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Sara Jonas

VERLANGEN

Erotischer Roman

© 2008 Plaisir d’Amour Verlag, Lautertal

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Prolog

And I’ll bring you Pearls of water on my hips

(Dixie Chicks)

Texas 2000

Das „Moe’s“ war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Kellnerinnen mussten mit ihren voll beladenen Tabletts Slalomläufe veranstalten, um die randvollen Bierkrüge ohne Verluste zu den Gästen zu bringen, wobei sie noch den breiten Pranken der Landarbeiter, Trucker und Viehtreiber ausweichen mussten, die ihnen dauernd auf die prallen Hinterteile klopfen wollten.

Die Mädchen trugen ihre besten Samstagsausgehsachen. Sie hatten sich geschminkt und frisiert und bunte Spangen und Bänder in ihre Haare gebunden. Manche trugen Stetson und Fransenjacken, aber die vorherrschende Farbe war Jeansblau, das in allen Variationen von hochgeschlossen bis sexy-offenherzig vorhanden war. Die Männer trugen fast alle Stetsons. Baseballkappen, denen man an der West- und Ostküste begegnete, waren hier verpönt.

Bei Moe’s ging’s an den Wochenenden laut zu, es wurde viel getrunken, am liebsten Bier aus großen Krügen, aus denen sich jeder am Tisch bedienen konnte. Manchmal lief so viel weg, dass Moe hinter seinem Tresen gar nicht mit dem Zapfen nachkam. Die Gespräche und Rufe der Gäste übertönten die Jukebox, die in einer Ecke des Raumes vergeblich vor sich hinplärrte. Die Wände hätten dringend eines frischen Anstrichs bedurft. Sie waren dunkel vom Rauch unzähliger Zigaretten und Zigarren. Vor einiger Zeit war das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten worden und niemand räucherte mehr Moe’s Interieur ein. Trotzdem konnte er sich nicht dazu entschließen, die Maler zu rufen. Um die Schäbigkeit zu überdecken, hängte er überall Poster und Plakate von Rodeos und Auktionen oder Werbeplakate für Gebissreiniger und anderen Unsinn auf, in dem Bestreben, die braunen Tapeten zu verstecken.

Charly, Moes Sohn, der in Huston studierte und nur an den Wochenenden aushalf, schob die Drinks wie Bowlingkugeln über die Theke. Feine Schweißperlen standen auf seiner hohen Stirn, aber sein Gesicht blieb völlig ausdruckslos, obwohl es um ihn herum turbulent zuging.

Mit elegantem Schwung glitt ein neues Glas über das polierte Holz bis zu einem Mädchen, das an der Bar hockte. Sie fing es so geschickt auf, dass nicht ein Tropfen überschwappte und dankte Charly mit einem flüchtigen Lächeln.

„Aber dann legt endlich los, um Gottes Willen!“, brüllte Moe dem Mädchen zu. „He, guck dich um, die reißen mir gleich die Bude auseinander.“

Er ließ einen besorgten Blick über die Schar seiner Gäste gleiten, die sich tatsächlich immer verrückter gebärdeten. Amber zuckte nur gleichmütig die Schultern. So ging es hier an jedem Wochenende zu, daran musste Moe sich doch inzwischen gewöhnt haben.

Das Lokal hatte sich im Laufe der Jahre zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt für alle, die Country-Music liebten oder sich einsam fühlten. In diesem Laden lernte man immer interessante Leute kennen, man konnte sich austoben oder einfach bei einem Bier oder Whisky den Verrücktheiten der anderen Gäste zusehen.

Die „Dogtemps“ waren stolz darauf, hier auftreten zu dürfen. Amber mit ihrem gesunden Selbstvertrauen war einfach zu Moe gestiefelt und hatte ihn um einen Vorspieltermin gebeten. Ganz sicher war es zuerst ihrer umwerfenden Erscheinung zu verdanken, dass er ihnen diese Chance gegeben hatte. Zuletzt hatte ihn jedoch das Können der vier Musiker überzeugt, wobei Moe sich im Stillen beglückwünschte, weil er nicht nur vier supergute Musiker engagiert hatte, sondern auch eine supersexy Sängerin, die die Kerle in den Laden lockte wie eine rollige Katze liebestolle Kater.

Caleb Carson trat hinter Amber und tippte ihr auf die Schultern. Amber verstand. Sie trank den Rest ihres Sodas und rutschte vom Barhocker. Hinter Caleb drängelte sie sich durch die Reihen der Gäste, die sofort rhythmisch zu klatschen begannen und „Amber, Amber!“ skandierten. Die Rufe waren wie eine Welle, die von der Bar über das ganze Lokal bis in dessen hinterste Winkel schwappte, wo die Spielautomaten standen, an denen die Zocker standen und ihre letzten Cents verspielten.

Auf ihrem Weg zur Bühne fing Amber noch Brian Kissinger ein, der bei einer Gruppe Freizeitcowboys stand und heftig mit ihnen diskutierte. Sie hakte ihn einfach unter, zog ihn mit sich, ohne auf seinen Protest oder die anzüglichen Bemerkungen der Großstadtcowboys zu achten. Collin Orwin stand bereits auf der Bühne und stimmte hingebungsvoll seine Fiedel. Als sich die übrige Truppe zu ihm gesellte, hob er nur kurz den Kopf, schenkte Amber ein verträumtes Lächeln und konzentrierte sich dann wieder voll und ganz auf sein Instrument.

„Auf geht’s“, seufzte Brian, bevor er sich sein Banjo schnappte und mit ein paar schrägen Tönen die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Band lenkte.

Sofort verstummten alle Gespräche. Erwartungsvolle Stille breitete sich aus, während aller Augen auf Amber ruhten, die mit ihrer Gitarre im Arm ans Mikrophon trat.

Sie intonierte ein paar Takte, dann fiel das Banjo ein, dem die Fiedel folgte und gleich darauf erklang die fröhliche Melodie von „Gambling Man“. Amber mochte das Lied, und die Freude daran teilte sich ihrem Publikum mit. Schon fanden sich die ersten Paare, gleich darauf wirbelten die Tänzer ungestüm über die mit Sägespänen bestreute Tanzfläche.

Sie hatte sie! Das Gefühl, einen ganzen Saal voller Menschen ganz und gar mit ihrer Musik zu begeistern, erfüllte Amber jedes Mal mit einem rauschhaften Gefühl der Freude, dass sie alles um sich herum vergaß. Es war schöner als jede Droge, ja, sogar noch schöner und erregender als Sex. Ein nicht zu beschreibendes Glücksgefühl, das sie am Ende der Show atemlos und völlig erschöpft zurückließ. Nicht mal in ihren wildesten Zeiten, als sie Gras geraucht und anschließend komplett stoned auf ihrer Gitarre wirre Melodien gezupft hatte, hatte Amber diese Euphorie erlebt. Manchmal allerdings, wenn sie tagelang in ihrem umgebauten Überlandbus unterwegs waren – ohne Aussicht auf ein Engagement und keinen rostigen Nickel in der Tasche – dann hasste Amber dieses Leben aus tiefstem Herzen. Dann begann sie sich vorzustellen, wie schön es sein musste in einem dieser Häuser zu leben, an denen sie vorbeifuhren, mit einer Küche, auf deren Fußboden die Schüssel für den Hund stand, und einem großen Wohnzimmer, in dem das Spielzeug der Kinder herumlag. Sie würde mit ihnen schimpfen, so wie es ihre Mom gemacht hatte, wenn Amber ihr Spielzeug nicht weggeräumt hatte. Und sie würde – wie ihre Mom es getan hatte, als die Welt noch in Ordnung gewesen war – jeden Abend in der Küche stehen und das Essen für ihren Mann und die Kinder kochen.

Aber diese Sehnsüchte vergingen rasch. Amber brauchte nur die Saiten ihrer Gitarre unter den Fingerkuppen zu spüren, schon erfasste sie wieder der Rausch, den nur die Musik ihr bescheren konnte. Irgendwie kamen sie ja immer über die Runden, und wenn sie nur vor einem Supermarkt spielten, bis die Cops sie verjagten.

Das kam allerdings nur selten vor, denn die meisten Leute freuten sich über die Musik, die sie aus ihrem tristen Alltagstrott herausholte. Bei solchen Auftritten landete dann schon mal eine Dollarnote in Collins Geigenkasten.

„… and I grow older too …“ Ambers Blick blieb an einem der Tische haften.

Dort saß ein Mann. Die tanzenden, klatschenden Gäste vor der Bühne versperrten ihr immer wieder die Sicht auf ihn, aber der Blick der dunklen Augen, mit denen er sie anstarrte, schien bis auf den Grund ihrer Seele zu dringen.

Hastig wandte sie sich Collin zu, der ihr mit einem breiten Grinsen antwortete, das wie ein Halbmond über seiner Fiedel schwebte. Doch dann gewann Ambers Neugierde die Oberhand, und sie sah erneut zu dem Mann, der sie weiterhin mit seinen dunklen Blicken fixierte.

Ich glaube, ich sollte ihn mir mal ein bisschen näher ansehen, überlegte sie, während sie auf ihren Einsatz wartete. Es wäre vielleicht ein netter Spaß, bei diesem Mann ein kleines Feuerchen zu schüren und ein wenig mit ihm zu spielen.

Mein Gott, sie war schon viel zu lange brav gewesen! Und der Typ sah nicht so aus, als würde er nichts von einer heißen Nummer halten. Nein, der hatte ganz sicher nichts gegen einen netten One-Night-Stand einzuwenden.

Von großen Gefühlen hielt Amber nichts. Ihrer Ansicht nach waren alle Männer mehr oder weniger wandelnde Gottesirrtümer, die frau zu nichts wirklich Wesentlichem gebrauchen konnte. Aber die Jagd auf diese Spezies machte Amber unendliche Freude, im Grunde noch viel mehr, als die anschließende Siegesfeier. Mit boshafter Lust am Spiel lauerte sie ihrem männlichen Opfer auf, um es dann nach angemessener Zeit, wenn es sowieso schon fast erledigt war, mit einem feuchten Blick, einer letzten verheißungsvollen Geste gänzlich zur Strecke zu bringen.

Dieser Mann dort im Publikum schien auch zu diesem Heer von Dummköpfen zu gehören, dem Amber ihr langes rotes Haar um den Hals wickeln konnte, bis der arme Kerl wie ein Ochse am Ring hinter ihr herlief. Wenn sie ihn so weit hatte, verlor sie die Lust an ihm. Das Timing war ideal. Morgen hatten sie hier ihren letzten Auftritt, dann würden sie ihre Gage einstreichen, in den alten Überlandbus steigen und weiterfahren. Bis der Typ begriffen hatte, dass die Dogtemps nicht mehr im Moe’s auftraten, würden sie schon in New Mexico sein.

Als Brian auf dem Banjo die ersten Takte zu „Long Time Gone“ anstimmte, legte Amber ihre Gitarre weg, nahm das Mikro aus dem Ständer und verließ die Bühne.

Die tanzenden Paare traten zur Seite und bildeten so eine Gasse, durch die Amber an den Tisch des Fremden gehen konnte. Schon sah sie das erfreute Aufblitzen in seinen Augen, er beugte sich ein wenig vor, gespannt darauf, was nun kommen würde, aber Amber ließ ihn schmoren. Statt zu ihm zu gehen, schnappte sie sich einen jungen Stetson-Boy und begann mit ihm auf die alte Square-Dance-Weise zu tanzen.

„Long time gone, and it aint come back again …“

Das Volk stand um das Paar herum und klatschte, dann schlossen sich nach und nach immer mehr Paare an. Als alle tanzten, ließ Amber ihren Partner stehen und sang die letzten Worte des Liedes, wobei sie es bewusst vermied, den Fremden anzusehen.

Caleb ging ohne Pause zu „Pearls“ über. Amber flirtete ein bisschen mit einem älteren Typen, der mit einer Frau tanzte, die gut und gerne eineinhalb Köpfe kleiner war als er. Sie drehte sich aufreizend langsam. Den Kopf mit dem langen roten Haar, das sich wie glühende Lava über ihren Rücken ergoss, weit zurückgelehnt, gab sie das perfekte Bild einer nur mäßig gezähmten Raubkatze ab, die, wenn sie losgelassen, frei und ungezügelt ihre Gelüste auslebte.

Dann erinnerte sich Amber ihres Vorhabens. Sie strich Clark Cornell, einem der Jungs, die für Emmidales-Holzbau arbeiteten, über den angegrauten Bart, was ihn verlegen erröten ließ, und ging weiter. So, als sei ihr jetzt der gut aussehende Mann aufgefallen, tänzelte sie, sich dabei aufreizend in den Hüften wiegend, auf ihn zu.

„… I’ll bring you pearls of water on my hips …“

Die schwarzen Augen spiegelten nur den Bruchteil einer Sekunde Erstaunen wider, dann erhellte ein Lächeln die männlich herben Züge. Er lehnte sich bequem zurück und sah Amber erwartungsvoll an.

„… sing me something brave from your mouth …“ Amber beugte sich zu dem Fremden hinab. „… bring you pearls of water on my hips …“

Diese Augen!

Dank des jahrelangen Trainings verhedderte sie sich nicht im Text. Amber sang weiter, während sie innerlich mit ihrem Schock kämpfte.

Diese Augen.

Sie umklammerte mit der Rechten das Mikro, als könnte sie daran Halt finden. Solche Augen hatte sie noch nie bei einem Mann gesehen! Ihr Blick war zwingend, stechend – Kraft und ungeheure Willensstärke sprachen aus ihnen.

Amber betrachtete den Fremden nun aus sicherer Entfernung. Seine ganze Erscheinung war auf seltsame Weise geheimnisvoll. Schwarze Augen, dunkles, leicht gewelltes Haar, das bis auf die Schultern reichte, ein von der Sonne gebräunter Teint und ein gepflegter Bart. Der Mann sah aus wie ein Mensch, der sich viel im Freien aufhielt. Vielleicht ein Rancher? Allerdings widersprachen seine feingliedrigen, sorgfältig manikürten Finger dieser Annahme. Das waren keine Hände, die mit Pferden und Rindern umgingen!

Amber wagte es noch einmal, Blickkontakt mit dem Fremden aufzunehmen. Es war nur ein kurzes, fast verlegenes Hinsehen, aber es reichte aus, um ihr einen Stromstoß durch den Körper zu jagen. Ernüchtert beschloss Amber, den Mann für den Rest des Abends zu ignorieren. Er war ihr zu gefährlich. Einer von der Sorte, dem das „Ich-kriege-alles,-was-ich-will“-Zeichen in Leuchtbuchstaben auf die Stirn geschrieben stand. Der wollte die Regeln bestimmen und sagen, wo es in der Liebe und im Leben lang ging. Nein, mit so einem Mann würde sie sich bloß einen Haufen Probleme einhandeln. Da war es besser, die Finger wegzulassen und für diese Nacht noch mal auf Sex zu verzichten. Ein Orgasmus war die anschließenden Probleme, die ein solcher Typ einem bereiten konnte, nie und nimmer wert.

„If I had a wish that I could make for you …“ Oh, verdammt, jetzt hatte sie dem Typen doch ein aufreizendes Lächeln rübergeschickt! Okay, man sollte ein Spiel niemals abbrechen, so lange die Kugel noch rollt. Noch eine letzte, verwegene Drehung in den Hüften, ein lockender Blick, ein verheißungsvolles Lächeln, das musste reichen!

Abrupt drehte sie sich um und schritt zur Bühne zurück.

„I believe in love …“ Das war ein Song fürs Herz, die Pärchen rückten näher zusammen und tanzten eng umschlungen auf den Sägespänen. „I believe in love, love that’s real, love that’s strong …“ Während Amber die letzten Worte des Liedes sang, glaubte sie, die Blicke des Mannes in ihrem Rücken zu spüren. Es war ein prickelndes, brennendes Gefühl, das sie völlig irritierte und einen kalten Schauer nach dem anderen über ihren Rücken jagte. Erst auf der Bühne fühlte sie sich wieder sicherer. Von hier oben aus konnte sie auf den Mann herabsehen, was ihr ein wenig das Gefühl von Macht gab.

Collin übernahm die nächste Nummer. So hatte Amber Zeit, sich noch ein kleines bisschen mit dem aufregenden Fremden zu beschäftigen. Er saß noch immer an seinem Tisch und starrte zu ihr herauf. Inmitten der verrückten Asphaltcowboys wirkte er wie ein Adler in einer Schar von Störchen. Nein, das war keiner diese üblichen Schwachköpfe, die Amber gewöhnlich den Hof machten. Dieser Bursche war gefährlich. Brandgefährlich!

Plötzlich fiel ihr auf, dass er sie schon seit geraumer Zeit anlächelte. Es war ein arrogantes, ein siegesgewisses Lächeln, das seine Gedanken verriet. „Schon okay, ich weiß, dass du scharf auf mich bist. Alles klar zwischen uns.“ So ungefähr!

Dabei strich er mit einer selbstbewussten Geste über die Brust seiner maßgeschneiderten Jeansjacke. Ein goldene Uhr blitzte kurz an seinem Handgelenk, und schon schlug Amber alle Warnungen in die Luft.

Ich kann dich mir leisten, hieß das. Egal, was du verlangst, ich kriege dich, Mädchen.

Dieser arrogante Erfolgstyp war eine einzige Herausforderung, und Amber nahm sie an. Ihr blieben noch zwei Abende Zeit.

Amber warf den Kopf zurück, das Spiel hatte angefangen, die Kugel rollte, sie wollte unbedingt gewinnen! Sie hatte früh gelernt, dass ihr Aussehen eine nützliche Hilfe im Kampf um Macht und Geld war oder wenn man bestimmte Ziele erreichen wollte. Es wunderte sie deshalb nicht sonderlich, dass der Fremde in der nächsten Pause zu ihr kam. Charly hielt ihr immer einen Platz an der Bar frei. Amber nahm auf dem Hocker Platz und trank durstig das Roots-Bier, das er ihr hinstellte.

„Sie sind absolute Klasse! Das Beste, das Dallas momentan zu bieten hat.“

Amber brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer sprach. Obwohl sie seine Stimme noch nie gehört hatte, wusste sie, dass es der geheimnisvolle Fremde war, der hinter ihr stand. Sie fühlte seine Hände auf ihren Schultern. Die Berührung brannte sich durch den Stoff ihrer dünnen Bluse und jagte wohlige Schauer durch ihren Körper. Amber legte den Kopf zurück und sah zu ihm auf. Er war groß, sehr groß sogar. Sie schätzte, dass sie ihm gerade mal bis an die Schultern reichte, wenn sie neben ihm stand.

„Eine Attraktion, die ich mir gerne näher betrachten würde“, sprach er weiter und beugte sich etwas vor. Sein warmer Atem strich über ihr Gesicht. Hastig lehnte sie sich wieder vor und griff nach ihrem Glas.

„Ich heiße übrigens Scott MacPherson, meine Schöne“, flüsterte der Mann dicht an ihrem rechten Ohr.

Mit wachsender Erregung spürte Amber seine Hände auf ihren Hüften. Er hielt sie fest und drängte dabei seinen Körper an ihren Rücken, so dass sie seinen harten Penis deutlich spüren konnte.

Dieser Kerl ließ wirklich keine unnütze Zeit verstreichen!

Amber musste lächeln. Gerade diese Gradlinigkeit, mit der er auf sein Ziel lossteuerte, und vor der ein unerfahrenes Mädchen sicherlich entsetzt zurückgeprallt wäre, regte Ambers Fantasie an. Mit seiner deutlich spürbaren Erregung gab dieser Scott Soundso ihr eine Waffe in die Hand, die sich sehr schnell gegen ihn selbst richten konnte. Er fühlte sich seiner Eroberung so sicher, dass er glaubte, sich alle zeitraubenden Höflichkeitsfloskeln sparen zu können. Aber Amber wollte es ihm nicht so leicht machen.

Einen Augenblick lang lehnte sie sich gegen den festen Körper an ihrem Rücken. Der Mann war gut gebaut. Kein Gramm Fett zu viel, nur stahlharte Muskeln und Sehnen.

Amber drehte sich auf ihrem Stuhl. Aus ihren grünen Katzenaugen blinzelte sie zu dem Mann herauf, dessen Blicke jeder Bewegung ihres schönen Körpers hungrig folgten.

„Aha. Scott McPherson heißen Sie also.“ Spott schwang in ihrer Stimme. „Nun, ich bin mir nicht sicher, ob es für mich eine Freude ist, Sie kennenzulernen.“

Ein anderer wäre wahrscheinlich beleidigt von dannen gezogen. Scott McPherson hingegen lachte. Es klang herzlich, irgendwie selbstverständlich und völlig ungezwungen.

„Nun, für mich ist es alleine schon eine Freude, Sie nur anzusehen“, schmeichelte er galant, wobei immer noch ein belustigtes Funkeln in den schwarzen Augen glitzerte. „Und Ihnen zuzuhören, versetzt mich in eine Art Ekstase.“ Er zwinkerte ihr vertraulich zu und drückte sie an sich.

„Aha, und was haben Sie Großartiges zu bieten?“, erkundigte sich Amber herausfordernd.

Scott nahm ihre Hände, führte sie hinter ihren Rücken und presste seinen Unterleib dagegen. Deutlich spürte sie die pralle Beule, die gegen den Stoff der Jeans drängte. Währenddessen neigte er den Kopf etwas zur Seite und tat so, als würde er intensiv nachdenken.

„Mal sehen“, begann er. „Also … ich biete Ihnen zunächst ein ausgezeichnetes Essen im King Kamehameha. Danach einen nächtlichen Bummel durch Dallas und dann …“ Er ließ den Rest des Satzes unausgesprochen, blinzelte sie nur vieldeutig an. Gleichzeitig legte er ihre Hände betont nachdrücklich auf ihre Oberschenkel, um ihr zu zeigen, dass er das Spiel als beendet betrachtete.

Amber rutschte mit einer geschmeidigen Bewegung von ihrem Barhocker. Sie stand nun dicht vor ihm. Wie sie vermutet hatte, überragte Scott sie um eine Haupteslänge. Mit einer geschmeidigen Bewegung drehte sie sich herum, schwenkte dabei ihre Hüften so, dass sie Scotts Lenden streifte und ging davon. Zufrieden hörte sie, wie er bei der frivolen Berührung scharf die Luft einsog.

„Warten Sie!“ Es klang wie ein Befehl. Seine Hand bekam ihren Oberarm zu fassen, sodass sie stehen bleiben musste. „Wann machen Sie hier Schluss?“

Stirnrunzelnd sah Amber auf seine Hand, die ihren Oberarm umklammerte, dann hob sie den Kopf und funkelte ihn aus ihren grünen Katzenaugen an.

„Um eins.“

Scott nickte. „Wir sehen uns.“

Er ließ ihren Arm los und wandte sich zur Bar herum.

„Hey, Amber!“, rief ihr irgendein Junge zu, als sie durch die Tischreihen zur Bühne ging. „Bring doch mal ‚If I Where a Carpenter’!“

Sie nickte lachend.

Wie immer nach ihren Auftritten fühlte sich Amber auch heute völlig ausgepumpt, aber zugleich aufgedreht, berauscht vom Adrenalin, das in ihrem Blut kreiste. Als sie das Moe’s durch den Hintereingang verließ, stand Scott McPherson sofort neben ihr, und so blieb ihr keine Zeit, sich ein wenig zu entspannen.

„Komm“, sagte er nur und zog sie hinter sich her. Verwirrt stolperte sie neben ihm her. Die Geräusche der Stadt drangen nur gedämpft an ihre Ohren, denn es dauerte immer einige Zeit, bis sich ihr Gehör nach dem Lärm auf der Bühne auf normale Lautstärke umgestellt hatte. Die Band hatte vor einiger Zeit einen neuen Verstärker angeschafft, über den Amber endlich ihre eigene Stimme hören konnte. Das erleichterte zwar ihre Arbeit, brachte aber zugleich eine noch höhere Lärmbelastung für sie mit sich. Sie war zudem noch so in ihrer Musik gefangen, dass sie gar nicht bemerkte, wie sie plötzlich mitten auf dem Weg stehen blieben.

„Hallo, meine Schöne!“ Scotts kräftige Hände schüttelten sie leicht an den Schultern.

Amber blinzelte verwirrt und lächelte ihn entschuldigend an. „Oh, es tut mir leid.“ Sie nahm seine Hand und schmiegte ihre Wange daran. „Nach so einem Abend bin ich immer total erledigt.“

Scott lächelte. Für Amber völlig überraschend, beugte er sich herab, seine Lippen streiften nur kurz über ihr Haar, aber diese winzige Berührung reichte aus, um Ambers Herzschlag für den Bruchteil einer Sekunde stocken zu lassen.

„Dann wird dir die Ruhe im King Kamehameha nur gut tun“, murmelte er leise dicht an ihrem Ohr. Er legte einen Arm um ihre Schultern, und Seite an Seite gingen sie den Bürgersteig entlang auf einen roten Porsche zu, der wie eine geduckte Raubkatze am Straßenrand lauerte.

Zufrieden kuschelte Amber sich in die Polster. Der Geruch nach teurem Leder und Rasierwasser umhüllte sie wie eine Wolke.

Dieser Scott McPherson gehörte anscheinend nicht zu dem Heer amerikanischer Sozialhilfeempfänger. Der luxuriöse Wagen, die teure Ausstattung, die Edeljeans, die maßgefertigte Jacke – alles vermittelte den Eindruck wohlhabender Eleganz und Lässigkeit.

Sie schloss die Augen und entspannte sich.

Als sie wieder aufsah, hatte Scott den Wagen bereits in den fließenden Verkehr eingefädelt. Ihre Augen blieben für einen Moment auf seinen schlanken, kraftvollen Händen ruhen, die das Sportlenkrad hielten. Ja, das war ein Mann, der wusste, was er wollte, und wie er es bekommen konnte! Er würde auch Amber bekommen, keine Frage, aber erst dann, wenn sie wollte!

Sie richtete sich etwas in ihrem Sitz auf und sah neugierig aus dem Beifahrerfenster auf die Lichter der Stadt. Trotz der späten Nachtstunde herrschte in allen Straßen noch reger Verkehr. Dallas war eine Stadt, die nie zur Ruhe kam. Beherrscht vom Big Business und der Allmacht der (Öl)Dollars, hetzte sie durch die Tage und Nächte, ohne sich einen Augenblick der Muße zu gönnen.

Als der Wagen vor der imposanten Fassade des „King Kamehameha“ hielt, wurde sich Amber schlagartig ihrer Kleidung bewusst. Sie trug ihr Freizeitoutfit, eine hautenge Dreivierteljeans und ein eng anliegendes, dekolletiertes Top, das viel von ihren glatten Schultern und dem verlockenden Anblick ihres vollen Busens preisgab. Wohl keine passende Ausstattung für das an teure Abendroben gewöhnte King Kamehameha!

Scott bemerkte ihre Zurückhaltung. Lächelnd streckte er ihr die Hand entgegen, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein.

„Du bist die Schönste hier“, schmeichelte er, während sein Blick genüsslich über den pfirsichhäutigen Ansatz ihrer Brüste wanderte. Amber warf den Kopf zurück.

Okay, sie trug keine Dior-Abendrobe, aber sie war jung und schön. Die bewundernden Blicke ihres Begleiters bewiesen ihr das ganz deutlich.

Mit diesem Selbstbewusstsein und dem attraktiven Mann an ihrer Seite fiel es Amber nicht mehr schwer, hocherhobenen Hauptes das prunkvolle Foyer des exklusiven Restaurants zu betreten. Der dienstbeflissene Oberkellner eilte auf das Paar zu. Er führte sie an einen Tisch, halb verborgen hinter mannshohen Tropengewächsen, die genügend Sicht auf das übrige Lokal ließen, aber trotzdem vor allzu neugierigen Blicken schützten.

Während Scott die Getränkekarte studierte, hatte Amber ausreichend Muße, sich ein wenig umzusehen. Im Halbrund erbaut, grober Rauputz an den Wänden und mit üppigen Kübelpflanzen dekoriert (meist Palmengewächse), bot dieser Raum die perfekte Illusion einer Tropeninsel. Aus verborgenen Lautsprechern klang dezente polynesische Musik untermalt von Vogelstimmen und Schreien mehrerer Papageien, was den Südseecharakter zusammen mit dem diffusen Licht noch unterstrich.

Amber hätte sich nicht gewundert, wenn plötzlich ein paar Geckos an den Wänden herumgekrabbelt wären.

„Gefällt es dir?“ Scott hatte die Karte zugeklappt und beobachtete sie lächelnd.

„Sehr“, seufzte Amber entspannt.

Sie faltete die Hände vor sich auf dem Tisch und senkte ihre grünen Blicke in Scotts schwarze Augen, die auf einmal wie im Fieber zu glänzen begannen.

„Ich habe noch nie einen Menschen mit solch grünen Augen gesehen“, sagte er fast andächtig. „Einfach faszinierend und irgendwie auch unheimlich. Katzenaugen. Du hast geheimnisvolle Katzenaugen. Ich will nicht, dass du mich verhext“, stieß er mit rauer Stimme hervor. Er lehnte sich zurück, als könne er so Ambers Zauber entgehen.

„Ich will alles von dir wissen“, forderte er energisch. „Einfach alles. Was du denkst, was du fühlst, was du liebst, und was du hasst.“ Er beugte sich wieder vor und griff über den Tisch nach ihren Händen. Sie unterdrückte einen Schmerzensschrei, als Scott ihre Finger zwischen den seinen presste.

„Ich will dich haben“, knurrte er. „Ich will dich mit Haut und Haaren!“

Wieder verlor er sich in den grünen Tiefen ihrer Augen, unfähig, sich ihrer Macht zu entziehen. Erst der Kellner riss Scott aus seiner Verzückung. Erschreckt hob er den Kopf, man sah ihm an, dass es ihn Mühe kostete, sich zurechtzufinden.

Nachdem Scott die Bestellung aufgegeben hatte, wandte er sich wieder an Amber.

„Was hältst du von meinem Angebot?“

Amber hob leicht irritiert die Brauen. „Was denn für ein Angebot?“

„Meine Geliebte zu werden“, antwortete Scott mit einer Direktheit, die Amber zuerst verblüffte, dann belustigte.

„Danke, Sir.“ Sie senkte die Höhe ihrer Stimme um eine Oktave und fügte eine Prise Heiserkeit hinzu. „Ihr Angebot ehrt mich ungemein, aber ich habe völlig andere Pläne.“

Bevor Scott antworten konnte, trat der Kellner erneut an ihren Tisch. Er servierte die Getränke, für Scott einen Leilani, für Amber einen Chi Chi, und überreichte den beiden anschließend die Speisekarte. Amber versteckte ihr spöttisches Lächeln dahinter, als sie entdeckte, dass auf ihrer Karte keine Preise angegeben waren.

„Was hältst du von Shrimps Curry Waikiki? Einen Moa Niu, das ist gekochte Hühnerbrust, die in einer Kokosnussschale kredenzt wird? Dazu können wir Mai Tai trinken? Zum Schluss gibt es einen Hapia, das ist eine Art Kokosnuss-Pudding?“, schlug Scott vor, nachdem er die Karte gründlich studiert hatte.

Amber nickte, die Auswahl sagte ihr zu.

Scott faltete die Karte zusammen und legte sie achtlos zur Seite. „Gut, dann nehmen wir es“, entschied er. „Ein gutes Essen ist wie die Liebe. Beides sollte stilvoll serviert und in Ruhe genossen werden.“

Amber lächelte. „Du scheinst dich auszukennen“, stellte sie lakonisch fest und griff nach ihrem Glas.

„Du wirst es bald genau wissen“, gab Scott gelassen zurück.

Amber widersprach ihm nicht.

Während sie dem vorzüglichen hawaiianischen Menü zusprachen, gelang es ihr, Scotts Feuer zu schüren, in dem er ohnehin schon Höllenqualen litt. Dazu bedurfte es nur einiger verheißungsvoller Blicke und einer vorwitzigen Fußzehe, die an seinem Schienbein auf und ab fuhr. Es hatte zur Folge, dass Scott so gut wie nichts von den Köstlichkeiten aß, während Amber es sich schmecken ließ.

Scott MacPherson war gewiss nicht der Mann, den man grenzenlos zum Narren halten durfte.

Nach dem Essen tanzten sie zu den einschmeichelnden Melodien einer kleinen Ukulele-Combo, die inzwischen Stellung zwischen den Palmen bezogen hatte und recht gekonnt moderne Musik im hawaiianischen Stil spielte. Als Amber in die Arme ihres attraktiven Begleiters glitt, spürte sie einmal mehr die ungeheuere Ausstrahlung seines Körpers. Es war wie ein Sturz in einen eiskalten Gebirgsbach, und es kostete sie einige Mühe, ihre aufgewühlten Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Als sie sich dicht an ihn gepresst bewegte, fühlte sie unter dem Stoff seiner Jeans jeden Muskel seines Körpers, die nun leicht vibrierten. Amber war erfahren genug, um zu wissen, dass dies der unbewusste Ausdruck unterdrückten Verlangens war. Etwas, was er genauso wenig steuern und beeinflussen konnte, wie das Pochen in den Lenden, das sich Amber deutlich mitteilte.

„Lass uns endlich gehen“, flüsterte Scott heiser. Seine Lippen dicht an ihrem Ohr kitzelten die zarte Haut ihres Halses und sandten kleine erregende Schauer über ihren Rücken.

„Spazieren?“, tat sie scheinheilig.

„Egal!“ Scott schob sie ohne Weiteres vor sich her von der Tanzfläche. An ihrem Tisch angekommen winkte er ungeduldig dem Kellner, der eilig heranstürzte. Nachdem Scott die Rechnung beglichen hatte, verließ er mit Amber am Arm beinahe fluchtartig das Lokal. Neugierige Blicke der anderen Gäste folgten ihnen, was Scott allerdings weder bemerkte, noch interessierte.

Auf der Straße gab sich Scott keine Mühe mehr, sein Verlangen zu unterdrücken. Mit einer ungestümen Bewegung riss er Amber in seine Arme und drückte sie an sich. Sie wehrte sich nicht. Im Gegenteil, denn als seine Lippen die ihren umschlossen, erwiderte sie seinen Kuss zuerst mit verhaltener, dann sich immer mehr und mehr steigernder Leidenschaft. Ihre Lippen teilten sich und ließen seine Zunge ein, die sofort voll flammender Begeisterung die warme Höhle ihres Mundes zu erforschen begann. Sie erlaubte ihm eine erste, feurige Forschungsreise, doch dann zuckte ihre kleine Zunge vor und begann die weiche Haut seiner Mundwinkel zu liebkosen.

Scott stöhnte auf, während er seinen Unterleib noch näher an Ambers herrlichen Körper drängte. Unter seinen Fingerspitzen fühlte er die lockenden Hügel ihrer Brüste. Nur der dünne Stoff des Tops trennte ihn von den festen Rundungen, die sich erwartungsvoll seinen forschenden Händen entgegenwölbten. Die rosigen Spitzen hatten sich verhärtet. Scott reizte sie mit kreisenden Bewegungen seiner Daumen, bis Amber leise aufstöhnte.

Er hatte die Umgebung völlig vergessen, nur die glühende Leidenschaft, die Amber in ihm weckte, füllte sein ganzes Sein und steigerte sein Verlangen, noch mehr davon zu bekommen. Ihre Hände schlüpften unter die Jacke, zogen das Hemd aus dem Hosenbund und glitten darunter.

Ihre Finger hinterließen eine brennende Spur auf seiner Haut. Zugleich begann sie ihre Hüften zu bewegen, so aufreizend rhythmisch, dass Scott glaubte, ihm müsse jeden Moment das Herz stehen bleiben. Er wollte Amber von sich schieben, ehe sein Kopf oder sogar sein ganzer Körper vor Wollust explodierten, aber genau in diesem Moment wanderten ihre teuflischen kleinen Hände etwas tiefer, und Scott war es egal, ob er jetzt sterben musste. Hauptsache, Amber hörte nie mehr mit diesem herrlichen Spiel auf.

Sie zog seinen Kopf zu sich herab und presste ihre Wange gegen die seine. Der dichte Bart kitzelte ihre empfindliche Haut. Scott hielt sie so fest, dass sie kaum atmen konnte. Jeder Muskel seines Körpers war hart wie Stahl. Dann, ganz plötzlich, stieß er den Atem aus, und sein Körper entspannte sich wie ein Pfeil, der von der Sehne schnellt.

„So was“, knurrte Scott, das Gesicht an ihre Schulter gelehnt. „Das ist mir ja seit meiner Teenagerzeit nicht mehr passiert.“

Ambers Lachen klang wie das Schnurren einer satten Katze. „Und das hier, mitten auf der Straße.“

Ihre Stimme erregte Scott aufs Neue. Er hob den Kopf und schob sie ein Stück von sich.

„O Gott!“, murmelte er. „Du bringst einen ja um den gesunden Menschenverstand. Lass uns bloß von hier verschwinden.“ Unwillig gab er Amber frei und trat schwer atmend ein paar Schritte zurück. „Ich bringe dich wohl besser nach Hause“, stöhnte er leise.

Das Verlangen in ihm war schon wieder übermächtig, aber er beherrschte sich. Er wollte diese einmalige Frau nicht heute genießen, nicht in diesem wahnsinnigen Rausch, der ihn wie einen pubertierenden Vierzehnjährigen überrollen und mitreißen wollte. Das Pochen und Drängen in seinen Lenden kündigte bereits eine zweite Explosion an. Es würde nur weniger Berührungen bedürfen, um die Erlösung herbeizuführen. Am liebsten hätte er diese sofort an Ort und Stelle gesucht, aber da spürte er Ambers wissende Blicke auf sich ruhen und errötete tatsächlich wie ein Schuljunge, den man gerade dabei erwischt hatte, wie er seiner Lehrerin in den Ausschnitt linste.

Kleine Hexe, dachte er voll grimmiger Lust, dich zähme ich, verlass dich drauf. Mich wirst du nicht mehr so schnell los, du gehörst mir, mit Haut und Haaren.

Eilig ging er ihr voran zu dem roten Zweisitzer, der vor dem King Kamehameha stand. Scott traute sich nicht einmal ihre Hand zu nehmen, denn Amber wirkte auf ihn wie Champagner. Anregend wie eine Droge und absolut gefährlich. Wer sie einmal in den Armen halten durfte, war sofort und unheilbar süchtig nach ihr. Nein, Amber war keines dieser Abenteuer für eine Nacht. Bei ihr ging es um mehr – um sehr viel mehr! Plötzlich war ihm alles egal. Nach vielen losen Sexbekanntschaften wollte er endlich die große, echte brennende Leidenschaft erleben. Wie das gehen sollte? Er wusste es noch nicht, nur, dass er Amber besitzen wollte, das wusste er ganz genau.

„Wie spät ist es?“, wollte Amber nach einem prüfenden Blick zum Himmel wissen, der sich vom tiefen Blauschwarz in ein immer heller werdendes Steingrau wandelte.

Scott griff in die Hosentasche und zog eine goldene Uhr heraus. „Viertel vor fünf.“

Amber hielt seine Hand fest, ehe er die Uhr wieder einstecken konnte.

„Ein schönes Stück“, stellte sie mit Kennerblick fest.

„Ich umgebe mich nur mit schönen Dingen“, lächelte er und hauchte ihr rasch einen Kuss auf die Wange. Dann bückte er sich, um für Amber die Beifahrertür zu öffnen. Während sie es sich in den Lederpolstern bequem machte, beobachtete sie Scott, der um den Wagen herum zur Fahrerseite ging.

„Warum versteckst du die schöne Uhr in der Hosentasche, in der sie niemand sehen kann?“, fragte sie, als er hinter das Steuer gerutscht war.

Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss und startete den Motor. „Ganz einfach, weil es eine Taschenuhr ist“, grinste er dabei. „Schon gut“, lenkte er ein, als er ihren empörten Gesichtsausdruck sah. „Ich weiß, ich weiß. Aber das schmucke Kettchen, an dem ich sie sonst trage, passt absolut nicht zu diesem Outfit. Deshalb habe ich sie dezent versteckt.“

„Sie ist sehr wertvoll“, stellte Amber fest, obwohl sie die Uhr eigentlich gar nicht mehr interessierte. Sie wollte nur verhindern, dass die Unterhaltung einschlief.

„Ja.“ Scott beobachtete den Verkehr, ehe er seinen Wagen geschickt einfädelte. „Ein Erbstück meines Urgroßvaters.“

Amber starrte aus dem Seitenfenster auf die morgendliche Straße. Die Stadt erwachte aus ihrem rastlosen Schlaf, und ihr Puls beschleunigte sich wieder.

„Stammst du aus einer großen Familie?“

Scotts Lachen klang ein wenig herablassend und spöttisch. „Ich kann meine Vorfahren bis zur Mayflower zurückverfolgen.“ Er schaltete und wechselte auf die mittlere Fahrspur. „Alle meine Altvorderen waren sehr ehrgeizig und äußerst erfolgreich. Aber die weitaus größten Erfolge haben mein Grandpa, mein Vater und ich erzielt.“

„Und die Uhr?“

„Wie ich schon sagte, ein Erbstück meines Urgroßvaters oder, um ganz genau zu sein, meines Urururgroßvaters“, antwortete Scott voller Stolz. „Nur ein männlicher Nachkomme kann sie erhalten, und das auch nur, wenn er besondere Verdienste vorzuweisen hat.“

„Aha“, murmelte Amber ein klein wenig beeindruckt, aber auch verärgert, denn dieser Typ gab mit seinen Vorfahren und Erbstücken an. „Und du bist garantiert der Spitzenreiter in der Familienhitliste, stimmt’s?“

Scott entging der leise Hohn in ihrer Stimme durchaus nicht. „Ja“, sagte er, und seine Stimme klang irgendwie metallisch. „Das bin ich. Bisher habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Diese Uhr ist der Beweis meines Erfolges.“ Er nahm die Hand vom Lenkrad und schob sich eine Haarsträhne aus der Stirn. „Wo wohnst du eigentlich?“

Amber hielt die Luft an. Wohin sollte sie Scott dirigieren?

„Im Darlington“, schwindelte sie kurzentschlossen. Es war der Name des erstbesten Hotels, der ihr einfiel. Eine gute Wahl, wie ihr gleich darauf bewusst wurde, denn das Darlington gehörte zu den Häusern mittlerer Preisklasse. Nicht zu billig aber auch nicht zu teuer. Für Ambers Verhältnisse daher vollkommen glaubwürdig.

Als der Porsche vor dem Hotel hielt, tastete sie eilig nach dem Türgriff.

„Ich sehe dich nachher im Moe’s“, versprach Scott, aber in Ambers Ohren klang es fast nach einer Drohung.

Sie antwortete nicht, sondern stieg aus dem Auto und eilte auf das Portal zu, vorbei an dem verschlafenen Doorman, der keinerlei Notiz von ihr nahm. Als die automatischen Glastüren hinter ihr zuglitten, heulte draußen der Motor des eleganten Sportwagens auf.

Gelassen erwiderte Amber den misstrauischen Blick des Empfangschefs hinter seinem Tresen. „Rufen Sie mir bitte ein Taxi.“ Amber schenkte ihm eines ihrer besonders harmlosen Lächeln, von denen sie wusste, dass ihnen niemand widerstehen konnte. Es verfehlte auch bei diesem Mann seine Wirkung nicht. Er riss sofort den Hörer ans Ohr und tippte eine Kurzwahlnummer ein, um Amber nur Sekunden später dienstbeflissen zu versichern, dass bereits ein Wagen für sie unterwegs sei.

Amber dankte ihm und verließ das Foyer. Keine fünf Minuten später saß sie in den Polstern eines Mietwagens, der sie durch den dichter werdenden Morgenverkehr von Dallas in die Außenbezirke brachte. Dorthin, wo ihr umgebauter Überlandbus auf sie wartete.

Er musste den Verstand verloren haben! Wie hatte er nur auf die Idee kommen können, diese Frau in ihr Hotel zu bringen, anstatt sie mit sich nach Hause und in sein Schlafzimmer zu nehmen? Er hätte sie bumsen sollen, bis ihm vor Schwäche schwindlig wurde. Von vorne, von hinten im Liegen und im Stehen. Ganz egal in welchen Stellungen, nur vögeln bis der Arzt kommt! Und was tat er stattdessen? Er saß mit der prächtigsten Latte, die er jemals gehabt hatte, in diesem verdammten Auto und konnte an nichts anderes denken als an diese herrlichen Brüste, die er vorhin in seinen Händen gehalten hatte.

Sie waren die reinsten Paradiesäpfel. Voll und rund und fest, wie ihr ganzer Körper. Ganz sicher war ihre Pussy wunderbar eng und wurde ganz heiß, wenn sie sich vor Lust kaum noch halten konnte. Eine von diesen glühenden Mösen, die sich beim Orgasmus so fest zusammenzogen, dass der Schwanz in ihnen gefangen war wie in einem Schraubstock. Und dann saugten diese Mösen ihm den Saft bis auf den letzten Tropfen heraus, während er vor Geilheit total verrückt wurde.

Ja, Scott konnte es sich sehr gut vorstellen, wie sich der Sex mit Amber anfühlte, und er verfluchte einmal mehr seinen romantischen Entschluss, nicht gleich aufs Ganze zu gehen, sondern die Sache in Häppchen zu genießen.

Wütend auf die eigene Dummheit scheuchte er seinen Porsche in die Garage, stieß die Verbindungstür zum Haus auf und eilte die Stufen in die erste Etage hinauf. Seine Erektion wurde allmählich schmerzhaft. Mit einem Aufstöhnen ließ Scott sich aufs Bett fallen, öffnete die enge Jeans und schob die Unterhose beiseite. Er hatte wirklich die gewaltigste Latte seines Lebens. Sie war so dick, dass seine Finger sie kaum umspannen konnten. Die Eichel war heiß und rot. Während er die Hand an dem riesigen Stab auf und ab wandern ließ, stellte er sich vor, wie Ambers Lippen die pralle, hoch empfindliche Eichel liebkosten, was ihm sicherlich ein noch viel größeres Vergnügen bereiten würde. Mit der Linken fasste er nach seinen Hoden, die riesengroß und hart waren. Er begann sie zu streicheln und zu kitzeln, während sich seine Hand an seinem Schwanz immer schneller auf- und abwärts bewegte.

Endlich spürte er, wie sich alles in seinem Unterleib zusammenzog. Sein Herzschlag beschleunigte sich, das Atmen fiel ihm immer schwerer und dann, endlich, nach einer Ewigkeit, wie es ihm schien, kam endlich die Erlösung. Er stöhnte leise, als sich seine Lust mit einem Schwall warmen Liebessaftes entlud. Danach blieb er noch eine Weile schwer atmend liegen und lauschte dem verklingenden Hochgefühl nach, das ihm zwar Erlösung, aber nicht die vollendete Befriedigung gebracht hatte, wie er sie bei einer Frau erlebte.

Mit einem ärgerlichen Laut zog Scott schließlich seine Jeans und Unterhose hoch und stand auf. Seine Gedanken wollten schon wieder zu Amber abdriften.

Er brauchte dringend eine kalte Dusche.

Amber erwachte vom aromatischen Duft frisch aufgebrühten Kaffees. Sie streckte sich und blinzelte verschlafen in die milchige Dämmerung, in die das dunkelbraune Rollo vor dem Fenster ihre winzige Kabine tauchte. Mit einem Ruck erhob sie sich und tappte auf bloßen Füßen über den Gang in die enge Duschkabine. Die Jungs hatten ihr genügend Wasser übriggelassen, so dass es für einen kurzen Schauer reichte.

Während sie sich abfrottierte, dachte sie an den kommenden Abend. Scott McPherson würde sicher wieder im Moe’s auftauchen, das hatte er ja bereits angekündigt. Er war ein zuverlässiger Typ, der hielt, was er versprach. Und er gehörte zu dem Schlag Männer, die bei Frauen nur die ehrenhaftesten Absichten hegten. Zumindest nahm er sich vor, ehrenhaft zu handeln. Das hieß im Klartext: Scott McPherson ließ ein Mädchen nach einem schnellen Fick nicht einfach sitzen, sondern er legte wenigstens eine rote Rose auf den Nachttisch.

Amber lächelte in der Erinnerung an die vergangene Nacht ihrem Spiegelbild über dem Waschbecken freundlich zu. Mit energischen Bürstenstrichen begann sie das lange Haar zu bändigen, bis es glatt und glänzend über ihren Rücken floss. Dann flocht sie es zu einem dicken Zopf und machte sich nach einem letzten zufriedenen Blick in den Spiegel und nur mit einem Handtuch bekleidet auf den Rückweg. Nachdem sie in ihre abgeschnittenen Jeans und ein gelbes Sonnentop geschlüpft war, begann sie die Bühnengarderobe für den heutigen Abend auszusuchen. Mit kritisch gerunzelter Stirn stand sie unschlüssig vor dem Einbauschrank und betrachtete die zum Teil aufwändigen Kostüme.

Sie stammten aus Garagenflohmärkten und Haushaltsauflösungen. Manche waren richtig alte, wunderschöne Stücke, die Amber mit äußerster Vorsicht behandelte. Die meisten hatte sie jedoch mit viel Fantasie und allen möglichen Accessoires aufgepeppt. So war aus manchem langweiligen Hausfrauen-Unterkleidchen ein sexywitziges Bühnenoutfit geworden, das selbst ihre ehemaligen Besitzerinnen nicht mehr wiedererkannt hätten. Zuletzt entschied sie sich für eine hautenge Lederhose und ein spitzenbesetztes weißes Mieder, das sie vor Kurzem in einem Secondhand-Shop in Murphy erstanden hatte. Dazu passten hochhackige Cowboyboots und ein breiter, mit Fransen und Nieten verzierter Ledergürtel. Zuletzt suchte sie noch frische Unterwäsche und ein zweites Mieder heraus, diesmal ein schwarzes, aus glänzendem Satin, das vorne mit schwarzen Samtbändern zusammengeschnürt wurde. Es sollte nach ihrem Auftritt Scott McPherson um den Verstand bringen.

Sie legte alles in die überdimensionale Basttasche und hängte die Sachen, die sie gestern getragen hatte, zum Lüften ans geöffnete Fenster.

Brian stand mit dem Rücken zur Tür in der Küchenkabine und hantierte mit einer Pfanne. Amber versetzte ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken, ehe sie in der engen Essecke Platz nahm.

„Du warst lange aus“, bemerkte Brian, der ihr mit der Pfanne in der Hand gefolgt war.

Amber beschloss, den anklagenden Ton in seiner Stimme zu ignorieren, und goss für sie beide Kaffee in die hohen Becher, die bereits auf dem Tisch standen.

„Was’n das für’n Kerl?“, wollte Brian trotzdem hartnäckig wissen.

Amber nahm ihm die Pfanne aus den Händen und stellte sie auf den Tisch. „Es ist nur eine vorübergehende Sache.“

Brian sah mit zusammengezogenen Brauen zu, wie Amber ihm eine Portion Schinken und Ei auf den Teller häufte.

„Das ganze Leben ist vorübergehend“, philosophierte er dabei. „Aber die Liebe sollte es nicht sein.“

„Ach, Brian, Liebster!“ Amber stellte die Pfanne auf den Tisch. „Jetzt hör auf zu schmollen und zu kritteln. Ich habe keine Lust auf tiefschürfende Analysen meines Sexlebens.“

„Irgendwann erwischst du mal den Falschen“, prophezeite Brian mit ernster Miene. „Einen, der sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Dann wirst du dein blaues Wunder erleben.“

Amber kniff die Augen zusammen, was ihrem Gesicht etwas noch Katzenhafteres verlieh.

„Das wird mir ganz bestimmt nicht passieren“, weissagte sie mit dunkler Stimme. „Der Letzte, der geglaubt hat, mir zeigen zu müssen, wo es seiner Meinung nach langgeht, hat danach nie wieder neue Hosen gebraucht.“

Im nächsten Moment lächelte sie unbefangen, so dass Brian sich fragte, ob Amber das eben tatsächlich gesagt, oder ob er gerade halluziniert hatte.

„Die Eier sind superlecker“, lobte sie ihn.

Verwirrt senkte Brian den Kopf über seinen Teller.

„Zu trocken“, nörgelte er zwar, kaute aber weiter. „Der Mann sah sehr selbstsicher aus.“

Amber grinste von einem Ohr zum anderen. „Dein Typ, ja? Soll ich ihn dir ein bisschen weich kochen, und dann nehmen wir ihn uns beide vor?“

Jetzt war er beleidigt. Reuig blickte sie in das abweisend verschlossene Gesicht ihres Gegenübers und wünschte sich sehnlichst, die letzte Bemerkung runtergeschluckt zu haben. Brian war der Jüngste in der Truppe. Ein androgyner Typ mit schulterlangen blonden Haaren, großen Blauaugen und einer Haut wie Milch. Amber beneidete ihn glühend um seine langen Wimpern, die seinem Blick etwas Verträumtes gaben. Wäre er ein Mädchen geworden, hätte er wahrscheinlich nur Rüschen und Schleifen getragen. Aber in seinem Bemühen männlich zu wirken, damit ja niemand merkte, dass er auf Männer stand, verkleidete er sich oft derartig, dass er wie eine Karikatur wirkte. Irgendwann, daran zweifelte Amber keine Sekunde, würde ein älterer, väterlicher Typ auftauchen, der Brian unter seine Fittiche nahm, und dann würde der sensible Banjospieler irgendwo in Frisco oder L.A. in einer schicken Penthousewohnung hocken und auf Papis Banjo spielen.

Amber machte sich, was die Zukunft der Dogtemps anging, keine Illusionen. Zwar gehörten Caleb und Collin nicht zu den häuslichen Menschentypen, die von Ehefrau, Kindern, Haus und Hund träumten, aber mit ihren inzwischen fünfunddreißig und siebenunddreißig Jahren hatten sie ihren Traum von der großen Karriere längst aufgegeben. Sie würden es, wenn überhaupt, höchstens nur noch als Vorgruppe für die bekannten Countrystars auf die großen Bühnen der Staaten schaffen. Als Band, die die Massen in die Stadien und Hallen lockte, fehlte ihnen einfach das gewisse Quäntchen Extraklasse und Glück.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Caleb oder Collin irgendwo bei einem Halt an einem Truckstopp ihre Instrumente schnappten und den Bus verließen, um sich in irgendeiner Kleinstadt ihre kleine, enge, heile Welt aufzubauen, und dann würde Amber zusehen müssen, wie es mit ihr weitergehen sollte. Dass sie einmal heiraten und die brave Hausfrau und Mutter spielen würde, konnte sie sich bei aller Fantasie nicht vorstellen. Sie hatte gesehen und erlebt, was aus großen Gefühlen wurde. Männer waren nichts weiter als schwanzgesteuerte Geschöpfe, die man wunderbar zum Bumsen brauchen konnte, aber Gefühle sollte man besser nicht an sie verschwenden. Sobald man dies tat, begannen sie mit ihren groben Stiefeln darauf herumzutrampeln und das, soviel stand für Amber fest, würde sie sich von keinem dieser unterbelichteten Y-Chromosomenträger gefallen lassen.

Sie stand auf und trug ihren Teller zur Spüle.

„Ich bin weg“, teilte sie Brian mit, der mit verkniffenem Gesicht vor seiner Tasse saß und brütete.

Eigentlich hätte sie den Abwasch erledigen müssen, aber Brians dumpfe Stimmung und die stickige Luft im Bus trieben sie nach draußen. Sie würde sich irgendwo ein ruhiges Plätzchen suchen, die Gitarre umbinden und ihre Gesangsübungen machen. Platz gab es da draußen ja wirklich zur Genüge.

Pünktlich um acht Uhr öffnete das Moe’s seine Tore. In der ersten Stunde ging es noch recht ruhig zu, und Amber ließ sich Zeit für ihr Make-up. Als sie das Lokal eine Stunde später betrat, hatte sich der Raum erheblich gefüllt. Brian reichte ihr die Gitarre. Während Amber ihre Position einnahm und das Mikrophon einstellte, wanderten ihre Blicke über den Saal.