cover
Wolf G. Rahn

Wer mit Mördern paktiert

N.Y.D. - New York Detectives





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Wer mit Mördern paktiert ...: N. Y. D. - New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Detektiv Mud Mudders – Held aller Krimifans – stammt aus der Feder des erfolgreichen Schriftstellers Hugh Shelley, der dabei vorgibt, von seinen eigenen Kriminalfällen zu berichten. Als die Witwe des ermordeten Unternehmers Owen Harrington sich an Mud Mudders wendet, damit dieser den Mord an ihrem Mann aufklärt, gerät der unscheinbare Schreiberling in arge Bedrängnis – schließlich existiert der Superdetektiv nur in seiner Fantasie. Als Shelley auch noch eine Morddrohung erhält, bittet er Bount Reiniger, den bekanntesten Privatdetektiv New Yorks, um Hilfe. Weil Reiniger sich zunächst weigert, den Fall zu übernehmen, heuert der verzweifelte Romanautor zu seinem Schutz einen Killer an – doch der Schuss geht nach hinten los ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Die Hauptpersonen des Romans:

Cylia Harrington - Ihr Mann wird ermordet, und sie will seinen Tod sühnen, aber sie verschweigt die Wahrheit.

Hugh Shelley - Er kennt den besten Detektiv der Welt, aber er wendet sich an Bount um Hilfe, weil nur er ihn noch retten kann.

Kyd - Der Killer wittert das große Geschäft, und das will er sich auch nicht durch Bount verderben lassen.

Paul Pratt - Er versucht, im Trüben zu fischen. Erst eine Kugel kann Ihn stoppen.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.


1

Der Bungalow lag friedlich in dem parkähnlichen Garten. Alles war still. Hinter vier Fenstern brannte noch Licht. Zwei gehörten zum Schlafzimmer von Cylia Harrington und die anderen beiden zum Arbeitszimmer ihres Mannes, der seine Finger in vielen lukrativen Geschäften stecken hatte und entsprechend gut verdiente. Allerdings schonte er sich auch nicht. Seit frühester Jugend hatte er den Standpunkt vertreten, dass man sich erkämpfen müsse, was man besitzen wollte.

Aus diesem Grund hockte er auch noch mitten in der Nacht über komplizierten technischen Unterlagen, denn er besaß noch einen zweiten Grundsatz: Ein Boss muss immer mehr verstehen als seine Untergebenen. Mit diesen beiden Einstellungen war er bis zum heutigen Tage gut gefahren, genau genommen bis zur heutigen Nacht. Danach sollte sich das ändern.

Während Owen Harrington Pläne und Zeichnungen studierte und eine Zigarette nach der anderen rauchte, dass das Zimmer wie eine Nebellandschaft aussah, schlich draußen in der klaren Nacht eine Gestalt ums Haus und verbarg sich hinter den Bäumen des Gartens. Owen Harrington erwartete diesen Mann wohl kaum, obwohl er sich recht gut auszukennen schien. Er trug einen dunklen Trenchcoat mit schwarzem Halstuch. Sein Gesicht hatte er geschwärzt. Seine Absichten waren nicht die lautersten.

Hin und wieder ging sein Blick zu den erleuchteten Fenstern. Überall waren Vorhänge vorgezogen. Deshalb konnte er nicht erkennen, was in den Räumen geschah, aber das war auch nicht nötig. Er wusste es ohnehin. Es war in jeder Nacht das Gleiche, falls seine Informationen stimmten.

Der Mann kauerte jetzt hinter einem Busch und zog ein schwarz glänzendes, metallenes Etwas aus seiner Manteltasche. Er prüfte es gewissenhaft und wog es in seiner Hand. Die Pistole war überraschend leicht, dachte er, wenn man berücksichtigte, was man damit alles anfangen konnte. Er zog das Magazin heraus, nickte zufrieden und schob es wieder zurück. Dann entsicherte er die Waffe und erhob sich.

Hinter den Vorhängen des Schlafzimmers erschien jetzt eine Silhouette. Der Schattenriss einer atemberaubenden Frau. Das Gesicht ließ sich zwar nicht beurteilen, doch die Konturen ihres Körpers waren aufregend genug. Immerhin pflegte Cylia Harrington nackt zu schlafen.

Sie reckte sich nach oben, um irgendetwas zu holen oder wegzustellen. Dabei kamen ihre Brüste noch besser zur Geltung.

Der Mann draußen schluckte. „Verdammt!“, murmelte er. „Wie soll ich da noch eine ruhige Hand haben?“ Dennoch genoss er den erfreulichen Anblick, solange er sich ihm bot. Woher sollte die Frau wissen, dass sie in ihrer Freizügigkeit beobachtet wurde? Sie wusste sich mit ihrem Mann und den Pratts allein in dem Haus, und dieses wurde dazu noch zuverlässig bewacht. Von einer aufwendigen Alarmanlage und von Charry, dem Schäferhund.

Dass Charry nicht mehr lebte, wusste Cylia Harrington allerdings nicht, als sie wieder ins Bett ging. Ebenso wenig war ihr bekannt, dass der Unbekannte draußen nun seinen Unterkiefer vorschob und sich den anderen Fenstern näherte. Er konnte sie mit der Hand mühelos er reichen. Er klopfte gegen eine Scheibe, dass es kaum zu hören war. Dann wartete er.

Als sich nichts rührte, pochte er etwas energischer. Das wirkte. Drinnen wurde ein Stuhl zurückgeschoben, nachdem zuvor eine Schublade zugeschoben worden war. Ein Mann näherte sich dem Fenster.

Von draußen war nur zu erkennen, dass er nicht sehr groß und untersetzt war. Er hatte eine Glatze und, auch das ließ sich einwandfrei feststellen, in der rechten Hand hielt er einen Revolver.

Owen Harrington war misstrauisch. Das gehörte zu seinem Erfolg. Nächtliche Geräusche machten ihn vorsichtig. Da verließ er sich weder auf Charry noch auf die Alarmanlage. In solchen Fällen tat eine Waffe in der Faust bessere Dienste. Wenn bei ihm jemand einbrechen wollte, dann musste er schon geschickter vorgehen.

Der Revolver war schussbereit. Das ahnte der Mann vor dem Fenster. Ihn interessierte aber nur die breite Brust und der kugelrunde Kopf. Beides hob sich klar von dem Vorhang ab, beides war aus dieser Entfernung gar nicht zu verfehlen.

Er entschied sich für den Kopf. Seelenruhig hob er die Pistole, hielt sie gegen die Fensterscheibe und drückte ab. Er tat das genau viermal. Danach hatte er kein Ziel mehr, denn Owen Harrington hatte sich nicht mehr länger auf den Beinen halten können.



2

Cylia Harrington trat vom Bücherregal zurück. Sie hatte ein Buch hineingeschoben und ein neues herausgenommen. Die rassige Frau mit den kurzgeschnittenen schwarzen Haaren und der Mannequinfigur besaß zwei Leidenschaften. Die eine war das Geld ihres Mannes, die zweite war Kriminalliteratur jeglicher Schattierung. Während Owen die Nächte hindurch arbeitete, verschlang sie einen Krimi nach dem anderen, wobei die Erlebnisberichte des Detektivs Mud Mudders sie besonders fesselten. Das war nicht verwunderlich, denn Mud Mudders existierte wirklich. Er war nicht nur ein Fantasiegeschöpf, das erfundene Verbrechen aufklären durfte. Mudders hatte alles am eigenen Leib erlebt, was er durch einen Berufsautor niederschreiben ließ. Deshalb hatten seine spannenden Geschichten auch das, was manchen Konkurrenzprodukten fehlte: Authentizität.

Cylia Harrington reckte sich wohlig. Sie war noch nicht müde. Wenigstens ein Kapitel wollte sie noch verschlingen. Es war ja erst kurz nach Mitternacht.

Sie kehrte zu ihrem breiten Bett zurück, verharrte aber für einige Augenblicke vor dem riesigen Spiegel. Zufrieden betrachtete sie sich. Sie durfte sich wirklich nicht beklagen. Der Schöpfer hatte sie überreichlich mit sichtbaren weiblichen Attributen ausgestattet. Kein Mensch, nicht mal ihre Neider, sahen ihr die zweiunddreißig Jahre an.

Sie hatte wirklich alles, was sie sich wünschen konnte. Dass Owen nicht gerade zu den stürmischen Liebhabern gehörte, durfte sie nicht stören. Stürmische Liebhaber brachten meistens nicht die Zeit auf, das von ihr so geliebte Geld in der erforderlichen Menge zu verdienen. Ein Glatzkopf sah im Grunde doch recht ansehnlich aus, wenn man ihn durch einen Hochkaräter betrachtete.

Cylia Harrington lächelte. Ob sich Owen eigentlich im Klaren war, was für ein Schmuckstück er besaß? Langbeinig, vollbusig, mit bezauberndem Gesicht. Und dazu noch treu. Jedenfalls meistens.

Die Frau seufzte. Treu zu sein, fiel nicht allzu schwer, wenn man durch einen Seitensprung so viel aufs Spiel setzte. Das Leben, das Owen ihr seit sieben Jahren bot, wollte sie nicht mehr missen. Owen war jetzt einundfünfzig. Zum Beerben noch zu jung. Also dachte sie daran, dass auch die meisten Edelsteine durch interessante Einschlüsse nur noch wertvoller wurden, selbst wenn diese Einschlüsse für sich betrachtet ausgesprochen hässlich wirkten.

Cylia Harrington trennte sich von ihrem Spiegelbild. Sie schlüpfte ins Bett zurück und schlug das Buch auf.

Schon nach den ersten Zeilen spürte sie ein angenehmes Kribbeln an ihrem ganzen Körper. Dieser Mud Mudders war ein Mann, bei dem sie vielleicht schwach werden könnte. Er verstand es, mit Frauen umzugehen, obwohl er sich tagtäglich mit kriminellen Elementen herumschlug und dabei sein Leben aufs Spiel setzte. Sie bedauerte es, ihn noch nie persönlich kennengelernt zu haben. Aber vielleicht war das gut so. Sie war eine Frau, und wenn sie erst mal den Kopf verlor, war sie nicht mehr jener vernünftigen Überlegungen fähig, die ihr angestrebter Lebensstil erforderte.

Sie vergrub sich in das erste Kapitel bis zu der Stelle, an der Mud Mudders den skrupellosen Heroinhändler stellte und der Gangster nicht zögerte, auf den Detektiv zu schießen.

Diese Szene war so realistisch geschrieben, dass sie den Schuss förmlich hören konnte.

Es folgten drei weitere Detonationen. Das war nicht möglich. In dem Buch stand, dass Mud Mudders den Gangster mit einem gezielten Kinnhaken außer Gefecht setzte und damit den Kampf auf unblutige Weise beendete.

Verstört blickte Cylia Harrington auf. Warum war es plötzlich im Haus so laut? Sie hörte die etwas schrille Stimme Joans und den polternden Bass ihres Mannes, der sie wohl beruhigen wollte. Hastige Schritte eilten über den Teppichboden. Türen wurden aufgerissen. Da endlich wusste die Frau, dass tatsächlich geschossen worden war.

Das Buch, in dem sie gelesen hatte, fiel ihr aus der Hand. Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte sie: Owen!

Sie sprang aus dem Bett und eilte zur Tür. Erst als sie schon auf dem Gang stand, erinnerte sie sich daran, dass sie völlig nackt war. Sie taumelte ins Zimmer zurück, griff nach ihrem gelbseidenen Morgenmantel und streifte ihn über. Dann lief sie dorthin, woher die erregten Stimmen kamen.

Im Arbeitszimmer ihres Mannes kam ihr Joan Pratt, die Haushälterin entgegen. „Oh, es ist so furchtbar, Madam!“, jammerte sie. Ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. Auch sie trug nur einen Morgenmantel. Darunter allerdings ein leinenes Nachthemd.

Paul Pratt, ihr Mann und dienstbarer Geist im Hause Harrington, stand am Fenster und erklärte wenig zartfühlend: „Das war niemals ein Selbstmord. Er wurde von vier Kugeln in den Kopf getroffen. Ein Selbstmörder hätte allenfalls einen tödlichen Schuss auf sich abgeben können.“

Erst jetzt sah Cylia den Leichnam ihres Mannes, der zuvor von Paul Pratt verdeckt worden war. Sie fiel in Ohnmacht, ohne auch nur noch einen Laut von sich gegeben zu haben.

Als sie wieder zu sich kam, wimmelte das Haus von fremden Leuten. Paul Pratt hatte die Polizei informiert, nachdem er festgestellt hatte, dass die Trommel des Revolvers, den der Tote in der Hand hielt, noch voll war und damit ein Selbstmord erst recht nicht infrage kam.

Nun stand er vor ihr, aber sein Gesicht sah weniger besorgt als gierig aus. Cylia Harrington folgte seinem Blick und stellte fest, dass man sie auf das Ledersofa im Arbeitszimmer gebettet hatte. Ihr Morgenmantel hatte sich halb geöffnet. Vielleicht hatte Paul auch ein wenig nachgeholfen. Jedenfalls waren ihre wohlgeformten Beine annähernd in ihrer ganzen Länge zu sehen, was auch andere Männer als den Diener aufgeregt hätte.

Cylia raffte hastig den Stoff zusammen und richtete sich auf. „Was wollen die vielen Polizisten bei uns?“, fragte sie. „Was ist eigentlich ...?“ Sie sprach nicht weiter. Eben trugen zwei Beamte eine Bahre hinaus, die mit einem weißen Tuch zugedeckt war.

„Owen!“, schrie sie auf. Schlagartig kam die Erinnerung zurück. Man hatte ihren Mann erschossen. Owen lebte nicht mehr. Zum zweiten Mal brach sie zusammen. Sie nahm nicht mehr zur Kenntnis, dass ein Beamter mit gestutztem Backenbart sie misstrauisch beobachtete. Er machte sich über ihr Verhalten seine eigenen Gedanken.