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Inhaltsverzeichnis

Buch
Autorin
Widmung
VORWORT
EINLEITUNG - Der Norden und der Süden des Temperaments
TEIL I - Das Ideal der Extraversion
KAPITEL 1 - Der Aufstieg des »wirklich netten Kerls«
KAPITEL 2 - Der Mythos der charismatischen Führung
KAPITEL 3 - Eine Überdosis an kreativer Zusammenarbeit
TEIL II - Unsere Biologie, unser Selbst
KAPITEL 4 - Ist Temperament Schicksal?
KAPITEL 5 - Jenseits des Temperaments
KAPITEL 6 - Franklin und Eleanor
KAPITEL 7 - Warum die Wall Street zusammenbricht, während Warren Buffett immer reicher wird.
KAPITEL 8 - Die Macht der Sanftmut
TEIL III - Formen der Liebe und Arbeit für Introvertierte
KAPITEL 9 - Introvertiert in einer extravertierten Welt
KAPITEL 10 - Die Kommunikationslücke
KAPITEL 11 - Über Schuster und Generäle
TEIL IV - Ergänzung zur Taschenbuchausgabe
KAPITEL 12 - Die Bedeutung der Introvertierten in einer lauten Welt
KAPITEL 13 - Tipps für introvertierte Leser: Wenn Sie eine Rede halten müssen
KAPITEL 14 - Tipps für Eltern eines introvertierten Kindes
KAPITEL 15 - Tipps für Pädagogen
KAPITEL 16 - Ein kurzes Interview mit Susan Cain über ihre Leidenschaft für stille Menschen
KAPITEL 17 - Introvertierte Charaktere in der Literatur
SCHLUSS - Wunderland
ANHANG
Zur Widmung
Zur Terminologie
Anmerkungen und Quellenangaben
Danksagung
Register
Copyright

Danksagung

Ohne die Hilfe vieler Freunde, Angehöriger und Kollegen würde es dieses Buch nicht geben.

Hier möchte ich vor allem Richard Pine erwähnen, den klügsten, gewitztesten und anständigsten Literaturagenten, an den ein Autor überhaupt geraten kann. Richard glaubte unerschütterlich an das Projekt, noch bevor ich es tat. Es war auch ein Vergnügen, mit dem gesamten Team von InkWell zu kooperieren, darunter Ethan Bassoff, Lyndsey Blessing und Charlie Olsen.

Ich bin wahrscheinlich die einzige Autorin auf der ganzen Welt, die das Glück hatte, nicht nur mit einem, sondern gleich vier begabten und sensiblen Lektoren zusammenzuarbeiten: Mary Choteborsky, Jenna Ciongoli, Peter Guzzardi und Rachel Klayman. Mein Dank geht an sie alle. Ohne ihre Bemühungen hätte das Buch nicht die vorliegende Form angenommen.

Gerhard Riemann vom Riemann Verlag hat das Projekt vom Augenblick unserer Zusammenarbeit an freundlich, großzügig und außerordentlich kompetent unterstützt, wofür ich ihm herzlich danken möchte.

Emotionale Unterstützung und hilfreiche Ratschläge wurden mir auch von unzähligen Freunden zuteil: Marco Acevedo, Marci Alboher, Nancy Ancowitz, Andrew Ayre, Gina Bianchini, Tara Bracco, Janis Brody, Greg Bylinksy, David Callahan, Helen Churko, Ben Dattner, Abby Ellin, Ben Falchuk, Aaron Fedor, Sheri Fink, David Gallo, Rhonda Garelick, Christy Fletcher, Margo Flug, Jennifer Gandin Le, Chris Le, Michael Glass, Leeat Granek, Amy Gutman, Jamelyn Johnson, Jennifer Kahnweiler, Jeff Kaplan, Christine Kenneally, Rachel Lehmann-Haupt, Margot Magowan, Courtney Martin, Lawrence Mendenhall, Furaha Norton, Katie Orenstein, Wendy Paris, Annie Paul, Pamela Paul, Alissa Quart, Paul Raeburn, Kathy Rich, Gretchen Rubin, Gina Rudan, Jon Sichel, Deborah Siegel, Marisol Simard, Rebecca Skloot, Brande Stellings, Linda Stone, Rebecca Wallace-Segall, Jeremy Wallace-Segall, Sree Sreenivasan, Brande Stellings, Tim Stock, Jillian Straus, Stacy Sullivan, Maia Szalavitz, Ruti Teitel, Seinenu Thein, Marie Lena Tupot, Jacquette Timmons, Naomi Wolf, Cali Yost, Sam Walker und Harriet Washington.

Mein besonderer Dank geht auch an meine beiden ältesten Freundinnen, Cathy Lankenau-Weeks und Judith Van Der Reis, die mir geduldig die Treue hielten, obwohl ich in den Jahren der Entstehung dieses Buches wenig Zeit für Gespräche und Besuche hatte.

Wunderbare Augenblicke der Inspiration, die ich am liebsten für immer konservieren möchte, verdanke ich den Besitzern des Amagansett Cottage, Alison (Sunny) Warriner und Jeanne Mclemore, und den Inhabern des Doma Café in Greenwich Village, in dem meine Karriere als Autorin begann.

Ich möchte auch nicht die vielen Menschen unerwähnt lassen, die bei den verschiedenen Aspekten des Entstehungsprozesses des Buches mitgewirkt haben: Bill Cunningham, Mark Colodny, Suzy Hansen, John Thompson, Ko-Shin Mandell, Dave Smith, Gregory Samanez-Larkin, Aaron Fedor, Andres Richner, Robert Stelmack, Helen Wan, Georgia Weinberg, Stephen Schueller und Jill Ellyn Riley.

Weiter geht mein Dank an die Menschen, über die ich hier geschrieben habe. Viele von ihnen sind zu Freunden geworden: Michel Anteby, Elaine Aron, Jay Belsky, Jon Berghoff, Hung Wei Chien, Wayne Cascio, Boykin Curry, Tom DeMarco, Richard Depue, Dr. Janice Dorn, Anders Ericsson, Jason Fried, Adam Grant, William Graziano, Stephen Harvill, Richard Howard, Jadzia Jagiellowicz, Roger Johnson, Jerry Kagan, Camelia Kuhnen, Tiffany Liao, Brian Little, Richard Lippa, Guy Kawasaki, Adam McHugh, Mike Mika, Emily Miller, Jerry Miller, Purvi Modi, Joseph Newman, Quinn Mills, Preston Ni, Carl Schwartz, Mark Snyder, Jacqueline Strickland, Avril Thorne, David Weiss, Shoya Zichy und Mike Wei.

Viele andere, die im Buch nicht namentlich erwähnt wurden, haben mir großzügig ihre Zeit und ihr Wissen zur Verfügung gestellt und mir wichtige Impulse gegeben: Anna Allanbrook, Dawn Rivers Baker, Susan Blew, Ben Dattner, Jonathan Cheek, Jeremy Chua, Dave Coleman, Matthew Davis, Scott Derue, Carl Elliott, Brad Feld, Kurt Fischer, Donna Genyk, Stephen Gerras, Lenny Gucciardi, Anne Harrington, James McElroy, Alex Forbes, Naomi Karten, Richard Mcnally, Greg Oldham, Kenneth Olson, Christopher Peterson, Lise Quintana, Lena Roy, Chris Scherpenseel, Hersh Shefrin, Nancy Snidman, Sandy Tinkler, Virginia Vitzthum, David Winter, E. O. Wilson und Patti Wollman.

Vor allem aber bin ich meinen Angehörigen für ihre Liebe, ihre Unterstützung und ihr Dasein dankbar: Lawrence und Gail Horowitz, Barbara und Steve Schnipper, Mitchell Horowitz, Lois und Murray Schnipper, Al und Bobbi Cain, Steve und Gina Cain und Heidi Postlewait.

Ganz zuletzt möchte ich meinem geliebten Kenneth (Gonzo) sowie Sammy und Elishku danken, die mein Leben an jedem Tag von Neuem mit Glück, Weisheit und Liebe erfüllen.

Zur Widmung

Mein Großvater war ein leiser, vornehm gekleideter Mann mit wehendem Silberhaar, einem stacheligen Bart und großen mitfühlenden blauen Augen. Er hatte eine feine Art, an Menschen das hervorzuheben, was hervorzuheben war, besonders an Kindern. In seinem Viertel in Brooklyn, wo er Rabbi war, begegnete man auf den Bürgersteigen Männern in schwarzen Hüten, Frauen mit knielangen Röcken und ungeheuer gut erzogenen Kindern. Auf dem Weg zur Synagoge grüßte er die Passanten freundlich, staunte über die Intelligenz des einen Kindes, die Körpergröße des nächsten und die Welterfahrenheit eines dritten. Die Kinder liebten ihn, Geschäftsleute respektierten ihn, verlorene Seelen klammerten sich an ihn.

Er war auch ein Gelehrter. In seiner kleinen Wohnung, die er jahrzehntelang als Witwer allein bewohnte, hatten sämtliche Möbel ihre ursprüngliche Funktion verloren und dienten stattdessen als Ablage für Stapel von Büchern: hebräische Texte mit Goldschnitt neben Margaret Atwood und Milan Kundera. Mein Großvater saß an seinem winzigen Küchentisch im Lichtkegel einer Neonlampe, mit einem aufgeschlagenen Buch auf der weißen Baumwolltischdecke, schlürfte Lipton-Tee und naschte Marmorkuchen. In seinen Predigten, in denen er altes und humanistisches Gedankengut miteinander verwob, teilte er mit seiner Gemeinde die Früchte seiner Studien in der betreffenden Woche. Oft waren in der Synagoge nur noch Stehplätze frei.

Meine übrige Familie nahm sich ihn zum Vorbild. Bei uns zu Hause war Lesen die hauptsächliche Gemeinschaftsaktivität. Samstagnachmittags machten wir es uns mit einem Buch in der Stube bequem. Es war das Beste aus beiden Welten: Man genoss die animalische Wärme der Familie, die direkt neben einem saß, und konnte gleichzeitig in der Abenteuerwelt der eigenen Gedanken umherstreifen.

Doch noch vor meinem zehnten Geburtstag fing ich an mich zu fragen, ob mich dieses ständige Lesen nicht »ins Abseits« brachte, ein Verdacht, der sich zu erhärten schien, als ich mit zehn ins Sommercamp fuhr und beobachtete, wie ein Mädchen mit dicken Brillengläsern, einer hohen Stirn und renitentem Verhalten sich am ersten Tag des Zeltlagers, der ganz besonders wichtig war, weigerte, ihr Buch wegzulegen, und damit sofort zur Ausgestoßenen wurde. Ich hätte auch sehr gern gelesen, ließ aber meine eigenen Bücher unberührt im Koffer liegen (obwohl ich mich deswegen schuldig fühlte, als würden die Bücher mich brauchen und ich hätte sie verraten). Ich beobachtete, wie dieses Mädchen, das einfach weiterlas, von anderen gemieden wurde, weil es ein Bücherwurm und reserviert war – was ich ebenfalls war und, wie mir dort klar wurde, so gut es ging verstecken musste.

Nicht allzu lange nach diesem Sommer war ich eines Abends mit einigen Freundinnen unterwegs. Wir fingen ein Gespräch mit einem gut aussehenden Teenager an, der, wie sich herausstellte, aus dem Viertel in Brooklyn kam, wo mein Großvater wohnte. Aufgeregt stieß ich den Namen meines Großvaters hervor und hoffte, mich im Glorienschein der Tatsache sonnen zu können, dass ich mit einem solchen Menschen verwandt war.

»Ja klar«, sagte der Frechdachs im Beisein meiner Freundinnen, »das ist doch der Rabbi in der Synagoge ein paar Straßenecken weiter – nicht sehr dynamisch, ein bisschen menschenscheu, stellt keinen Augenkontakt her, wenn er predigt, oder nicht?« Und der Junge fing an, den Gang meines Großvaters nachzuahmen, der damals in den Achtzigern war und am Stock langsam und gebückt durch die Synagoge schlurfte.

Mir drehte sich der Magen um. Wie konnte er nur wagen, so zu reden? Wenn ich ein anderer Mensch gewesen wäre, hätte ich ihm eine Ohrfeige gegeben. Da ich aber war, wie ich war, fing ich an, mir Sorgen zu machen. Wenn selbst mein verehrter Großvater als eine dieser menschenscheuen, belesenen Figuren wie das Mädchen aus dem Zeltlager angesehen wurde – welche Hoffnung blieb mir dann? Ich betrachtete meinen Großvater mit neuen Augen. War er gelehrt oder ein Büchernarr? War er freundlich und rücksichtsvoll oder die Sorte Mensch, die sich zu viel über mitmenschliche Dinge Sorgen machte? Was war davon zu halten, dass er Telefongespräche abrupt beendete, aus Angst, einem anderen Menschen die Zeit zu stehlen, oder dass er sich für eine eingebildete Kränkung entschuldigte, die er meinte, einem anderen vor Wochen zugefügt zu haben? Und war es nicht furchtbar, dass auch ich diese Eigenschaften hatte?

Aber es war nicht furchtbar. Mein Großvater war ein großartiger Mann, ungeachtet der Einschätzung des frechen Kerls. Als er im Alter von 94 Jahren starb, nach 62 Jahren auf der Kanzel, musste die New Yorker Polizei die Straßen im Viertel sperren, um den Ansturm der Trauergäste in geordnete Bahnen zu lenken. Er wäre überrascht gewesen, wenn er das gewusst hätte. Heutzutage denke ich, dass eine seiner besten Eigenschaften seine Demut war.

Dieses Buch ist voller Liebe der Familie meiner Kindheit gewidmet. Meiner Mutter, die unermüdlich am Küchentisch ruhige Gespräche mit ihren Kindern führte; sie hat uns die kostbare Gabe der Nähe geschenkt, und ich kann von Glück sagen, eine so hingebungsvolle Mutter zu haben. Meinem Vater, einem inspirierenden, sich aufopfernden Arzt, der uns durch sein Beispiel die Freuden gelehrt hat, stundenlang am Schreibtisch zu sitzen und sich neues Wissen anzueignen (in seinem Fall, um die Unheilbaren zu heilen). Meinen Geschwistern, die mit mir von klein auf die Wärme und Zuneigung teilten, die aus dem Zusammensitzen und gemeinsamen Lesen entstehen. Meiner Großmutter für ihre Festigkeit, ihren Mut und ihre Fürsorge.

Und der Erinnerung an meinen Großvater, der so beredt die Sprache der Stille sprach.

Zur Terminologie

In diesem Buch geht es um Introversion aus kultureller Sicht. Eines seiner Hauptanliegen ist die uralte Dichotomie zwischen dem »Handlungsmenschen« und dem »kontemplativen Menschen«  – und wie wir die Welt verbessern könnten, wenn es einen besseren Machtausgleich zwischen diesen beiden Typen gäbe. Es handelt von Menschen, die sich irgendwo in dem folgenden Spektrum von Eigenschaften wiederfinden: reflektiv, intellektuell, an Büchern interessiert, unprätentios, hochsensibel, nachdenklich, ernst, kontemplativ, subtil, introspektiv, innengeleitet, freundlich, sanft, demütig, die Einsamkeit liebend, schüchtern, risikoscheu, dünnhäutig. Und es geht auch um ihr Gegenteil: die »Tatmenschen«, die überschwänglich, raumfüllend, kontaktfreudig, gesellig, schnell zu begeistern, dominant, selbstbewusst, aktiv, risikofreudig, dickhäutig, außengeleitet, unbeschwert und forsch sind und sich im Rampenlicht wohlfühlen.

Diese kulturelle Einstellung prägt mein Verständnis der Begriffe introvertiert und extravertiert. Wenn Sie mit zeitgenössischer Persönlichkeitspsychologie vertraut sind, haben Sie möglicherweise eine etwas andere Auffassung von diesen Eigenschaften, als ich sie in diesem Buch vertrete. Unter dem Thema Introversion/Extraversion erörtere ich nicht nur die Neigung, soziale Kontakte zu suchen beziehungsweise zu vermeiden, das Vorhandensein von Begeisterungsfähigkeit beziehungsweise den Mangel an ihr, sondern auch die Neigung (oder fehlende Neigung) zum Nachdenken, zu einem reichen Innenleben, einem strengen Gewissen sowie einem gewissen Maß an Angst, Schüchternheit und Risikovermeidung.

Wenn Sie Anhänger des »Fünf-Faktoren-Modells« sind, sortieren Sie diese Eigenschaften vielleicht unter Kategorien ein, die unmittelbar nichts mit Introversion zu tun haben (nämlich Offenheit, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität). Ich verwende das Wort introvertiert mit Bedacht umfassender, indem ich auf die Einsichten des Fünf-Faktoren-Modells zurückgreife, aber auch die Erkenntnisse und Modelle anderer Psychologen mit einbeziehe, so das Jung’sche Denken über die von »unerschöpflichem Zauber« und subjektiver Erfahrung geprägte Innenwelt der Introvertierten, Jerome Kagans Forschung über Hochreaktivität und Angst (siehe Kapitel 4 und 5), Elaine Arons Werk über die Verarbeitung von Sinnesreizen und den Zusammenhang von Hochsensibilität mit Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit und intensivem Fühlen (Kapitel 6) sowie diverse Untersuchungen über die Beharrlichkeit und Konzentration, mit der Introvertierte an Problemlösungen herangehen, wovon vieles wunderbar in Gerald Matthews’ Arbeit zusammengefasst ist (Kapitel 7 und 10).

Tatsächlich wurden in der westlichen Kultur über 3000 Jahre lang die Eigenschaften in den oben genannten Konstellationen miteinander in Verbindung gebracht. Wie der Anthropologe C. A. Valentine einmal schrieb:

Die kulturelle Tradition des Westens beinhaltet von alters her die Vorstellung von einem menschlichen Spektrum, die weit verbreitet und die Zeiten überdauernd zu sein scheint. In populärer Form ist dies die bekannte Vorstellung vom praktischen, realistischen oder geselligen Tatmenschen im Gegensatz zum Denker, Träumer, Idealisten oder schüchternen Menschen. Die am häufigsten verwendeten Bezeichnungen, die in dieser Tradition auftauchen, sind die Typenbezeichnungen extravertiert und introvertiert. 1

Valentines Konzept der Introversion beinhaltet Wesenszüge, die die moderne Psychologie als Offenheit gegenüber Erfahrungen (»Denker, Träumer«), Gewissenhaftigkeit (»Idealist«) und Neurotizismus (»schüchterner Mensch«) klassifizieren würde. Eine lange Reihe von Dichtern, Wissenschaftlern und Philosophen hat ebenso dazu geneigt, diese Wesenszüge miteinander in Verbindung zu bringen. In der Genesis, dem ersten Buch der Bibel, haben wir den grüblerischen Jakob (einen »ruhigen Mann, der in Zelten wohnte«, der später »Israel« wird, was »jemand kämpft im Innern mit Gott« bedeutet) und seinen rivalisierenden Bruder, den verwegenen Esau (ein »geschickter Jäger« und »ein Mann des Feldes«).

In der klassischen Antike stellten die Ärzte Hippokrates und Galen die berühmte Hypothese auf, dass unsere Temperamente – und Schicksale – eine Funktion körperlicher Säfte seien, wobei uns ein Überschuss an Blut und gelber Galle zu Sanguinikern und Cholerikern mache (extravertiert), und ein Übermaß an Phlegma und schwarzer Galle zu Phlegmatikern und Melancholikern (introvertiert). Aristoteles notierte, dass das melancholische Temperament oft mit besonderen Leistungen in Philosophie, Dichtung und Kunst einhergehe. 2 (Heutzutage würden wir das als »Offenheit gegenüber Erfahrungen« klassifizieren.) Der englische Dichter John Milton aus dem 17. Jahrhundert schrieb die Gedichte Il Penseroso (»Der Gedankenvolle«) und L’Allegro (»Der Heitere«) und verglich die »glückliche Person«, die fröhlich auf dem Land umherstreift, aber auch die Stadt genießt, mit dem »nachdenklichen Menschen«, der meditativ durch nächtliche Wälder zieht und in einem »einsamen Turm« studiert. 3 (Heute würde, wie schon erwähnt, die Beschreibung von Il Penseroso nicht nur für die Introversion gelten, sondern auch für Offenheit und Neurotizismus.)

Arthur Schopenhauer stellte im 19. Jahrhundert »gut gelaunte« Menschen (energisch, aktiv und schnell gelangweilt) seinem bevorzugten Typ gegenüber, »intelligenten Menschen« (sensibel, fantasievoll und melancholisch). »Dieses merkt euch, ihr stolzen Männer der Tat!«, erklärte sein Landsmann Heinrich Heine. »Ihr seid nichts als unbewusste Handlanger der Gedankenmänner.« 4

Ursprünglich hatte ich vor, meine eigenen Begriffe für diese Eigenschaftsgruppen zu erfinden, aber entschied mich dagegen, hauptsächlich weil die Wörter introvertiert und extravertiert den Vorzug haben, einem allgemeinen Publikum gut bekannt zu sein.