Umschlag

1967 geboren, verbringt Sven Görtz seine Kindheit im Westerwald und studiert danach Philosophie in Gießen. Er ist Autor, Kabarettist und Sänger. Mit über einer Viertelmillion verkauften Hörbüchern zählt er zur ersten Riege der deutschen Hörbuchsprecher. Seit 2008 ist er die deutsche Stimme des Weltbestsellerautors Paulo Coelho. Er ist seit Jahren mit verschiedenen Live-Programmen im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. 2010 erschien sein Buch »Liebe … ist eine besondere Form von Geisteskrankheit«.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

© 2013 Hermann-Josef Emons Verlag
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch
eBook-Erstellung: CPI – Clausen & Bosse, Leck
ISBN 978-3-86358-214-2
Originalausgabe

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Zu guter Letzt läuft alles darauf hinaus, an den entscheidenden Stellen die richtigen Fehler zu machen.

Tom Smart

Willkommen in Bad Löwenau!

Der Schauplatz

Irgendwo in Deutschland liegt Bad Löwenau, eine Kleinstadt, wie sie im Buche steht: beschaulich, hübsch und friedlich. Wahrzeichen ist der Löwenbrunnen am Marktplatz mit seinem Kopfsteinpflaster und seinen altehrwürdigen Fachwerkbauten. Ein Vielfaches der eigenen Bevölkerung besucht jährlich die Stadt: Kurgäste, Touristen und Ruheständler. Doch hinter den schmucken Fassaden brodelt es, und die Idylle tut das, was sie immer tut: Sie trügt …

Einige Bad Löwenauer

Christoph Rubin

Fünfundvierzig Jahre, verheiratet, Kriminalhauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion. Er kehrt nach fünfundzwanzig Jahren Dienst in der Großen Stadt in seine Heimat Bad Löwenau zurück und kann sich nur wundern, was in der Zwischenzeit so alles passiert ist – und was heute so alles passiert.

Carl Bernstein

Vierundvierzig Jahre, unverheiratet, Journalist. Autor der legendären Kolumne »Der Tag in Bad Löwenau«. Er kleidet sich extravagant und spricht auch so. Bernstein hat nur zwei Schwächen: die Frauen und – die zweite hat er vergessen.

Ricardo

Einundfünfzig Jahre, verheiratet, Besitzer des italienischen Restaurants »Da Ricardo« am Marktplatz. Nur zwei Dinge können sein Leben versalzen: schlechte Pasta und eine Niederlage von Inter Mailand. Ein Lächeln seiner Frau Caterina versüßt es ihm wieder.

Freitag

Zwei Jahre, unverheiratet, Golden Retriever und der treue Begleiter von Hauptkommissar Christoph Rubin. Er bändelt gerne mit Hundedamen an, bringt Stöckchen und tapst ansonsten sehr zufrieden durchs Hundeleben.

Franziska von Roth

Ungeklärtes Alter, geschieden, Bürgermeisterin von Bad Löwenau, auch »Die Fürstin« genannt, weil sie die Geschäfte der Stadt eigenmächtig nach Gutsherrenart führt. Wenn es um die Bewahrung des guten Rufs von Bad Löwenau geht, kennt sie weder Freund noch Feind.

Buchhändler Weimar

Zweiundsiebzig, verheiratet, versorgt die Bad Löwenauer mit guten Büchern und genauen Beobachtungen. Er ist ein klassischer Buchliebhaber, dessen Menschenkenntnis nicht zuletzt auf dem schönen Satz beruht: »Sage mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist.«

Iris Adler

Einundvierzig, unverheiratet und Inhaberin der Adler-Apotheke am Marktplatz. Sie sieht in Abendgarderobe wie im Apothekerkittel gleichermaßen blendend aus. Bernstein nannte sie in seiner Kolumne einmal »die attraktivste Pillendreherin seit Lucrezia Borgia«.

1

Es gab einen Schlag – einen Riesenschlag.

Holz traf Schädel. Oder Schädel traf Holz.

Er sah silberne Sternchen, Kreuzchen und wirre Kreise, die wie winzige Ballerinas vor seinen Augen tanzten, während sein Kopf brummte wie ein alter Kühlschrank.

Er stieß einen dumpfen Laut aus, der wie aus nebelverhangener Ferne an sein Ohr drang. Gleichzeitig spürte er die Spitze eines Nagels, der sich von der Stirn über die linke Augenhöhle langsam in das Innere seines Schädels bohrte. Doch zum Glück stoppte der Eindringling, und eine unsichtbare Hand zog ihn wieder heraus.

Genau in diesem Moment verließ ihn der Schwindel, und er konnte wieder aufatmen.

Hauptkommissar Christoph Rubin, der neue Leiter der Polizeiinspektion von Bad Löwenau, hatte in seinem Büro eben den ersten Earl Grey mit viel Milch zubereitet und sich auf dem Stuhl entspannt nach hinten fallen lassen. Dass dieses bequeme Fallenlassen allerdings kein Ende nehmen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Die Lehne gab nach, als bestehe sie aus Luft – und ließ ihn haltlos ins Leere stürzen.

Rubin ruderte mit den Armen und versuchte vergeblich, die Balance zu halten. Mit der linken Hand verfing er sich in einem Aktenordner im Regal hinter ihm, und das machte die Sache noch schlimmer. Er riss das gesamte Regal um, das laut krachend über ihm zusammenbrach.

Gleichzeitig riss das Regal ein Bild von der Wand, das sich augenblicklich in ein gefährliches Geschoss verwandelte. Es traf Rubin hart an der Stirn und nahm ihm vorübergehend die Besinnung.

Das Bild in einem schweren Eichenrahmen zeigte übrigens eine idyllische Federzeichnung von Bad Löwenau.

Freitag, der Golden Retriever, der zufrieden auf seiner Decke vor sich hin gedöst hatte, bellte dreimal kurz und trocken auf, sprang seinem Herrchen zur Seite und wollte helfen – wusste aber nicht, wie.

Vom Lärm alarmiert stürmte Polizeiobermeister Schwarze in Rubins Büro, verschaffte sich rasch ein Bild von der Lage und konnte ein Grinsen nur schwer verbergen.

»Oje, geht’s wieder, Chef? Ich fürchte, das war ein kleiner Scherz von unserem Hausmeister Schulte.«

»Schulte?«, fragte Rubin verwundert. »Alfred Schulte? Der früher Hausmeister am Gymnasium war?«

»Tja, einmal Hausmeister, immer Hausmeister«, antwortete Schwarze. Und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: »Er hat schon einen wirklich komischen Humor, unser Schulte, das muss man sagen.«

Rubin sagte nichts und rieb sich den Nacken.

Das fing ja gut an, dachte er, an diesem regnerischen Morgen im Februar.

Rubin war erst seit drei Tagen Leiter der Polizei von Bad Löwenau. Er war aus der Großen Stadt in die Provinz versetzt worden, weil er über die beste Voraussetzung für die Stelle verfügte: Rubin war ein Bad Löwenauer.

Er war hier geboren und aufgewachsen, hatte am hiesigen Gebrüder-Grimm-Gymnasium sein Abitur gemacht – mit einigermaßen überzeugenden Zensuren – und hatte danach Bad Löwenau verlassen, um in der Großen Stadt die höhere Polizeilaufbahn einzuschlagen.

Das war jetzt fünfundzwanzig Jahre her.

»Ich versuche, Schulte auf seinem Handy zu erreichen, damit er die Sache wieder in Ordnung bringt«, sagte Schwarze.

Er trug eine blitzsaubere Uniform, darunter ein Hemd, das scharf gebügelt war. Rubin trug Sakko, Hemd, Weste und stark verblichene Jeans, die am Saum leicht ausgefranst waren.

Das Haar von Schwarze war grau, glatt und akkurat getrimmt. Rubins Haar war verstrubbelt, und man sah ihm seine fünfundvierzig Jahre nur an den Schläfen an.

Rubin befühlte seine Stirn. Die Stelle, an der ihn der Holzrahmen getroffen hatte, war geschwollen und verursachte einen brennenden Schmerz. Zum Glück dröhnte es nicht mehr in seinem Kopf. Doch an seinem Finger war Blut.

»Die Wunde sollte versorgt werden, Chef. Am besten, Sie gehen damit zu unserer Frau Cerni. Die kennt sich damit aus.«

Rubin stieg die Steintreppe in den ersten Stock hinauf, wo sich das Büro der Polizeimeisterin befand. Freitag blieb in Rubins Büro und schnüffelte an den weithin auf dem Boden verstreuten Akten.

»Oh nein, ist es doch so schlimm?«, sagte die blonde Polizistin halb bestürzt, halb amüsiert, als sie Rubin erblickte. »Ich habe den Lärm bis hier oben gehört. Tut es sehr weh, Chef?«

Rubin schüttelte leicht den Kopf.

»Nehmen Sie es ihm nicht übel, Schulte ist eben so. Das war seine Art zu sagen: ›Willkommen daheim!‹«

Rubin nickte und fragte: »Haben Sie ein Pflaster für mich?«

»Natürlich, der Verbandskasten steht immer bereit. Man weiß ja nie, was so alles passieren kann.«

Als Jana Cerni mit einem großen Pflaster in der Hand vor Rubin stand und Maß für die korrekte Position nahm, stieg ihm unerwartet der seidige Duft ihres Parfums in die Nase.

Für einen kurzen Moment war Rubin wie verzaubert, es war schon das zweite Mal an diesem Morgen. Seine Frau hatte beim Frühstück auch einen besonderen Duft verströmt, hell, leicht und frisch. Dessen Note nach Akazie, Immortelle und Orange hatte Erinnerungen an ihren letzten Urlaub auf Elba wachgerufen. Er schloss unwillkürlich die Augen und sah plötzlich wieder das in der Morgensonne glitzernde Mittelmeer, die Steilküste und die Zypressenhaine …

Polizeiobermeister Schwarze riss ihn jäh aus seinen Tagträumen. Atemlos stand er in der Tür, sein Diensthandy ans Ohr gepresst. Mit weit aufgerissenen Augen rief er:

»Da ist Hausmeister Schulte am Apparat!«

»Schön, wann kann er kommen?«

»Er sagt, es ist besser, wenn Sie kommen, Chef!«

»Warum das?«

»Wir haben einen Toten!«

»Wo, in der Klinik?«

»Nein, Chef, im Brunnen!«

2

Mit Brunnen meinte Schwarze den Löwenbrunnen, das Wahrzeichen von Bad Löwenau, mitten auf dem beschaulichen Marktplatz mit dem alten, groben Kopfsteinpflaster, der Zierlinde mit Rundbank und den renovierten Fachwerkbauten.

Der Löwenbrunnen war jedoch mehr als das rein symbolische Wahrzeichen der Stadt. Sein Inhalt war es, der den Ruf und den Reichtum von Bad Löwenau begründete. Denn das Wasser des Brunnens war kein gewöhnliches Wasser, sondern kostbares Heilwasser, dem unglaubliche Wunderdinge zugeschrieben wurden.

Von der Polizeiinspektion bis zum Löwenbrunnen waren es keine fünfzig Meter. Ohne lange zu überlegen, stürzten Polizeiobermeister Schwarze und Jana Cerni nach draußen. Auch Freitag rannte los, kläffte und wedelte mit dem Schwanz. In seiner Begeisterung lief er Schwarze zuerst in den Laufweg, dann in die Beine. Der Beamte fluchte, Freitag bellte.

Rubin blieb auf dem überdachten Treppenabsatz vor der zweiteiligen Tür der Polizeiinspektion stehen. Er schloss seinen Wollmantel, der vom Hinweg vor kaum einer Stunde noch feucht war, und zog einen festen Knoten in seinen Schal. Er spannte seinen Schirm auf und hörte, wie der Regen auf das Glasdach über der Tür trommelte.

Er hatte sich seine Rückkehr anders vorgestellt – ruhiger und beschaulicher. Er hatte gehofft, mehr Zeit zu haben, sich wieder an die altbekannten Dinge gewöhnen zu können, die ihm jetzt seltsam fremd vorkamen.

Doch daraus würde nichts werden. Da lag ein Toter im Brunnen. Er musste handeln.

Der Marktplatz füllte sich allmählich mit Menschen. Kurgäste, Touristen und Einheimische näherten sich dem Löwenbrunnen und blieben angesichts des Toten darin entsetzt stehen. Kaum jemand wagte laut zu sprechen, sei es aus Pietät, Überraschung oder vor Entrüstung. Niemand wusste, was er tun sollte.

Die meisten Menschen hatten leere Gefäße zum Abfüllen mitgebracht, Wasser- oder Milchflaschen aus Plastik, Tonkrüge, Einzelne sogar Einmachgläser mit Glasdeckel und roten Einmachgummis. Das Heilwasser war gratis, eine großzügige Geste der Stadt, die sich über die Jahre mehr als bezahlt gemacht hatte.

Rubin trat zu Schwarze und Jana Cerni, die bei einem kleinen Mann mit riesigem Bauch und kleinem Kopf in altmodischer Arbeitsmontur standen: Hausmeister Schulte musste mittlerweile mindestens fünfundsiebzig Jahre alt sein.

»Willkommen daheim, mein Junge«, sagte er mit listigem Blick. »Kennst mich doch noch, oder?«

Rubin nickte. Schulte hatte seinerzeit am Gymnasium ein hartes Regiment geführt. Er musterte ihn und dachte: Schulte gehört zu den Menschen, die nur ein Alter haben, das sie vierzig Jahre unverändert mit sich herumtragen.

»Kannst auch gleich mit der Arbeit anfangen, mein Junge. Sieht übel aus, der arme Kerl im Brunnen. Wenn ich behilflich sein kann, sag Bescheid.«

»Am besten, du fängst gleich in der Polizeiinspektion an«, sagte Schwarze und kniff ein Auge zu.

»Ach, habt ihr da neue Arbeit für mich?«, fragte Schulte gespielt überrascht. Mit Blick auf Rubins Pflaster auf der Stirn sagte er in einem warmen, freundlichen Ton: »Nix für ungut, Christoph, ich hoffe, es tut nicht allzu weh«, und weg war er.

Rubin trat näher an den Brunnen; er spürte, dass Dutzende Blicke auf ihn gerichtet waren. Er glaubte sich sogar aus den hohen Fenstern der Fachwerkhäuser ringsum beobachtet, obwohl kein einziges geöffnet war.

Rubin setzte einen Fuß auf den Brunnenrand, beugte sich vornüber.

Bei dem Toten handelte es sich um einen jungen Mann. Seine Augen waren weit aufgerissen, dunkel und starr.

Seltsam: Mit jeder neuen Leiche erinnerte sich Rubin an den ersten Toten, den er gesehen hatte. Es war sein Großvater gewesen, Rubin war elf Jahre alt. Er hatte nicht glauben können, dass der vertraute Mensch, dessen Gesicht sich über Nacht in eine Wachsmaske verwandelt hatte, nicht mehr am Leben war. Er hatte so ausgesehen, als ob er traumlos schliefe.

Rubin musste schlucken. Heftig wie Pendelschläge pochte sein Herz, und mit dem Pochen begann sein Schädelbrummen von Neuem.

Freitag lief aufgeregt hin und her, unermüdlich zwischen Rubin und Jana Cerni, zwischen Touristen mit Wasserflaschen und Einmachgläsern, die allmählich ungeduldiger wurden.

Der Tote war mit einer sportlichen Winterjacke ohne Kapuze und mit Jeans bekleidet. Sein Rücken lehnte an einem Löwenkopf am Mittelstück des Brunnens, Unterleib und Beine waren unter Wasser.

Am Brunnen befanden sich vier Löwenfiguren, eine pro Himmelsrichtung, aus deren Mäulern Wasserfontänen mit dem kostbaren Elixier sprudelten.

Überraschenderweise wurde der Tote von keiner Fontäne getroffen. Der Löwe spuckte sein Wasser über ihn hinweg in das Auffangbecken, das vom Rand bis zur Mitte eine Länge von über einem Meter hatte.

Das erleichterte den Freunden des Heilwassers das Leben nicht gerade. Man musste sich schon ordentlich recken, um sein Gefäß zu füllen. Wer ein Einmachglas hatte, war deutlich im Vorteil gegenüber dem Heilsuchenden mit handelsüblicher Wasserflasche, der sich durch die Wahl des Gefäßes als Heilwasserdilettant oder als Neuling outete. Meist gingen diese mit einem durchnässten Ärmel nach Hause.

Es hatte auch schon Fälle gegeben, da jemand beim Wasserzapfen in den Brunnen gefallen war. Jedoch hatten die Unglücksraben immer wieder heraussteigen können. Ganz im Gegensatz zu diesem jungen Mann hier.

Gerade als Rubin sich bei Schwarze erkundigen wollte, ob er den Toten identifizieren könne, hörte er jemanden hinter sich in einem seltsamen Tonfall rufen:

»Das ist Serkan! Serkan Arslan. Der Bruder von Hassan!«

Rubin drehte sich um. Der Rufer trug einen eng geschnittenen dreiteiligen Samtanzug in Bordeauxrot und darüber eine gewachste Regenjacke in dunklem British Racing Green. Ein gepunkteter Wollschal war mehrfach um seinen Hals geschlungen, in der Rechten schwenkte er einen riesigen chromgelben Schirm mit der Aufschrift »The war is declared – London calling«. Die ihm vorauseilende Parfumwolke trug eine herbe, rauchige Note.

Rubin brauchte eine kurze Weile, um ihn zu erkennen. Dann streckte er seinem alten Jugendfreund und Schulkameraden die Hand entgegen.

»Bernstein«, sagte er leise, aber mit Nachdruck.

Für einen kurzen Moment vergaß er, wo er war. Er vergaß den Toten, die unruhige Menschenmenge, den ganzen grauen, seltsamen Februarmorgen und fühlte sich in Jugendzeiten zurückversetzt.

»Schön, dich wiederzusehen, Rubin, alter Räuberhauptmann«, sagte Carl Bernstein. Und mit Blick auf den Brunnen fügte er hinzu: »Du hast dir den denkbar besten Zeitpunkt für deine Rückkehr ausgesucht. Allerdings auch ein bisschen schade, nicht wahr? Keine bezaubernde Penelope erwartet die Heimkehr des Helden Odysseus nach Jahren der Irrfahrt, sondern nur – eine einsame Wasserleiche.«

Rubin sagte nichts. Genau so kannte er Bernstein. So war er immer schon gewesen.

Unterdessen preschte Freitag herbei und sprang an Bernstein hoch. Rubin rief: »Aus!«, doch Bernstein johlte und kraulte ihn, und der Golden Retriever jaulte vor Vergnügen. Bernstein puffte und zwickte den Hund, sodass Rubin sich wunderte, warum dieser es einfach so geschehen ließ. Er hatte ganz offensichtlich den größten Spaß.

Äußerlich hatte sich Bernstein kaum verändert, er war noch immer groß, breitschultrig, sportlich. Wann hatten sie einander zum letzten Mal gesehen? Das musste viele Jahre zurückliegen. In der ersten Zeit nach Rubins Weggang hatten sie intensiv Kontakt gehalten, der dann mit der Zeit allerdings immer loser geworden war. Wie das eben so geht. Sie hatten einander versprochen, die Intervalle zwischen den Besuchen zu verkürzen, stattdessen waren sie, ohne dass einer der beiden den Grund gekannt hätte, länger geworden. Schließlich hatte es nicht einmal mehr Anrufe zum Geburtstag gegeben.

Doch was war das? Plötzlich ging ein Raunen durch die Menschenmenge.

Da war ein zweiter Mann im Brunnen!

3

Der Mann lag allerdings nicht wie der erste, sondern stand – aufrecht, knietief und barfuß im Wasser und war ganz offensichtlich noch quicklebendig.

Er neigte den Kopf zu dem Toten und sah ihm prüfend in die Augen. Als er dessen rechten Arm aus dem Wasser holen wollte, rief Rubin:

»Stopp! Nicht berühren!«

Der Mann ließ augenblicklich von seinem Vorhaben ab und wandte sich freundlich Rubin zu.

»Was machen Sie da?«, sagte Rubin und warf gleichzeitig Polizeiobermeister Schwarze einen fragenden Blick zu, der lediglich die Schultern hochzog.

»Ich denke, der gute Mann macht nichts anderes als seine Arbeit«, sagte Bernstein. »Gestatten, dass ich die Herren vorstelle: Das ist Peng Ching, einer unserer besten Ärzte, eine Kapazität auf seinem Gebiet. Seine Praxis befindet sich dort drüben im zweiten Stock.«

Er zeigte auf ein weißes Fachwerkhaus mit einer Apotheke im Erdgeschoss und zwei weiteren Stockwerken darüber.

»Meister Ching, das ist Christoph Rubin, der neue Leiter der Polizei und ein eingeborenes Kind unserer Stadt.«

Peng Ching stieg aus dem Brunnen und verneigte sich mit ausgesuchter Höflichkeit vor Rubin. Er war nicht größer als einen Meter siebzig und spindeldürr. In seinem Mondgesicht lächelten die Augen. Mit dem kahl geschorenen Schädel und dem Ziegenbärtchen sah er aus wie ein tibetanischer Mönch, der sein Gewand vorübergehend gegen Mantel, Pullover und Jeans eingetauscht hatte.

»Ich habe mich vergewissern wollen, dass keine Rettung mehr möglich ist«, sagte Peng Ching.

»Und?«

»Es ist keine Rettung möglich. Er ist tot.«

Peng Ching sprach ohne Akzent in einem melodischen, fast singenden Tonfall.

»Ich werde dem Notarzt Bescheid geben«, sagte Rubin.

»Wozu?«, fragte Bernstein.

»Ich brauche einen Totenschein.«

»Der Notarzt ist bei uns in Bad Löwenau in der Kurklinik. Da wird er – unter uns gesagt – auch am häufigsten benötigt. Bis die Herren von dort hier sind, kann es allerdings eine Weile dauern. Warum Zeit vergeuden? Zeit ist Heilwasser, und Heilwasser ist bare Münze für die Stadt. Allzu lange sollte die Leiche nicht im Wasser schwimmen, sonst werden die Touristen nervös. Deshalb wäre es praktischer, wenn Peng Ching hier und jetzt die Leiche untersucht.«

Rubin überlegte.

»Können Sie einen Totenschein ausstellen?«

»Selbstverständlich«, antwortete der Arzt zuvorkommend, »dazu muss ich die Leiche allerdings gründlich untersuchen – gründlich und vollständig entkleidet. Das wird hier draußen schlecht möglich sein.«

»Können wir die Leiche in Ihre Praxis bringen?«

»Gewiss.«

Rubin überlegte weiter, die Spurensicherung würde mit diesem Vorgehen sicherlich nicht einverstanden sein. Er kannte die Kollegen zwar noch nicht persönlich, aber er wusste sehr genau, sie waren überall auf der Welt gleich pingelig und mochten es nicht, wenn Leichen bewegt und erst recht nicht, wenn sie vom Fundort entfernt wurden. Andererseits hatten der Regen der letzten Nacht und das Heilwasser sowieso alle Spuren abgewaschen.

»So machen wir’s«, sagte er schließlich zu Peng Ching. »Haben Sie eine Bahre, um den Toten zu transportieren?«

»Sicher. Wenn mir bitte nur jemand beim Tragen assistieren könnte.«

Rubin winkte Schwarze herbei.

»Es ist der Türke von gegenüber, oder?«

Die Stimme des kräftigen Mannes mit den blassen, schmalen Augen klang deutlich nach frühem Morgen.

Es war Bernd Schirner, der Besitzer des gleichnamigen Cafés am Marktplatz, der sich Rubin und Bernstein unbemerkt genähert hatte.

»Wundert mich nicht, das Ganze hier«, brummte Schirner übertrieben laut und verzog den Mund, »habe mich schon oft gefragt, wann es so weit kommt.«

Rubin runzelte die Stirn, Bernstein würdigte den Mann nur eines einzigen kurzen Blickes.

»Na ja, Herr Hauptkommissar, Sie sind ja neu hier, wie man hört. Sie kennen die Verhältnisse noch nicht. Und können auch die Typen nicht kennen, die da im Mini-Supermarkt ein und aus gehen! Ha, Pack, sage ich Ihnen, Pack geht dahin!«

Freitag kam herbeigelaufen, und Rubin kraulte den Kopf des Golden Retrievers, der sich in Habachtstellung vor dem Mann platzierte.

»So, Pack, meinen Sie?«, sagte Rubin.

Bernstein schaltete sich ein: »Herr Schirner, Konditor der Extraklasse und Erfinder des berühmten Bad Löwenauer Astkuchens, gestatten Sie eine bescheidene Frage: Ist Ihr Café schon für die Aufnahme von Scharen von zahlungskräftigen Kurgästen geöffnet?«

»Wie? Äh, natürlich habe ich geöffnet.«

»Wie entzückend, Meister aller Kuchenklassen, warum kümmern Sie sich dann nicht um das Wohlergehen Ihrer Gäste? Wenn es heute schon kein Heilwasser gibt, so sollte es doch zumindest an koffeinhaltigem Brackwasser nicht fehlen, oder?«

Schirner wurde rot vor Zorn. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich zackig wie ein Soldat auf dem Absatz herum und zog beleidigt davon.

Rubin sparte sich einen Kommentar und wies stattdessen Jana Cerni an, den Löwenbrunnen weitläufig für die Öffentlichkeit abzusperren. Dann wandte er sich Bernstein zu.

»Ist das der Mini-Supermarkt dort?« Er deutete auf ein Haus gleich neben dem Café Schirner.

»Der Mini-Supermarkt, eine Oase des Allerlei«, sagte Bernstein. »Manche hier halten ihn gar für eine Fata Morgana, das Trugbild eines arglistigen Geistes aus der Flasche, nach Bad Löwenau gesandt, um das idyllische Stadtbild in Schieflage zu bringen. Doch das sind nur Gerüchte. Tatsächlich bekommst du bei Hassan und Serkan alles, was du brauchst. Und was du nicht brauchst, bekommst du auch: Computer und Fladenbrot, Handys und Kichererbsen, frisches Obst und alle Kräuter und Düfte des Orients von Kreuzkümmel bis Kardamom, von Moschus bis Nanaminze.«

»War in dem Haus nicht früher der Uhrmacher?«, fragte Rubin.

»Richtig, Uhrmacher Weis mit den Taucheruhren. In jeder Vorweihnachtszeit sind wir um den Laden herumschlawinert.«

»Ich weiß noch, wie glücklich ich war, als ich zu Weihnachten eine Taucheruhr bekam.«

»Ich habe nie eine bekommen – tragisch. Aber so ist das: Im Leben gibt es zwei wesentliche Tragödien. Die eine ist, dass man nicht bekommt, was man will. Die andere ist, dass man es bekommt.«

Rubin grinste, er fühlte sich plötzlich um viele Jahre verjüngt. Er musste sich zusammenreißen, um sich wieder in die Wirklichkeit zu versenken.

»Du hast den jungen Mann gekannt«, sagte er.

»Ja. Er hieß Serkan Arslan.«

»Wie gut kanntest du ihn?«, fragte Rubin weiter.

Bernstein überlegte einen Moment und betrachtete den Toten.

»Ich habe einmal ein Interview mit ihm geführt; es ging um junge Leute und das Nachtleben von Bad Löwenau. Ist ein sehr kurzer Artikel geworden. Serkan war keine Plaudertasche. Ich habe mich damals gefragt, ob er in seinem Leben überhaupt jemals so etwas wie Nachtleben gehabt hatte. Trotzdem war er ein aufgeweckter Bursche, wenngleich ein bisschen langweilig. Schwierig, schlau aus ihm zu werden. Jedenfalls wirkte er in der Atmosphäre des Mini-Supermarktes so deplatziert wie die eiserne Jungfrau auf einer Dorfkirmes. Ich begegnete ihm immer, wenn ich mein geliebtes, unwiderstehliches Halva kaufte.«

Aus dem Augenwinkel bemerkte Rubin, wie sich die Tür des Mini-Supermarkts öffnete. Er sah eine schlanke, stolze Gestalt über den Marktplatz näher kommen.

»Das muss Hassan sein«, sagte Rubin.

»Das hätte ich selbst nicht besser sagen können«, antwortete Bernstein.

Nach der Art, wie Hassan voranschritt, mühevoll, langsam und in sich versunken, konnte es keinen Zweifel geben, dass er bereits wusste, wer der Tote im Brunnen war.

Hassan ging geradewegs auf den Löwenbrunnen zu. Von Rubin und Bernstein trennten ihn nur wenige Meter, als er kurz vor dessen Rand stehen blieb.

Während er auf die Leiche seines Bruders im Wasser starrte, bebten seine Lippen, seine Miene war in Stein gemeißelt. Mit unterdrückter Stimme stieß er hervor: »Ich kriege das Schwein! Ich mach ihn kalt!«

Er zitterte am ganzen Leib, Tränen füllten seine schwarzen Augen. Und Rubin wunderte sich, dass Hassan keine Anstalten machte, näher an den Brunnenrand zu rücken.

Hassan murmelte etwas auf Türkisch, das weder traurig noch verzweifelt, sondern eher wie ein Gelübde klang, dann nahm er Rubin und Bernstein ins Visier. Seine Blicke flogen vom einen zum anderen, und der Ausdruck seiner Miene wechselte von Überraschung zu Abscheu, von Trauer zu Groll. Seine gesamte Körperhaltung schien ein einziger bitterer, unversöhnlicher Vorwurf zu sein.

Schließlich wandte er sich wieder ab und ging langsam, sehr langsam und gleichmäßig, über das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes zurück in seinen Laden, ungeachtet der vielen Pfützen, die seine Hose durchnässten.

Rubin hörte, wie die Ladentür ins Schloss schlug. Hinter den regenverschmierten Scheiben ging ein Licht an und kurz darauf wieder aus. Die Geräusche von zerspringendem Glas drangen über den Marktplatz.

Rubin konnte Hassan in diesem Moment verstehen, ja, wirklich gut verstehen – manchmal muss etwas zerstört werden, wenn eine andere Zerstörung nicht mehr zu ertragen ist.

4

Allmählich verließen die ersten Kurgäste und Touristen den Marktplatz. Missmutig, vielleicht auch enttäuscht zogen sie davon, weil sich bei Nieselregen und Februartemperaturen nichts Spektakuläres mehr ereignete. Kein Einsatzwagen schoss mit Blaulicht und lautem Martinshorn über den Marktplatz, keine Spurenexperten in weißen Schutzanzügen stellten Gewebeproben und Fingerabdrücke sicher.

Aber nicht alle zogen ab. Eine elegant gekleidete Seniorin mit lila Haaren erkundigte sich bei Jana Cerni:

»Frau Polizistin, wie lange werden Sie noch für die Spurensicherung brauchen? Mein Mann und ich, wir müssten dann nämlich jetzt weiter für die ersten Anwendungen und würden später wegen des Heilwassers wiederkommen. Ist der Brunnen dann wieder zugänglich?«

»Das kann ich Ihnen leider nicht sagen«, antwortete Jana Cerni.

Ein Mann in bunter Allwetterjacke fragte, ob er nicht auf die Schnelle, ganz unbürokratisch, ein bisschen Wasser abzapfen könnte, weil sein Kurarzt ihm wegen seiner Gicht eine regelmäßige Einnahme des Heilwassers verordnet habe.

Die Polizistin schüttelte streng den Kopf.

Rubin stand noch immer bei Bernstein, der mit Freitag Späße machte. Er warf Stöckchen um Stöckchen, die der Golden Retriever begeistert zu seinen Füßen ablegte. Er holte sie von überall her auf dem Marktplatz, kleine Ästchen oder Holzstücke von Gemüsekisten. Mit kauzigem Bellen und Fiepen forderte er Bernstein immer wieder zu einem neuen Wurf heraus.

Rubin verfolgte das muntere Treiben der beiden, gleichzeitig stieg Unruhe in ihm auf. Wo blieb Schwarze mit der Bahre?

Er legte die Hand auf Bernsteins Schulter und sagte: »Tut mir leid, wenn ich euch beide in eurem Spielvergnügen bremsen muss, aber ich möchte dich jetzt bitten, hinter die Absperrung zu treten. Ich muss mit den Ermittlungen beginnen.«

»Und ich muss eine Kolumne schreiben, bester Rubin. Ich denke, wir arbeiten an ein und derselben Sache.«

Rubin stutzte. »Ich kann dich aber nicht an der Polizeiarbeit teilhaben lassen. Die Vorschriften verlangen …«

»… dass du den Fall aufklärst. Und von mir wird verlangt, dass ich die Stadt aufkläre. Damit wären wir schon zwei im Bunde«, sagte Bernstein und steuerte zielstrebig auf den Brunnen zu. Freitag legte wieder sein Stöckchen ab, doch diesmal ging Bernstein nicht auf das Spiel ein.

»Komm her und sieh dir Serkan mal genauer an, Rubin.«

Bernstein legte sein Kinn in die Hand, den Kopf sanft auf die Seite und spitzte den Mund.

»Wir sehen: Seine Augen sind weit aufgerissen, sein Mund ist geschlossen. Wie seltsam, eine Mischung aus jähem Entsetzen und plötzlichem Verstummen.«

»Was hat ihn so sehr entsetzt – willst du das damit sagen?«

»Ja, ganz genau: Was hat Serkan in seinen letzten Momenten erlebt, das ihn verstummen ließ? Etwas Schreckliches muss seinen Schrei unterdrückt haben!«

Rubin trat dichter an den Brunnenrand.

»Es gibt offensichtlich keine Spuren von Gewalteinwirkung«, sagte er. »Wirf mal einen Blick auf seine Jacke. Was fällt dir auf?«

»Sie ist bunt gemustert und hat den zweifelhaften Chic der Vorsaison.«

»Was noch?«

»Hm, sie ist nass.«

»Witzbold. Sie ist geöffnet!«

»Das Hemd darunter ist auch offen. Bis zum dritten Knopf. Sein Schal hängt lose um die Schultern.«

»Genau, Bernstein, bei diesen Temperaturen trägt gewöhnlich jeder seine Kleidung geschlossen, oder?«

»Ja, selbst deine Kollegin, die bezaubernde Jana Cerni, hat, wie ich zu meinem Bedauern feststellen muss, heute ihren Kragen bis zum Kinn geschlossen – ein Jammer.«

Bernstein machte ein paar Schritte um den Brunnen herum und drehte wieder seinen gelben Schirm. Schließlich tippte er mit dem Zeigefinger gegen seine Lippen.

»Wie könnte sich das Ganze abgespielt haben? Aller Wahrscheinlichkeit nach so: Serkan wurde in einem überhitzten Hinterzimmer Opfer einer Verschwörung. Ein gewissenloser Schuft war mit den Ratenzahlungen seines Computers im Verzug und wollte den Kreditkauf auf die harte Tour stornieren. Nach der Bluttat hat er die Leiche als grausiges Mahnmal in den Brunnen gestopft.«

Genau wie früher, dachte Rubin. Bernstein hatte es schon immer geliebt, die graue Realität der Welt und des Lebens mit farbenprächtigen Geschichten auszuschmücken. Rubin schüttelte den Kopf.

»Wieso denkst du überhaupt an Mord, Bernstein?«

»Glaubst du, Serkan hat freiwillig ein nächtliches Bad genommen?«

»Man darf nicht zu schnell schlussfolgern, sonst sieht man nur noch die Ergebnisse der eigenen Logik und nicht mehr die Dinge, wie sie sind. Es könnte ein Unfall gewesen sein.«

»Das ist so wahrscheinlich wie ein päpstliches Bekenntnis zur Empfängnisverhütung während der Ostermesse.«

»Aber nicht unmöglich.«

»Glaubst du tatsächlich, der Zufall, dieser alte Schwerenöter, könnte uns den Toten in den Brunnen gelegt haben, vielleicht damit die Touristen beim Wasserzapfen eine kleine Abwechslung von ihrem Kurbetriebstrott bekommen?«

Bernstein ging weiter auf und ab, umkreiste gezielt jede Pfütze. Plötzlich ging er tief in die Hocke, so tief, dass sein Kopf sich auf Brusthöhe mit dem Toten befand.

Rubin ging gleichfalls in die Hocke, gleich neben Bernstein. Freitag gesellte sich zu ihnen. Rubin schärfte seinen Blick.

»Der rechte Arm ruht auf dem Absatz des Mittelstückes, er ist ausgestreckt wie ein Zeiger. Diese Haltung ist nicht natürlich.«

»Vielleicht will er uns etwas mitteilen, eine geheime Botschaft«, sagte Bernstein. »Stell dir vor, der Marktplatz wäre eine gigantische Uhr mit römischen Ziffern und verschnörkelten Zeigern, dann stünde der Kopf auf zwölf Uhr, die Füße auf sechs und der Zeiger der rechten Hand auf elf. Elf Uhr, das ist es! Um diese Zeit wurde die Tat verübt!«

Rubin legte seine Stirn in Falten. »Das überzeugt mich nicht.«

»Gut, dann eben anders: Der ausgestreckte Arm gibt uns einen Hinweis auf den Mörder: Hassan aus dem Mini-Supermarkt!«

»Der eigene Bruder?«