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Jessica Gilmore, Scarlet Wilson, Sophie Pembroke

JULIA SAISON BAND 31

IMPRESSUM

JULIA SAISON erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
E-Mail: kundenservice@cora.de

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA SAISON
Band 31 - 2016 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg

© 2015 by Jessica Gilmore
Originaltitel: „Expecting the Earl’s Baby“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Natasha Klug

© 2015 by Scarlet Wilson
Originaltitel: „A Bride for the Runaway Groom“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Natasha Klug

© 2015 by Sophie Pembroke
Originaltitel: „Falling for the Bridesmaid“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Natasha Klug

Abbildungen: CaiaImageCLOSED / Getty Images, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 05/2016 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733707460

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

 

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Komm mit mir auf mein Schloss, Daisy!

PROLOG

„Oh nein!“

Daisy Huntingdon-Cross stand zitternd auf dem zugeschneiten Parkplatz und starrte ungläubig auf ihren Wagen. Wie ärgerlich!

Nein, ärgerlich war zu tief gegriffen. So fühlte man sich, wenn man Kaffee verschüttete oder eine nagelneue weiße Bluse mit Rotwein bekleckerte. Daisys Herz fing an wie verrückt zu hämmern, als sie die Schneeberge betrachtete, die sich um das Auto türmten. Das hier, dachte sie in wachsender Panik, ist eine ausgewachsene Katastrophe.

Als Hintergrund für die Hochzeitsfotos, die sie in den vergangenen Stunden geschossen hatte, mochte die Schneelandschaft ideal sein. Doch ihrem winzigen Stadtauto, das bis über die Räder eingeschneit war, versetzte dieses Wetter den Todesstoß.

Vorsichtig verlagerte Daisy das Gewicht der bleischweren Tasche auf ihre andere Schulter und sah sich um. Ihr Wagen war der einzige auf dem Parkplatz des Schlosses. Und sie selbst war der einzige Mensch hier weit und breit!

Ein Schauder rieselte ihren Rücken hinunter – und das lag nicht allein daran, dass sie in aufgeweichten Halbschuhen in der Eiseskälte stand.

Hawksley Castle war ein herrlich romantischer Ort für Veranstaltungen jeder Art, doch nur bei Tageslicht und wenn es im Dunkeln von farbigen Spots beleuchtet wurde. Ganz anders sah es aus, wenn man unterhalb der Brüstungsmauern stand, der große Wehrturm schroff über einem in den düsteren Nachthimmel ragte, und die einzige Form von Beleuchtung aus einer einzigen jämmerlichen Lampe am anderen Ende des Parkplatzes bestand.

Unter diesen Umständen wirkte der Ort nicht mehr romantisch, sondern eher wie die Kulisse für einen Horrorfilm.

„Was immer du auch tust – flüchte niemals in den Wald“, zitierte sie flüsternd eine Weisheit aus einem Gruselstreifen, der ihr in Erinnerung geblieben war. Nervös schaute sie über ihre Schulter zurück. Verflixt! War die ganze Situation nicht schon schlimm genug, auch ohne dass sie noch übersinnliche Kräfte mit ins Spiel brachte?

Erneut lief ein Zittern durch ihren Körper. Ihre Füße waren jetzt nicht mehr einfach nur kalt – sie glichen Eiszapfen. In der verzweifelten Hoffnung, durch Bewegung wieder ein wenig Leben in ihre gefrorenen Zehen zu bekommen, stapfte Daisy auf und ab. Dabei schalt sie sich innerlich.

Warum nur war sie zurückgeblieben, um zu fotografieren, wie die Hochzeitsgäste sich verabschiedeten und mit ihren Minibussen in Richtung Ortschaft davonfuhren? Sie hätte schon vor drei Stunden, als die Feier noch in vollem Gange war, verschwinden können. Lange bevor aus vereinzelt vom Himmel taumelnden Flöckchen ein regelrechter Schneesturm geworden war.

Aber nein, sie hatte es ja unbedingt noch eine Stufe weiter treiben müssen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, hatte Daisy einige Extras im Angebot. Dazu gehörte auch ihr Blog, auf dem sie bis Mitternacht eine Auswahl von Bildern des heutigen Events präsentieren wollte. Das zumindest hatte sie versprochen. Doch bis Mitternacht war es nicht mehr lange hin …

„Okay.“ Ihre Stimme klang erschreckend dünn. Dennoch erweckte es einen Anschein von Normalität, ihre Gedanken laut auszusprechen. „Möglichkeit eins – ich kann einfach bis in den Ort laufen. Es sind schließlich nur ein paar Meilen.“ Und vielleicht würde ein strammer Fußmarsch dabei helfen, ihre tiefgekühlten Zehen aufzutauen. „Möglichkeit zwei – ich versuche, den Wagen so gut es geht vom Schnee zu befreien.“ Zweifelnd ließ sie ihren Blick über den Parkplatz schweifen. Der immer stärker werdende Schneefall hatte bereits ihre Fußspuren zugedeckt. Es war, als würde sie auf einem dicken, sehr kalten weißen Teppich stehen. Einem knöcheltiefen Teppich, um genau zu sein. „Möglichkeit drei …“ Ihr fiel nichts mehr ein. Laufen oder schaufeln. Das war’s.

„Möglichkeit drei, ich besorge Ihnen ein paar Schneeketten.“

Überrascht keuchte sie auf, als eine – eindeutig männliche – Stimme hinter ihr die Stille durchdrang. Hastig wirbelte Daisy auf dem eisglatten Boden herum, verlor ihren Halt und taumelte direkt in zwei starke, in dickes Fleece gehüllte Arme.

Nun, zumindest hatte sie es nicht mit einem Geist zu tun. Vermutlich auch mit keinem Werwolf oder Vampir. Soweit sie wusste, trugen übersinnliche Kreaturen kein Fleece …

„Wo kommen Sie denn plötzlich her?“, fragte sie atemlos. „Sie haben mich zu Tode erschreckt.“ Daisy trat einen Schritt zurück und funkelte ihren potenziellen Retter ärgerlich an.

„Ich wollte gerade das Tor abschließen. Eigentlich dachte ich, alle Hochzeitsgäste wären längst fort.“ Er betrachtete Daisy skeptisch. „Sie sind für das Wetter nicht unbedingt angemessen gekleidet.“

„Ich war für eine Hochzeitsfeier gekleidet.“ Sie zupfte am Saum ihres Seidenkleids. „Allerdings bin ich kein Mitglied der Hochzeitsgesellschaft, sondern die Fotografin.“

Seine Mundwinkel zuckten. Das angedeutete Lächeln ließ seine so ernst wirkende Miene wärmer erscheinen. Attraktiver. Dieser Mann war groß. Größer als Daisy, die mit ihren eins achtzig die meisten ihrer männlichen Bekannten überragte. Sein dunkles Haar wirkte zerzaust und fiel ihm ins Gesicht.

„Fotografin oder Gast – ich vermute, Sie sind nicht unbedingt erpicht darauf, die Nacht hier draußen zu verbringen“, stellte er fest. „Ich werde also zusehen, dass ich ein Abschleppseil besorge, um diese Blechdose, die Sie Auto nennen, auf die Straße zu bekommen.“ Er hob eine Braue. „Sie sollten sich wirklich Winterreifen anschaffen.“

„Mein Wagen ist keine Blechdose, und in London besteht für Winterreifen kein besonders großer Bedarf.“

„Nun, Sie sind nicht in London“, entgegnete er sanft.

Daisy biss sich auf die Lippe. Wo er recht hatte, hatte er recht. Und davon abgesehen befand sie sich kaum in der Position, mit ihm zu diskutieren. „Vielen Dank.“

„Keine Ursache. Ich kann Sie schließlich schlecht auf dem Anwesen erfrieren lassen. Allein der Papierkram, den das mit sich bringen würde … Aber wo wir gerade vom Erfrieren sprechen – Sie zittern ja wie Espenlaub. Kommen Sie rein und wärmen Sie sich auf. Ich kann Ihnen ein Paar Socken und einen Mantel leihen. So durchnässt können Sie schlecht nach Hause fahren.“

Daisy öffnete den Mund, um dankend abzulehnen, schloss ihn aber wieder. Dieser Mann wirkte auf sie nicht wie ein irrer Axtmörder, und außerdem wurde ihr von Sekunde zu Sekunde kälter. Sie hatte die Wahl, hier draußen langsam zu Eis zu erstarren oder es mit ihrem neuen Bekannten drinnen zu probieren. Wenn sie recht darüber nachdachte, tendierte sie stark zu Letzterem. Und außerdem …

„Wie spät ist es?“, fragte sie.

„Ungefähr elf, warum?“

Sie würde es niemals rechtzeitig nach Hause schaffen, um den Blog vor Mitternacht zu aktualisieren. „Könnte ich vielleicht …“ Daisy versuchte sich an ihrem gewinnendsten Lächeln, doch angesichts der Kälte waren ihre Wangen völlig taub. „Also, ich wäre Ihnen furchtbar dankbar, wenn ich vorher kurz Ihr WLAN benutzen könnte. Ich muss dringend etwas erledigen.“

„Um diese Zeit?“

„Es gehört zu meinem Job. Und es wird auch ganz sicher nicht lange dauern.“ Sie blickte zu ihm auf und hoffte inständig, dass sie die richtige Mischung aus flehend und hoffnungsvoll mit einer Prise Professionalität ausstrahlte – nicht halb erfroren und erbarmungswürdig.

Ihre Blicke begegneten sich, und für einen Moment stockte ihr regelrecht der Atem.

Der Unbekannte zuckte mit den Schultern. „Warum nicht? Sie können es benutzen, während Sie sich aufwärmen.“ Dieses winzige Lächeln umspielte noch immer seine Mundwinkel, und sein Blick allein reichte aus, um ihr Herz vor Aufregung schneller schlagen zu lassen. Wenn dieser Mann sie weiter so anschaute, würde sie weder Jacke noch Socken brauchen – ihr körpereigenes Heizsystem lief bereits auf Hochtouren.

Er streckte ihr seine Hand entgegen. „Ich heiße Seb“, sagte er. „Ich kümmere mich um das Anwesen.“

Daisy schlug ein, und ihr Herz setzte einen Schlag lang aus, als ihre Finger sich berührten. „Ich bin Daisy. Freut mich, Seb.“

Er antwortete nicht. Stattdessen griff er nach ihrer Tasche, schulterte sie mühelos und schritt durch den immer dichter werdenden Schnee zum Schloss zurück.

Gedankenverloren schaute Daisy ihm einen Moment hinterher, ehe sie sich selbst in Bewegung setzte und ihm durch den Schnee nachfolgte. Ausgerechnet am Valentinstag kam ihr ein großer, attraktiver Mann zur Rettung.

Das war beinahe schon zu gut, um wahr zu sein.

1. KAPITEL

Sechs Wochen später

Es war wie ein Déjà-vu. Alles erschien ihr so vertraut und doch so fremd.

Als Daisy das letzte Mal in Hawksley gewesen war, hatte noch Schnee das Schloss und die umliegenden Ländereien bedeckt. Ein Winter-Wunderland, das geradewegs aus einem kitschigen Kinofilm zu stammen schien. Jetzt war der Schnee längst verschwunden. Stattdessen erstrahlte die Rasenfläche auf dem Schlosshof in zartem Grün, und Primeln und Krokusse streckten ihre Köpfe vorsichtig aus dem kalten Boden der Sonne entgegen.

Der alte normannische Burgfried ragte majestätisch zu ihrer Linken in die Höhe. Die ehrwürdigen Granitpfeiler bildeten einen krassen Gegensatz zum heimeligen Charme der im Tudorstil erbauten Wohngebäude auf der rechten Seite. Und geradeaus, direkt vor ihr, befand sich das georgianische Herrenhaus.

Daisy schluckte. Alles in ihr schrie danach, sich umzudrehen und davonzulaufen. Sie konnte noch ein paar Wochen warten und es danach noch einmal versuchen. Oder einfach einen Brief schreiben. Schließlich war sie ja noch immer in einem ganz frühen Stadium …

Nein, sagte sie zu sich selbst und straffte die Schultern. Das wäre feige, und ihre Eltern hatten keine Memme großgezogen.

Davon abgesehen brauchte sie wirklich jemanden, mit dem sie reden konnte. Sie wollte sich ihrer Familie nicht offenbaren – noch nicht. Und ihre Freunde würden sie einfach nicht verstehen. Er war der einzige Mensch, den diese Angelegenheit ebenso betraf wie sie.

Die Entscheidung war getroffen. Sie zwang ein Lächeln auf ihre Lippen und machte sich auf die Suche.

Das Schloss wirkte irgendwie verwaist. Der kleine Ticketschalter war geschlossen, und ein Schild verkündete, dass das Anwesen seine Tore erst zu Pfingsten wieder öffnen würde. Suchend schaute Daisy sich um, doch nirgends war auch nur eine Menschenseele zu entdecken.

Die kleine graue Tür am Ende des georgianischen Flügels erkannte sie von ihrem vorherigen Aufenthalt wieder. Sie konnte ebenso gut hier anfangen wie sonst irgendwo.

„Toll.“ Fest verschlossen, und es gab keine Klingel.

Daisy klopfte so fest, wie sie konnte. Dann trat sie zurück und wartete. Die Anspannung verursachte ihr ein flaues Gefühl in der Magengrube.

Endlich schwang die Tür auf. Langsam. Daisy holte tief Luft und hielt den Atem an. Erinnerte er sich überhaupt an sie? Würde er ihr glauben?

Eine Gestalt erschien im Türrahmen, und Daisy spürte, wie Enttäuschung und Erleichterung sie zu gleichen Teilen durchströmte. Sofern Seb nicht um etwa fünfundzwanzig Jahre gealtert, etwa dreißig Zentimeter geschrumpft war und zudem auf magische Weise sein Geschlecht gewechselt hatte, handelte es sich eindeutig nicht um ihn.

Sie warf ihre Kapuze zurück und schenkte der ernst dreinblickenden Frau, die im Türrahmen stand, ein freundliches Lächeln. „Entschuldigung, ich bin auf der Suche nach Seb.“

Die andere Frau verschränkte die Arme vor der Brust. „Seb?“ In ihrer Stimme schwang so etwas wie Ungläubigkeit mit.

„Ja.“ Daisy biss sich auf die Unterlippe. Sie erinnerte sich doch wohl richtig an seinen Namen, oder? Diese ganze Nacht glich für sie einem verschwommenen Nebel. „Der Hausmeister“, fügte sie erklärend hinzu. Daran erinnerte sie sich wenigstens noch.

„Eine Wartungscrew kümmert sich um das Anwesen.“ Die ältere Frau rümpfte die Nase. „Aber keiner von denen heißt Seb. Könnte es vielleicht sein, dass Sie hier am falschen Ort sind?“ Sie musterte Daisy von oben bis unten auf eine Art und Weise, die ziemlich deutlich machte, dass die Besucherin in ihren Augen definitiv am falschen Ort war.

Daisy zuckte unter den Blicken zusammen. Lag es vielleicht am Lippenstift? Tiefrot war keine Farbe, die jedem gefiel, weil sie eben … nun, sehr rot war. Aber für gewöhnlich fühlte sie sich sicher und selbstbewusst, wenn sie diese Farbe auftrug. Bereit, es mit allem und jedem aufzunehmen. Selbst heute.

Sie atmete tief durch. Sie hatte das alles mindestens tausendmal in ihrem Kopf durchgespielt. Doch sie wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass sie Seb überhaupt nicht hier antreffen würde.

Was, wenn er am Ende ein Geist war?

Nein, ganz sicher nicht. Geister waren nicht aus warmem Fleisch und harten Muskeln gemacht.

Hastig rief sie sich selbst zur Ordnung, als ihre Fantasie abzuschweifen drohte. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, um über Muskeln nachzudenken. Oder über Wärme.

Sie räusperte sich. „Das hier ist doch Hawksley Castle, oder nicht?“

Natürlich war es das. Nirgendwo sonst gab es dieses Zusammenspiel von normannischer Festung, Tudor-Fachwerk und georgianischem Landsitz. Nicht umsonst rangierte das Schloss ganz oben in der Liste der beliebtesten Herrenhäuser des Landes.

Allerdings war Daisy nicht an den historischen Besonderheiten dieses Anwesens interessiert. Sie begehrte einfach nur Zutritt zum jüngsten Flügel des Schlosses, in dem sich die Privatgemächer befanden.

„Ja, das hier ist Hawksley Castle, aber wir öffnen erst wieder nach Pfingsten. Ich schlage also vor, dass Sie dann wiederkommen und sich ein Ticket kaufen, Miss.“

So langsam wurde es Daisy wirklich zu bunt. „Ich bin nicht hergekommen, um mir das Schloss anzusehen. Vor sechs Wochen war ich anlässlich der Porter-Halstead-Trauung hier und wurde eingeschneit. Seb hat mir geholfen, und ich muss ihn unbedingt wiedersehen. Um mich zu bedanken“, fügte sie rasch hinzu. Keine besonders geistreiche Erklärung, das war ihr schon klar. Aber sie würde dieser Person auf keinen Fall den wahren Grund ihres Besuchs nennen.

Die ältere Frau hob eine Braue. „Sechs Wochen später?“

„Hören Sie, ich bin nicht hier, um mir von Ihnen Lektionen in Sachen Benehmen erteilen zu lassen.“ Sie hatte den Satz kaum ausgesprochen, da bedauerte sie ihn auch schon. „Ich war … beschäftigt. Aber lieber spät als nie. Ich dachte, er sei der Hausmeister. Er …“ Konnte gut mit seinen Händen umgehen, brachte sie den Satz in Gedanken zu Ende und errötete. Mühsam räusperte sie sich. „Er schien sich auf jeden Fall gut auszukennen.“ Oh, ja, das tat er allerdings. Sie unterdrückte ein Zusammenzucken. „Er arbeitet auf jeden Fall hier. Groß, dunkelhaarig?“

Dunkelgrüne Augen, zum Dahinschmelzen. Wangenknochen, so scharf geschnitten, dass man sich daran verletzen konnte. Und ein Mund, wie geschaffen zum Küssen

Energisch zwang Daisy ihre Gedanken ins Hier und Jetzt zurück. „Er hatte eine Schaufel und Schneeketten, deshalb dachte ich, dass er der Hausmeister ist. Aber er könnte auch der Gutsverwalter sein.“ Sie wusste nicht, was sie sonst sagen sollte – bis sie plötzlich etwas Nasses und Kaltes an ihrer Hand spürte. „Monty!“

Da war er, der Beweis, dass sie nicht auf dem besten Weg war, den Verstand zu verlieren. Der Beweis dafür, dass Seb hier irgendwo sein musste.

Sie beugte sich herunter und kraulte den braunen Cockerspaniel hinter den Ohren. „Wie geht es dir, mein Hübscher? Wie schön, dich wiederzusehen. Wenn du jetzt auch noch diese nette Dame hier überzeugen könntest, dass ich wirklich dringend dein Herrchen sehen muss, wäre das einfach wunderbar.“

Sie konnte es sich nicht verkneifen, ihrer Kontrahentin einen triumphierenden Blick zuzuwerfen.

„Monty! Hierher, mein Junge! Monty!“ Die herrische Stimme hallte über den Burghof, und Daisys Herz fing an, wie verrückt zu hämmern. Langsam drehte sie sich halb herum und lächelte.

„Hi, Seb.“

Es war ein langer, anstrengender Morgen gewesen. Nicht, dass Seb für seine kostspielige Ausbildung, seinen akademischen Abschluss und seine Doktortitel keine Dankbarkeit zeigte. Aber manchmal fragte er sich, was es ihm brachte, lateinische Gedichte rezitieren zu können. Ein Wirtschaftsstudium, elementare Buchhaltungskenntnisse und die Fähigkeit, eine altertümliche Geldfressmaschine zu reparieren, zu beheizen und zu erhalten, wären im Augenblick sehr viel hilfreicher gewesen.

Er brauchte einen Businessplan. Das bisschen, was vom ursprünglichen Vermögen noch übrig war, würde ihn nicht weit bringen. Das Schloss musste in der Lage sein, sich selbst zu unterhalten – und zwar sehr bald.

Und nun war sein Hund auch noch ungehorsam und machte einer Blondine in Shorts und Weste schöne Augen.

Shorts. Im März.

Andererseits … Er ließ den Blick bewundernd über ihre langen, schlanken Beine wandern. Sein Hund hatte wirklich Geschmack.

Als die schöne Unbekannte sich umdrehte, fehlten Seb mit einem Mal die Worte. Sein Herz fing an zu hämmern, als er das lange blonde Haar, die blauen Augen, die kleine Nase und den unvergesslichen Mund erblickte. Sechs Wochen lang hatte ihn dieser Anblick nicht losgelassen.

„Daisy?“, fragte er überrascht.

„Hallo, Seb. Du hast dich nicht gemeldet …“ Ein humorvoller Unterton lag in ihrer Stimme, und er musste sich zwingen, das Lächeln, das in seinen Mundwinkeln zuckte, zu unterdrücken.

Was, in Gottes Namen, hatte die Hochzeitsfotografin wieder vor seine Tür geführt? In den ersten Tagen hatte er heimlich darauf gewartet, dass Daisy sich bei ihm meldete. Und in den Wochen danach hatte Seb immer wieder überlegt, ob er nicht versuchen sollte, Kontakt aufzunehmen …

„Du hast dich auch nicht gemeldet.“

„Nein.“ Ihre Lider flatterten, und sie senkte den Blick. Trotz des grellen Lippenstifts und der knappen Shorts wirkte sie seltsam verletzlich. „Seb, könnten wir uns wohl kurz unterhalten?“

Sie klang ernst, und Seb versteifte sich. Wie von selbst ballten sich seine Hände zu Fäusten. „Na klar, komm rein.“ Er bedeutete ihr, ihm durch die Tür zu folgen. „Danke, Mrs. Suffolk“, sagte er. „Ich übernehme hier.“ Er schenkte der ehrenamtlichen Mitarbeiterin ein Lächeln, und sie gab den Weg mit unübersehbarem Widerwillen frei.

„Ich glaube, sie mag mich nicht“, stellte Daisy flüsternd fest.

„Sie mag überhaupt niemanden. Schon gar nicht, wenn man unter dreißig und weiblich ist.“ Er schien noch einmal über seine Worte nachzudenken. „Eigentlich niemanden, der unter dreißig oder weiblich ist.“

Seb führte sie durch einen schmalen Durchgang, Monty dicht an seiner Seite. Der Hofeingang führte direkt zu den früheren Dienstbotenquartieren. Ein Labyrinth zugiger Korridore, kleiner Räume und enger Treppenhäuser, die so angelegt waren, dass die Diener und Zofen vergangener Zeiten ihren Pflichten nachkommen konnten, ohne dabei ihre Herrschaften zu belästigen.

Nun befanden sich darin Büros und Arbeitsräume. Die wenigen Mitarbeiter bewohnten Cottages außerhalb der Schlossmauern. Seb schlief allein in einem Schloss, das früher Dutzende beherbergt hatte.

Es wäre sinnvoll, eine Etage mit ungenutzten Schlafzimmern umzubauen und Übernachtungen für diejenigen anzubieten, die den Tudorsaal für Hochzeiten buchten. Bisher wurden diese nämlich auf nahegelegene Hotels und Gasthäuser in der Umgebung verfrachtet.

Die Kosten waren es nicht, die Seb abschreckten. Er konnte auch damit leben, den zugigen Tudorsaal an Hochzeitsgesellschaften zu vermieten und zu fest geregelten Zeiten Touristen auf dem Anwesen zu dulden. Aber der georgianische Flügel war sein Zuhause. Riesig, altertümlich, bis zur Dachkante gefüllt mit Antiquitäten, Geistern und staubigen Ecken und Winkeln.

Zu Hause.

Und neben ihm ging die letzte Person, die mit ihm hier die Nacht verbracht hatte.

„Willkommen zurück.“ Seb bemerkte, dass Daisy, obwohl sie eine Aura von Unbekümmertheit umgab, nervös die Hände rang. „Nette Shorts.“

„Danke.“ Sie hob eine Hand und strich verlegen darüber. „In Hosen fühle ich mich einfach wohler als in Röcken.“

„In deinem Kleid schienst du dich beim letzten Mal aber auch recht wohl gefühlt zu haben – wenn man einmal davon absieht, dass es nicht recht zur Witterung gepasst hat.“

Unwillkürlich wanderten seine Gedanken sechs Wochen zurück in die Vergangenheit. Daran, wie der seidige Stoff des Kleids an ihrer Haut hinunterglitt. Ihre Haut, die golden im Kerzenschein schimmerte. Die Wangen gerötet von Champagner … und Erregung.

Seb atmete tief durch und versuchte das Hämmern seines Herzens zu ignorieren, während er sein Vorhaben überdachte. Das alte Büro war eine seltsame Mischung aus antikem Schreibtisch, Sofa und Teppich, kombiniert mit Aktenschränken aus Blech und Regalen voller Dinge, die niemand brauchen konnte, die aber trotzdem zu schade waren, um sie wegzuwerfen. Jetzt, da Daisy wieder aufgetaucht war, könnten jedoch ganz eigene Geister im Büro zum Leben erwachen: Geister mit samtiger Haut und klaren blauen Augen. Gedämpfte Laute der Lust schienen plötzlich die Luft zu erfüllen.

Er schüttelte den Kopf. Nein, sie wieder dorthin zu bringen, wäre ein Fehler.

Stattdessen öffnete er eine versteckte Tür, die ins Vorderhaus führte. „Lass uns in die Bibliothek gehen.“

Ein Lächeln ließ seine Mundwinkel zucken. „Wie du sicher schon bemerkt hast, ist die Nachricht vom wärmsten Frühling des Jahrzehnts hier noch nicht angekommen. Es dauert Monate, bis die Kälte aus den alten Mauern verschwunden ist. Die Bibliothek ist der wärmste Raum im ganzen Schloss – vermutlich, weil er bisher jeder Renovierung entgangen ist. Die Samtvorhänge mögen alt und staubig sein, aber sie halten zuverlässig die Kälte draußen.“ Er stieß die schwere Holztür auf und trat zur Seite, um Daisy einzulassen. „Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich überrascht.“

Sie errötete. „Angenehm, hoffe ich.“

Er merkte, dass sie seinem Blick auswich. Forschend musterte er sie. Irgendetwas ging hier vor – und es hatte nichts mit ihrem Wunsch zu tun, ihn wiederzusehen.

Daisy trat in den mit Eichenvertäfelungen ausgestatteten Raum und schaute sich neugierig um. Seb blieb im Türrahmen stehen und versuchte, das Zimmer mit ihren Augen zu sehen. Fand sie es schäbig? Einschüchternd? Vermutlich ein bisschen von beidem. Übervolle Bücherregale bedeckten zwei Wände. Eine andere Wand wurde von einem gewaltigen Kamin eingenommen, groß genug, um einen ganzen Ochsen darin zu braten. Und darüber hingen düstere Familienportraits oder Jagdszenen.

Sie ging zu einem der Regale und zog ein Buch hervor. Staub wirbelte auf. „Gut zu wissen, dass der Eigentümer ein begeisterter Leser ist“, sagte sie.

Er lächelte. „Die meisten der englischen Bücher sind gelesen worden – das ist die lateinische Abteilung.“

Sie reckte das Kinn. „Latein hin oder her, sie könnten trotzdem mal abgestaubt werden.“

„Ich werde die Bediensteten sogleich darüber in Kenntnis setzen.“ Er deutete auf einen Polstersessel. „Nimm doch Platz. Möchtest du etwas trinken?“

„Wird einer der Bediensteten es bringen?“

„Nein.“ Er lächelte. „Da drüben in der Ecke auf dem Tisch steht ein Wasserkocher. Der Weg zur Küche ist weit.“

„Praktisch. Tee, bitte. Hast du Earl Grey?“

„Mit Zitrone oder Milch?“

Sie setzte sich in einen der mit Samt bezogenen Stühle, das staubige Buch noch immer in der Hand, und hob eine Braue. „Zitrone? Wie kultiviert. Könnte ich einfach heißes Wasser und Zitrone bekommen?“

„Natürlich.“

Es dauerte einen Moment, die Getränke zuzubereiten, doch Seb brauchte die Zeit. Daisy hier in seinen privaten Räumen zu haben, brachte ihn vollkommen aus dem Gleichgewicht. Ihr blumiger Duft, die langen Beine, der unglaublich rote Lippenstift, der die Aufmerksamkeit auf ihren vollen, sinnlichen Mund lenkte …

Dein Problem ist, dass du dich rund um die Uhr in deiner Arbeit vergräbst, sinnierte er, während er eine Scheibe Zitrone abschnitt. Da ist es doch kein Wunder, wenn man den Umgang mit anderen Menschen völlig verlernt.

Ganz besonders den mit weiblichen Menschen …

„Eine richtige Tasse und Untertasse. Du bist gut erzogen worden.“ Sie musterte das mit einem zarten Muster dekorierte Porzellan. „Wedgwood?“

Er zuckte mit den Achseln. „Vermutlich“, antwortete er und setzte sich ihr gegenüber, als wolle er ein Bewerbungsgespräch mit ihr führen. Er lehnte sich zurück und bemühte sich, ruhig und gelassen zu wirken. So, als hätte ihr plötzliches Auftauchen ihn nicht völlig aus der Bahn geworfen. „Nun, wie laufen die Geschäfte?“

Daisy nahm einen vorsichtigen Schluck von ihrem Getränk. „Bestens, vielen Dank. Ich bin ausgelastet.“

„Das verwundert mich nicht.“ Er betrachtete sie kritisch. „Fotoshootings, Fünfzehn-Stunden-Tage, Blogs. Wenn du deinen Stundenlohn ausrechnest, verdienst du vermutlich nicht einmal den Mindestsatz.“ Nicht, dass ausgerechnet er sich ein Urteil erlauben durfte.

„Das wird erwartet.“ Es klang wie Selbstverteidigung. „Heutzutage kann jeder x-beliebige Hochzeitsgast Fotos mit seiner Digitalkamera schießen. Ein professioneller Fotograf muss mehr bieten.“

„Und was genau?“

Sie überlegte einen Moment. „Er muss die Seele des Paares einfangen und sicherstellen, dass keine Sekunde dieses ganz besonderen Tages undokumentiert bleibt.“

„Hochzeiten!“ Seb schüttelte den Kopf. „Gibt es denn gar keine einfachen Trauungen mehr? Nicht, dass ich mich beschwere. Wir sind bereits für die kommenden zwei Jahre ausgebucht. Es ist verrückt. So viel Geld, nur für diesen einen Tag.“

„Aber es ist der glücklichste Tag ihres Lebens.“

„Na, ich hoffe doch sehr, dass dem nicht so ist. Es ist schließlich nur der erste Tag“, entgegnete er. „Solche romantischen Fantasien sind das Schlimmste, was einer Ehe passieren kann. Die Leute stecken all ihre Energie und ihr Geld in einen einzigen Tag – stattdessen sollten sie lieber über ihre gemeinsame Zukunft nachdenken. Sie gemeinsam planen.“

„Bei dir klingt das so geschäftsmäßig.“

„Es ist geschäftsmäßig“, korrigierte er sie. „Eine Ehe kann nur dann funktionieren, wenn beide Beteiligten dieselben Ziele verfolgen. Wenn sie genau wissen, worauf sie sich einlassen. Bei einem Paar, das mit einer Zeremonie im kleinen Kreis und einem stabilen Lebensplan in die Ehe geht, sind die Erfolgsaussichten sehr viel besser als bei den Narren, die sich in Schulden stürzen, um ihren ganz besonderen Tag zu erleben.“

„Nein, da täuschst du dich.“ Daisy lehnte sich vor. Ihre Augen blitzten. „Zwei Menschen, die sich gefunden haben und sich trauen, vor ihren Familien und Freunden den Bund fürs Leben zu schließen – was könnte romantischer sein als das?“

Ihre Stimme klang abwesend, ihre blauen Augen wirkten wehmütig.

Seb konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. „Den Bund fürs Leben schließen? Schreibst du so etwas auch in deinen Blog?“

„Meine Paare sagen immer, dass mein Blog für sie einer der romantischen Höhepunkte ihres besonderen Tages ist.“ Sie errötete. „Deshalb mache ich auch die Verlobungs-Fotos. Auf diese Weise lerne ich jedes Paar individuell kennen. Und nur um das klarzustellen.“ Sie funkelte ihn an. „Selbst mit all diesen Extras, die ich leiste, verdiene ich mehr als den Mindestlohn – und es hat sich nie jemand beschwert. Einige Paare haben mich sogar bereits gebeten, auch die Schwangerschaft zu dokumentieren und die ersten Bilder von ihren Babys zu machen.“

„Natürlich haben sie das.“ Er schaffte es nicht, den Sarkasmus aus seiner Stimme zu verbannen. „Das Einzige, das eine noch größere Geldverschwendung ist als eine Hochzeit, ist ein Baby.“

Ihre ohnehin schon blasse Haut wurde noch fahler. Die Lippen schimmerten bläulich. „Dann … wirst du vermutlich nicht gerne hören, dass du Vater wirst“, sagte sie. „Um dir das zu sagen, bin ich hergekommen. Ich bin schwanger, Seb. Von dir.“

Daisy hatte die Worte kaum ausgesprochen, da bereute sie es auch schon. Auf diese Weise hatte sie es ihm nicht sagen wollen. Doch ihre schöne, sorgsam ausformulierte Rede war im Eifer des Gefechts einfach unter den Tisch gefallen. Nun, wenigstens hatte sie es geschafft, Seb von seinem hohen Ross herunterzuholen. Er hatte sich kerzengerade aufgerichtet. Seine grünen Augen wirkten kalt, seine Lippen waren zusammengepresst.

„Bist du dir sicher?“, fragte er heiser.

Oh ja, das war sie. So sicher, wie man nach zwei Tests pro Tag innerhalb der vergangenen Woche nur sein konnte. „Ich habe einen Test in meiner Tasche. Ich kann ihn hier und jetzt machen, wenn du willst.“ Es war nicht das, was sie einem fast Wildfremden üblicherweise anbot. Aber die ganze Situation war auch so schon furchtbar erniedrigend, da machte das auch nicht mehr viel aus.

„Nein, das wird nicht nötig sein.“ Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Aber wir haben doch … Ich meine, wir waren doch vorsichtig.“

Es war beinahe zum Lachen, dass sie und der Mann, der ihr gegenübersaß, sich so nah gekommen waren, wie zwei Menschen sich nur nahekommen konnten. Sie hatten den Körper des anderen erforscht, ihn geschmeckt und berührt. Hatten sich einander ganz hingegeben, völlig schamlos und ohne Scheu. Und doch kannten sie sich im Grunde überhaupt nicht. Zum Teufel, Seb brachte es ja nicht einmal über sich, das Wort Kondom in ihrer Gegenwart zu benutzen.

„Waren wir.“ Sie zwang sich, ihre Haltung zu bewahren, als sie seinem Blick kühl und gefasst begegnete. Ihr Herz hämmerte, und ihre Finger zitterten, doch sie schaffte es, jegliches Beben aus ihrer Stimme zu verbannen, als sie sagte: „Zumindest beim ersten und zweiten Mal. Ich bin mir nicht sicher, ob wir danach noch bei klarem Verstand gewesen sind.“

Nicht, dass sie davor bei klarem Verstand gewesen wären. Offensichtlich nicht. Es war leicht, dem Schnee die Schuld zu geben, der märchenhaften Landschaft und dem Champagner. Die Tatsache, dass Seb sie praktisch gerettet hatte, durfte man auch nicht vergessen. Aber das alles brachte es nicht auf den Punkt. Denn in Wirklichkeit war es schlicht und ergreifend die unglaublichste und intensivste Nacht ihres ganzen Lebens gewesen.

„Woher weißt du, dass es von mir ist?“

Sie war auf diese Frage vorbereitet gewesen. Er besaß guten Grund, sie zu stellen – und doch trafen seine Worte sie wie ein Stich mitten ins Herz.

„Es kann nur deines sein.“ Sie reckte herausfordernd das Kinn. „Außer dir hat es niemanden gegeben. Seit langer Zeit schon nicht mehr. Ich habe immer nur längerfristige Beziehungen geführt. Von meinem letzten Freund habe ich mich vor neun Monaten getrennt.“ Sie musste es ihm wirklich begreiflich machen. „Jene Nacht … das war ungewöhnlich für mich. Normalerweise benehme ich mich nicht so.“

„Okay.“

„Du kannst es überprüfen, einen Vaterschaftstest machen lassen. Aber erst nach der Geburt. Das ist einfach sicherer.“

Sein Blick hielt ihren fest. „Du willst es also behalten?“

Eine weitere durchaus vernünftige Frage – und doch eine, die sie sich bisher gar nicht gestellt hatte. „Ja, das will ich. Hör zu, Seb, du musst jetzt nichts übers Knie brechen. Ich bin nicht hier, um irgendwelche Forderungen zu stellen. Ich dachte einfach nur, dass du es wissen solltest, aber …“

„Moment.“ Er stand auf und brachte sie mit einer Handbewegung zum Verstummen. „Ich muss nachdenken. Du bleibst hier, versprichst du mir das? Es wird nicht lange dauern. Ich … ich brauche einfach nur etwas frische Luft. Komm, Monty.“

„Warte!“, rief sie noch, doch da war er schon zur Tür hinausgestürmt – der Cockerspaniel ihm unmittelbar auf den Fersen. Daisy, die sich bereits halb aufgerichtet hatte, sank in die weichen Polster ihres Sessels zurück, als die schwere Eichentür mit einem vernehmlichen Schlag zufiel.

„Das ist ja gar nicht so schlecht gelaufen“, murmelte sie zu sich selbst. Okay, er war nicht unbedingt vor ihr auf die Knie gefallen, um ihr und dem Baby immerwährende Liebe zu schwören. Aber immerhin hatte er sie auch nicht gleich wieder achtkantig vor die Tür gesetzt.

Und war seine Reaktion nicht auch vollkommen normal? Zweifel? Unglauben? Nachdenklich ließ sie die Hand über ihren Bauch wandern, staunend darüber, wie flach und straff er noch immer war. Nicht das geringste Anzeichen dafür, dass sich etwas verändert hatte. Und doch war sie weder erschrocken noch entsetzt gewesen. Ebenso wenig wie sie auch nur eine einzige Sekunde darüber nachgedacht hatte, das Baby nicht zu bekommen.

Die Art und Weise, wie es zustande gekommen war, mochte für die meisten Menschen ein unglücklicher Unfall gewesen sein. Aber nicht für sie. Für sie war es etwas vollkommen anderes. Ein Wunder.

Eine Stunde, eine Tasse heiße Zitrone und dreiunddreißig Seiten einer herrlichen Erstausgabe von Stolz und Vorurteil später gestand Daisy sich ihre Niederlage ein. Seb hatte sie gebeten zu warten. Aber wie lange? Sie hatte ihm ohnehin nichts versprochen; er war verschwunden, ehe sie auch nur ein Wort hatte sagen können.

Doch was sollte sie tun? Einfach gehen? Ohne ihm eine Möglichkeit zu geben, mit ihr in Kontakt zu treten? Das letzte Mal hatte sie nicht daran gedacht. Hatte ihm nicht mit einem Lächeln ihre Visitenkarte in die Hand gedrückt. Aber da war ein Funken Hoffnung gewesen, dass er sie trotzdem ausfindig machen würde. Verantwortlich dafür war wohl eindeutig die Romantikerin in ihr.

Die Romantikerin, die nie dazugelernt hatte.

Aber hier ging es um so viel mehr als das. Hastig wühlte sie in ihrer Tasche und kramte eine Visitenkarte hervor. Ihre Nummer und ihre Webseite standen darauf. Sie atmete kurz durch und legte die Karte mit zitternden Fingern auf das Teetablett. Jetzt war es an ihm.

Einen Moment lang schloss sie die Augen. Daisy war auf Wut und Ablehnung vorbereitet gewesen, ja. In ihrer grenzenlosen Naivität hatte sie gehofft, dass er ein bisschen aufgeregt sein würde. Damit, dass er einfach ging, hatte sie nicht gerechnet.

Ihr Auto stand noch immer dort, wo Daisy es zurückgelassen hatte. Wäre sie nicht zu stolz gewesen, hätte sie das Angebot ihres Vaters angenommen und damals den Range Rover genommen. Sie wäre nicht eingeschneit worden und …

Daisy schüttelte den Kopf, versuchte die Tränen zu vertreiben, die in ihren Augen brannten. Es war ihr alles so perfekt vorgekommen. Wie eine Szene aus einer der Romantikkomödien, die sie so liebte. Als klar war, dass sie feststeckte, hatte Seb aus den Überresten des Hochzeitsbüffets ein Picknick aus Champagner und Kanapees für sie improvisiert. Sie hatten sich gemeinsam auf dem schäbigen Sofa in seinem Büro zusammengerollt und geredet und getrunken. Sie hatte ihm vertraut, sich ihm verbunden gefühlt. Und irgendwann hatte sie ihn geküsst.

Sie hob die Hand und berührte ihre Lippen. Nur zu gut erinnerte Daisy sich daran, wie sanft dieser Kuss gewesen war. Nun, zumindest am Anfang …

Aufhören! Sofort aufhören!

Indem sie in Gedanken den Kuss noch einmal durchlebte, änderte sie überhaupt nichts. Sie musste nach vorne blicken. Es war die Zukunft, die zählte – nicht die Vergangenheit.

Sie schloss ihren Wagen auf, blickte noch einmal zurück zum alten Burgfried, dessen Zinnen im Glanz der Frühlingssonne weniger schroff und abweisend wirkten.

„Daisy!“

Wie angewurzelt blieb sie stehen, als Sebs Stimme hinter ihr erklang. Noch einmal atmete sie tief durch, dann drehte sich um. In einem verzweifelten Versuch, gelassen zu wirken, lehnte sie sich gegen ihren Wagen. Ihr Herz hämmerte heftig.

Eigentlich war er ganz und gar nicht ihr Typ. Sie stand nicht auf Männer, die sie ständig anschauten, als würden sie sich entweder über sie lustig machen oder sie kritisieren. Männer, die Daisy attraktiv fand, trugen ihr dunkles Haar nicht zu lang und völlig ungestylt, und liefen auch nicht in alten, mit Schlamm bespritzten Jeans herum – obwohl sie zugeben musste, dass die von Seb an genau den richtigen Stellen durchgewetzt waren.

Warum also brachte sein Anblick ihren Puls trotzdem zum Rasen? Warum fühlte sie sich in seiner Gegenwart nervös und zittrig und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen?

„Komm wieder rein“, sagte er. „Unser Gespräch war noch nicht beendet.“

Es war keine Frage, sondern eine Anweisung.

Das Flattern in ihrem Bauch erstarb, stattdessen verspürte sie nun Entrüstung. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, uns zu unterhalten. Ich habe eine Stunde auf dich gewartet.“

„Ich weiß“, erwiderte er und klang dabei kein bisschen zerknirscht oder gar schuldbewusst, sondern vollkommen nüchtern. „Ich kann draußen einfach besser denken.“

„Und?“ Sie wollte das Wort am liebsten zurücknehmen, kaum dass es aus ihr hervorgebrochen war. Es klang so, als hätte sie die ganze Zeit wie auf heißen Kohlen gesessen und darauf gewartet, dass er ihr Schicksal verkündete. Aber war das wirklich so abwegig oder steckte nicht mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in diesem Gedanken?

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Die Geste war unerwartet jungenhaft und unsicher. „Das hier wäre leichter, wenn wir wieder reingingen.“

Sie hob eine Braue. „Sagtest du nicht, du kannst draußen besser denken?“

Er lächelte, und seine ganze Miene hellte sich auf. Es veränderte ihn vollkommen. Ließ ihn sanfter, wärmer wirken. „Ja, schon. Aber gilt das auch für dich?“

„Für mich?“

„Ich habe dir ein Angebot zu machen, und dafür wirst du einen klaren Kopf brauchen. Bist du bereit dafür?“

Nein. War sie nicht. Offen gestanden wusste sie nicht einmal, ob sie seit dem ersten Glas Champagner mit ihm überhaupt noch einen klaren Gedanken gefasst hatte.

„Absolut“, sagte sie trotzdem mit fester Stimme.

Er wirkte skeptisch, nickte aber. „Nun, dann … Ich denke, du solltest mich heiraten, Daisy.“

2. KAPITEL

Seb hatte nicht unbedingt erwartet, dass Daisy sich vor Dankbarkeit vor ihm in den Staub werfen würde. Es hätte ihm auch, offen gestanden, nicht wirklich behagt. Aber er war schon davon ausgegangen, dass sein Angebot sie irgendwie berührte. Dass sie vielleicht sogar dankbar dafür war.

Damit, dass sie ihn auslachen würde, hatte er nicht gerechnet. Es traf ihn wie ein Stich – selbstverständlich nicht mitten ins Herz, sondern in sein Ego.

„Ehrlich, Seb? Wir befinden uns nicht in einem Regency-Roman. Du hast meine Ehre nicht beschmutzt, und es gibt auch keinen Grund, sich ehrenhaft zu verhalten.“

Wie verächtlich sie darüber sprach! Es gab keinen Grund? Falsch, es gab jeden Grund! „Warum bist du hergekommen, Daisy? Ich dachte, du wolltest meine Hilfe. Oder willst du Geld? Ist es das?“

Vielleicht war die ganze Situation eine clevere Art von Falle. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er atmete tief durch und bemühte sich, den in ihm aufsteigenden Zorn nicht nach außen hin zu zeigen.

„Natürlich nicht.“ Ihre Empörung wirkte überzeugend, und er spürte, wie er sich wieder ein wenig entspannte. „Ich dachte, du solltest es als Erster erfahren“, fuhr sie fort. „Ich bin ganz sicher nicht hier, weil ich Geld oder einen Antrag von dir erwartet habe.“

„Du willst das also allein durchziehen, ja? Und was für eine Rolle soll ich dabei spielen? Erwartest du, dass ich sonntags auftauche, um mit dem Baby im Park spazieren zu gehen? Und einmal im Monat darf es dann bei mir übernachten?“ Er hörte selbst, wie seine Stimme zunehmend schärfer und verächtlicher wurde. Daisy wurde bleich.

„Ich habe ehrlich gesagt noch nicht so weit gedacht.“

Erneut holte Seb tief Luft. Er tat sein Bestes, um ruhig und vernünftig zu klingen. „Du arbeitest … wie viel? Fünfzehn Stunden am Tag an den Wochenenden? Nicht nur an den Wochenenden, nein! Leute heiraten heutzutage an jedem x-beliebigen Wochentag. Wie hast du dir die Betreuung unseres Kindes denn vorgestellt?“

„Ich werde mir schon etwas einfallen lassen.“ Ihre Worte klangen trotzig, doch ihr Blick sagte etwas anderes. Er sah wachsende Besorgnis darin.

„Das ist nicht nötig.“ Er versuchte so viel Überzeugungskraft wie möglich in seine Stimme zu legen. „Heirate mich einfach.“

Ihre Augen weiteten sich. Sie wirkte irritiert. „Warum? Warum, um Himmels willen, solltest du jemanden heiraten wollen, den du kaum kennst? Und warum sollte ich in so etwas Verrücktes einwilligen?“

Seb vollführte eine alles umfassende Geste, die das Schloss, den See, die Wälder und Felder mit einschloss. „Weil dieses Baby mein Erbe ist.“

Daisy starrte ihn an. „Wie bitte?“

„Das Baby ist mein Erbe“, wiederholte er. „Unser Baby. Von Hawksley.“

„Sei nicht albern. Was hat das Schloss mit dem Baby zu tun?“

„Nicht nur das Schloss – das Anwesen, der Titel. Einfach alles.“

„Aber …“ Sie schüttelte den Kopf. „Du bist doch der Hausmeister, oder nicht?“

„Der Hausmeister?“ Im ersten Moment war er überrascht, doch dann begriff er, was sie meinte. Wenn seine Kollegen ihn jetzt sehen könnten! Es war ein langer Weg von seinem ruhigen Büro an der Fakultät von Oxford bis hierher gewesen. „Nun, in gewisser Weise bin ich das wohl auch. Besitzer, Hausmeister, Manager und Veranstaltungs-Planer. So ein Anwesen zu betreiben ist heutzutage ein ziemlich praxisnaher Job.“

„Und du bist dann was? Ein Ritter?“

„Ein Earl. Der Earl of Holgate.“

„Ein Earl?“ Sie lachte. Es klang leicht hysterisch. „Soll das ein Witz sein? Ist hier irgendwo eine Kamera versteckt?“

„Meine Eltern sind vor sechs Monaten gestorben. Ich habe das Schloss von ihnen geerbt.“ Das Schloss und einen riesigen Schuldenberg – aber das wollte er für den Moment lieber unerwähnt lassen. Daisy war auch so schon angespannt genug.

„Du meinst das wirklich ernst, oder?“

Er konnte förmlich mit ansehen, wie sie langsam begriff – dennoch schüttelte sie den Kopf. „Titel bedeuten nichts“, murmelte Daisy. „Heute nicht mehr.“

„Für mich schon. Und für Hawksley Castle.“ Er seufzte. „Du bist hergekommen, weil du wusstest, dass es das Richtige ist. Und mich zu heiraten ist ebenfalls das Richtige. Das Baby könnte der nächste Earl of Holgate werden. Das willst du ihm doch bestimmt nicht vorenthalten, oder? Uneheliche Kinder sind von der Erbfolge nämlich ausgeschlossen.“

„Und wenn es ein Mädchen wird?“ Sie war offenbar nicht bereit, so einfach nachzugeben.

„Unwichtig. Das Königshaus ist schließlich auch nicht mehr an die männliche Erbfolge gebunden, warum sollte es sich beim Rest der Aristokratie anders verhalten?“ Er streckte die Hand nach ihr aus. „Bitte, komm wieder mit rein. Wir reden in Ruhe über alles.“

Einen langen Moment blieb sie still, und er spürte, dass sie innerlich schwankte und am liebsten davonlaufen wollte. Er rührte sich nicht, wartete mit angehaltenem Atem. Schließlich holte sie tief Luft und nickte.

„In Ordnung, ich komme mit rein. Wir sprechen über das Baby. Aber ich werde dich nicht heiraten. Es ist mir egal, ob du ein Earl oder ein Hausmeister bist. Ich kenne dich nicht.“

Erleichterung durchflutete Seb. Alles, was er brauchte, war Zeit. Sie musste ihm einfach nur eine Chance geben, sie zu überzeugen. „Na, dann komm.“

Daisy stieß sich von ihrem Wagen ab, und sie gingen schweigend nebeneinander zurück zum Haus. Als sie den Innenhof erreichten, schlug sie erneut die Richtung zur Hintertür ein, vor der Mrs. Suffolk noch immer Wache stand. Seb hakte sich bei Daisy unter und führte sie zur anderen Seite des Hauses.

„Die Vordertür und ein neuer Anfang“, sagte er, als sie die erste Stufe der Treppe erreichten. „Hallo, ich bin Sebastian Beresford, Earl of Holgate.“

„Sebastian Beresford?“ Ihre Augen wurden schmal. „Ich kenne den Namen. Du bist kein Earl, du bist dieser Historiker.“

„Ich bin beides. Selbst Earls haben heutzutage einen Beruf.“ Auch wenn er keine Ahnung hatte, wie er es in Zukunft schaffen sollte, seine akademischen Pflichten und Hawksley unter einen Hut zu bringen.

Er reichte ihr seine Hand. „Willkommen in meinem bescheidenen Heim.“

Daisy starrte seine Hand einen Moment lang an, bevor sie sie schließlich ergriff. „Daisy Huntingdon-Cross. Ist mir ein Vergnügen.“

Wie bitte? Jetzt fielen so einige Puzzleteile an den richtigen Platz, und Seb wusste plötzlich, warum Daisy ihm von Anfang an so bekannt vorgekommen war. „Huntingdon-Cross? Die Tochter von Rick Cross und Sherry Huntingdon?“

Mit einem Rockstar als Vater und einer Landadeligen als Mutter waren die Huntingdon-Cross-Schwestern sowohl für ihr reizvolles Äußeres als auch für ihren Lebenswandel berüchtigt. Jede von ihnen war irgendwann in der Klatschpresse gelandet. Und ihre Eltern waren so etwas wie Legenden. Reich, talentiert und unglaublich verliebt.

Sebs Herz fing an zu hämmern, und seine Kehle war mit einem Mal wie zugeschnürt. Das hier verlief ganz und gar nicht nach Plan, entwickelte sich nicht zu der ruhigen, geschäftsmäßigen Verbindung, die ihm vorschwebte.

Nein, das roch eindeutig nach Ärger.

Wenn er diese Frau heiratete, würden die Klatschzeitungen sich vor Begeisterung überschlagen. Ein Beresford und eine Huntingdon-Cross, das wäre ein gefundenes Fressen für die Regenbogenpresse. So wie alles, was seine Eltern betraf. All seine Mühe, sich aus den Medien herauszuhalten, wäre schneller zunichtegemacht, als er „Ich will“ sagen konnte.

Aber sie nicht zu heiraten würde bedeuten, dem Baby sein Erbe zu nehmen.

Er unterdrückte ein Seufzen. Was also sollte er tun?

Daisy konnte förmlich mit ansehen, wie es Seb langsam dämmerte.

„Huntingdon-Cross“, wiederholte er, und in seiner Stimme schwang Bestürzung und Entsetzen mit.

Einen Moment überlegte sie, ob sie vorgeben sollte, nicht eine von diesen Huntingdon-Cross’ zu sein, sondern eine Cousine. Eine weit, weit entfernte Cousine. Aus dem Norden. Seb musste ja nicht wissen, dass sie überhaupt keine Verwandtschaft im Norden hatte.

Aber was sollte das bringen? Er würde die Wahrheit ohnehin herausfinden. Außerdem