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Inhaltsverzeichnis





































































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Voll Ehrfurcht verneige ich mich
vor Buddha Amitabha,
der im wunderbaren Land von Frieden und Glückseligkeit
verweilt.
Sein makellos goldener Leib gleicht dem Berg Meru,
seine Augen sind so rein wie blaue Lotosblüten.
Sein Antlitz ist vollkommen geformt,
sein majestätisches Licht leuchtet wie tausend Sonnen und
Monde.
Seine Stimme reicht weit wie die Trommeln des Himmels.
Er zerstört falsche Ansichten und nichtige Gedanken.
Er hat höchste Freiheit erlangt, indem er sich dem Wohl der
Wesen widmete.
Aus den zehn Richtungen strömen die Kinder der Buddhas
in Scharen herbei.
Sie besitzen übernatürliche Kräfte
und kommen in das Land von Frieden und Glückseligkeit,
in dem du deinen Sitz hast.
Alle Dinge sind unbeständig und ohne Selbst
gleich der Spiegelung des Mondes auf dem Wasser.
Ich habe die hervorragenden Qualitäten des Buddha
gepriesen,
die Wurzeln des Guten, die ich erlangt habe,
teile ich mit allen Wesen.
Ich werfe mich vor dir auf die Erde nieder
und bezeige dir meine Verehrung, Buddha Amitabha.



Tibetisches Gebet

Die acht glückverheißenden Symbole des Buddhismus

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Der kostbare Schirm

Symbolisiert den Schutz vor negativen Emotionen und Krankheit. Er steht auch für den vielfältigen Nutzen, den man aus heilsamen Handlungen zieht.

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Das Siegesbanner

Symbolisiert den Sieg der Lehren des Buddha über falsche Ansichten und Hindernisse.

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Die goldenen Fische

Symbolisieren Freude, Spontaneität, Glück, Reichtum, Fülle, Wohlergehen und Fruchtbarkeit.

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Die weiße Muschel

Symbolisiert das Freisein von allem Übel. Nach rechts gewendet steht sie für die ausdrückliche Verehrung der Lehren des Buddha.

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Der Lotos

Symbolisiert Reinheit und spirituelle Verwirklichung. Der Stängel steht für den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, die Blüte für das Nirvana, die Befreiung vom Leiden.

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Der Endlosknoten

Symbolisiert die Weisheit und das Mitgefühl des Buddha, die beide grenzenlos sind. Der Knoten steht auch für die wechselseitige Abhängigkeit aller Dinge, die durch das Gesetz von Ursache und Wirkung verbunden sind.

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Das Rad des Gesetzes

beziehungsweise des Dharma. Seine acht Speichen symbolisieren den Edlen Achtfachen Pfad, also die Anweisungen des Buddha, die zur Erleuchtung führen.

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Die Schatzvase

Enthält den Nektar der Unsterblichkeit und symbolisiert den geistigen Reichtum und die Weisheit der Buddhas, welche die Macht hat, alle Unwissenheit zu vertreiben.

Die großen Meister des tibetischen Buddhismus

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Chandrakirti

Buddhistischer Philosoph aus dem 7. Jahrhundert, geboren in Südindien. Er vollzieht eine Rückwendung zu den Lehren des Nagarjuna und seiner Methode der Widerlegung fehlerhafter Auffassungen. Chandrakirti kritisiert verschiedene buddhistische Schulen, die seiner Auffassung nach die radikale buddhistische Sicht der Leerheit, wie Nagarjuna sie darlegt, nicht korrekt vertreten. Nach seinem Studium an der berühmten Nalanda-Universität in Indien wird er aufgrund seiner profunden Kenntnisse und Sicherheit im Debattieren deren Rektor. In der Gelug-Schule – welcher der Dalai Lama angehört – gilt Chandrakirti als derjenige, der die Lehre Nagarjunas systematisch aufbereitet und erklärt hat und der in seinen Texten somit die buddhistische Sicht der Wirklichkeit in ihrer reinsten Form vertritt.

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Gampopa

Gampopa (1079 – 1153) kommt in Zentraltibet zur Welt. Bei seinem Vater studiert er die acht Zweige der Medizin und wird von verschiedenen Lehrern im Dharma unterwiesen. Bereits in sehr jungen Jahren zeichnet er sich durch seine Studien aus. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren heiratet er die Tochter eines örtlichen Grundherrn. Aus der glücklichen Ehe gehen zwei Kinder hervor, ein Sohn und eine Tochter. Als seine Angehörigen durch eine schreckliche Epidemie sterben, legt er die Mönchsgelübde ab. Zu diesem Zeitpunkt ist er zweiunddreißig Jahre alt.

Er lernt bei vielen Lehrern der Kadam-Linie, die auf Atisha zurückgeht, doch sein Hauptlehrer ist der große Milarepa. Als er ihm zum ersten Mal begegnet, kann Gampopa sich nicht erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein, voller Frieden und mit seinem Leben im Reinen. Es ist, als sei er nach einer langen Reise endlich heimgekehrt.

Nach vielen in Klausur verbrachten Jahren führt Gampopa die monastische Kadam-Tradition zusammen mit der Überlieferungslinie des Mahamudra und der Sechs Yogas, die ihm von Milarepa übertragen wird. Er verfasst zwei bedeutende Werke: Der kostbare Schmuck der Befreiung und Die kostbare Girlande für den höchsten Weg, die noch heute weltweit studiert werden. Er stirbt im sechsten Monat des Wasservogel-Jahres im Alter von siebenundsiebzig Jahren.

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Longchenpa

Longchenpa (1308 – 1363) wird im südöstlichen Zentraltibet geboren und beginnt seine Studien unter Anleitung seines Vaters, ehe er mit zwölf Jahren ins Kloster von Samye eintritt. Er begibt sich in ein Dunkelretreat, in dem er sechsundzwanzig Jahre verweilen wird, und sieht in einer Vision seine Begegnung mit Meister Rigdzin Kumaraja voraus. Nach langen Jahren der Praxis gibt er eine Reihe von Unterweisungen, die heute als das Herzstück der Nyingma-Tradition, der sogenannten Alten Schule, betrachtet werden. Diese Belehrungen zeigen klar, dass deren Sicht zu den authentischen Lehren des Buddha gehört.

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Nagarjuna

Nagarjuna ist einer der Hauptphilosophen des Buddhismus. Er soll im 2. und 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung gelebt haben, die genauen Daten seiner Geburt und seines Todes sind nicht bekannt. Der Legende zufolge soll Nagarjuna von Schlangen, Nagas, in deren Unterwasserpalast unterrichtet worden sein. Sie übergaben ihm Schriften mit sehr tiefgründigen Lehren, die ihnen der Buddha zur Aufbewahrung anvertraut hatte.

Nagarjunas Veranschaulichung der Leerheit stellt einen Höhepunkt innerhalb der buddhistischen Überlieferung dar. Er entwickelt eine ganz eigene Methode, falsche Ansichten zu widerlegen. Dabei werden alle rationalen Schlussfolgerungen ins Absurde übersteigert, um zu zeigen, dass alles relativ ist und nichts eine wahre Wirklichkeit besitzt. So sei es falsch zu behaupten, die Dinge existierten oder existierten nicht. Die Wahrheit liege vielmehr zwischen diesen beiden Extremen: in der Leerheit.

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Shantideva

Shantideva (687 – 763) ist einer der letzten indisch-buddhistischen Meditationsmeister. Er ist der Verfasser des klassischen Textes Lebenserfahrung im Geiste der Erleuchtung, der heute von vielen Buddhisten, speziell in Tibet, auswendig gelernt wird.

Shantideva ist der Sohn eines Königs, flieht aber, um Mönch zu werden. Er verbringt die Nächte schreibend und studierend und schläft tagsüber, daher hält man ihn für faul und dumm. Eines Tages fordert man ihn auf, Unterricht zu halten – allerdings nur, um ihn danach aus dem Kloster jagen zu können. Doch zur Überraschung aller erteilt er sehr tiefschürfende Belehrungen und verlässt daraufhin die Abtei, um das Leben eines Wandermönchs zu führen.

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Tsongkhapa

Tsongkhapa (135 7 – 1419) oder Lobsang Dragpa, wie sein Dharma-Name lautet, wird in der Provinz Amdo im Nordosten Tibets geboren. Er beginnt seine Ausbildung sehr früh. Im Alter von drei Jahren erhält er die Laienordination und legt vier Jahre später die Novizengelübde ab. Er erhält eine umfassende Ausbildung und ist dadurch mit den höchsten Lehren aller Schulen eng vertraut. Tsongkhapa entwickelt den sogenannten Stufenweg oder lam rim, der heute noch geübt wird. Er ist der Begründer der Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus, der auch der heutige Dalai Lama angehört. Diese Schule legt den Hauptakzent auf strenge Disziplin und ein gründliches Studium der Leerheit.

Möge das Wohl aller Wesen
durch Wogen großen Segens
ohne Hindernisse vollendet werden.

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Autor und Herausgeberin

Der Dalai Lama ist das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Der amtierende 14. Dalai Lama wurde 1935 geboren. Nach der Besetzung Tibets durch China floh er 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Für seine spirituelle Arbeit und seinen Einsatz für den Weltfrieden findet der Dalai Lama Anerkennung in der ganzen Welt. Seine Bemühungen um die politische Unabhängigkeit Tibets sowie um dessen kulturelle und religiöse Identität wurden 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.



Die Herausgeberin Catherine Barry ist Journalistin, Autorin und Therapeutin. Von 1997 bis 2007 präsentierte sie im französischen Fernsehen die wöchentliche Sendung »Voix Bouddhiste«. Sie hatte mehrmals die Gelegenheit, den Dalai Lama zu interviewen und hat darüber bereits Bücher veröffentlicht wie »108 Perlen der Weisheit. Auf dem Weg zu Erleuchtung«.

Die rechte innere Haltung, eine heilsame Motivation

Am Anfang jeder Wandlung steht das Erzeugen des Wunsches, künftig zum Wohle der fühlenden Wesen zu wirken. Wenn wir solch eine Motivation entwickelt haben, werden wir anderen mutig helfen. Zudem macht sie uns toleranter und geduldiger. Wir werden mit größerer Aufmerksamkeit registrieren, was sich gerade in unserem Geist abspielt, und lernen, ihn zu disziplinieren. Störende Gefühle verlieren so an Macht.

Der Buddha war ein Mensch, der unermüdlich daran gearbeitet hat, Erleuchtung zu erlangen, um den Wesen zu helfen und sie vom Leiden zu befreien. Diesem Ziel widmete er sich mit aller Kraft. Wenn wir gleich ihm unseren Geist umwandeln wollen, müssen wir seinem Beispiel folgen und eine ähnliche Motivation entwickeln. Diese Überlegung ist mein tägliches Leitmotiv. Ich versuche, darauf zu achten, dass ich eine gute Motivation in mir entstehen lasse und so möglichst angemessen und richtig handele. Das macht die Dinge einfacher.

Wenn unsere Grundhaltung von Wohlwollen bestimmt ist, wird sich dies in allem, was wir sagen, denken oder tun, niederschlagen. Eine wohlwollende Grundhaltung schützt uns vor Stolz, Eifersucht, Zorn und Hass. Wir sind stärker auf das Wohl der anderen bedacht, weil uns ihr Schicksal nicht gleichgültig ist. Wir nützen ihnen durch unser Verhalten.

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Alle meine künftigen Existenzen, all meinen Besitz,
allen Verdienst, den ich in Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft gesammelt habe oder sammeln werde,
opfere ich ohne Bedauern, damit alle Wesen zur Erleuchtung
gelangen.
Möge ich für niemanden zur Ursache von Leid werden!
Mögen alle, die mich verleumden oder mir schaden,
Erleuchtung erlangen.
Wenn ihr Herz von Böswilligkeit gegen mich erfüllt ist, möge
mir dies helfen, ihnen zu dienen!
Möge ich allen Wesen Linderung ihres Schmerzes bringen!
Möge ich den Kranken Heilmittel, Arzt und Pfleger sein,
bis sie von ihrer Krankheit genesen sind.
Möge ich Speise und Trank herabregnen lassen,
um die Qualen von Hunger und Durst zu stillen!
Dies will ich so lange tun, wie nicht alle Wesen befreit sind.



Shantideva

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Unser Geist erschafft die Welt, in der wir leben

Es ist unser Geist, der unsere Welt erschafft. In ihm haben unser Glück und Leid ihren Ursprung. Deswegen müssen wir lernen, unseren Geist zu beobachten und zu disziplinieren. Äußere Ereignisse, mit denen wir konfrontiert werden, können wir nur in den seltensten Fällen kontrollieren. Steigen jedoch störende Gefühle in uns auf, so können wir diese sehr wohl in den Griff bekommen und verändern. Zu diesem Zweck müssen wir unsere Achtsamkeit auf das richten, was sich in unserem Geist abspielt. Das ist der Schlüssel zu jeder geistigen Transformation. Verweilen wir aufmerksam und konzentriert bei dem, was in diesem Augenblick geschieht, so gibt uns dies mehr Entscheidungsfreiheit in unseren Handlungen.

Die Welt, die wir erschaffen und erleben, hängt also in erster Linie von unseren vorherrschenden Emotionen und unseren Einstellungen ab. Werden wir von störenden Gefühlen beherrscht, so werden wir von ihnen fortgerissen wie welkes Laub vom Wind. Unter ihrem Einfluss handeln wir – ohne dass uns dies bewusst wäre – unseren eigenen Interessen zuwider und fügen anderen Schaden zu. Diesem Zustand können wir abhelfen, indem wir innehalten und darüber nachdenken, was in uns vorgeht und welche Konsequenzen unsere Handlungen haben werden. Erinnern wir uns daran, dass eine positive Handlung auch positive Wirkungen zeitigt und dass dies umgekehrt genauso gilt. Wenn wir Weizen aussäen, dann erhalten wir keinen Reis, sondern eben Weizen. Ebenso verhält es sich mit heilsamen, positiven, von Großzügigkeit geprägten Handlungen. Sie hinterlassen Eindrücke im Geist, die das Eintreten ähnlich gearteter Resultate begünstigen. Sobald sich geeignete Umstände ergeben, nehmen diese Eindrücke eine äußere Form an. Eingedenk dieser Tatsache sollten wir uns also bemühen, in unserem Geist eine Motivation zu erzeugen, die uns hilft, unsere schlechten Angewohnheiten in ein von ethischen Grundsätzen und Großzügigkeit geprägtes Verhalten umzuwandeln. Und allmählich werden wir feststellen, dass Glück und innerer Frieden weniger von äußeren Umständen abhängen als davon, was sich in unserem Geist abspielt.

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Wenn allein schon der Wunsch,
die Wesen nur von Kopfschmerzen zu befreien,
so heilsam ist, dass er uns unvorstellbare Verdienste
ansammeln lässt,
wie viel mehr gilt dies erst für den Wunsch,
alle Wesen vom Leiden zu befreien
und sie zum Erwachen zu führen?
Wenn allein die bloße Absicht, anderen zu helfen,
verdienstvoller ist, als den Buddhas Opferungen darzubringen,
wie segensreich ist es dann, wenn wir alles aufbieten,
um das Glück und das Erwachen jedes einzelnen Wesens
ohne Ausnahme zu verwirklichen?



Shantideva