Mit Fiasko knüpft Stanisław Lem an jene Phase seines literarischen Schaffens an, die mit Romanen wie Solaris (1972) und Der Unbesiegbare (1967) seine größten erzählerischen Erfolge aufwies. Fiasko, ein Buch von grandiosem pessimistischem Zuschnitt, nimmt eine Idee auf, die die intellektuelle Science-fiction zumeist vermieden hat: die Möglichkeit der Selbstzerstörung unseres Planeten Erde. Im 22. Jahrhundert versucht ein Raumschiffkommando mit einer außerirdischen Zivilisation Kontakt aufzunehmen. Doch diese ist in einem fatalen Zustand, seit über 100 Jahren befindet sich das fremde Planetensystem in einer Phase eines kalten Krieges und Wettrüstens. Auch der Planet Quinta, den die Menschen ansteuern, ist militarisiert worden und Teil einer gewaltigen »Sphäromachie«, in der unzählige hochautomatisierte Satelliten sich gegenseitig in Schach halten.

Die Kontaktaufnahme gestaltet sich ob des »kosmischen Vorbeiredens« als so schwierig, daß eine Katastrophe, obwohl nicht unvermeidlich, nicht abzuwenden ist. Ein Fiasko der Astronauten, aber auch all derer, die sich eine Verständigung mit einer fremden Zivilisation erhofft hatten.

»Stanisław Lem ist der lächelnde Weise der Science-fiction, der Philosoph und Poet zugleich, der mit Witz und Wortspiel die planetaren Schöpfungsakte und Fehlkonstruktionen beschreibt.«

Ludwig Harig, FAZ

Stanisław Lem wurde am 12. September 1921 im polnischen Lwów (Lemberg) geboren, lebte zuletzt in Krakau, wo er am 27. März 2006 starb. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Übersetzer und freier Schriftsteller. Er wandte sich früh dem Genre Science-fiction zu, verfaßte aber auch gewichtige theoretische Abhandlungen und Essays zur Kybernetik, Literaturtheorie und Futurologie. Stanisław Lem zählt zu den bekanntesten und meistübersetzten Autoren Polens. Viele seiner Werke wurden verfilmt.

Stanisław Lem

Fiasko

Roman

Aus dem Polnischen
von Hubert Schumann

Suhrkamp

Titel der Originalausgabe:

Fiasco

© 1986 by Stanisław Lem

Die Übersetzung wurde vom Autor autorisiert.

Umschlagfoto: Roger Ressmeyer / Corbis

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2013

© der deutschen Ausgabe

Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2000

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlag: Göllner, Michels, Zegarzewski

eISBN 978-3-518-74316-4

www.suhrkamp.de

Inhalt

I Birnams Wald

II Die Beratung

III Der Verunglückte

IV SETI

V Beta Harpyiae

VI Die Quinta

VII Auf Fang

VIII Der Mond

IX Die Verkündung

X Der Angriff

XI Demonstration der Stärke

XII Der Paroxysmus

XIII Kosmische Eschatologie

XIV Das Märchen

XV Sodom und Gomorrha

XVI Die Quintaner

I
Birnams Wald

»Diese Landung hast du ja noch mal sauber hingekriegt.« Der Mann, der das sagte, sah den Piloten, der im Raumanzug, den Helm unterm Arm, vor ihm stand, nicht mehr an, sondern trat an eine der gläsernen Wände, die den runden Kontrollraum mit seinen hufeisenförmig angeordneten Steuerpulten umschlossen. Man erkannte von hier aus trotz der Entfernung die Größe des zylindrischen Raumschiffs und den Ruß an seinen Düsen, aus denen immer noch ein schwärzlicher Auswurf auf den Beton kleckerte. Der andere Fluglotse, ein vierschrötiger Mann, der eine Baskenmütze auf dem Kahlkopf trug, ließ die Bandaufzeichnungen rückwärtslaufen und schielte dabei nach dem Ankömmling nur aus den Augenwinkeln, wie ein Vogel mit reglosen Lidern. Er hatte Kopfhörer auf und vor sich eine Reihe chaotisch flimmernder Monitore.

»Es ging zu machen«, warf der Pilot hin. Er stemmte sich leicht gegen die vorstehende Kante eines Pultes, als brauchte er das, um die schweren Handschuhe mit den doppelten Säumen auszuziehen. In Wahrheit hatte er nach dieser Landung noch weiche Knie.

»Was war denn los?«

Der Kleine am Fenster, der ein Mausgesicht hatte, unrasiert war und in einer schäbigen Lederjacke steckte, klopfte auf der Suche nach Zigaretten die Taschen ab.

»Eine Deflexion des Schubs«, brummelte der Pilot, den diese ganze phlegmatische Begrüßung ein wenig verblüfft hatte.

Der andere hatte seine Zigarette inzwischen im Mund, nahm einen Zug und fragte durch den ausgeatmeten Rauch: »Aber warum? Wissen Sie das nicht?«

»Nein«, wollte der Pilot antworten, aber er verschluckte es, weil ihm schien, er hätte es wissen müssen. Das Band war abgelaufen, sein Ende raschelte um die wirbelnde Trommel. Der Große stand auf, nahm den Kopfhörer ab, nickte dem Besucher jetzt erst zu und sagte heiser: »Ich bin London, und das ist Gosse. Willkommen auf dem Titan. Was trinken wir? Wir haben Kaffee und Whisky da.«

Der junge Pilot wurde verlegen. Er kannte diese Männer mit Namen, hatte sie aber nie gesehen und willkürlich angenommen, Gosse, der Chef, müsse der Große sein, nun aber war es umgekehrt. Er traf im Kopf die notwendige Umstellung und entschied sich für Kaffee.

»Was für Fracht? Karborundköpfe?« fragte London, als sie zu dritt an einem aus der Wand gezogenen Tisch saßen. Der Kaffee dampfte in Gefäßen, die an Laborgläser erinnerten – sie hatten Tüllen.

Gosse spülte mit dem Kaffee eine gelbe Tablette hinunter, er atmete tief durch, mußte husten und schneuzte sich, daß ihm die Tränen kamen.

»Und Strahler haben Sie auch gebracht, nicht?« wandte er sich dem Piloten zu.

Dieser, von neuem erstaunt, daß seine Leistung kein größeres Interesse fand, bejahte nur mit einem Nicken. Schließlich passiert es nicht alle Tage, daß es einer Rakete bei der Landung den Schub abwürgt. Statt der Frachtliste hatte er den fertigen Bericht auf den Lippen gehabt, wie er, ohne erst lange die Düsen durchzuspülen oder den Hauptschub zu erhöhen, sofort die Automatik abgeschaltet und nur mit den Boostern aufgesetzt hatte, ein Kunststück, das er außerhalb des Simulators noch nie probiert hatte, und auch das war lange her. Er mußte seine Gedanken also erneut umstellen.

»Habe ich«, sagte er aus alledem heraus und verspürte sogar Genugtuung, denn es hatte nicht schlecht geklungen. So lakonisch nach überstandener Gefahr!

»Aber nicht dorthin, wo sie hingehörten«, lächelte Gosse, der Kleinere.

Der Pilot wußte nicht, ob das ein Scherz sein sollte. »Wieso nicht? Ihr habt mich doch angenommen. Angefordert habt ihr mich«, korrigierte er.

»Das mußten wir.«

»Ich verstehe nicht.«

»Sie sollten doch im Gral landen.«

»Wozu habt ihr mich dann vom Kurs geholt?«

Ihm wurde heiß, die Aufforderung hatte einen kategorischen Klang gehabt. Zwar hatte er unterwegs einen Funkspruch des Grals über einen Unfall aufgefangen, aber wegen des Störrauschens wenig davon verstanden. Er flog den Titan nämlich vom Saturn aus an, um durch dessen Gravitation die Geschwindigkeit zu drosseln und Treibstoff zu sparen. Das Raumschiff hatte die Magnetosphäre des Riesen gestreift, so daß es auf allen Wellenlängen nur so prasselte. Gleich darauf war der Ruf vom hiesigen Kosmodrom gekommen, der Flugkontrolle hat der Navigator zu gehorchen, und nun ließen sie ihn nicht einmal den Raumanzug ausziehen, sondern nahmen ihn gleich ins Verhör. Im Geiste war er immer noch im Steuerraum, die Gurte schnitten ihm scheußlich in Brust und Rücken, als die Rakete mit den ausgefahrenen Landestelzen auf den Beton knallte, die noch nicht leergebrannten Booster Feuer spien und den ganzen Rumpf durcheinanderrüttelten.

»Worum geht es? Wo sollte ich eigentlich landen?«

»Ihr Stückgut gehört dem Gral«, erklärte der Kleine und putzte sich die gerötete Nase. Er hatte Schnupfen. »Wir haben Sie oberhalb der Umlaufbahn abgefangen und hierher gerufen, weil wir Killian brauchen, Ihren Passagier.«

»Killian«, wunderte sich der junge Pilot. »Der ist nicht bei mir an Bord. Bei mir ist nur Sinko, mein Kopilot.«

Die beiden waren verdattert.

»Wo ist Killian?«

»Jetzt bestimmt schon in Montreal. Seine Frau kriegt ein Kind. Er ist vor mir mit einer Güterfähre geflogen, noch vor meinem Start.«

»Vom Mars?«

»Klar, woher sonst ... Was ist los?«

»Die Schlamperei im All steht der auf der Erde nicht nach«, konstatierte London und stopfte sich die Pfeife mit einer Gewalt, als wolle er sie zerbrechen. Er war wütend, der Pilot nicht minder.

»Fragen konntet ihr mich wohl nicht, was?«

»Wir waren sicher, daß er bei Ihnen an Bord ist. So hieß es im letzten Funkspruch.«

Gosse schneuzte sich erneut und seufzte.

»Wegfliegen können Sie jetzt so und so nicht mehr«, meinte er schließlich. »Und Marlin konnte die Strahler kaum erwarten. Jetzt wird er alles auf mich schieben.«

»Aber sie sind ja da.« Der Pilot wies mit einer Kopfbewegung hinaus, wo durch den Dunst die schlanke dunkle Spindel seines Raumschiffs zu sehen war. »Sechs Stück sind es wohl, zwei davon im Gigajoule-Bereich. Sie pusten jeden Nebel und jede Wolke weg wie nichts.«

»Aber ich kann sie nicht auf den Buckel nehmen und zu Marlin schleppen«, gab Gosse zurück, dessen Laune immer schlechter wurde.

Der Pilot war verärgert über die Fahrlässigkeit und Eigenmächtigkeit, mit der ihn nach drei Flugwochen ein untergeordneter Landeplatz – wie dessen Chef sich ausdrückte – »abgefangen« hatte, ohne sich die Gewißheit verschafft zu haben, daß der erwartete Passagier an Bord war. Er hatte es daher gar nicht eilig mit der Erklärung, daß die Sorge um die Ladung allein ihre Sache war. Vor der Behebung des Schadens konnte er nichts machen, selbst wenn er wollte. Er schwieg.

»Es ist klar, daß Sie bei uns bleiben.«

Mit diesen Worten trank London den Kaffee aus und erhob sich von seinem Aluminiumhocker. Er war gewaltig wie ein Schwergewichtsringer. Als er jetzt vor die gläserne Wand trat, bot die Landschaft des Titan seiner Gestalt einen prächtigen Hintergrund: die leblose Raserei des Gebirges, unirdisch durch seine Farbe in dem roten Glanz, den braune Wolken über den Bergrücken festhielten.

Der Fußboden des Towers vibrierte leicht. Die müssen hier einen uralten Trafo haben, dachte der Pilot. Auch er stand auf, um sein Raumschiff zu betrachten. Wie ein Leuchtturm ragte es senkrecht aus dem niedrigen Nebel, dessen Schwaden zwar vom Wind dahingetrieben wurden, die Flecken der überhitzten Stellen an den Düsen jedoch verbargen. Vielleicht lag es aber auch an Entfernung und Dämmerung, oder sie waren ganz einfach erkaltet.

»Habt ihr hier Gamma-Defektoskope?«

Das Raumschiff war für ihn wichtiger als ihre Sorgen. Die hatten sie sich ja selbst bereitet.

»Ja, aber im normalen Raumanzug lasse ich niemanden an die Rakete ran«, sagte Gosse.

Der Pilot fuhr herum. »Sie meinen, es ist der Reaktor?«

»Und Sie?«

Der kleine Flugleiter stand ebenfalls auf und trat zu ihnen. Aus den Schlitzen im Fußboden unterhalb der gewölbten Scheiben wehte angenehme Wärme.

»Beim Niedergehen sprang die Temperatur über die Norm, aber die Geigerzähler sprachen nicht an. Es ist wohl doch nur die Düse. Vielleicht hat sie die Keramik aus der Brennkammer ausgestoßen. Ich hatte den Eindruck, etwas zu verlieren.«

»Die Keramik mag fort sein, aber da ist etwas ausgelaufen«, sprach Gosse energisch. »Keramik schmilzt nicht.«

»Die Pfütze dort?« Der Pilot wunderte sich. Sie standen vor den Scheiben aus Thermoglas. Unter dem Heck war durch die Nebelschwaden, die der Sturm um den Rumpf des Raumschiffs jagte, tatsächlich eine schwarze Lache zu sehen.

»Was haben Sie im Reaktor? Schweres Wasser oder Natrium?« erkundigte sich London. Er überragte den Piloten um Haupteslänge.

Aus dem Funkgerät kam ein Zirpen, Gosse sprang hinzu, setzte Kopfhörer und Kehlkopfmikrofon auf und sprach leise mit jemandem.

»Das kann nicht aus dem Reaktor sein«, sagte ratlos der Pilot. »Ich habe schweres Wasser, die Flüssigkeit ist durchsichtig und klar wie Kristall. Das dort jedoch ist schwarz wie Teer.«

London stimmte ihm zu. »Dann ist eben die Kühlung in der Düse undicht geworden, und die Keramik ist geplatzt.« Er sprach, als handele es sich um ein Streichholz. Die Havarie, die den Piloten mit seinem Raumschiff in diesem Loch gefangensetzte, regte ihn überhaupt nicht auf.

»Bestimmt war es das«, pflichtete der junge Mann bei. »Der größte Druck in den Trichtern herrscht beim Bremsen. Wenn die Keramik an einer Stelle platzt, fegt der Hauptschub restlos alles hinaus. So ist es bei der Steuerborddüse passiert.«

London sagte nichts dazu, und der Pilot meinte zögernd: »Vielleicht habe ich zu nahe aufgesetzt ...«

»Quatsch. Gut, daß Sie überhaupt gerade aufgesetzt haben.«

Der Pilot wartete auf weitere Bemerkungen, die er als Lob auffassen konnte, aber London musterte ihn nur wortlos von dem zerzausten hellen Schopf bis zu den Füßen in den weißen Stiefeln des Raumanzugs.

»Morgen schicke ich einen Techniker zur Defektoskopie ... Haben Sie den Reaktor auf Leerlauf gestellt?« setzte er plötzlich hinzu.

»Nein, ich habe ihn ganz abgeschaltet. Wie fürs Docking.«

»Das ist gut.«

Der Pilot sah nun schon, daß er niemandem von dem Kampf berichten konnte, den er direkt über dem Kosmodrom mit seiner Rakete ausgefochten hatte. Der Kaffee war ja gut gewesen, aber sollten die Gastgeber, die sich ihm dermaßen aufgedrängt hatten, nicht ein Zimmer und ein Bad für ihn haben? Er sehnte sich nach einer warmen Dusche. Gosse brabbelte immer noch ins Mikrofon, London stand über ihn gebeugt. Die Situation war unklar, aber spannungsgeladen. Der Pilot spürte, daß die beiden Wichtigeres am Hals hatten als seine Abenteuer und daß das mit den Funkmeldungen des Grals zusammenhängen mußte. Auf dem Fluge hatte er Fetzen davon mitbekommen – es war die Rede von verschollenen Maschinen und von der Suche nach ihnen.

Gosse drehte sich auf seinem Sitz herum, so daß die Leitung des Kopfhörers sich straffte und ihm das Gerät von den Ohren auf den Hals riß. »Wo steckt denn dieser Sinko, den Sie bei sich haben?«

»An Bord. Er soll den Reaktor überprüfen.«

London sah den Chef immer noch fragend an. Dieser machte eine kaum merkliche verneinende Bewegung mit dem Kopf und murmelte: »Nichts.«

»Und ihre Hubschrauber?«

»Sind umgekehrt. Sicht Null.«

»Hast du nach ihrer Tragkraft gefragt?«

»Sie schaffen es nicht. Was wiegt so ein Gigastrahler?« wandte er sich an den Piloten, der der Unterredung zuhörte.

»Ich weiß nicht genau. Knapp hundert Tonnen.«

»Was machen Sie?« drängte London. »Worauf warten Sie?«

»Auf Killian ...«, antwortete Gosse und setzte einen saftigen Fluch dazu.

London entnahm dem Wandschrank eine Flasche »White Horse«, schüttelte sie, als wolle er prüfen, ob das für den Sachverhalt das geeignete Mittel sei, und stellte sie zurück in ihr Fach. Der Pilot stand abwartend da. Er fühlte nicht mehr die Last des Raumanzugs.

»Wir haben zwei Männer verloren«, sagte Gosse. »Sie sind nicht im Gral angekommen.«

»Nicht zwei, sondern drei«, verbesserte London finster.

»Vor einem Monat«, griff Gosse den Faden auf, »bekamen wir einen Transport neuer Diglatoren. Sechs Stück, für den Gral. Dort konnten sie das Raumschiff nicht aufnehmen, weil sie mit dem neuen Beton des Kosmodroms nicht fertig waren. Die gesamte Rüstung der Platten, für die eine Kommission die Garantie übernommen hatte, war nämlich geborsten, als der ACHILLES, der erste Containertransporter, landete. Er wiegt neunzigtausend Tonnen, und es war ein Glück, daß er nicht umgekippt ist. Zwei Tage brauchten sie, um ihn von der Bruchstelle in die Werft zu ziehen. In aller Eile machten sie Zementspritzen, zogen einen feuerfesten Belag darüber und öffneten den Flughafen. Die Diglatoren aber standen bei uns. Die Herren Experten hielten einen Transport per Rakete für unrentabel, und Kapitän des ACHILLES ist außerdem Ter Leoni. Würde der mit seinem Neunzigtausendtonner etwa die hundertachtzig Meilen vom Gral herüberkommen? So eine Kiste ist doch kein Floh! Marlin schickte seine beiden besten Steuerleute. Letzte Woche haben sie zwei Maschinen nach dem Gral überführt, die dort bereits eingesetzt sind. Vorgestern kamen die beiden wieder mit dem Hubschrauber her. Im Morgengrauen machten sie sich mit den nächsten Maschinen auf den Weg, mittags passierten sie den Großen Zacken, und als sie den Abstieg begannen, brach die Funkverbindung ab. Es ging eine Menge Zeit verloren, weil vom Zacken an der Gral das Lotsen übernimmt. Wir dachten, wir hörten nichts mehr, weil sie in unserm Funkschatten waren.«

Gosse berichtete ruhig und monoton. London stand mit dem Rücken am Fenster. Der Pilot hörte zu.

»Mit demselben Helikopter wie die Steuerleute war Pirx gekommen. Er hatte seine CUVIER im Gral aufgesetzt und wollte mich sehen. Wir kennen uns seit Jahren. Am Abend sollte ihn der Helikopter wieder abholen, konnte aber nicht kommen, weil Marlin alles für die Suche aufgeboten hatte, Pirx wollte oder konnte nicht warten, er sollte morgen starten und dabei sein, wenn das Raumschiff klargemacht wird. Er setzte durch, daß ich ihn mit einem der Diglatoren zum Gral zurückkehren ließ. Ich verlangte sein Wort, daß er die südliche Route nahm, die länger war, aber außerhalb der Depression blieb. Er gab mir sein Wort und brach es. Ich sah auf dem ORSAN, wie er in die Depression hinabstieg.«

»Was ist ORSAN?« fragte der Pilot. Er hatte Schweiß auf der Stirn und war blaß geworden, wartete aber auf die Erklärung.

»Der Orbitalsatellit für Patrouillen. Er überfliegt uns alle acht Stunden und lieferte mir gerade das Bild. Pirx stieg hinunter und verschwand.«

»Sagten Sie übrigens Pirx?« fragte der Pilot mit verändertem Gesicht. »Der Kommodore Pirx?«

»Ja. Kennen Sie ihn?«

»Ob ich ihn kenne!« rief der Pilot aus. »Ich bin als Assistent bei ihm geflogen. Er hat mein Diplom unterschrieben ... Pirx? So viele Jahre ist er heil aus den schlimmsten ...« Er stockte, in ihm kochte es, er hob den Helm mit beiden Händen, als wolle er ihn auf Gosse schleudern. »Wie konnten Sie ihn allein mit dem Diglator gehen lassen, wie konnten Sie! Er ist Fernflugkommandant und kein Chauffeur ...«

»Er hat diese Geräte schon gekannt, als Sie noch in kurzen Hosen gingen«, erwiderte Gosse. Es war offenkundig, daß er sich gegen den Vorwurf zu wehren suchte. London ging mit steinernem Gesicht zu den Monitoren, zwischen denen mit herabgerutschtem Kopfhörer Gosse saß, und klopfte vor dessen Nase die Pfeifenasche in eine leere Aluminiumtrommel. Er sah die Pfeife an, als wüßte er nicht, was er da hielt, und nahm sie in beide Hände. Sie zerbrach. London warf die Stücke weg, ging wieder ans Fenster und blieb reglos stehen, die Hände auf dem Rücken verschränkt.

»Ich konnte es ihm nicht verweigern ...«

Gosse wandte sich damit zweifellos an London, der aber nichts zu hören schien, sondern durch die Scheibe in die wallenden Knäuel des roten Nebels starrte. Von der Rakete war jetzt nur noch manchmal die Spitze zu sehen.

»Gosse!« sagte auf einmal der Pilot. »Sie geben mir so eine Maschine.«

»Nein.«

»Ich habe das Führerpatent für Tausendtonner.«

Gosses Augen blitzten kurz auf, aber er wiederholte: »Nein. Sie haben noch nie auf dem Titan gearbeitet.«

Der Pilot öffnete wortlos seinen Raumanzug. Er schraubte den breiten Metallkragen ab, löste die Schulterklemmen, zog den darunter liegenden Reißverschluß auf, griff tief unter die Achsel und brachte eine Brieftasche hervor, die vom langen Tragen gequetscht war. Die Schulterteile des Raumanzugs klafften auseinander wie aufgeschnitten. Der Pilot trat zu Gosse und legte ihm ein Papier nach dem anderen vor.

»Das ist vom Merkur. Dort hatte ich einen Biganten, ein japanisches Modell von achthundert Tonnen. Hier ist mein Berechtigungsschein für Tausendtonner. In der Antarktis habe ich Festlandeis gebohrt, mit einem schwedischen Eisschreiter, dem Kryopertor. Das ist eine Fotokopie des zweiten Preises von Wettkämpfen auf Grönland. Und das ist von der Venus.«

Er warf Fotos auf den Tisch wie Trumpfkarten.

»Dort war ich mit Holleys Expedition. Das ist mein Thermoped und das der des Kollegen von der anderen Schicht. Beides Prototypen, nicht schlecht. Nur die Klimaanlage war leck.«

Gosse sah zu ihm auf. »Ich denke, Sie sind Pilot?«

»Ich habe mich umschulen lassen. Eben bei Kommodore Pirx. Zuerst diente ich auf seiner CUVIER, mein erstes Kommando bekam ich auf einem Schleppschiff ...«

»Wie alt sind Sie?«

»Neunundzwanzig.«

»Wie haben Sie diesen Sprung geschafft?«

»Wenn man will, geht alles. Außerdem hat ein Führer von Planetarmaschinen jeden neuen Typ innerhalb einer Stunde im Griff. Das ist so, als stiege man vom Motorroller aufs Motorrad um.«

Er hielt inne, die Brieftasche enthielt noch einen ganzen Stoß von Fotos, aber er sammelte die auf dem Pult verstreuten ein und steckte sie in die abgeschabte Lederhülle, die er wieder in der Innentasche verbarg. Leicht gerötet, im weitgeöffneten Raumanzug, stand er neben Gosse. Über die Monitore flimmerten immer noch leere Lichtstreifen. London hatte sich auf das Geländer vor den Fenstern gesetzt und verfolgte schweigend die Szene.

»Nehmen wir an, ich gebe Ihnen einen Diglator. Was werden Sie tun?«

Der Pilot lächelte. Auf seiner Stirn glänzten Schweißperlen, das helle Haar trug Druckstellen von den Scheitelpolstern des Helms.

»Ich nehme einen Strahler und gehe dorthin. Mit einem der Gigajoule-Geräte aus meinem Frachtraum. Die Helikopter des Grals bringen ihn nicht fort, aber für den Diglator sind selbst hundert Tonnen ein Klacks. Ich gehe und schaue mich ein bißchen um ... Die Suche aus der Luft kann sich Marlin sparen. Ich weiß, wieviel Hämatit es dort gibt. Und wieviel Nebel. Vom Helikopter aus ist nichts zu erkennen.«

»Und Sie gehen mit der Maschine sofort ab.«

Das Lächeln des Piloten wurde noch breiter, die weißen Zähne blitzten. Gosse bemerkte, daß dieser Junge – es war allein der Raumanzug, der ihn älter machte – die gleichen Augen hatte wie Pirx. Vielleicht etwas heller, aber mit den gleichen Fältchen in den Augenwinkeln. So ist der Blick großer Katzen, wenn sie in die Sonne blinzeln – harmlos und scharf zugleich.

»Er will in die Depression steigen und sich ›ein bißchen umschauen‹«, sagte Gosse zu London. Es war halb Frage, halb der Versuch, die Tollkühnheit des Freiwilligen dem Spott auszusetzen. London rührte sich nicht. Gosse stand auf, nahm den Kopfhörer ab, trat an den Kartographen und zog wie ein Rollo eine große Karte der nördlichen Halbkugel des Titan herunter.

Er wies auf zwei dicke Striche, die durch den von Isohypsen überzogenen lilagelben Grund schnitten.

»Wir befinden uns hier. Bis zum Gral sind es hundertzehn Meilen Luftlinie. Das Schwarze ist die 146, die alte Route. Auf ihr haben wir vier Männer verloren, als der Gral betoniert wurde und wir der einzige Landeplatz waren. Damals wurden Pedipulatoren mit hypergolgetriebenen Dieselmotoren verwendet. Für hiesige Bedingungen herrschte schönes Wetter. Zwei Partien der Maschinen gelangten unversehrt zum Gral, dann gingen an einem einzigen Tag vier Großschreiter verloren. Spurlos, hier in der Großen Depression, wo der Kreis eingezeichnet ist.«

»Ich weiß«, bemerkte der Pilot. »Ich habe es gelernt, auch die Namen dieser Männer.«

Gosse hielt den Finger auf die Stelle, wo von der schwarzen Route eine rote Umgebung nach Süden verlief.

»Der Weg wurde länger, aber niemand wußte, wie weit das heimtückische Gelände reichte. Man schickte Geologen hin, ebenso gut hätte man Dentisten nehmen können, die verstehen auch was von Löchern. Auf keinem Planeten gibt es wandernde Geiser – hier gibt es sie. Das Blaue im Norden ist das Mare Hynicum. Wir und der Gral sind im Innern des Kontinents, aber das ist kein Festland, sondern ein Schwamm. Das Mare Hynicum kann die Depression zwischen uns und dem Gral nicht überfluten, denn das gesamte Ufer ist ein Hochplateau. Die Geologen haben diesen ganzen Kontinent für so etwas wie den Baltischen Schild, die Fennoskandia erklärt.«

»Und sich geirrt«, warf der Pilot ein. Da alles nach einem längeren Vortrag aussah, setzte er den Helm in die Ecke, lehnte sich im Sessel zurück und faltete wie ein braver Schüler die Hände. Er wußte nicht, ob Gosse ihn mit der Route vertraut machen oder von ihr abschrecken wollte, aber die Situation war nach seinem Geschmack.

»Das ist es eben. Unter dem Fels liegt eine Gefrornis aus Kohlenwasserstoffen, eine Schweinerei, die man durch Tiefenbohrungen entdeckt hat. Ewiges Eis, aber falsch, denn es ist aus Kohlenwasserstoffpolymeren. Es schmilzt nicht einmal bei null Grad Celsius, und wir haben hier nie eine höhere Temperatur als minus achtzig Grad registriert. Innerhalb der Depression wimmelt es von alten Calderen und erloschenen Geisern. Die Experten sahen darin Überreste von Vulkantätigkeit. Als diese Geiser wieder losgingen, kamen Gäste mit Hochschulbildung angereist. Die Seismoakustik entdeckte tief unter dem Fels ein Höhlennetz, so verzweigt, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Man machte eine speläologische Expertise – die Leute kamen um, die Versicherungen zahlten, also machte schließlich ein Konsortium Geld locker. Dann kamen die Astronomen dazu: Wenn die Saturnmonde zwischen Titan und Sonne stehen, tritt die Tide der Gravitation in ihr Maximum, der Festlandschild gerät unter Druck, und aus den Herden unter der Mantia wird Magma gepreßt. Der Titan hat immer noch einen heißen Kern. Das Magma erstarrt, bevor es aus den Kaminen gelangt, erwärmt aber dabei ganz Orland. Das Mare Hynicum ist wie Wasser und der Untergrund Orlands wie ein Schwamm. Die verstopften unterirdischen Flußläufe werden durchlässig, und so entstehen die Geiser. Der Druck reicht bis zu tausend Atmosphären. Man weiß nie vorher, wo die Sauerei hervorschießt. Und Sie wünschen sich unbedingt dorthin zu begeben, ja?«

»Aber gewiß doch«, gab der Pilot in der gleichen gekünstelten Form zurück. Er hätte gern ein Bein übers andere geschlagen, aber der Raumanzug hinderte ihn daran. Er erinnerte sich, daß ein Kamerad, der das versucht hatte, mitsamt seinem Hocker umgefallen war. »Es geht um Birnams Wald, nicht wahr?« setzte er hinzu. »Soll ich mich fortscheren, oder kann ich ernsthaft mit Ihnen reden, Chef?«

Gosse ging darauf nicht ein und fuhr fort: »Die neue Route kostete ein Vermögen. Mit Kumulationsentladungen mußte ein Wall von Lava, der Hauptausfluß der Gorgo, aufgerissen werden. Vor der Gorgo kann sich sogar der Mons Olympus vom Mars verstecken. Das Dynamit war zu schwach. Da hatten wir hier einen gewissen Harenstine, vielleicht haben Sie von ihm gehört. Er schlug vor, diesen Wall nicht zu durchbrechen, sondern Stufen hineinzuhauen, eine Treppe zu bauen. Das wäre billiger. In der UNO-Konvention müßte ein Passus enthalten sein, der es verbietet, für die Raumfahrt Idioten zuzulassen. Nun, dieser Typhon-Wall wurde mit speziellen thermonuklearen Bomben durchbrochen, nachdem man Tunnel hineingebohrt hatte. Gorgo, Typhon – ein Glück, daß die Griechen so viele Götter hatten, daß man sich für all die zu bezeichnenden Dinge der Namen aus der Mythologie bedienen kann. Vor einem Jahr wurde die neue Route eröffnet. Sie durchquert den Kessel der Depression nur in seinem am weitesten nach Süden vorgeschobenen Teil. Dieser hat von den Experten den Befehl erhalten, ungefährlich zu sein. Die Gänge der unterirdischen Höhlen sind jedoch überall, unter ganz Orland. Das entspricht drei Vierteln von Afrika! Als der Titan erkaltete, kreiste er auf einer stark elliptischen Bahn. Er näherte sich der Roche-Zone, in die eine Masse kleinerer Monde geraten war, die der Saturn zu seinen Ringen zermahlte. Der Titan erstarrte also im Sieden, im Perisaturnium entstanden große Blasen, und im Aposaturnium gefror er. Dann kamen Ablagerungen und Glaziale, die dieses blasenhaltige, schwammige, amorphe Gestein bedeckten und in die Tiefe preßten. Es stimmt nicht, daß das Mare Hynicum dort nur bei entsprechender Aszendenz sämtlicher Saturnmonde eindringt. Dies und die Ausbrüche der Geiser sind nicht vorhersehbar.

Im Grunde wissen das alle, die hier arbeiten, die Transporteure ebenso wie die Piloten und wie Sie. Obwohl die Route eine Milliarde gekostet hat, müßte sie für alle schweren Maschinen verboten sein. Wir befinden uns alle im Himmel – in dessen einstiger Bedeutung. Sagt das nicht schon der Bergwerksname Gral? Nur hat sich der Himmel als ungeheuer kapitalaufwendig erwiesen. Man hätte alles besser machen können, aber die Buchhalterei ist dazwischengefahren. Die Zahlungen für die Umgekommenen sind beträchtlich, aber billiger als Investitionen, die die Gefahr mindern würden. Ich bin gleich fertig. Es kann sein, daß die Männer sich dort herausrappeln, selbst wenn sie versunken sind. Die Ebbe setzt ein, und der Panzer des Diglators hält pro Quadratzoll hundert Atmosphären aus. Der Sauerstoff reicht für dreihundert Stunden. Marlin hat Luftkissenfahrzeuge entsandt und zwei superschwere Diglatoren zur Überholung gegeben. Was immer Sie auch verrichten können, es lohnt nicht. Es lohnt sich nicht, den Kopf hinzuhalten. Der Diglator gehört zu den schwersten ...«

»Sie hatten versprochen, fertig zu werden«, unterbrach ihn der Pilot. »Meine Frage besteht nur aus zwei Wörtern: Und Killian?«

Gosse öffnete den Mund, begann zu husten und setzte sich. »Deswegen sollte ich ihn doch herbringen«, fuhr der Pilot fort. »Nicht wahr?«

Gosse zog am unteren Ende der Karte, worauf sie sich schnurrend einrollte. Er nahm eine Zigarette und sagte durch die Flamme des Feuerzeugs: »Das ist seine Sache. Er kannte das Gelände. Außerdem hatte er einen Vertrag. Ich kann den Operatoren nicht verbieten, mit dem Gral Verträge zu schließen. Ich kann meinen Rücktritt einreichen und werde das sicher auch tun. Ich kann auch jeden Helden mit leeren Händen abziehen lassen.«

»Sie werden mir eine Maschine geben«, wiederholte gelassen der Pilot. »Ich kann sofort mit dem Gral reden. Marlin kommt herüber, gibt den Auftrag, und fertig. Sie kriegen es dienstlich. Marlin ist es egal, ob Killian oder ich. Und die Instruktion kann ich auswendig. Es ist schade um die Zeit, Herr Gosse. Bitte geben Sie mir was zu essen, sagen Sie mir, wo ich mich waschen kann, und danach besprechen wir die Einzelheiten.«

Ratlos blickte Gosse zu London hinüber. Wenn er von ihm Unterstützung erwartet hatte, sah er sich enttäuscht.

»Er wird gehen«, sagte der Stellvertreter. »Ein Höhlenforscher, der im Sommer im Gral war, hat von ihm erzählt. Er ist genau wie dein Pirx. Ein stilles Wasser. Nur um die Pfeife ist es schade. Geh dich baden, Kollege, die Duschen sind unten. Und komm gleich wieder her, damit die Suppe nicht kalt wird.«

Der Pilot lächelte London dankbar an. Im Hinausgehen hob er seinen Helm auf, so energisch, daß ihm die Enden sämtlicher Schläuche gegen die Hüften schlugen. Kaum war die Tür hinter ihm zu, begann London an den Wärmegeräten lautstark mit Geschirr zu hantieren.

»Was bringt denn das?« fragte Gosse wütend den ihm zugekehrten Rücken. »Du bist vielleicht gut!«

»Und du bist ein tapsiger Freund. Wozu hast du Pirx die Maschine gegeben?«

»Ich mußte, ich hatte sein Wort.«

London drehte sich herum, einen Topf in der Hand. »Tipp dir an die Stirn, mein Junge. Du hattest sein Wort! Wenn dir so einer sein Wort gibt, hinter dir ins Wasser zu springen, dann hält er es. Und wenn er sagt, er wird nur zuschauen, wie du absäufst, dann springt er auch. Habe ich recht?«

»Recht haben und rational denken ist nicht dasselbe«, setzte sich Gosse zur Wehr, ohne offenbar noch hinter seinen Worten zu stehen. »Wie kann er ihnen helfen?«

»Er kann Spuren finden. Er nimmt den Strahler ...«

»Hör auf! Ich höre lieber noch mal den Gral, vielleicht gibt es was Neues.«

Bis zur Dämmerung war es noch lange hin, aber es war dunkel durch die Wolken, die um den hell beleuchteten Pilz des Towers saßen. London machte sich am Tisch zu schaffen, Gosse, die Kopfhörer über den Ohren, rauchte eine Zigarette nach der anderen und lauschte auf das leere Gerede der Basis des Grals mit den Raupenfahrzeugen, die nach der Rückkehr der Helikopter ausgesandt worden waren. Dabei dachte er über diesen Piloten nach. Hatte er den Kurs nicht allzu eilfertig, ohne zu fragen, geändert, um hier bei ihnen zu landen? Wenn einer mit neunundzwanzig Raumschiffkommandant ist und das Patent für kosmische Fernflüge in der Tasche hat, muß er ein harter Bursche und ein Feuerkopf sein, sonst hätte er es nicht so weit gebracht. Die Gefahr lockte seine jugendliche Kühnheit. Wenn er selbst schuld war, dann nur aus Versehen. Hätte er nach Killian gefragt, hätte er das Raumschiff dem Gral aufgedrungen. Übrigens war sich der Flugleiter Gosse nach vierundzwanzig Stunden ohne Schlaf gar nicht bewußt, daß er den Ankömmling in Gedanken unwillkürlich schon beerdigt hatte. Wie hieß der Mann überhaupt? Er hatte es gewußt und vergessen und hielt dies für eine Erscheinung des nahenden Alters.

Er drückte eine Taste, auf dem linken Monitor sprangen Reihen grüner Buchstaben hervor:

RAUMSCHIFF: HELIOS STÜCKGUTFRACHTER

II. KLASSE

HEIMATHAFEN: SYRTIS MAIOR

ERSTER PILOT: ANGUS PARVIS

ZWEITER PILOT: ROMAN SINKO

FRACHT: GÜTERLISTE ANGEBEN???

Er schaltete ab, die beiden Genannten erschienen soeben in Pullovern und Trainingshosen. Sinko, ein magerer, kraushaariger Bursche, tat bei der Begrüßung sehr geschäftig, denn der Reaktor hatte in der Tat ein Leck. Sie setzten sich vor die Suppe, die aus Dosen stammte. In Gosse faßte der Gedanke Fuß, daß dieser Draufgänger, dem er die Maschine anvertrauen würde, einen verdrehten Namen habe. Nicht Parvis, sondern Parsifal müßte er heißen, denn das hätte zum Gral gepaßt. Ihm war aber nicht nach Späßen zumute, und so behielt er das Spielchen mit Anagrammen für sich. Es gab eine kurze Diskussion, ob sie zu Mittag oder zu Abend äßen, ein Streit, der wegen des Unterschieds von Bord-, Erd- und Titanzeit nicht zu entscheiden war. Danach fuhr Sinko nach unten, um mit einem Techniker die Defektoskopie zu erörtern, die für Ende der Woche vorbereitet wurde, wenn der Reaktor abgekühlt war und die Risse in seiner Hülle provisorisch abgedichtet werden konnten.

Der Pilot, Gosse und London erzeugten im leeren Teil des Raums ein Diorama des Titans. Das von holographischen Bildwerfern geschaffene dreidimensionale, farbige Bild reichte vom Nordpol bis zum Äquator und enthielt die eingezeichneten Routen. Man konnte es größer und kleiner einstellen, und Parvis machte sich mit dem ganzen Gebiet vertraut, das sie vom Gral trennte.

Das Gastzimmer, das er bekommen hatte, war klein, aber gemütlich, es hatte ein Doppelstockbett, einen Schreibtisch mit schräger Platte, einen Sessel, einen kleinen Schrank und eine so enge Dusche, daß er beim Waschen mit den Ellenbogen immer wieder gegen die Wände stieß. Er legte sich auf das Plaid und begann in dem dicken Handbuch der Titanographie zu blättern, das er von London geliehen hatte. Zuerst suchte er im Index das Stichwort BIRNAMS WALD, aber das gab es weder unter W noch unter B. Die Wissenschaft hatte diesen Namen nicht zur Kenntnis genommen. Er blätterte weiter, bis er zu den Geisern kam. Dem Verfasser zufolge verhielt es sich mit ihnen nicht ganz so, wie Gosse gesagt hatte. Der Titan, der schneller als die Erde und die übrigen inneren Planeten erkaltet war, hatte gewaltige Massen komprimierter Gase in sich eingeschlossen, die an den Brüchen seiner Kruste auf die alten Vulkanstöcke und das unterirdische, über Hunderte von Kilometern verzweigte Netz ihrer Magmaadern drückten und bei entsprechender Konfiguration von Synklinen und Antisynklinen unter hohem Druck als Fontänen flüchtiger Körper in die Atmosphäre schossen. Diese chemisch sehr komplizierte Mischung enthielt Kohlendioxid, das sofort zu Schnee gefror. Von den Stürmen breitgetragen, legte er sich in einer dicken Schicht über die Ebenen und Berghänge.

Der trockene Ton dieser Ausführungen stieß Angus ab. Er löschte das Licht und deckte sich zu, etwas überrascht, daß Decke und Kopfkissen so ruhig liegenblieben – nach einem knappen Monat Schwerelosigkeit war er daran nicht mehr gewöhnt. Er schlief sofort ein.

Ein inneres Ungestüm riß ihn so jäh aus der Bewußtlosigkeit, daß er mit offenen Augen im Bett saß, bereit, herauszuspringen. Geistesabwesend sah er sich um und massierte sich das Kinn. Diese Bewegung erinnerte ihn an den Traum, den er eben gehabt hatte. Ein Boxkampf. Er hatte gegen einen Profi im Ring gestanden und seine Niederlage gleich vorausgesehen, wie ein Klotz war er k. o. gegangen. Er riß die Augen auf, der Raum drehte sich wie das Cockpit bei einer scharfen Wende. Jetzt wurde er vollends wach, wie durch Kurzschluß war die Erinnerung hergestellt: die gestrige Landung, die Havarie, der Streit mit Gosse und die Beratung vor dem Diorama. Das Zimmer war klein wie die Kabine auf einem Frachter. Das rief ihm zurück, was Gosse ihm gesagt hatte, als sie auseinandergingen: Er sei in seiner Jugend auf einem Walfänger gefahren.

Beim Rasieren überdachte er seinen Entschluß. Wäre nicht der Name Pirx gewesen, hätte er zweimal überlegt, ehe er so rücksichtslos die Genehmigung für solch einen Ausflug verlangt hätte. Unter den Strömen von abwechselnd heißem und eiskaltem Wasser versuchte er in gewohnter Weise zu singen, aber es klang nicht überzeugend. Also war ihm nicht ganz wohl. Er spürte, daß das, worauf er sich versteift hatte, an Dummheit grenzte, die schlimmer war als nur ein Wagnis. Von den Wasserstrahlen geblendet, die ihm ins erhobene Gesicht schlugen, erwog er einen Augenblick lang den Gedanken, eine Ausflucht zu suchen. Er wußte jedoch, daß das ausgeschlossen war. Allenfalls ein Grünschnabel hätte sich so etwas leisten können. Er frottierte sich ordentlich ab, machte das Bett und ging, bereits fertig angekleidet, auf die Suche nach Gosse. Ihn begann auf einmal etwas zu treiben, immerhin mußte er sich noch mit dem unbekannten Modell vertraut machen, ein bißchen trainieren und sich die angemessenen Bewegungen einprägen.

Gosse war nirgends zu finden. Vom Sockel des Kontrollturms, durch Tunnel mit diesem verbunden, erstreckten sich Gebäude nach zwei Seiten. Die Lokalisierung des Kosmodroms war Ergebnis eines Versehens oder eines gewöhnlichen Irrtums. Der unbemannten Erkundung zufolge sollten sich unter diesem einstmals vulkanischen Tal, einem von den seismischen Krämpfen des Titan emporgeblähten alten Kraterrand, Erzlagerstätten befinden. Man brachte also Maschinen und Menschen hierher und begann faßähnliche Wohnkomplexe für die Bergmannschaften zu montieren, als Nachrichten eintrafen, einige hundert Meilen weiter dehnten sich unwahrscheinlich reiche und leicht abzubauende Uranlager aus. In der Verwaltung des Projekts kam es zu einer Spaltung. Die einen wollten das Kosmodrom aufgeben und im Nordosten alles von vorn beginnen, die anderen blieben dabei, nur der hiesige Ort käme in Frage, die Oberflächenlagerstätten jenseits der Depression seien flach und demnach wenig ergiebig. Die Anhänger einer Liquidierung des ersten Brückenkopfes bezeichnete jemand einmal als Leute, die auf der Suche nach dem heiligen Gral seien, und seither war dieser Name an dem Gebiet der Tagebauarbeiten haftengeblieben.

Das Kosmodrom war schließlich weder aufgegeben noch ausgebaut worden, es kam zu einem faulen Kompromiß, erzwungen durch einen Mangel an Kräften und eigentlich an Kapital. Obwohl die Betriebswirtschaftler x-mal vorrechneten, daß es auf längere Sicht rentabler sei, den Landeplatz im alten Krater zu schließen und die Arbeit an einem Ort, dem Gral, zu konzentrieren, siegte die Logik des Provisorischen. Übrigens konnte der Gral lange keine größeren Raumschiffe aufnehmen, während der Roembden-Krater (so hieß er nach seinem Entdecker, einem Geologen) weder über ein eigenes Reparaturdock noch über Portalkräne zum Verladen oder modernste Geräte verfügte. Es gab einen ewigen Streit, wer wem diene und wer was davon habe. Wie es hieß, glaubte ein Teil des Vorstands nach wie vor an Uran unter dem Krater, man stellte auch Probebohrungen an, die aber nicht vorankamen, weil der Gral, kaum daß ein paar Leute und Kräfte hier eintrafen, sofort bei der Direktion intervenierte und alles zu sich hinüberholte, so daß die Gebäude erneut verödeten und die Maschinen verlassen zwischen den düsteren Wänden des Roembden stehenblieben.

Gleich den anderen Frachtfliegern hielt sich Parvis aus all diesen Reibereien und Konflikten heraus, wenngleich er darüber immer ein wenig auf dem laufenden sein mußte – das verlangte die diffizile Lage eines jeden, der im Transport arbeitete.

Der Gral wollte angesichts vollendeter Tatsachen das Kosmodrom liquidieren, vor allem nach dem Ausbau des eigenen Landeplatzes, aber der Roembden kam ihm dabei immer wieder in die Quere und bewies zudem seine Nützlichkeit, als der großartige Beton des Grals in die Brüche ging. Für den Hausgebrauch sah Parvis die Wurzeln dieses chronischen Zwistes nicht in den Finanzen, sondern in der Psychologie, denn es waren zwei lokale und allein schon dadurch zerstrittene Patriotismen, des Roembden und des Grals, entstanden. Alles übrige war die Suche nach Argumenten zugunsten der jeweiligen Seite. Das durfte man aber keinem sagen, der auf dem Titan beschäftigt war.

Die Räume unter dem Kontrollturm erinnerten an eine verlassene unterirdische Stadt, und es konnte einem leid tun beim Anblick des Materials, das hier ungenutzt herumlag. Angus war schon einmal als Hilfsnavigator im Roembden gelandet, aber da hatten sie es so eilig gehabt, daß er nicht einmal von Bord gegangen war, sondern die ganze Zeit im Frachtraum verbracht und das Ausladen überwacht hatte.

Jetzt betrachtete er die unausgepackten, noch nicht einmal entsiegelten Container mit um so größerem Verdruß, als er unter ihnen auch die erkannte, die er damals hergebracht hatte. Verärgert über die Leere, begann er zu rufen wie im Wald, aber nur das Echo hallte dumpf und tot aus den geschlossenen Gängen des Lagers.

Er fuhr mit dem Lift nach oben. Im Flugleitraum traf er London an, aber auch der wußte nicht, wo Gosse steckte. Vom Gral gab es nichts Neues. Die Monitore flimmerten. Es roch nach gebratenem Schweinebauch. London schlug ein paar Eier darüber und warf die Schalen in den Ausguß. »Eier habt ihr hier?« staunte der Pilot.

»Das kann ich dir sagen!«

London war mit ihm bereits per du.

»Ein Elektroniker hat einen Käfig mit Hühnern mitgebracht, er hatte ein Magengeschwür und mußte Diät halten. Erst gab es Protest, die Tiere würden hier alles verstänkern, was sollten sie denn zu fressen kriegen, aber er ließ ein paar mit einem Hahn hier, und jetzt geben wir damit sogar groß an. Frische Eier sind eine Delikatesse in dieser Gegend. Setz dich, Gosse wird sich schon einfinden.«

Angus war hungrig, er stopfte sich unanständig große Stücke Spiegelei in den Mund, fand dafür im stillen jedoch eine Rechtfertigung: Für das, was ihn erwartete, brauchte er Kalorien.

Das Telefon läutete, Gosse rief ihn zu sich. Er dankte London für die erlesene Mahlzeit, trank mit einem Zuge seinen Kaffee aus und fuhr ein Stockwerk tiefer. Der Flugleiter, schon im Overall, stand auf dem Flur. Die Stunde hatte geschlagen. Angus sprang auf sein Zimmer, schlüpfte geschickt in den Raumanzug, schloß den Sauerstoffbehälter an den Schlauch des Anzugs an, ließ den Hahn aber geschlossen und setzte auch den Helm nicht auf, ungewiß, ob sie die hermetisch abgeschlossenen Räume sogleich verlassen würden. Mit einem anderen Lift, dem Güteraufzug, fuhren sie in das Kellergeschoß. Auch dort war ein Lager, vollgestopft mit Behältern, die Munitionswagen glichen, denn aus jedem ragten wie großkalibrige Granaten fünf Sauerstoffflaschen. Der Raum war groß, aber so voll, daß der Weg zwischen Wänden und Kisten führte, Ladungen von Produzenten aller irdischen Kontinente, mit vielsprachigen Aufschriften bemalt. Der Pilot hatte ein Weilchen auf Gosse zu warten, der zum Umziehen gegangen war, und erkannte ihn nicht gleich in dem schweren, ölverschmierten Arbeitsskaphander eines Monteurs, das Nachtsichtgerät vor dem Glas des Helms.

Durch die Druckkammer gingen sie ins Freie. Der Boden des Gebäudes hing über ihnen, denn das Ganze ähnelte einem riesigen Pilz mit verglastem Hut. Oben machte sich bereits London zu schaffen, der den grünen Flimmer der Monitore mit seinem Schatten verdeckte.

Sie umschritten den Schaft des Towers, der rund und fensterlos war wie ein in die Brandung gebauter Leuchtturm. Gosse öffnete das Wellblechtor einer Garage. Flackernd gingen die Leuchtröhren an. Vor einem zur Hinterwand gerückten Wagenheber stand in dem sonst leeren Raum ein Jeep, ähnlich den alten Mondautos der Amerikaner. Ein offenes Fahrgestell, Sitze mit Fußstützen, nichts als ein Rahmen auf Rädern, mit einem Lenkrad und dem hinten angebrachten, geschlossenen Batteriekasten. Gosse fuhr auf den holprigen Schotter vor den Tower und stoppte, damit der Pilot einsteigen konnte. Durch den braunroten Dunst fuhren sie auf einen undeutlich sichtbaren, niedrigen, flachgedeckten Gebäudeklotz zu. Fern hinter den Bergrücken schimmerten matte Lichtsäulen auf wie Suchscheinwerfer der Luftabwehr, hatten aber mit dergleichen Gerümpel nichts gemein. Die Sonne lieferte dem Titan zumal an trüben Tagen nur wenig Licht, und so hatte man während des Abbaus der Uranlager zwei riesige Spiegel leichter Bauart auf eine stationäre Umlaufbahn über den Gral gebracht, sogenannte Solektoren, die die Sonnenstrahlen auf das Bergwerksgelände konzentrieren sollten. Der Nutzen erwies sich als problematisch. Der Saturn mit seinen Monden bildet einen für Berechnungen fatalen Raum der Wirkung großer Massen. Trotz aller Bemühungen der Astroingenieure unterlagen die Lichtsäulen daher Abweichungen und wanderten oft zum Roembden-Krater. Den Einsiedlern dieses Ortes bereiteten solche Sonnenbesuche nicht nur eine ironische Genugtuung, denn zumal nachts offenbarte der Kraterkessel, aus dem Dunkel gerissen, seine ganze drohende, faszinierende Schönheit.

Gosse wich mit dem Jeep den Hindernissen aus, ungeschlachten Kufen gleichenden walzenförmigen Blöcken, Pfropfen kleiner vulkanischer Öffnungen. Auch er bemerkte die Helle, die kalt war wie Polarlicht, und brummte vor sich hin: »Sie kommen zu uns. Prima. Gleich werden wir eine Sicht haben wie im Theater.« Mit unverhohlener Bosheit setzte er hinzu: »Ein guter Kerl, dieser Marlin.«

Angus verstand den Hohn, denn die Helligkeit im Roembden bedeutete ägyptische Finsternis im Gral. Marlin oder sein Dispatcher hatten wohl schon die Bedienungsmannschaft der Solektoren aus den Betten geholt, damit sie die kosmischen Spiegel mit den Steuertriebwerken wieder an die gehörige Stelle brachten. Inzwischen näherten sich die beiden Lichtsäulen immer mehr, und in der einen blitzte bereits der vereiste Rücken des östlichen Grats. Eine zusätzliche Freude der Leute vom Roembden war die für den Titan seltsame Klarheit der Atmosphäre in diesem Krater. Dadurch konnte man wochenlang am gestirnten Firmament die gelbe, von flachen Ringen umgebene Scheibe des Saturns bewundern. Fünfmal weiter entfernt als der Mond von der Erde, erschien der aufgehende Planet in einer Größe, die Neulinge immer wieder verblüffte. Ohne Fernglas gab er die vielfarbigen Streifen seiner Oberfläche preis, dazu die schwarzen Schattentropfen, die seine näheren Monde während ihrer Finsternisse warfen. Dieses Schauspiel wurde möglich durch einen borealen Luftstrom, der so heftig durch die Felsengurgel fegte, daß er einen Föhneffekt erzeugte. Nirgendwo anders auf dem Titan war es so warm wie im Roembden.

Die Bedienungsmannschaft hatte die Solektoren entweder noch nicht wieder im Griff, oder wegen des Alarmzustands konnte sich keiner damit befassen, jedenfalls zog der Lichtstreif bereits über den Boden des Kessels. Es wurde taghell, der Jeep wäre ohne die Scheinwerfer ausgekommen. Der Pilot sah die grauen Betonplatten rings um seine HELIOS. Jenseits dieser Fläche, dort, wo sie hinfuhren, erhoben sich wie versteinerte Stämme monströser Bäume vulkanische