein. Zuckte aber nur mit den Achseln und blieb ganz ruhig auf seinem Stuhl sitzen. »Im Rahmen einer laufenden Ermittlung. Mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen.«

Für einen schlanken Mann besaß Inja eine erstaunlich tiefe Stimme. Eine wunderschöne Stimme, die die Poesie seiner Ahnen heraufbeschwören konnte, wenn er Zulu sprach. Sein Englisch war weniger blumig, aber seine Stimme drückte dennoch Autorität aus.

Theron strich sich mit der Hand durch das dichte Haar und blickte an dem beigefarbenen Lamellenvorhang vorbei, in dem sich der Luftzug aus der Klimaanlage verfing und ihn gegen das Glas des Fensters schlagen ließ. Starrte über Kapstadt hinaus, die Stadt, aus deren Mitte ein Berg wuchs, als hätte eine riesige Molratte darunter gegraben, wodurch sich Hochhäuser und andere Gebäude an die niedriger gelegenen Hänge des Hügels klammerten.

Theron wendete sich Inja zu. »Hör zu, ich bin nicht total bescheuert. Ich weiß, dass dein Chef, der ehrenwerte, verschissene Justizminister ebenfalls dein Stammesführer oben in Zululand ist. Und er war so mit Ben Baker.« Hob die Hand, verschränkte Zeige- und Mittelfinger. »Stimmt’s?«

Inja sagte nichts. Blieb teilnahmslos wie eine dieser Specksteinschnitzereien, die Touristen oben in seiner Heimatstadt kauften.

Der Bure zuckte die Achseln. »Wünsche ihnen alles Gute. Ist mir ja so was von scheißegal. Hätte mich nicht mal interessiert, wenn die sich gegenseitig in den Arsch ficken. Aber in letzter Zeit höre ich, dass gegen Baker ermittelt wurde. Die Opposition kriegt mal wieder Nervenzucken wegen Korruption. Dass Baker vielleicht aussagen würde, um seinen eigenen fetten Arsch zu retten, drauf und dran war, über all das viele Scheißgeld zu quatschen, das er deinem Chef in die Taschen geschaufelt hat. Und dann ist er auf einmal tot. Und du, ein Zulu-Krieger weit weg von zu Hause, hast einen toten Wichser in deinem Pick-up, der Bakers Mobiltelefon in der Jeans und die Kanone, mit der er umgelegt wurde, in der Jacke stecken hat. Das gibt mir zu denken, mein Freund. Das gibt mir reichlich zu denken.«

Inja starrte ihn nieder. Schweigend. Theron, die Kippe von der Lippe baumelnd, öffnete seine Schreibtischschublade und holte eine Flasche Klipdrift Brandy und zwei Gläser heraus. Durch den Rauch blinzelnd füllte er drei Fingerbreit Alkohol in jedes Glas und schob eines Inja zu.

Theron hob sein Glas. »Viel Erfolg.«

Inja erwiderte den Trinkspruch nicht, trank jedoch, roch die Schärfe der vergorenen Traube, spürte das Brennen des Alkohols, der ihn von innen heraus wärmte. Er mochte Brandy. Vorzugsweise mit Coke gemischt, aber pur trank er ihn ebenfalls.

»Hör zu, Mazibuko, ich werde deswegen jetzt hier nicht den Larry raushängen lassen. Ich bin auf dem Weg raus, das weiß ich.« Er kniff sich mit Daumen und Zeigefinger in die Wange. »Wir wissen alle, dass Weiß nicht die Farbe des Jahres ist. Ich habe die Leitung der Ermittlungen im Fall Baker bekommen, weil man einen beschissenen Strohmann brauchte. Jemanden, den Medien und Politiker in den Arsch treten können, bis er Nasenbluten kriegt. Also werde ich mit dieser Leiche und mit dieser Kanone hier in die Pressekonferenz gehen und es mir als Verdienst anrechnen lassen, den Fall aufgeklärt zu haben.« Starrte Inja mit diesen gerissenen blauen Augen an. »Aber ich werde dir noch eine einzige weitere Frage stellen, mein Freund.«

Inja trank. Sagte nichts.

»Wird mir diese ganze Scheißgeschichte am Ende um die Ohren fliegen? Wirst du hier unten noch mehr Scheiße anstellen oder wirst du deinen schwarzen Arsch blitzschnell wieder nach Zululand bewegen?«

Inja zuckte die Achseln. »Mein Flug nach Durban ist für heute Abend gebucht.«

Theron zeigte sein ungezwungenes Lächeln. Dasjenige, das niemals bis in seine Augen reichte. »Also schön.« Er schenkte sich einen weiteren Brandy ein, reichte die Flasche über den Tisch. Inja bedeckte sein Glas mit der Hand, wobei der Ring an seinem kleinen Finger einen Sonnenstrahl einfing, der die Lamellen durchbohrte.

Das Telefon klingelte, und Theron ging ran. Drehte sich auf seinem Sessel, schaute aus dem Fenster. Er knurrte und sagte mehrmals »Ja«. Inja bemerkte ein Foto auf dem Schreibtisch: eine blonde Frau mit dem Gesicht eines Pferds lächelte in die Kamera, die Arme dabei um zwei Teenager gelegt. Das Mädchen blond, der Junge dunkelhaarig wie sein Vater.

Theron beendete das Telefonat, stand auf und streifte sein Sakko über. »Ich muss jetzt zu dieser Pressekonferenz. Ich begleite dich noch raus.«

Sie verließen das Büro und gingen zum Fahrstuhl. Theron drückte auf den Rufknopf, und praktisch unmittelbar glitt die Tür auf. Brachte zwei junge uniformierte Polizistinnen zum Vorschein. Mischlinge. Sie grüßten Theron, der ihnen zuzwinkerte. Die eine kicherte, erregte die Aufmerksamkeit des Buren und schaute dann schnell fort. Eine leichte Röte auf ihren hohen, gelben Wangenknochen. Theron klimperte mit den Schlüsseln in seiner Tasche und summte bei der Fahrt nach unten leise vor sich hin. Der Fahrstuhl machte ping, die Tür glitt auf und gab den Weg ins Parkhaus frei.

Injas Miet-Truck stand in Aufzugnähe, ansonsten war an diesem Sonntagnachmittag nahezu kein Auto im Parkhaus. Nachdem er den Cops in dem Imbiss seinen Ausweis gezeigt hatte, hatten sie mit dem Präsidium gesprochen, und einer von ihnen war mit ihm nach Kapstadt gefahren, während der andere mit dem Streifenwagen folgte. Die Leiche des Xhosa-Idioten war schon lange aus dem Heck des Toyotas geholt worden.

Der Bure sprach. »Hab oben einen interessanten Anruf bekommen. Vor ein paar Stunden ist ein Auto außerhalb von Franschhoek über den Pass gefahren. Ein silberner Volvo. Ist ausgebrannt. Gehörte einer Frau namens Rose Dell. Klingelt da was?« Inja schüttelte den Kopf. »Arbeitete für eine Organisation, die Baker finanzierte. Ihr Name ist im Verlauf unserer Ermittlungen mehrmals aufgekommen. Hab Gerüchte gehört, dass Baker sie gevögelt hat. Anscheinend war sie eines dieser ausgesprochen heißen farbigen Mäuschen.« Lachte. »Ist jetzt noch erheblich heißer.«

Sie hatten den Truck erreicht. Inja schloss ihn auf, dachte an den Schafskopf, den er auf dem Weg zum Flughafen essen würde.

»Wie’s aussieht, sind die Frau und ihre beiden Kinder bei dem Unfall gestorben, aber ihr Mann ist aus dem Auto geschleudert worden. Er hat überlebt.« Jetzt hatte Theron Injas ungeteilte Aufmerksamkeit. »Das Witzige ist, er sagt, sie wären von einem schwarzen Pick-up von der Straße gedrängt worden.« Der Cop hob einen Schuh und trat gegen den Frontschutzbügel, wo silberner Lack auf das Schwarz geschrammt war. »Pass gut auf dich auf.« Lächelte. Drehte sich zum Gehen um.

»Moment«, sagte Inja.

Der Bure sah ihn an. Sein Lächeln war noch breiter geworden. »Kann ich irgendwas für dich tun, mein Freund?«