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Über dieses Buch:

So ein frühreifes Früchtchen! – Kelly hat die schönsten Brüste und den knackigsten Arsch in ganz Willington … und sie geizt nicht mit ihren Reizen. Kein Wunder, dass jeder Kerl im Dorf sich das Recht herausnimmt, es mit Kelly zu treiben – wild, überall und ohne jede Rücksicht. Doch so schamlos sie sich auch präsentiert, irgendwann wird es selbst Kelly zu viel. Das Dorfflittchen flieht in die Großstadt, um ihr tabuloses Leben hinter sich zu lassen. Doch als die Vergangenheit sie einholt, beschließt Kelly, an den Ort ihrer schamlosen Jugend zurückzukehren – mit einem ebenso raffinierten wie heißen Racheplan …

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eBook-Neuausgabe Januar 2016

Dieses Buch erschien bereits 2009 unter dem Titel Freiwild in der Edition Combes

Copyright © der Originalausgabe 2009 Edition Combes im Verlag Frank de la Porte, 96328 Küps

Copyright © der eBook-Neuausgabe 2016 venusbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Pawel Sierakowski

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95885-184-9

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Im realen Leben dürfen Erotik, Sinnlichkeit und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. In diesem eBook werden erotische Phantasien geschildert, die vielleicht nicht jeder Leserin und jedem Leser gefallen und in einigen Fällen weder den allgemeinen Moralvorstellungen noch den Gesetzen der Realität folgen. Es handelt sich dabei um rein fiktive Geschichten; sämtliche Figuren und Begebenheiten sind frei erfunden. Der Inhalt dieses eBooks ist für Minderjährige nicht geeignet und das Lesen nur gestattet, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Harold Anthony

Sie ist Freiwild – heiß und gefährlich

Erotischer Roman

venusbooks

Vorwort

Nichts ist mehr dem Zeitgeist unterworfen als unsere Wertung von Moral und Sitte. Was vor einhundert Jahren noch amoralisch war, kann heute schon als normal gelten. Dies gilt besonders für Gesellschaftsstrukturen, mit denen man in heuchlerischer Manier eine Fassade der Moral unter allen Umständen aufrechtzuerhalten bemüht ist, wobei man häufig feststellen kann, dass diese im Mark bereits längst verfault und verdorben sind. Besonders trifft das auf frömmlerische, fanatisch intolerante und daher hypokritische Gesellschaftskreise zu, wie man sie zum Beispiel häufig in der US-amerikanischen Mittelschicht des Mittelwestens (Kansas bis Texas beziehungsweise Virginia bis Florida) findet. Bezeichnenderweise trägt dieses südöstliche Viertel der Vereinigten Staaten den Namen Bible Belt (Bibel-Gürtel). Es wird dominiert von einem evangelikanen Protestantismus, den man durchaus als radikal bezeichnen könnte. US-Bürger, die die Sache mit einem Rest von Humor sehen, bezeichnen den Bible Belt auch als Keuschheitsgürtel.

Jede Gemeinschaft, jedes Dorf oder jede kleinere Stadt bringt auch unter diesen Umständen Originale hervor, die weniger schmeichelhaft sind. Bei den Männern sind es die Schürzenjäger, die kleinen Gauner oder eben der berühmt-berüchtigte Dorftrottel, bei den Frauen das Tratschweib, die lustige Witwe oder das Dorfflittchen, mit dem es jeder treiben kann. Letzteres drohte das Schicksal unserer Protagonistin zu werden. Doch der Lauf des Lebens ist selten so gerade und berechenbar wie ein Entfernungsstrich auf der Landkarte, denn immer handelt es sich um Menschen, die einen Teil, manche mitunter ihr gesamtes Schicksal, letztendlich selbst in der Hand haben.

Kapitel 1

Kelly konnte die ewige Streiterei schon nicht mehr hören!

»Schon wieder nur einhundertzwanzig Kröten, die du nach Hause bringst, Henry! Hast wohl schon den Rest auf dem Heimweg von Alabama versoffen, alter Hurenbock!«

Die Vorwürfe kamen von Mathilda, Kellys vierunddreißigjähriger Mutter, und galten ihrem über alles geliebten Vater. Das ging nun schon seit Jahren so. Immer die gleichen Vorwürfe und Anschuldigungen, wenn er von der Saisonarbeit auf den Melonenplantagen oder den riesigen Maisfarmen aus Alabama oder anderswo zurück nach Hause kam.

»Mama! Bitte …«, flehte die Sechzehnjährige. »Gönn doch Papa nach der schweren Arbeit ein Schlückchen Bier auf dem Heimweg. Er muss doch nicht selber Auto fahren, und wenn er auf der langen Fahrt mit dem Rumpelbus ein Buddy trinkt – was ist schon dabei?«

Ihr Vater tat ihr leid. Mutter war wirklich zu streng und konnte nur schelten und jammern. Gut, das Geld war verdammt knapp und Schmalhans Küchenmeister bei den Humphreys, denn Henry war Alleinverdiener, sah man einmal von Mathildas kargen Einkünften für das Waschen und Bügeln der Wäsche etwas begüterterer Familien in der Zweitausend-Seelen-Gemeinde Willington ab. Hier gab es eben keine andere Arbeit und regelmäßige schon gleich gar nicht. In diesem verdammten Nest war es nicht anders als in den meisten Dörfern in den Südstaaten. Deshalb sah auch Henry keine andere Möglichkeit, den Unterhalt für die dreiköpfige Familie zu erarbeiten, als sich in Alabama, Mississippi oder Texas als Saisonarbeiter zu verdingen. Dabei musste er noch mit den Billiglöhnern aus Mexiko oder Kuba, die sich meistens illegal in den USA aufhielten und schwarz arbeiteten, konkurrieren. Entsprechend dürftig war seine Entlohnung, und er war schon zufrieden, wenn er im Monat siebenhundert Dollar nach Hause brachte.

Gott sei Dank hatte er nur die Mäuler seiner ewig stänkernden Frau und seiner einzigen Tochter zu stopfen, sonst hätten sie gleich Sozialhilfe beantragen müssen, was nicht einfach geworden wäre, da die Familie Haus und Grund besaß. Gewiss, die Bretterbude, in der sie hausten, hatte kaum einen Wert – nicht einmal hier im Süden. Aber der staatlichen Zahlung wäre der Verkauf vorangegangen, und sogleich wäre die Frage aufgetaucht, wo sie denn dann hätten wohnen sollen. In einer gemieteten Bude, die nicht besser war als die jetzige?

Kellys Mutter Mathilda war zwar nicht abgeneigt, eine ständige Arbeit anzunehmen, aber da sie keinerlei Ausbildung oder auch nur eine besondere Begabung besaß und obendrein häufig kränkelte, waren ihre Chancen auf einen einigermaßen gut bezahlten Job gleich null. In den USA konnte man zwar schnell und unkompliziert ohne lange Bewerbung eine Anstellung finden, aber wenn man dann die Erwartungen des Bosses nicht erfüllte, genauso schnell und unkompliziert wieder gefeuert werden. Jeder Geschäftsmann suchte nach maximal belastbaren Hilfskräften, die sich mit minimaler Entlohnung begnügten.

Trotz der unverkennbaren Armut, die über dieser Familie lastete, blieb Mathilda bei Henry, auch wenn sie mit seinen Einkünften nur unter allergrößten Entbehrungen über die Runden kam. Einfach abzuhauen und die sechzehnjährige Tochter sich selbst und ihrem Vater zu überlassen, das war keine Alternative. Das brachte nicht einmal sie übers Herz.

Kellys Dad war nicht allzu streng, eher zu gutmütig, und dafür liebte sie ihn. Er trank nie, außer auf der Heimfahrt von der Saisonarbeit zurück nach Willington, rauchte nur gelegentlich und wenn, dann waren es meist Billigzigaretten.

Ein Grund, warum ihre Mutter bei ihm blieb, mochte darin zu finden sein, dass ihr Dad zwischen den Beinen außerordentlich gut bestückt und, sofern er daheim war, ein unermüdlicher Liebhaber war. Und Mathilda brauchte das! Das hatte Kelly schon längst erkannt. Wenn ihr Vater nach Hause kam, ging es im Schlafzimmer des hellhörigen Holzhauses fast immer hoch her. Nur wenn sie mal wieder kränkelte – sie hatte allergisches Asthma – verweigerte sie sich ihm, aber sonst schien das Ficken ihr einziges Vergnügen in ihrem gleichförmigen und abwechslungslosen Alltag zu sein. Das kostete wenigstens kein Geld.

Kellys Mutter war von einem unübersehbaren Hang zur Schlampigkeit geprägt. Sie hielt das Haus mehr schlecht als recht in Ordnung, besorgte den Haushalt und die Wäsche, aber für ihre Tochter hatte sie wenig Zeit übrig. Sie zu erziehen war für sie eine Sache der Schule. Die Lehrer waren schließlich dafür ausgebildet und wurden für genau diese Aufgabe bezahlt. Sollte man sich doch dort um Kellys Erziehung und Sorgen kümmern, dafür waren die gelernten Pädagogen doch viel besser geeignet als sie. Das Mädchen könnte, wenn sie ihren Job nur richtig machten, vielleicht sogar auf die Highschool gehen, vorausgesetzt, Kelly schaffte die Aufnahmeprüfung. Mathilda sah die Dinge allerdings nicht ganz realistisch, denn ihre Tochter war – wie sie selbst – weder fleißig noch strebsam. Ihr Interesse galt allen anderen Dingen, nur nicht der Schule. In ihrem pubertären Drängen hatte sie anderes im Sinn, nämlich Jungs!

Kellys Bereitschaft, ihre Mutter im Haus zu unterstützen, beschränkte sich im Wesentlichen auf die täglichen Besorgungen und Botengänge. Der Grund dafür war nicht die Entlastung der Mutter, sondern die Gelegenheit, außerhalb der Schule mit den Jungs aus dem Dorf in Kontakt zu kommen, vornehmlich mit solchen, die nicht in ihrer Klasse waren.

Obwohl sie ausgesprochen ärmlich gekleidet war und wegen ihrer vielen Schwänzereien in der Schule in keinem guten Ruf stand, fanden in erster Linie die älteren und schon etwas reiferen Jungs an ihren nachmittäglichen Besorgungen großen Gefallen. Das war wenig verwunderlich, denn was sich unter ihrer anspruchslosen Kleidung verbarg, war genau das, was ihr unstillbares Interesse geweckt hatte. Kelly war nämlich mit ihren gerade einmal sechzehn Jahren besser entwickelt als die Mehrzahl der Zwanzigjährigen. Schade nur, dass sie sich immer noch mit einer unreinen Haut und zeitweise leuchtend roten Pickeln im Gesicht herumschlagen musste. Hinzu kam, dass sie, das bis vor einem Jahr noch recht kindliche Gör, bereits einen Stolz auf ihren eigenen Körper entwickelt hatte und sich – für diesen Landstrich ungeheuerlich – entsprechend freizügig gab.

Wenn man den amerikanischen Bürgern, insbesondere den Südstaatlern, zu Recht Prüderie nachsagen konnte, bei Kelly wäre ein solches Rufschädigung gewesen. Das Mädchen hatte, seit frühester Kindheit als Ohren- und gelegentlich auch Augenzeuge unzähliger Ficks an das Geschlechtsleben seiner Eltern gewöhnt, ein absolut natürliches Verhältnis zur Sexualität gewonnen, sprach offen darüber, kokettierte mit diesem Wissen, provozierte und war damit bei solchen Jungs, die Gelegenheiten suchten, in gewisser Weise akzeptiert und, ja, zum Teil sehr begehrt.

Vielleicht war es das genetische Erbe von ihrer Mutter, dass Kelly sich schon so früh für das andere Geschlecht interessierte. Sie war ja schon lange aufgeklärt und wusste, was ein Mann unter der ausgebeulten Hose stehen hatte. Zu tief hatten sich die Bilder eingeprägt, als sie durchs Schlüsselloch beobachtete, wie es ihre Eltern zusammen trieben. Vor allem der Apparat ihres Vaters war ihr nie mehr aus dem Sinn gegangen, und wenn er seinen Pfahl in Mutters unersättlicher Fotze versenkte und drauflos rammelte, dass sein schwerer Sack an ihre Hinterbacken klatschte, beantworteten sich gleich hundert Fragen auf einmal.

Kelly gefiel sich in der Rolle des begehrten jungen Weibes, das Bescheid wusste und sich mit Komplimenten überhäufen ließ, das kokettierte, sich aber letztlich doch nicht herumkriegen ließ.

Das erste nennenswerte Erlebnis, das weit über die üblichen Flirts hinausging, hatte sie eigenartigerweise nicht mit einem der gleichaltrigen Jungs, die sie Tag für Tag anbaggerten, sondern mit dem Inhaber eines Drugstores. Sie hatte ihn in ihrer jugendlichen Keckheit so becirct, dass er auf alle ihre Forderungen einging, nur um sie ins Bett zu bringen. Doch der liebestolle Mr. Tucker sollte sich in Kelly gewaltig täuschen. Sie ließ sich nämlich nur so lange befummeln und die Titten begrapschen, bis er bereit war, ihr eine Monatsration Antibabypillen ohne Bezahlung auszuhändigen. Danach durfte er ihr noch einmal an ihr feuchtes Döschen langen, dann aber war für sie der Spaß vorbei.

Fortan holte sie sich aber das Empfängnisverhütungsmittel regelmäßig von ihm ab, ohne es wirklich zu brauchen, denn der erste Fick stand ihr ja noch bevor, und jedesmal wenn Mr. Tucker sich weigerte, ihr eine neue Packung zu geben, drohte sie ihm, die unzulässige Überlassung in jüngster Vergangenheit anzuzeigen. Er durfte ihr dann gerade einmal durch den Stoff ihres T-Shirts die Titten ein wenig kneten. Mehr ließ sie nicht zu. Der arme Kerl kam aus dieser Klemme nicht wieder heraus, und Kelly hatte noch ihren Spaß dabei.

Infolge der Hormoneinnahme war ihr Busen voll und strotzend geworden und stach jedem Mann und Jungen, wenn er nicht gerade homophil war, schon von Ferne in die Augen. Zumal Kelly nie einen Büstenhalter trug. Sie genoss es, ihre festen Titten unter der leichten Bluse sanft hin und her schwingen zu lassen und ergötzte sich an den Berührungen ihrer jugendlichen Knospen mit dem weichen Stoff.

Kellys Körper war vollendet. Der letzte Schritt zur endgültigen Reife schien vollzogen. Mit ihren langen Beinen und den ausgeprägten, wohlgeformten Pobacken war sie inzwischen wohlproportioniert, ja, richtig fraulich und irgendwie erwachsen. Sie vereinte die Zartheit von Jugend und körperlicher Reife wie kein zweites Mädchen in Willington.

Aber ihr herangereifter Körper und die damit entstandenen Sehnsüchte wollten so gar nicht mehr zu der Schülerin Kelly Humphrey passen. Die Wirkung ihrer Persönlichkeit, so sehr diese auch durch die familiäre Armut eingeschränkt war, dominierte ihre Gedanken.

Deshalb sah sie auch keinen Anlass, sich auf harten Schulbänken mit amerikanischer Geschichte, Bibelstunden und Orthographie herumzuplagen, und eine staatliche Schulaufsicht gab es in diesem staubigen Nest auch nicht, die sie mit behördlicher Gewalt an ihre Schulpflicht hätten erinnern können. Nur ein alter Sheriff döste in den Tag hinein, der kurz vor seiner Pensionierung stand und sich deshalb kein Bein mehr ausriss.

Doch Kelly sah sich auch in eine Rolle gedrängt, die sie nicht immer wollte. So geschehen bei einem Laienschauspiel, das die Schüler ihrer Klasse zum Abschluss der Grundschule nach sechs Schuljahren aufführen sollten. Das Stück spielte im neunzehnten Jahrhundert und erinnerte an das große Epos Vom Winde verweht. Der regieführende Sportlehrer hatte Kelly wegen ihrer frühreifen körperlichen Entwicklung die Rolle eines Straßenmädchens im damaligen New Orleans zugedacht. Aber Kelly weigerte sich, diese Rolle zu übernehmen, und hatte sich damit bei ihren Lehrern als sich zierende Zicke und bei ihren Mitschülern als Spielverderberin in Misskredit gebracht.

Kellys Vater arbeitete, wie gesagt, meist auswärts, und ihre Mutter wollte mit solchen Problemen möglichst nicht belästigt werden. Wenn die Lehrerin sich die Mühe machte, sie anzurufen und zu fragen, warum zum Beispiel Kelly nicht in der Schule sei, antwortete sie meistens, dass Kelly unpässlich sei und schon noch auftauchen werde, wenn es ihr besser ginge. Das entsprach ganz ihrer Einstellung zur Schule, denn darin würde man ohnehin die Zeit verschwenden. Sie selbst habe ja auch die sechs Grundschulklassen besucht, und was habe es ihr genutzt? Nichts! Sie hatte einen armen Schlucker geheiratet, und ihre Bildung sei umsonst gewesen. Sie könne jetzt zwar eine Zeitung lesen, sich aber keine leisten. Wäsche waschen und bügeln hätte sie auch ohne die sechs Jahre Plackerei in der Grundschule können!

»Kelly, such dir einen begüterten Mann und heirate den Kerl, das ist besser für deine Zukunft als eine Brille auf dem belesenen Kopf und das nutzlose Wissen, wie viele Staaten die USA hat oder wer in Washington gerade regiert. Ist sowieso alles dieselbe Bagage, und in die meisten Staaten der USA wirst du im Leben sowieso nie hinkommen, also was soll’s dann, sie alle auswendig zu wissen?« Sie stemmte ihre Arme in die Hüften, als wollte sie betonen, dass gegen dieses Argument kein Kraut gewachsen sei.

Mathildas pragmatische Lebenseinstellung war weniger verwunderlich, wenn man ihren Werdegang kannte. Ihr Vater war ein Hufschmied gewesen, und die Mutter starb nach Mathildas Geburt an Kindbettfieber. Mathilda hatte noch einen drei Jahre älteren Bruder, der mit fünf Jahren in einen ungesicherten Tiefbrunnen fiel und darin ertrank. Sie hatte keine bewusste Erinnerung an ihren Bruder, sie wurde von ihrem starken, aber auch herrschsüchtig-strengen Vater als Einzelkind ohne Mutter aufgezogen.

Der Vater war froh, dass Mathilda bereits mit siebzehn Jahren einen Mann gefunden hatte, der sie heiratete. Als sechs Wochen nach der einfachen Hochzeit Mathilda auf Bitten ihres Vaters eine Woche lang seinen Haushalt in Ordnung bringen half, verführte der Vater seine frisch vermählte Tochter und zeugte ihr ein Kind. Dieses inzestuöse Baby war Kelly. Mathilda verschwieg diese Tatsache sowohl ihrem Ehemann Henry als selbstverständlich auch Kelly. Das Mädchen sollte in dem Glauben groß werden, dass Henry ihr leiblicher Vater sei und dieser wiederum Kelly für seine Tochter hielt.

Kapitel 2

»So unschicklich solltest du aber nicht herumlaufen«, sagte Mrs. Miller in leicht vorwurfsvollem Ton zu Kelly, die gerade ihre Einkäufe in einer riesigen braunen Tüte aus Papier verstaute. »Man kann ja fast schon bis zu deinem Nabel hinuntersehen, wenn du dich bückst! Trägst du denn keinen Mieder-BH? Du bringst ja mit deinem nackten Fleisch die ganzen Jungs aus dem Ort in Verlegenheit!«

Kelly kannte dieses heuchlerische Gequatsche. Wenn jemand sich unschicklich benimmt, dann dein Mann, dem die Lüsternheit ja schon aus den Stielaugen quillt, du alte, vertrocknete Pflaume, dachte Kelly bei sich. Und klopf deinem ach so unverdorbenen Sohn lieber auf die Finger, wenn er wieder versucht, mich in den Arsch zu kneifen!

Das Einzige, was sie laut sagte, war ein verhaltenes: »Schreiben Sie die sieben Dollar zweiundzwanzig bitte an, Mrs. Miller. Daddy bringt erst zum Wochenende wieder Geld heim. Ich zahl’s dann. Und falls von seinen paar lumpigen Kröten, die er für seine Schufterei erhält, etwas übrig ist, kaufe ich mir dann den Mieder-BH.«

Mit der Einkaufstüte unter dem Arm und wackelndem Arsch stolzierte Kelly aus dem Laden. Dabei spürte sie förmlich die sich in ihren Drallarsch bohrenden Augen von Mr. Toby Miller, dem Ehemann von Mrs. Miller, der so tat, als würde er Regale auffüllen. Die ganze Zeit schon hatte er in den untersten Fächern herumgekramt, wobei er sich natürlich ganz tief nach unten hatte bücken müssen. Und von ganz tief unten hätte er Kelly sogar zwischen die Beine sehen können, hätte sie an diesem Tag nicht eine knallenge Jeans getragen. Seine Hand war sogar einmal zu seinem Hosenstall gewandert, um sich den unübersehbar Steifen zurechtzurücken. Gott sei Dank hatte Mrs. Miller davon nichts bemerkt. Das hätte ein Donnerwetter gegeben!

Kelly war genau das, was man landläufig als ein »frühreifes Früchtchen« bezeichnete. Ihrem Vater passte das Herumlungern und Schuleschwänzen seiner Tochter zwar überhaupt nicht, denn er erfuhr am eigenen Leibe, was es bedeutete, gerade mal das Kleine Einmaleins zu beherrschen und seinen eigenen Namen und Wohnort mit Mühe und Not schreiben zu können. Aber was sollte er machen? Während er sich in Mississippi oder in Texas auf Farmen und Plantagen abrackerte und – wenn’s hoch kam – nur jedes zweite Wochenende nach Hause heimkehrte, war Kelly seiner Kontrolle und Aufsicht entzogen. Er ermahnte seine Frau zwar immer wieder, Kellys Schulbesuche zu kontrollieren, aber wie wirksam konnte das schon sein bei ihrer eher konträren Einstellung?

Kelly gehörte bald zum Straßenbild von Willington. Wenn sie nach der Schule über die Hauptstraße flanierte, dabei Titten und Arsch, jeweils eng eingeschnürt, herausdrückte und durch ihre wippenden Schritte in Bewegung brachte, sah alles auf, was in diesem von Arbeitslosigkeit geprägten Nest sitzend und Kaffee trinkend den Straßenrand säumte.

Von denjenigen, die Kelly nachstiegen und aufdringlich wurden, war Bill, der siebzehnjährige Sohn der Millers, der schlimmste. Er kam in der Rangliste der Möchtegernficker gleich hinter seinem Vater.

Bills Annäherungsversuche waren aber so offensichtlich und teilweise so plump, dass sie sogar seiner Mutter nicht entgingen. Auch war es schon mehr als sonderbar, dass ihr Sohn immer dann gerade etwas außer Haus zu erledigen hatte, wenn Kelly im Laden einkaufen gewesen war. Und ihr Ehemann war dann plötzlich auch nirgendwo mehr zu finden, um ihr im Geschäft zur Hand zu gehen. Der Sache musste dringend ein Ende gemacht werden! Doch noch bevor Mrs. Miller hätte durchgreifen können, passierte es, dass Söhnchen Bill auf der Hauptstraße »ganz zufällig« etwa fünfzig Meter hinter der hüftwackelnden Kelly herschlenderte, während sein Vater eine parallele Seitenstraße entlang lief und Kelly abzupassen bestrebt war. Miller senior war zuerst bei Kelly und lockte sie in eine verlassene Scheune, die früher einmal als Heulager für den längst aufgelösten Pferdestall gedient hatte. Er gab vor, ihr »was zeigen« zu wollen, und Kelly folgte ihm, nicht ahnungslos, nein, sie wusste genau, was der alte Schwerenöter von ihr wollte. Er ließ seine Hose fallen und präsentierte ihr sein nicht sonderlich imposantes Gemächt in dem Glauben, das müsse das blutjunge Ding doch ganz scharf auf ihn machen.

Kellys Vorstellung von einem Schwanz aber war vom Kaliber ihres Vaters geprägt, und deshalb konnte sie nur verächtlich lächeln. Da wurde Miller unsicher und bot ihr an, die Schulden ihrer Mutter von den letzten Einkäufen, etwa um die sechzig Dollar, zu erlassen, wenn sie ihm ihren Busen und den Bauch– ja, genauso drückte er sich aus – zeige. Kelly war zwar nicht gerade erfreut ob der Aussicht, sich von Miller senior, der so gar nicht ihr Typ war, begrapschen zu lassen, aber als sie hörte, wie leicht die sechzig Dollar zu verdienen waren, willigte sie mehr nolens als volens ein. Sie setzte ihre Einkaufstüte ab und raffte die Bluse aus dem eng sitzenden Hosenbund. Gierig stürzte sich Miller auf die Mädchentitten und nahm die beerengroßen Zitzen in den Mund. Er saugte wie ein hungriger Säugling erst rechts, dann links. Dabei nestelten seine schweißnassen Finger an ihrem Hosenbund herum, um ihre Jeans abzustreifen. Aber Kelly hielt die Luft nicht an, sondern presste einen tiefen Atemzug in den Bauch. Durch die enge Spannung des Bundes bekam Miller den Hosenknopf natürlich nicht mehr auf.

Der aufgegeilte Mann war in sein schamloses Tun so sehr vertieft, dass er gar nicht bemerkte, wie sein Sohn Bill den Kopf durch die angelehnte Scheunentür steckte und mit aufgerissenen Augen beobachtete, wie er den Busen des jungen Mädchens saugte und abküsste. Erst als Kelly, die Bills glotzendes Gesicht sofort erkannt hatte, Millers Kopf ungestüm von ihrem nackten Busen wegstieß, wurde er des ungebetenen Beobachters gewahr. In wilder Panik zog er seine herabgelassenen Hosen hoch und wollte sich den Spanner greifen. Bill aber nahm seine Beine in die Hand und rannte wie von Furien gejagt zurück zur Hauptstraße und schließlich zum Laden.

Der Vater hinterher. Kelly stopfte sich die Bluse wieder in die Hose, nahm ihre volle Tüte auf den Arm und machte sich, ein wenig atemlos zwar und mit geröteten Wangen, in aller Seelenruhe auf den Heimweg.

Bill war grenzenlos wütend auf seinen Vater. Der sollte sich, wenn er es brauchte, doch eine gleichaltrige Geliebte suchen oder zu einer Hure nach Little Rock fahren, wenn er sich ausficken wollte, und sich nicht an den Mädchen in seinem Alter vergreifen.

Im Laden empfing Mrs. Miller ihren Mann mit einer Schimpfkanonade. »Herumtreiber! Nichtsnutz!«, belferte sie und konnte sich gar nicht mehr einkriegen. »Bist wieder schnell eine Runde spielen gewesen! Mach nur so weiter! Der Laden wirft ja genug ab!«

Miller schaute wie ertappt zu Boden. Sollte sie doch schimpfen, wie sie wollte, solange sie Kelly nicht ins Spiel brachte.

»Der Lieferant mit den Obstkisten ist gekommen«, fuhr sie fort, »und ich hätte deine Hilfe dringend gebrauchen können. Bill war auch nicht da, und ich kann nicht die Kisten kontrollieren und gleichzeitig die Kundschaft bedienen. Fauler Sack, der du bist!«

Miller stotterte etwas von unaufschiebbaren Bankerledigungen und dass er vielmehr Bill in den Spielsalon habe marschieren sehen.

Der hörte im Hinterzimmer den Streit und die üble Verleumdung des Vaters, der seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen bemüht war. Darüber war er so erbost, dass er herausgeschossen kam und ungeachtet der Tatsache, dass gerade die Köchin des Pastors im Laden war, zu toben anfing. »Was erzählst du da, Dad? Ich im Spielsalon?«, fauchte er seinen Vater an, der mit offenstehendem Mund wie zur Salzsäule erstarrt dastand, denn er hatte nicht mit Bills Anwesenheit gerechnet. »Von wegen auf der Bank! Die ist ja am anderen Ende des Dorfes! Rumpoussiert hast du, und ausgerechnet mit dem größten Flittchen, das hier herumläuft.«

Der ertappte Lügner wurde leichenblass. Mrs. Miller fiel vor Überraschung die Dose mit dem Zucker aus der Hand. »Stimmt das?!?«, schrie sie ihren Mann zornentbrannt an. Doch der stritt alles ab. Das seien üble Verleumdungen, und er wisse nicht, wie sein Sohn auf solche Gedanken komme.

Jetzt platzte Bill endgültig der Kragen. »Was sind das? Verleumdungen? Ich habe es doch mit eigenen Augen gesehen, wie du in Jacksons alter Scheune vor Kelly deine Hosen heruntergelassen hast und dich vor sie hingekniet und ihr die Titten abgeschleckt hast!«

In schockiertem Entsetzen ließ die Köchin des Pastors ihre Einkäufe liegen und verließ fluchtartig den Laden.

»Die sehen wir jetzt auch nie mehr bei uns«, tobte Mrs. Miller, »und alles wegen euch zwei Mannsbildern, die ihre Schwengel nicht zügeln können! Euch sollte man sofort kastrieren! Damit meine ich dich, Toby! Ist dir nichts Besseres eingefallen, als ausgerechnet diesem verpickelten Flittchen hinterherzulaufen! Aber damit ist jetzt Schluss! Dafür werde ich sorgen, so wahr ich Gladys Miller heiße!«

Bill verdrückte sich, bevor er eine Tracht Prügel von seinem Vater riskierte, und der wiederum verzog sich in das Hinterzimmer des Ladens und suchte hektisch in den Rechnungen und Quittungen herum. Er musste Kelly dazu bringen, ihr Techtelmechtel mit ihm in der alten Scheune ebenfalls abzustreiten, deshalb musste er die Aufzeichnungen der Einkaufkaufsschulden als bezahlt quittieren.