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Michael Frey Dodillet

Herrchen

will nur spielen

Aufzeichnungen einer aufmüpfigen Hündin

Garantiert gemüsefrei illustriert

von Nathalie Brink

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Copyright © 2012 by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Redaktion: Judith Schwaab

Illustrationen: Nathalie Brink

Layout: Denise Jäkel

Satz und eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-07504-0
V002

www.heyne.de

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Das erste Vorwort

(für Heinz und Trulla)

Wenn wir Hundehalter ein Problem mit unseren Vierbeinern haben, machen wir es uns einfach. Wir gehen zum Hundetrainer. »Hör mal, Krause«, sagen wir dann, »Bruno jagt Kaninchen. Was soll ich tun?« Krause wird bedächtig den Kopf wiegen und eine mehr oder minder alberne Erziehungsmethode aus dem Ärmel schütteln. »Am besten, du schnallst deinem Bruno eine zehn Meter lange Schleppleine ans Halsband«, wird er sagen. »Dann begreift diese Torfnase endlich, dass er sich nur in einem engen Radius um dich herum bewegen darf.«

Daraufhin nerven wir Bruno tagtäglich mit der Schlepp, und Krause schreibt schon mal die Rechnung.

Ein halbes Jahr später, wenn Bruno immer noch Kaninchen jagt und aus Leibeskräften auf seinen engen Radius pfeift, fragt sich der Mensch unweigerlich: Machen unsere Hunde das eigentlich auch so? Holen sie sich auch Rat bei ihresgleichen, wenn sie Probleme mit ihrem Zweibeiner haben? Wenn ihre Halter aus heiterem Himmel verstummen, weil sie plötzlich Speechless Dog Training praktizieren? Oder mit dämlichem Gesichtsausdruck auf einem Knackfrosch klickern? Oder in einer Einwegspritze Eigenurin mit sich führen und alphawolfig Markierungen überpieseln? An wen wenden sich eine geklickerte Emma, ein überpieselter Leo, ein schleppleinengeplagter Bruno?

Natürlich an Fräulein Rottmeier!

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Unter diesem Pseudonym betreibt Luna, die Krawallmaus aus Herrchenjahre, seit geraumer Zeit einen Kummerkasten für aufmüpfige Hunde, die mit der Erziehung ihrer Menschen nicht mehr zurechtkommen. Nahezu täglich treffen Briefe, E-Mails und via Hotline für akute Notfälle auch SMS mit Hilferufen aller Art ein.

Oder zumindest so etwas Ähnliches wie Briefe, E-Mails und SMS. Genau genommen hat der Autor nicht den Hauch einer Ahnung, was das Hunde-Pendant zu einer Menschen-SMS sein könnte. Ein lautes Wuff quer über die Wiese? Ein sparsamer Spritzer ans Bäumchen? Ein Fiepen beim Poppesschnuppern? Heulen nachts im Hof?

Ist auch wurscht jetzt.

Auf jeden Fall gibt es das!

Getreu ihrem Motto Aufmüpfig werden leicht gemacht hat das erfahrene Fräulein Rottmeier für jede Problemstellung die passende Lösung. Vor allem, wenn es darum geht, die raffinierten Tricks der Hundetrainer zu torpedieren. Die tragen in diesem wertvollen Ratgeber für zivilen Ungehorsam der Einfachheit halber alle den Namen Krause. Die beteiligten Hundehalter heißen Heinz und Trulla. Das klingt doof, ist aber praktisch. Der Autor wird nicht vor Gericht gezerrt, und der Leser muss sich nicht so viele Namen merken.

Manchmal werden die Halter auch Scheff und die Halterinnen Scheffin genannt. Das allerdings sind Bezeichnungen, mit denen Fräulein Rottmeier als erklärte Anhängerin von flachen Hierarchien überhaupt nichts anfangen kann. Mehr noch: Wenn sie das S-Wort nur hört, kriegt sie schon eine Ganzkörperbürste.

Die Namen der Hunde allerdings sind echt. Emma, Leo, Bruno und all die anderen stehen zu ihrer Aufmüpfigkeit und haben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung ihrer Klarnamen gegeben. Ausnahmslos alle! Sollte der ein oder andere Leser Parallelen zum Verhalten seines Hundes entdecken und sich erschüttert fragen, ob der Satansbraten sich etwa auch an Fräulein Rottmeier gewandt hat ja, hat er!

Garantiert.

Erkrath, im Februar 2012

Das nächste Vorwort

(für Emma, Leo, Bruno und all die anderen)

Ihr habt den Eindruck, euer Heinz oder eure Trulla erkennen euch in der ein oder anderen Passage wieder? Dann sind sie gar nicht so doof, wie ihr immer denkt.

Mit Sicherheit ist damit zu rechnen, dass sie euch bei nächster Gelegenheit beiseitenehmen werden. Sie werden euch tief ins braune Auge schauen, und sie werden fragen: »Hast du etwa mit Fräulein Rottmeier gesprochen?!«

Obacht jetzt! Bloß nicht verschämt beiseiteblicken!

Wenn ihr verschämt beiseiteblickt, wissen sie Bescheid.

Gruß

Rottmeier

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Das Leben ist zu kurz, um brav zu sein.

Kapitel 1

Drunter, drüber und daheim

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»Bleibe einfach du selbst und verursache Kosten!«

Rottmeier

Gelebter Naturschutz

Liebes Fräulein Rottmeier,

ich schüttle mich lieber drinnen als draußen.

Ist das in Ordnung? Danke für eine schnelle Antwort.

Balou (Briard)

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Sehr geehrter Balou,

natürlich ist das in Ordnung. Mehr noch: Es ist vorbildlich! Mit dem Fellausschütteln zu warten, bis man wieder im Haus oder wenigstens im Kofferraum des Trulla-Fahrzeugs ist, schont die Umwelt. Käfer, Larven und viele weitere kleine Insekten, die wertvoll sind für das Gleichgewicht der Natur, könnten durch umherfliegende Tropfen oder Schlammbrocken schwer verletzt werden.

Mit solidarischem Gruß

Rottmeier

Manolo Blahnik

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Liebes Fräulein Rottmeier,

mein Labbikumpel und ich wollten fragen, was wir denn daheim außer Schnürsenkeln und Rinderkopfhaut am besten zerkauen können. Es soll ja allen Freude machen. Auch der Trulla und dem Heinz.

Herzliche Grüße

Wuschel

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Mahlzeit, ihr Anfänger,

ihr sollt Wertsachen kauen! Wie oft muss ich das denn noch sagen? Schuhbändel, Trockensnacks oder was immer ihr für wertvoll haltet alles Kinderkram. Überlegt euch doch einfach mal, was Wertsachen aus Trullasicht sein könnten. Ich meine, die überschüttet euch mit Kost und Logis, Fellpflege und Heititei, da ist es doch nicht zu viel verlangt, wenn ihr euch ein bisschen Mühe gebt und euch in sie hineinversetzt, oder?

Also, kaut keine Schuhbändel, sondern schnappt euch gleich den Mid-Heel KneeBoot von Manolo Blahnik. Den erwerben Trullas online bei Neiman Marcus für 1295 $. Umgerechnet sind das rund 1000 €. Oder falls dein Labbi diese Sprache besser versteht: 20,792 Fünfzehnkilosäcke Trockenfutter! Mahlzeiten für 1386,16 Tage. Das versteht man unter einer Wertsache, ihr Ottos!!!

Merke: nicht das Taschenbuch, sondern die antiquarische Erstausgabe. Nicht die Fernsehzeitschrift, sondern die Fernbedienung. Nicht das Altpapier, sondern die Tagespost. Nicht die leere Windel auf den Fliesen, sondern die volle auf dem Perser.

Danke fürs Mitdenken und Gruß

Rottmeier

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Und hört um Himmels willen auf, billige Fahrradschlüssel zu schreddern. Nehmt den 350-Euro-Blip* von Heinz’ Cabrio mit dem integrierten Keyless-Entry-Chip.

* Achtung! Enthält verschluckbare Kleinteile! Für Labbis unter drei Jahren nicht geeignet.

Seufzender Klops

Liebes Fräun Rottmeier,

ich bin a Bernhardiner, wiag 125 Pfund und hob des Gfui, dass i mei Körpermassen ned gscheit ausschpuil. Habt’s ihr da Vorschläge?

Pfüat di

Der Schorsch

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Lieber Schorsch,

dir und allen anderen Kollegen mit elefantösen Ausmaßen empfehle ich die Yoga-Übung Seufzender Klops, der die Flügel streckt. Sie hilft dabei, ein besseres Gefühl für den Körper zu bekommen. Vorausgesetzt, sie wird zur Küchen-Rushhour in engen Durchgängen angewandt oder zu Grillzeiten quer vor der Terrassentür.

Und so wird’s gemacht:

– beliebteste Rennstrecke der Wohnung als Ruheplatz wählen

– ganz lang ausstrecken

– Kopf zwischen den Vorderpfoten platzieren

– auf entspannende Zwerchfellatmung umschalten

– Ruhepuls durch gelegentliches Seufzen stabilisieren

Optimale Trainingseffekte werden bei maximaler Bewegungslosigkeit erzielt. Bewegung ist nur in zwei Fällen erlaubt:

Erstens: Es wird abrupt der Kopf angehoben, wenn die Trulla den Übenden mit einem Tablett, auf dem mehr als drei Porzellanteile abgestellt sind, übersteigt. Vorsicht bei Kaffeekränzchen! Heiße Flüssigkeiten!

Zweitens: Spontanes Aufspringen ist Pflicht, wenn Heinz das Grillgut egal ob roh oder gegart über den Übenden hinweg transportiert.

Obacht! Sowohl bei Erstens als auch bei Zweitens werden Heinz und Trulla lang hinschlagen. Es ist also mit infernalischem Krach zu rechnen. Hunde, die wissen, dass sie schussfest sind, tun sich bei dieser Übung leichter.

Während des anschließenden Tohuwabohus gilt: Alles, was auf dem Boden liegt, gehört dem Hund.

AUS? Kenn ich nicht, will ich nicht, mach ich nicht.

Gruß

Rottmeier

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»Stark verschmutzte Schnauze und Pfoten grundsätzlich an hellen Textilien* abputzen, damit Heinz und Trulla sofort bemerken, wie gründlich man Körperpflege betreibt.«

* Sitzgruppe, Hose, Teppich, Vorhang, Autopolster

Das Schweigen der Emma

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Hallo Fräulein Rottmeier ich heiße Emma und bin eine Chihuahua und sehr schüchtern und ich finde ich müsste zu Hause viel mehr bellen weil alle Chihuahuas viel bellen weil wir ursprünglich aus Mexiko stammen und weil da die Musik immer so laut ist. Also meine beste Freundin heißt Tiffi und die rastet immer aus wenn einer an der Tür klingelt oder das Telefon schellt oder ein Löffel runterfällt oder draußen im Garten eine Gießkanne scheppert und genauso möchte ich auch werden weil ich finde dass Tiffi das ganz prima macht. Mein Problem ist wie gesagt dass ich total schüchtern bin und manchmal minutenlang keinen Ton rausbringe obwohl ich mich total anstrenge also ich glaube wenigstens dass ich keinen Ton rausbringe in Wirklichkeit kommt da schon was. Meine Trulla ist jedenfalls ziemlich genervt davon aber ich finde das liegt nur an ihrer schlechten Tagesform die hat es wahrscheinlich mit den Nerven ich finde ich müsste viel lauter und ausdauernder sein weil ich eine Chihuahua bin von echtem Schrot und Korn auch wenn wir nicht in Mexiko wohnen sondern in Waiblingen. Meine Frage lautet nun wie schaffe ich es bei jedem kleinsten Geräusch in die Luft zu gehen wie ein mittelkleiner Chinakracher und für die nächste halbe Stunde allen im Viertel Bescheid zu sagen dass sich da draußen im Vorgarten eine Schnecke bewegt hat oder ein Salamander oder ein bis zwei Kirschen vom Baum gefallen sind mein Gott das muss doch jeder wissen man muss doch vorbereitet sein auf solche Naturkatastrophen im Voraus schon mal vielen Dank und mit freundlichen Grüßen Ihre Emma oder darf ich DU sagen?

Liebe Emma,

wenn ich bedenke, wie viele Worte du wegen nichts machst, bin ich zuversichtlich. Du bist auf einem guten Weg.

Weiter so!

Rottmeier

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