Cover

Über dieses Buch:

Ein Blowjob im Flugzeug – so fängt die Reise gut an! Tatsächlich erwartet Mia und Lukas im fernen Japan eine versaute Geilheit nach der anderen: Synchronsex, Höschenfetisch, Blowjob-Bars … Doch all das ist nur der Anfang. Denn als ihre Gastgeber ihr geheimes Sexleben offenbaren und sie in die Kunst des Bondage einführen, gibt es für das fickfreudige Paar kein Halten mehr. In Fesseln und Knoten erleben sie Höhepunkt nach Höhepunkt – und jeder geiler und feuchter als der davor …

Über den Autor:

Mara von Steinen wurde 1979 in Basel, als Tochter erfolgreicher Hoteliers geboren. Um in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten, machte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, Management und Marketing. Das Schreiben verfolgte sie zunächst nur als Hobby. Als sie dann jedoch ihren heutigen Mann – und ebenfalls Autor erotischer Texte – Walter von Steinen kennenlernte, inspirierte er sie zu ihren ersten Romanen.

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Originalausgabe Januar 2017

Copyright © der Originalausgabe 2016 venusbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Guryanov Andrey

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95885-466-6

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Im realen Leben dürfen Erotik, Sinnlichkeit und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. In diesem eBook werden erotische Phantasien geschildert, die vielleicht nicht jeder Leserin und jedem Leser gefallen und in einigen Fällen weder den allgemeinen Moralvorstellungen noch den Gesetzen der Realität folgen. Es handelt sich dabei um rein fiktive Geschichten; sämtliche Figuren und Begebenheiten sind frei erfunden. Der Inhalt dieses eBooks ist für Minderjährige nicht geeignet und das Lesen nur gestattet, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Mara von Steinen

Gefesselt
Tabulose Spiele

Ein Bondage-Roman

venusbooks

1. Alltag mit Höhepunkten

»Ich kann nicht aufhören!«, stöhnte Lukas. »Verdammt, das habe ich ja noch nie erlebt!« Immer wieder senkte er seinen steifen, brennenden Stab in ihren bebenden Schoß. In ihrer Nässe spürte sie die Prallheit seiner Eichel, die zuckend um sich spritzte, und fühlte in ihrem Innern das Schaben des stählernen Penisrings mit den winzigen Schmuckkristallen, der direkt unter dem Rand seiner Vorhaut saß und ihm das Schwanzblut einschnürte. Sie spürte auch seine Verkrampfung und den Schmerz, mit dem er sich auf ihrem verschwitzten Körper wand, hilflos wie eine Schlange in der Schnappfalle. Sein Keuchen war rau und heiser, sein Schweiß dampfte animalische Gerüche aus, die trotz ihrer Erschöpfung ihr wildes Verlangen immer wieder aufkochen ließen.

Es kam schon längst nichts mehr aus ihm herausgeströmt, aber sein Orgasmus hörte und hörte nicht auf, und sein Zucken war wie das eines Elektrikers, der mit beiden Händen an der blanken Leitung klebt.

Es war Zufall, dass sie jetzt auf dem Rücken lag und er über ihr war. Die halbe Nacht hatten sie sich gierig umeinander herumgewälzt, hatten gekniet und gehockt und geritten, hatten das Bettzeug zu Boden gestrampelt, das Laken zerrissen, die Matratze durchnässt. Sie packte Lukas an beiden Hüften, stieß ihn heftig empor und bekam ihn aus sich heraus.

Sie war erschrocken, als sie seinen Schwanz so dick und rot und blau sah. Sie wusste keine andere Methode, ihm zu helfen, als das nasse, heiße Ding in beide Hände zu nehmen und in das pralle Köpfchen zu beißen.

Damit hatte er sicher nicht gerechnet. Er schrie auf, aber der Erfolg stellte sich augenblicklich ein. Sein gefährlich überschwellender Schwanz erschlaffte, und das Zucken verebbte, als der Krampf ihn verließ. Mit einem ausgedehnten Seufzer sank Lukas zur Seite und war schon eingeschlafen, bevor sein Kopf das Kissen berührte.

Am Anfang war sie immer beleidigt gewesen, wenn er nach seinem Höhepunkt einschlief, aber der Schlaf dauerte nie länger als drei bis vier Minuten, und ihr wurde bald klar, dass es eher eine Ohnmacht als ein Schlaf war, ganz einfach, weil er alles gegeben hatte, was an Kraft in ihm steckte.

Es war kurz vor sechs in der Frühe, als Mia Bachmayer schließlich aufstand und ins Bad ging, um sich für den Tag zurechtzumachen. Sie streckte sich ausgiebig und gähnte. Eigentlich hätte sie duschen müssen, weil die Liebesnacht sicher noch mit der Nase wahrzunehmen war, aber dafür würde sie später mehr Zeit haben. Vielleicht würde sie ein richtiges Bad mit viel Schaum und duftenden Ölen nehmen. Jetzt war es doch ganz angenehm, nach Lust und Liebe zu riechen, und sie wusste, dass Lukas es genoss, wenn dieser Duft beim Frühstück ebenso stark war wie der des Kaffees. So konnte er die Erinnerung mit in seinen Tag hinübernehmen – allerdings würde ihm diese Nacht ohnehin unvergesslich bleiben.

Die Morgensonne schien durch die Milchglasscheibe des großen Fensters, aus dem Radio erklang fröhliche Musik. Viel zu fröhlich, nach ihrem Geschmack. Manche Leute mussten nun mal genervt werden, um richtig wach zu sein, schienen die Radiomacher zu glauben.

Sie betrachtete sich im Spiegel, während sie ihr langes, blondes Haar kämmte und zu einem einzelnen Zopf verflocht, den sie dann fest nach oben steckte – während der Hausarbeit störte sie ihr schönes, volles Haar. Es war ihr ganzer Stolz, aber so offen wie in dieser Nacht trug sie es nur zu besonderen Gelegenheiten.

Sie nahm den weißen Morgenmantel vom Haken und zog ihn über, ließ ihn aber vorn offen, damit ihr Mann die herrliche Spitzengarnitur an ihr bewundern konnte, die er ihr letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte.

Lukas kam verschlafen ins Bad getrottet. Sein schicker Dreitagebart sah im Moment eher nach einem Sechstagebart aus, die Augen waren noch nicht ganz geöffnet. Er atmete ihren Duft genießerisch ein und lächelte sie an.

»Bin noch verdammt kaputt«, sagte er. »Ich bin das nicht mehr gewohnt, so verrückten Sex mitten in der Woche. Und der Schwanz tut mir weh, als hättest du mir bis auf den Knochen die Späne abgehobelt.« Dass er im Schwanz einen Knochen besaß, hatte er schon damals bei ihrem ersten Mal behauptet, und manches Mal war sie kurz davor gewesen, daran zu glauben.

»Abgesehen von deinem Krampf war das aber wunderschön«, sagte sie lächelnd und küsste ihn auf die stachelige Wange. »So heftig warst du schon lange nicht mehr. Können wir gern bald wiederholen, dann kommen wir vielleicht wieder richtig ins Training. Muss ja nicht jedes Mal bis drei Uhr dauern oder so schmerzhaft enden. Wir haben ja auch nicht ständig solche tollen Karrieresprünge zu feiern, mein Supermann. Was soll ich dir zum Essen einpacken?«

»Ich glaube, ich gehe heute mal in die Kantine«, murmelte er und beugte sich schon über das Waschbecken. »Mach dir nicht so viel Arbeit.«

»Quatsch. Ich habe gestern ein richtig tolles Bauernbrot im Bioladen bekommen. Ich setz schon mal Kaffee auf.«

Sie verschwand in Richtung Küche. Der kleine Frühstückstisch war schnell von der Wand unter dem Fenster abgeklappt und gedeckt. Müsli zum Wachwerden, aber zuerst einen guten Milchkaffee, nicht zu heiß. Das war Routine. Fürs Büro frisches Bauernbrot, Tiroler Rauchwurst und ein Stück Appenzeller Bergkäse, dazu ein paar blaue Trauben ohne Kerne. Sie stellte die Verkehrsnachrichten im Radio etwas lauter. Sie achtete auf »seine« Strecke, wie immer.

»Stau auf der B2 bei Traubing«, rief sie kurz darauf in Richtung Bad. »Wieder mal ein dicker Unfall.«

»Hab’s gehört«, rief Lukas zurück. »Das ist die einzige Stelle auf der B2, wo man lange Kolonnen überholen kann, und einige Idioten tun das auch fleißig. Zack, hat man dann ein übersehenes Motorrad auf dem Beifahrersitz. Ich fahre am besten über Herrsching und Germering, dann spare ich mir auch den größten Teil vom mittleren Ring in München.«

Er kam in die Küche, sauber rasiert. Er roch nach Aftershave und seiner gestreiften Zahnpasta. Eine schlanke, trainierte Gestalt, jungenhaftes Gesicht, das Haar noch ungekämmt. Kaum zu glauben, dass dieser Mann schon vierzig war. Er vergaß nicht, ihren Kuss von vorhin zu erwidern. »Der Kaffee riecht gut. Neue Sorte?«, fragte er.

»Neu gemischt«, gab Mia zurück. »Ein Drittel Feigenkaffee.« Sie brühte immer ganz frisch auf. Beide verabscheuten sie die schicken Kapselmaschinen, denn die ließen keine eigenen Rezepturen zu, machten dafür aber nervige Geräusche.

Mia sorgte gern dafür, dass er gut und gesund aß und trank. Kantinenzeugs und Maschinenbrühe bekam er in seinem Büro bei einem Autohersteller im Münchner Norden schon genug, da war ein Ausgleich zu Hause schon wichtig.

»Du bist heute so adrett«, sagte sie. »Gibt’s etwas Besonderes im Büro? Vielleicht eine Nachfeier für deine Beförderung?«

Er schüttelte den Kopf. »So etwas feiern wir nicht. Der Big Boss hat mich zu sich bestellt. Es geht um einen Vertrag mit Osaka. Zweieinhalbtausend Neuwagen.«

»Das sind ja mehrere Millionen Euro.«

»Kannst du laut sagen. Über achtzig. Mir ist ganz schwummrig dabei, wenn ich daran denke, wie teuer es wird, wenn ich bei der Formulierung einen Fehler mache. Zum Glück wird jeder Satz und jede Berechnung doppelt und dreifach kontrolliert.«

»Trotzdem eine große Verantwortung.«

»Und ein ziemlicher Stress.« Er löffelte sein Müsli, während sie ihm das Essen fürs Büro in seine Brotdose packte.

Er ließ seinen Blick über die Dächer der Unterstadt und über den Ammersee bis hinüber zum Andechser Berg schweifen, wo das Kloster als Krönchen über die Bäume ragte. »Ich fahre besser schon los. Wer weiß, was mich unterwegs erwartet.« Er stand auf, trank den letzten Schluck Kaffee im Stehen und küsste Mias Scheitel. Sie erhob sich und folgte ihm zur Tür.

»Bis heute Abend«, sagte er. »Leg dich doch noch ein halbes Stündchen hin. Schade, dass ich nicht bleiben kann – ich hätte diese Nacht gern noch ein bisschen verlängert.«

»Ich nehm mir einen Vibrator und denke an dich«, versprach sie.

»Das solltest du mir nicht vor dem Autofahren erzählen«, gab er zurück. »Ich muss mich aufs Fahren konzentrieren.«

»Pass auf dich auf.«

Sie wartete, bis sie den Motor seines schicken Jahreswagens anspringen hörte, und kehrte ins Haus zurück, um sich tatsächlich noch für eine halbe Stunde hinzulegen. Sie hatte ja Zeit, und die Hausarbeit war nicht so dringend, dass sie nicht hätte warten können. Gegen elf wollte sie zum Wochenmarkt, frischen Fisch kaufen, und dann wollte sie sich zum Mittagessen mit Nora Haase treffen, einer Schulfreundin, mit der sie damals das Weilheimer Gymnasium besucht hatte. Sie waren zwar beide im gleichen Aquarellmalkurs, aber da gab es kaum Gelegenheit, richtig schön zu ratschen, über andere herzuziehen und aus dem Eheleben zu plaudern. Sie hatte definitiv etwas zu erzählen, nach dieser Nacht!

Gerade betrat sie das Schlafzimmer, öffnete die Vitrine mit ihrer gepflegten Dildosammlung und wollte den Morgenmantel auf das zerwühlte Bett werfen, da läutete es Sturm.

Wer konnte das denn sein? Hatte Lukas etwas vergessen? Sie lief in die Diele, den Bademantel noch immer geöffnet, und machte mit einem Ruck die Tür auf.

Vor ihr stand ein junger Paketfahrer und senkte den Blick. Er hatte offensichtlich noch nie eine Dame in schicken Dessous gesehen. Verlegen sagte er: »Ich habe eine Sendung für Frau Mia Bachmayer. Ich bekomme bitte eine Unterschrift.«

Es war ein Vergnügen für sie, jetzt mit einer Hand das Gerät zu stützen, das er ihr hinhielt, und mit der anderen Hand nach dem Stift zu greifen. Dazu musste sie nämlich den Bademantel loslassen, den sie zunächst andeutungsweise zusammengerafft hatte. »Verzeihung«, hörte sie ihn sagen. »Bin sofort wieder weg.«

»Schon gut«, sagte sie. »Ich habe noch nicht mit Post gerechnet. Ich wollte gerade ins Bad.«

Wortlos steckte er seinen Handscanner an den Gürtel zurück und murmelte im Weggehen etwas, das wohl »auf Wiedersehen« bedeuten sollte. Sie kicherte, als sie die Tür schloss und das kleine Paket in die Küche trug.

Der Absender war ein großes Internet-Versandhaus, bei dem sie gestern eine Bestellung aufgegeben hatte. Sie hatte frühestens morgen mit dem Eintreffen des Päckchens gerechnet. Darin befanden sich ein schicker Bodystocking, den sie zusammen mit Lukas auf den Angebotsseiten der Firma ausgewählt hatte. Außerdem ein neuer rosa Vibrator, ein hoch technisches Meisterwerk, das fast einen Hunderter kostete. Lukas war ein sehr aufmerksamer Mensch, der sehr wohl wusste, dass sie sich tagsüber in dieser Kleinstadt langweilte. Als sie einen Aquarellkurs beim Künstlerbund belegt hatte, war das ein deutliches Signal für ihn gewesen. Er hatte es gleich verstanden.

Sie brachte das Päckchen ins Schlafzimmer und schnitt es auf. Ihre Finger zitterten erwartungsvoll, als sie das Füllmaterial zur Seite schob und das Kleidungsstück aus elastischem Nylon auseinanderfaltete.

Es sah winzig aus, aber sie wusste, es würde ihr passen. Ein Ganzkörper-Bodysuit mit Kopfteil, langen Ärmeln und angenähten Handschuhen, Beinen und Fußteilen. »Über-Kopf-Strümpfe« hatte Lukas kichernd gesagt, als er das Bild im Katalog sah. »So was hattest du noch nie.«

Es war gar nicht so einfach, das Ding anzuziehen. Es hatte zwei Öffnungen, eine für das Gesicht, eine für den Schoß. Auf dem Verpackungsfoto sah das ganz leicht aus. Mia streifte ihre spärliche Kleidung ab, setzte sich auf die Bettkante und beobachtete sich im Spiegel, wie sie versuchte, ihre Nacktheit in das Teil zu zwängen. Wenn man mit den Füßen zuerst einstieg, was ja wohl logisch war, musste man den Rest folglich über Hintern und Rücken nach oben ziehen, also musste der Teil mit der Öffnung für das Gesicht zuerst über den Kopf. Aber wie? Hintenherum kam sie nur bis zu den Schulterblättern hoch. Sie machte allerhand Verrenkungen, die Lukas vermutlich sehr reizvoll gefunden hätte, aber vielleicht hätte er auch gelacht. Sie betrachtete ihre Versuche selbst als komische Nummer.

Frustriert knüllte sie den Body zusammen und wollte ihn in den kleinen Karton zurückstopfen, da fand sie unter der Schachtel mit dem neuen Vibrator einen kleinen Katalog des Herstellers. In unverständlichem Google-Englisch und Chinesisch, aber die Abbildungen genügten ihr.

Also: Alles mit beiden Händen zusammenraffen, dann den Kopf durch den offenen Schoß nach oben, alles bis auf die Schultern ziehen, bis Kopfteil und Gesichtsöffnung richtig saßen. Jetzt beide Arme gleichzeitig einführen, bis die Fingerlinge richtig anlagen, dann den Rest über die Hüften ziehen. Hinsetzen, ein Knie anwinkeln, den Fuß durch die Schoßöffnung hereinholen. Gut, dass das Ding so elastisch war. Jetzt den anderen Fuß. Scharfkantige Fußnägel durfte man dabei nicht haben. Sie konnte ja nicht gut mit diesem Wäschestück zu ihrer Mutter gehen und sich zeigen lassen, wie man Laufmaschen reparierte. Die Fingernägel hatte sie schon gestern Abend abgelegt. Alles im Stehen zurechtzupfen, fertig. Blick in den Spiegel.

Der Body sah an ihr umwerfend aus. Sie selbst wie eine Meerjungfrau. Ihre Haut schimmerte hell durch das Weinrot des feinen Netzmaterials, die Brustwarzen waren kleine, gut sichtbare Erhebungen in den dunkelbraunen Vorhöfen. Ihr Schoß weißhäutig betont, die Öffnung ein perfekter Halbkreis, dessen Ergänzung wohl auf der Rückseite zur Wirkung kam. Ein echter Hingucker, der die Blicke auf ihre mädchenhaft blanken Schamlippen lenkte, fast genau in der Mitte. Die Permanent-Enthaarung vor einem halben Jahr hatte sich gelohnt, auch wenn es sie einiges an Überwindung gekostet hatte, sich im Studio dafür zu entblößen. Erst als ihre beste Freundin Nora sich bereit erklärt hatte, mit ihr zusammen hinzugehen und die gleiche Prozedur über sich ergehen zu lassen, hatte Mia sich entschlossen.

Sie streichelte ihren Schoß. So schön glatt! Nicht ein einziges Härchen war nachgewachsen. Sie glaubte, noch Lukas’ Dreitagebart auf der Haut zu spüren − er bürstete gern ihren Schamhügel zärtlich mit seinem Stachelkinn, bevor er damit begann, sie immer wilder abzuküssen und geschickt seine Zunge einzusetzen.

Die letzte Nacht drängte sich stürmisch in ihre Erinnerung, als sie jetzt ihre eigene Hand im Schoß fühlte. Lukas hatte anfangs fest zugegriffen, nicht nur gestreichelt, sondern sein Verlangen handfest gezeigt. Er brauchte es schnell, sofort, heftig! Sie hatte ihm gegeben, was er wollte, und selbst das Gefühl genossen, seiner Gier ausgeliefert zu sein. Sie hatte nichts aktiv getan, hatte sich nur von ihm nehmen lassen, bis er das erste Mal heiß und heftig in sie spritzte.

Erst dann hatte das begonnen, was man »Liebe machen« nennen konnte. Er hatte sein Gesicht in ihrem Schoß vergraben und sie sauber ausgeleckt wie ein alter, süßer englischer Mops, und anschließend hatten seine Hände sie gestreichelt, überall, erst dankbar, dann voller neuem Verlangen. Jetzt war sie an der Reihe mit einem Höhepunkt, den er ihr allein mit Händen, Lippen und Zunge schenkte. Für sie war das noch lange nicht das Ende gewesen.

Sie griff jetzt nach ihrem neuen Vibrator, einem prächtigen Modell mit allen Finessen. Es sah nicht wie ein menschlicher Penis aus, eher wie der eines Roboters. Die durchsichtige rosa Plastikhülle, immerhin in angedeuteter Pimmelform, offenbarte viel Elektronik in ihrem schlanken, glatten Schaft, Platinen und Steckmodule wie im Inneren eines Laptops, und es gab Sensoren für Wärme und Feuchtigkeit, die die Vibration automatisch steuerten, wenn man den Schalter an der verdickten Sohle auf Automatik stellte.

Sie führte ihn ein, so wie sie letzte Nacht den geliebten Schwanz in sich gezerrt hatte, und so wie sie jetzt den kleinen Lustroboter in sich bewegte, so hatte Lukas sich bewegt − unwillkürlich ahmte sie seine Stöße und sein Tempo nach, hörte ihn stöhnen und zärtliche Worte flüstern.

»Ach, Lukas, Lukas, Lukas!«, hauchte sie jetzt. Ihr fehlte sein fester Hintern, an dem sie sich festkrallen konnte, ihr fehlte sein Gesicht über ihrem, sein Bart an ihren Wangen, seine gelenkigen Hüften, die kräftigen Arme.

Im Spiegel sah sie ihre gespreizten Schenkel, ihre Hände mit dem rosa Gerät. Es war aufregend, aber sie hätte jetzt gern an seinen festen Hoden gezerrt und den knackigen Beutel mit der festen Haut gespürt, dessen Runzeln als winzige Vertiefungen in die feste, glatte Haut gegraben waren. Die Haut fühlte sich knackig an, und man ahnte nur das weiche Innenleben mit dem festen Kern, sodass sie immer Angst hatte, zu fest zuzudrücken, weil sie fürchtete, die dünne, nur leicht nachgiebige Schale könnte brechen. Das geschah allerdings nie. Er hatte diesen Effekt im Laufe von vielen Monaten, über Jahre hinweg, durch regelmäßiges Auftragen eines duftenden Lederpflegemittels erreicht, das eigentlich für Pferdesättel bestimmt war. Jeden Abend rieb er vor dem Schlafengehen seine sorgfältig enthaarten Hoden damit ein und überzog sie danach mit einem Spray. Das hatte sie immer seltsam gefunden, bis ihr klar wurde, wie sehr sie die dadurch hervorgerufene Wirkung an ihm liebte. Das war einfach etwas ganz Ungewöhnliches, etwas, was es wahrscheinlich sonst bei niemandem gab. Er hatte ihr nie verraten, wie er auf diese seltsame Idee gekommen war.

Sie schloss die Augen, genoss die Reibung, die ihr eng anliegender Body bei jeder Bewegung auf ihrer gesamten Haut verursachte, überließ sich ihren Lustwellen. Der Vibrator erhöhte von selbst das Tempo seiner Vibration und setzte einen Hauch mehr Stärke ein. Genau das, was sie jetzt brauchte. Ihr wurde bewusst, dass das der winzige Computer im Innern aufgrund des Hautwiderstandes, ihres Blutdrucks und anhand ihrer Feuchtigkeit errechnet hatte! So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Zwar entsprach das genau der Darstellung auf der Internetseite, aber die hatte sie für übertriebene Werbung gehalten. Sie machte bei solchen Beschreibungen immer ein paar Abstriche und war jetzt angenehm überrascht. Sie entschied sich, diesem Gerät zu vertrauen, und ließ es los, damit sie die Hände frei hatte.

Es war herrlich, jetzt zugleich ihre Brüste durch das glatte Nylon-Material kneten zu können, und unwillkürlich ahmte sie Lukas’ typische Bewegungen nach. Es war nicht dasselbe – nichts konnte Lukas wirklich ersetzen, doch ihre Fantasie half ihr, der Erinnerung möglichst nahe zu kommen. In ihr hallten ihre kleinen Schreie nach, die sich in der letzten Nacht unter Lustkrämpfen zu einem Stöhnen und Wimmern zum Gipfel der Wonnen gesteigert hatten, und auch jetzt presste sie ihr hastig keuchendes »Lukaslukaslukas« aus rauer Kehle hervor, als der Höhepunkt sie auf dem Bett herumwarf und die Säfte aus ihr fließen ließ, als wäre sie erneut vollgespritzt worden.

Ermattet ließ sie sich in die Laken sinken – es war ein Gefühl, als schwebte sie langsam mitsamt dem Bett spiralförmig drehend in eine bodenlose Tiefe.

Sie reckte den Kopf, um auf die Anzeige des Weckers zu schauen, und erschrak. So spät!

Sie setzte sich mit einem Ruck auf und sah, dass der Vibrator, der ihr aus dem Schoß ragte, leuchtete. Er musste also immer extra ausgeschaltet werden. Erst als sie ihn herauszog, entdeckte sie das kleine Display im Innern der an dieser Stelle transparenten Plastikumhüllung. »2x drücken = Verlauf speichern« stand da, also drückte sie den Schaltknopf zweimal. Was hatte denn das zu bedeuten? Konnte man den gleichen Orgasmus später wiederholen? Unwahrscheinlich, aber sie würde es noch herausfinden.

Sie erhob sich, wischte das Gerät mit einem Feuchttuch ab und stellte es zu den anderen in die Vitrine. Hübsch! Ein neues Prachtstück in meiner Sammlung, dachte sie.

Hastig machte sie sich zurecht. Schade, dass sie den Body nicht unterwegs tragen konnte. Er fühlte sich gut an.

2. Nora, völlig verknotet

Sie hatten zum Essen zwei Plätze nebeneinander gewählt, damit sie beide über den glitzernden Ammersee blicken konnten. Die Herrschinger Bucht auf der anderen Seite war leicht vom Sommerdunst verschleiert, und auf dem See trieben nur wenige Segel. Ab morgen, Freitag, würde das schon anders aussehen – am Wochenende herrschte immer reger Betrieb, selbst wenn das Wetter schlechter wurde. Doch damit war nicht zu rechnen.

Mia hatte es nicht mehr zum Markt geschafft, aber hier in Dießen gab es mehrere Fischereibetriebe, die in ihren Wasserbecken frische Forellen, Renken und viele andere Köstlichkeiten direkt aus dem See bereithielten. Nach dem Treffen mit Nora würde sie noch genug Zeit haben, welche für das Abendessen zu besorgen.

Sie hatten sich Salatteller mit Lachsstreifen und dazu einen leichten Südtiroler Wein bestellt und verfielen in angeregtes Schwatzen, noch bevor das Essen gekommen war.

»Du siehst so glücklich aus«, bemerkte Nora, eine drahtige Person mit halblangem schwarzem Haar, das im Moment trocken und brüchig wirkte. »Und so ausgeglichen.«

»Bin ich auch«, gab Mia zurück und beugte sich zu ihrer Freundin hinüber. Leise erklärte sie: »Mein Mann ist auf einen tollen Posten befördert worden, und weißt du, Erfolg macht ihn immer … na ja, scharf.«

»Das kenne ich.« Nora zeigte ein wissendes Lächeln. »Männer geilen sich zuallererst an sich selber und ihren Erfolgen auf, und Sex ist ihre Art, das dann zu teilen. Dann hast du wohl eine heiße Nacht hinter dir.«

»Und wie! War wirklich toll. Er ist schließlich ein Könner. Und ich durfte mir sogar ein Liebesgeschenk aussuchen. Haben wir zusammen im Internet geordert. Und stell dir vor, heute früh waren die Sachen schon da.«

»Ja, das geht manchmal echt fix, wenn der Paketdienst mitmacht. Darf ich neugierig sein? Was war’s denn?«

»Ein Ganzkörper-Body«, erzählte Mia freimütig. Solche Themen waren unter den beiden langjährigen Freundinnen nicht tabu. »Geht über Beine, Arme und Kopf. Strümpfe und Handschuhe gleich mit dran.«

»Kopf? Dann erstickst du ja.«

Mia kicherte wie ein Schulmädchen und stieß die Freundin in die Seite. »Quatsch. Natürlich ist das Gesicht frei, und der Schoß. Irgendwie muss man ja in das Ding reinkommen. War zuerst nicht ganz einfach, aber ich hab’s beim zweiten Anlauf geschafft. Ich hab dann bei der Gelegenheit gleich den neuen Vibrator ausprobiert.«

»Schon wieder ein Vibrator? Dann musst du inzwischen mindestens dreißig in deiner Sammlung haben.«

»Fast fünfzig. Du hast dir meine Vitrine lange nicht mehr angeschaut.« Stolz erzählte Mia von ihrem neuen Gerät, das elektronisch reagierte und sogar eine Speicherfunktion hatte. Sie hatte es gleich ausgiebig getestet, um sich zu überzeugen, dass alles in der Beschreibung wirklich stimmte und nicht nur reiner Werbetext war. »Es stellt sich sogar auf die Körpertemperatur ein«, erklärte sie.

»Musst du mir mal leihen.«

»Klar.« So ein Austausch von neuesten Errungenschaften war nicht selten zwischen ihnen, seit sie letztes Jahr gemeinsam auf einer Art Tupperparty für neueste Dessous, prächtige Funfactory-Dildos und Männergeschenke gewesen waren. Damals hatte Mia für ihren Lukas den schweren Penisring aus Edelstahl gekauft, besetzt mit Swarovski-Kristallen, von denen einer nach einer heftigen Sonntagmorgenrunde noch irgendwo in ihr stecken musste. Den Ring trug er jeden Tag unmittelbar unter seinem »Köpferl«, gerade auf der Arbeit, da das stets zu spürende Gewicht in der Hose sein Männlichkeitsbewusstsein stärkte, hatte er mal gesagt. Und auf dem Herrenklo machte dieser Schmuck sicher auch einiges her, wenn die Männer zum Strullen in einer Reihe standen, vermutete sie.

»Und dieses Gerät hast du heute früh gleich ausprobiert«, erriet Nora.

»Ja, sicher. Ungeprüft kommt nichts in meine Vitrine.« Mia kicherte. »In der Beschreibung stand auch, dass man ganze Sitzungen einspeichern kann. Wenn ich ihn dir leihe, kannst du dir meine letzten drei Orgasmen abrufen und sie nacherleben.«

»Ich speichere dir dann welche von mir ein«, schlug Nora schmunzelnd vor. Dann wühlte sie in ihrer Handtasche nach ihrem Smartphone.

Der Kellner hatte längst die Salate gebracht, war aber hinter ihnen stehen geblieben. »Ist noch was?«, fragte Mia.

»Ich wollte fragen, ob Sie noch einen Wein möchten«, sagte er verlegen. Offenbar hatte er einen Teil ihres Gesprächs mitbekommen.

»Wenn es dieser Blauschürzler vom Kalterer See ist, wie ich glaube«, sagte Nora fachkundig, »dann bringen Sie uns doch gleich eine ganze Flasche.«

»Schon am Mittag?«, entsetzte Mia sich.

»Wir müssen beide nicht fahren und haben auch beide Zeit«, erwiderte Nora. »Bis unsere Männer nach Hause kommen, ist das Essen längst fertig, selbst wenn wir uns ein bisschen verplaudern. Du, ich wollte dir etwas zeigen. Erinnerst du dich an die Handschellen, von denen ich dir erzählt habe?«

Mia nickte. »Diese rosa Plüschdinger, nicht wahr? Denen konnte ich nichts abgewinnen. Ist eher was für Teenies.«

Nora schüttelte den Kopf. »Wir haben sie inzwischen mehrmals getestet. Der Plüsch ist notwendig, damit das Hartplastik nicht einschnürt.«

»Und was macht dir Spaß daran, gefesselt zu sein?«, wunderte Mia sich.

»Dass man beim Sex nichts tun muss, als einfach nur dazuliegen und alles über sich ergehen zu lassen. Man kann auch gar nicht anders. Du gibst dabei deine Verantwortung ab. Das Ganze ist ein Spiel von Macht und Ohnmacht.« Nora hob ihr Glas. »Du kannst es vielleicht nicht nachempfinden, wenn du es nicht probiert hast. Natürlich bleibt es nicht bei diesen Anfängerspielchen. Irgendwann benutzt man Schals oder Stricke. Man kann welche kaufen, die nicht so rau sind, dass sie die Haut wund reiben könnten. Bondage-Seile heißen die. Man kann den anderen verschnüren wie ein Paket. Eine richtige Kunst ist das, vor allem, wenn man mit einem einzigen Ruck alle Knoten gleichzeitig löst.«

»Wenn einer plötzlich keine Lust zu diesem Spiel mehr hat«, vermutete Mia.

»Zum Beispiel. Aber dazu gibt es ein Zauberwort, das man vorher vereinbaren sollte. Wenn einer dieses Wort sagt, muss der andere sofort aufhören. Das ist Vertrauenssache.«

Mia trank einen Schluck Wein und goss sich nach, obwohl das Glas noch nicht leer war. »Ich verstehe immer noch nicht, was man eigentlich davon hat. Es kann doch keinen Spaß machen, den Partner oder die Partnerin zu quälen.«

»Von Quälen kann gar keine Rede sein«, protestierte Nora. »Da verwechselst du Bondage und Sadomaso. Das tun viele Leute. Bondage hat aber mehr mit völliger Hingabe zu tun, nicht mit Quälereien. Bei Bondage, also diesen Fesselspielen, lernt man seinen Partner und seine heimlichen Wünsche einfach besser kennen.«

»Wie das?«

»Na, wenn du gefesselt daliegst, lieferst du ihm deinen Körper aus, und er darf damit machen, was er will. Du bist dann einfach nur eine Sache, und ihm fällt es leichter, versteckte Hemmungen zu übergehen. Stell dir zum Beispiel vor, er hat heimlich Bedürfnisse nach Analverkehr und wagt nicht, dir das zu sagen. Wenn du als Geschenkpaket vor ihm liegst, und er darf alles, tut er es einfach und muss nichts erklären. Oder er möchte dir ins Gesicht spritzen, weil er das mal im Porno gesehen hat.«

»Darf er sowieso«, gab Mia zu. »Ich mag das auch. Ich sehe gern, wenn sein Schwanz ganz dicht vor meinen Augen zuckt und dann das Weiße auf mich zuschießt. Ich versuche immer, die Augen offen zu halten, aber in der allerletzten Sekunde gehen sie dann doch zu.«

»Ich meine das ja nur als Beispiel. Vielleicht habt ihr ganz andere Sachen, die ihr noch nie ausprobiert habt. Was würdest du tun, wenn dein Lukas völlig wehrlos vor dir läge?«

Mia musste nicht lange überlegen. »Wahrscheinlich würde ich ihn mit Körperfarbe bemalen, komplett himmelblau, in der Mitte einen gelben Ständer mit roten Eiern. Und dann würde ich dich einladen und dir mein Kunstwerk zeigen. Oder ich würde ihn reiten, und kurz bevor es ihm kommt, abspringen. Nach einer kleinen Pause weiterreiten und wieder absitzen, bis er es nicht mehr aushält und seine Fontäne von selbst aus ihm herausjagt.«

»Du hast es erfasst!«, sagte Nora. »Genau solche Vergnügen warten auf dich, wenn du es mal ausprobierst. Komm, wir trinken noch einen Wein. In so einer Flasche ist ja gar nichts drin. Ich zeige dir dann einige Bilder.«

Sie winkte dem Kellner und bestellte nach, ohne auf Mias Antwort gewartet zu haben. Der Kellner hatte nicht weit von ihnen gelauert, offenbar, um etwas von ihrem interessanten Gespräch mitzubekommen.

Die Fotos, die Nora auf dem Smartphone hatte, hätte man ohne Weiteres in einem pornografischen Fachmagazin finden können. Nora, wie eine Sparkassengeisel auf einen Stuhl gefesselt, als Knebel einen dicken Vibrator im Mund. Nora, gekreuzigt auf einem Bett. Die freie Hand des Fotografen – offenbar ihr Henri – grapschte auf einer ihrer Brüste herum. Ein Pimmel, steif durch den Boden einer Pizza gesteckt und dazu mit Ketchup garniert.

»Das ist Henri?«, fragte Mia.

»Klar.«

»Ich hab ihn mir ganz anders vorgestellt. Das ist das erste Mal, dass ich sein bestes Stück sehe.«

»Anders? Wie?«

»Na, etwas kleiner und beschnitten.«

»Wie kommst du denn darauf?«, wunderte Nora sich.

»Ich weiß nicht«, gab Mia zu. »Er wirkt so auf mich, sein ganzes Wesen, seine Aura. So, so … na ja, irgendwie beschnitten halt.«

Nora musste so heftig lachen, dass sie sich an ihrem Wein verschluckte. »Das muss ich ihm erzählen«, kicherte sie, als sie wieder bei Atem war. »Henri beschnitten!« Sie lachte immer noch und schüttelte dabei den Kopf. »Schau mal hier.«

Sie zeigte das nächste Foto auf dem Smartphone. Henri, komplett nackt, kreuz und quer mit Stricken verknotet. Aus dem dicksten Knoten ragte sein Schwanz, steif und gerötet.

»Sieht eigentlich nicht schlecht aus, dein Mann. Hat er denn gar nichts dagegen, dass du mir heimlich seine Nacktfotos zeigst?«

Nora schüttelte den Kopf. »Er weiß es. So eine Fesselung ist nämlich nicht nur ein Spiel, sondern zugleich ein Schauspiel. Man fotografiert seine Meisterwerke und stellt sie ins Internet, wo Gleichgesinnte sie sich ansehen können. Man stellt Vergleiche an und tauscht sich über Knotentechniken aus. Schau mal hier.«

Nora zeigte das nächste Bild, auf dem sie selbst zu sehen war. Das Seil, mit dem sie gefesselt war, zeigte sieben Knoten in gerader Linie untereinander, der oberste auf der Stirn, der unterste auf dem Schamhügel, sodass gerade noch der Spalt zu sehen war.

»Du bist ja total verknotet! Sind das die sieben Chakren?«, fragte Mia, obwohl sie in esoterischen Dingen nicht so bewandert war wie ihre Freundin.

»Genau«, erwiderte Nora und setzte zu einer Erläuterung an, aber in diesem Moment läutete Mias Smartphone.

Sie nestelte es gerade noch rechtzeitig aus ihrer Handtasche. Es war Lukas.

»Hab dich nicht zu Hause erreicht«, sagte er. »Bist du beim Einkaufen?«

»Trinke gerade mit Nora ein Glas Wein«, gab sie zurück.

»Dann kauf nichts für heute Abend ein. Wir haben hier ein Buffet bei der Vertragsbesprechung. Wir sind fünf Leute, aber das Buffet reicht für mindestens zwanzig. Sukiyaki, Teriyaki und vor allem jede Menge Sushi. Magst du doch. Ich bringe was mit. Außerdem habe ich noch eine Überraschung.«

»Was denn?« Mias Blick hatte sich bei diesem Gespräch nicht von Noras Foto abgewandt, und sie fragte sich, ob sie sich von Henri so ficken ließ. Gerade als Lukas von Sushi sprach, heftete sich ihr Blick an die knapp sichtbaren Schamlippen.

»Bist du noch da?«, fragte Lukas.

»Ja. Was denn für eine Überraschung?«

»Kann ich nicht sagen.«

»Ach, bitte!«, bettelte sie. »Ich habe auch eine.«

»Dann sag du zuerst.«

»Das Päckchen ist schon da. Body und Vibrator. Beides ganz toll.«

»Musst du mir am Abend vorführen. Sushi können wir ja im Bett essen. Passt wunderbar zum Sex.«

»Freu mich drauf. Und was hast du?«

»Tickets nach Japan. Für uns beide. Vierzehn Tage. Plus drei Tage Stopover in Bangkok. Ich bin jetzt in einer Gehaltsstufe, bei der Dienstreisen inklusive Frauen sind.«

»Fremde oder eigene?«, erkundigte sie sich leicht süffisant. Sie wusste, dass er ihre Frage als Anspielung auf ein Escort-Girl verstand, das er mal am Rande von Verhandlungen in Luxemburg von der Gewerkschaft zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Von ihr hatte er so gut lecken gelernt – er kam nach Hause und konnte es plötzlich so gut wie ein Weltmeister.

»Man kann aussuchen oder beides nehmen«, gab er zurück. »Hab dich schon eintragen lassen. Bis nachher dann.«

Sie hatte während des Gesprächs Geräusche im Hintergrund gehört und wusste, dass er nicht allein war. Sie nahm ihm deshalb die Kürze nicht übel.

»Japan!«, sagte sie. »Wir fliegen nach Japan!«

»Gratuliere!«, erwiderte Nora. »Da hast du ja echt Glück!«

»Das muss ich erst einmal sacken lassen.« Mia deutete auf Noras Smartphone. »Hast du noch mehr davon?«

Nora nickte. »Ihr beide könnt ja mal für einen Abend bei uns vorbeikommen. Dann sehen wir uns zusammen ein paar scharfe Videos an.«

»Wie wär’s mit einer Live-Vorführung inklusive Unterricht?«, kicherte Mia und schlürfte den letzten Rest aus ihrem Glas.

»Wirst du nicht nötig haben, wenn du aus dem Fernen Osten zurückkommst. Dann kannst du eher mir Unterricht geben. Und bring mir ein paar gute Filme mit. Japan ist die Bondage-Hochburg der Welt.«

3. Lustreisende

Es gibt gewisse Zeiten im Jahr, da starten vom Münchner Flughafen die Maschinen in halbstündigen Abständen Richtung Bangkok. In den Warteschlangen stehen häufig Paare mit deutlichen Altersunterschieden – oft ältere Männer mit Halbglatze und dicken Bäuchen, begleitet von jungen, asiatischen Frauen. Allein reisende Thailänderinnen mit riesigem Gepäck warten neben Thai-Müttern mit stressigen kleinen Kindern. Die überwiegende Zahl der Reisenden sind aber Männer zwischen Mitte dreißig und Anfang siebzig, allein oder in kleinen Gruppen unterwegs. Nur selten sind unter ihnen Geschäftsleute, und Lukas war froh, dass er in Begleitung seiner Frau reiste, denn sonst hätte man ihn wahrscheinlich auch für einen dieser Sextouristen gehalten, die ihren Urlaub in Bangkok oder Pattaya verbrachten, um dort eine Hure nach der anderen zu vernaschen.

Er drückte Mias Hand, als sie ihre Reisetaschen fast gleichzeitig ein Stück weiter nach vorn schoben. Sie hatten zum Glück eine Buchung für die Business Class, was eine kürzere Warteschlange und mehr Bequemlichkeit beim Check-in bedeutete. Die beiden schweren Koffer waren direkt von ihrer Haustür abgeholt worden und gingen geradewegs nach Osaka, sodass sie hier nur ihr Handgepäck bei sich hatten – mit all den Kleinigkeiten, die sie bei ihrem Zwischenaufenthalt in Bangkok vielleicht benötigten. Ein Glück, dass in dieser Warteschlange keine Cliquen wie in der Touristenklasse waren, die sich die Wartezeit mit Paletten von Dosenbier verkürzten. Den Flug zwischen schnarchenden Betrunkenen verbringen zu müssen, wäre keine angenehme Aussicht gewesen.

So waren sie bereits nach zwölf Minuten am Schalter und konnten dann in einer gemütlichen Lounge noch einen genießbaren Kaffee trinken – das war gegenüber früheren Flügen, die Lukas als einfacher Geschäftsunterhändler hinter sich hatte, eine angenehme Verbesserung. Und natürlich, dass diesmal Mia mitkommen konnte.

Er sah ihr die Aufregung an. Für sie war es die erste Weltreise. Das heißt, sie war zwar mit ihm schon mal auf den Malediven gewesen, aber das war mittlerweile fast so etwas Alltägliches wie Mallorca. Japan war dagegen noch immer etwas Exotisches. Eine Reise, die das Leben verändern konnte.

Sie hatten noch eine Dreiviertelstunde, bis sie an Bord gelassen wurden. Zusammen blätterten sie eine Modezeitschrift durch, aber Mia, die sonst großes Interesse an so etwas hatte, war jetzt gar nicht bei der Sache.

»Nervös?«, fragte Lukas.

Sie zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht. Das sind merkwürdige Typen, die da mit an Bord gehen. Die sind schon betrunken, bevor sie ihre Plätze einnehmen.«

»Sextouristen. Die saufen aus Verlegenheit«, wusste Lukas. »Die haben die ganze Zeit vor ihren Kollegen und Freunden verheimlicht, dass sie allein nach Thailand reisen, weil sie damit ihre Absicht verraten hätten. Und nun müssen sie am Flughafen entdecken, dass sie nicht die Einzigen sind, sondern ein Teil eines schmuddeligen Massenphänomens. Diese Herrschaften werden sich wahrscheinlich alle in einschlägigen Bars wiedersehen.« Und sicher in eindeutigen Situationen, setzte er in Gedanken hinzu, wollte seine Frau aber nicht damit beunruhigen.

Als sie später auf ihren Plätzen saßen, war von diesen Typen allerdings nichts mehr zu hören und zu sehen. In der Business Class gab es ein gehobenes Publikum, zumeist tatsächlich Geschäftsleute oder zumindest Leute mit Geld, denn sonst hätten sie sich wahrscheinlich den Komfort hier nicht leisten können: bequeme Sitze, besseres Essen, und der Wein wurde nicht aus Tetrapaks eingeschenkt. Außerdem gab es hier mehr als nur den einen einzigen Pappbecher, den man im Economy-Bereich bekam.